Kinderkrankheiten

Giftige Blätter, Blüten und Beeren: Vergiftungsgefahren für Kinder

Quelle: apotheken.de | 25.06.2019 | Sandra Göbel
 In der Natur gibt es viel zu entdecken - aber nicht alle Blätter, Blüten und Beeren sind ungefährlich.Der Sommer ist eine besonders verlockende Zeit für Kinder, die Natur zu entdecken. Doch auf Spielplätzen, in Parks oder im Garten können giftige Gefahren lauern.

Im Zweifel bei Giftnotrufzentralen erkundigen
„Vor allem Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren erkunden ihre Umwelt, indem sie vieles in den Mund stecken. Da sie in diesem Alter aber noch nicht zwischen Essen und Giftstoffen unterscheiden können, ist ihr Entdeckergeist nicht immer ungefährlich“, warnt Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer. Die gute Nachricht für besorgte Eltern: Giftige Beeren sind oft nicht besonders schmackhaft, daher essen Kinder meist nur wenige.

Bei einer leichteren Vergiftung drohen Magen-Darm-Beschwerden oder Schleimhautreizungen. Bei bestimmten Blüten oder Beeren können die Folgen jedoch weitreichender sein. „Besonders giftig ist der Eisenhut, der mit seiner helmförmigen und meist blauen Blüte die Neugier wecken kann. Das starke Gift sitzt bei ihm in allen Pflanzenteilen, schon wenige Gramm können Herzrhythmusstörungen und Lähmungserscheinungen hervorrufen und tödlich sein“, erklärt die Apothekerin Günther. Reich an Gift sind auch Tollkirschen oder Stechapfel. Bei den Giftnotrufzentralen erhalten besorgte Eltern telefonische Auskunft, ob die Pflanzen ungenießbar, giftig oder sogar lebensgefährlich sind. Hilfreich für die Mediziner sind Angaben zu Alter und Körpergewicht des Kindes, eingenommene Menge der fraglichen Substanz, möglichst mit Beschreibung oder sogar genauer Bezeichnung.

Erste Hilfe im Notfall
Hat ein Kind etwas vermeintlich Giftiges zu sich genommen, muss festgestellt werden, was und wie viel es verschluckt hat. Eventuelle Reste müssen aus dem Mund entfernt werden. Wichtig ist, das Kind nicht zum Erbrechen zu zwingen, weil schädliche Substanzen dadurch in die Lunge gelangen können. Besser ist es, dem Kind zu trinken zu geben, um das Gift zu verdünnen. „Entgegen weit verbreiteter Meinung sollten Eltern auf keinen Fall Milch zum Trinken geben, denn diese kann die Aufnahme von Giftstoffen noch beschleunigen. Besser geeignet sind Tee oder stilles Wasser in kleinen Schlucken“, rät Günther. Leidet das Kind unter Atemnot, Schockzeichen oder Bewusstlosigkeit, sofort den Notarzt rufen! Darüber hinaus empfiehlt es sich, Pflanzen- oder Giftreste sicherzustellen und ins Krankenhaus mitzunehmen.

Verzeichnis der Giftnotrufzentralen in Deutschland: www.kinderaerzte-im-netz.de/erste-hilfe/giftnotruf/

Quelle: Barmer

Masern

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung?, ?Prognose? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Eine Masern-Impfung schützt vor der Infektion - sich selbst, aber auch andere.2

Masern (Morbilli): Hoch ansteckende Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Masern-Virus (Briarcus morbillorum), die meist im Kindesalter auftritt.

Auch Erwachsene erkranken an Masern, wenn sie bislang noch keine Masern hatten und nicht geimpft sind. Masern, Mumps und Röteln sind durch die |für alle Kinder empfohlene Schutzimpfung selten geworden, dennoch wurden in Deutschland 2015 fast 2500 Fälle, und 2017 knapp 930 Masern-Fälle gemeldet. Ursache hierfür ist die in Deutschland beträchtliche Zahl nichtgeimpfter Kinder.

Symptome und Leitbeschwerden

Katarrhalisches, Prodromal- oder Vorstadium (2–3 Tage):
Hohes Fieber (2–4 Tage) Allgemeine Erkältungssymptome mit (trockenem) Husten, Schnupfen, Halsbeschwerden Allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Bauchschmerzen und Müdigkeit Aufgedunsenes Gesicht Geschwollene, tränende Augen, gerötete Augenbindehäute, Lichtempfindlichkeit Koplik-Flecken (weiße Flecken an der Wangeninnenseite) Himbeerzunge.

Exanthematisches oder Hauptstadium (5–6 Tage):
Nach kurzem Abfall der Temperatur steigendes Fieber (bis zu 40 °C), nach 1 Woche sinkende Temperatur Stärkere Symptome als im Vorstadium Geschwollene Lymphknoten Typischer Hautausschlag (Masern-Exanthem) zunächst hinter den Ohren, danach im Gesicht, auf dem Oberkörper und den Extremitäten, der dunkelrot bis bräunlich wird Anschließend leichte Schuppenbildung.

Inkubationszeit. 8–12 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Bis 5 Tage nach Beginn des Ausschlages.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn
Sie bei Ihrem Kind Masern vermuten.

Heute noch, wenn
oben genannte Beschwerden auftreten oder nach einer Besserung erneut auftreten.

Sofort, wenn
Ihr Kind einen steifen Nacken hat oder Krämpfe bekommt oder nicht mehr ansprechbar ist, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten. sich die Atmung verändert oder sich die Nasenflügel beim Atmen sichtbar weiten; hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung! Ihr Kind an Haut oder Schleimhäuten dunkelrote Flecken bekommt; dabei handelt es sich meist um Hautblutungen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Masern-Viren werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Fast 100 % der gesunden, nicht geimpften Personen, die Kontakt zu einem Kranken hatten, infizieren sich und sind nach einer überstandenen Erkrankung lebenslang immun.

Verlauf
Nach der Inkubationszeit zeigt sich die Masern-Erkrankung zunächst durch ein etwa 3 Tage dauerndes Vorstadium mit Fieber bis 39 °C, Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden. Auffällig ist dabei die Rötung der Augenbindehäute, die "verschwollenen" Augen sowie die weißlichen, kalkspritzerartigen Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen (Koplik-Flecken).

Nach einer kurzzeitigen Besserung steigt das Fieber auf bis zu 40 °C. Dem Kind geht es schlecht; die Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an, und es zeigt sich der typische Hautausschlag: hochrote, zunächst ganz kleine erhabene Fleckchen, die rasch größer werden und zusammenfließen. Die Flecken sind teils blutig unterlaufen. Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körperstamm sowie über Arme und Beine aus. Nach 4–7 Tagen verblasst der Ausschlag, und das Fieber sinkt.

Die Phase der Erholung dauert etwa 2 Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten.

Komplikationen
Meistens heilen die Masern problemlos aus. Dennoch sind sie komplikationsträchtig:

Ungefähr 1 % der betroffenen Kinder bekommt einen Masern-Krupp, eine |Kehlkopfentzündung, die aber meist mild verläuft. Genauso häufig ist eine |Mittelohrentzündung. Sie heilt ebenfalls meist ohne Folgeschäden. Gefährlicher ist die |Lungenentzündung, die oft im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden muss und bei 1 % der an Masern Erkrankten vorkommt. Eine früh einsetzende Lungenentzündung wird meist durch die Masern-Viren selbst hervorgerufen, eine später auftretende hingegen durch Bakterien, die sich auf die geschädigte Schleimhaut setzen. 1–2 von 1000 Masern-Kranken entwickeln eine Masern-bedingte Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit Kopfschmerzen, extremer Müdigkeit, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und Nervenausfällen. Sie heilt nur bei etwa 60 % der Patienten vollständig aus. Bei 20–30 % bleiben Dauerschäden am Gehirn zurück; bei 10–20 % verläuft die Masernenzephalitis sogar tödlich (|Details zur Gehirnentzündung). Sehr selten, aber gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die etwa 6–8 Jahre nach der Masern-Infektion auftritt und tödlich ist. Gefährdet sind vor allem Säuglinge.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Krankheitszeichen wie der Hautausschlag oder die Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut weisen eindeutig auf eine Masern-Erkrankung hin. Dennoch sind Bluttests wichtig, z. B. um Röteln, Ringelröteln oder Scharlach auszuschließen.

Antikörpernachweis. Aus einer Blutprobe werden Antikörper gegen das Masern-Virus im Blut oder Speichel nachgewiesen. Diese sind meist bereits innerhalb der ersten 3 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages messbar.

Erregernachweis. Eine schnellere und zuverlässige Diagnose gewährt der direkte Virusnachweis, die |PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion). Aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes, aber auch aus dem Urin, lässt sich die Erbsubstanz von Krankheitserregern nachweisen. Allerdings ist dieses Verfahren selten erforderlich.

Behandlung

Da es keine spezifische antivirale Therapie gibt, die gegen das Masern-Virus wirkt, beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden sowie auf die Früherkennung und Behandlung von Komplikationen.

Bei Masern-Krupp sind in aller Regel Inhalationen mit Kochsalzlösung ausreichend.

Kommt es durch die geschwächte Abwehr zusätzlich zu weiteren Infektionen mit Bakterien, z. B. zur bakteriellen Mittelohr- oder Lungenentzündung, sind evtl. auch Antibiotika notwendig.

Prognose

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, denn von 10.000 Masern-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verläuft 1 Erkrankung tödlich oder mit schweren Folgeschäden. Gefährdet sind vor allem ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene: Bei mehr als 50 % der Masern-Fälle in Deutschland sind heutzutage Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene betroffen. 2014/2015 gab es in Berlin einen großen Masern-Ausbruch mit mehr als 1300 Betroffenen. Ein Viertel von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden und ein Kind starb an der Erkrankung.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Isolation. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von den anderen Familienmitgliedern getrennt werden.

Bettruhe und Schonung. Grundsätzlich empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Kranke Kinder bleiben vorsorglich am besten so lange zu Hause, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind.

Abdunkelung. Die meisten Masern-Patienten sind lichtempfindlich. Dunkeln Sie deshalb das Zimmer ab. In dieser Zeit sollte das Kind auch nicht fernsehen.

Ablenkung. Lesen Sie Ihrem Kind vor, lassen Sie es Hörspiele oder -bücher hören, um die Zeit zu vertreiben und es abzulenken.

Flüssigkeitszufuhr. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn fiebernde und schwitzende Kinder reichlich trinken.

Inhalation. Bei älteren Kindern helfen regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz gegen den Husten, außerdem bleiben so die Atemwege feucht. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Hustensaft. Gegen den Husten hilft beispielsweise ein selbst gemachter Hustensaft aus frischem Thymian und Salbei. Mischen Sie davon je 1 Teelöffel mit ¼ l Wasser sowie je 100 g gehackter Zwiebel und Kandiszucker oder braunem Zucker. Lassen Sie diese Mischung so lange köcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Füllen sie sie dann durch ein Sieb in ein Glasgefäß mit Schraubverschluss. Der Hustensaft hält sich im Kühlschrank etwa 5 Tage. Kleinkinder nehmen davon 3-mal täglich 1 Teelöffel, Kindergartenkinder 3-mal täglich 1 Esslöffel, Schulkinder 3-mal täglich 2 Esslöffel.

Zitronen-Brust-Wickel. Auch warme Brustwickel mit Zitronensaft vor dem Schlafengehen lindern den Hustenreiz. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Zitronen-Hals-Wickel. Klagt Ihr Kind über Halsschmerzen, schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½–1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, verwenden Sie für den Wickel Quark.

Kühle Waschungen. Bei stark juckendem Hautausschlag empfehlen sich kühle Waschungen, die gleichzeitig gut gegen Fieber wirken.

Komplementärmedizin
Homöopathie. Aufgrund der Gefahr schwerer Komplikationen bei Masern wird in der Akutphase der Infektion von homöopathischen Behandlungsversuchen abgeraten.

Prävention
Isolierung. Infizierte Kinder dürfen solange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, -hort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.

Gesundheitsämter können ungeimpfte Kinder vom Unterricht ausschließen, wenn an einer Schule Masern auftreten, um so eine Übertragung der Masern innerhalb der Einrichtung zu vermeiden.

Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Masern ist die zweimalige Schutzimpfung, die eine lebenslange Immunität gewährt. Bedauerlicherweise lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen. Die Folge sind deutliche Impflücken, sodass es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen mit Todesfällen in Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen kommt.

Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, normalerweise - also zu Beginn des 2. Lebensjahres - folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Erst- und Zweitimpfung bieten einen Schutz vor Ansteckung von 99–100 %.

Diskussion um Nebenwirkungen der Masernimpfung. Die MMR- und die MMRV-Impfung sind beide normalerweise gut verträglich und deutlich weniger riskant als die Masern-Erkrankung.

Es kursieren allerdings Vorwürfe v. a. gegen den MMR-Impfstoff, der unter anderem Autismus verursachen soll. Impfkritiker berufen sich dabei auf einen Artikel des britischen Arztes Andrew Wakefield, der 1998 einen möglichen Zusammenhang behauptete und damit bis heute Eltern verunsichert. Dieser Artikel hatte aber grobe Fehler und wurde deshalb 2010 widerrufen, dem Autor Andrew Wakefield wurde sogar seine ärztliche Zulassung aberkannt.

Auch hat sich der von Impfgegnern als Masern-Impfschaden herangezogene Anstieg von Autismus-Fällen als Folge durch neuere und sensiblere Diagnosekriterien, durch eine verbesserte diagnostische Praxis sowie durch ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für die Autismus-Erkrankung aufklären lassen.

Dennoch treten bei der Masern-Impfung vereinzelt Nebenwirkungen auf:

Bei 10 % der geimpften Kinder kommt es vor allem in der 2. Woche nach der Impfung zu sogenannten "Impfmasern". Diese verlaufen wie ein leichter Masern-Infekt mit mäßigem Fieber, flüchtigem Hautausschlag und Erkältungssymptomen. Impfmasern verlaufen milde, sind nicht ansteckend und heilen von allein aus. Bei 5 % der Geimpften kommt es in den ersten 3 Tagen durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer schmerzhaften Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie Magen-Darm-Beschwerden, eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Mattigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich, seltener auch Gelenkschmerzen.

Refluxkrankheit bei Babys

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung?, ?Prognose? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Wenn ein Säugling normal gedeiht und keine weiteren Krankheitszeichen aufweist, hat das Spucken kleiner Nahrungsmengen in der Regel keinen Krankheitswert.3

Refluxkrankheit (gastro-ösophageale Refluxkrankheit): Zurückfließen von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre.

Bei Säuglingen ist ein gastro-ösophagealer Reflux sehr häufig und oft schon als normal anzusehen – nicht umsonst gehört das "Spucktuch" zur normalen Babyausstattung. Die Erkrankung verschwindet in über 90 % der Fälle bis zum 1. Geburtstag von selbst. Bei älteren Kindern ist sie seltener, dann aber von Beschwerden und Krankheitszeichen gekennzeichnet.

Refluxkrankheit bei Erwachsenen: siehe gastroösophageale Refluxkrankheit.

Symptome und Leitbeschwerden

Säuglinge:
Nach dem Füttern Aufstoßen oder "Speien", manchmal auch richtiges schwallartiges Erbrechen Schwierigkeiten bei der Nahrungszufuhr in Verbindung mit Schluckbeschwerden Schreiattacken ohne erkennbare Ursache und kolikartige Schmerzen Evtl. Unruhe, Zeichen des Unwohlseins, v. a. nach dem Füttern Evtl. Husten, v. a. in der Nacht Evtl. krampfartiges Überstrecken (Zurückbeugen) von Kopf und Oberkörper beim oder nach dem Füttern Evtl. unzureichende Gewichtszunahme und Gedeihstörung.

Ältere Kinder:

Saures Aufstoßen, Sodbrennen Erbrechen Schmerzen hinter dem Brustbein und im Oberbauch.

Wann zum Kinderarzt

In den nächsten Tagen, wenn

Ihr Baby nach dem Füttern stark spuckt und nicht ausreichend an Gewicht zunimmt. Ihr Baby auffällig viel hustet. Ihr älteres Kind häufig Sodbrennen hat.

Heute noch, wenn

blutige oder bräunliche Fädchen in der herausgelaufenen Milch zu sehen sind. Ihr Baby zusätzlich zu den Refluxbeschwerden Fieber hat. Ihr Baby nach jeder Mahlzeit "im Schwall" (d. h. in hohem Bogen) erbricht und allmählich apathisch wird.

Die Erkrankung

Ursachen
Wie beim Erwachsenen (|Refluxkrankheit des Erwachsenen) wirkt auch bei Kindern der Mageneingang zusammen mit dem Zwerchfell wie ein Ventil: Es kann zwar Speise aus der Speiseröhre in den Magen gelangen, aber kaum zurück. Dieser schützende Ventilmechanismus ist bei verschiedenen Erkrankungen gestört, z. B. bei einem Zwerchfellbruch (|Hiatushernie) mit Verlagerung des Magens in den Brustraum.

In vielen Fällen allerdings wird bei Kindern gar keine sichere Ursache gefunden: Die Kinder sind ansonsten gesund und auch anatomisch ist alles normal angelegt. In manchen Fällen verträgt das Kind auch eine bestimmte Speise nicht, in der Regel handelt es sich hier um fettreiche oder süße Speisen. Auch eine Kuhmilch-Protein-Allergie sollte als Ursache für eine Refluxerkrankung in Betracht gezogen werden.

Der Arzt unterscheidet zwei Arten und Ursachen bei Refluxkrankheiten:

Funktioneller Reflux: Gerade bei Säuglingen entspannt sich bisweilen das Muskelband, das den Mageneingang verschließt (innerer Schließmuskel oder Ösophagussphinkter genannt), für ein paar Senkungen, woraufhin Mageninhalt zurückfließt. Aber auch die Anatomie von Säuglingen begünstigt einen funktionellen Reflex, da oft der "Knick" zwischen Speiseröhre und Magen noch nicht ausgeprägt ist, sodass die Milch relativ leicht zurückläuft. Mit zunehmendem Alter verschwindet das Problem zumeist. Sekundärer Reflux: Bei dieser seltenen Refluxursache führt eine neurologische Erkrankung zum Rückfluss zwischen Magen und Speiseröhre.

Klinik
Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut nicht für den sauren Mageninhalt "gebaut" ist, entzündet sie sich bei ständig wiederkehrendem Kontakt mit dem stark säurehaltigen Mageninhalt. Sodbrennen, Schmerzen, aber auch schleichende Blutverluste und spätere Geschwüre oder gar Vernarbungen sind mögliche Langzeitfolgen.

Risikofaktoren
Besonders häufig betroffen sind ehemalige Frühgeborene und Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Auch bei einer allgemeinen Muskelerschlaffung (Hypotonie), die bei vielen neurologischen Störungen oder infolge eines Sauerstoffmangels bei der Geburt oder anderen Entwicklungsverzögerungen auftritt, ist die Abdichtung zwischen Speiseröhre und Magen oft gestört.

Komplikationen
Wenn Babys immer wieder Milch verlieren, kommen sie mit dem Trinken nicht mehr nach und nehmen nur unzureichend an Gewicht zu.

Blutarmut. Bisweilen ist die Entzündung so stark, dass wegen der beständigen Sickerblutungen eine chronische Blutarmut (Anämie) entsteht.

Lungenentzündung. Selten gelangt bei einer Refluxkrankheit auch ein Teil des Speisebreis in die Bronchien (Aspiration); dies geschieht besonders bei Kindern mit neurologischen Problemen, z. B. einer Zerebralparese. Die betroffenen Kinder husten viel und es kommt zu wiederkehrenden Aspirationspneumonien, dies sind besonders risikoreiche Lungenentzündungen (Pneumonien).

Asthma. Gelangt saurer Speisebrei in den Kehlkopf, verengen sich über Reflexe die Bronchien, sodass es in einigen Fällen auch zu |Asthma kommen kann.

Atempausen. Gefährlich wird der Reflux bei Früh- und Neugeborenen vor allem dadurch, dass der Speisebrei im Schlaf in die Luftwege gerät. Die Bronchien verengen sich, der Säugling hält eine Zeitlang die Luft an. Die Folge sind teilweise schwerwiegende Atemaussetzer (Apnoen).

Mittelohrentzündung. Auch das Risiko für | Mittelohrentzündungen (Otitis media) ist erhöht, wenn zurückfließender Magensaft über die Eustachische Röhre ins Mittelohr gelangt. Die Eustachische Röhre sorgt als Verbindungskanal zwischen Nasenrachen und Mittelohr für ein belüftetes Mittelohr, kommt es hier zu Belüftungsstörungen, werden Mittelohrentzündungen begünstigt.

Diagnosesicherung

Falls ein Baby trotz des häufigen Spuckens gedeiht, also regelmäßig Gewicht zulegt und keine sonstigen Krankheitszeichen zeigt, sind weder technische Untersuchungen noch eine spezielle Behandlung erforderlich. Denn häufiges Spucken ist im 1. Lebensjahr ziemlich normal.

Bei stärkeren Beschwerden sind jedoch eine genaue Diagnose und eine Therapie notwendig.

24-Stunden-pH-Metrie. Da der pH-Gehalt im zurückfließenden Mageninhalt sauer ist, lässt sich ein Reflux durch spezielle Sonden nachweisen, die von Mund oder Nase in die Speiseröhre vorgeschoben werden und dort bis zu 24 Stunden verbleiben.

Bildgebende Diagnostik. Spezielle Ultraschall-, Röntgen- oder Isotopenuntersuchungen stellen außerdem die Lage des Magens und die Geschwindigkeit der Magenentleerung dar.

Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie). Bei Verdacht auf eine ausgedehntere Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist eine Spiegelung der Speiseröhre mit einem Endoskop erforderlich.

Behandlung

Pharmakotherapie
Zur Unterdrückung der Magensäure werden Kindern oft Medikamente verabreicht, die die Salzsäurebildung im Magen unterdrücken (Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol).

Diese teilweise auch rezeptfrei erhältlichen Medikamente sollten aber nur nach Rücksprache und Verordnung durch den Arzt gegeben werden. Gleiches gilt auch für Medikamente, die die Magenentleerung fördern wie Metoclopramid, die Magensäure "abpuffern" wie Antazia (z. B. Gaviscon®) oder ihre Bildung unterdrücken (z. B. Zantic®, Antra®).

Operative Behandlung
In seltenen Fällen – bei Versagen der medikamentösen Behandlung oder bei Komplikationen – ist eine Operation erforderlich, allerdings werden hierbei nicht wie bei der Therapie mit Medikamenten nur die Symptome behandelt, sondern direkt die Ursache.

Der als Fundoplikatio (|"Festnähen" des Magens) genannte chirurgische Eingriff soll verhindern, dass der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Dabei wird das untere Ende der Speiseröhre mit Teilen des Magens manschettenartig umschlungen. Sobald der Magen gefüllt ist, spannt sich diese "Manschette" um die Speiseröhre an und drückt sie auf diese Weise zu. Die Folge ist, dass kein Mageninhalt mehr in die Speiseröhre fließt. Entleert sich der Magen, lockert sich die Manschette wieder, der Nahrungsbrei fließt wieder normal in den Magen. Für solch eine Operation stehen 2 Techniken zur Verfügung: die offene und die laparoskopische. Bei der offenen Verfahrenstechnik wird ein Schnitt direkt über den Magen gesetzt, wohingegen beim laparoskopischen Verfahren ("Schlüssellochtechnik") der Eingriff über mehrere kleine Zugänge im Bauchraum erfolgt.

Die Aussichten einer dauerhaften Heilung liegen bei beiden Verfahren bei etwa 90 %. Gerade junge Patienten profitieren von der chirurgischen Therapie; außerdem ist die Fundoplikatio bei jungen Patienten kostengünstiger als eine lebenslange medikamentöse Therapie. Allerdings besteht - wie bei jeder Operation - durchaus auch ein Risiko für Komplikationen und sollte deshalb immer überdacht werden.

Prognose

Meist verschwinden die Symptome von allein, sobald die Kinder laufen lernen – die Beschwerden bessern sich dann zusätzlich durch die aufrechte Körperhaltung.

Wichtig ist aber zu erkennen, wenn keine spontane Besserung zu erwarten ist. Dann gilt es, rechtzeitig und beherzt zu behandeln. Geschieht dies, ist auch hier mit einer Heilung zu rechnen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Kleine Mahlzeiten. Empfohlen werden häufige und kleine Mahlzeiten von max. 120 ml. Vor allem abends sollte nicht zu reichlich und eher früh gegessen werden, damit das Kind nicht "mit vollem Bauch" ins Bett geht.

Eindicken der Nahrung. Bekommt Ihr Kind Flaschennahrung, wird diese mit Reisschleimflocken oder Nestargel® eingedickt, dies vermindert das "Zurückschwappen" des Speisebreis. Der Zusatz von Johannisbrotkernmehl oder Maisstärke hilft zusätzlich, die kalorische Dichte der Nahrung zu erhöhen, sodass das Baby gedeiht.

Aufrechte Position nach Nahrungsaufnahme. Babys werden nach der Mahlzeit am besten noch etwa 15–30 Minuten aufrecht auf dem Arm gehalten, bevor sie abgelegt werden. Auch für Kinder ist eine leichte Oberkörperhochlagerung gut; denn diese hält die Nahrung eher im Magen.

Schlafposition. Zum Schlafen legt man ein Kissen unter das Kopfende der Matratze, damit Ihr Kind in leichter Oberkörperhochlagerung liegt (ca. 30°-Winkel). Durch die Schwerkraft wird die Nahrung "unten" gehalten und der Transport des Nahrungsbreis unterstützt. Die früher empfohlene Bauchlage wird heute abgelehnt, da sie das Risiko eines plötzlichen Kindstods erhöht. Am günstigsten für den Verdauungsprozess ist die Rechtsseitenlage.

Hypoallergene Nahrung. Verzichten Sie probeweise z. B. auf Kuhmilch oder andere Proteine, da möglicherweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit die Beschwerden verursacht.

Wickeln. Da eine zu eng sitzende Windel in den ersten Lebensmonaten auch den Druck im Magen erhöht, darf das Kind nicht zu stramm gewickelt werden.

Bewegung. Ältere Kinder sollten sich körperlich ausreichend bewegen, da Sitzen den Druck im Bauchraum erhöht und den Reflux fördert.

Scharlach

Quelle: apotheken.de | 12.03.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Ihr Apotheker empfiehlt?, ?Ärztliche Behandlung? und ?Prävention?: Dagmar Fernholz
 Fieber und Halsschmerzen sind typisch für Scharlach.4

Scharlach (Scarlatina): eine unter Kindergarten- und Grundschulkindern häufige Sonderform der Streptokokken-Angina (|Eitrige Mandelentzündung) durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die Blut auflösen können (sog. ß-Hämolyse).

Sie zeigt sich v. a. durch eine Hals- und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag. Diese Streptokokken-A-Infektion gehört weltweit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Infektionskrankheiten, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. Hierzulande verläuft die Erkrankung in aller Regel gutartig, selten treten Spätfolgen durch eine Reaktion des Immunsystems auf.

Symptome und Leitbeschwerden

Scharlach unterscheidet sich weder im Verlauf noch den Leitbeschwerden und Komplikationen von der "normalen" Mandelentzündung (Streptokokken-Angina). Zusätzlich zu den bei der eitrigen Mandelentzündung typischen Halsbeschwerden und dem allgemeinen Krankheitsgefühl treten beim Scharlach jedoch Haut- und Schleimhauterscheinungen sowie weitere Beschwerden auf:

Plötzlich schnell steigendes Fieber (um die 40 °C) Hochroter Rachen und hochrotes Zäpfchen, eitrige Beläge auf den Mandeln und geschwollene Halslymphknoten Zunächst gelb-weißlicher Belag auf der Zunge, ab dem 3. bis 4. Tag auffällig rote Zunge mit vielen kleinen Erhebungen (Himbeerzunge) Süßlicher, übler Mundgeruch Sandpapierartiger, dicht stehender und kleinfleckiger Hautausschlag ab dem 2. bis 3. Tag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und breitet sich über den gesamten Körper aus Gerötetes Gesicht und v. a. Wangen, um den Mund herum blasse Haut.

Inkubationszeit. Normalerweise 1–3 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Tag vor Krankheitsausbruch bis zu 24 Stunden nach dem Beginn der Antibiotikatherapie; ohne Behandlung bis zu 3 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

Ihr Kind innerhalb weniger Stunden hohes Fieber und Halsschmerzen bekommt. es Ihrem Kind auch am 3. Tag der Antibiotikagabe nicht besser geht.

Sofort, wenn

Ihr Kind zunehmend teilnahmslos wird.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Anders als bei einer "normalen" |Angina wird Scharlach durch Streptokokken-Bakterien der Gruppe A hervorgerufen, die meist über den Nasen-Rachen-Raum eindringen.

Im Gegensatz zu anderen Streptokokken-Typen produzieren diese Toxine (= Giftstoffe), die den typischen Hautausschlag hervorrufen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, indem sie beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert werden. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Kranken beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Ebenso ist die Infektion durch verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich.

Verlauf
Durch die vom Streptokokken-Bakterium produzierten Toxine leidet das Kind plötzlich an Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Erbrechen und oft hohem Fieber. Später zeigt es die typischen Haut- und Schleimhautveränderungen mit einem feuerroten Rachen, fleckig gefärbter Mundschleimhaut, fleckig gefärbten Mandeln und weißem Belag auf der Zunge. Dieser wird nach 3–4 Tagen abgestoßen.

Zwischen dem 2. und 4. Tag beginnt der feinfleckige Ausschlag zunächst in der Leistengegend und an den Innenseiten der Oberschenkel und breitet sich dann über den gesamten Körper aus, nur das Mund-Kinn-Dreieck bleibt ausgespart. Der nicht juckende Ausschlag unterscheidet sich deutlich von den Ausschlägen bei Masern oder Röteln. Unter dem Druck eines Holzspatels verblasst er zeitweise. Nach 1–3 Wochen schält sich die Haut, v. a. an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Bei anderen Kindern verläuft die Krankheit milder, z. T. ohne die typischen Symptome.

Komplikationen
Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen. Dennoch ist neben der stark eitrigen Mandelentzündung auch eine eitrige Mittelohrentzündung (Otitis media) möglich, die ohne Behandlung der Grunderkrankung zu Schwerhörigkeit führt. Sowohl Mandel- als auch Mittelohrentzündung werden mit Antibiotika erfolgreich behandelt.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Breiten sich die Streptokokken über die Mandelregion hinaus aus, entzünden sich die Nasennebenhöhlen. Diese relativ häufige Komplikation lässt sich durch Antibiotika meist problemlos behandeln.

Rheumatisches Fieber. Die Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – eine im Prinzip sinnvolle Reaktion. Da die Streptokokken jedoch bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf körpereigenen Zellen befinden, richten sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper und führen nach 2–4 Wochen zum heute seltenen |rheumatischen Fieber. Als Folge droht eine Herzbeteiligung, die sich schleichend (über Monate bis Jahre) zu teils schweren Herzklappenschäden entwickelt. Auch eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist als Folge des rheumatischen Fiebers möglich. Bei entsprechendem Verdacht untersucht der Arzt die Nieren- und Herzfunktion, sobald die Scharlach-Erkrankung abgeklungen ist. Eine Urinuntersuchung zeigt eine eventuell entstandene Nierenentzündung.

Blutvergiftung. Dringen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, verursachen sie den sogenannten Wundscharlach, wodurch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) droht. Sie beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall, Haut- und Schleimhautblutungen, Bewusstseinstrübung, schwerer Herzschädigung und einem Schock. Diese Komplikation ist sehr selten, endet in 30 % der Fälle jedoch tödlich. Hier sind eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung überlebensnotwendig.

Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess). Eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) in der Mandelregion kommt heutzutage selten vor. Dennoch: Schlägt die Therapie nicht an, klagt das Kind über starke Halsschmerzen und hat Probleme beim Öffnen des Mundes, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In diesem Fall muss das Kind in ein Krankenhaus, um dort intravenös Antibiotika zu bekommen. Unter Umständen muss der Abszess chirurgisch geöffnet werden.

Lungenentzündung (Pneumonie). Eine Lungenentzündung kommt heute nur noch selten als Folge einer Scharlacherkrankung vor.

Neuropsychiatrische Erkrankungen. Diskutiert wird, ob beispielsweise das Tourette-Syndrom eine Folge der Streptokokken-Infektion ist.

Diagnosesicherung

Inspektion. Oft sind Hautausschlag und Rachenentzündung so charakteristisch, dass der Arzt keine ergänzenden Untersuchungen durchführt (sog. Blickdiagnose).

Abstrich. Bei leichten oder untypischen Verläufen sowie bei Unsicherheit wird ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Ein anschließender Schnelltest zeigt innerhalb weniger Minuten, ob Streptokokken die Ursache der Erkrankung sind.

Ärztliche Behandlung

Um Folgekomplikationen zu vermeiden und die Schwere der Erkrankung zu mildern, muss Scharlach behandelt werden. Beim klassischen Scharlachverlauf ist eine Antibiotikabehandlung mit Penicillin (z. B. Ampicillin) indiziert, um die Bakterien abzutöten. Die Behandlung dauert immer 10 Tage. Alternativ kommt das breiter wirkende Cefuroxim oder Loracarbef über 5 Tage in Betracht. Auch wenn sich das Kind nach wenigen Tagen schon wieder wohler fühlt, muss es zur Vorbeugung der Streptokokken-Spätfolgen das Antibiotikum über den ganzen Zeitraum einnehmen. Besteht eine Allergie gegen Penicillin, werden andere Antibiotika verschrieben. Bei sehr leichten Verlaufsformen sollte die Antibiotikabehandlung abgewogen werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Bettruhe und Schonung. Solange das Kind Fieber hat, empfiehlt sich Bettruhe. Nach Abklingen des Fiebers sollte sich das Kind noch ein paar Tage schonen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder bei Fieber viel trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Empfehlenswert sind stattdessen Suppen, Brühe, Grießbrei, Pudding oder auch Getränke.

Kühle Halswickel. Ein kühler Halswickel mit Zitrone oder Quark empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen, einem "feurigen" Gefühl im Hals, bei akuten Schluckbeschwerden oder geschwollenen Lymphknoten. Für den Zitronenwickel schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½ bis 1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, nimmt man stattdessen einen Quarkwickel. Dafür streicht man 150–250 g Magerquark auf die Mitte eines Küchenhandtuchs, faltet die Tuchseiten darüber und legt den Wickel dann möglichst faltenfrei um den Hals. Mit einem Außentuch abdecken. Der Quark kann entweder zimmerwarm oder gekühlt (dann eher dünn aufstreichen) angewendet werden. Lassen Sie den Quarkwickel 2–3 Stunden wirken und entfernen Sie ihn, bevor der Quark trocken ist. Falls Sie weder Quark noch Zitronen vorrätig haben, hilft auch ein Wickel mit kühlem Wasser. Tauchen Sie dazu ein mehrfach in Längsrichtung zusammengefaltetes Leinentuch in kaltes (etwa 18 °C) Wasser, wringen es aus und legen es glatt gestrichen um den Hals, der vom Unterkiefer bis zu den Ohren bedeckt sein soll. Mit einem Handtuch umwickeln. Nach etwa 20–30 Minuten – spätestens aber, wenn der Wickel sich erwärmt hat – wird der Wickel abgenommen und durch ein trockenes Seiden- oder Baumwollhalstuch ersetzt.

Warme Wickel. Ein warmer Kartoffel- oder Zwiebelwickel wird zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Legen Sie für den Kartoffelwickel ein bis zwei ungeschälte heiße Pellkartoffeln in ein längs gefaltetes Küchentuch und zerdrücken diese. So warm wie möglich um den Hals legen (vorher Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen) und mit einem Handtuch umwickeln. 2–3 Stunden (bzw. so lange, bis der Wickel abgekühlt ist) liegen lassen. Für den Zwiebelwickel benötigen Sie zwei bis drei fein geschnittene Zwiebeln, die Sie auf ein gefaltetes Küchentuch geben. Eine Pfanne halbvoll mit Wasser füllen und erhitzen, mit einem Deckel abdecken und die "Zwiebelpackung" darauf beidseitig erwärmen. Auch hier gilt: So warm wie möglich um den Hals legen, aber vorher die Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen. Lassen Sie den Wickel so lange aufliegen, bis er abgekühlt ist.

Geeignete Medikamente
Zur Linderung von Schmerzen und Fieber dienen Ibuprofen oder Paracetamol. Die passende Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin
Homöopathie. Klassisches Mittel der Homöopathie bei Scharlach ist je nach Zustand des Kindes Belladonna D4, 5-mal täglich 5 Tropfen; dieses Mittel sollte jedoch nie die Antibiotikatherapie ersetzen.

Prävention
Eine Impfung gegen Scharlach gibt es zurzeit nicht. Zwar gab es in der Vergangenheit Impfstoffe, deren Entwicklung jedoch nicht weiter verfolgt wurde, da die Scharlacherreger gut auf eine Antibiotikatherapie ansprechen.

Auch wenn die Ansteckungsgefahr mäßig ist: Nur ca. 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an. Dennoch sind allgemeingültige Maßnahmen wie bei anderen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sinnvoll: regelmäßiges Händewaschen und möglichst kein enger Kontakt mit Erkrankten, die noch ansteckend sind. Das heißt, dass Scharlach-Kinder von anderen ferngehalten werden. Auch noch gesunde Geschwister sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten erst dann wieder besuchen, wenn es der Arzt erlaubt.

Anders als bei vielen anderen Kinderkrankheiten bedeutet eine überstandene Scharlacherkrankung nicht, dass das Kind ein Leben lang gegen die Streptokokken-Bakterien immun ist. Erkrankt es mehr als zwei- bis dreimal in einer "Saison" oder kurz hintereinander, so besteht der Verdacht, dass es sich immer wieder an einer Person in seiner Umgebung ansteckt, die selbst nicht erkrankt ist, den Erreger jedoch im Rachenraum beherbergt. Kann dieser Träger eindeutig ermittelt werden, wird der Arzt einen Rachenabstrich nehmen und ihm 5 Tage Penicillin verordnen.

Sandkasten: Brutstätte für Keime?: Vorsichtsmaßnahmen treffen

Quelle: apotheken.de | 28.06.2019 | Leonard Olberts
 Keime und Wurmeier wandern vom Sandkasten direkt in den Mund.In Sandkästen finden sich zahlreiche Keime, die zum Teil die Gesundheit der spielenden Kinder beeinträchtigen können. Das zeigen Untersuchungen aus Spanien und den USA. Welche Vorsichtsmaßnahmen helfen.

Clostridien weit verbreitet
Ein spanisches Forscherteam testete in einer aktuellen Untersuchung Sandkästen auf Keime und kam zum Ergebnis: Knapp jeder zweite war mit dem Bakterium Clostridium difficile (C. difficile) kontaminiert. Eine Infektion mit dem Erreger verläuft bei Gesunden zwar meist harmlos, kann im Falle einer Immunschwäche aber auch ernsthafte Erkrankungen wie eine Dickdarmentzündung nach sich ziehen. Laut Dr. Marc Siegel vom NYU Langone Medical Center in New York City zeigt die Studie, dass sich C. difficile nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen zunehmend verbreitet, sondern mittlerweile auch in Gemeinschaftsanlagen wie Spielplätzen zu finden ist.

Haustiere können Keime im Sandkasten hinterlassen
Weitere Studien zeigen, dass sich neben dem Bakterium C. difficile häufig auch Parasiten wie zum Beispiel Würmer im Sand nachweisen lassen. Anstecken können Kinder sich über den Kot von Katzen oder Hunden, die den Sandkasten als Toilette nutzen.

Die Vereinigung amerikanischer Kinderärzte (American Academy of Pediatrics) empfiehlt zur Vorbeugung einer Ansteckung:

Sandkasten abdecken, wenn er nicht in Gebrauch istSand vor dem Abdecken trocknen lassen, da feuchter Sand Bakterienwachstum begünstigtSand regelmäßig durchrechen, um Unrat oder anderes Fremdmaterial zu entfernenHaustiere nicht im Sand spielen lassen

Siegel ergänzt: „Wenn Sie Ihre Kinder in Sandkästen spielen lassen, stellen Sie sicher, dass sie ihre Hände waschen oder zumindest Desinfektionstücher verwenden, bevor und nachdem sie spielen.“

Quelle: Kinderärzte im Netz

Windelausschlag

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Auch die beste Pflege kann Windelausschlag meist nicht ganz verhindern.5

Windelausschlag (Windeldermatitis): Wunder Po oder Wundsein im Windelbereich.

Der Windelausschlag ist v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 9–12 Monaten eine der häufigsten Hauterkrankungen; es gibt praktisch keinen Säugling, der nicht einmal daran leidet. Rechtzeitig bemerkt, löst sich das Problem durch eine intensivierte Hautpflege binnen weniger Tage von selbst.

Symptome und Leitbeschwerden

Flächenhafte Hautrötung, sie beginnt meist um den Anus herum, dehnt sich auf Innenseiten der Oberschenkel und Bauch aus Ausbildung kleiner Knötchen und Schuppungen Offene, nässende, wunde Stellen Schmerzender und juckender Po Starkes Brennen beim Urinieren Nach Ammoniak riechende Windeln Bei zusätzlicher Pilzinfektion Pusteln und Knötchen, die in die Umgebung streuen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie den wunden Po durch verstärkte Pflegemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") nicht "in den Griff" bekommen. sich der Zustand der Haut nicht innerhalb von 3–4 Tagen bessert, die Haut stark blutet oder andere Zeichen einer Pilzinfektion aufweist. sich viele Knötchen bilden, die sich auch auf die bisher gesunde Haut ausbreiten; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Hefepilze.

Heute noch, wenn

sich Bläschen bzw. gelbe Krusten oder Fieber entwickeln; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Bakterien.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren
Auch wenn die Windel noch so saugfähig ist: Unter dem Windelpaket ist die zarte Kinderhaut durch die Feuchtigkeit immer stark belastet. Das feuchtwarme Milieu und das Reiben oder Scheuern der Windel reizt die empfindliche Hautoberfläche; sie wird anfälliger gegenüber unwillkommenen Keimen.

Kontakt mit Urin und Stuhl. Urin und Stuhl tun ein Übriges, um die Haut zu reizen. Kein Wunder, dass schon Durchfall oder ein versäumter Windelwechsel ausreichen, damit sich die Haut auch sichtbar entzündet, d. h. wund wird.

Ernährung. Auch wenn Gläschen mit neuer Nahrung beigefüttert werden oder wenn das Kind Fruchtsäfte oder Zitrusfrüchte, geriebenes Obst oder scharfes Essen bekommt, ist die Windeldermatitis häufiger. Ist das Wundsein nach einer Nahrungsumstellung aufgetreten, handelt es sich in aller Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine natürliche Reaktion auf die neue Nahrung, die den Stuhlgang eine zeitlang verändert. Durch intensivierte Po-Pflege gewöhnt sich die Haut bald an die neue Nahrung. Auch saure und scharfe Speisen, die von der stillenden Mutter gegessen werden, begünstigen einen Windelausschlag.

Durchfall. Leiden Babys unter dünnflüssigem Stuhl, ist es schwierig, die Windel immer trocken zu halten. Hinzu kommt, dass der Stuhl aggressiv wirkt.

Mangelhafte Reinigung. Stuhl muss sofort entfernt werden, denn wird der Po nicht vollständig gereinigt, reagiert die Haut mit Entzündungen und evtl. auch allergisch.

Falsche Hautpflegemittel. Eine häufige Reinigung mit basischen Seifen (hoher pH-Wert) begünstigt einen Windelausschlag. Auch auf Salben, Cremes und Öle reagiert die empfindliche Haut allergisch, wenn sie Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Stoffwindeln. Diese sind ungünstig, zum einen saugen sie nur wenig Feuchtigkeit auf, zum anderen finden sich immer Waschmittel- oder Weichspülerrückstände darin.

Inhaltsstoffe der Windel. Eltern vermuten oft, dass ihre Säuglinge auf die Windel als solches allergisch reagieren. Studien zufolge sind die Windelmaterialien oder -inhaltsstoffe allerdings sehr selten Auslöser für den wunden Po.

Komplikationen
Oft kommt zum wunden Po noch ein weiteres Problem hinzu: Auf der geschädigten Haut siedeln sich leicht die im Darm bei jedem Kind vorkommenden Hefepilze (|Candida albicans) an und machen aus dem Wundsein einen Windelsoor. Er ist daran zu erkennen, dass die Hautveränderungen nun nicht mehr scharf begrenzt sind, sondern sich Streuherde (einzelne Knötchen und Pusteln) in der Umgebung finden, etwa auf dem Bauch oder den Oberschenkeln. Oft schuppt sich beim Windelsoor auch die Haut am Rand des Ausschlags.

Bakterielle Infektionen. Sehr viel seltener sind die ernstzunehmenden bakteriellen Infektionen. Eine aufgepfropfte bakterielle Infektion, beispielsweise mit Staphylokokken, ist an den einzeln stehenden, von einem deutlichen roten Hof umrandeten Pusteln, Blasen oder Knötchen zu erkennen. Die Pusteln des Windelsoors sind viel kleiner, zahlreicher und haben keinen so ausgeprägten "zornig roten" Hof.

Fieber. Breiten sich die Bakterien im Körper aus, kommt es zu Fieber. Dabei geht es dem Säugling meist ziemlich schlecht.

Diagnosesicherung

Anhand der Hautveränderungen wird der Kinderarzt einen Windelausschlag erkennen.

Abstrich. Besteht der Verdacht auf einen Befall mit Bakterien oder Pilzen, wird der Arzt evtl. einen Hautabstrich für mikrobiologische Untersuchungen vornehmen.

Behandlung

Bei offenen Stellen der Haut verordnet der Arzt desinfizierende oder gerbstoffhaltige Präparate (z. B. Chlorhexidin® oder Tannosynth®) zum Auftragen oder Aufpinseln, seltener auch als Bäder oder feuchte Umschläge. Solche Präparate trocknen die Haut und beugen einer Infektion vor.

Kortison. In schweren Fällen wird der Kinderarzt für kurze Zeit eine Kortisonsalbe zum Auftragen verschreiben, um die Entzündung einzudämmen. Allerdings sollten Sie Kortison nur auf Anweisung des Arztes und nur für die vereinbarte Behandlungsdauer anwenden.

Antimykotikum. Bei einer zusätzlichen Hautinfektion durch Pilze verordnet der Arzt pilztötende Salben oder Cremes (Antimykotika). In ausgeprägten Fällen – oder wenn gleichzeitig ein |Mundsoor besteht – sind Antimykotika zum Schlucken notwendig, damit die Pilze des Darms nicht immer wieder die Windelregion befallen.

Antibiotika. Bei bakteriellen Hautinfektionen sind antibiotische Cremes notwendig. Vor allem kleine Babys müssen manchmal auch Antibiotika einnehmen.

Krankenhausaufnahme. Bei Fieber ist unter Umständen sogar eine intravenöse Antibiotika-Behandlung im Krankenhaus unumgänglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Der Windelausschlag verschwindet meist durch wenige, einfache Maßnahmen:

Licht und Luft an den Po. Nichts geht über frische Luft. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich ein paar Stunden drinnen oder draußen strampeln, denn ein wunder Po heilt besser und schneller, wenn viel Licht und Luft an die Haut gelangt. Aber achten Sie darauf, dass es nicht friert.

Häufiger Windelwechsel. Überprüfen Sie die Windel sooft wie möglich durch Riechen oder Hineinschauen, ob sich Urin oder Stuhl ansammelt. Wenn ja, wechseln Sie sofort die Windel.

Sanftes Reinigen der Haut. Der Baby-Po darf nicht mit aggressiven Seifen gereinigt werden! Wasser oder Baby-Öl sind völlig ausreichend. Geben Sie etwas Wasser oder Öl auf ein Pflegetuch oder eine Stoffwindel und wischen Sie damit den Po sauber. Trocknen Sie ihn danach vorsichtig mit einem weichen Handtuch gut, aber sehr behutsam ab. Wenn auch vorsichtiges Tupfen dem Kind noch sehr wehtut, hilft es, die Haut warm trocken zu föhnen.

Wundschutzpasten, -salbe. Für die Zeit des Wundseins sollten Sie statt der normalen Babycreme besser zinkhaltige Salben wie Desitin® verwenden. Sie schützen die Haut vor allem nachts vor Feuchtigkeit und wirken beispielsweise durch Zink gleichzeitig entzündungshemmend.

Stillen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Stuhl von gestillten Babys u. a. einen niedrigeren pH-Wert hat als der von "Flaschenkindern". Stillen bietet offenbar einen gewissen Schutz vor einem Windelausschlag. Falls Sie also daran denken sollten, Ihr Kind abzustillen: Warten Sie besser noch eine zeitlang mit dem ersten Zufüttern.

Komplementärmedizin
Kamillenbäder. Kamile beschleunigt die Heilung der Haut. Für ein Bad oder Sitzbad mit Kamille gießen Sie 1 l Kamillentee in das Badewasser.

Salben. Zur Basispflege bei Windeldermatitis hat sich Calendula-Heilsalbe bei jedem Windelwechsel bewährt (z. B. Weleda Calendula Babycreme®). In der Apotheke bekommen Sie auch eine Salbe mit Zinkanteil und Pflanzenextrakt. In diesen Salben sind Extrakte z. B. von Calendula, Eichenrinde, Hamamelis oder Kamille enthalten. Babypuder sind ungeeignet, da sie verklumpen und dann die Haut eher aufscheuern als pflegen.

Scharfgarbentee. Die empfindliche Haut kann mit warmem Schafgarbentee gereinigt werden (1 Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen).

Muttermilch. Geben Sie ein paar Tropfen Muttermilch auf die wunde Hautstelle; das soll die Hautreizung lindern.

Holzsplitter sicher entfernen: Wie Sie Infektionen vermeiden

Quelle: apotheken.de | 11.06.2019 | Sandra Göbel
 Beim Spielen und Toben gar nicht so selten: Verletzungen durch Holzsplitter.Beim Spielen und Toben passiert es schnell: Ein Holzsplitter bleibt in der Kinderhand stecken. Wie Eltern den Splitter korrekt entfernen und Infektionen vorbeugen.

Pinzette und Nadel vorher desinfizieren
Bevor sie die Hand des Kindes berühren, sollten Eltern zunächst ihre eigenen Hände gründlich waschen, um keine Keime an die Wunde zu tragen. Anschließend vorsichtig die betroffene Stelle an der Hand des Kindes mit Wasser und Seife säubern. Vor dem Entfernen des Splitters die Stelle trocken tupfen, damit Pinzette und Nadel auf nassem Untergrund nicht wegrutschen. „Wenn Sie eine Pinzette benutzen, sollten Sie deren Spitze auch zur Sicherheit desinfizieren. Dann können Sie den Splitter entgegengesetzt zur Eindringrichtung vorsichtig herausnehmen“, rät Dr. Monika Niehaus, Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Bei einem kleinen Splitter ist eine Lupe hilfreich. Wenn der Splitter nicht aus der Haut herausragt, können Vater oder Mutter mit einer feinen Nadel die Haut freilegen, um den Fremdkörper zu entfernen. Auch die Nadelspitze sollte gereinigt und desinfiziert sein. Nach dem „kleinen Eingriff“ wird die Wunde gesäubert, mit Vaseline eingecremt und mit einem Pflaster versorgt.

Wann zum Arzt?
„Wenn sich die Region um die Eintrittsstelle rötet, die Schmerzen schlimmer werden oder sich Eiter bildet, sollte das Kind in der Praxis vorgestellt werden. Ebenso wenn es nicht gelingt, den kleinen Fremdkörper zu entfernen“, empfiehlt Dr. Niehaus. Größere Teile oder Gegenstände mit Widerhaken, zum Beispiel Angelhaken, Glasscherben oder Metallstücke, sollten Eltern bei ihrem Kind auf keinen Fall selbst entfernen, denn das Herausziehen kann zu einer starken Blutung führen. Sind entsprechende Gegenstände in den Rumpf, Hals oder Kopf eingedrungen, sollten Angehörige rasch den Notarzt rufen.

Quelle: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/kleine-holzsplitter-sicher-entfernen-haende-und-betroffene-region-reinigen/|BVKJ

Nichts für Kinderohren: Lärm: Frühe Hörschäden vermeiden

Quelle: apotheken.de | 07.05.2019 | Susanne Schmid
 Für Spaß brauchen Kinder kein lautes Spielzeug. Knallfrösche, Handys, sprechende Plüschtiere – Kinder lieben lautes Spielzeug. Doch der Lärm schadet ihren empfindlichen Ohren. Wenn es darum geht, frühe Hörschäden zu vermeiden, ist die Hilfe der Eltern gefragt.

Hörschäden betreffen schon Erstklässler
Manche Kinder zeigen schon beim Einschulungstest Hörschäden. Unter Teenagern ist dann jeder Vierte betroffen. Dr. Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), erklärt warum: „Ohren sind immer auf Empfang, man kann sie nicht wie Augen schließen. Sehr laute Geräusche können die Flimmerhärchen in den Ohren dauerhaft zerstören und zu Schwerhörigkeit führen.“

Nur zugelassenes Spielzeug kaufen
Lärmschutz beginnt beim Spielzeugkauf. Für Kinderohren ist geeignet, was in einem Abstand von 50 Zentimetern maximal 125 Dezibel produziert. Doch längst nicht alle Quietscheenten, Spielzeugpistolen oder Trillerpfeifen erfüllen dieses Kriterium. Viele der beliebten Spielereien sind als Scherzartikel zugelassen und unterliegen deshalb weniger strengen Normen. Im Zweifelsfall entscheiden Eltern per Selbsttest. Alles, was ihnen selbst zu laut erscheint, gehört mit Sicherheit nicht in das Kinderzimmer. Doch auch normgerechte Artikel werden zur Gefahr – und zwar immer dann, wenn die Kleinen sie sich beim Spielen direkt ans Ohr halten.

Leisen Lärm meiden
Besonders bedenklich sind Trillerpfeifen oder Pistolen, da sie kurze, intensive Lärmimpulse abgeben. Aber auch leiser Lärm aus Stereoanlagen, Handys und Fernsehern birgt Gefahren. Er erzeugt Stress und stört Schlaf sowie Konzentration. Im Umgang mit diesen versteckten Lärmquellen helfen klare Regeln. Statt die Kinder an eine Dauerberieselung beim Lernen oder Einschlafen zu gewöhnen, führen verantwortungsvolle Eltern geregelte Sendezeiten ein. Beim Gerätekauf achten sie auf eine Lautstärkenbegrenzung.

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz

Warzen – klein, robust, ansteckend: Erfolgreich vorbeugen und behandeln

Quelle: apotheken.de | 23.04.2019 | Susanne Schmid/Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
 Warzen können sich über Fußböden auf die Haut übertragen.Über 30 Prozent aller Kinder zwischen vier und zwölf Jahren haben Warzen. Was macht die heimtückischen Hautwucherungen ansteckend und wie beugt man ihnen vor?

Tatort Schwimmbad
Warzen entstehen nicht von selbst. Hinter den lästigen Hautwucherungen stecken Viren, die so genannten Papillomaviren. Die Erreger befallen die oberste Hautschicht und lösen dort unkontrollierte, tumorartige Wucherungen hervor. Papillomaviren lauern überall dort, wo es warm und feucht ist, sprich in Schwimmbädern, Saunen aber auch im eigenen Badezimmer. Die Übertragung erfolgt durch Hautkontakt oder indirekt über Fußböden, Duschwannen und Handtücher. Als Eingangspforte in den Körper nutzen die Viren kleine oberflächliche Verletzungen. Besonders gefährdet sind daher Kinder, die an den Fingernägeln kauen oder unter Neurodermitis leiden. Auch die durch das Baden aufgeweichte Haut ist kein Hindernis für die Viren. Das erklärt, warum Badeschuhe in Schwimmbädern, Hotels und Umkleidekabinen ein Muss sind. Ebenfalls empfehlenswert ist es, stehts sein eigenes Handtuch zu verwenden.

Zupfen, Reiben und Kratzen sind verboten!
Kinder neigen zu Dellwarzen. Die runden, in der Mitte eingebuchteten Warzen erinnern an kleine Perlen. Sie sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die sich beim Kratzen über den Körper verteilt und für die Ausbreitung des Virus verantwortlich ist. Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte rät: „Um zu vermeiden, dass sich das Virus auch auf anderen Körperstellen ausbreiten kann, sollten Kinder besser nicht an Warzen zupfen, reiben oder kratzen.“

Warzen richtig behandeln
„Eltern sollten sich von ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten lassen, wenn sie eine Warze entfernen wollen,“ betont Dr. Fegeler. Befinden sich die Warzen im Gesicht oder auf den Genitalien, rät der Experte zu einem Arztbesuch. Das gleiche gilt für Warzen, die schmerzen, bluten, rot verfärbt oder geschwollen sind. Für alle anderen gibt es Tinkturen mit Milch- oder Salicylsäure. Zwei- bis dreimal täglich aufgetragen, lösen sie die Hautwucherung langsam auf. Gesunde Hautareale um die Warze herum lassen sich mit einer Vaselincreme schützen. Vor dem Auftragen der Tinktur gilt es alte, eingetrocknete Schichten zu entfernen. Abgestorbene Warzenteile hingegen müssen verbleiben bis sie von selbst abfallen. Wer ihnen mit Messer oder Feile zu Leibe rückt, riskiert, dass sich die Papillomaviren in die Umgebung ausstreuen. Noch bequemer in der Anwendung als die klassischen Tinkturen sind Vereisungssprays oder ätzende Lösungen zur wöchentlichen Anwendung.


Dreimonatskoliken

Quelle: apotheken.de | 13.03.2015 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Dreimonatskoliken treten vor allem in den ersten drei Lebensmonaten auf – daher der Name.5

Dreimonatskoliken (Regulationsstörungen): Anhaltendes Schreien eines Babys – meist nach dem Füttern – ohne erkennbare Ursache.

Als "Schrei-Baby" gilt ein Säugling, der mehr als 3 Stunden pro Tag an mind. 3 Tagen in der Woche über mehr als 3 Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt. Diese sogenannten Dreimonatskoliken beginnen meist um die 2. Lebenswoche und nehmen bis etwa zur 6. Lebenswoche zu. In der Regel geht die "Kolikzeit" bis zum Ende des 3. Monats völlig zurück – daher auch der Name "Dreimonatskoliken".

Symptome und Leitbeschwerden

Plötzlich auftretendes schrilles Schreien des Säuglings, die Stirn ist gerunzelt, das Gesicht rot, die Fäuste sind geballt, die Beine angezogen Sich ständig wiederholende Anfälle, die meist nach 5–20 Minuten enden Beruhigungsversuche, wie das sonst meist gut wirksame Hochnehmen oder Füttern, helfen nur zeitweilig Vermehrtes Auftreten der Symptomatik nachmittags und in den frühen Abendstunden Ansonsten vollkommen unauffälliges Wachstum und Entwicklung des Säuglings.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn
Ihr Baby nicht gedeiht, da es nicht gut trinkt (siehe Gedeihstörungen). es apathisch, lustlos oder blass (bzw. blass-grau) ist. es immer wieder erbricht. es länger als 1 Stunde voller Schmerzen oder schrill schreit; dies kann auf einen eingeklemmten Leistenbruch oder eine Darmeinstülpung hinweisen. Ihr Baby über das normale Maß von etwa 3 Stunden am Tag hinaus schreit und sich dabei jedem Einfluss von außen entzieht (wie Hochheben oder Beruhigungsversuche). es Schwierigkeiten hat, sich an Schlaf- und Wachphasen anzupassen, es tagsüber meist nur kurz schläft (oft weniger als eine halbe Stunde) und es auch Probleme beim Einschlafen hat. Sie sich überfordert fühlen und/oder Angst vor einem Kontrollverlust haben (z. B. zu starkes Schütteln, Anschreien, Schlagen des Babys).

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Viele Säuglinge haben direkt nach dem Trinken eine kurze "K(r)ampfzeit". Das Baby hat vielleicht einen geblähten Bauch, spuckt ein bisschen oder weint – mit dem "Bäuerchen" hört das Weinen auf. Anders ist es bei den sogenannten Dreimonatskoliken, an denen nahezu jedes 4. Baby leidet. Die Babys schreien anhaltend und immer wieder, bevorzugt in den frühen Abendstunden, oft aber auch noch in die Nacht hinein, und es bleibt unklar, was dahintersteckt. Die "Koliken" beginnen oft schon nach den ersten Lebenstagen. Glücklicherweise ist aber Licht am Ende des Tunnels: 85 % der Babys haben ihre "Kolikzeit" nach 3 Monaten hinter sich.

Ursachen
Die Ursachen für die Schreiattacken sind nicht bekannt. Nur in seltenen Fällen stehen greifbare Ursachen dahinter, die den Kleinen Schmerzen bereiten, wie etwa eine Mittelohrentzündung, eine Refluxkrankheit oder eine |Analfissur.

Vieles deutet aber darauf hin, dass es Bauchkrämpfe sind, wie es der Begriff "Kolik" suggeriert. Der Bauch ist oft angespannt. Die Säuglinge ziehen die Beinchen an und strecken sie dann plötzlich wieder, als wollten sie den Schmerz "wegkicken". Diese Krämpfe nehmen durch "Winde" oder Stuhlaustritt ab. Allerdings zeigen Röntgenaufnahmen, dass Schreibabys nicht mehr Darmgas haben als "gesunde" Säuglinge.

Sensibilität. Heute geht man auch davon aus, dass die Bauchkrämpfe erst als Folge des Schreiens und der damit verbundenen Aufregung entstehen, dass also ganz am Anfang ein anderer Auslöser steht und sich dann "auf den Bauch schlägt". Vermutet wird deshalb, dass Schreibabys "sensibler" als ihre Altersgenossen sind und deshalb empfindlicher auf die bei jedem Schreien geschluckte Luft reagieren. Eine andere Vermutung ist, dass der Bauch bei einigen Babys stärker auf Reize reagiert als bei anderen. Zu dieser Vermutung passt, dass die Koliken vor allem abends auftreten, wenn das Baby sowieso müde und möglicherweise überreizt ist. Da diese Babys es noch nicht wie ihre Altersgenossen gelernt haben, sich selbst zu beruhigen, zählen Experten dieses Verhalten zu den sogenannten "Regulationsstörungen", zu denen auch Schlaf- und Fütterstörungen gerechnet werden.

Melatonin-Theorie. Das für den Biorhythmus mitverantwortliche Hormon wird unter den hiesigen Lichtverhältnissen erst ab 3 Monate nach der Geburt in ausreichenden Mengen gebildet. Bis dahin fehlt seine entspannende Wirkung auf die Darmmuskulatur – Babys neigen in dieser Zeit also mehr zu Darmverkrampfungen.

Überfüllungstheorie. In warmen Klimazonen trinken Babys vor allem "durstgesteuert" und damit weitaus häufiger als hierzulande, wo Babys eher "hungergesteuert" trinken. Man vermutet, dass die für hiesige Mahlzeiten typischen großen Milchmengen für einige Babys nicht bekömmlich sind. Diese Theorie wird von zwei Argumenten gestützt: Zum einen tritt das in unseren Breiten häufig beobachtete Spucken in warmen Ländern seltener auf. Zum anderen zeigen Experimente, dass häufiges Füttern tatsächlich bei manchen Babys als eine vorbeugende Strategie gegen Koliken funktioniert.

Frühkindliche Dysregulation. Bei den meisten Babys verschwindet das Schreien. Bei einigen bleibt es jedoch; Ärzte sprechen hier von einem "persistierenden" Schreien. Die Kinder fallen zudem oft durch andere Persönlichkeitszüge auf – Eltern beschreiben sie als fordernd, unzufrieden und leicht reizbar. Manchmal kommt außerdem eine ausgeprägte körperliche Unruhe hinzu, sodass es kein Wunder ist, dass diese Kinder schlecht schlafen. Kinderärzte bezeichnen dieses Phänomen auch als frühkindliche Dysregulation. Viele der betroffenen Kinder haben im Kleinkindalter Wutphasen und passen sich nur schwer im Kindergarten und in der Schule an. Bei einigen wird später AD[H]S diagnostiziert.

Risikofaktoren
Schwedische Forscher konnten bei Kolikkindern ein Zuviel an bestimmten, auf die Darmbewegungen wirkenden Hormonen nachweisen (z. B. Motilin). Auf eine gestörte Darmflora weist eine Studie der Universität Houston hin, sie kam zu dem Ergebnis, dass Kolikbabys eine ungewöhnlich kleine Vielfalt von Bakterien im Darm haben. Die Forscher hoffen, bald eine Therapie gegen das anhaltende Schreien zu finden, die auf probiotischer Ernährung basieren soll.

Familiäres Umfeld. Was auch immer der Auslöser ist, es scheint wenig damit zu tun zu haben, was Eltern tun oder lassen. Studien zeigen, dass Mütter von Kolikkindern sich in nichts von denen unterscheiden, deren Kinder keine Koliken haben. Sie sind weder "unsicherer" noch weniger "bindungsfähig" noch unterscheidet sich der Erziehungsstil. Oft ist in derselben Familie das eine Geschwisterkind betroffen, das andere nicht.

Ernährung. Auch "Allergien" oder "Milchunverträglichkeit" als Auslöser der Dreimonatskoliken wurde für die allermeisten Fälle nicht bestätigt – solche Krankheiten zeigen sich nicht nur durch Schreien, sondern auch durch andere Zeichen wie Durchfall, Blut im Stuhl oder schlechtes Gedeihen. Dass die Nahrung bei den allermeisten Kindern keine Rolle spielt, zeigt auch die Tatsache, dass "Koliken" bei gestillten und nicht gestillten Kindern etwa gleich häufig vorkommen. Die ebenfalls manchmal vermutete Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz) ist so selten, dass sie als generelle Erklärung kaum Gültigkeit hat.

Raucherhaushalt. Untersuchungen haben gezeigt, dass es in Raucherhaushalten häufiger Schreibabys gibt als in Nichtraucherhaushalten. Erklärung dafür scheint zu sein, dass Nikotin die Krampfbereitschaft des Darmes fördert.

Überforderung der Eltern. In Deutschland erleiden etwa 400 Kinder pro Jahr ein Schütteltrauma, ein Viertel davon stirbt daran. Wenn Eltern das schreiende Baby in ihrer Verzweiflung schütteln, besteht die Gefahr, dass es innerhalb kürzester Zeit schwerwiegende Schäden erleidet: Da die Nackenmuskulatur noch schwach ist und der Kopf bei Babys einen großen Teil des Körpergewichts ausmacht, wird das Köpfchen durch das Schütteln nach vorne und hinten geschleudert. Die Gehirnmasse bewegt sich hin und her, wodurch im schlimmsten Fall Blutgefäße und Nervenbahnen reißen und es zu Hirnblutungen und Hirnverletzungen kommt. Ebenso sind Blutungen an der Augennetzhaut möglich, mögliche Folgen sind Sehstörungen oder sogar Blindheit.

Komplikationen
Bei der Darmeinstülpung (Invagination) stülpt sich ein Darmabschnitt ohne bisher bekannte Ursache teleskopartig in sich ein; dadurch wird die Durchblutung unterbunden. Etwa 80 % aller Darmeinstülpungen treten bei Babys im 6.–12. Monat auf. Typisch ist plötzlich einsetzendes Schreien, das nicht aufhört. Oft zieht das Kind die Beinchen an, manchmal erbricht es auch. Auch wenn das Baby sich zwischendurch beruhigt, kommen die Schmerzattacken wieder, und möglicherweise wird das Kind blass, unruhig oder sogar apathisch. Blutig-schleimige Stühle können nach ein paar Stunden hinzukommen.

Diagnosesicherung

Um eine körperliche Erkrankung (z. B. eine Mittelohrentzündung oder Verstopfung) auszuschließen, helfen die sorgfältige Anamnese sowie die Beschreibungen oder Aufzeichnungen der Eltern über die Verteilung des Schreiens und die Essenszufuhr.

Ultraschallaufnahmen, Röntgenuntersuchungen, Untersuchung von Blut oder Stuhl. Diese Untersuchungen sind selten notwendig, helfen aber, körperliche Erkrankungen auszuschließen.

Ärztliche Behandlung

85 % der Babys haben ihre "Kolikzeit" auch ohne ärztliche Behandlung spätestens nach 3 Monaten überstanden.

Darmeinstülpung. Besteht der Verdacht auf eine Darmeinstülpung, versucht der Kinderarzt, den betroffenen Darmabschnitt zu ertasten, oder die Diagnose wird durch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Röntgendarstellung des Dickdarms mit durch den Po eingeflößtem Kontrastmittel gestellt. Dabei wird in den meisten Fällen gleichzeitig die Ursache beseitigt: Durch den Druck des flüssigen Kontrastmittels wird das eingestülpte Darmstück wieder in die richtige Lage geschoben. Gelingt dies nicht, muss operiert werden.

Videoanalyse. In schwerwiegenden Fällen ist zu erwägen, im Rahmen einer Beziehungsanalyse mit Videofeedback die Verhaltensweisen von Eltern und Baby zu analysieren. Studien haben gezeigt, dass es Eltern danach besser gelang, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Prognose

Trotz des hohen Leidensdrucks beim Säugling und den Eltern: Dreimonatskoliken sind harmlos. Auch wenn die Koliken und das begleitende Schreien eine große Anstrengung für Baby und Eltern darstellen – nach 3 Monaten gehen die Beschwerden von allein zurück und führen auch nicht zu länger andauernden gesundheitlichen Problemen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Prüfen Sie als Erstes, ob Ihr Baby krank ist und deshalb schreit. Bei Blut in der Windel, Apathie, Blässe oder Erbrechen suchen Sie sofort den Kinderarzt auf.

Bei Dreimonatskoliken funktionieren die beim "normalen Schreien" wirksamen Strategien – wie Stillen, Füttern oder den Schnuller geben – nicht. Oft macht gerade das Anlegen oder Füttern die Sache noch schlimmer. Folgende Strategien können versucht werden:

Tragen und Körperkontakt. Bei vielen Babys hilft Herumtragen, Schaukeln und enger Körperkontakt. Dabei bevorzugen manche Babys kräftige Bewegungen, andere mögen es sachte. Sanftes Streicheln des Bauches bringt manchen Säuglingen Erleichterung. Massage. Eine sanfte Massage des Bauches beruhigt und ist oft hilfreich, da dem Schreien manchmal auch gastrointestinale Beschwerden zugrunde liegen. Oder legen Sie den Säugling auf den Bauch und streichen ihm behutsam mit den Fingern über den Rücken. Einwickeln. Viele Eltern haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, das Baby fest in ein großes Handtuch einzuschlagen und es dann sanft in den Armen zu wiegen. Auch ein warmes Bad kann möglicherweise eine Kolik "lösen". Tragetuch oder Tragegestell. Gut bewährt hat sich auch, das Baby in ein Tragetuch zu nehmen, und zwar auf den Rücken; dort lässt sich das Kind ohne viel Mühe schaukeln. Rhythmen. Manche Kolikkinder können durch Rhythmen oder auch durch monotone Töne beruhigt werden, etwa wenn Sie den Staubsauger anstellen, das Baby den Rhythmus der Waschmaschine hört (Kind nur neben, nicht auf die Waschmaschine stellen) oder das Baby auf eine Spazierfahrt mit dem Auto mitnehmen oder mit ihm an der frischen Luft spazieren gehen. Auch Singen hat sich bewährt. Einreiben. Manche Säuglinge mögen es, wenn der Bauch mit Fenchelöl eingerieben wird und zwar langsam im Uhrzeigersinn, immer um das Bäuchlein herum (in dieser Richtung arbeitet auch der Dickdarm). Auflagen. Für die feuchtwarme Auflage wird ein Tee aus Anis und Fenchel oder auch aus Kümmel und Fenchel zubereitet. 1 Esslöffel der Saaten wird mit 0,5 l kochendem Wasser überbrüht und muss dann etwa 10 Minuten ziehen. Tränken Sie mit dem Sud ein Baumwolltuch und legen dies auf den Bauch. Aber testen Sie vorab die Temperatur an Ihrer Handgelenksinnenseite. Legen Sie über die Auflage ein weiteres Baumwolltuch und ein kleines Wolltuch. Lassen Sie die Tücher so lange liegen, bis sie abgekühlt sind. Entspannungsbad. Auch ein warmes Bad "löst" möglicherweise eine Kolik. Mischen Sie 1 Esslöffel Sahne mit 2 Tropfen ätherischem Öl (zum Beispiel Anis und Kümmel oder Fenchel und Kümmel) und rühren Sie diese Mischung in das Badewasser. Kirschkernkissen. Legen Sie ein warmes Kirschkernkissen auf den Babybauch. Aber testen Sie vorab die Temperatur an Ihrer Handgelenksinnenseite. Machen Sie das Kissen auf keinen Fall zu heiß! Fencheltee. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rät davon ab, Kindern unter 4 Jahren den sonst gut wirksamen Fencheltee zu geben, da dieser evtl. karzinogene Stoffe enthält.

Für Entlastung sorgen. Am wichtigsten ist aber die eigene Entlastung – denn jeder läuft bei einem unstillbar schreienden Säugling Gefahr, die Nerven zu verlieren. Wann immer möglich, sollte deshalb in den schweren Wochen der Partner, die Tagesmutter, eine Freundin oder Verwandte in den Abendstunden mit aushelfen. Hilfreich ist es auch, wenn jeweils ein Elternteil bei dem schreienden Säugling bleibt, während der andere zur eigenen Entlastung für einige Minuten den Raum verlässt. Nach 5–15 Minuten kann dann getauscht werden.

Ruhe. Babys benötigen ausreichend Ruhe, um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Gönnen Sie Ihrem Kind einen geregelten Tagesablauf und achten Sie auf genügend Zeit zum Schlafen.

Schreiambulanz. Holen Sie sich auch Hilfe von Profis: In jeder größeren Stadt gibt es Schreiambulanzen, die meistens in Kinderkrankenhäusern angesiedelt sind. Oft hilft es, die Probleme zu schildern und sich dann von Fachleuten beraten zu lassen. Fragen Sie den Kinderarzt oder Ihre Hebamme nach Adressen vor Ort.

Geeignete Medikamente
Entschäumende Medikamente mit dem Wirkstoff Simeticon (z. B. in sab simplex® und Lefax®) bringen bei einfachen Blähungen Erleichterung; bei Koliken haben sie keine Wirkung.

Auch Carminativum Babynos® wird als Therapeutikum speziell gegen Blähungen im Säuglings- und Kindesalter vermarktet und empfohlen. Die Tropfen enthalten eine Heilkräuterkombination aus Kamillenblüten, Pfefferminzblättern, Fenchel- und Kümmelfrüchten sowie Pomeranzenschalen, aber auch einen hohen Zucker- und Alkoholgehalt, weshalb sie umstritten sind. Trotzdem (oder deswegen?) scheinen sie bei manchen Säuglingen zu wirken.

Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass auch Probiotika (Milchsäurebakterien) die Dauer der täglichen Koliken verringern. Frühere Studien kamen jedoch eher zu einem verhaltenen Ergebnis bezüglich der Wirksamkeit, auch wenn manchmal gewisse Effekte erkennbar waren. Dennoch ist es bestimmt einen Versuch wert.

Komplementärmedizin
Homöopathie. Viele Eltern probieren homöopathische Mittel aus, z. B. leicht probiotische Tropfen wie BiGaia®. Wenn der Kopf Ihres Kindes bei den Schreiattacken hochrot ist und sich Schweiß auf der Stirn bildet, soll Belladonna helfen.

Akupunktur. Eine neue Studie hat gezeigt, dass eine Mini-Akupunktur (Akupunkturpunkt L14) das Schreien reduziert.

Prävention
Um Koliken vorzubeugen, werden leider oft Patentlösungen angeboten, die aber immer nur beim Nachbarkind zu funktionieren scheinen. Die meisten Eltern von Kolikkindern stellen fest, dass sich mit den ergriffenen Maßnahmen allenfalls einmal eine Etappe gewinnen lässt.

Die Ernährung der stillenden Mutter umstellen. Auch das ist einen Versuch wert, aber mehr nicht. Lassen Sie die blähenden Zwiebeln weg und die Bohnen und vielleicht auch Kraut, aber vermeiden Sie, schließlich bei einer Radikaldiät zu landen, unter der Ihre eigenen Kräfte schwinden. Die Beweise, dass solche Nahrungsumstellungen etwas bringen, sind sehr dürftig. Das gilt auch für einen Wechsel der Milchfertignahrung. Natürlich schadet es nicht, einmal von Hipp auf Beba zu wechseln oder umgekehrt, und oft glaubt man auch in den ersten Tagen, das Schreien würde weniger – aber der Effekt hält meist nicht an. Das gilt grundsätzlich auch für die oft empfohlenen hypoallergenen Nahrungen (HA-Nahrungen): Es gibt zwar durchaus positive Studien, liest man die aber genau, so ist auch hier nicht klar, ob das positive Ergebnis an den (teureren) Nahrungen selber liegt oder nur an der Erwartung der Eltern. Dasselbe gilt für "alternative" Milch wie Sojamilch. Wenn Sie Ihr Kind nicht stillen, versuchen Sie es stattdessen mit Milchersatznahrung ohne Molke. Das Füttern mit Sojamilch wird bei Säuglingskoliken nicht empfohlen, da die Proteine unter Umständen Allergien auslösen; außerdem ist der Gehalt an pflanzlichen Östrogenen in diesen Präparaten bedenklich. Und anders stillen? Auch das entpuppt sich meist als nutzlos. Ratschläge wie "Pumpen Sie die ersten 30 g ab, damit die Milch nicht in den Mund Ihres Babys schießt" oder "Begrenzen Sie das Stillen auf 20 Minuten" sind gut gemeint, aber meist bringen sie nur zusätzliche Arbeit, Anspannung und Verdruss. Einfacher (und laut einzelnen Studien auch erfolgreich) mag es sein, das Baby insgesamt öfter anzulegen – dies könnte den Magen bei den einzelnen Mahlzeiten entlasten. Einfacher umzusetzen ist der Tipp, in einer halb aufrechten Position zu stillen, sodass das Verschlucken von Luft verhindern wird, Ihr Kind häufiger aufstoßen zu lassen (aber wer macht das nicht?), oder, bei Flaschenkindern, kein zu großes Saugerloch zu verwenden (optimal ist angeblich, wenn ein Tropfen pro Sekunde aus der Flasche kommt).

Hinweis: Auf keinen Fall sollten Sie mit dem Stillen aufhören. Es ist nicht die Muttermilch, die an dem Weinen Ihres Kindes schuld ist.