Alternative Heilkunde

Weitere Massageverfahren

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Shiatsu ist eine Massageform, die ursprünglich aus Japan kommt.Neuere Massageverfahren sprechen einzelne Körpersysteme an, wie etwa die Lymphdrainage oder die Atemmassage, bei der die Atmung im Liegen durch Massagegriffe gefördert wird. Daneben werden heute viele Massageformen aus anderen Kulturkreisen praktiziert, die teilweise auch meditative Elemente enthalten, wie etwa die |Tuina-Massage (eine chinesische Massageform, die westliche Behandlungsformen wie Chiropraktik, Akupressur, die manuelle Therapie sowie diverse Massagemethoden beinhaltet) oder Shiatsu. Manche neueren Massageverfahren wie etwa die Unterwasserdruckstrahlmassage oder die Ultraschallmassage benutzen technische Hilfsmittel, sodass es sich nicht mehr um manuelle Verfahren im strengeren Sinn handelt.

Bindegewebemassage: Das unter der Haut liegende Bindegewebe wird durch bestimmte Griffe gereizt. Über Reflexbögen sollen so die inneren Organe beeinflusst werden. Eingesetzt wird die Technik etwa bei rheumatischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen und anderen funktionellen Beschwerden wie Reizdarm oder Menstruationsbeschwerden.

Lymphdrainage: Oberflächliche Griffe und Streichungen entlang der Lymphbahnen erleichtern den Abtransport der Lymphe und bauen so Schwellungen ab und stärken das Lymphsystem. Bewährt nach Verletzungen, Bestrahlungen und Operationen, etwa einer Brustkrebsoperation.

Periostmassage (Periostbehandlung): Bestimmte Bereiche der Knochenhaut werden mit starkem Druck und kreisenden Bewegungen stimuliert, dadurch sollen sich akute Schmerzen bei Arthrosen oder bei |Fibromyalgie, aber auch Blasen- oder Mastdarmstörungen bessern.

Tuina-Massage: Diese ist ein wichtiger Bestandteil der | Traditionellen Chinesischen Medizin und eine der ältesten manuellen Behandlungsmethoden überhaupt. Durch Streichungen entlang der Meridiane und Muskeln, durch Pressen von Akupunkturpunkten sowie durch Schlagbewegungen und Vibrationen sollen blockierte Meridiane „geöffnet“ und der Energiefluss angeregt werden.

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die klassische Massage, die Reflexzonenmassagen und die Lymphdrainage. Selbst zu tragen sind jedoch neben der Rezeptgebühr 10 % der Behandlungskosten. Eine Fußreflexzonenmassage wird nicht übernommen. Auch Ganzkörpermassagen, fernöstliche und Wellnessmassagen müssen selbst bezahlt werden.

Weiterlesen:
Klassische MassageWas sind manuelle Therapien?Die verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Wissenschaftliche Prüfung von Naturheilverfahren: Pro und Kontra

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Studien sind wichtig, um eine Therapiewirkung objektiv einzuschätzen.Wissenschaftliche Prüfung: Kontra!
Auf die „Wirkung unter dem Strich“ kommt es an. Und dabei, so meinen nicht wenige Verfechter von Naturheilverfahren, könnte man es doch belassen. Ob sich die Wirkung auf spezifische oder unspezifische Effekte gründet, sei für den Patienten egal: Wer heilt, hat Recht. Zudem seien die spezifischen Wirkungen von den unspezifischen oft gar nicht zu trennen. Ein Antibiotikum mag wirken, wenn es über das Internet bestellt wird, aber bei den Naturheilverfahren seien nun einmal Beziehungen wichtig – Anwender und Mittel seien eine Einheit.

Streitfall Doppelblindstudien. Viele Verfechter von Naturheilverfahren lehnen deshalb konsequente wissenschaftliche Untersuchungen wie etwa |randomisierte Doppelblindstudien ab. Letztere wurden entwickelt, um die spezifische Wirkung einer Therapie zu messen – und die unspezifische Wirkung komplett außen vor zu lassen.

Mit solchen „künstlichen“ Studien, so die Kritik vieler Naturheilkundler, werde jedoch das unterschlagen, was die Medizin seit ihren Anfängen genutzt hat und auf was sich die Heilkunst der Ärzte schon immer mitgegründet hat: die Beziehung des Patienten zum Therapeuten. Ist der Trend zu den Naturheilverfahren nicht gerade dadurch entstanden, weil die Schulmedizin die Herzen der Menschen nicht mehr erreicht? Sollen die Naturheilverfahren den Irrtum der Schulmedizin jetzt – auf Drängen der Schulmedizin – wiederholen? Und setzt nicht auch die Schulmedizin zuhauf auf unspezifische Wirkungen – sei es über den „Professorenbonus“ oder über die Strahlkraft hochtechnischer Untersuchungen?

So fragt etwa Dr. Ellis Huber, der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer, warum nur das anerkannt werden solle, was „unabhängig von Beziehungen, seelischen oder geistigen Kräften und sozialer Lage wirkt“. Randomisierte Doppelblindstudien lehnt auch Dr. Huber als Standard zum Wirkungsnachweis in der Heilkunde ab und setzt dagegen: „Das Leben ist ein dynamisches, kommunizierendes Gewebe, ein Gewirr von Wechselwirkungen, in dem Geist und Materie, Leib und Seele miteinander in Beziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen“. [X03]

Wichtige Wirkungen: nicht messbar. Gegner einer rigorosen wissenschaftlichen Überprüfung weisen auch auf das |Passungsphänomen hin: Ein Verfahren wirkt dann am besten, wenn es zu den Erwartungen und der Persönlichkeit des Patienten passt. Der Patient braucht nicht die – nach exakten Methoden für den „Standardpatienten“ entwickelte – beste Therapie, sondern die für ihn richtige. Nur wer sich von einem Verfahren „angesprochen“ fühlt, wird dessen Potenzial nutzen können. Und wie sollen statistische Verfahren das überprüfen?

Viele Verfechter von Naturheilverfahren wollen sich deshalb allenfalls auf „weiche“ wissenschaftliche Überprüfungen einlassen – wenn die Wirkung von Naturheilverfahren geprüft werden solle, dann bitte schön der Gesamteffekt. Wo „Hülle und Inhalt“ zusammenwirken, solle auch die Wirkung des ganzen Pakets gemessen werden – anstelle von |Doppelblindstudien, die auf den Nachweis einer spezifischen Wirkung abzielen, sollten Beobachtungsstudien durchgeführt werden, welche die mit dem Verfahren „unter dem Strich“ erzielten Besserungen messen.

Wissenschaftliche Prüfung: Pro!
Die Befürworter einer wissenschaftlichen Überprüfung der Naturheilverfahren halten dagegen: Vor der Empfehlung eines Medikaments oder Verfahrens müsse bekannt sein, ob dieses „aus sich heraus“ – also spezifisch – wirke. Man müsse wissen, ob ein Medikament nur wirkt, wenn man sich mit dem Arzt gut versteht oder auch dann, wenn man den Arzt nicht leiden kann. Was würden denn Patienten von Schulmedizinern halten, die sich weigern, ein Medikament zu testen, da dieses nur funktioniere, wenn ein Professor es verordne oder wenn der Arzt zumindest einen weißen Kittel trüge?

Und für einen solchen Nachweis, so die Verfechter eines wissenschaftlichen Herangehens, reiche die Erfahrung des Therapeuten nicht aus. „Dass dieses Medikament wirkt, sehe ich doch täglich in der Praxis“ ist kein Beweis für eine Wirkung über unspezifische Effekte hinaus. Und auch die oft bemühte „Stimme des Volkes“ hilft nicht weiter („Millionen zufriedene Anwender können nicht irren“) – Konsens ist kein Wirknachweis.

Zu einer verlässlichen Aussage über eine reproduzierbare (wiederholbare) Wirkung sind objektive Prüfungen unerlässlich, bei denen Zufall, Therapeut und Suggestion außen vor bleiben – die Einheit von Verfahren und Anwender soll aufgebrochen, die Verpackung vom Inhalt getrennt werden.

Und das schaffen nur |randomisierte Doppelblindstudien (in diesen Studien werden die erzielten Besserungen mit denen eines Placebos verglichen). Nicht umsonst muss die Arzneimittelindustrie jedes Jahr Milliarden für diese Studien ausgeben – der spezifische Wirknachweis ist heute die Voraussetzung für die Medikamentenzulassung.

Dass objektive Wirknachweise grundsätzlich auch bei naturheilkundlichen, individuell wirkenden Verfahren wie etwa der Homöopathie erbracht werden können, zeigt folgendes Beispiel:

Drei homöopathisch arbeitende Hautärzte einer mittelgroßen Stadt bitten alle neu in ihre Praxen kommenden Patienten schriftlich um Teilnahme an einer Studie über die Wirkung der homöopathischen Behandlung bei Neurodermitis. Die Voraussetzung zur Teilnahme: Sollte sich bei der Konsultation die Diagnose einer |Neurodermitis ergeben, so müssen sich die Patienten bereit erklären, statt eines homöopathischen Medikaments eventuell ein |Placebo zu bekommen. Zu den Bedingungen der Studie gehört auch, dass die Patienten ihre Medikamente immer in einer bestimmten Apotheke abholen und sich nach einem Zeitraum von drei Monaten von einem unabhängigen Hautarzt untersuchen lassen.

Der Apotheker, bei dem sich die teilnehmenden Patienten ihre Verordnungen abholen, hat nun folgende Aufgabe: Auf allen mit einem roten „S“ markierten Verordnungen (das ist das vereinbarte Zeichen für „Studienteilnehmer“) prüft er das Geburtsdatum. Alle Patienten mit einer ungeraden Jahreszahl bekommen – in einer neutralen Verpackung – die verordneten homöopathischen Medikamente ausgehändigt, die mit einer geraden Jahreszahl ein gleich aussehendes Placebo. Der nach drei Monaten Behandlung aufzusuchende unabhängige Hautarzt dokumentiert die Befunde nach ihrem Schweregrad auf einer Skala von 1 bis 10 (ihm ist natürlich nicht bekannt, welche der Patienten homöopathisch behandelt wurden und welche nicht).

Sind ausreichend viele Patienten untersucht, kann nun der Studienleiter die Ergebnisse auswerten, d. h., die von dem unabhängigen Hautarzt erhobenen Befunde der Behandlung zuordnen. Findet er statistisch keinen Unterschied in den Hautbefunden zwischen Patienten aus „ungeraden“ und solchen aus „geraden“ Geburtsjahren, so ist eine spezifische Wirkung des verordneten Homöopathikums nicht anzunehmen.

Es gibt aber noch weitere Argumente für die wissenschaftliche Überprüfung:

Jede Behandlung bedeutet einen Eingriff in den Körper und die Seele des Patienten. Er investiert Vertrauen, Energie und Geld. Wenn eine Methode nur bei bestimmten Therapeuten funktioniert und bei anderen nicht, sollte der Patient dies wissen – und sich dann selbst entscheiden, ob er sich auf den Versuch einlässt. Auch wenn unmittelbare Nebenwirkungen bei Naturheilverfahren selten sind: Patienten können auch bei sanften Verfahren zu Schaden kommen – vor allem dann, wenn wirksamere Therapien unterlassen werden.

Weiterlesen:
Unspezifische Wirkungen- wie sie sich erklären lassenWirkungsweise der KomplementärmedizinNaturheilverfahren realistisch nutzenNaturheilverfahren in den Medien

Ayurveda

Quelle: apotheken.de | 07.03.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Auch Yoga und Meditation sind Teil des Ayurveda-Konzepts.Das Sanskritwort Ayurveda heißt übersetzt Wissenschaft vom Leben. Diese Wissenschaft ist in den altindischen vedischen Schriften beschrieben und bezieht sich vor allem auf eine gesunde Lebensführung, zum Teil aber auch auf die Behandlung von Krankheiten. Die darauf aufbauende ayurvedische Medizin wird in Indien noch heute in großem Maßstab praktiziert, vor allem auf dem Land.

Dem Konzept des Ayurveda liegt ein ähnliches Gleichgewichtsmodell zugrunde wie der Traditionellen Chinesischen Medizin: Der Mensch ist dann gesund und fühlt sich wohl, wenn das Bewusstsein und die körperlichen Funktionen stimmig zueinanderpassen und er zudem in die ihn umgebende Welt eingebunden ist. Nach der Lehre des Ayurveda besteht der Mensch wie alles Lebendige aus den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum. Deren Mischungsverhältnis hat Einfluss auf die körperlichen Funktionen und bestimmt auch die Persönlichkeit des Menschen. Die ayurvedischen Regeln zur Lebensführung und die Heilbehandlungen sollen eine ausgewogene Mischung der Grundelemente fördern, um so Gesundheit zu ermöglichen.

Dazu bedient sich Ayurveda eigener Arzneimittel, Ernährungsempfehlungen sowie bestimmter Pflanzen- oder Gewürzzubereitungen. Zudem werden ausleitende Verfahren wie Aderlässe, Darmreinigungen und das Auslösen von Erbrechen und Niesen sowie Ölmassagen, Ölgüsse und Wärmedampfbäder eingesetzt. Auch Yoga-Übungen und Empfehlungen zu einer auf die eigene Konstitution abgestimmten Gestaltung des persönlichen Lebensraums gehören zum Ayurveda.

Die ayurvedische Medizin wird hierzulande nicht einheitlich praktiziert und vielfach eher im Wellness- und Anti-Aging-Bereich angeboten. Kritiker weisen zudem auf den großen Einfluss des umstrittenen indischen Gelehrten Maharishi Mahesh Yogi hin, der sowohl die Ausbildung im deutschsprachigen Raum prägt als auch eine breite Palette kommerzieller Angebote rund um das Thema Ayurveda unterhält, von Körperpflegeartikeln bis zu ayurvedischen Delikatessen.

Eine einheitliche wissenschaftliche Bewertung ist wegen der vielen verwendeten Therapieelemente schwierig. Positive Wirkungen ließen sich für einige der ayurvedischen Pflanzenmittel zeigen, etwa bei Akne, rheumatoider Arthritis und bei Schlafstörungen. Allerdings muss auch bedacht werden, dass ayurvedische Arzneimittel kaum standardisiert und reguliert sind und toxische Bestandteile wie etwa Schwermetalle enthalten können.

Weiterführende Informationen

http://www.ayurveda.de|www.ayurveda.de – Deutsche Gesellschaft für Ayurveda, Berlin: Informative und übersichtliche Internetseite mit Kurhaus- und Arztadressen. E. Schrott; W. Schachinger: Handbuch Ayurveda. Haug, 2004. Deutschsprachiges Standardwerk, das praxisorientiert die ayurvedischen Denkweisen und Therapieansätze vermittelt. D. Frawley: Das große Ayurveda-Heilungsbuch. Prinzipien und Praxis. Droemer Knaur, 2005. Preisgünstiger Ratgeber mit viel Praxisbezug.

Weiterlesen: Die verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Arzt oder Heilpraktiker?

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Viele Angebote aus der Alternativheilkunde müssen selbst bezahlt werden. Grundsätzlich gilt: Ein Patient fährt mit der Person am besten, der er vertraut. Da Ärzte jedoch über ein breiteres medizinisches Wissen verfügen, ist eher gewährleistet, dass sie richtige Diagnosen stellen und Verschlechterungen rasch erkennen.

Die Kostenübernahme für naturheilkundliche Verfahren ist ein kompliziertes Thema, das von Kasse zu Kasse etwas unterschiedlich gehandhabt wird. Zudem unterscheiden sich Privatkassen und gesetzliche Krankenkassen, und die neuerdings verfügbaren Zusatzversicherungen für naturheilkundliche Leistungen folgen ebenfalls eigenen Regeln. Vom Gesetzgeber sind zumindest die gesetzlichen Krankenversicherungen angewiesen, nur wissenschaftlich fundierte Therapien zu erstatten.

Neuerdings bezahlen manche gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen eine homöopathische Behandlung, und – bei Kindern unter 12 Jahren – sogar die homöopathischen Arzneien. Ähnliches gilt für die Akupunktur, die zumindest für bestimmte Indikationen zur Kassenleistung geworden ist. Nicht verschreibungspflichtige, naturheilkundliche Arzneimittel müssen seit 2004 generell selbst bezahlt werden. Der Besuch beim Heilpraktiker wird grundsätzlich nicht erstattet.

Bei diesen undurchschaubaren Verhältnissen kann nur eines geraten werden: Mit der Kasse reden, welche Leistungen sie übernimmt und welche nicht – am besten vor Aufnahme einer Therapie. Einige Ärzte lehnen übrigens die Abrechnung über die Kasse auch dann ab, wenn sie genehmigt wird: Denn bei der Abrechnung als Kassenleistung (nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab - das bundesweite Vergütungssystem im deutschen Gesundheitswesen) erhalten sie viel weniger Geld als bei der Abrechnung als Selbstbezahlung nach der bundesweiten Gebührenordnung für Ärzte (|GOÄ). Oder der Arzt verlangt Zuzahlungen, was allerdings oft sogar rechtswidrig ist.

Für Privatkassen sind die Regelungen anders – immerhin bieten jüngere Verträge eine gewisse Rechtssicherheit, weil dort bestimmte Verfahren explizit in Bezug auf die Kostenerstattung ein- oder ausgeschlossen sind. Die Verhältnisse in der Schweiz und in Österreich sind nicht weniger kompliziert. Auch hier gilt: nachfragen!

Weiterlesen:
Anbieter komplementärmedizinischer LeistungenNaturheilverfahren realistisch nutzenNatürlich heilen, aber wie?

Kraniosakraltherapie

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Betimmte Griffe sollen Blockaden lösen und so den kraniosakralen Rhythmus wiederherstellen.Die Kraniosakraltherapie (kraniosakrale Osteopathie) wurde in den 1930er-Jahren von dem Journalisten William Garner Sutherland entwickelt. Er ging davon aus, dass sich der Schädel 6–12-mal pro Minute minimal ausdehnt (andere Schulen sprechen von 8–14-mal). Dies wurde von späteren Kraniosakraltherapeuten auf die rhythmische Produktion und Wiederaufnahme des Nervenwassers, des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) durch die Hirnhäute zurückgeführt. Es wurde angenommen, dass die so entstehenden, wellenartigen Bewegungen durch den relativ starren Rückenmarkkanal fortgeleitet werden, wodurch der Rhythmus des Schädels (Cranium) auf das Steißbein (Sacrum) übertragen wird. Wegen dieser Verbindung wird der Rhythmus auch als kraniosakraler Rhythmus bezeichnet.

Nach Sutherlands Auffassung zeigen sich Gesundheitsstörungen durch einen gestörten kraniosakralen Rhythmus. An den Rhythmusstörungen sind nach Ansicht der Kraniosakraltherapeuten Bindegewebeverspannungen schuld, die sich infolge seelischer oder körperlicher Traumata entwickeln – auch durch eine traumatische Geburt. Durch bestimmte Grifftechniken könne der ursprüngliche gesunde Rhythmus wiederhergestellt werden.

Hierzu ertastet der Therapeut an den Schädelknochen den individuellen Rhythmus des Patienten und erkennt blockierte Pendelbewegungen. Durch spezielle Drucktechniken werden nach Auffassung der Kraniosakraltherapeuten Gewebespannungen gelöst und der individuelle Rhythmus verstärkt bzw. in seinem freien Fluss durch den Körper unterstützt.

Die Ausbildung zum Kraniosakraltherapeuten erfolgt teils im Rahmen der osteopathischen Ausbildung, teils separat in Kursen unterschiedlicher Dauer, die für Angehörige von Heilberufen, aber auch für Laien angeboten werden.

Bewertung. Das Verfahren wird in der Regel gut vertragen und Nebenwirkungen sind selten. Allerdings existiert bisher für keine Krankheit ein wissenschaftlicher Wirknachweis. Auch ist das zugrunde liegende Konzept wissenschaftlich nicht plausibel: Der Liquor wird zwar laufend neu produziert und wieder in das Gefäßsystem aufgenommen, die beschriebenen Pulsierungen lassen sich jedoch selbst mit feinsten Messmethoden nicht nachweisen.

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Was sind manuelle Therapien?OsteopathieChiropraktikKlassische MassageDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Biochemie nach Schüßler

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med Herbert Renz-Polster/Dr. med. Markus Escher
 Schüßler-Salze gibt es Form von Tabletten, Tropfen oder Globuli.Diese auf den Arzt Wilhelm Schüßler (1821–1898) zurückgehende Behandlung entwickelte sich aus der Homöopathie, erlebt ihren eigentlichen Siegeszug aber erst in jüngster Zeit. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten dadurch entstünden, dass der Körper bei seinem Versuch, krankmachende Reize abzuwehren, Mineralstoffe verliere. Der Mangel an Mineralstoffen in den Zellen führe dazu, dass sich die verbleibenden Moleküle nicht mehr richtig bewegen können. Dem könne durch die Zufuhr von Mineralstoffen in homöopathischer Zubereitung abgeholfen werden, wobei jedes dieser Funktionsmittel bestimmte Organfunktionen beeinflussen soll.

Durchführung
Die Schüßler-Salze liegen in Tablettenform, als Tropfen und als Globuli vor. Dabei entsprechen jeweils 5 Globuli oder 5 Tropfen einer empfohlenen Tablette. Normalerweise werden 1–2 Tabletten 3–6 mal täglich eingenommen. Die Tabletten sollte man 30 Minuten vor dem Essen einzeln und langsam im Mund zergehen lassen. Bei starken Beschwerden wird eine Tablette alle fünf Minuten eingenommen bis Linderung eintritt, keinesfalls aber länger als einen Tag. Letztlich kann man auch mehrere Salze miteinander kombinieren, dann werden jedoch von jeder Tabletten-Sorte drei Stück pro Tag eingenommen. Die Kombination der Schüßler-Salze bleibt dem Anwender überlassen, in der Praxis gibt es ganz unterschiedliche Ansichten.

Die Schüßler-Salze bestehen aus homöopathisch potenzierten Mineralsalzen und kommen auch unter normalen Bedingungen im menschlichen Körper vor. Die wichtigsten Schüßler-Salze sind die zwölf Funktionsmittel, die von Dr. Schüßler beschrieben wurden. Seine Schüler entwickelten weitere fünfzehn Mineralsalze, die erst nach Schüßlers Zeit als Bestandteil des Körpers entdeckt wurden. Diese Salze werden Ergänzungssalze genannt. Zu diesen Salzen kamen noch weitere sieben Salze hinzu, die vom erfahrenen Schüßler-Behandler Joachim Broy beschrieben wurden.

Funktionsmittel
Die zwölf Funktionsmittel stellen die Basis der biochemischen Behandlung dar.

Nr. 1.Calcium FluoratumBindegewebe, Haut, GelenkeNr. 2.Calcium PhosphoricumKnochen und ZähneNr. 3.Ferrum PhosphoricumImmunsystemNr. 4.Kalium ChloratumSchleimhäuteNr. 5.Kalium PhosphoricumNervenNr. 6.Kalium SulfuricumStoffwechselNr. 7.Magnesium PhosphoricumMuskelnNr. 8.Natrium ChloratumFlüssigkeitshaushaltNr. 9.Natrium PhosphoricumStoffwechselNr. 10.Natrium SulfuricumEntschlackungNr. 11.SiliceaBindegewebe, Haut, HaareNr. 12.Calcium SulfuricumGelenke, Eiter

Ergänzungsmittel
Von den Anhängern der biochemischen Behandlung mit Schüßler-Salzen wurden im Laufe der Zeit weitere Mineralsalze entdeckt, die so genannten Ergänzungsmittel.

Nr. 13Kalium arsenicosumHaut, LebenskraftNr. 14Kalium bromatumNervensystem, HautNr. 15Kalium jodatumSchilddrüseNr. 16Lithium chloratumRheumatische Erkrankungen, NervenNr. 17Manganum sulfuricumEisenhaushaltNr. 18Calcium sulfuratumLebenskraft, KörpergewichtNr. 19Cuprum arsenicosumVerdauungssystem, NierenNr. 20Kalium-Aluminium sulfuricumVerdauungs-, NervensystemNr. 21Zincum chloratumStoffwechsel, Gebärmutter, NervenNr. 22Calcium carbonicumLebenskraft, Anti AgingNr. 23Natrium bicarbonicumEntschlackung, ÜbersäurungNr. 24Arsenum jodatumHaut, AllergienNr. 25Aurum chloratum natronatumTagesrhythmus, Weibliche FortpflanzungsorganeNr. 26SeleniumLeber, BlutgefässeNr. 27Kalium bichromicumBlut, Zuckerstoffwechsel

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Klinische und Klassische HomöopathieGrundlagen der HomöopathieSamuel Hahnemann und die ÄhnlichkeitsregelHildegard-MedizinDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Anthroposophische Medizin

Quelle: apotheken.de | 14.05.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Extrakte aus der Mistel werden in der anthroposophischen Medizin bei Krebs angewendet.Die anthroposophische Medizin geht auf den Philosophen Rudolph Steiner (1861–1925) zurück. Mit der Anthroposophie (Menschenweisheit) begründete er ein umfassendes Menschenbild, mit dem er auch in vielen anderen Lebensbereichen nachhaltige Anregungen gab, z. B. in der Landwirtschaft (biologisch-dynamische Landwirtschaft) und der Pädagogik (Waldorf-Pädagogik). Steiner benannte in seiner Anthroposophie vier Wesensglieder im Menschen:

Der „physische Leib“ ist der sichtbare Körper. Der „Ätherleib“ ist die Summe der den Körper belebenden Lebenskräfte. Der „Astralleib“ ermöglicht Empfindungen und Bewusstsein. Das „Ich“ ist das Zentrum der Persönlichkeit.

Das Zusammenwirken der vier Wesensglieder bestimmt nach anthroposophischer Auffassung, ob ein Mensch krank ist oder gesund. Stehen alle vier Kräfte in Harmonie zueinander, ist der Mensch gesund. Wenn der Einfluss eines der vier Wesensglieder stark überwiegt, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht. Herrscht z. B. über lange Zeit der Ätherleib vor, so kann Krebs entstehen. Krankheit ist nach anthroposophischer Auffassung also stets auch ein seelisch-geistiges Problem.

In der anthroposophischen Medizin wird Krankheit als eine Entwicklungschance für Körper, Seele und Geist gesehen. Durch die Überwindung der Krankheit kann der Mensch zu neuen Kräften und Fähigkeiten gelangen.

Die anthroposophische Medizin wird ausschließlich von Ärzten praktiziert, die sich zusätzlich zu ihrer medizinischen Ausbildung auch in der Geisteswissenschaft Rudolph Steiners weitergebildet haben. Anthroposophische Medikamente können jedoch auch von Heilpraktikern verordnet werden.

Durchführung. Das Ziel der Behandlung einer Krankheit besteht darin, die grundlegenden Kräfte der „Wesensglieder“ harmonisch auszubalancieren. Dafür stehen der anthroposophischen Medizin nicht nur Medikamente, sondern auch Ernährungsverfahren (basierend auf der biologisch-dynamischen Anbauweise) sowie kreative künstlerische Therapieformen zur Verfügung, wie etwa die Heileurythmie, die Bewegungsabläufe, Gebärden, Worte und Laute verbindet.

Die anthroposophische Medizin sieht sich nicht als Gegensatz zur konventionellen Medizin, sondern versucht, diese in Richtung anderer Geistesebenen zu erweitern. Sie stützt sich dabei auf Medikamente pflanzlicher, tierischer und mineralischer bzw. metallischer Herkunft. Durch diese sollen die aus dem Gleichgewicht geratenen Wesensglieder unterstützt und ausbalanciert werden. Die Medikamente gehen teilweise auf die Homöopathie Hahnemanns zurück, wurden von der anthroposophischen Medizin aber weiterentwickelt. Teilweise sehr komplexe Aufbereitungs- und Transformationsverfahren sollen sicherstellen, dass die zur Heilung notwendigen homöopathischen Substanzen ihre Dynamik im Menschen entfalten können bzw. in ihrer Wirksamkeit den menschlichen Organen angepasst sind. Ein solches Transformationsverfahren ist etwa die Vegetabilisierung (Verpflanzlichung) von Metallen, bei der bestimmte Heilpflanzen mit Metallen gedüngt und später kompostiert werden. Über die Pflanzenwirkung soll das Metall im Körper an dasjenige Organ gelenkt werden, zu dem die Pflanze eine natürliche Beziehung hat.

Wirkungsweise. Nach anthroposophischer Auffassung wirken Heilmittel nicht nur durch ihre Inhaltsstoffe, sondern auch durch ihre Wesenskraft und Dynamik, die mit dem Medikament auf den Menschen übertragen wird. So kann z. B. eine Pflanze wie die Brennnessel, die Eisen sehr gut aufnehmen kann, dem Körper bei Eisenmangel den Impuls geben, Eisen aufzunehmen. Die entzündungshemmende Wirkung des Weidenrindenextraktes wird dadurch erklärt, dass die Weide an feuchten Standorten wächst und durch ihre wassertransportierende Kraft Entzündungen sozusagen auslöschen kann. Eine krebshemmende Wirkung wird der Mistel zugesprochen, weil sie nicht in der Erde wurzelt, im Winter blüht und damit den natürlichen Wachstumsprinzipien widerspricht.

Einsatzbereiche. Praktisch alle Erkrankungsformen werden im Rahmen der anthroposophischen Medizin behandelt, in der Regel begleitend zu schulmedizinischen Ansätzen.

Bewertung. Die anthroposophische Medizin ist bisher kaum wissenschaftlich untersucht worden, verlässliche Aussagen zur spezifischen Wirksamkeit sind damit nicht möglich. Eine Ausnahme bildet der im Rahmen der Krebsbehandlung eingesetzte Mistelextrakt, hier sind die Studienergebnisse allerdings so uneinheitlich, dass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist (|multimodale Behandlungskonzepte von Krebs).

Weiterführende Informationen

http://www.damid.de|www.damid.de – Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland, Berlin: Informative und übersichtliche Internetseite zu anthroposophischen Therapien, Arzneimitteln, Forschung, Pflege und Kostenübernahme. Mit kostenlosem Infomaterial zum Herunterladen. http://www.anthroposophische-aerzte.de|www.anthroposophische-aerzte.de – Internetseite der Gesellschaft anthroposophischer Ärzte in Deutschland: Mit Informationen zur anthroposophischen Medizin, Links und Hinweisen auf aktuelle Tagungen.

Weiterlesen: Die verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Arzneitees für die Frau: Tees für die Hausapotheke

Quelle: apotheken.de | 28.05.2019 | Sandra Göbel
 Arznei-Tee kann Menstruationsbeschwerden lindern. Bei Menstruationsbeschwerden bieten Heilpflanzentees eine sanfte Hilfe. Auch die Geburtsrückbildung lässt sich durch Arzneitees unterstützen. Doch was gehört in eine solche Teemischung hinein und wie lange kann frau den Tee verwenden? Ein Überblick.

Arzneitees lindern in vielen Fällen leichte Menstruationsbeschwerden. Auch die Geburtsrückbildung und die Heilung nach einer Fehlgeburt lassen sich pflanzlich fördern. „Pflanzliche Heiltees können die Behandlung in der frauenärztlichen Praxis nicht ersetzen", erläutert die Kieler Frauenärztin Dr. med. Dorothee Struck. „Aber sie können den Körper und auch die Seele dabei unterstützen, ins Gleichgewicht zu kommen und dienen damit als fein gestimmte Instrumente in der Hausapotheke jeder Frau."

Hochwertiger Tee wirkt besser
Frauen können sich Tees in der Apotheke mischen lassen. Der Vorteil gegenüber Drogerieprodukten: In der Apotheke werden die Rezepturen aus hochwertigen Arzneipflanzen hergestellt, die nach den Vorschriften des Deutschen Arzneibuches (DAB) ohne Rückstände angebaut, schonend geerntet und gelagert wurden. Dies gewährleistet eine hohe Qualität und einen hohen Wirkstoffgehalt. Die Tees wirken dadurch besonders gut. Es empfiehlt sich, die Teemischungen zu Hause dunkel und trocken aufzubewahren und innerhalb weniger Wochen aufzubrauchen.

Alle hier aufgeführten Tees werden mit kochendem Wasser aufgegossen und müssen sieben Minuten zugedeckt ziehen, damit die ätherischen Öle nicht verdunsten. Sie können danach weiter abkühlen, sollten aber zügig getrunken werden, da sich sonst einige Wirkstoffe abbauen. Ein gehäufter Teelöffel pro Tasse genügt. Die Dosierung liegt bei drei bis vier Tassen pro Tag.

Starke Menstruationsblutung
?    Hirtentäschel 30 g

?    Schafgarbe 30 g

?    Gänsefinger 20 g

?    Frauenmantel 20 g

Der Tee wird ein bis zwei Monate lang täglich verwendet, danach bei Bedarf während der Menstruation.

Hinweis: Bei einer starken Blutung oder bei Zwischenblutungen besteht häufig ein Eisenmangel. Betroffene Frauen sollten ihre Eisenwerte beim Hausarzt überprüfen lassen. Aus einem Eisenmangel kann sich eine Blutarmut entwickelt. Um dieser vorzubeugen, empfiehlt sich bei Eisenmangel häufig die Einnahme eines Eisenpräparates.

Schmerzhafte Menstruationsblutung
?    Damiana 40 g

?    Frauenmantel 20 g

?    Schafgarbe 20 g

?    Melisse, Kamille oder Pfefferminze 20 g

Je nach Geschmack kann die Frau zwischen Melisse, Kamille oder Pfefferminze wählen. Der Tee wird ein bis zwei Monate lang täglich verwendet, anschließend bei Bedarf während der Menstruation.

Hinweis: Die Terpene, die in Damiana enthalten sind, machen den Tee bitter. Wenn der Geschmack zu unangenehm ist, kann der Tee mit einer geringeren Damiana-Menge angesetzt werden. Stattdessen werden die anderen Bestandteile entsprechend höher dosiert. Alternativ lässt sich der Geschmack mit etwas Honig verbessern.

Rückbildung nach der Geburt oder für die Zeit nach Operationen

?    Hirtentäschel 30 g

?    Schafgarbe 30 g

?    Frauenmantel 30 g

?    Melisse 10 g

Der Tee wird über zwei bis vier Wochen verwendet, bis der Wochenfluss völlig aufgehört hat.

Hinweis: Die Rückbildung nach einer Geburt und die Abheilung nach einer Fehlgeburt oder einer gynäkologischen Operation brauchen ihre Zeit. Es gibt keine Möglichkeiten, dies abzukürzen. Doch es gibt viele Faktoren, die diese Phase unnötig verlängern können. Dazu gehören eine übereilte Rückkehr in den Alltag und in die volle körperliche Belastung, zu viel Kaffee sowie Alkohol oder Nikotin. Betroffene Frauen sollten diese Faktoren vorübergehend meiden.

Quelle: http://www.bvf.de/|Berufsverband der Frauenärzte (BVFf)

Naturheilverfahren in den Medien

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Gerade wenn Wunderwirkungen versprochen werden, sollte man seine Quelle kritisch hinterfragen.Die Drehständer vor den Buchhandlungen und Apotheken sind mit Büchern über Naturheilverfahren gut gefüllt, und auch im Internet wimmelt es von Informationsangeboten. Viele Bücher greifen allerdings nur die neueste Modewelle auf, und die Informationen im Internet sollen vor allem Appetit machen auf eines: ein bestimmtes Produkt zu kaufen, einen bestimmten Therapeuten zu wählen oder ein bestimmtes Verfahren anzuwenden. Dieses Muster ist im Bereich der Diäten seit Jahrzehnten bekannt, hat sich aber seit den Publikumserfolgen von Schüßlersalzen, Apfelessig und Eigenurin auch bei den Naturheilverfahren etabliert.

Da hilft nur eines: Wenn Sie von angeblichen Wunderwirkungen lesen, prüfen Sie vor allem: Wer betreibt die Seite? Wer verbirgt sich hinter dem „Institut“ oder dem angegebenen „Beraterteam“? Was ist der Zweck der Seite? Soll informiert, geworben oder etwas verkauft werden?

Öffentliche Aufklärung. Leider stecken die Bemühungen der öffentlichen Hand zur Aufklärung im Bereich Naturheilverfahren noch in den Kinderschuhen. Wer sich heute über den Forschungsstand zu einzelnen Verfahren informieren will, findet die besten Informationen noch immer auf englischsprachigen Internetseiten (|Infobox). Der Grund liegt darin, dass in den USA und in Großbritannien schon seit vielen Jahren erhebliche öffentliche Mittel in die Erforschung und Bewertung von Naturheilverfahren investiert werden. So ist insbesondere das mit einem Jahresbudget von über 100 Millionen Dollar ausgestattete National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) am US-amerikanischen National Institute of Health das weltweit führende Institut zur Bewertung und Patientenberatung im Bereich der Naturheilverfahren. Für Patienten mit Englischkenntnissen lohnt sich ein Besuch immer.

Das NCCAM hat zudem an einem Internetportal mitgewirkt, das den Zugriff auf Forschungsergebnisse auch für Laien erleichtert, und das nicht nur von Ärzte sondern auch von Patienten genutzt werden kann (|Infobox).

Im deutschsprachigen Raum hat sich unter anderen die Stiftung Warentest der Bewertung von Naturheilverfahren verschrieben. Das in Buchform veröffentlichte Resultat (|Infobox) wird zwar regelmäßig von den Verfechtern der „durchgefallenen“ Verfahren wegen mangelnder Transparenz und teilweise nicht plausibler Schlussfolgerungen heftig kritisiert, ist aber dennoch der methodisch bisher brauchbarste Beitrag zu diesem Thema.

Weiterlesen:
Wissenschaftliche Prüfung von NaturheilverfahrenNatürlich heilen, aber wie?

Hildegard-Medizin

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Hilgegard von Bingens Rezepte werden auch heute noch angewendet.Die (teils recht aggressiv vermarkteten) Verfahren der Hildegard-Medizin berufen sich auf die Lehren der Hildegard von Bingen, einer adeligen Äbtissin aus dem 12. Jahrhundert. In ihren Schriften stellte sie mehr als 1 800 Rezepte aus Mitteln der Natur vor (meist Pflanzen und Steine). Zudem propagierte sie |ausleitende Verfahren, zu denen sie auch Saunaanwendungen und spezielle Fastenregeln rechnete. Detaillierte, an der damaligen Säftelehre orientierte Ernährungsregeln sollen die Behandlung von Krankheiten unterstützen. Interessant sind auch die von ihr in einem separaten Werk vorgestellten Empfehlungen zur seelischen Gesunderhaltung.

Einige der von Hildegard von Bingen empfohlenen Pflanzen decken sich mit den Empfehlungen der heutigen Rationalen Phytotherapie, andere Pflanzen werden nur in ihrer Lehre genannt. Interessanter (und moderner) als die heute oft in den Vordergrund gestellte Pflanzenmedizin sind Hildegards Ernährungsempfehlungen, die einer ausgewogenen Vollwertkost recht nahe kommen. Modern muten auch ihre Ausführungen zur Entstehung psychischer Störungen an, die durchaus mit den heutigen Erkenntnissen der Psychosomatik und der Psychoneuroimmunologie vereinbar sind. So ging Hildegard von Bingen davon aus, dass der Mangel an „lebensbejahenden Gefühlen“ nicht nur seelische, sondern auch körperliche Krankheiten entstehen lasse.

Weiterlesen:
Klinische und Klassische HomöopathieGrundlagen der HomöopathieDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform