Kinderkrankheiten

Nichts für Kinderohren: Lärm: Frühe Hörschäden vermeiden

Quelle: apotheken.de | 07.05.2019 | Susanne Schmid
 Für Spaß brauchen Kinder kein lautes Spielzeug. Knallfrösche, Handys, sprechende Plüschtiere – Kinder lieben lautes Spielzeug. Doch der Lärm schadet ihren empfindlichen Ohren. Wenn es darum geht, frühe Hörschäden zu vermeiden, ist die Hilfe der Eltern gefragt.

Hörschäden betreffen schon Erstklässler
Manche Kinder zeigen schon beim Einschulungstest Hörschäden. Unter Teenagern ist dann jeder Vierte betroffen. Dr. Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), erklärt warum: „Ohren sind immer auf Empfang, man kann sie nicht wie Augen schließen. Sehr laute Geräusche können die Flimmerhärchen in den Ohren dauerhaft zerstören und zu Schwerhörigkeit führen.“

Nur zugelassenes Spielzeug kaufen
Lärmschutz beginnt beim Spielzeugkauf. Für Kinderohren ist geeignet, was in einem Abstand von 50 Zentimetern maximal 125 Dezibel produziert. Doch längst nicht alle Quietscheenten, Spielzeugpistolen oder Trillerpfeifen erfüllen dieses Kriterium. Viele der beliebten Spielereien sind als Scherzartikel zugelassen und unterliegen deshalb weniger strengen Normen. Im Zweifelsfall entscheiden Eltern per Selbsttest. Alles, was ihnen selbst zu laut erscheint, gehört mit Sicherheit nicht in das Kinderzimmer. Doch auch normgerechte Artikel werden zur Gefahr – und zwar immer dann, wenn die Kleinen sie sich beim Spielen direkt ans Ohr halten.

Leisen Lärm meiden
Besonders bedenklich sind Trillerpfeifen oder Pistolen, da sie kurze, intensive Lärmimpulse abgeben. Aber auch leiser Lärm aus Stereoanlagen, Handys und Fernsehern birgt Gefahren. Er erzeugt Stress und stört Schlaf sowie Konzentration. Im Umgang mit diesen versteckten Lärmquellen helfen klare Regeln. Statt die Kinder an eine Dauerberieselung beim Lernen oder Einschlafen zu gewöhnen, führen verantwortungsvolle Eltern geregelte Sendezeiten ein. Beim Gerätekauf achten sie auf eine Lautstärkenbegrenzung.

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz

Warzen – klein, robust, ansteckend: Erfolgreich vorbeugen und behandeln

Quelle: apotheken.de | 23.04.2019 | Susanne Schmid/Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
 Warzen können sich über Fußböden auf die Haut übertragen.Über 30 Prozent aller Kinder zwischen vier und zwölf Jahren haben Warzen. Was macht die heimtückischen Hautwucherungen ansteckend und wie beugt man ihnen vor?

Tatort Schwimmbad
Warzen entstehen nicht von selbst. Hinter den lästigen Hautwucherungen stecken Viren, die so genannten Papillomaviren. Die Erreger befallen die oberste Hautschicht und lösen dort unkontrollierte, tumorartige Wucherungen hervor. Papillomaviren lauern überall dort, wo es warm und feucht ist, sprich in Schwimmbädern, Saunen aber auch im eigenen Badezimmer. Die Übertragung erfolgt durch Hautkontakt oder indirekt über Fußböden, Duschwannen und Handtücher. Als Eingangspforte in den Körper nutzen die Viren kleine oberflächliche Verletzungen. Besonders gefährdet sind daher Kinder, die an den Fingernägeln kauen oder unter Neurodermitis leiden. Auch die durch das Baden aufgeweichte Haut ist kein Hindernis für die Viren. Das erklärt, warum Badeschuhe in Schwimmbädern, Hotels und Umkleidekabinen ein Muss sind. Ebenfalls empfehlenswert ist es, stehts sein eigenes Handtuch zu verwenden.

Zupfen, Reiben und Kratzen sind verboten!
Kinder neigen zu Dellwarzen. Die runden, in der Mitte eingebuchteten Warzen erinnern an kleine Perlen. Sie sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die sich beim Kratzen über den Körper verteilt und für die Ausbreitung des Virus verantwortlich ist. Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte rät: „Um zu vermeiden, dass sich das Virus auch auf anderen Körperstellen ausbreiten kann, sollten Kinder besser nicht an Warzen zupfen, reiben oder kratzen.“

Warzen richtig behandeln
„Eltern sollten sich von ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten lassen, wenn sie eine Warze entfernen wollen,“ betont Dr. Fegeler. Befinden sich die Warzen im Gesicht oder auf den Genitalien, rät der Experte zu einem Arztbesuch. Das gleiche gilt für Warzen, die schmerzen, bluten, rot verfärbt oder geschwollen sind. Für alle anderen gibt es Tinkturen mit Milch- oder Salicylsäure. Zwei- bis dreimal täglich aufgetragen, lösen sie die Hautwucherung langsam auf. Gesunde Hautareale um die Warze herum lassen sich mit einer Vaselincreme schützen. Vor dem Auftragen der Tinktur gilt es alte, eingetrocknete Schichten zu entfernen. Abgestorbene Warzenteile hingegen müssen verbleiben bis sie von selbst abfallen. Wer ihnen mit Messer oder Feile zu Leibe rückt, riskiert, dass sich die Papillomaviren in die Umgebung ausstreuen. Noch bequemer in der Anwendung als die klassischen Tinkturen sind Vereisungssprays oder ätzende Lösungen zur wöchentlichen Anwendung.


Dreimonatskoliken

Quelle: apotheken.de | 13.03.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Dreimonatskoliken treten vor allem in den ersten drei Lebensmonaten auf – daher der Name.5

Dreimonatskoliken (Regulationsstörungen): Anhaltendes Schreien eines Babys – meist nach dem Füttern – ohne erkennbare Ursache.

Als "Schrei-Baby" gilt ein Säugling, der mehr als 3 Stunden pro Tag an mind. 3 Tagen in der Woche über mehr als 3 Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt. Diese sogenannten Dreimonatskoliken beginnen meist um die 2. Lebenswoche und nehmen bis etwa zur 6. Lebenswoche zu. In der Regel geht die "Kolikzeit" bis zum Ende des 3. Monats völlig zurück – daher auch der Name "Dreimonatskoliken".

Symptome und Leitbeschwerden

Plötzlich auftretendes schrilles Schreien des Säuglings, die Stirn ist gerunzelt, das Gesicht rot, die Fäuste sind geballt, die Beine angezogen Sich ständig wiederholende Anfälle, die meist nach 5–20 Minuten enden Beruhigungsversuche, wie das sonst meist gut wirksame Hochnehmen oder Füttern, helfen nur zeitweilig Vermehrtes Auftreten der Symptomatik nachmittags und in den frühen Abendstunden Ansonsten vollkommen unauffälliges Wachstum und Entwicklung des Säuglings.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn
Ihr Baby nicht gedeiht, da es nicht gut trinkt (siehe Gedeihstörungen). es apathisch, lustlos oder blass (bzw. blass-grau) ist. es immer wieder erbricht. es länger als 1 Stunde voller Schmerzen oder schrill schreit; dies kann auf einen eingeklemmten Leistenbruch oder eine Darmeinstülpung hinweisen. Ihr Baby über das normale Maß von etwa 3 Stunden am Tag hinaus schreit und sich dabei jedem Einfluss von außen entzieht (wie Hochheben oder Beruhigungsversuche). es Schwierigkeiten hat, sich an Schlaf- und Wachphasen anzupassen, es tagsüber meist nur kurz schläft (oft weniger als eine halbe Stunde) und es auch Probleme beim Einschlafen hat. Sie sich überfordert fühlen und/oder Angst vor einem Kontrollverlust haben (z. B. zu starkes Schütteln, Anschreien, Schlagen des Babys).

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Viele Säuglinge haben direkt nach dem Trinken eine kurze "K(r)ampfzeit". Das Baby hat vielleicht einen geblähten Bauch, spuckt ein bisschen oder weint – mit dem "Bäuerchen" hört das Weinen auf. Anders ist es bei den sogenannten Dreimonatskoliken, an denen nahezu jedes 4. Baby leidet. Die Babys schreien anhaltend und immer wieder, bevorzugt in den frühen Abendstunden, oft aber auch noch in die Nacht hinein, und es bleibt unklar, was dahintersteckt. Die "Koliken" beginnen oft schon nach den ersten Lebenstagen. Glücklicherweise ist aber Licht am Ende des Tunnels: 85 % der Babys haben ihre "Kolikzeit" nach 3 Monaten hinter sich.

Ursachen
Die Ursachen für die Schreiattacken sind nicht bekannt. Nur in seltenen Fällen stehen greifbare Ursachen dahinter, die den Kleinen Schmerzen bereiten, wie etwa eine Mittelohrentzündung, eine Refluxkrankheit oder eine |Analfissur.

Vieles deutet aber darauf hin, dass es Bauchkrämpfe sind, wie es der Begriff "Kolik" suggeriert. Der Bauch ist oft angespannt. Die Säuglinge ziehen die Beinchen an und strecken sie dann plötzlich wieder, als wollten sie den Schmerz "wegkicken". Diese Krämpfe nehmen durch "Winde" oder Stuhlaustritt ab. Allerdings zeigen Röntgenaufnahmen, dass Schreibabys nicht mehr Darmgas haben als "gesunde" Säuglinge.

Sensibilität. Heute geht man auch davon aus, dass die Bauchkrämpfe erst als Folge des Schreiens und der damit verbundenen Aufregung entstehen, dass also ganz am Anfang ein anderer Auslöser steht und sich dann "auf den Bauch schlägt". Vermutet wird deshalb, dass Schreibabys "sensibler" als ihre Altersgenossen sind und deshalb empfindlicher auf die bei jedem Schreien geschluckte Luft reagieren. Eine andere Vermutung ist, dass der Bauch bei einigen Babys stärker auf Reize reagiert als bei anderen. Zu dieser Vermutung passt, dass die Koliken vor allem abends auftreten, wenn das Baby sowieso müde und möglicherweise überreizt ist. Da diese Babys es noch nicht wie ihre Altersgenossen gelernt haben, sich selbst zu beruhigen, zählen Experten dieses Verhalten zu den sogenannten "Regulationsstörungen", zu denen auch Schlaf- und Fütterstörungen gerechnet werden.

Melatonin-Theorie. Das für den Biorhythmus mitverantwortliche Hormon wird unter den hiesigen Lichtverhältnissen erst ab 3 Monate nach der Geburt in ausreichenden Mengen gebildet. Bis dahin fehlt seine entspannende Wirkung auf die Darmmuskulatur – Babys neigen in dieser Zeit also mehr zu Darmverkrampfungen.

Überfüllungstheorie. In warmen Klimazonen trinken Babys vor allem "durstgesteuert" und damit weitaus häufiger als hierzulande, wo Babys eher "hungergesteuert" trinken. Man vermutet, dass die für hiesige Mahlzeiten typischen großen Milchmengen für einige Babys nicht bekömmlich sind. Diese Theorie wird von zwei Argumenten gestützt: Zum einen tritt das in unseren Breiten häufig beobachtete Spucken in warmen Ländern seltener auf. Zum anderen zeigen Experimente, dass häufiges Füttern tatsächlich bei manchen Babys als eine vorbeugende Strategie gegen Koliken funktioniert.

Frühkindliche Dysregulation. Bei den meisten Babys verschwindet das Schreien. Bei einigen bleibt es jedoch; Ärzte sprechen hier von einem "persistierenden" Schreien. Die Kinder fallen zudem oft durch andere Persönlichkeitszüge auf – Eltern beschreiben sie als fordernd, unzufrieden und leicht reizbar. Manchmal kommt außerdem eine ausgeprägte körperliche Unruhe hinzu, sodass es kein Wunder ist, dass diese Kinder schlecht schlafen. Kinderärzte bezeichnen dieses Phänomen auch als frühkindliche Dysregulation. Viele der betroffenen Kinder haben im Kleinkindalter Wutphasen und passen sich nur schwer im Kindergarten und in der Schule an. Bei einigen wird später AD[H]S diagnostiziert.

Risikofaktoren
Schwedische Forscher konnten bei Kolikkindern ein Zuviel an bestimmten, auf die Darmbewegungen wirkenden Hormonen nachweisen (z. B. Motilin). Auf eine gestörte Darmflora weist eine Studie der Universität Houston hin, sie kam zu dem Ergebnis, dass Kolikbabys eine ungewöhnlich kleine Vielfalt von Bakterien im Darm haben. Die Forscher hoffen, bald eine Therapie gegen das anhaltende Schreien zu finden, die auf probiotischer Ernährung basieren soll.

Familiäres Umfeld. Was auch immer der Auslöser ist, es scheint wenig damit zu tun zu haben, was Eltern tun oder lassen. Studien zeigen, dass Mütter von Kolikkindern sich in nichts von denen unterscheiden, deren Kinder keine Koliken haben. Sie sind weder "unsicherer" noch weniger "bindungsfähig" noch unterscheidet sich der Erziehungsstil. Oft ist in derselben Familie das eine Geschwisterkind betroffen, das andere nicht.

Ernährung. Auch "Allergien" oder "Milchunverträglichkeit" als Auslöser der Dreimonatskoliken wurde für die allermeisten Fälle nicht bestätigt – solche Krankheiten zeigen sich nicht nur durch Schreien, sondern auch durch andere Zeichen wie Durchfall, Blut im Stuhl oder schlechtes Gedeihen. Dass die Nahrung bei den allermeisten Kindern keine Rolle spielt, zeigt auch die Tatsache, dass "Koliken" bei gestillten und nicht gestillten Kindern etwa gleich häufig vorkommen. Die ebenfalls manchmal vermutete Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz) ist so selten, dass sie als generelle Erklärung kaum Gültigkeit hat.

Raucherhaushalt. Untersuchungen haben gezeigt, dass es in Raucherhaushalten häufiger Schreibabys gibt als in Nichtraucherhaushalten. Erklärung dafür scheint zu sein, dass Nikotin die Krampfbereitschaft des Darmes fördert.

Überforderung der Eltern. In Deutschland erleiden etwa 400 Kinder pro Jahr ein Schütteltrauma, ein Viertel davon stirbt daran. Wenn Eltern das schreiende Baby in ihrer Verzweiflung schütteln, besteht die Gefahr, dass es innerhalb kürzester Zeit schwerwiegende Schäden erleidet: Da die Nackenmuskulatur noch schwach ist und der Kopf bei Babys einen großen Teil des Körpergewichts ausmacht, wird das Köpfchen durch das Schütteln nach vorne und hinten geschleudert. Die Gehirnmasse bewegt sich hin und her, wodurch im schlimmsten Fall Blutgefäße und Nervenbahnen reißen und es zu Hirnblutungen und Hirnverletzungen kommt. Ebenso sind Blutungen an der Augennetzhaut möglich, mögliche Folgen sind Sehstörungen oder sogar Blindheit.

Komplikationen
Bei der Darmeinstülpung (Invagination) stülpt sich ein Darmabschnitt ohne bisher bekannte Ursache teleskopartig in sich ein; dadurch wird die Durchblutung unterbunden. Etwa 80 % aller Darmeinstülpungen treten bei Babys im 6.–12. Monat auf. Typisch ist plötzlich einsetzendes Schreien, das nicht aufhört. Oft zieht das Kind die Beinchen an, manchmal erbricht es auch. Auch wenn das Baby sich zwischendurch beruhigt, kommen die Schmerzattacken wieder, und möglicherweise wird das Kind blass, unruhig oder sogar apathisch. Blutig-schleimige Stühle können nach ein paar Stunden hinzukommen.

Diagnosesicherung

Um eine körperliche Erkrankung (z. B. eine Mittelohrentzündung oder Verstopfung) auszuschließen, helfen die sorgfältige Anamnese sowie die Beschreibungen oder Aufzeichnungen der Eltern über die Verteilung des Schreiens und die Essenszufuhr.

Ultraschallaufnahmen, Röntgenuntersuchungen, Untersuchung von Blut oder Stuhl. Diese Untersuchungen sind selten notwendig, helfen aber, körperliche Erkrankungen auszuschließen.

Ärztliche Behandlung

85 % der Babys haben ihre "Kolikzeit" auch ohne ärztliche Behandlung spätestens nach 3 Monaten überstanden.

Darmeinstülpung. Besteht der Verdacht auf eine Darmeinstülpung, versucht der Kinderarzt, den betroffenen Darmabschnitt zu ertasten, oder die Diagnose wird durch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Röntgendarstellung des Dickdarms mit durch den Po eingeflößtem Kontrastmittel gestellt. Dabei wird in den meisten Fällen gleichzeitig die Ursache beseitigt: Durch den Druck des flüssigen Kontrastmittels wird das eingestülpte Darmstück wieder in die richtige Lage geschoben. Gelingt dies nicht, muss operiert werden.

Videoanalyse. In schwerwiegenden Fällen ist zu erwägen, im Rahmen einer Beziehungsanalyse mit Videofeedback die Verhaltensweisen von Eltern und Baby zu analysieren. Studien haben gezeigt, dass es Eltern danach besser gelang, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Prognose

Trotz des hohen Leidensdrucks beim Säugling und den Eltern: Dreimonatskoliken sind harmlos. Auch wenn die Koliken und das begleitende Schreien eine große Anstrengung für Baby und Eltern darstellen – nach 3 Monaten gehen die Beschwerden von allein zurück und führen auch nicht zu länger andauernden gesundheitlichen Problemen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Prüfen Sie als Erstes, ob Ihr Baby krank ist und deshalb schreit. Bei Blut in der Windel, Apathie, Blässe oder Erbrechen suchen Sie sofort den Kinderarzt auf.

Bei Dreimonatskoliken funktionieren die beim "normalen Schreien" wirksamen Strategien – wie Stillen, Füttern oder den Schnuller geben – nicht. Oft macht gerade das Anlegen oder Füttern die Sache noch schlimmer. Folgende Strategien können versucht werden:

Tragen und Körperkontakt. Bei vielen Babys hilft Herumtragen, Schaukeln und enger Körperkontakt. Dabei bevorzugen manche Babys kräftige Bewegungen, andere mögen es sachte. Sanftes Streicheln des Bauches bringt manchen Säuglingen Erleichterung. Massage. Eine sanfte Massage des Bauches beruhigt und ist oft hilfreich, da dem Schreien manchmal auch gastrointestinale Beschwerden zugrunde liegen. Oder legen Sie den Säugling auf den Bauch und streichen ihm behutsam mit den Fingern über den Rücken. Einwickeln. Viele Eltern haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, das Baby fest in ein großes Handtuch einzuschlagen und es dann sanft in den Armen zu wiegen. Auch ein warmes Bad kann möglicherweise eine Kolik "lösen". Tragetuch oder Tragegestell. Gut bewährt hat sich auch, das Baby in ein Tragetuch zu nehmen, und zwar auf den Rücken; dort lässt sich das Kind ohne viel Mühe schaukeln. Rhythmen. Manche Kolikkinder können durch Rhythmen oder auch durch monotone Töne beruhigt werden, etwa wenn Sie den Staubsauger anstellen, das Baby den Rhythmus der Waschmaschine hört (Kind nur neben, nicht auf die Waschmaschine stellen) oder das Baby auf eine Spazierfahrt mit dem Auto mitnehmen oder mit ihm an der frischen Luft spazieren gehen. Auch Singen hat sich bewährt. Einreiben. Manche Säuglinge mögen es, wenn der Bauch mit Fenchelöl eingerieben wird und zwar langsam im Uhrzeigersinn, immer um das Bäuchlein herum (in dieser Richtung arbeitet auch der Dickdarm). Auflagen. Für die feuchtwarme Auflage wird ein Tee aus Anis und Fenchel oder auch aus Kümmel und Fenchel zubereitet. 1 Esslöffel der Saaten wird mit 0,5 l kochendem Wasser überbrüht und muss dann etwa 10 Minuten ziehen. Tränken Sie mit dem Sud ein Baumwolltuch und legen dies auf den Bauch. Aber testen Sie vorab die Temperatur an Ihrer Handgelenksinnenseite. Legen Sie über die Auflage ein weiteres Baumwolltuch und ein kleines Wolltuch. Lassen Sie die Tücher so lange liegen, bis sie abgekühlt sind. Entspannungsbad. Auch ein warmes Bad "löst" möglicherweise eine Kolik. Mischen Sie 1 Esslöffel Sahne mit 2 Tropfen ätherischem Öl (zum Beispiel Anis und Kümmel oder Fenchel und Kümmel) und rühren Sie diese Mischung in das Badewasser. Kirschkernkissen. Legen Sie ein warmes Kirschkernkissen auf den Babybauch. Aber testen Sie vorab die Temperatur an Ihrer Handgelenksinnenseite. Machen Sie das Kissen auf keinen Fall zu heiß! Fencheltee. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rät davon ab, Kindern unter 4 Jahren den sonst gut wirksamen Fencheltee zu geben, da dieser evtl. karzinogene Stoffe enthält.

Für Entlastung sorgen. Am wichtigsten ist aber die eigene Entlastung – denn jeder läuft bei einem unstillbar schreienden Säugling Gefahr, die Nerven zu verlieren. Wann immer möglich, sollte deshalb in den schweren Wochen der Partner, die Tagesmutter, eine Freundin oder Verwandte in den Abendstunden mit aushelfen. Hilfreich ist es auch, wenn jeweils ein Elternteil bei dem schreienden Säugling bleibt, während der andere zur eigenen Entlastung für einige Minuten den Raum verlässt. Nach 5–15 Minuten kann dann getauscht werden.

Ruhe. Babys benötigen ausreichend Ruhe, um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Gönnen Sie Ihrem Kind einen geregelten Tagesablauf und achten Sie auf genügend Zeit zum Schlafen.

Schreiambulanz. Holen Sie sich auch Hilfe von Profis: In jeder größeren Stadt gibt es Schreiambulanzen, die meistens in Kinderkrankenhäusern angesiedelt sind. Oft hilft es, die Probleme zu schildern und sich dann von Fachleuten beraten zu lassen. Fragen Sie den Kinderarzt oder Ihre Hebamme nach Adressen vor Ort.

Geeignete Medikamente
Entschäumende Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon (z. B. in sab simplex® und Lefax®) bringen bei einfachen Blähungen Erleichterung; bei Koliken haben sie keine Wirkung.

Auch Carminativum Babynos® wird als Therapeutikum speziell gegen Blähungen im Säuglings- und Kindesalter vermarktet und empfohlen. Die Tropfen enthalten eine Heilkräuterkombination aus Kamillenblüten, Pfefferminzblättern, Fenchel- und Kümmelfrüchten sowie Pomeranzenschalen, aber auch einen hohen Zucker- und Alkoholgehalt, weshalb sie umstritten sind. Trotzdem (oder deswegen?) scheinen sie bei manchen Säuglingen zu wirken.

Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass auch Probiotika (Milchsäurebakterien) die Dauer der täglichen Koliken verringern. Frühere Studien kamen jedoch eher zu einem verhaltenen Ergebnis bezüglich der Wirksamkeit, auch wenn manchmal gewisse Effekte erkennbar waren. Dennoch ist es bestimmt einen Versuch wert.

Komplementärmedizin
Homöopathie. Viele Eltern probieren homöopathische Mittel aus, z. B. leicht probiotische Tropfen wie BiGaia®. Wenn der Kopf Ihres Kindes bei den Schreiattacken hochrot ist und sich Schweiß auf der Stirn bildet, soll Belladonna helfen.

Akupunktur. Eine neue Studie hat gezeigt, dass eine Mini-Akupunktur (Akupunkturpunkt L14) das Schreien reduziert.

Prävention
Um Koliken vorzubeugen, werden leider oft Patentlösungen angeboten, die aber immer nur beim Nachbarkind zu funktionieren scheinen. Die meisten Eltern von Kolikkindern stellen fest, dass sich mit den ergriffenen Maßnahmen allenfalls einmal eine Etappe gewinnen lässt.

Die Ernährung der stillenden Mutter umstellen. Auch das ist einen Versuch wert, aber mehr nicht. Lassen Sie die blähenden Zwiebeln weg und die Bohnen und vielleicht auch Kraut, aber vermeiden Sie, schließlich bei einer Radikaldiät zu landen, unter der Ihre eigenen Kräfte schwinden. Die Beweise, dass solche Nahrungsumstellungen etwas bringen, sind sehr dürftig. Das gilt auch für einen Wechsel der Milchfertignahrung. Natürlich schadet es nicht, einmal von Hipp auf Beba zu wechseln oder umgekehrt, und oft glaubt man auch in den ersten Tagen, das Schreien würde weniger – aber der Effekt hält meist nicht an. Das gilt grundsätzlich auch für die oft empfohlenen hypoallergenen Nahrungen (HA-Nahrungen): Es gibt zwar durchaus positive Studien, liest man die aber genau, so ist auch hier nicht klar, ob das positive Ergebnis an den (teureren) Nahrungen selber liegt oder nur an der Erwartung der Eltern. Dasselbe gilt für "alternative" Milch wie Sojamilch. Wenn Sie Ihr Kind nicht stillen, versuchen Sie es stattdessen mit Milchersatznahrung ohne Molke. Das Füttern mit Sojamilch wird bei Säuglingskoliken nicht empfohlen, da die Proteine unter Umständen Allergien auslösen; außerdem ist der Gehalt an pflanzlichen Östrogenen in diesen Präparaten bedenklich. Und anders stillen? Auch das entpuppt sich meist als nutzlos. Ratschläge wie "Pumpen Sie die ersten 30 g ab, damit die Milch nicht in den Mund Ihres Babys schießt" oder "Begrenzen Sie das Stillen auf 20 Minuten" sind gut gemeint, aber meist bringen sie nur zusätzliche Arbeit, Anspannung und Verdruss. Einfacher (und laut einzelnen Studien auch erfolgreich) mag es sein, das Baby insgesamt öfter anzulegen – dies könnte den Magen bei den einzelnen Mahlzeiten entlasten. Einfacher umzusetzen ist der Tipp, in einer halb aufrechten Position zu stillen, sodass das Verschlucken von Luft verhindern wird, Ihr Kind häufiger aufstoßen zu lassen (aber wer macht das nicht?), oder, bei Flaschenkindern, kein zu großes Saugerloch zu verwenden (optimal ist angeblich, wenn ein Tropfen pro Sekunde aus der Flasche kommt).

Hinweis: Auf keinen Fall sollten Sie mit dem Stillen aufhören. Es ist nicht die Muttermilch, die an dem Weinen Ihres Kindes schuld ist.

Windpocken

Quelle: apotheken.de | 09.10.2009 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Ihr Apotheker empfiehlt?, ?Ärztliche Behandlung? und ?Prävention?: Dagmar Fernholz
 Der typische Hautausschlag geht meist vom Rumpf aus.5

Windpocken (Varizellen): durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder betrifft und typischerweise in den Wintermonaten oder im Frühjahr ausbricht.

Windpocken sind so ansteckend, dass 90 % aller 10-Jährigen die Erkrankung durchgemacht haben. Sie hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden scheinen zuzunehmen, je älter das Kind bei der Erkrankung ist.

Uncharakteristisches Vorstadium mit Müdigkeit und Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen Fieber (selten über 39 °C) für 3–5 Tage Charakteristischer, unangenehm juckender Hautausschlag von Kopf und Rumpf ausgehend Anfangs hellrote Knötchen, später flüssigkeitsgefüllte Bläschen Nach einigen Tagen und für einige weitere Tage: immer wieder platzen Bläschen, trocknen aus und heilen ab.

Inkubationszeit. 11–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Von 1–2 Tagen vor Ausbruch des Ausschlages bis zum Eintrocknen der letzten Blase.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind Windpocken oder eine andere Krankheit hat. Sie den starken Juckreiz bei Ihrem Kind selbst nicht in den Griff bekommen (siehe "Was Sie als Eltern tun können"). sich die Haut stark entzündet (Sie bemerken dann zunehmende Schwellung, Rötung und Eiterung). Ihr Kind unter 6 Monate alt ist.

Sofort, wenn

Ihr Kind einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt oder teilnahmslos wird, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es wird v. a. durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Husten, Niesen, Sprechen oder Schmusen.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Hauptsächlich verbreiten sich die Viren durch das Aufkratzen der Bläschen, oder wenn diese von selbst aufplatzen und der Gesunde mit der Bläschenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Es ist praktisch fast unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern: Ist ein Familienmitglied an Windpocken erkrankt, stecken sich 80–90 % der anderen Familienmitglieder an, sofern sie durch eine vorherige Infektion noch keine Antikörper gebildet haben.

Verlauf
Normalerweise ist der Verlauf der Windpockenerkrankung bei Kindern milde. Bei Kleinkindern, Erwachsenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem verläuft sie schwerer. Am stärksten sind Fieber und Krankheitsempfinden bei Erwachsenen ausgeprägt.

Der juckende Ausschlag beginnt meist am Rumpf und breitet sich auf den behaarten Kopf, das Gesicht und die Extremitäten aus. Die Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Der Ausschlag besteht zwischen 10 und mehr als 1000 einzelnen Blasen, da die einzelnen Blasen meist nach und nach entstehen. Während manche Blasen schon von Schorf bedeckt sind, sind andere noch mit Flüssigkeit gefüllt (sog. Sternenhimmel).

Diagnosesicherung
Die Diagnose "Windpocken" ist eine Blickdiagnose, d. h. der Arzt erkennt die Erkrankung anhand des typischen Hautausschlages relativ eindeutig.

Da dieser anfangs Mückenstichen ähnelt, sollte man einen Tag warten und prüfen, ob die Anzahl der roten Flecken zugenommen hat. Windpocken unterscheiden sich von anderen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach und Röteln dadurch, dass bei diesen zwar auch rote Hautflecken, aber keine Bläschen zu sehen sind. Ergänzende Untersuchungen sind selten nötig.

Blutuntersuchung. Im Zweifelsfall wird der Arzt spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Erregernachweis. Aus dem Bläschensekret lässt sich das Virus durch PCR (Polymerase Chain Reaction = |Polymerase-Kettenreaktion) schnell nachweisen, allerdings ist diese Methode nur in Einzelfällen notwendig, beispielsweise wenn bei einer werdenden Mutter die Geburt wegen einer Windpockenerkrankung künstlich ein paar Tage hinausgezögert oder eine besondere Therapie eingeleitet werden muss.

Komplikationen
Für sonst gesunde Kleinkinder sind Windpocken nur selten gefährlich. Stecken sich ältere Kinder und Erwachsene mit Windpocken an, verläuft die Erkrankung oft mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und auch starkem Hautbefall.

Auch bei Kindern mit einer Neurodermitis kommen wegen der bereits vorgeschädigten Haut schwere Verläufe vor. Abwehrgeschwächte Kinder, z. B. Kinder mit einer Leukämie, können sogar lebensbedrohlich erkranken.

Narbenbildung. Manchmal entzünden sich die Bläschen, beispielsweise wenn ein Kind die Bläschen aufkratzt. Es bleiben dann kleine Narben zurück.

Lungenentzündung (Pneumonie). Diese ernste Komplikation kommt extrem selten vor und tritt etwa 3–5 Tage nach Krankheitsbeginn auf. Erwachsene sind von einer Lungenentzündung deutlich häufiger betroffen als Kinder.

Herz- und Nierenbeteiligung. Diese Komplikationen sind sehr selten.

Entzündung des Großhirns (|Enzephalitis) oder Kleinhirns (Zerebellitis). Auch diese ernsten Komplikationen kommen extrem selten vor.

Varizellenembryopathie. Gerade Schwangere Frauen sollten kranke Kinder meiden, denn eine Infektion mit Windpocken bedeutet eine Gefahr für das ungeborene Kind. V. a. vor der 20. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko bei 1 %, dass es bei Ungeborenen zu Hirnschäden, Fehlbildungen der Gliedmaßen, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star (Katarakt) kommt. Ebenso besteht die Gefahr eines Schwangerschaftsabbruchs (Abort).

Neugeborenen-Varizellen. Junge Säuglinge erkranken in der Regel nicht an Windpocken, da sie durch die von der Mutter in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe (Antikörper) geschützt sind. Wenn eine bisher nicht an Windpocken erkrankte Mutter aber 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt, fehlt dem Neugeborenen dieser |Nestschutz, und es erkrankt möglicherweise sehr schwer. Aus diesem Grund müssen sie noch vor Ausbruch der Bläschen mit |Antikörpern und virenhemmenden Mitteln (Virostatika) behandelt werden.

Mögliche Folge: Gürtelrose
Wie bei allen Herpes-Viren besteht die Gefahr, dass auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung im Körper bleibt. Im Laufe des Lebens besteht die Möglichkeit, dass es reaktiviert wird und eine |Gürtelrose (Herpes Zoster) verursacht.

Hiervon sind besonders Krebspatienten betroffen. Sie erkranken etwa doppelt bis 8-mal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.

Da beide Erkrankungen – Windpocken und Gürtelrose – vom gleichen Virus ausgelöst werden, ist es möglich, dass z. B. die an Gürtelrose erkrankte Großmutter ihren Enkel mit Windpocken ansteckt.

Ärztliche Behandlung

Bei sonst gesunden Kindern ist keine Therapie erforderlich.

Pharmakotherapie
Eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten (Aciclovir) ist nur notwendig, wenn die erkrankte Person über 20 Jahre alt ist, an einer Immunschwäche leidet, eine schwere Neurodermitis hat oder wenn Komplikationen auftreten.

Stört der Juckreiz sehr, verschreibt der Arzt Lotionen (z. B. Tannosynth® oder Anaesthesin®) oder in schweren Fällen Antihistaminika als Tropfen. Diese helfen gegen den Juckreiz und machen zudem etwas müde und sorgen damit für einen besseren Schlaf. Die Anwendung bietet sich deshalb für den Abend an.

Entzünden sich aufgekratzte Bläschen eitrig, verordnet der Arzt Antibiotika. Lokalanästhetika mit Polidocanol helfen ebenfalls gegen akuten Juckreiz, können aber zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Isolation. Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule solange nicht besuchen, bis sie fieberfrei sind und der Ausschlag trocken ist, d. h., bis die Blasen von Schorf bedeckt sind.

Zinklotionen. Hauptproblem ist bei Windpocken meist der Juckreiz, der mit frei verkäuflichen Lotionen aus der Apotheke (z. B. Lotio alba) gelindert wird. Gleichzeitig trocknet die Lotion die Bläschen aus und verhindert, dass sich die nässenden Stellen entzünden.

Kleidung. Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern.

Kühle Umschläge und Waschungen. Auch kurz aufgelegte kühle Umschläge lindern den Juckreiz. Ebenso wirken kühle Waschungen oder ein kurzes Abbrausen mit kühlem Wasser. Auf Bäder sollte verzichtet werden, da die Bläschen im Bad aufweichen und dann leichter aufgekratzt werden (begünstigt die Narbenbildung).

Kühle Zimmertemperatur. Das Zimmer sollte nicht zu warm temperiert sein, denn Wärme und Schwitzen verstärken den Juckreiz.

Windelwechsel. Säuglinge und Kleinkinder sollten häufiger als sonst gewickelt werden, da das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert.

Hautpflege. Kratzen sollte möglichst vermieden werden, um eine Hautinfektion zu verhindern. Um dies zu vermeiden, schneiden Sie am besten die Fingernägel des Kindes kurz. Evtl. helfen auch Handschuhe, damit sich Ihr Kind nicht kratzt.

Geeignete Medikamente
Bei Fieber empfehlen sich Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin
Homöopathie. Klassische Mittel der Homöopathie bei Windpocken sind bei Fieber Belladonna D4 und Rhus toxicodendron.

Prävention
Aktive Impfung. Die Impfung gegen Windpocken ab einem Alter von 11 Monaten gehört zu den |empfohlenen Regelimpfungen. Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, vorzugsweise als Kombinationsimpfung (4-fach-Impfung) gegen Masern, Mumps und Röteln (MMRV).

Seit Juli 2012 wird empfohlen, die Erstimpfung nicht als 4-fach-Impfung zu verabreichen, sondern den Varizellen-Impfstoff simultan mit dem MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen zu impfen. Damit soll das leicht erhöhte Risiko für Fieberkrämpfe vermieden werden.

Viele Kinderärzte sehen die Impfung gegen Windpocken jedoch kritisch: Zu befürchten ist, dass natürliche Windpockeninfektionen immer seltener auftreten und sich dadurch Kinder, die nicht geimpft werden, erst spät anstecken, evtl. sogar erst im Erwachsenenalter oder in der Schwangerschaft. Der Verlauf der Krankheit ist dann schwerer, und es drohen eher Komplikationen.

Die STIKO gibt folgende Impfempfehlungen gegen Windpocken, aufgeteilt nach Lebensalter:

11.–14. Lebensmonat: Erstimpfung erfolgt zeitgleich mit der 1. Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder frühestens 4 Wochen danach. 15.–23. Lebensmonat: 4–6 Wochen nach der Erstimpfung wird die 2. Impfung durchgeführt, möglich auch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfstoff). Die Impfung wird nur dann verschoben, wenn eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.

Passive Impfung. Neben den Aktivimpfungen, die auf die Ausbildung eines Abwehrgedächtnisses zielen, gibt es noch die Passivimpfungen (Passivimmunisierung). Dabei werden dem Körper direkt die fertigen Antikörper (Immunglobuline) gespritzt, die das Immunsystem des Spenderorganismus (Mensch oder Tier) zur Abwehr des Erregers produziert hat.

Während es bei der Aktivimpfung oft Monate dauert, bis der Impfschutz erreicht ist, greifen Passivimpfungen schon nach wenigen Stunden bis Tagen. Sie werden daher v. a. dann eingesetzt, wenn z. B. ein abwehrgeschwächtes, nicht geimpftes Kind oder eine Schwangere Kontakt zu einem Windpockenkranken hatte und nicht abgewartet werden darf, bis der Körper selbst ausreichend Antikörper gebildet hat.

Der Nachteil der Passivimpfung ist allerdings, dass sich die gespritzten Immunglobuline im Blut auch schnell wieder abbauen und der Impfschutz nicht länger als wenige Wochen anhält.

Großwuchs

Quelle: apotheken.de | 14.09.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Wie groß ein Mensch wird, ist größtenteils erblich bedingt.3

Großwuchs: Körperlänge oberhalb der 97. Perzentil gesunder Kinder. Das heißt, 97 % der Kinder ihrer Altersgruppe sind kleiner.

Symptome und Leitbeschwerden

Ihr Kind gehört zu den größten 3 % seiner Altersgruppe.

Wann zum Kinderarzt

In den nächsten Wochen, wenn
Ihr Kind ungewöhnlich groß ist, insbesondere wenn es früher keinen auffälligen Größenunterschied zu seinen Altersgenossen gab.

In den nächsten Tagen, wenn
Sie bei Ihrem sehr großen Kind noch weitere Auffälligkeiten bemerken, beispielsweise eine ungewöhnlich frühe Pubertät.

Die Erkrankung

Größe ist relativ, und so ist verständlich, dass selbst Ärzte nicht immer klar sagen können, wo genau die Grenze zum Großwuchs (auch Hochwuchs genannt) liegt.

Wie groß ein Mensch wird, ist größtenteils erblich bedingt. Ärzte schätzen die "Zielgröße" eines Kindes entsprechend der Größe der Eltern: Die Körperlänge der Eltern (in cm) wird addiert, durch zwei geteilt, und dann 6 cm hinzugerechnet (bei Jungen) bzw. abgezogen (bei Mädchen). Kleine Eltern haben also in der Regel kleine Kinder, große Eltern haben große Kinder. Dieser familiär bedingte Klein- bzw. Großwuchs zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind spätestens ab dem Kindergartenalter zu den eher Kleinen oder den eher Großen zählt, seine Wachstumsgeschwindigkeit bleibt dabei aber normal (d. h. es folgt auf der |Perzentilenkurve in etwa demselben Korridor).

Eine weitere Wachstumsvariante hat mit dem Körperfett zu tun: Übergewichtige Kinder wachsen schneller als ihre schlanken Altersgenossen, aber das schnellere Wachstum hat keinen Einfluss auf die Endgröße.

Konstitutionelle Frühentwicklung
Der oft familiär bedingte Frühstart in die Pubertät führt zu einem Wachstumsschub, der ein bis mehrere Jahre früher beginnt als in der Altersgruppe üblich.

Ursachen und Risikofaktoren
Wie der Kleinwuchs so kann auch der – seltenere – Großwuchs auf Veränderungen der Chromosomen oder erbliche Erkrankungen zurückzuführen sein (z. B. auf ein Klinefelter-Syndrom oder ein Marfan-Syndrom).

Hormonstörungen. Beim Großwuchs muss ebenfalls an Hormonstörungen gedacht werden, etwa eine Überproduktion des Wachstumshormons in der Hypophyse (möglicherweise auch durch einen Tumor bedingt). Ein |krankhaft früher Pubertätsbeginn lässt Kinder zunächst schneller wachsen als ihre Altersgenossen; da das Wachstum hier jedoch vorzeitig aufhört, sind die Betroffenen als Erwachsene zumeist klein.

Frühe Pubertät. Vor allem bei Mädchen führt ein frühes Einsetzen der Pubertät zu einem frühen Wachstumsschub.

Komplikationen
Zu große Kinder haben Probleme, beispielsweise die passende Kleidung oder ein Fahrrad zu finden. Gerade Mädchen leiden oft unter der Größe bzw. darunter, dass sie die Jungen überragen.

Diagnosesicherung

Anhand von Röntgenaufnahmen der Knochen lässt sich das verbleibende Längenwachstum beurteilen.

Blutuntersuchung. Unter anderem dient die Bestimmung der Geschlechtshormone dem Ausschluss einer hormonellen Ursache.

Behandlung

Bei familiärem Großwuchs kann durch Gabe von Geschlechtshormonen eine Verminderung der Endgröße um etwa 10 cm erzielt werden. Dadurch setzt allerdings auch die Pubertät früher ein, eine Situation, die ein Kind möglicherweise überfordert. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch diese Behandlungen später die Fruchtbarkeit leidet, sodass heute der Hochwuchs nur noch sehr zurückhaltend behandelt wird.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Selbstbewusstsein stärken. Wenn Sie Ihr Kind so annehmen, wie es ist, und sein Selbstbewusstsein stärken, hat es die besten Aussichten, im Leben gut zurechtzukommen.

Sport. Finden Sie die passende Sportart für Ihr Kind. Beispielsweise ist es beim Judo von Vorteil, wenn der Junge (oder auch das Mädchen) kleiner und damit leichter ist. Unter Großwuchs leiden eher Mädchen. Aber auch hier sollten Sie Ihre Tochter (aber auch Ihren Sohn) für die passende Sportart wie Basketball begeistern.

Verzögerte Sprachentwicklung : Was ist normal?

Quelle: apotheken.de | 28.05.2014 | Katrin Stegherr, BVKJ
 Ob vorlesen oder selber lesen - die Beschäftigung mit Texten fördert die Sprachentwicklung.Wauwau für Hund oder Gaga für Giraffe– Lautmalerei ist ein typischer Aspekt der Kindersprache. Kleine „Sprachfehler“ sind bei der Sprachentwicklung normal. Ab wann Eltern sich Sorgen machen müssen, weiß der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Entwicklung der Sprache individuell
Die Sprachentwicklung beginnt schon mit den ersten Lebensmonaten, wenn der Säugling sein Schreien je nach Situation verändert. Mit einem Jahr erkennen Kinder erste Wörter und versuchen, sie nachzusprechen.  Einfache Zwei-Wort-Sätze wie „Papa hoch.“ oder „Mama Ball.“ bildet das Kind etwa ab dem zweiten Lebensjahr. Eine vereinfachte „Babysprache“ oder „Kindersprache“ ist Teil der  normalen Entwicklung. Dazu gehört das Weglassen von bestimmten Lauten,  zum Beispiel bennen statt brennen oder Hun statt Hund. Einige Laute ersetzen die Kinder durch andere, zum Beispiel r durch l in Lad oder glün. Die Geschwindigkeit des Spracherwerbs verläuft bei allen Kindern unterschiedlich. Erst wenn Sprachprobleme im Alter von vier oder fünf Jahren noch immer anhalten, ist das ein Hinweis auf eine mögliche Sprachstörung. Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Satzbau oder ein geringer Wortschatz. Eltern sollten dann mit ihren Kindern einen Kinder- und Jugendarzt aufsuchen.

Kinderarzt  klärt Sprachstörung ab
Die deutsche Sprache hat eine schwierige Grammatik. Daher sind Probleme mit dem Satzbau in Deutschland häufiger als in anderen Ländern und nicht immer Grund zur Sorge. Der Kinder- und Jugendarzt klärt, ob es sich um eine unbedenkliche Verzögerung handelt oder ob die Sprachentwicklung gestört ist. Eine Sprachentwicklungsstörung (Dyslalie) kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind die Auslöser körperlich, beispielsweise bei Schwerhörigkeit. Auch eine Verletzung der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer, Gaumen und Rachen) oder eine Hirnschädigung führen zu Störungen. Ein weiterer möglicher Auslöser sind psychische Faktoren. Erlebt das Kind eine belastende Situation wie einen Umzug oder die Trennung der Eltern kann das zu einem Rückfall in die „Babysprache“ führen. Man spricht dabei von einer „Regression“, einem Rückzug in eine vorhergehende Entwicklungsstufe.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig verordnet der Arzt eine Sprachtherapie durch einen Logopäden.

Röteln

Quelle: apotheken.de | 11.05.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Eine zweimalige Schutzimpfung beugt Röteln effektiv vor.2

Röteln (Rubella, Rubeola): Für Kinder harmlose Infektionskrankheit, die vom Röteln-Virus (Rubellavirus) verursacht wird und durch Hautausschlag, Fieber und Lymphknotenschwellung gekennzeichnet ist.

Röteln sind durch die |für alle Kinder empfohlenen Impfungen selten geworden.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden bei Röteln sind oft leicht und der Hautausschlag diskret und undramatisch.

Kinder:
Erkältungsähnliche Allgemeinbeschwerden, z. B. Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, leichtes Fieber Evtl. geschwollene Lymphknoten In 50 % der Fälle hellroter, fleckiger Ausschlag, anfangs (wie bei den Masern) hinter dem Ohr.

Jugendliche und Erwachsene:
Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit Leichte Entzündung der Bindehaut und der Augenlider Verstopfte oder "laufende" Nase Geschwollene (bohnengroße) Lymphknoten am ganzen Körper Geschwollene und schmerzhafte Gelenke bei jungen Frauen.

Inkubationszeit. 14–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Woche vor Auftreten bis 5 Tage nach Erscheinen des Hautausschlages.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie bei Ihrem Kind Röteln vermuten.

Heute noch, wenn

Ihr Kind mit Röteln zusätzlich über Beschwerden wie Ohrenschmerzen klagt.

Sofort, wenn

Ihr Kind starke Kopfschmerzen, einen steifen Nacken oder Krämpfe bekommt und apathisch wirkt; diese Symptome deuten auf eine Hirnhautentzündung hin.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Röteln-Viren werden durch das Rubellavirus ausgelöst und verbreiten sich über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die virenhaltigen Speicheltröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft weitergegeben und dringen in die Schleimhaut der oberen Atemwege ein.

Auch durch den direkten Kontakt mit dem Speichel beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt.

Bei kleinen Kindern, die bereits im Mutterleib von ihrer Mutter angesteckt wurden, besteht bis zu einem Jahr die Gefahr, dass sie das Virus über den Urin oder das Nasen- und Rachensekret verbreiten.

Verlauf
Bevor die ersten Symptome auftreten, bemerkt der Patient oft nichts von seiner Ansteckung.

Röteln zeigen sich zunächst als geringfügige erkältungsähnliche Allgemeinbeschwerden, mit Abgeschlagenheit und leichtem Fieber. Im Anschluss an eine auffällige Rötung des Gesichts entwickelt sich bei 50 % der Kinder ein charakteristischer Hautausschlag – ähnlich dem bei Masern – hinter den Ohren. Der Ausschlag besteht aus hellroten Flecken, die leicht erhaben sind. Im Gegensatz zu den Masern sind die Röteln-Flecken kleiner und laufen nicht zusammen.

Komplikationen
Komplikationen sind sehr selten und verlaufen in aller Regel gutartig.

Gelenkbeschwerden: Entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthritiden) sind äußerst selten, wenn treten sie im Erwachsenenalter auf.

Gehirnentzündung (Enzephalitis): Sehr selten verursachen Röteln eine Entzündung des Gehirns mit Kopf- und Nackenschmerzen, mit Sehstörungen, Erbrechen, Lähmungen sowie Empfindungsstörungen. Dauerschäden gibt es jedoch nicht.

Röteln-Embryopathie: In der Schwangerschaft sind Röteln allerdings eine ernste Bedrohung: Die Viren gelangen vor allem in der Frühschwangerschaft über den Mutterkuchen in den kindlichen Blutstrom. Schwere kindliche Schäden mit geistiger Behinderung, Schwerhörigkeit oder Taubheit, Sehbehinderung und/oder Herzfehlern sind die Folgen (|Röteln-Embryopathie). Immer noch werden hierzulande 50–100 Babys jährlich mit teilweise schweren angeborenen Schäden infolge einer Röteln-Infektion geboren. Wird das Ungeborene im ersten Schwangerschaftsdrittel infiziert, droht in 90 % der Fälle eine Fehlbildung. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel kann immer noch jedes 4. Ungeborene angesteckt werden. Erst in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft reduziert sich die Gefahr von Missbildungen deutlich. Oft weiß die Schwangere gar nichts von ihrer Infektion, da die typischen Krankheitszeichen (wie etwa der Ausschlag) fehlen.

Diagnosesicherung

Häufig wird die Infektion mit Röteln-Viren gar nicht bemerkt.

Wird sie bemerkt, ist sie für den Kinderarzt schwierig zu erkennen, denn andere virale Erkrankungen wie Masern, Scharlach, Ringelröteln oder ein allergischer Hautausschlag rufen ähnliche Krankheitsbilder hervor.

Eine labormedizinische Untersuchung muss deshalb meist die Diagnose sichern.

Blutbild. Typischerweise zeigt das Blutbild bei Röteln eine Leukopenie, das heißt eine gegenüber der Norm verminderte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut. Außerdem lassen sich im Blut Röteln-spezifische Antikörper nachweisen oder direkt die Erbsubstanz (RNA) der Viren.

Erregernachweis. Auch in Speichelproben aus dem Nasen-Rachen-Raum oder aus der Zahntasche lässt sich 3 Tage nach Symptombeginn das Virus nachweisen.

Behandlung

Es gibt keine wirksame Therapie gegen das Virus. Da die Röteln meist einen milden Verlauf haben, besteht die Behandlung aus der Linderung der Symptome.

Pränatale Diagnostik. Während der Schwangerschaft können Röteln zu einer Fehlgeburt oder zu schweren Schädigungen des Ungeborenen führen. Besteht bei Schwangeren der Verdacht auf eine Infektion, ist eine Blutuntersuchung besonders wichtig. Nur so kann der Arzt die Diagnose eindeutig stellen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Röteln sind fast immer harmlos, Bettruhe nur bei Bedarf.

Isolation. Kinder, die eine akute Röteln-Infektion haben oder bei denen der Verdacht besteht, sollten von Schwangeren getrennt werden und deshalb nicht in den Kindergarten, in die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gehen.

Prävention
Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Röteln ist die zweimalige Schutzimpfung. Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, also zu Beginn des 2. Lebensjahres, folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Die zweimalige Schutzimpfung gewährt lebenslange Immunität.

Durch die Impfung wird nicht nur das geimpfte Kind geschützt, sondern vor allem die noch ungeborenen Kinder. Achten Sie darauf, dass Ihre Tochter bis zur Pubertät einen ausreichenden Schutz hat – entweder durch eine selbst durchgemachte Erkrankung oder durch eine zweimalige Impfung. Frauen, die sich nicht sicher sind, ob sie in ihrer Kindheit geimpft wurden, lassen den Schutz beispielsweise durch eine Blutuntersuchung nachweisen.

Impfung während der Schwangerschaft. Zu den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gehört auch die Bestimmung des Röteln-Titers im Blut. Dieser sollte mindestens einen Wert von 1:32 haben (d. h. noch bei 32-facher Verdünnung einen Schutz gegen die Erkrankung gewährleisten, 1:16 oder 1:8 bedeutet einen noch besseren Schutz, 1:64 wäre nicht mehr ausreichend). Da die Impfung nicht während der Schwangerschaft nachgeholt werden darf, wird empfohlen, dass zwischen der Impfung und einer (geplanten) Schwangerschaft ein zeitlicher Abstand von 1 Monat liegt. Lässt sich eine Schwangere aus Versehen impfen, ist dennoch nach nationalen und internationalen Empfehlungen kein Schwangerschaftsabbruch notwendig.

Mumps

Quelle: apotheken.de | 11.05.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Zuverlässigen Schutz gegen Mumps bietet eine Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.2

Mumps (Ziegenpeter, Parotitis epidemica): Vom Mumps-Virus verursachte hochansteckende Infektionskrankheit.

Das Virus gehört zu derselben Virenfamilie wie das Masern-Virus und verursacht eine Entzündung der Speicheldrüsen. Normalerweise ist die Ohrspeicheldrüse betroffen, bei einigen Kindern entzünden sich auch die Bauchspeicheldrüse oder die Hoden. Mumps ist durch die |für alle Kinder empfohlenen Impfungen selten geworden; heute sind am ehesten Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Symptome und Leitbeschwerden

Vor allem bei kleinen Kindern sind die Beschwerden gering wie bei einem grippalen Infekt oder fehlen ganz. Ansonsten sind für ältere Kinder und Erwachsene folgende Symptome typisch, bei Erwachsenen zumeist schwerer und ausgeprägter als bei Kindern:

Allgemeines Unwohlsein mit Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen Zunächst einseitige, schmerzhafte Schwellung einer Ohrspeicheldrüse, nach wenigen Tagen Ausdehnung auf die zweite Ohrspeicheldrüse Leichtes Fieber Schmerzen "in der Backe" beim Kauen und Öffnen des Mundes, evtl. auch in Ohren und Hals.

Inkubationszeit. 15–24 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 7 Tage vor Auftreten der schmerzhaften Entzündung der Ohrspeicheldrüse bis 9 Tage danach.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie bei Ihrem Kind die für Mumps typische Schwellung der Ohrspeicheldrüse feststellen.

Heute noch, wenn

die Ohrenschmerzen ganz im Vordergrund stehen oder ein Ohr "läuft".

Sofort, wenn

Ihr Kind auch nach einer Woche immer noch fiebert. das Fieber nach 2–3 Wochen wieder ansteigt. Ihr Kind über starke Kopfschmerzen und eine Nackensteifigkeit klagt; diese Symptome deuten auf eine Hirnhautentzündung hin. Ihr Kind Bauchschmerzen hat oder wenn es erbricht; hier besteht die Gefahr einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ihr Sohn nach der Pubertät über Hodenschmerzen klagt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Mumps-Viren verbreiten sich über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs kann man sich anstecken.

Verlauf
Mumps zeigt sich durch eine zuerst einseitige, schmerzhafte Schwellung einer Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Das Fieber ist oft nur leicht. Die Schmerzen "in der Backe" strahlen zum Ohr und in den Hals aus und verstärken sich durch Öffnen des Mundes beim Sprechen, Kauen oder Schlucken, aber auch durch Bewegen des Kopfes.

Besonders anfällig sind die beiden Ohrspeicheldrüsen, die evtl. so stark anschwellen, dass die Ohrläppchen abstehen und die Kieferkante nicht mehr zu erkennen ist. Nach weiteren 1–3 Tagen greift die Schwellung auch auf die andere Ohrspeicheldrüse über.

Bei einer Ansteckung mit dem Mumps-Virus zeigen sich nicht immer alle Krankheitssymptome, auch verläuft die Erkrankung bei jedem Kind bzgl. Schwellung, Dauer und Schwere unterschiedlich. Grundsätzlich nehmen die schweren Verlaufsformen mit steigendem Lebensalter zu.

Hinweis: Rund ein Drittel aller Kinder, die sich mit dem Mumps-Virus anstecken, zeigen keine Krankheitszeichen. Sie machen den Mumps also unbemerkt durch.

Komplikationen
Bei den meisten Kindern bleibt der Mumps ohne Folgen. Dennoch treten vereinzelt folgende Komplikationen auf:

Hirnhautentzündung (|Meningitis): Sie kommt bei bis zu 60 % der Patienten vor. 4–5 Tage nach der Drüsenschwellung klagen die Kinder über Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Erbrechen und/oder Nackensteife. Die Entzündung heilt nach Abklingen der Symptome folgenlos.

Gehirnentzündungen (Mumps-Enzephalitis): Bei dieser Entzündung wird das Gehirn vom Virus befallen. Es treten starke Kopfschmerzen und Erbrechen auf. Als Folge der Mumps-Enzephalitis kommt es bei jedem 10. Erkrankten über 18 Jahren zu bleibenden Hörschäden. Aus diesem Grund ist ein Hörtest nach einer überstandenen Mumps-Erkrankung wichtig.

Hodenentzündung (Mumps-Orchitis): Stecken sich Jungen nach der Pubertät an, entwickelt sich bei jedem 4. eine schmerzhafte, fast immer einseitige Hodenentzündung. Sind beide Seiten betroffen, droht als seltene Komplikation die Unfruchtbarkeit. Bei schwerem Verlauf der Hodenentzündung sind eine Krankenhauseinweisung sowie eventuell entzündungshemmende Medikamente notwendig.

Bauchspeicheldrüsenentzündung (Mumps-Pankreatitis): In 4 % der Fälle entzündet sich die Bauchspeicheldrüse. Der zumeist milde Verlauf zeigt sich durch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden und anhand einer krankhaften Erhöhung des Fettgehalts im Stuhl (sogenannter Fettstuhl).

Eierstockentzündung: Die Mitbeteiligung weiterer Organe wie die Eierstöcke ist sehr selten.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Beschwerden wie die Schwellung der Ohrspeicheldrüse weisen auf Mumps hin und machen bei einem herkömmlichen Verlauf eine Laboruntersuchung überflüssig. Bei untypischen Verläufen oder fehlenden Krankheitszeichen sichert ein Bluttest die Diagnose.

Blutuntersuchung. Ist sich der Arzt nicht sicher, wird er eine Blutuntersuchung anordnen, um spezifische Antikörper gegen das Mumps-Virus im Blut nachzuweisen.

Behandlung

Es gibt keine Therapie gegen Mumps. Die Behandlung beschränkt sich auf der Linderung der Beschwerden. Steigt das Fieber über 40 °C, werden in Absprache mit dem Arzt fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen gegeben.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Ruhe. Das kranke Kind braucht gerade während der Fieberphase Ruhe. Ist der Hoden betroffen, muss strenge Bettruhe eingehalten und der Hoden hoch gelagert werden.

Kühlung. Kühle Umschläge auf die geschwollene und schmerzhafte Ohrspeicheldrüse lindern die Beschwerden. Bewährt haben sich Umschläge "pur" oder mit Quark oder essigsaurer Tonerde.

Wärme. Manchen Kindern helfen eher warme Umschläge auf Ohren und Wange. Gute Erfahrungen machen Eltern mit einem Wickel mit warmer Archangelikasalbe, Calendulaöl oder -salbe oder Eukalyptuspaste. Auch eine Wärmflasche lindert die Backenschmerzen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder ausreichend trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte es eine flüssig-breiige Konsistenz haben wie bei Kartoffelpüree, Suppen oder Pudding. Verzichten Sie aber auf saure Getränke, denn dadurch wird der Speichelfluss angeregt, sodass die entzündete Ohrspeicheldrüse "arbeiten" muss, was weitere Schmerzen verursacht.

Prävention
Isolierung. Infizierte Kinder dürfen so lange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, Kinderhort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.

Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Mumps ist die zweimalige Schutzimpfung.

Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, also zu Beginn des 2. Lebensjahres, folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Sind Kinder zweimal geimpft, bleiben sie normalerweise ein Leben lang gegen das Mumps-Virus immun. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer erneuten Erkrankung – trotz zweimaliger Impfung. Versäumte Impfungen sollten im späteren Alter nachgeholt werden, außer in der Schwangerschaft. Während früher überwiegend Kinder im Alter unter 10 Jahren erkrankten, sind heute vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die als Kinder nicht geimpft wurden.

Komplikationen bei Masern-Infektion: Impfung schützt vor Gehirnentzündung

Quelle: apotheken.de | 08.03.2018 | Sandra Göbel
 Die 1. Impfung wird im Alter von 11-14 Monaten verabreicht.Die Masern heilen nicht immer folgenlos ab. Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die Gehirnentzündung. Experten raten deshalb zu einer Masern-Impfung: Sie schützt auch vor möglichen Folgeerkrankungen.

„Eine Masern-Infektion kann sich im zentralen Nervensystem manifestieren und dort verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Dadurch drohen neurologische Schädigungen aber unter Umständen auch tödliche Verläufe“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Um gefährliche Verläufe zu vermeiden, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Kindern und Erwachsenen eine Schutzimpfung. Die Impfung wird in der Regel mit einem kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) verabreicht. Durch ausreichend hohe Durchimpfungsraten könnten Masernfälle vermieden und die Erkrankung sogar ausgerottet werden.

Akute postinfektiöse Enzephalitis
Eine gefürchtete Komplikation der Masern, ist die so genannte akute disseminierte Enzephalitis (ADEM), zu der es in etwa 0,1 Prozent der Erkrankungsfälle kommt. „Hierbei treten etwa 4 bis 7 Tage nach Beginn des Ausschlags Kopfschmerzen, Fieber und neurologische Symptome wie Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma auf“ berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). „Die Erkrankung führt bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen zum Tod und bei bis zu 30 Prozent muss mit Hörverlust oder bleibenden neurologischen Schäden gerechnet werden.“ Kinder sind hierfür besonders gefährdet. Im Laufe der Infektion erkrankt eines von 1.000 Kindern an einer akuten disseminierten Enzephalitis. Demgegenüber wird nur ein ADEM-Erkrankungsfall bei 14,3 Millionen Masern-Impfungen beobachtet, was die Chance des Impfschutzes betont.

Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)
Zu den weiteren neurologischen Komplikationen zählt die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die das Gehirn allmählich zerstört. Sie kann noch bis zu 24 Jahre nach einer natürlichen Masern-Infektion auftreten. Auch hierfür tragen Kinder ein höheres Risiko, betroffen ist etwa eines von 1.000 erkrankten Kindern – am häufigsten die unter fünf Jahren.

Quelle: Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN)


Hüftschnupfen bei Kindern: Ruhe und Schonung sind angesagt

Quelle: apotheken.de | 05.03.2018 | Sandra Göbel/BVKJ
 Kinder mit Hüftschnupfen sollten sich ein paar Tage schonen. Wenn ein Kind hinkt oder nicht mehr laufen will, weil eine Hüfte schmerzt, kann sich dahinter ein sogenannter Hüftschnupfen verbergen. Was es damit auf sich hat und wann Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen sollten.

Erst Schnupfen, dann Hüftschnupfen
Der Hüftschnupfen (Coxitis fugax) ist eine plötzlich beginnende nicht-bakterielle Hüftentzündung, die vor allem bei Klein- und Grundschulkindern auftritt. Die genaue Ursache des Hüftschnupfens ist nicht bekannt. Auffällig ist jedoch, dass der Hüftinfektion meist etwa zwei Wochen zuvor eine Virusinfektion beispielsweise der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts vorausgeht. Flüssigkeit sammelt sich im Hüftkopf, sodass das Bein beim Laufen schmerzt. Betroffene Kinder beginnen ohne erkennbare Ursache zu hinken, weigern sich zu laufen oder klagen plötzlich über Schmerzen in einer Hüft- oder Beinseite. Die Beschwerden können bis ins Knie ausstrahlen.

Fieber als Hinweis auf bakterielle Infektion
„Wenn die Hüftschmerzen mit Fieber verbunden sind, ist das ein Alarmzeichen, bei dem Eltern umgehend ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen sollten, um frühzeitig Schäden am Gelenk verhindern zu können“, rät Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Denn Fieber weist auf eine bakterielle Gelenkentzündung hin und ist untypisch für einen gewöhnlichen Hüftschnupfen. Bei humpelnden Kindern ist ein Arztbesuch sinnvoll, um anderen Erkrankungen wie Borreliose oder Rheuma auszuschließen. Eine Ultraschalluntersuchung schafft Klarheit: Die Flüssigkeitsansammlung im Hüftspalt ist dabei gut zu erkennen. Gegen starke Schmerzen kann der Kinderarzt schmerzlindernde Medikamente verschreiben.

Schonung fördert Heilung
„Damit die schmerzhafte Schwellung in der Gelenkschleimhaut der Hüfte sich zurückbilden kann, braucht das Gelenk Ruhe und Schonung“, erklärt Kahl. Da Kinder bis zu etwa sechs Jahren noch nicht gut mit Gehhilfen umgehen können, sollten sie eventuell einige Tage das Bett hüten. Halten Betroffene die Schonung ein, lassen die Beschwerden in der Regel innerhalb von einer Woche nach. Ein gewöhnlicher Hüftschnupfen heilt folgenlos ab – Rückfälle sind selten.