Alternative Heilkunde

Naturheilverfahren in den Medien

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Gerade wenn Wunderwirkungen versprochen werden, sollte man seine Quelle kritisch hinterfragen.Die Drehständer vor den Buchhandlungen und Apotheken sind mit Büchern über Naturheilverfahren gut gefüllt, und auch im Internet wimmelt es von Informationsangeboten. Viele Bücher greifen allerdings nur die neueste Modewelle auf, und die Informationen im Internet sollen vor allem Appetit machen auf eines: ein bestimmtes Produkt zu kaufen, einen bestimmten Therapeuten zu wählen oder ein bestimmtes Verfahren anzuwenden. Dieses Muster ist im Bereich der Diäten seit Jahrzehnten bekannt, hat sich aber seit den Publikumserfolgen von Schüßlersalzen, Apfelessig und Eigenurin auch bei den Naturheilverfahren etabliert.

Da hilft nur eines: Wenn Sie von angeblichen Wunderwirkungen lesen, prüfen Sie vor allem: Wer betreibt die Seite? Wer verbirgt sich hinter dem „Institut“ oder dem angegebenen „Beraterteam“? Was ist der Zweck der Seite? Soll informiert, geworben oder etwas verkauft werden?

Öffentliche Aufklärung. Leider stecken die Bemühungen der öffentlichen Hand zur Aufklärung im Bereich Naturheilverfahren noch in den Kinderschuhen. Wer sich heute über den Forschungsstand zu einzelnen Verfahren informieren will, findet die besten Informationen noch immer auf englischsprachigen Internetseiten (|Infobox). Der Grund liegt darin, dass in den USA und in Großbritannien schon seit vielen Jahren erhebliche öffentliche Mittel in die Erforschung und Bewertung von Naturheilverfahren investiert werden. So ist insbesondere das mit einem Jahresbudget von über 100 Millionen Dollar ausgestattete National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) am US-amerikanischen National Institute of Health das weltweit führende Institut zur Bewertung und Patientenberatung im Bereich der Naturheilverfahren. Für Patienten mit Englischkenntnissen lohnt sich ein Besuch immer.

Das NCCAM hat zudem an einem Internetportal mitgewirkt, das den Zugriff auf Forschungsergebnisse auch für Laien erleichtert, und das nicht nur von Ärzte sondern auch von Patienten genutzt werden kann (|Infobox).

Im deutschsprachigen Raum hat sich unter anderen die Stiftung Warentest der Bewertung von Naturheilverfahren verschrieben. Das in Buchform veröffentlichte Resultat (|Infobox) wird zwar regelmäßig von den Verfechtern der „durchgefallenen“ Verfahren wegen mangelnder Transparenz und teilweise nicht plausibler Schlussfolgerungen heftig kritisiert, ist aber dennoch der methodisch bisher brauchbarste Beitrag zu diesem Thema.

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Wissenschaftliche Prüfung von NaturheilverfahrenNatürlich heilen, aber wie?

Hildegard-Medizin

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Hilgegard von Bingens Rezepte werden auch heute noch angewendet.Die (teils recht aggressiv vermarkteten) Verfahren der Hildegard-Medizin berufen sich auf die Lehren der Hildegard von Bingen, einer adeligen Äbtissin aus dem 12. Jahrhundert. In ihren Schriften stellte sie mehr als 1 800 Rezepte aus Mitteln der Natur vor (meist Pflanzen und Steine). Zudem propagierte sie |ausleitende Verfahren, zu denen sie auch Saunaanwendungen und spezielle Fastenregeln rechnete. Detaillierte, an der damaligen Säftelehre orientierte Ernährungsregeln sollen die Behandlung von Krankheiten unterstützen. Interessant sind auch die von ihr in einem separaten Werk vorgestellten Empfehlungen zur seelischen Gesunderhaltung.

Einige der von Hildegard von Bingen empfohlenen Pflanzen decken sich mit den Empfehlungen der heutigen Rationalen Phytotherapie, andere Pflanzen werden nur in ihrer Lehre genannt. Interessanter (und moderner) als die heute oft in den Vordergrund gestellte Pflanzenmedizin sind Hildegards Ernährungsempfehlungen, die einer ausgewogenen Vollwertkost recht nahe kommen. Modern muten auch ihre Ausführungen zur Entstehung psychischer Störungen an, die durchaus mit den heutigen Erkenntnissen der Psychosomatik und der Psychoneuroimmunologie vereinbar sind. So ging Hildegard von Bingen davon aus, dass der Mangel an „lebensbejahenden Gefühlen“ nicht nur seelische, sondern auch körperliche Krankheiten entstehen lasse.

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Klinische und Klassische HomöopathieGrundlagen der HomöopathieDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Die Wurzeln der Komplementärmedizin

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Phytotherapie wurde zu allen Zeiten überall auf der Welt genutzt.Viele der heute populären komplementären Verfahren stammen aus anderen Kulturräumen; sie wurden im Zuge der Alternativbewegung in die Industrieländer „exportiert“ – das gilt für die Traditionelle Chinesische Medizin ebenso wie für die |ayurvedische Medizin.

Andere Verfahren stellen dagegen universelle Heilpraktiken dar, die in vielen oder sogar in allen Kulturen genutzt wurden. Vor allem die Massagetechniken, |Mind-Body-Therapien und die |Phytotherapie wurden zu allen Zeiten rund um den Globus angewandt – sogar Tiere können dabei beobachtet werden, wie sie bei bestimmten Krankheiten spezielle Kräuter bevorzugen.

Viele häufig genutzte Verfahren wie Homöopathie, Osteopathie, anthroposophische Medizin und Bach-Blütentherapie entstanden in den „Gründerwirren“ der wissenschaftlichen Medizin – hier prallten verschiedene, noch kaum überprüfbare Erklärungen für schon exakt beschriebene Krankheiten aufeinander und brachten konkurrierende Denksysteme hervor.

Der Ursprung vieler dieser Verfahren war die Unzufriedenheit mit dem herrschenden Medizinsystem. Samuel Hahnemann etwa, der Begründer der Homöopathie, war zutiefst von den brutalen und für den Patienten nicht selten tödlichen Behandlungsmethoden seiner Zeit (wie Aderlässe, Abführmaßnahmen, Chirurgie ohne Betäubung) abgestoßen. Dasselbe gilt für Edward Bach, den Gründer der Bach-Blütentherapie. Noch heute spielt die Unzufriedenheit mit dem Medizinbetrieb bei der Nutzung von komplementären Verfahren eine große Rolle. Sehr viele Patienten lassen sich alternativmedizinisch behandeln, weil sie sich als Menschen im schulmedizinischen Betrieb nicht ernst genommen fühlen.

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Natürlich heilen, aber wie?Wirkungsweise der Komplementärmedizin

Mit der Akupunktur verwandte Verfahren

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Moxibustion soll vor allem bei "Kältekrankheiten" helfen.Bei der Moxibustion werden die Akupunkturpunkte durch Wärme gereizt – etwa indem zigarrenartig zusammengerolltes, glimmendes Beifußkraut (oder ein anderes Heilkraut) dem Akupunkturpunkt angenähert wird, bis der Patient ein Hitzegefühl spürt. Die Moxibustion hilft nach den Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin vor allem bei so genannten Kältekrankheiten. Zu diesen zählen etwa Erschöpfungszustände und chronische Erkrankungen der Atemwege.

Akupressur und Shiatsu. Die Akupressur war möglicherweise ein Vorläufer der Akupunktur. Sie beruht darauf, dass die Meridiane und bestimmte Druckpunkte durch Fingerdruck stimuliert werden. Eine ähnliche Form wird in der japanischen traditionellen Medizin als Shiatsu praktiziert. Dieses beinhaltet zusätzlich dehnende Griffe und Bewegungen und nutzt nicht nur den Druck der Fingerkuppen, sondern setzt auch Daumen, Handteller, bisweilen auch Ellenbogen ein. Wie bei der Akupunktur soll bei der Akupressur der Energiefluss angeregt und in Balance gebracht werden. Sowohl Akupressur als auch Shiatsu können auch zur Selbstbehandlung angewendet werden.

Neuere Verfahren. Die Akupunktur bzw. Akupressur wurde im letzten Jahrhundert im Westen weiterentwickelt. Manche Neuerungen fanden den Weg zurück nach China und werden heute auch dort angewendet.

Bei der |Laserakupunktur etwa ersetzt der Laserstrahl die Nadel. Teilweise werden Akupunkturpunkte auch elektrisch stimuliert. Eine Behandlung mit Soft- oder Low-Level-Lasern soll gegenüber der klassischen Nadelakupunktur eine Schmerzlinderung verschaffen und nur geringe Nebenwirkungen haben. Die Behandlung bei Rücken-, Nacken- oder Kreuzschmerzen umfasst zehn Anwendungen, die  auf fünf Wochen verteilt erfolgen. Die Therapie soll den Schmerzen um mindestens 50 Prozent mindern. Eine aktuelle Doppelblindstudie aber zeigte, dass die Kontrollgruppe, die nicht mit dem Laser behandelt wurde, ebenfalls angab, weniger Schmerzen zu verspüren. Dass das Lasernadelsystem so schlecht abschnitt, kann zwei Ursachen haben: Erstens konnte die verwendete Rotlichtlasernadel nicht weit genug in die Gewebeschichten eindringen, zweitens fehlte der durch die Akupunkturnadeln bekannte Effekt. Bei der Laserakupuntkur fühlten die Behandelten die Nadel nicht, somit auch nicht die Behandlung an sich.Auch die Elektroakupunktur nach Voll beruht auf den Annahmen der Akupunktur. Hier werden mit einem speziell entwickelten elektrischen Gerät Krankheitsprozesse im Körper an den Akupunkturpunkten „abgelesen“ (dieses Verfahren wird auch als Vegatest bezeichnet) und mit schwachem Impulsstrom therapiert. Die Akupunktmassage nach Penzel beruht teilweise auf der Akupressur und bezieht die Meridiane und Störfelder in die Massage ein. Eingesetzt werden besondere Stäbchen und Vibrationsgeräte aus Metall. Die Ohrakupunktur (Aurikulotherapie) wurde in den 1950er Jahren in Frankreich als eigenes Akupunktursystem entwickelt. Sie geht davon aus, dass sämtliche Organe des menschlichen Körpers auf der Ohrmuschel repräsentiert sind und verwendet entsprechende Akupunkturpunkte. Die Energiefeldtherapie (emotional freedom techniques, EFT) arbeitet über die Stimulierung von Akupressurpunkten, die beklopft oder massiert werden, während sich der Patient auf sich und sein Problem konzentriert. Die Energiefeldtherapie wird vor allem bei Stress und anderen psychischen Belastungen eingesetzt.

Bewertung. Während die klassische Akupunktur das wohl am besten wissenschaftlich untersuchte Komplementärverfahren ist, gibt es zu den mit der Akupunktur verwandten Verfahren kaum Studien, sodass sich ihr Einsatz bisher nur auf Erfahrung stützt.

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Die verschiedenen Heilverfahren in ListenformAkupunktur: Grundlagen und BewertungDas Akupunktur-Pradox

Was sind manuelle Therapien?

Quelle: apotheken.de | 28.01.2010 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Die Chiropraktik wurde in den USA entwickelt.Unter manueller Therapie (manuelle Verfahren) werden verschiedene Verfahren zusammengefasst, die Krankheiten und Funktionsstörungen am Halte- und Bewegungsapparat mithilfe der Hände (manus = Hand) behandeln. Manuelle Therapieformen werden von Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten angewendet und blicken auf eine lange Geschichte zurück – das „Knochenrichten“ oder „Gliedersetzen“ war ein wichtiger Zweig der traditionellen Medizin.

Aus den Traditionen dieser Volksmedizin entwickelten sich im 19. Jahrhundert in den USA zwei eigenständige, teils aber sehr ähnliche Formen der manuellen Therapie, die Osteopathie und die Chiropraktik, bei denen durch besondere Handgriffe Verspannungen und Blockierungen im Stütz- und Bewegungsapparat gelöst werden sollen. Aus diesen beiden Verfahren wurde im Europa der Nachkriegszeit die manuelle Medizin oder Chirotherapie entwickelt. Sie wendet Handgriffe aus beiden Vorläuferverfahren an und ist inzwischen als wichtiger Teil der Orthopädie etabliert.

Aus der Osteopathie entwickelte sich die Kraniosakraltherapie, die heute aber auch von nicht in der klassischen Osteopathie ausgebildeten Anbietern durchgeführt wird. Ein weiteres manuelles Verfahren ist die Massage, bei der durch Druck und Zug auf die Haut und die darunterliegenden Gewebe der Körper gereizt und zu einer ausgleichenden Gegenreaktion veranlasst wird.

Der Schwerpunkt der manuellen Verfahren liegt bei der Behandlung von Rückenschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, Sportverletzungen, Spannungskopfschmerzen und von rheumatischen Beschwerden. Während sich die meisten manuellen Verfahren auf die Behandlung von Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparats beschränken, sieht sich die Osteopathie auch als ein Verfahren zur Behandlung von Störungen innerer Organe. Die Kraniosakraltherapie geht sogar so weit, dass sie Verhaltensprobleme – vor allem bei Kindern – behandelt.

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OsteopathieKraniosakraltherapieChiropraktikKlassische MassageDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Wirkungsweise der Komplementärmedizin

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Alternative Verfahren lassen sich wissenschaftlich oft nicht belegen.Jedes Verfahren bietet eine Erklärung dafür an, warum und wie es wirkt. Manche dieser Denkmodelle passen zum gegenwärtigen wissenschaftlichen Verständnis, andere berufen sich auf Wirkmechanismen, die wissenschaftlich derzeit nicht nachvollzogen werden können. Diese Methoden werden auch als Außenseitermethoden oder als Paramedizin bezeichnet. So ist etwa die Wirkung von Heilpflanzen und von physikalischen Methoden naturwissenschaftlich plausibel, die der |Kraniosakraltherapie oder der Homöopathie dagegen entzieht sich dem derzeitigen wissenschaftlichen Verständnis.

Paramedizinische Erklärungen werden heute so selbstverständlich gebraucht, dass viele Menschen annehmen, dahinter verberge sich gesicherte Wissenschaft. Begriffe wie Entschlackung, Entgiftung, Energieblockaden oder Entstörung können aber nur aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang verstanden werden, eine direkte naturwissenschaftliche Entsprechung haben sie nicht.

Das Zwei-Quellen-Prinzip
Dass die Wirkung eines Verfahrens wissenschaftlich nicht verstanden wird oder von der derzeitigen Wissenschaft abgelehnt wird, spricht nicht grundsätzlich gegen seine Wirksamkeit. Denn zum einen entwickelt sich auch die Wissenschaft fort. Manche Außenseitermethode ist heute in die Schulmedizin integriert – man denke etwa an die anfangs belächelte |Vollwerternährung. Auch dass viele alternative Verfahren mit ganz eigenen Begriffen arbeiten, ist kein Argument gegen ihre Wirkung: Zeitbedingte oder esoterische Begriffe, wie etwa der „Astralleib“ der Anthroposophie, die für die meisten Menschen keinen „Sinn“ machen, können durchaus in ein System passen, das in seiner Ganzheit funktioniert. Und zum Dritten: „Die“ Wirkung eines Verfahrens gibt es nicht.

Denn was der Arzt dem Patienten reicht – ob in der Schulmedizin oder in der Komplementärmedizin – hat immer zwei Aspekte. Im Grunde nämlich handelt es sich um ein Paket:

Da ist zum einen die – mehr oder weniger ansehnliche und aufwendige – Verpackung. Und zum anderen der Inhalt des Pakets.

Der Inhalt. Ein Verfahren kann durch den zugeführten Stoff oder andere unmittelbare Effekte, d. h. „aus sich selbst heraus“ wirken. Man nennt diesen – unmittelbaren – Anteil der Wirkung auch die spezifische Wirkung (substanzielle Wirkung, spezifischer Effekt) des Verfahrens. Beispiel Pflanzenmedizin: Die spezifische Wirkung geht hier von den Inhaltsstoffen der Pflanze aus, die in die biologischen Vorgänge im Körper eingreifen. Oder die Akupunktur: Die spezifische Wirkung ergibt sich der Traditionellen Chinesischen Medizin zufolge durch die Einwirkungen der gesetzten Nadeln auf den Energiefluss im Körper – kein Wunder, dass die Akupunktur die Nadelung an genau festgelegten Körperpunkten vorsieht.

Die Verpackung. Aber auch Einflüsse, die mit dem Verfahren nur „lose verbunden“ sind, können die Wirkung erklären. Ein Paket ist eben mehr als das überreichte stoffliche Etwas, es besteht auch aus der „Hülle“ drumherum – und dazu gehört nicht nur das glänzende Papier, sondern auch die „kitzelnde Neugier“, die Vorfreude und vielleicht auch die Genugtuung darüber, jemandem wichtig zu sein. Auf die Medizin übertragen sind solche unspezifischen Wirkungen (unspezifische Effekte, kontextuale Effekte) z. B. die mit jeder Therapie verbundene menschliche Zuwendung, der „ordnende“ Eingriff in das Leben des Betroffenen und der viel diskutierte |Placebo-Effekt. Eine Heilpflanze wird eben nicht nur geschluckt, sondern liebevoll zubereitet und als dampfende, womöglich ans Bett gebrachte Tasse Tee eingenommen. Auch bei der Akupunktur werden nicht nur Nadeln in der Haut versenkt, sie werden vielmehr in einer Art „therapeutischem Ritual“ angewendet. Möglicherweise sorgt dieser Rahmen dafür, dass auch die „zufällige“ Nadelung außerhalb der von der chinesischen Medizin angenommenen „Energiekanäle“ eine (in diesem Falle unspezifische) Wirkung zeigt.

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Unspezifische Wirkungen- wie sie sich erklären lassenWissenschaftliche Prüfung von Naturheilverfahren: Pro und KontraNaturheilverfahren realistisch nutzen

Samuel Hahnemann und die Ähnlichkeitsregel

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Ein Selbstversuch brachte Hahnemann zu der Aussage, dass Ähnliches mit Ähnlichem zu therapieren sei.Die Homöopathie wurde von dem Arzt, Apotheker und Chemiker Samuel Hahnemann (1755–1843) begründet. Im Grunde war die Entwicklung der Homöopathie ein Protest gegen die medizinischen Verfahren der damaligen Zeit – vom Aderlass über oft giftige Arzneien bis zum Schröpfen –, die Hahnemann wegen der fehlenden Wirksamkeit und der vielen Nebenwirkungen ablehnte.

Ein Selbstversuch mit der eigentlich fiebersenkend wirkenden Chinarinde brachte Hahnemann auf die Grundidee der Homöopathie. Paradoxerweise beschleunigte sich bei dem kerngesunden Probanden nämlich nach der Einnahme der Chinarinde der Puls. Hahnemann wertete das – den Annahmen seiner Zeit entsprechend – als Zeichen von Fieber. Er formulierte nach dieser Erfahrung die so genannte Ähnlichkeitsregel als einen Hauptlehrsatz der Homöopathie: „Wähle ... in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden auslösen kann als sie heilen soll“ oder kürzer: „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“. Nach dem griechischen Wort für „ähnlich“ (homios) nannte er seine neue medizinische Richtung Homöopathie und grenzte sie gegen die schulmedizinische Allopathie ab, in der eine Krankheit durch ein Gegenmittel (allos: das andere) geheilt wird.

Hahnemann überprüfte nun in Eigenversuchen sowie in langen Versuchsreihen mit gesunden Menschen (z.B. Familienangehörigen) Hunderte von Substanzen – wie etwa die Hauszwiebel, die ja bekanntermaßen eine laufende Nase und juckende Augen auslöst und die er deshalb als ein Mittel gegen Schnupfen in seine Liste der homöopathischen Arzneimittel, das Organon der Heilkunst, aufnahm.

Rätsel Chinarinde: Der die Homöopathie begründende Selbstversuch mit Chinarinde stellt bis heute ein Rätsel dar, da die von Hahnemann angenommene Reaktion – nämlich die Entwicklung von Fieber – bei ähnlichen Versuchen an anderen gesunden Menschen nicht beobachtet werden kann. Eine – allerdings schulmedizinische – Erklärung hierfür könnte sein, dass Hahnemann vielleicht eine allergische Reaktion gegen einen Bestandteil der Chinarinde entwickelte, oder dass sich sein Puls in „banger Erwartung“ beschleunigte.

Dass aber selbst ein Irrtum nicht grundsätzlich gegen die Homöopathie spräche, darauf weisen Hahnemanns Anhänger zu Recht hin: Auch die Entdeckung des Penizillins war eigentlich ein Irrtum – dem Entdecker Alexander Fleming flogen wegen seiner Schlamperei im Labor zufällig die „richtigen“ Pilzsporen auf die Kulturplatte.

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Klinische und Klassische HomöopathieGrundlagen der HomöopathieBiochemie nach SchüßlerHildegard-MedizinDie verschiedenen Heilverfahren in Listenform

Anbieter komplementärmedizinischer Leistungen

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Die Berufsbezeichnung Heilpraktiker ist bisher in Deutschland nicht geschützt.Naturheilverfahren wurden bis vor 20 Jahren fast nur von Heilpraktikern angeboten. Inzwischen behandelt aber die Mehrzahl der Allgemeinmediziner und Kinderärzte ebenfalls naturheilkundlich. Jährlich erwerben in Deutschland über 2 500 Ärzte eine Zusatzbezeichnung im Bereich der Komplementärmedizin wie Naturheilverfahren, Akupunktur, Homöopathie oder Chirotherapie/Manuelle Medizin. Wenn sich diese Bezeichnungen auf dem Praxisschild finden, bürgt das für eine entsprechende, von den Ärztekammern zertifizierte Ausbildung.

Ärzte dürfen aber auch ohne diese Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren anwenden.

Bei den ~ 16 000 in Deutschland praktizierenden Heilpraktikern gibt es solche geschützten Bezeichnungen für einzelne Naturheilverfahren bisher nicht. Heilpraktiker erlernen ihren Beruf an privaten Schulen, die Dauer und Qualität der Ausbildung ist – da gesetzlich nicht geregelt – unterschiedlich. Lediglich eine vom Gesundheitsamt ausgerichtete Prüfung ist gesetzlich vorgeschrieben.

Neben Heilpraktikern und Ärzten sind in Deutschland nur noch die Psychotherapeuten für die selbstständige Behandlung zugelassen. Einen Grenzfall bilden die Physiotherapeuten. Sie sind einerseits berechtigt, sich auch in schwierigen Methoden wie der Osteopathie weiterzubilden und prüfen zu lassen, andererseits dürfen sie diese aber nach aktueller Rechtslage nur auf Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers ausüben.

Neuerdings unterhalten auch einzelne Universitätskliniken komplementärmedizinisch arbeitende Ambulanzen, die insbesondere auf chronische Erkrankungen, Krebs und chronische Schmerzsyndrome spezialisiert sind (z. B. das Zentrum für naturheilkundliche Forschung an der Technischen Universität München).

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Arzt oder Heilpraktiker? Naturheilverfahren realistisch nutzenNatürlich heilen, aber wie?

Ausleitende Verfahren

Quelle: apotheken.de | 07.03.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Beim Schröpfen werden unter Vakuum stehende Ballongläser auf die Haut aufgebracht.Der Begriff der Ausleitung geht auf die Vorstellung antiker Ärzte zurück, nach der Krankheiten durch die falsche Mischung der Körpersäfte Blut, Schleim sowie schwarze und gelbe Galle entstehen. Schädliche Stoffe müssen nach dieser Säftelehre im Krankheitsfall „ausgeleitet“ werden, um im Körper wieder die richtige Mischung zu erreichen. Heute noch teilweise praktizierte ausleitende Verfahren sind das Schröpfen, der Aderlass, das Cantharidenpflaster und die Behandlung mit Blutegeln. Wissenschaftlich betrachtet ist eine spezifische Wirkung dieser Verfahren zweifelhaft.

Schröpfen
Das Schröpfen wird seit Jahrtausenden angewandt. Bei der heutigen Methode werden unter Vakuum stehende ballonartige Schröpfgläser auf die Haut aufgebracht.

Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vorher durch etwa 20 feine Einstiche geöffnet. Die Saugwirkung der Schröpfgläser zieht nun regelrecht das Blut und Gewebewasser aus dem Gewebe.

Beim trockenen Schröpfen (nicht ausleitend) werden lediglich die Schröpfgläser aufgesetzt und dadurch ein tief wirkender Reiz entlang der Wirbelsäule ausgeübt.

Aderlässe
Aderlässe waren über Jahrhunderte die ärztliche Therapie schlechthin. Das regelmäßige Abziehen von Blut aus einer Armvene beim Aderlass soll schädigende Stoffe ausleiten, für eine körperliche Umstimmung sorgen und Stauungszustände beseitigen.

Eine Variante ist der Hildegard-Aderlass, der in den Tagen nach Vollmond im Rahmen der | Hildegard-Medizin - wie etwa in der Pflanzenheilkunde - durchgeführt wird.

Cantharidenpflaster
Das Cantharidenpflaster soll über die Lymphe ausleiten. Dazu wird eine als Individualrezeptur gefertigte Paste aus pulverisierten Spanischen Fliegen auf die Haut aufgebracht und durch ein Pflaster abgedeckt. Die Paste enthält Stoffe, die die Haut so stark reizen wie eine Verbrennung zweiten Grades. Die so entstandene Brandblase wird nach Abnahme des Pflasters eröffnet, um das Serum abfließen zu lassen.

Das Cantharidenpflaster wird alternativmedizinisch vor allem bei Arthritis und Arthrose, Rheuma oder neuralgischen Schmerzen eingesetzt. Sein Nutzen ist nicht bewiesen. Schulmediziner raten von der Anwendung ab, da Infektionsgefahr besteht.

Blutegel
Die Blutegeltherapie gleicht einem langsamen Aderlass. Die Tiere lassen sich von spezialisierten Egelfarmen käuflich erwerben und werden auf die Haut aufgebracht, wo sie sich mit etwas Nachhilfe festsaugen. Die Egel sind nach zehn Minuten bis zwei Stunden gesättigt und lassen die Wunde von alleine los, aus der jedoch noch weitere 1–4 Stunden Blut fließen kann – dies ist durch den vom Blutegel in die Wunde abgegebenen gerinnungshemmenden Stoff Hirudin bedingt (letzterer Wirkstoff wird übrigens auch in der Medizin zur Gerinnungshemmung verwendet).

Bei der Kolonhydrotherapie (Darmspülung, Darmbad) wird sowohl ein Zufluss- als auch ein Abflussrohr in den After eingeführt und der Darm über mehrere Stunden mit bis zu 80 Litern Wasser durchgespült.

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Traditionelle Phytotherapie

Quelle: apotheken.de | 26.02.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster
 Die traditionelle Phytotherapie arbeitet oft mit Tees und Aufgüssen.Die auf jahrhundertelange Erfahrung aufbauende traditionelle Phytotherapie (traditionelle Pflanzenheilkunde, Kräutermedizin) verwendet die aus vollständigen Pflanzen oder Pflanzenteilen gewonnenen Komplettauszüge wie Aufgüsse oder Tees, die vor allem als Teil der Selbsthilfe genutzt werden.

Die erfahrungsheilkundlich orientierte Phytotherapie wird manchmal auch als Klostermedizin bezeichnet, da es im Mittelalter die Klöster waren, die das pflanzenheilkundliche Wissen bewahrten und vermehrten.

Viele der etwa 700 hierzulande verwendeten Arzneipflanzen sind im Arzneibuch (Herausgeber: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) beschrieben. Hier sind solche Kräuter aufgeführt, deren Inhaltsstoffe chemisch genau charakterisiert sind. Im Arzneibuch ist festgelegt, welche Pflanzenteile wie verwendet werden, wie sie zu lagern sind und wie ihre Qualität zu prüfen ist.

Apotheken (nicht aber Nahrungsmittelläden oder Drogerien) müssen sich an die Qualitätsvorschriften des Arzneibuchs halten, sodass eine verlässliche pharmazeutische Güte der Produkte anzunehmen ist. Ein Wirkungsnachweis muss für die traditionell angewendeten Heilkräuter nicht erbracht werden.

Mit wenigen Ausnahmen (etwa Pflanzen mit gefährlichen Nebenwirkungen) sind Heilpflanzen frei verkäuflich.

Viele der Überlieferungen im Bereich der traditionellen Phytotherapie sind nicht wissenschaftlich untermauert und damit auch offen für Deutungen und Umdeutungen. So beruft sich etwa die ab den 1970er Jahren entwickelte Hildegard-Medizin auf das Wissen der Nonne Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert, kann aber für die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Therapien keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise erbringen. Dasselbe gilt für die in den 1980er Jahren berühmt gewordene Kräuterfibel der Maria Treben: „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“.

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Die verschiedenen Heilverfahren im ÜberblickGrundlagen der PhytotherapieRationale Phytotherapie