Kinderkrankheiten

Mit Fluorid, aber ohne Titandioxid: Worauf achten bei Kinderzahnpasta?

Quelle: apotheken.de | 29.09.2022 | alekso94/shutterstock.com
 Zähne putzen macht Spaß und die Beißerchen kariesfest – sofern ausreichend Fluoride in der Zahnpasta sind.Zähneputzen ist selbstverständlich – auch bei den Allerkleinsten. Doch welche Zahnpasta ist die richtige für Kinder? Und wie soll geputzt werden?

Zahnschutz auf mehreren Ebenen
Um Kinderzahnpasten wird schon lange gestritten. Fluoride sorgen dabei immer wieder für Diskussionen: Einerseits verspricht man sich von ihnen einen umfassenden Schutz der Zähne vor Karies. Sie verbessern die Mineralisierung der Zähne. Außerdem bilden sie mit Kalzium eine Art Deckschicht um die Zähne und neutralisieren Säuren, die den Zahnschmelz gefährden. Schließlich dringen Fluoride in Bakterien ein und hindern diese, kariesfördernde Säuren zu bilden.

Kritiker*innen befürchten allerdings, dass der Zusatz von Fluoriden auch schädlich sein könnte. Wird zuviel Fluorid eingenommen, kommt es zur Fluorose mit gelblich-bräunlichen Flecken auf den Zähnen. Auch Knochenschäden sind möglich. In der richtigen Dosierung kommt dies allerdings nicht vor, unterstreichen Expert*innen.

Deshalb ist es wichtig, bei Kindern auf die richtige Menge an Fluoriden zu achten. Kinder- und Zahnärzt*innen empfehlen folgendes Vorgehen:

Ab der Geburt bis zum ersten Zahn sollen die Fluoride als Tablette zugeführt werden.Zwischen dem ersten Zahn und dem ersten Geburtstag haben Eltern zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben dem Kind das nötige Fluorid weiter über Tabletten und putzen die Zähnchen zunächst mit fluoridfreier Zahnpasta. Oder sie lassen die Tabletten weg und nutzen fluoridhaltige Kinderzahnpasta.Ab dem ersten Geburtstag sollen alle Kinder fluoridhaltige Zahnpasta verwenden.

Erst reiskorngroße, später erbsgroße Menge
Auch die Dosierung der fluoridhaltigen Kinderzahnpasta ist wichtig. Hier empfehlen Expert*innen, ab dem ersten Milchzahn die Zähnchen zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta zu putzen (1000 ppm Fluorid). Vom zweiten bis zum sechsten Geburtstag kommt zweimal die gleiche Zahnpasta (1000 ppm Fluorid) in Erbsengröße auf die Bürste. Kinder über sechs Jahren verwenden zweimal täglich eine höher dosierte Zahnpasta (1500 ppm), die sie über die ganze Bürstenkopflänge auftragen.

Damit diese Portionen ausreichend Fluoride zuführen, muss der Fluoridgehalt der Zahnpasta stimmen. Stiftung Warentest hat 21 Kinderzahnpasten unter die Lupe genommen. In puncto Kariesprophylaxe durch Fluoridgehalt haben zwölf Pasten die Note sehr gut erhalten.

Titandioxid ist kritisch
Allerdings fanden die Tester*innen in neun Zahncremes den kritischen Farbstoff Titandioxid. Auch um diesen Stoff wird noch gestritten, er soll toxisch auf die Gene wirken. Dieser Vorwurf wurde bisher weder nachgewiesen noch entkräftet, das Bundesamt für Risikobewertung hat dazu eine Studie beauftragt. Insgesamt hält Stiftung Warentest deshalb nur drei Kinderzahnpasten für geeignet. Alle anderen schützen entweder nicht ausreichend vor Karies oder enthalten Titandioxid.

Quellen: pta heute, Stiftung Warentest, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung

Vorsicht bei der Schnuller-Wahl: Kiefer und Zähne im Blick

Quelle: apotheken.de | 21.09.2022 | New Africa/shutterstock.com
 Doppelte Beruhigung fürs Baby: Papa und Schnuller.Ob zur Beruhigung, als Einschlafhilfe oder nur zum Vergnügen: Kaum ein Baby, dass keinen Schnuller mag. Damit der Sauger nicht zu Zahn- oder Kieferfehlstellung führt, sollten Eltern aber die richtige Form wählen.

Schon das Ungeborene saugt kräftig
Das Saugbedürfnis ist bei Kindern angeboren. Schon im Mutterleib kann man es im ersten Schwangerschaftsdrittel per Ultraschall beobachten. Ist das Kind auf der Welt, saugt es zunächst einmal, um sich zu ernähren, wenig später auch, um sich zu beruhigen.

Dieser Beruhigungseffekt wird von Eltern seit Jahrhunderten genutzt. Die alten Ägypter haben ihren Babys dafür Saugtöpfe mit Honig um den Hals gebunden. Im Mittelalter verwendete man dazu in Honig oder Branntwein getauchte Tücher. Der Schnuller, wie man ihn heute kennt, wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg erfunden – gemeinsam von einem Zahnarzt und einem Kieferorthopäden.

Zahnärzt*innen und Kieferorthopäd*innen sind allerdings heute diejenigen, die vor allzu häufigem Schnullergebrauch warnen. Denn sie können die Entwicklung von Zähnen und Kiefer stören und zu Fehlstellungen führen. Wann das Risiko dafür besteht, wurde nun von Expert*innen mithilfe einer Computersimulation untersucht.

Entscheidend ist der Hals
Es stellte sich heraus, dass die Form des Schnullers von entscheidender Bedeutung ist. Je dicker und runder der Schnuller, desto schädlicher für die Zahnstellung. Je dünner der Saugerhals, desto besser: Dann haben Schnuller kaum Einfluss auf den wachsenden Kieferknochen und die Zähne.

Insgesamt gelten aus Sicht von Zahnärzt*innen und Logopäd*innen folgende Empfehlungen:Die Form sollte kiefergerecht und mit möglichst dünnem Hals sein. Beispiel dafür sind orthodontische Sauger.Für die optimale Entwicklung des Kiefers und der Zähne sollte der Schnuller nicht länger als bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs genutzt werden.Schnuller sollten möglichst leicht sein, sie müssen nicht „mitwachsen“. Je weniger Raum das Lutschteil einnimmt, desto weniger stört es Zungenfunktion und Sprachentwicklung.Das Lutschteil selbst sollte möglichst weich sein.Insgesamt gilt: weniger ist mehr. Der Schnuller sollte möglichst nicht fortwährend genutzt, sondern vor allem bei Bedarf eingesetzt werden – z.B. zum Einschlafen oder zur vorübergehenden Beruhigung.

Quelle: Springer Medizin

Wächst sich die Erdnussallergie aus?: Kind mit Nahrungsmittelallergie

Quelle: apotheken.de | 31.08.2022 | In Green/shutterstock.com
 Wer eine Erdnussallergie hat, sollte die Hülsenfrüchte lieber seinem Hausnager überlassen.Hühnereiweiß- oder Erdnussallergien sind bei kleinen Kindern häufig. Zum Glück bilden sich diese Unverträglichkeiten im Verlauf der Jahre oft wieder zurück. Doch wie groß sind die Chancen, dass die Allergien wieder verschwinden und welche Hinweise sprechen für eine gute Prognose?

Verlauf der Allergien sehr variabel
Immer mehr Kinder entwickeln im ersten Lebensjahr eine Allergie gegen Hühnereiweiß oder Erdnüsse. Sie zeigen sich z.B. durch Koliken oder Erbrechen nach dem Essen oder Hautekzeme. Der Verlauf dieser Unverträglichkeit variiert jedoch stark. Manche Betroffenen müssen sich ihr ganzes Leben vor den Allergenen hüten, bei anderen geht der Spuk innerhalb der nächsten Lebensjahre vorüber.

Um mehr Klarheit zu Häufigkeiten und Prognose von Hühnereiweiß- und Erdnussallergien zu bekommen, haben australische Forscher*innen eine Studie eingeleitet. Sie sammelten die Daten von über 5000 Säuglingen und beobachteten deren Allergieentwicklung bis zum sechsten Lebensjahr. 9,5% der teilnehmenden Kinder litten im ersten Lebensjahr unter einer Allergie gegen Hühnereiweiß, 3,1% unter einer Allergie gegen Erdnüsse. Nachgewiesen wurden die Unverträglichkeiten mit Provokations- und Hauttests.

Fast alle Hühnereiweißallergien verschwunden
Im sechsten Lebensjahr waren 89% der Eiallergien und 29% der Erdnussallergien wieder verschwunden. Die Forscher*innen konnten auch ein prognostisch ungünstiges Zeichen ausmachen: Kinder mit schwerem allergischem Hautekzem hatten ein höheres Risiko, dass ihre Ei- oder Erdnussallergie bestehen blieb. Gleiches galt für diejenigen, die zusätzlich gegen andere Nahrungsmittel allergisch waren.

Bei schweren Hauterscheinungen Immuntherapie erwägen
Eltern von Babys mit Hühnereiweißallergie kann man also beruhigen: Fast alle diese Unverträglichkeiten verschwinden bis zum Schulalter. Bei Erdnussallergie wird immerhin ein Drittel der Kinder tolerant. Bei Kindern mit den genannten Allergien und schweren Hautekzemen muss man jedoch davon ausgehen, dass sich die Unverträglichkeit eher nicht „auswächst“. In diesen Fällen sollte man frühzeitig eine Immuntherapie in Erwägung ziehen.

Quelle: Springer Medizin / Journal of Allergy and Clinical Immunology

Kopfläusen den Garaus machen: Gegen das große Krabbeln

Quelle: apotheken.de | 20.08.2022 | Yuko Sach/shutterstock.com
 Läuse auskämmen ist für viele Kinder kein Spaß.Wenn der Kindergarten oder die Schule Kopflausalarm geben, ist das kein Grund zur Panik: Ein Kopflausbefall ist bis auf das Jucken harmlos und in der Regel gut beherrschbar. Denn mit Nissenkamm und potenten Wirkstoffen aus der Apotheke kann man die Tierchen gut aufspüren und erfolgreich vertreiben.

Die Laus braucht den Menschenkopf
Kopfläuse leben ausschließlich auf Menschenköpfen. Sie sind lästig, aber harmlos, denn sie übertragen keine Krankheiten. Allerdings verbreiten sie sich von Kopf zu Kopf gerne weiter. Das hat übrigens nichts mit der persönlichen Hygiene zu tun. Kopfläuse sollen sich in frisch gewaschenem Haar sogar besonders wohl fühlen.

Haben sie einen Kopf erobert, stechen sie alle zwei bis vier Stunden in die Haut und saugen nach Blut. Der Läusespeichel juckt heftig – bei Erstbefall allerdings oft erst nach einiger Zeit. Erwachsene Läuse leben etwa vier Wochen lang. Währenddessen legt jedes Läuseweibchen ca. 150 Eier und verklebt diese kopfhautnah an den Haarschäften. Nach einer Woche schlüpfen die Larven und lassen die leeren Eihüllen (Nissen) am Haar zurück.

Damit sie schnell an ihre Futterquelle kommen, sitzen Larven und junge Kopfläuse am liebsten ganz nah an der Kopfhaut. Erwachsene Kopfläuse sind etwas wanderfreudiger: Sie dringen bis zu den Haarspitzen vor. Von dort gelangen sie auf andere Köpfe. Da sie aber weder springen noch fliegen können, geschieht das nur durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt. Zum Beispiel wenn Kinder beim Spielen die Köpfe zusammenstecken oder mit ihren Eltern auf dem Sofa kuscheln.

Fern vom Menschenkopf halten es Kopfläuse nicht lange aus. Bereits nach wenigen Stunden ohne Blutmahlzeiten sind sie zu geschwächt, um herumzukrabbeln, und sterben nach zwei bis drei Tagen endgültig ab. Deshalb ist die Übertragung durch Mützen oder Kämme nur sehr selten und nur denkbar, wenn diese Gegenstände innerhalb kurzer Zeit gemeinsam benutzt werden.

Hinweis: Kopfläuse haben nur einen einzigen Wirt: den Menschen. Tiere befallen sie nicht. Hunde, Katzen und Hamster müssen deshalb bei Entlausungsaktionen nicht mitbehandelt werden.

Ruhe bewahren und auf Laussuche gehen
Ansteckungsgefahr besteht also vor allem dort, wo Menschen eng zusammenkommen. Das ist z.B. in Kindergärten, Kitas und Schulen der Fall, wo Kinder miteinander toben und spielen. Beim eigenen Kind macht sich ein Lausbefall durch Kopfjucken bemerkbar. Häufiger werden Eltern jedoch mit einem Lausalarm aus Schule oder Kindergarten konfrontiert. Jetzt gilt es, erstmal Ruhe zu bewahren. Auch wenn der Gedanke an die krabbelnden Mitbewohner mehr als ungemütlich ist – Kopfläuse lassen sich sehr gut bekämpfen.

Zunächst muss allerdings geprüft werden, ob das eigene Kind schon Kopfläuse hat. Dazu scheitelt man die Haare an mehreren Stellen und sucht die Kopfhaut nach Larven ab. Achten sollte man auch auf die typischen klebrigen braunen Lauseier und leere Eihüllen, die Nissen. Am ehesten lassen sich diese an den Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken aufspüren. Erwachsene Läuse findet man, wenn man die feuchten Haare mit einem dichten Kamm durchkämmt. Das geht am besten so:

Haare mit einer handelsüblichen Spülung anfeuchten.Mit einem Läuse- oder Nissenkamm Strähne für Strähne vom Haaransatz bis zur Spitze durchkämmen.Nach jeder Strähne den Kamm auf Küchenpapier ausstreichen, das ausgestrichene Material nach Larven, Eiern und Läusen absuchen. Hier ist eine Lupe hilfreich.Wurden Läuse, Larven, Eier oder Nissen gefunden, müssen alle Familienmitglieder auf Läuse kontrolliert werden.

Tipp: Läuse- oder Nissenkämme gibt es aus Metall, Kunststoff oder Naturkautschuk in der Apotheke. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Zinken gerade sind und eng beieinander (< 0,3 mm) stehen. Abgerundete Ecken schonen zudem die Kopfhaut.

Weg mit der Laus – aber wie?
Gründliches Auskämmen mit dem Läusekamm eliminiert schon einen Teil der Läuse. Damit sie aber zuverlässig verschwinden, muss der befallene Kopf zusätzlich behandelt werden. Dafür werden die Kopfläuse erstickt. Zwei Verfahren stehen zur Auswahl: Neurotoxische Präparate lähmen die Atmung der Kopfläuse. Physikalische Mittel legen sich wie ein Film um die Laus, dringen in die Atemwege ein und verhindern dadurch die Sauerstoffaufnahme.

Zu den neurotoxischen Läusemitteln gehören die Wirkstoffe Permethrin, Pyrethrumextrakt oder Allethrin. Ihr Vorteil ist, dass sie meist schon bei einer Anwendung alle Lausstadien abtöten. Manchmal bilden die Läuse jedoch Resistenzen gegen die Wirkstoffe, d.h. die Mittel wirken nicht. Außerdem reagieren machen Menschen allergisch auf die neurotoxischen Anti-Laus-Mittel.Physikalische Wirkstoffe wie Dimeticon, Neem-Extrakt oder Paraffinöl zeichnen sich durch eine gute Verträglichkeit aus, Resistenzen bilden sich kaum. Allerdings sind sie schwächer in der Wirkung, weshalb mindestens zwei Anwendungen erforderlich sind (siehe unten „Läsuefahrplan“).

Die Läusemittel gibt es flüssig als Lösungen, als Emulsionen oder als Gele. Egal welcher Wirkstoff eingesetzt wird: Der Beipackzettel muss gründlich gelesen und die Gebrauchsanweisung streng eingehalten werden, damit sich die Wirkung entfalten kann. Manche Produkte werden im feuchten, andere im trockenen Haar angewendet. Auch die erforderlichen Einwirkungszeiten unterscheiden sich, sie reichen von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden.

Hinweis: Vorsicht, einige Präparate sind entflammbar. Bei der Verwendung darf keinesfalls geraucht werden, offene Flammen und heißes Föhnen müssen ebenso vermieden werden!

Den richtigen Läusefahrplan beachten
Unabhängig vom verwendeten Präparat empfiehlt das Robert Koch-Institut grundsätzlich eine Basis- und eine Wiederholungsbehandlung. Um alle erwachsenen Läuse, Larven und Eier zu erwischen, verläuft die Vertreibung der Kopflaus am besten nach folgendem Fahrplan:

Tag 1: nass auskämmen und Kopflausmittel anwendenTag 5: nass auskämmenTag 9: nass auskämmen und Kopflausmittel anwendenTag 13: nass auskämmenTag 17: nass auskämmen.

Behandelt werden sollen alle Familienmitglieder, bei denen sich beim Auskämmen ein Läusebefall gezeigt hat. Ob lausfreie Menschen des gleichen Haushalts vorsorglich mitzubehandeln sind, wird unterschiedlich beurteilt. Im Zweifel sollte man Hausärzt*in oder Kinderärzt*in dazu befragen.

Die bei der Läusekur getragene Kleidung, die verwendeten Handtücher und die aktuell genutzte Bettwäsche sollten bei 60° C in der Waschmaschine gewaschen werden. Was diese Temperatur nicht aushält oder gar nicht gewaschen werden kann (z. B. Mützen), steckt man für eine Woche in einen dicht schließenden Plastiksack. Auf diese Weise sterben bzw. verhungern die Läuse.

Kämme, Bürsten oder Haarspangen reinigt man am besten in heißer Seifenlösung. Weitere Hygienemaßnahmen sind nicht erforderlich. Auch das häufig empfohlene Tieffrieren der Kuscheltiere, das Waschen der gesamten Bekleidung im Kleiderschrank sowie ein übertriebener Hausputz sorgen nur für Stress in der Familie.

Umfeld und Kindergarten informieren!
Damit die Läuseplage gestoppt wird, ist es wichtig, die Menschen in der direkten Umgebung über den Kopflausbefall aufzuklären. Dazu gehören auch die Eltern von Vereinskameraden oder Spielfreunden des Kindes. Peinlich sein muss einem der Läusebefall nicht. Denn Läuse haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Und falsche Scham führt nur dazu, dass sich die Laus auf weiteren Köpfen verbreiten kann.

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind Erziehungsberechtigte sogar dazu verpflichtet, den Kopflausbefall ihres Kindes dem Kindergarten oder der Schule mitzuteilen. Von dort wird dann das Gesundheitsamt informiert und die Eltern sämtlicher anderer Kinder benachrichtigt.

Nach der ersten Behandlung darf das Kind Gemeinschaftseinrichtungen wieder besuchen. Manchmal ist dafür ein Attest erforderlich. Meist reicht es aber aus, wenn die Eltern schriftlich erklären, dass sie die Läusekur wie angegeben durchgeführt haben. Voraussetzung ist allerdings, dass sie am 9. Tag eine zweite Behandlung durchführen.

Tipp: Das Läuseauskämmen ist für viele Kinder eine langweilige oder gar unangenehme Prozedur. Man kann es ihnen leichter machen, wenn man ihnen dabei vorliest oder ihre Lieblings-CD laufen lässt.

Was tun, wenn die Laus nicht weicht?
Wird der Kopf trotz Behandlung nicht lausfrei, kann das bei den neurotoxischen Wirkstoffen an Resistenzen liegen. In diesen Fällen ist der Wechsel auf ein anderes Produkt hilfreich. Viel häufiger sind jedoch Anwendungsfehler an der fehlenden Wirkung schuld:

zu kurze Einwirkungszeit, weil das Präparat zu früh ausgewaschen wurdeungleichmäßiges Auftragen, Verwendung von zu wenig Wirkstoffzu starke Verdünnung des Wirkstoffs durch Anwendung auf zu nassen HaarenAufsaugen des Wirkstoffs durch ein Handtuch, das bei der Anwendung um den Kopf gewickelt wurde.

Oft kann in solchen Fällen schon die Apotheker*in helfen. Im Zweifel wissen auch die Hausärzt*in oder die Kinderärzt*in Rat.

Manchmal besser doch in die Arztpraxis
Kopfläuse am Kinderkopf lassen sich gut in Eigenregie behandeln. Es gibt jedoch Situationen, in denen ärztlicher Rat eingeholt werden sollte. Das ist der Fall bei Säuglingen und sehr kleinen Kindern. Je nach Wirkstoff sind die Läusemittel nur für bestimmte Altersstufen zugelassen. Das am besten geeignete Mittel lässt man sich sicherheitshalber von der Kinderärzt*in empfehlen.

Auch wenn die juckende Kopfhaut schon wundgekratzt ist, sollte eine Ärzt*in sie vor dem Einsatz von Läusemitteln sicherheitshalber inspizieren. Solche Ekzeme finden sich meist hinter den Ohren, am Nacken und am Hinterkopf. Sind die Wunden offen, drohen Infektionen.

Die gleiche Vorsicht ist geboten, wenn die betroffenen Kinder an einer Hauterkrankungen leiden. Ist der Kopf von Neurodermitis oder Schuppenflechte befallen, sollte das Läusemittel z.B. keine irritierenden Duftstoffe enthalten.

Hinweis: Die Antiläusemittel Permethrin und Pyrethrum sind mit Stoffen aus der Chrysantheme verwandt. Bei Chrysanthemenallergie muss die Ärzt*in entscheiden, ob die Haare nur nass ausgekämmt werden dürfen oder ob es Läusemittel gibt, die man bedenkenlos anwenden darf.

Vorbeugende Maßnahmen
Eltern möchten ihren Nachwuchs häufig vor einem Läusebefall schützen. Das ist z.B. denkbar, wenn in der Schule Lausalarm gegeben wurde, der Kinderkopf jedoch (noch) nicht befallen ist. Auch vor einem geplanten Aufenthalt mit engem Kontakt in überfüllten Hilfseinrichtung möchten manche Menschen gerne vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Dafür haben sich einige Hersteller etwas einfallen lassen. So gibt es ein Läuseabwehrspray mit einem Extrakt aus Zitroneneukalyptus, das auf den Kopf gesprüht wird. Der Extrakt bildet eine Art Schutzschild um das Haar und soll dazu führen, dass die Läuse Haare nicht mehr als solche erkennen. Die Wirkung soll bis zwölf Stunden anhalten.

Ein anderes Produkt aus Dimeticon und Activdiol® wird nach der Haarwäsche ins feuchte Haar gesprüht. Es soll die Laus schädigen, bevor sie sich festsetzen und vermehren kann. Das Spray soll mindestens zweimal wöchentlich angewendet werden.

Eine Kombination aus physikalischem Läusemittel und vorbeugend wirkendem Läuseschutzfaktor ist als Shampoo in der Apotheke erhältlich. Es wird auf trockenem Haar angewendet und nach 15 Minuten Einwirkungszeit ausgespült. Vorhandene Läuse werden damit abgetötet, der Schutz vor weiteren Kopfläusen soll drei Tage lang anhalten.

Quellen: Robert Koch-Institut, Deutsche Apotheker Zeitung

Was beugt Mückenstichen vor?: Von Duschen bis DEET

Quelle: apotheken.de | 17.08.2022 | FamVeld/shutterstock.com
 Für Kinder eignen sich Mückensprays auf Icaridin-Basis.Mückenweibchen brauchen Bluteiweiße, damit ihre Eier reifen. Die holen sie sich gern bei Menschen. Zurück bleibt nach dem Mückenstich meist eine lange juckende Quaddel. Doch zum Glück gibt es Tricks, wie man Mückenstichen vorbeugt.

Schweiß und Wärme sind verlockend
Mücken orientieren sich bei der Suche nach ihrem Wirt an Körperwärme, Schweißgeruch und CO2. Sind sie fündig geworden, stechen sie zu, saugen und hinterlassen ihren juckreizauslösenden Speichel. Das kann im Sommer ganz schön nervig werden. Denn den stechenden Rüsseltieren aus dem Weg zu gehen, ist fast unmöglich. Aber mit vorbeugenden Maßnahmen lassen sich die Stiche reduzieren:

Auf die Kleidung achten. Mücken bevorzugen dunkle Landeflächen. Deshalb ist es sinnvoll, im Sommer helle Kleidung zu tragen. Kleidung im Zebramuster soll Mücken besonders gut abhalten – womöglich, weil die Tiere durch das Muster irritiert werden. Außerdem gilt: Je dicker der Stoff, desto schlechter erreicht der Stechrüssel die Haut.Schweißgeruch reduzieren. Wer es sich im Sommer abends im Freien gemütlich machen möchte, sollte vorher lauwarm oder kalt duschen und seine verschwitzte Kleidung wechseln.Mückennetze aufhängen. Im Haus helfen Mückennetze oder -gitter in den Fenstern oder an den Türen. Kinderbettchen und Kinderwagen sollten ebenfalls mit Mückennetzen geschützt werden. Große Moskitonetzte helfen, die Mückenplage von der Terrasse fernzuhalten.

Mückenschutzmittel als Abwehrschild
Repellentien halten Mücken davon ab, sich auf der Haut niederzulassen und zuzustechen. Sie werden gesprüht oder als Flüssigkeit aufgetragen. Dort, wo durch Mückenstiche keine gefährlichen Infektionskrankheiten drohen, eignen sich auch Präparate aus ätherischen Ölen wie Zitrus- oder Teebaumöl. Sie wirken schwächer als chemische Mittel und müssen deshalb wiederholt aufgetragen werden. Ein weiterer Nachteil: Ätherische Öle lösen leicht Allergien aus. Empfindliche Menschen sollten sie deshalb besser nicht benutzen.

Chemie wirkt stärker
Zuverlässiger wirken Repellentien auf chemischer Basis. Hauptwirkstoffe sind dabei Diethyltoluamid (DEET) und Hydroxyethylisobutylpiperidin (Icaridin oder Picaridin). DEET wird auch für die Tropen empfohlen, es wirkt etwa acht Stunden lang. Den Kontakt zu Brillen oder Armbändern sollte man vermeiden, da der Wirkstoff Kunststoff angreift. Icaridin wirkt ungefähr vier 4 Stunden und ist besonders verträglich. Deshalb gibt es spezielle Produkte für Kinder.

Allgemein gelten beim Verwenden von Repellentien folgende Regeln:

Repellentien und Sonnenschutzmittel können gegenseitig ihre Wirkung schwächen. Deshalb sollte das Mückenschutzmittel erst 15 Minuten nach der Sonnencreme aufgetragen werden.Nach dem Baden die Produkte erneut auftragen. Auch bei Regen oder starken Schwitzen sind Wiederholungen nötig, weil viele Produkte wasserlöslich sind. Repellentien nicht auf Wunden, Schleimhäute oder gereizte Haut (Sonnenbrand!) aufbringen.Sprays nicht ins Gesicht, sondern erst auf die Hand sprühen und dann vorsichtig im Gesicht verteilen. Schleimhäute und Augen dabei aussparen.

Quelle: ptaheute

Hitzefolgen bei Kindern erkennen: Hitzschlag und Sonnenstich

Quelle: apotheken.de | 27.07.2022 | MNStudio/shutterstock.com
 Bei diesen zwei kleinen Sandspielern fehlt eindeutig der Sonnenhut.Ob im Buggy beim Familienspaziergang oder beim Spielen im Sandkasten: Wenn Babys und Kleinkinder der sommerlichen Sonne zu lange ausgesetzt sind, drohen im schlimmsten Fall ein Sonnenstich oder Hitzschlag. Wie erkennt man die ersten Anzeichen, und, vor allem, was ist dann zu tun?

Hitzschlag ist ein Notfall!
Von einem Hitzschlag spricht man, wenn durch die Hitze der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen wird. Typische Ursache bei Kindern ist das Sitzen im heißen Auto. Auch bei starker Anstrengung in der Sonne droht ein Hitzestau. Begünstigt wird dieser durch schwül-warmes Wetter, weil man dann weniger schwitzt und der Körper nicht abkühlt. Erkennen lässt sich ein Hitzschlag an folgenden Symptomen:

Hochroter Kopf, die Haut ist heiß und trocken, kein SchweißStumpfer Gesichtsausdruck, taumelnder GangKörpertemperatur über 40° CKopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, evtl. Krämpfe oder Bewusstlosigkeit.

Bei einem Hitzschlag ist sofort der medizinische Notdienst zu verständigen. Bis die Notärzt*in kommt, muss das Kind aus der Sonne und in den Schatten gebracht werden. Es soll ruhig liegen, die Beine erhöht. Ist es bei Bewusstsein, darf es vorsichtig etwas trinken.

Beim Sonnenstich trifft es die Hirnhäute
Im Gegensatz zum Hitzschlag ist beim Sonnenstich „nur“ der Kopf des Kindes betroffen. Er entsteht, wenn Nacken oder unbedeckter Kopf starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Die Hitze reizt die Hirnhaut, und es kommt zu folgenden Alarmzeichen:

Heißer und hochroter Kopf bei kühler oder normal temperierter Körperhaut. Auch die Körpertemperatur ist nicht erhöhtStechende Kopfschmerzen, Verwirrtheit und UnruheÜbelkeit und Erbrechen, Schwindel und OhrensausenNackensteifemanchmal Kreislaufbeschwerden und Bewusstlosigkeit.

In leichten Fällen reicht: Raus aus der Sonne, das Kind trinken lassen und ruhig hinlegen. Dabei sollte der Kopf etwas erhöht gelagert werden. Kopf und Nacken dürfen vorsichtig mit feuchten lauwarmen Tüchern gekühlt werden. Bei Kreislaufbeschwerden oder Bewusstlosigkeit muss zusätzlich sofort die Notärzt*in gerufen werden.

Quelle: www.kindergesundheit-info.de

Gefahren fürs kindliche Genital: Vom Fahrrad bis zur Klobrille

Quelle: apotheken.de | 14.07.2022 | Evgeny Atamanenko/shutterstock.com
 Fahrradstürze gehören zu den häufigsten Ursachen für unfallbedingte Genitalverletzungen bei Kindern. Meist sind Knie, Arme oder Kopf betroffen, wenn sich Kinder im Alltag verletzen. Manchmal wird aber auch das Genital in Mitleidenschaft gezogen. Doch wo droht Schamlippen und Penis Gefahr und wie lassen sich solche Unfälle vermeiden?

Fahrrad ist die Nummer 1
Die äußeren Geschlechtsorgane des Menschen sind anatomisch relativ gut geschützt. Außerdem sind sie meist mit Kleidung, bei Kleinkindern auch mit Windeln gut eingepackt. Deshalb kommt es an Schamlippen, Scheide, Penis und Damm zum Glück eher selten zu Schäden. Bei Kindern machen sie etwa 1% aller Unfälle oder unbeabsichtigen Verletzungen aus.

Welche Gegenstände im Alltag am ehesten zu kindlichen Genitalverletzungen führen, hat jetzt eine amerikanische Arbeitsgruppe untersucht. Allen voran als Verletzungsursache rangiert das Fahrrad. Beim typischen Unfallhergang rutscht das Kind vom Sattel ab und bekommt den Rahmen zwischen die Beine oder stürzt auf den Lenker. Zum Schutz der empfindlichen Geschlechtsorgane raten die Forscher*innen, Fahrradlenker und Rahmen zu polstern und unbedingt auf die zum Kind passende Fahrradgröße zu achten.

Hochbett erst für Kinder über 6 Jahren
Betten, Stühle und andere Möbel haben ebenfalls ein gewisses Gefahrenpotenzial. Zu Verletzungen an den Geschlechtsorganen kommt es vor allem bei missglückten Ausstiegen (zum Beispiel aus dem Gitter- oder Hochbett) oder durch Stürze beim Hüpfen auf der Matratze. Hier empfehlen sich Absperrgitter und eine Polsterung von harten Kanten. Außerdem sollten Kinder unter sechs Jahren noch nicht in einem Hochbett schlafen.

Auch im Badezimmer kann es zu Unfällen kommen. Vor allem Jungen unter 5 Jahren klemmen ihren Penis leicht unter dem Toilettensitz ein. Hier schaffen ein Beistelltreppchen oder eine Begleitperson Abhilfe. Griffe und rutschfeste Matten sorgen dafür, dass Kinder in Badewannen und Duschen nicht ausrutschen und mit ihren Genitalien auf Armaturen oder Spielzeug stürzen.

Rasierer gefährlich für Jugendliche
Bedrohlich sind auch Seifen und Badezusätze. Sie können nicht nur die äußeren Geschlechtsorgane, sondern auch die Harnröhre reizen und damit verletzen. Mögliche Folgen sind Entzündungen, Harnstau und Schmerzen beim Wasserlassen. Empfehlenswert ist deshalb, spezielle Produkte für Kinder zu verwenden oder Shampoo und Seife vor der Benutzung vorsichtig zu testen.

Ältere Mädchen verletzen sich ihr Genital auch beim Rasieren der Schamhaare. Das lässt sich vermeiden, indem nur scharfe und saubere Rasierer verwendet werden. Außerdem will das Rasieren in diesem empfindlichen Gebiet gelernt sein. Tipps und Anleitung für eine sichere Intimrasur gibt es Internet. Da auch immer mehr Jungs ihr Schamhaar rasieren, sollte man das Thema auch bei ihnen ansprechen.

Quelle: Urology

Fieberkrämpfe

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Aleksandra Suzi/Shutterstock.com
 Die Höhe des Fiebers ist nicht so entscheidend – ob es zu einem Fieberkrampf kommt, hängt vor allem von der Geschwindigkeit des Fieberanstiegs ab.3

Fieberkrampf: Krampfanfall während einer Fieberphase, der vor allem Kinder ab dem 6. Monat bis zum 6. Lebensjahr betrifft.

Etwa 4 % aller Kinder erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf, der oft einige Minuten dauert. Danach erholt sich das Kind rasch und ohne Folgen.

Ob es zu einem Fieberkrampf kommt, hängt weniger von der Höhe des Fiebers als von der Geschwindigkeit des Fieberanstiegs ab. Dies erklärt, warum Kinder einen Fieberkrampf haben, noch bevor die Eltern merken, dass ihr Kind krank ist. Besonders häufig sind diese Krämpfe beim |Dreitagefieber.

Symptome und Leitbeschwerden

Anfall ereignet sich oft während des ersten Fieberanstiegs bei einem Infekt Meist in Form eines sogenannten |Grand-mal-Anfalls mit Steifwerden, Muskelkrämpfen am ganzen Körper und Bewusstseinsverlust. Prinzipiell sind jedoch alle Anfallsformen möglich Nach wenigen Minuten hört der Krampf von selbst auf. Das Kind ist danach zunächst schläfrig oder "jammerig", nach 15–30 Minuten reagiert es aber normalerweise wieder wie gewohnt oder ist eingeschlafen.

Wann zum Kinderarzt

Sofort, wenn

Ihr Kind erstmalig einen Fieberkrampf hat. es etwas "anders ist" als bei vorangegangenen Fieberkrämpfen, insbesondere dann, wenn es starke Kopfschmerzen hat, den Kopf nicht nach vorne beugen kann oder lichtscheu ist; dies sind Hinweise auf eine |Hirnhautentzündung. Ihr Kind auffallend inaktiv und bewegungslos ist. es nicht ansprechbar ist, blass wird, die Augen verdreht, den Körper versteift und krampfartig zuckt. die Muskulatur völlig erschlafft, die Atmung langsamer wird und der Körper blau anläuft. Ihr Kind Lähmungserscheinungen zeigt und z. B. unfähig ist, eine Körper- oder Gesichtshälfte richtig zu bewegen. der Fieberkrampf länger als 15 Minuten dauert oder sich innerhalb derselben fieberhaften Erkrankung wiederholt.

Hinweis: In aller Regel ist in diesen Fällen das nächstgelegene Kinderkrankenhaus die richtige Adresse. Am sichersten ist der Transport durch den Notarzt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Es wird angenommen, dass bei Fieber die "Isolierung" der Nervenzellen weniger gut funktioniert und es so leichter zur Erregung ganzer Hirnregionen kommt, die sich dann plötzlich als Krampfanfall entlädt. Der typische Fieberkrampfanfall ist in aller Regel harmlos und hinterlässt keine Schäden.

Ursachen
Studien haben eine genetische Komponente aufgedeckt: Mutationen im Gen STX1B und die damit verbundene Fehlfunktion des Proteins Syntaxin-1B sollen dafür verantwortlich sein, dass es zu Fieberkrämpfen kommt. Diese Genmutationen führen bereits bei einem moderaten Anstieg der Temperatur zu einer Störung der Botenstoffe an den Synapsen, also der Verbindungsstelle zwischen zwei Nervenzellen. Die Folgen sind elektrische Fehlleistungen und schließlich ein epileptischer Fieberkrampf.

Risikofaktoren
Ein erhöhtes Risiko haben diejenigen Kinder mit Verwandten und besonders mit Geschwisterkindern, die bereits einen Fieberkrampf hatten.

Frühgeborene. Kinder, die zu früh geboren wurden oder die als Neugeborene längere Zeit krank waren, haben häufiger Fieberkrämpfe.

Infektion. Eine Virusinfektion erhöht das Risiko für Krämpfe erwiesenermaßen.

Impfung. Bei Kindern, die vor nicht allzu langer Zeit geimpft wurden, besteht eine Gefahr für Fieberkrämpfe.

Hirnhautentzündung (Meningitis). In seltenen Fällen stellt eine Meningitis ein Risiko für einen Fieberkrampf dar.

Verlauf
Zunächst steigt das Fieber auf mind. 38 °C (bei Babys) bzw. auf mind. 39 °C (bei Kindern zwischen 3 und 6 Monaten).

Teilnahmslosigkeit. Das Kind lächelt nicht mehr, reagiert kaum oder gar nicht auf Ansprache, verdreht die Augen.

Inaktivität. Das Kind lässt sich nicht aufwecken, bleibt nicht wach oder wacht nur nach längeren Aufweckversuchen auf. Häufig verliert es das Bewusstsein.

Krampf. Der ganze Körper wird steif und zuckt dann krampfartig. Manchmal fehlt diese Phase auch, stattdessen erschlafft die Muskulatur komplett und das Kind hat Blase und Darm nicht mehr unter Kontrolle.

Erinnerungslücken. Anschließend wirkt das Kind apathisch, hat keine Erinnerung an die letzten Minuten und schläft oft mehrere Stunden tief und fest.

Auch wenn es manchmal so aussieht: Ihr Kind leidet während eines Fieberkrampfes nicht an Schmerzen, vor allem deshalb nicht, weil es während des Anfalls meist bewusstlos ist. In den nächsten Tagen wird es jedoch über Muskelkater klagen.

Komplikationen
Der unkomplizierte Fieberkrampf betrifft Kinder ab dem 6. Monat bis zum 6. Lebensjahr, tritt während einer fieberhaften Erkrankung nur einmal auf, dauert 2–10 Minuten und verläuft als |Grand-mal-Anfall des ganzen Körpers. Das Kind hat danach weder geistige noch körperliche Schäden. Das Risiko für einen weiteren Anfall liegt bei 30 %.

Komplizierter (auch komplexer) Fieberkrampf. Etwa ein Viertel der Fieberkrämpfe verläuft außergewöhnlich; sie werden als komplizierte Fieberkrämpfe bezeichnet und haben folgende Merkmale:

Betreffen Kinder unter 6 Monaten oder nach dem 5. Geburtstag Dauern länger als 15 Minuten Wiederholen sich innerhalb von 24 Stunden ein- oder mehrmals Verlaufen einseitig oder betreffen nur einen bestimmten Körperteil.

Normalerweise entwickeln sich nach einem komplizierten Fieberanfall keine geistigen oder körperlichen Schäden. Bei etwa 4 % der betroffenen Kinder stellt der Anfall ein erstes Anzeichen einer Epilepsie dar.

Epilepsie. Komplizierten Fieberkrämpfen liegt häufiger (aber keineswegs immer) eine organische Ursache zugrunde, das Risiko einer späteren |Epilepsie ist leicht erhöht. Fast alle betroffenen Kinder entwickeln sich ganz normal. Das statistische Risiko, später eine Epilepsie zu bekommen, steigt nach einem Fieberkrampf jedoch leicht an, und zwar von 0,5 % für gesunde Kinder ohne Krämpfe auf 1 %. Es gibt jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Fieberkrampf die Ursache hierfür ist. Höher (und doch nur bei etwa 2 %) ist das Epilepsierisiko bei Kindern mit zusätzlichen Risikofaktoren, etwa Vorschäden des Gehirns, nahen Verwandten mit Epilepsie oder EEG-Veränderungen.

Diagnosesicherung

Das wichtigste Ziel des Arztes ist es, auszuschließen, dass dem Krampfanfall etwas anderes zugrunde liegt als Fieber. Vor allem Gehirnentzündung und Hirnhautentzündungen zeigen sich ebenfalls durch Fieber und Krampfanfälle. Das Risiko dafür liegt aber unter 1 %.

Untersuchung. Natürlich untersucht der Arzt das Kind auch gründlich – nicht zuletzt, um die Ursache des Fiebers zu finden. Zusätzlich muss manchmal auch der Urin untersucht oder die Lunge geröntgt werden. Ebenso gibt ein Blutbild Aufschluss über die Ursache.

Lumbalpunktion. In Zweifelsfällen, v. a. wenn das Kind unter 18 Monate alt ist, wenn es sich um einen komplizierten Fieberkrampf handelt oder wenn das Kind bereits mit Antibiotika vorbehandelt ist, wird der Arzt eine Lumbalpunktion (|Entnahme von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) empfehlen, um eine Hirnhautentzündung sicher auszuschließen.

CT oder MRT. Diese bildgebenden Verfahren sind nur in Ausnahmefällen nötig, beispielsweise wenn das Kind nach dem Anfall längere Zeit nicht zu sich kommt. Durch diese Verfahren werden Strukturen des Gehirns sichtbar, die auch auf Abszesse, Fehlbildungen oder Tumoren als Ursache hinweisen.

EEG. Nach ungefähr 2 Wochen wird meist auch ein |EEG abgeleitet, das nach Fieberkrämpfen typischerweise normal ist. Die dabei gemessenen Hirnströme geben möglichweise Hinweise auf die Ursache. Nur bei besonders auffälligen (etwa einseitigen) Anfällen wird das EEG schon im Krankenhaus gemacht.

Behandlung

Beim ersten Fieberkrampf: Eine medikamentöse Unterdrückung des Anfalls ist meist nicht erforderlich, in aller Regel ist er bei Eintreffen des Arztes schon vorbei.

Bei erneuten Fieberkrämpfen. Empfehlenswert ist es, ein krampfhemmendes Medikament mit dem Wirkstoff Diazepam (rezeptpflichtig) im Haus zu haben. Diazepam wird rektal verabreicht, als Mikroklistier (eine kleine Tube) oder als Zäpfchen. Damit lässt sich ein erneuter Fieberkrampf selbst behandeln. Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Minuten ein.

Zur Prophylaxe weiterer Krampfanfälle verschreibt der Arzt manchmal als Dauertherapie Valproat oder Phenobarbital. Das wird er jedoch nur in Betracht ziehen, wenn die Gefahr von Hirnschädigungen durch sich häufende Anfälle besteht und keine weniger invasive Behandlungsmethode anschlägt.

Die Behandlung eines Kindes nach einem Fieberkrampf mit antiepileptischen Medikamenten verhindert eine Epilepsie nicht.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Erste Hilfe. Die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Fieberkrampf bestehen aus der Entfernung des Kindes von Treppen oder ähnlich gefährlichen Orten, dem Rufen des Notarztes beim ersten Fieberkrampf und der |stabilen Seitenlage nach dem Anfall. Achten Sie dabei auch darauf, dass sich Ihr Kind während des Krampfes nicht verletzt und polstern Sie harte Gegenstände in der Nähe mit Kissen oder Decken.

Beruhigung. Bleiben Sie bei Ihrem Kind und beruhigen Sie es. Sie dürfen Ihr Kind auf keinen Fall während des Anfalls schütteln, um es wieder zu Bewusstsein zu bringen. Das ist sinnlos und birgt die Gefahr innerer Verletzungen.

Kein Essen und Trinken. Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind kurz nach dem Anfall schon etwas zu essen oder zu trinken zu geben, da hier Erstickungsgefahr besteht.

Temperaturmessung. Messen Sie nach einem Fieberkrampf die Körpertemperatur; wenn sie immer noch über 38,5 °C liegt, versuchen Sie, das Fieber mit Paracetamol-Zäpfchen zu senken oder machen Sie beidseits Wadenwickel.

Prävention
Nach dem ersten Fieberkrampf liegt das Risiko eines weiteren bei gut 30 % (wenn er auftritt, dann meist innerhalb eines Jahres).

Leider lassen sich weitere Fieberkrämpfe nur bedingt vorbeugen. Das Fieber bei auftretenden Infekten zu senken (entweder durch Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente), macht zwar Sinn; dass dies Fieberkrämpfe verhindert, ist aber nicht erwiesen. Die vorbeugende Gabe von einen Krampf unterdrückenden Medikamenten während eines Infekts für ein paar Tage ist nur sinnvoll, wenn ein Kind bereits mehrmals Fieberkrämpfe hatte.

Fehlbildungen durch Diabetesmittel?: Nur Jungs betroffen

Quelle: apotheken.de | 12.05.2022 | Addictive Stock/imago-images.de
 Auch Väter können Geburtsdefekte auf ihren Nachwuchs übertragungen. Die Einnahme von Tabletten gegen Diabetes könnte einer aktuellen Studie zufolge die Fehlbildungsrate bei Jungen erhöhen. Allerdings nur, wenn der Vater die Diabetesmedikamente in den letzten drei Monaten vor der Zeugung einnimmt.

Veränderungen am Genitale
Manche Arzneimittel führen zu Geburtsfehlern beim Nachwuchs. Dabei ist es nicht nur gefährlich, wenn die Mutter diese Medikamente einnimmt. Auch Arzneimittel, die der werdende Vater vor der Zeugung schluckt, können dem Ungeborenen schaden.

Dänische Forscher*innen haben nun herausgefunden, dass womöglich Diabetesmedikamente riskant sind. Sie untersuchten die Daten von 1,1 Million Neugeborenen und Eltern. Das Ergebnis: Hatte der Vater in den drei Monaten vor der Zeugung den Wirkstoff Metformin eingenommen, erhöhte sich das Risiko für Geburtsfehler um das Dreifache. Die Vergleichsgruppe waren Kinder, deren Väter dieses Medikament nicht eingenommen hatten. Betroffen waren dabei nur die Jungen, wobei sich die meisten Fehlbildungen in ihrem Genitalbereich befanden. Geschwister, die der Vater zu einer Metformin-freien Zeit gezeugt hatte, waren ohne Geburtsdefekte.

Insulin war ohne Einfluss
In dieser Untersuchung steigerte auch das Diabetesmittel Sulfonylharnstoff das Fehlbildungsrisiko. Eine antidiabetische Behandlung mit Insulin hatte dagegen keinen Einfluss auf die Rate an Geburtsfehlern.

Metformin hat womöglich einen Einfluss auf die Entwicklung der Spermien. Im Tierexperiment führte der Wirkstoff zu gestörten Stammzellen im Rattenhoden. Noch ist unklar, ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, meint Prof. Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum der Leibniz Universität Düsseldorf.

Noch kein Grund zu Therapieänderung
Anhand dieser einen Studie die Therapieempfehlung zu ändern, hält der Experte für verfrüht. Sollten sich die Ergebnisse allerdings durch andere Untersuchungen bestätigen, wäre bei Vätern mit Diabetes und Kinderwunsch die Insulinbehandlung eine Alternative.

Quelle: Ärzteblatt

Omikron macht Pseukokrupp: Coronavariante doch nicht harmlos

Quelle: apotheken.de | 14.04.2022 | Alexander Ishchenko/shutterstock.com
 Bei starken Kruppanfällen helfen Inhaltionen mit Kortison und Adrenalin.Eigentlich wird die Omikronvariante des Coronavirus als eher harmlos eingeschätzt. Doch auf Kinder trifft dies offenbar nicht zu: Bei ihnen geht eine Omikron-Infektion häufig mit besonders schwer verlaufenden Pseudokrupp-Anfällen einher.

Virengefahr für kindliche Atemwege
Pseudokrupp ist eine bekannte Komplikation bei Atemwegsinfektionen kleiner Kinder. Aufgrund ihrer noch sehr engen Atemwege kommt es zu bellendem Husten und Atemnot, oft hört man beim Einatmen ein Zischen, den sogenannten Stridor. In den meisten Fällen reicht es, die Kinder zu beruhigen und in aufrechter Haltung feucht-kühle Luft einatmen zu lassen (z. B. am Fenster oder vor dem geöffneten Kühlschrank). Bei schwerer Atemnot sollten Eltern die Notärzt*in rufen oder das Kind in die Klinik bringen. Dort bekommt es Kortison und Adrenalin, je nach Schwere der Atemnot als Inhalation oder als Spritze.

Ausgelöst wird der Pseudokrupp vor allem durch Viren, wie z. B. bei der Grippe oder auch bei Masern. Auch bei Coronainfektionen sind schon Pseudokrupp-Anfälle aufgetreten. Nun haben amerikanische Kinderärzt*innen herausgefunden, dass die Omikron-Variante bei Kindern offenbar besonders häufig und besonders schwere Pseudokrupp-Anfälle auslöst.

Pseudokrupp-Häufung während Omikron-Welle
75 Kleinkinder unter 2 Jahren waren seit der Pandemie aufgrund von Pseudokrupp-Anfällen in das Bostoner Kinderspital eingewiesen worden. Die allermeisten, nämlich 61 von ihnen, kamen während der Omikron-Welle in die Notaufnahme. Bei allen wurde das Coronavirus nachgewiesen, allerdings ohne variantenspezifische Testung. Trotzdem gehen die Ärzt*innen davon aus, dass die Kinder aufgrund der epidemiologischen Lage mit der Omikronvariante infiziert waren.

Behandelt wurden die Kinder mit Kortison und Epinephrin. Sieben Kinder mussten stationär aufgenommen und überwacht werden, vier kamen auf die Intensivstation, eines wurde beatmet. Überlebt haben zum Glück alle.

Obere Atemwege infiziert
Aufgrund dieser Beobachtungen warnen Kinderarzt*innen davor, Omikron-Infektionen bei Kindern auf die leichte Schulter zu nehmen. Für deren erhöhte Gefahr gibt es auch unterstützende Ergebnisse aus Tierexperimenten: Forscher*innen haben nachgewiesen, dass Omikronviren häufiger die oberen Atemwege infizieren und damit genau den Bereich, der bei Kleinkindern für Pseudokrupp besonders anfällig ist.

Quelle: Ärzteblatt