Kinderkrankheiten

Pseudokrupp

Quelle: apotheken.de | 13.08.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Dem Pseudokrupp geht in den meisten Fälle eine Virusinfektion voraus, etwa eine Erkältung oder eine Grippe.4

Pseudokrupp (Krupphusten, subglottische stenosierende Laryngitis): Eine für das Kleinkindalter typische Form der Kehlkopfentzündung, häufig ausgelöst durch RS-, Adeno- oder Parainfluenzaviren.

Unterhalb der Stimmbänder ist die Schleimhaut entzündet und so stark angeschwollen, dass der Luftweg eingeengt wird. Pseudokrupp tritt am häufigsten im Alter zwischen einem halben Jahr und 6 Jahren auf. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen und übergewichtige Kinder öfter als normalgewichtige.

Da früher die Diphtherie auch als "Krupp" bezeichnet wurde, wird diese im Erscheinungsbild ähnliche Form zur Abgrenzung Pseudokrupp genannt.

Symptome und Leitbeschwerden

Trockener, bellender Husten (wie ein Seehund) – meist plötzlich, abends oder nachts beginnend – und Heiserkeit Vorbestehende Erkältungskrankheit Leichtes Fieber Atemnot Hörbare, oft pfeifende Geräusche beim Einatmen (Stridor), keine Schwierigkeiten beim Ausatmen (im Unterschied zum Asthma) Möglicherweise leichte Schluckbeschwerden.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Morgen, wenn

das Kind in der Nacht erstmalig einen Pseudokrupp-Anfall gehabt hat.

Sofort in die Klinik oder den Notarzt rufen, wenn

die anfangs leichte bis mäßige Atemnot sich durch Selbsthilfemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") nicht bessert. sich das Kind beim Atmen sehr anstrengen muss. sich Lippen und die Gesichtshaut blass oder bläulich verfärben; hier besteht Erstickungsgefahr! das Kind unruhig oder erschöpft und apathisch wird. die Haut über den Schlüsselbeinen und zwischen den Rippen beim Atmen einsinkt. das Kind hohes Fieber oder eine kloßige Sprache hat, oder wenn es nicht mehr schlucken kann und ihm Speichel aus dem Mund läuft; hier könnte eine |Kehldeckelentzündung vorliegen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Als Hauptursache des Pseudokrupps sind normalerweise folgende Viren verantwortlich: Grippeviren (besonders Parainfluenza-Viren), Influenzaviren des Typs A, Respiratory-Syncytial-Viren (RS-Viren), Adenoviren, ECHO-Viren, Röteln- und Masern-Viren.

In selteneren Fällen lösen auch Bakterien wie Staphylokokken und Haemophilus influenzae Typ b oder allergische Reaktionen einen Pseudokrupp-Anfall aus.

Die virusbedingte Entzündung lässt die Schleimhaut unter den Stimmbändern anschwellen und engt die bei Kindern ohnehin noch engen Luftwege ein – das Kind bekommt Luftnot.

Die meisten Kinder haben in ihrem Leben nur 1–2 Pseudokrupp-Erkrankungen. Bei manchen Kindern jedoch tritt der Pseudokrupp häufiger oder auch noch jenseits des 6. Lebensjahres auf. Nicht selten handelt es sich dabei um Kinder, die gleichzeitig auch an Asthma bronchiale leiden.

Risikofaktoren
Pseudokrupp-Anfälle kommen v. a im Herbst und Winter vor. Der Erkrankungsgipfel liegt in feuchtkalten Monaten.

(Passiv-)Rauchen: Kinder aus "Raucherhaushalten" sind häufiger von Pseudokrupp betroffen.

Luftschadstoffe: Wissenschaftler haben bewiesen, dass Luftverschmutzung durch industrielle oder Autoabgase die Pseudokrupp-Anfälle begünstigt.

Katzenhaare und Hausstaub: Eine Allergie gegen Hausstaubmilben oder Katzenhaare ist nur in seltenen Fällen für einen Anfall verantwortlich.

Belastung der Stimme: Gerade bei Menschen, die viel reden müssen - wie bei Sängern oder auch Lehrern - passiert es bisweilen, dass die Stimmbänder (zu) stark gereizt werden. Als seltene Folge ist dann ein Pseudokrupp-Anfall möglich.

Abgrenzung
Abzugrenzen ist der Pseudokrupp gegenüber der etwa im gleichen Alter auftretenden, allerdings sehr viel schwerer verlaufenden Kehldeckelentzündung (Epiglottitis).

Wegen der |Impfung gegen Haemophilus influenzae b ist diese bakterielle Entzündung des Kehldeckels heute sehr selten. Im Gegensatz zum Pseudokrupp besteht hohes Fieber; die Kinder sind schwer krank und haben oft starke Schluckbeschwerden sowie eine "kloßige" Sprache. Die betroffenen Kinder müssen rasch vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden, da der Kehlkopf lebensgefährlich zuschwellen kann.

Ebenso muss der Pseudokrupp-Anfall von dem lebensgefährlichen "echten" Krupphusten unterschieden werden. Hierbei handelt es sich um Diphtherie. Diese ist allerdings hierzulande extrem selten, seitdem Kinder gegen Diphtherie geimpft werden.

Verlauf
Der Pseudokrupp geht häufig von einer normalen Erkältung aus und entwickelt sich dann zu einer Entzündung der Luftröhre.

Diese Entzündung führt zu dem charakteristischen bellenden Husten, der meistens am Abend auftritt, nachdem das Kind bereits ein paar Stunden geschlafen hat. Die meisten Anfälle lassen sich von den Eltern selbst behandeln (siehe "Was Sie als Eltern tun können") und erfordern keinen Arzt. Die Beschwerden erreichen ihren Gipfel nach 1–2 Tagen, in 60 % der Fälle verschwindet der bellende Husten innerhalb von 48 Stunden, im Laufe einer Woche klingen dann alle Beschwerden ab.

Diagnosesicherung

Inspektion und Abhören. Der Kinderarzt stellt die sichere Diagnose aus der Beobachtung der Atmung und der charakteristischen Symptome wie Atemnot und dem bellenden Husten. Zusätzlich wird er die Lunge abhören und den Rachenraum untersuchen.

Blutuntersuchungen und Abstrich. Sie sind nur bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion oder andere Erkrankungen nötig.

Röntgen. Die Frage, ob geröntgt werden soll oder nicht, ist nicht eindeutig geklärt. Sinnvoll ist es, um eine Fremdkörperaspiration auszuschließen, also das Eindringen von Fremdkörpern, die eingeatmet oder verschluckt wurden.

Behandlung

Pharmakotherapie
Das Medikament 1. Wahl bei einem Pseudokrupp-Anfall ist ein Kortisonpräparat, entweder als Zäpfchen, Tablette, zur Injektion oder zur Inhalation; meist genügt eine Einmalgabe.

Nebenwirkungen des Kortisons sind nicht zu befürchten, da das Medikament nur sehr kurzfristig angewendet wird. Das Kortisonpräparat wirkt erst nach einer Stunde, trägt jedoch dazu bei, einen Rückfall in derselben Nacht oder an den darauffolgenden Tagen zu verhindern.

Adrenalin. Manchmal ist die Inhalation von Adrenalin oder Epinephrin notwendig, damit die geschwollene Kehlkopfschleimhaut abschwillt und die Luftwege in wenigen Minuten erweitert werden. Adrenalin wirkt rasch und effektiv, allerdings nur kurzfristig. Nebenwirkungen sind ein schneller Herzschlag und manchmal auch Zittrigkeit, die jedoch von Kindern in aller Regel leicht "weggesteckt" werden.

Sauerstoff. Besteht Erstickungsgefahr, ist eine Sauerstoffgabe notwendig. In seltenen Fällen muss zur künstlichen Beatmung ein Schlauch in die Atemwege gelegt werden.

Weitere Maßnahmen
Sehr selten muss ein Kind mit Pseudokrupp ins Krankenhaus eingewiesen werden, sei es zur Beobachtung oder, in ganz schwierigen Fällen, zur künstlichen Beatmung.

Meist verläuft ein Pseudokrupp-Anfall gutartig; nicht selten aber wiederholt er sich in der folgenden Nacht. Deshalb ist es sinnvoll, sich nach einem ersten Anfall Kortisonzäpfchen vom Arzt verschreiben zu lassen, um bei einer Wiederholung sofort einzugreifen.

Prognose
Normalerweise heilt die Erkrankung innerhalb einer knappen Woche aus.

Aber: Bekommt das Kind erneut eine Atemwegsinfektion, besteht die Gefahr eines Rückfalls. Mit zunehmendem Alter werden die Rückfälle seltener, bis sie ab einem Alter von etwa 5 Jahren nur noch selten auftreten. Derzeit gibt es keinen sicheren Beweis dafür, dass Kinder mit Pseudokrupp im späteren Alter eher an Asthma erkranken.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Ruhe bewahren. Wichtig ist, dass Sie als Eltern Ruhe bewahren!

Beruhigung. Die Kinder wachen oft nachts mit Husten und Atemnot auf. Am besten beruhigen Sie das Kind. Körperliche Anstrengung und Angst verschlimmern die Atemnot und den Anfall.

Hochheben. Bei leichten Anfällen reicht es oft schon aus, das Kind aus dem Bett zu nehmen, um den hydrostatischen Druck in der Schleimhaut zu reduzieren.

Aufrecht hinsetzen. Macht das Kind pfeifende Geräusche beim Einatmen, sollte es aufrecht im Bett oder auf dem Schoß der Eltern sitzen.

Kühle, frische und feuchte Luft. Gehen Sie mit dem hustenden Kind an ein offenes Fenster oder an die frische Luft. Die kalte Luft lässt die Schleimhäute abschwellen. Wenn das nicht möglich ist, reicht es oft auch, die kühle, feuchte Luft vor einem offenen Kühlschrank einzuatmen.

Schlafumgebung. Zum Schlafen sollte das Kinderzimmer nachts kühl sein (nicht über 16 °C). Ein erhöhtes Kopfteil erleichtert das Atmen; auch eine halbsitzende Schlafposition hilft.

Hinweis: Säuglinge dürfen niemals auf dicken Kopfkissen liegen – es besteht sonst Erstickungsgefahr!

Feuchtwarme Luft. Am besten lässt man heißes Wasser in die Badewanne einlaufen. Der sich entwickelnde Dampf erleichtert das Atmen. Dafür reicht es schon aus, sich mit dem Kind auf den Badewannenrand zu setzen und es tief einatmen lassen. Auch ein Inhalationsgerät gefüllt mit Kochsalzlösung hilft.

Kalte Getränke. Nach dem Anfall sollte das Kind in kleinen Schlucken kühles Wasser oder Tee trinken, aber keine Milch!

Geeignete Medikamente
Hustenmittel wirken beim Pseudokrupp nicht.

Komplementärmedizin
Es sind keine naturheilkundlichen Verfahren mit nachgewiesener Wirkung bekannt.

Homöopathie. Eine Therapie mit Apis D6 (Bienengift) oder Sambucus D6 wird je nach Symptomen eingesetzt. Eine solche Therapie darf aber immer nur begleitend zur pharmakologischen Behandlung (wie Kortisonzäpfchen) angewendet werden und muss vorab mit dem Kinderarzt abgestimmt werden.

Phytotherapie. Die sonst bei Erkältung gut wirkenden Heilkräuter haben beim Pseudokrupp keinen Effekt.

Ätherische Öle. Da ätherische Öle die Schleimhaut reizen und dadurch die Schwellung verstärken, dürfen sie auf keinen Fall inhaliert werden!

Prävention
Virusinfekte der oberen Luftwege lassen sich bei Kindern nie ganz vermeiden. Passivrauchen erhöht nachgewiesenermaßen die Häufigkeit von Erkältungen und belastet die Selbstheilungskräfte der kindlichen Schleimhäute. Deshalb sollte Rauchen in der ganzen Wohnung tabu sein.

Bei anfälligen Kindern, die häufiger einen Pseudokrupp-Anfall haben, sollte die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und v. a. im Kinderzimmer nicht zu niedrig sein. Gibt es schon Anzeichen für einen Anfall, helfen oft feuchte oder nasse Tücher an den Fenstern.

Keuchhusten

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Die heftigen trockenen Hustenanfälle treten vor allem Nachts auf.3

Keuchhusten (Pertussis): Akute bakterielle Infektion mit Hustenanfällen, die ihren Namen dem typischen Keuchen verdankt, das am Ende eines Hustenanfalls auftritt.

Keuchhusten ist sehr ansteckend und gehört im Säuglingsalter zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Er kommt vor allem bei Kindern im Kindergarten- und frühen Schulalter vor, zunehmend aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Symptome und Leitbeschwerden

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene:
Bei ihnen fehlen meist "typische" Symptome; möglich sind folgende Beschwerden:

Zunächst über 1–2 Wochen "laufende" Nase, uncharakteristischer Husten und leichtes Fieber (katarrhalisches Stadium) Danach schwere Hustenanfälle, die oft auch nachts auftreten und mit Atemnot verbunden sind. Anschließend klingt der Husten über Wochen langsam ab (Rekonvaleszenzstadium)

Babys:
Auch bei Säuglingen sind häufig keine eindeutigen Symptome festzustellen. Fieber ist meist nicht vorhanden. Folgende Beschwerden sind möglich:

Uncharakteristischer Husten Möglicherweise Atemstörungen oder Atempausen (Apnoen).

Inkubationszeit. Meist 7–10 Tage und maximal 3 Wochen.

Zeitraum der Ansteckung. Beginnt kurz vor dem Auftreten der ersten Beschwerden und endet 4 Tage nach Beginn der Therapie. Bei Nichtbehandlung besteht die Ansteckungsgefahr 4–5 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

die Erkältungssymptome Ihres Kindes nach 1 Woche immer noch nicht abgeklungen sind. der Husten nach einer Woche schlimmer wird.

Heute noch, wenn

Beschwerden auftreten, die zu Keuchhusten passen.

Sofort, wenn

Sie bei Ihrem Baby Keuchhusten vermuten. Ihr Kind schwere Atemnot hat und/oder blau anläuft.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Bei den meisten Erkältungskrankheiten wird der Husten durch das in den Atemwegen produzierte Sekret verursacht. Beim Keuchhusten dagegen setzen sich die Bakterien in den oberen Atemwegen, in der Luftröhre und in den Bronchien fest, vermehren sich und bilden Gifte. Diese Toxine schädigen die Schleimhäute und Flimmerhärchen sowie das umliegende Gewebe, und lösen entzündliche Vorgänge aus. Zudem reizen sie das Hustenzentrum im Gehirn und sorgen so für die charakteristischen Hustenanfälle.

Die Keuchhustenerreger werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen, z. B. über die Atemluft, beim Husten, Niesen, Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs.

Schon Neugeborene können erkranken, da die Abwehrstoffe gegen den Erreger in der Schwangerschaft nicht von der Mutter auf das Kind übergehen. Ohne diese erworbene Immunität (dem sog. |Nestschutz) und ohne Impfung liegt das Ansteckungsrisiko bei 70–80 %. Die Immunität nach einer Keuchhustenerkrankung hält etwa 10 Jahre an. Danach besteht die Gefahr, sich neu zu infizieren. Diese Neuinfektion verläuft aber meist milde oder unbemerkt.

Besonders ansteckend ist der Keuchhusten im Anfangsstadium, in dem die Erkrankung oft wie eine normale Erkältung erscheint. Mehrere andere Infektionskrankheiten haben einen ähnlichen Verlauf wie Keuchhusten, z. B. die durch Parapertussis-Bakterien, Adeno-Viren oder RS-Viren ausgelösten Luftwegeinfekte.

Risikofaktoren
Ein unzureichender oder fehlender Impfschutz stellt ein hohes Ansteckungsrisiko dar, vor allem, wenn in der Familie Erwachsene und weitere Kinder ohne entsprechenden Impfschutz leben.

Verlauf
Der Krankheitsverlauf lässt sich in 3 Stadien einteilen:

Stadium catarrhale (Erkältungsphase, Dauer 1–2 Wochen): In dieser Anfangsphase zeigt das Kind leichte Erkältungssymptome wie Husten und Heiserkeit, Schnupfen, manchmal eine leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Entzündung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis). Das Kind ist hochansteckend.

Stadium convulsivum (Anfallsphase, Dauer 4–6 Wochen: In der 2. Phase ist das Fieber meist abgeklungen. Das Kind hat (vor allem nachts) stakkatoartige heftige trockene Hustenanfälle, die häufig mit dem typischen keuchenden Einziehen der Luft enden. Dabei streckt es die Zunge vor, das Gesicht läuft rot bis blau an, und es droht dabei fast zu ersticken. Diese Attacken treten innerhalb von 24 Stunden bis zu 50-mal auf. Am Ende einer Hustenattacke würgt das Kind glasigen Schleim heraus; manchmal muss es sich auch erbrechen. Es folgt eine längere Pause ohne Husten. Meist hat das Kind keinen bis wenig Appetit und schläft schlecht oder gar nicht. Mögliche Begleiterscheinungen der Hustenattacken sind Muskelkater, Bauch- und Kopfschmerzen, Nasenbluten, Zungenbandgeschwüre, aber auch geplatzte Äderchen in der Bindehaut des Auges (Petechien) oder (im Extremfall) Leisten- sowie Rippenbrüche.

Stadium decrementi (Erholungsphase, Dauer 1–2 Wochen): Im 3. Krankheitsstadium werden die Hustenattacken schwächer und seltener und klingen schließlich ab. Bis zur Ausheilung vergehen bis zu 3 Monate.

Auch danach besteht die Gefahr, dass ein ähnlicher Reizhusten, bedingt durch kalte Luft, körperliche Anstrengung oder Zigarettenrauch, wieder auftritt; dies ist jedoch kein Rückfall der Keuchhustenerkrankung, sondern Folge der geschädigten Bronchialschleimhäute.

Komplikationen
Häufigste Komplikationen des Keuchhustens sind eine Mittelohrentzüung (Otitis media) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie), vor allem im 1. Lebensjahr. Als Spätfolgen des Keuchhustens sind allergische Erkrankungen oder Asthma bekannt.

Von schweren und komplizierten Verlaufsformen sind vor allem Neugeborene und Säuglinge betroffen. Sie haben oft keine typischen Hustenattacken, sondern piepsen nur. Da sie sich zum Abhusten nicht von selbst aufsetzen können, drohen Erstickungsanfälle und lebensbedrohliche Atemaussetzer (Apnoe-Anfälle). Als seltene Folge des Sauerstoffmangels durch die Apnoe-Anfälle oder durch die Gifte des Keuchhustenbakteriums droht eine dauerhafte Schädigung des Gehirns mit Lähmungen, Seh-, Hör- oder geistigen Behinderungen.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Hustenanfälle, ausgelöst durch den Druck mit dem Spatel auf die Zunge, weisen eindeutig auf eine Keuchhustenerkrankung hin. Der Arzt wird zusätzlich nach einem fehlenden oder nicht ausreichenden Impfschutz sowie nach dem Kontakt zu Erkrankten fragen.

Wenn bei älteren Kindern und Jugendlichen die klassischen Symptome wie Atemaussetzer oder keuchende Atmung fehlen, sind weitere Untersuchungen nötig.

Aber auch wenn Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern vorhanden sind, sollte eine Labordiagnostik zur Sicherung herangezogen werden, um andere infektiöse Erkrankungen auszuschließen.

Kulturnachweis. Die Bakterienkultur aus dem Abstrich aus dem hinteren Nasen-Rachen-Raum, möglichst im Anfangsstadium oder zu Beginn der 2. Krankheitsphase, weist das Bakterium direkt nach. Die Anzüchtung in der Bakterienkultur gelingt aber nur in der Hälfte der Fälle, da die Keuchhustenbakterien sehr empfindlich auf kühle und trockene Umgebung reagieren, zudem dauert sie 3–5 Tage und hat deshalb für die Entscheidung über die Ersttherapie keine Bedeutung.

Erregernachweis. Eine moderne und auch zuverlässige Diagnose gewährt der Nachweis von Erbgut aus den Keuchhustenbakterien über die |Polymerase-Kettenreaktion (PCR, Polymerase Chain Reaction) aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes. Die Erbsubstanz von Krankheitserregern lässt sich innerhalb von 1 Tag sicher nachweisen.

Blutbild. Ergänzend entnimmt der Arzt Blut. Typische Veränderungen zeigt v. a. das Differenzialblutbild mit einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen.

Behandlung

Die Therapie der Wahl besteht aus Antibiotika wie Erythromycin (40–50 mg/kg KG), Azithromycin (10–12 mg/kg KG) oder Clarithromycin (15–20 mg/kg KG), die über 14 Tage eingenommen werden. Allerdings kann dadurch die Dauer des Hustens nur im Anfangsstadium abgekürzt werden. Beginnt die antibiotische Behandlung erst im späteren Stadium (Stadium convulsivum), helfen Antibiotika kaum noch, da sie die hustenauslösenden Giftstoffe nicht abbauen. Immerhin wird aber die Ansteckungsfähigkeit bekämpft, sodass eine antibiotische Behandlung für Menschen in der Umgebung vorbeugend wirkt. Kinder dürfen 4 Tage nach Beginn der antibiotischen Behandlung wieder in den Kindergarten oder in die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gehen.

Kinder mit schwerer Symptomatik werden in das Krankenhaus eingewiesen, um sie wegen der drohenden Atempausen über einen Monitor zu überwachen. V. a. Säuglinge sollen in einem Krankenhaus überwacht werden, um auf Komplikationen schnell zu reagieren, immerhin sterben bis zu 2 % der betroffenen Säuglinge durch Ersticken.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf werden ergänzend auch Kortikosteroide oder das sympathische Nervensystem stimulierende Medikamente (Sympathomimetika) wie Salbutamol gegeben, um die Symptome zu erleichtern. Der Nutzen dieser ergänzenden Medikamente ist aber noch nicht gesichert.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Isolierung. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von Geschwistern, aber auch von älteren Menschen getrennt werden.

Zuwendung. Während der Hustenattacken sollte das Kind beruhigt werden. Auch frische Luft ist hilfreich. Spaziergänge und ruhiges Spielen lenken ab.

Ruhe. Das kranke Kind darf sich körperlich nicht anstrengen, da dadurch oft ein erneuter Hustenanfall ausgelöst wird.

Aufrecht hinsetzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während der Hustenanfälle aufrecht und mit leicht vorgebeugtem Kind sitzt! Dadurch funktioniert das Abhusten leichter.

Inhalation. Bei älteren Kindern lindern regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz die Beschwerden. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Luftfeuchtigkeit. Günstig wirkt sich eine Luftfeuchtigkeit von 40 % aus, die man durch bereitstehende Wasserbehälter, Luftbefeuchter oder das Verkochen von Wasser erreicht.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder reichlich trinken, um den trockenen Husten zu lindern.

Zitronen-Brust-Wickel. Ein warmer Brustwickel mit Zitronensaft wird am besten vor dem Schlafengehen aufgelegt. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Thymian. Auch Thymian soll Beschwerden lindern, sowohl als Brustwickel, Badezusatz, aber auch zusammen mit anderen Kräutern als Tee. Für den Thymiantee zum Lindern der Hustenanfälle mischen Sie je 30 g Thymiankraut, Sonnentaukraut und gequetschte Anisfrüchte. Übergießen Sie 1 Teelöffel dieser Mischung mit heißem Wasser und lassen den Tee 20 Minuten ziehen.

Geeignete Medikamente
Hustenmittel vermindern den Husten nicht. Sehr zähe Schleimbildung wird durch schleimlösende Medikamente leicht abgemildert.

Komplementärmedizin
Homöopathie. Aufgrund der Gefährlichkeit der Erkrankung wird in der Akutphase von Homöopathika abgeraten.

Prävention
Impfung, Kind. Eine gut verträgliche Impfung ist Teil der |Regel-Kinderimpfungen mit Kombinationsimpfstoffen, die gleichzeitig gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Kinderlähmung, aber auch gegen Haemophilus influenza Typ b (HiB) und Asthma immunisieren. Eine bereits durchgestandene Keuchhusteninfektion bedeutet keine lebenslange Immunität. Da der Impfschutz nur 5–10 Jahre anhält, sind Auffrischungsimpfungen notwendig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt folgende Impfempfehlungen gegen Keuchhusten, aufgeteilt nach Lebensalter:

2, 3 und 4 Monate: 1.–3. Impfung 11–14 Monate: 4. Impfung zur vollständigen Grundimmunisierung 5–6 Jahre: 1. Auffrischungsimpfung mit einem Impfstoff gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten (sog. Tdap-Kombinationsimpfstoff) 9–17 Jahre: 2. Auffrischungsimpfung

Ältere Kinder, die keine Grundimmunisierung besitzen und auch noch keinen Keuchhusten durchgemacht haben, erhalten einen Kombinationsimpfstoff gegen Keuchhusten, Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Kinderlähmung (Polio). Grund für die Kombinationsimpfung ist auch, dass es derzeit für diese älteren Kinder noch keinen zugelassenen Mono-Impfstoff gibt.

Impfung, Umfeld. Die STIKO empfiehlt, dass bereits vor der Geburt eines Kindes auch die Geschwister, Großeltern oder andere zum familiären Umfeld zählende Personen wie Tagesmutter (wieder) geimpft werden.

V. a. Frauen im gebärfähigen Alter sollten sich grundsätzlich gegen Keuchhusten impfen lassen oder die Impfung auffrischen, sofern die letzte Impfung mehr als 10 Jahre her ist.

Ein vielversprechender Ansatz in Großbritannien ist, alle Schwangeren zwischen der 28. und 38. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten zu impfen – die über die Plazenta auf das Kind übertragenen Antikörper schützen offenbar so effektiv, dass die Keuchhustenfälle um über drei Viertel zurückgehen.

Informieren Sie vor dem Arztbesuch das Praxispersonal über den Verdacht auf Keuchhusten, damit dort Maßnahmen zum Schutz anderer vor einer Ansteckung getroffenen werden.

Giftige Blätter, Blüten und Beeren: Vergiftungsgefahren für Kinder

Quelle: apotheken.de | 25.06.2019 | Sandra Göbel
 In der Natur gibt es viel zu entdecken - aber nicht alle Blätter, Blüten und Beeren sind ungefährlich.Der Sommer ist eine besonders verlockende Zeit für Kinder, die Natur zu entdecken. Doch auf Spielplätzen, in Parks oder im Garten können giftige Gefahren lauern.

Im Zweifel bei Giftnotrufzentralen erkundigen
„Vor allem Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren erkunden ihre Umwelt, indem sie vieles in den Mund stecken. Da sie in diesem Alter aber noch nicht zwischen Essen und Giftstoffen unterscheiden können, ist ihr Entdeckergeist nicht immer ungefährlich“, warnt Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer. Die gute Nachricht für besorgte Eltern: Giftige Beeren sind oft nicht besonders schmackhaft, daher essen Kinder meist nur wenige.

Bei einer leichteren Vergiftung drohen Magen-Darm-Beschwerden oder Schleimhautreizungen. Bei bestimmten Blüten oder Beeren können die Folgen jedoch weitreichender sein. „Besonders giftig ist der Eisenhut, der mit seiner helmförmigen und meist blauen Blüte die Neugier wecken kann. Das starke Gift sitzt bei ihm in allen Pflanzenteilen, schon wenige Gramm können Herzrhythmusstörungen und Lähmungserscheinungen hervorrufen und tödlich sein“, erklärt die Apothekerin Günther. Reich an Gift sind auch Tollkirschen oder Stechapfel. Bei den Giftnotrufzentralen erhalten besorgte Eltern telefonische Auskunft, ob die Pflanzen ungenießbar, giftig oder sogar lebensgefährlich sind. Hilfreich für die Mediziner sind Angaben zu Alter und Körpergewicht des Kindes, eingenommene Menge der fraglichen Substanz, möglichst mit Beschreibung oder sogar genauer Bezeichnung.

Erste Hilfe im Notfall
Hat ein Kind etwas vermeintlich Giftiges zu sich genommen, muss festgestellt werden, was und wie viel es verschluckt hat. Eventuelle Reste müssen aus dem Mund entfernt werden. Wichtig ist, das Kind nicht zum Erbrechen zu zwingen, weil schädliche Substanzen dadurch in die Lunge gelangen können. Besser ist es, dem Kind zu trinken zu geben, um das Gift zu verdünnen. „Entgegen weit verbreiteter Meinung sollten Eltern auf keinen Fall Milch zum Trinken geben, denn diese kann die Aufnahme von Giftstoffen noch beschleunigen. Besser geeignet sind Tee oder stilles Wasser in kleinen Schlucken“, rät Günther. Leidet das Kind unter Atemnot, Schockzeichen oder Bewusstlosigkeit, sofort den Notarzt rufen! Darüber hinaus empfiehlt es sich, Pflanzen- oder Giftreste sicherzustellen und ins Krankenhaus mitzunehmen.

Verzeichnis der Giftnotrufzentralen in Deutschland: www.kinderaerzte-im-netz.de/erste-hilfe/giftnotruf/

Quelle: Barmer

Masern

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung?, ?Prognose? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Eine Masern-Impfung schützt vor der Infektion - sich selbst, aber auch andere.2

Masern (Morbilli): Hoch ansteckende Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Masern-Virus (Briarcus morbillorum), die meist im Kindesalter auftritt.

Auch Erwachsene erkranken an Masern, wenn sie bislang noch keine Masern hatten und nicht geimpft sind. Masern, Mumps und Röteln sind durch die |für alle Kinder empfohlene Schutzimpfung selten geworden, dennoch wurden in Deutschland 2015 fast 2500 Fälle, und 2017 knapp 930 Masern-Fälle gemeldet. Ursache hierfür ist die in Deutschland beträchtliche Zahl nichtgeimpfter Kinder.

Symptome und Leitbeschwerden

Katarrhalisches, Prodromal- oder Vorstadium (2–3 Tage):
Hohes Fieber (2–4 Tage) Allgemeine Erkältungssymptome mit (trockenem) Husten, Schnupfen, Halsbeschwerden Allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Bauchschmerzen und Müdigkeit Aufgedunsenes Gesicht Geschwollene, tränende Augen, gerötete Augenbindehäute, Lichtempfindlichkeit Koplik-Flecken (weiße Flecken an der Wangeninnenseite) Himbeerzunge.

Exanthematisches oder Hauptstadium (5–6 Tage):
Nach kurzem Abfall der Temperatur steigendes Fieber (bis zu 40 °C), nach 1 Woche sinkende Temperatur Stärkere Symptome als im Vorstadium Geschwollene Lymphknoten Typischer Hautausschlag (Masern-Exanthem) zunächst hinter den Ohren, danach im Gesicht, auf dem Oberkörper und den Extremitäten, der dunkelrot bis bräunlich wird Anschließend leichte Schuppenbildung.

Inkubationszeit. 8–12 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Bis 5 Tage nach Beginn des Ausschlages.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn
Sie bei Ihrem Kind Masern vermuten.

Heute noch, wenn
oben genannte Beschwerden auftreten oder nach einer Besserung erneut auftreten.

Sofort, wenn
Ihr Kind einen steifen Nacken hat oder Krämpfe bekommt oder nicht mehr ansprechbar ist, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten. sich die Atmung verändert oder sich die Nasenflügel beim Atmen sichtbar weiten; hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung! Ihr Kind an Haut oder Schleimhäuten dunkelrote Flecken bekommt; dabei handelt es sich meist um Hautblutungen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Masern-Viren werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Fast 100 % der gesunden, nicht geimpften Personen, die Kontakt zu einem Kranken hatten, infizieren sich und sind nach einer überstandenen Erkrankung lebenslang immun.

Verlauf
Nach der Inkubationszeit zeigt sich die Masern-Erkrankung zunächst durch ein etwa 3 Tage dauerndes Vorstadium mit Fieber bis 39 °C, Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden. Auffällig ist dabei die Rötung der Augenbindehäute, die "verschwollenen" Augen sowie die weißlichen, kalkspritzerartigen Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen (Koplik-Flecken).

Nach einer kurzzeitigen Besserung steigt das Fieber auf bis zu 40 °C. Dem Kind geht es schlecht; die Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an, und es zeigt sich der typische Hautausschlag: hochrote, zunächst ganz kleine erhabene Fleckchen, die rasch größer werden und zusammenfließen. Die Flecken sind teils blutig unterlaufen. Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körperstamm sowie über Arme und Beine aus. Nach 4–7 Tagen verblasst der Ausschlag, und das Fieber sinkt.

Die Phase der Erholung dauert etwa 2 Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten.

Komplikationen
Meistens heilen die Masern problemlos aus. Dennoch sind sie komplikationsträchtig:

Ungefähr 1 % der betroffenen Kinder bekommt einen Masern-Krupp, eine |Kehlkopfentzündung, die aber meist mild verläuft. Genauso häufig ist eine |Mittelohrentzündung. Sie heilt ebenfalls meist ohne Folgeschäden. Gefährlicher ist die |Lungenentzündung, die oft im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden muss und bei 1 % der an Masern Erkrankten vorkommt. Eine früh einsetzende Lungenentzündung wird meist durch die Masern-Viren selbst hervorgerufen, eine später auftretende hingegen durch Bakterien, die sich auf die geschädigte Schleimhaut setzen. 1–2 von 1000 Masern-Kranken entwickeln eine Masern-bedingte Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit Kopfschmerzen, extremer Müdigkeit, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und Nervenausfällen. Sie heilt nur bei etwa 60 % der Patienten vollständig aus. Bei 20–30 % bleiben Dauerschäden am Gehirn zurück; bei 10–20 % verläuft die Masernenzephalitis sogar tödlich (|Details zur Gehirnentzündung). Sehr selten, aber gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die etwa 6–8 Jahre nach der Masern-Infektion auftritt und tödlich ist. Gefährdet sind vor allem Säuglinge.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Krankheitszeichen wie der Hautausschlag oder die Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut weisen eindeutig auf eine Masern-Erkrankung hin. Dennoch sind Bluttests wichtig, z. B. um Röteln, Ringelröteln oder Scharlach auszuschließen.

Antikörpernachweis. Aus einer Blutprobe werden Antikörper gegen das Masern-Virus im Blut oder Speichel nachgewiesen. Diese sind meist bereits innerhalb der ersten 3 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages messbar.

Erregernachweis. Eine schnellere und zuverlässige Diagnose gewährt der direkte Virusnachweis, die |PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion). Aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes, aber auch aus dem Urin, lässt sich die Erbsubstanz von Krankheitserregern nachweisen. Allerdings ist dieses Verfahren selten erforderlich.

Behandlung

Da es keine spezifische antivirale Therapie gibt, die gegen das Masern-Virus wirkt, beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden sowie auf die Früherkennung und Behandlung von Komplikationen.

Bei Masern-Krupp sind in aller Regel Inhalationen mit Kochsalzlösung ausreichend.

Kommt es durch die geschwächte Abwehr zusätzlich zu weiteren Infektionen mit Bakterien, z. B. zur bakteriellen Mittelohr- oder Lungenentzündung, sind evtl. auch Antibiotika notwendig.

Prognose

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, denn von 10.000 Masern-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verläuft 1 Erkrankung tödlich oder mit schweren Folgeschäden. Gefährdet sind vor allem ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene: Bei mehr als 50 % der Masern-Fälle in Deutschland sind heutzutage Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene betroffen. 2014/2015 gab es in Berlin einen großen Masern-Ausbruch mit mehr als 1300 Betroffenen. Ein Viertel von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden und ein Kind starb an der Erkrankung.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Isolation. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von den anderen Familienmitgliedern getrennt werden.

Bettruhe und Schonung. Grundsätzlich empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Kranke Kinder bleiben vorsorglich am besten so lange zu Hause, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind.

Abdunkelung. Die meisten Masern-Patienten sind lichtempfindlich. Dunkeln Sie deshalb das Zimmer ab. In dieser Zeit sollte das Kind auch nicht fernsehen.

Ablenkung. Lesen Sie Ihrem Kind vor, lassen Sie es Hörspiele oder -bücher hören, um die Zeit zu vertreiben und es abzulenken.

Flüssigkeitszufuhr. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn fiebernde und schwitzende Kinder reichlich trinken.

Inhalation. Bei älteren Kindern helfen regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz gegen den Husten, außerdem bleiben so die Atemwege feucht. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Hustensaft. Gegen den Husten hilft beispielsweise ein selbst gemachter Hustensaft aus frischem Thymian und Salbei. Mischen Sie davon je 1 Teelöffel mit ¼ l Wasser sowie je 100 g gehackter Zwiebel und Kandiszucker oder braunem Zucker. Lassen Sie diese Mischung so lange köcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Füllen sie sie dann durch ein Sieb in ein Glasgefäß mit Schraubverschluss. Der Hustensaft hält sich im Kühlschrank etwa 5 Tage. Kleinkinder nehmen davon 3-mal täglich 1 Teelöffel, Kindergartenkinder 3-mal täglich 1 Esslöffel, Schulkinder 3-mal täglich 2 Esslöffel.

Zitronen-Brust-Wickel. Auch warme Brustwickel mit Zitronensaft vor dem Schlafengehen lindern den Hustenreiz. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Zitronen-Hals-Wickel. Klagt Ihr Kind über Halsschmerzen, schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½–1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, verwenden Sie für den Wickel Quark.

Kühle Waschungen. Bei stark juckendem Hautausschlag empfehlen sich kühle Waschungen, die gleichzeitig gut gegen Fieber wirken.

Komplementärmedizin
Homöopathie. Aufgrund der Gefahr schwerer Komplikationen bei Masern wird in der Akutphase der Infektion von homöopathischen Behandlungsversuchen abgeraten.

Prävention
Isolierung. Infizierte Kinder dürfen solange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, -hort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.

Gesundheitsämter können ungeimpfte Kinder vom Unterricht ausschließen, wenn an einer Schule Masern auftreten, um so eine Übertragung der Masern innerhalb der Einrichtung zu vermeiden.

Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Masern ist die zweimalige Schutzimpfung, die eine lebenslange Immunität gewährt. Bedauerlicherweise lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen. Die Folge sind deutliche Impflücken, sodass es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen mit Todesfällen in Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen kommt.

Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, normalerweise - also zu Beginn des 2. Lebensjahres - folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Erst- und Zweitimpfung bieten einen Schutz vor Ansteckung von 99–100 %.

Diskussion um Nebenwirkungen der Masernimpfung. Die MMR- und die MMRV-Impfung sind beide normalerweise gut verträglich und deutlich weniger riskant als die Masern-Erkrankung.

Es kursieren allerdings Vorwürfe v. a. gegen den MMR-Impfstoff, der unter anderem Autismus verursachen soll. Impfkritiker berufen sich dabei auf einen Artikel des britischen Arztes Andrew Wakefield, der 1998 einen möglichen Zusammenhang behauptete und damit bis heute Eltern verunsichert. Dieser Artikel hatte aber grobe Fehler und wurde deshalb 2010 widerrufen, dem Autor Andrew Wakefield wurde sogar seine ärztliche Zulassung aberkannt.

Auch hat sich der von Impfgegnern als Masern-Impfschaden herangezogene Anstieg von Autismus-Fällen als Folge durch neuere und sensiblere Diagnosekriterien, durch eine verbesserte diagnostische Praxis sowie durch ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für die Autismus-Erkrankung aufklären lassen.

Dennoch treten bei der Masern-Impfung vereinzelt Nebenwirkungen auf:

Bei 10 % der geimpften Kinder kommt es vor allem in der 2. Woche nach der Impfung zu sogenannten "Impfmasern". Diese verlaufen wie ein leichter Masern-Infekt mit mäßigem Fieber, flüchtigem Hautausschlag und Erkältungssymptomen. Impfmasern verlaufen milde, sind nicht ansteckend und heilen von allein aus. Bei 5 % der Geimpften kommt es in den ersten 3 Tagen durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer schmerzhaften Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie Magen-Darm-Beschwerden, eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Mattigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich, seltener auch Gelenkschmerzen.

Refluxkrankheit bei Babys

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung?, ?Prognose? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Wenn ein Säugling normal gedeiht und keine weiteren Krankheitszeichen aufweist, hat das Spucken kleiner Nahrungsmengen in der Regel keinen Krankheitswert.3

Refluxkrankheit (gastro-ösophageale Refluxkrankheit): Zurückfließen von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre.

Bei Säuglingen ist ein gastro-ösophagealer Reflux sehr häufig und oft schon als normal anzusehen – nicht umsonst gehört das "Spucktuch" zur normalen Babyausstattung. Die Erkrankung verschwindet in über 90 % der Fälle bis zum 1. Geburtstag von selbst. Bei älteren Kindern ist sie seltener, dann aber von Beschwerden und Krankheitszeichen gekennzeichnet.

Refluxkrankheit bei Erwachsenen: siehe gastroösophageale Refluxkrankheit.

Symptome und Leitbeschwerden

Säuglinge:
Nach dem Füttern Aufstoßen oder "Speien", manchmal auch richtiges schwallartiges Erbrechen Schwierigkeiten bei der Nahrungszufuhr in Verbindung mit Schluckbeschwerden Schreiattacken ohne erkennbare Ursache und kolikartige Schmerzen Evtl. Unruhe, Zeichen des Unwohlseins, v. a. nach dem Füttern Evtl. Husten, v. a. in der Nacht Evtl. krampfartiges Überstrecken (Zurückbeugen) von Kopf und Oberkörper beim oder nach dem Füttern Evtl. unzureichende Gewichtszunahme und Gedeihstörung.

Ältere Kinder:

Saures Aufstoßen, Sodbrennen Erbrechen Schmerzen hinter dem Brustbein und im Oberbauch.

Wann zum Kinderarzt

In den nächsten Tagen, wenn

Ihr Baby nach dem Füttern stark spuckt und nicht ausreichend an Gewicht zunimmt. Ihr Baby auffällig viel hustet. Ihr älteres Kind häufig Sodbrennen hat.

Heute noch, wenn

blutige oder bräunliche Fädchen in der herausgelaufenen Milch zu sehen sind. Ihr Baby zusätzlich zu den Refluxbeschwerden Fieber hat. Ihr Baby nach jeder Mahlzeit "im Schwall" (d. h. in hohem Bogen) erbricht und allmählich apathisch wird.

Die Erkrankung

Ursachen
Wie beim Erwachsenen (|Refluxkrankheit des Erwachsenen) wirkt auch bei Kindern der Mageneingang zusammen mit dem Zwerchfell wie ein Ventil: Es kann zwar Speise aus der Speiseröhre in den Magen gelangen, aber kaum zurück. Dieser schützende Ventilmechanismus ist bei verschiedenen Erkrankungen gestört, z. B. bei einem Zwerchfellbruch (|Hiatushernie) mit Verlagerung des Magens in den Brustraum.

In vielen Fällen allerdings wird bei Kindern gar keine sichere Ursache gefunden: Die Kinder sind ansonsten gesund und auch anatomisch ist alles normal angelegt. In manchen Fällen verträgt das Kind auch eine bestimmte Speise nicht, in der Regel handelt es sich hier um fettreiche oder süße Speisen. Auch eine Kuhmilch-Protein-Allergie sollte als Ursache für eine Refluxerkrankung in Betracht gezogen werden.

Der Arzt unterscheidet zwei Arten und Ursachen bei Refluxkrankheiten:

Funktioneller Reflux: Gerade bei Säuglingen entspannt sich bisweilen das Muskelband, das den Mageneingang verschließt (innerer Schließmuskel oder Ösophagussphinkter genannt), für ein paar Senkungen, woraufhin Mageninhalt zurückfließt. Aber auch die Anatomie von Säuglingen begünstigt einen funktionellen Reflex, da oft der "Knick" zwischen Speiseröhre und Magen noch nicht ausgeprägt ist, sodass die Milch relativ leicht zurückläuft. Mit zunehmendem Alter verschwindet das Problem zumeist. Sekundärer Reflux: Bei dieser seltenen Refluxursache führt eine neurologische Erkrankung zum Rückfluss zwischen Magen und Speiseröhre.

Klinik
Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut nicht für den sauren Mageninhalt "gebaut" ist, entzündet sie sich bei ständig wiederkehrendem Kontakt mit dem stark säurehaltigen Mageninhalt. Sodbrennen, Schmerzen, aber auch schleichende Blutverluste und spätere Geschwüre oder gar Vernarbungen sind mögliche Langzeitfolgen.

Risikofaktoren
Besonders häufig betroffen sind ehemalige Frühgeborene und Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Auch bei einer allgemeinen Muskelerschlaffung (Hypotonie), die bei vielen neurologischen Störungen oder infolge eines Sauerstoffmangels bei der Geburt oder anderen Entwicklungsverzögerungen auftritt, ist die Abdichtung zwischen Speiseröhre und Magen oft gestört.

Komplikationen
Wenn Babys immer wieder Milch verlieren, kommen sie mit dem Trinken nicht mehr nach und nehmen nur unzureichend an Gewicht zu.

Blutarmut. Bisweilen ist die Entzündung so stark, dass wegen der beständigen Sickerblutungen eine chronische Blutarmut (Anämie) entsteht.

Lungenentzündung. Selten gelangt bei einer Refluxkrankheit auch ein Teil des Speisebreis in die Bronchien (Aspiration); dies geschieht besonders bei Kindern mit neurologischen Problemen, z. B. einer Zerebralparese. Die betroffenen Kinder husten viel und es kommt zu wiederkehrenden Aspirationspneumonien, dies sind besonders risikoreiche Lungenentzündungen (Pneumonien).

Asthma. Gelangt saurer Speisebrei in den Kehlkopf, verengen sich über Reflexe die Bronchien, sodass es in einigen Fällen auch zu |Asthma kommen kann.

Atempausen. Gefährlich wird der Reflux bei Früh- und Neugeborenen vor allem dadurch, dass der Speisebrei im Schlaf in die Luftwege gerät. Die Bronchien verengen sich, der Säugling hält eine Zeitlang die Luft an. Die Folge sind teilweise schwerwiegende Atemaussetzer (Apnoen).

Mittelohrentzündung. Auch das Risiko für | Mittelohrentzündungen (Otitis media) ist erhöht, wenn zurückfließender Magensaft über die Eustachische Röhre ins Mittelohr gelangt. Die Eustachische Röhre sorgt als Verbindungskanal zwischen Nasenrachen und Mittelohr für ein belüftetes Mittelohr, kommt es hier zu Belüftungsstörungen, werden Mittelohrentzündungen begünstigt.

Diagnosesicherung

Falls ein Baby trotz des häufigen Spuckens gedeiht, also regelmäßig Gewicht zulegt und keine sonstigen Krankheitszeichen zeigt, sind weder technische Untersuchungen noch eine spezielle Behandlung erforderlich. Denn häufiges Spucken ist im 1. Lebensjahr ziemlich normal.

Bei stärkeren Beschwerden sind jedoch eine genaue Diagnose und eine Therapie notwendig.

24-Stunden-pH-Metrie. Da der pH-Gehalt im zurückfließenden Mageninhalt sauer ist, lässt sich ein Reflux durch spezielle Sonden nachweisen, die von Mund oder Nase in die Speiseröhre vorgeschoben werden und dort bis zu 24 Stunden verbleiben.

Bildgebende Diagnostik. Spezielle Ultraschall-, Röntgen- oder Isotopenuntersuchungen stellen außerdem die Lage des Magens und die Geschwindigkeit der Magenentleerung dar.

Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie). Bei Verdacht auf eine ausgedehntere Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist eine Spiegelung der Speiseröhre mit einem Endoskop erforderlich.

Behandlung

Pharmakotherapie
Zur Unterdrückung der Magensäure werden Kindern oft Medikamente verabreicht, die die Salzsäurebildung im Magen unterdrücken (Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol).

Diese teilweise auch rezeptfrei erhältlichen Medikamente sollten aber nur nach Rücksprache und Verordnung durch den Arzt gegeben werden. Gleiches gilt auch für Medikamente, die die Magenentleerung fördern wie Metoclopramid, die Magensäure "abpuffern" wie Antazia (z. B. Gaviscon®) oder ihre Bildung unterdrücken (z. B. Zantic®, Antra®).

Operative Behandlung
In seltenen Fällen – bei Versagen der medikamentösen Behandlung oder bei Komplikationen – ist eine Operation erforderlich, allerdings werden hierbei nicht wie bei der Therapie mit Medikamenten nur die Symptome behandelt, sondern direkt die Ursache.

Der als Fundoplikatio (|"Festnähen" des Magens) genannte chirurgische Eingriff soll verhindern, dass der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Dabei wird das untere Ende der Speiseröhre mit Teilen des Magens manschettenartig umschlungen. Sobald der Magen gefüllt ist, spannt sich diese "Manschette" um die Speiseröhre an und drückt sie auf diese Weise zu. Die Folge ist, dass kein Mageninhalt mehr in die Speiseröhre fließt. Entleert sich der Magen, lockert sich die Manschette wieder, der Nahrungsbrei fließt wieder normal in den Magen. Für solch eine Operation stehen 2 Techniken zur Verfügung: die offene und die laparoskopische. Bei der offenen Verfahrenstechnik wird ein Schnitt direkt über den Magen gesetzt, wohingegen beim laparoskopischen Verfahren ("Schlüssellochtechnik") der Eingriff über mehrere kleine Zugänge im Bauchraum erfolgt.

Die Aussichten einer dauerhaften Heilung liegen bei beiden Verfahren bei etwa 90 %. Gerade junge Patienten profitieren von der chirurgischen Therapie; außerdem ist die Fundoplikatio bei jungen Patienten kostengünstiger als eine lebenslange medikamentöse Therapie. Allerdings besteht - wie bei jeder Operation - durchaus auch ein Risiko für Komplikationen und sollte deshalb immer überdacht werden.

Prognose

Meist verschwinden die Symptome von allein, sobald die Kinder laufen lernen – die Beschwerden bessern sich dann zusätzlich durch die aufrechte Körperhaltung.

Wichtig ist aber zu erkennen, wenn keine spontane Besserung zu erwarten ist. Dann gilt es, rechtzeitig und beherzt zu behandeln. Geschieht dies, ist auch hier mit einer Heilung zu rechnen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Kleine Mahlzeiten. Empfohlen werden häufige und kleine Mahlzeiten von max. 120 ml. Vor allem abends sollte nicht zu reichlich und eher früh gegessen werden, damit das Kind nicht "mit vollem Bauch" ins Bett geht.

Eindicken der Nahrung. Bekommt Ihr Kind Flaschennahrung, wird diese mit Reisschleimflocken oder Nestargel® eingedickt, dies vermindert das "Zurückschwappen" des Speisebreis. Der Zusatz von Johannisbrotkernmehl oder Maisstärke hilft zusätzlich, die kalorische Dichte der Nahrung zu erhöhen, sodass das Baby gedeiht.

Aufrechte Position nach Nahrungsaufnahme. Babys werden nach der Mahlzeit am besten noch etwa 15–30 Minuten aufrecht auf dem Arm gehalten, bevor sie abgelegt werden. Auch für Kinder ist eine leichte Oberkörperhochlagerung gut; denn diese hält die Nahrung eher im Magen.

Schlafposition. Zum Schlafen legt man ein Kissen unter das Kopfende der Matratze, damit Ihr Kind in leichter Oberkörperhochlagerung liegt (ca. 30°-Winkel). Durch die Schwerkraft wird die Nahrung "unten" gehalten und der Transport des Nahrungsbreis unterstützt. Die früher empfohlene Bauchlage wird heute abgelehnt, da sie das Risiko eines plötzlichen Kindstods erhöht. Am günstigsten für den Verdauungsprozess ist die Rechtsseitenlage.

Hypoallergene Nahrung. Verzichten Sie probeweise z. B. auf Kuhmilch oder andere Proteine, da möglicherweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit die Beschwerden verursacht.

Wickeln. Da eine zu eng sitzende Windel in den ersten Lebensmonaten auch den Druck im Magen erhöht, darf das Kind nicht zu stramm gewickelt werden.

Bewegung. Ältere Kinder sollten sich körperlich ausreichend bewegen, da Sitzen den Druck im Bauchraum erhöht und den Reflux fördert.

Scharlach

Quelle: apotheken.de | 12.03.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Ihr Apotheker empfiehlt?, ?Ärztliche Behandlung? und ?Prävention?: Dagmar Fernholz
 Fieber und Halsschmerzen sind typisch für Scharlach.4

Scharlach (Scarlatina): eine unter Kindergarten- und Grundschulkindern häufige Sonderform der Streptokokken-Angina (|Eitrige Mandelentzündung) durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die Blut auflösen können (sog. ß-Hämolyse).

Sie zeigt sich v. a. durch eine Hals- und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag. Diese Streptokokken-A-Infektion gehört weltweit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Infektionskrankheiten, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. Hierzulande verläuft die Erkrankung in aller Regel gutartig, selten treten Spätfolgen durch eine Reaktion des Immunsystems auf.

Symptome und Leitbeschwerden

Scharlach unterscheidet sich weder im Verlauf noch den Leitbeschwerden und Komplikationen von der "normalen" Mandelentzündung (Streptokokken-Angina). Zusätzlich zu den bei der eitrigen Mandelentzündung typischen Halsbeschwerden und dem allgemeinen Krankheitsgefühl treten beim Scharlach jedoch Haut- und Schleimhauterscheinungen sowie weitere Beschwerden auf:

Plötzlich schnell steigendes Fieber (um die 40 °C) Hochroter Rachen und hochrotes Zäpfchen, eitrige Beläge auf den Mandeln und geschwollene Halslymphknoten Zunächst gelb-weißlicher Belag auf der Zunge, ab dem 3. bis 4. Tag auffällig rote Zunge mit vielen kleinen Erhebungen (Himbeerzunge) Süßlicher, übler Mundgeruch Sandpapierartiger, dicht stehender und kleinfleckiger Hautausschlag ab dem 2. bis 3. Tag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und breitet sich über den gesamten Körper aus Gerötetes Gesicht und v. a. Wangen, um den Mund herum blasse Haut.

Inkubationszeit. Normalerweise 1–3 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Tag vor Krankheitsausbruch bis zu 24 Stunden nach dem Beginn der Antibiotikatherapie; ohne Behandlung bis zu 3 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

Ihr Kind innerhalb weniger Stunden hohes Fieber und Halsschmerzen bekommt. es Ihrem Kind auch am 3. Tag der Antibiotikagabe nicht besser geht.

Sofort, wenn

Ihr Kind zunehmend teilnahmslos wird.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Anders als bei einer "normalen" |Angina wird Scharlach durch Streptokokken-Bakterien der Gruppe A hervorgerufen, die meist über den Nasen-Rachen-Raum eindringen.

Im Gegensatz zu anderen Streptokokken-Typen produzieren diese Toxine (= Giftstoffe), die den typischen Hautausschlag hervorrufen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, indem sie beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert werden. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Kranken beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Ebenso ist die Infektion durch verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich.

Verlauf
Durch die vom Streptokokken-Bakterium produzierten Toxine leidet das Kind plötzlich an Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Erbrechen und oft hohem Fieber. Später zeigt es die typischen Haut- und Schleimhautveränderungen mit einem feuerroten Rachen, fleckig gefärbter Mundschleimhaut, fleckig gefärbten Mandeln und weißem Belag auf der Zunge. Dieser wird nach 3–4 Tagen abgestoßen.

Zwischen dem 2. und 4. Tag beginnt der feinfleckige Ausschlag zunächst in der Leistengegend und an den Innenseiten der Oberschenkel und breitet sich dann über den gesamten Körper aus, nur das Mund-Kinn-Dreieck bleibt ausgespart. Der nicht juckende Ausschlag unterscheidet sich deutlich von den Ausschlägen bei Masern oder Röteln. Unter dem Druck eines Holzspatels verblasst er zeitweise. Nach 1–3 Wochen schält sich die Haut, v. a. an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Bei anderen Kindern verläuft die Krankheit milder, z. T. ohne die typischen Symptome.

Komplikationen
Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen. Dennoch ist neben der stark eitrigen Mandelentzündung auch eine eitrige Mittelohrentzündung (Otitis media) möglich, die ohne Behandlung der Grunderkrankung zu Schwerhörigkeit führt. Sowohl Mandel- als auch Mittelohrentzündung werden mit Antibiotika erfolgreich behandelt.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Breiten sich die Streptokokken über die Mandelregion hinaus aus, entzünden sich die Nasennebenhöhlen. Diese relativ häufige Komplikation lässt sich durch Antibiotika meist problemlos behandeln.

Rheumatisches Fieber. Die Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – eine im Prinzip sinnvolle Reaktion. Da die Streptokokken jedoch bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf körpereigenen Zellen befinden, richten sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper und führen nach 2–4 Wochen zum heute seltenen |rheumatischen Fieber. Als Folge droht eine Herzbeteiligung, die sich schleichend (über Monate bis Jahre) zu teils schweren Herzklappenschäden entwickelt. Auch eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist als Folge des rheumatischen Fiebers möglich. Bei entsprechendem Verdacht untersucht der Arzt die Nieren- und Herzfunktion, sobald die Scharlach-Erkrankung abgeklungen ist. Eine Urinuntersuchung zeigt eine eventuell entstandene Nierenentzündung.

Blutvergiftung. Dringen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, verursachen sie den sogenannten Wundscharlach, wodurch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) droht. Sie beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall, Haut- und Schleimhautblutungen, Bewusstseinstrübung, schwerer Herzschädigung und einem Schock. Diese Komplikation ist sehr selten, endet in 30 % der Fälle jedoch tödlich. Hier sind eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung überlebensnotwendig.

Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess). Eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) in der Mandelregion kommt heutzutage selten vor. Dennoch: Schlägt die Therapie nicht an, klagt das Kind über starke Halsschmerzen und hat Probleme beim Öffnen des Mundes, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In diesem Fall muss das Kind in ein Krankenhaus, um dort intravenös Antibiotika zu bekommen. Unter Umständen muss der Abszess chirurgisch geöffnet werden.

Lungenentzündung (Pneumonie). Eine Lungenentzündung kommt heute nur noch selten als Folge einer Scharlacherkrankung vor.

Neuropsychiatrische Erkrankungen. Diskutiert wird, ob beispielsweise das Tourette-Syndrom eine Folge der Streptokokken-Infektion ist.

Diagnosesicherung

Inspektion. Oft sind Hautausschlag und Rachenentzündung so charakteristisch, dass der Arzt keine ergänzenden Untersuchungen durchführt (sog. Blickdiagnose).

Abstrich. Bei leichten oder untypischen Verläufen sowie bei Unsicherheit wird ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Ein anschließender Schnelltest zeigt innerhalb weniger Minuten, ob Streptokokken die Ursache der Erkrankung sind.

Ärztliche Behandlung

Um Folgekomplikationen zu vermeiden und die Schwere der Erkrankung zu mildern, muss Scharlach behandelt werden. Beim klassischen Scharlachverlauf ist eine Antibiotikabehandlung mit Penicillin (z. B. Ampicillin) indiziert, um die Bakterien abzutöten. Die Behandlung dauert immer 10 Tage. Alternativ kommt das breiter wirkende Cefuroxim oder Loracarbef über 5 Tage in Betracht. Auch wenn sich das Kind nach wenigen Tagen schon wieder wohler fühlt, muss es zur Vorbeugung der Streptokokken-Spätfolgen das Antibiotikum über den ganzen Zeitraum einnehmen. Besteht eine Allergie gegen Penicillin, werden andere Antibiotika verschrieben. Bei sehr leichten Verlaufsformen sollte die Antibiotikabehandlung abgewogen werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Bettruhe und Schonung. Solange das Kind Fieber hat, empfiehlt sich Bettruhe. Nach Abklingen des Fiebers sollte sich das Kind noch ein paar Tage schonen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder bei Fieber viel trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Empfehlenswert sind stattdessen Suppen, Brühe, Grießbrei, Pudding oder auch Getränke.

Kühle Halswickel. Ein kühler Halswickel mit Zitrone oder Quark empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen, einem "feurigen" Gefühl im Hals, bei akuten Schluckbeschwerden oder geschwollenen Lymphknoten. Für den Zitronenwickel schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½ bis 1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, nimmt man stattdessen einen Quarkwickel. Dafür streicht man 150–250 g Magerquark auf die Mitte eines Küchenhandtuchs, faltet die Tuchseiten darüber und legt den Wickel dann möglichst faltenfrei um den Hals. Mit einem Außentuch abdecken. Der Quark kann entweder zimmerwarm oder gekühlt (dann eher dünn aufstreichen) angewendet werden. Lassen Sie den Quarkwickel 2–3 Stunden wirken und entfernen Sie ihn, bevor der Quark trocken ist. Falls Sie weder Quark noch Zitronen vorrätig haben, hilft auch ein Wickel mit kühlem Wasser. Tauchen Sie dazu ein mehrfach in Längsrichtung zusammengefaltetes Leinentuch in kaltes (etwa 18 °C) Wasser, wringen es aus und legen es glatt gestrichen um den Hals, der vom Unterkiefer bis zu den Ohren bedeckt sein soll. Mit einem Handtuch umwickeln. Nach etwa 20–30 Minuten – spätestens aber, wenn der Wickel sich erwärmt hat – wird der Wickel abgenommen und durch ein trockenes Seiden- oder Baumwollhalstuch ersetzt.

Warme Wickel. Ein warmer Kartoffel- oder Zwiebelwickel wird zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Legen Sie für den Kartoffelwickel ein bis zwei ungeschälte heiße Pellkartoffeln in ein längs gefaltetes Küchentuch und zerdrücken diese. So warm wie möglich um den Hals legen (vorher Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen) und mit einem Handtuch umwickeln. 2–3 Stunden (bzw. so lange, bis der Wickel abgekühlt ist) liegen lassen. Für den Zwiebelwickel benötigen Sie zwei bis drei fein geschnittene Zwiebeln, die Sie auf ein gefaltetes Küchentuch geben. Eine Pfanne halbvoll mit Wasser füllen und erhitzen, mit einem Deckel abdecken und die "Zwiebelpackung" darauf beidseitig erwärmen. Auch hier gilt: So warm wie möglich um den Hals legen, aber vorher die Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen. Lassen Sie den Wickel so lange aufliegen, bis er abgekühlt ist.

Geeignete Medikamente
Zur Linderung von Schmerzen und Fieber dienen Ibuprofen oder Paracetamol. Die passende Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin
Homöopathie. Klassisches Mittel der Homöopathie bei Scharlach ist je nach Zustand des Kindes Belladonna D4, 5-mal täglich 5 Tropfen; dieses Mittel sollte jedoch nie die Antibiotikatherapie ersetzen.

Prävention
Eine Impfung gegen Scharlach gibt es zurzeit nicht. Zwar gab es in der Vergangenheit Impfstoffe, deren Entwicklung jedoch nicht weiter verfolgt wurde, da die Scharlacherreger gut auf eine Antibiotikatherapie ansprechen.

Auch wenn die Ansteckungsgefahr mäßig ist: Nur ca. 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an. Dennoch sind allgemeingültige Maßnahmen wie bei anderen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sinnvoll: regelmäßiges Händewaschen und möglichst kein enger Kontakt mit Erkrankten, die noch ansteckend sind. Das heißt, dass Scharlach-Kinder von anderen ferngehalten werden. Auch noch gesunde Geschwister sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten erst dann wieder besuchen, wenn es der Arzt erlaubt.

Anders als bei vielen anderen Kinderkrankheiten bedeutet eine überstandene Scharlacherkrankung nicht, dass das Kind ein Leben lang gegen die Streptokokken-Bakterien immun ist. Erkrankt es mehr als zwei- bis dreimal in einer "Saison" oder kurz hintereinander, so besteht der Verdacht, dass es sich immer wieder an einer Person in seiner Umgebung ansteckt, die selbst nicht erkrankt ist, den Erreger jedoch im Rachenraum beherbergt. Kann dieser Träger eindeutig ermittelt werden, wird der Arzt einen Rachenabstrich nehmen und ihm 5 Tage Penicillin verordnen.

Sandkasten: Brutstätte für Keime?: Vorsichtsmaßnahmen treffen

Quelle: apotheken.de | 28.06.2019 | Leonard Olberts
 Keime und Wurmeier wandern vom Sandkasten direkt in den Mund.In Sandkästen finden sich zahlreiche Keime, die zum Teil die Gesundheit der spielenden Kinder beeinträchtigen können. Das zeigen Untersuchungen aus Spanien und den USA. Welche Vorsichtsmaßnahmen helfen.

Clostridien weit verbreitet
Ein spanisches Forscherteam testete in einer aktuellen Untersuchung Sandkästen auf Keime und kam zum Ergebnis: Knapp jeder zweite war mit dem Bakterium Clostridium difficile (C. difficile) kontaminiert. Eine Infektion mit dem Erreger verläuft bei Gesunden zwar meist harmlos, kann im Falle einer Immunschwäche aber auch ernsthafte Erkrankungen wie eine Dickdarmentzündung nach sich ziehen. Laut Dr. Marc Siegel vom NYU Langone Medical Center in New York City zeigt die Studie, dass sich C. difficile nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen zunehmend verbreitet, sondern mittlerweile auch in Gemeinschaftsanlagen wie Spielplätzen zu finden ist.

Haustiere können Keime im Sandkasten hinterlassen
Weitere Studien zeigen, dass sich neben dem Bakterium C. difficile häufig auch Parasiten wie zum Beispiel Würmer im Sand nachweisen lassen. Anstecken können Kinder sich über den Kot von Katzen oder Hunden, die den Sandkasten als Toilette nutzen.

Die Vereinigung amerikanischer Kinderärzte (American Academy of Pediatrics) empfiehlt zur Vorbeugung einer Ansteckung:

Sandkasten abdecken, wenn er nicht in Gebrauch istSand vor dem Abdecken trocknen lassen, da feuchter Sand Bakterienwachstum begünstigtSand regelmäßig durchrechen, um Unrat oder anderes Fremdmaterial zu entfernenHaustiere nicht im Sand spielen lassen

Siegel ergänzt: „Wenn Sie Ihre Kinder in Sandkästen spielen lassen, stellen Sie sicher, dass sie ihre Hände waschen oder zumindest Desinfektionstücher verwenden, bevor und nachdem sie spielen.“

Quelle: Kinderärzte im Netz

Windelausschlag

Quelle: apotheken.de | 14.04.2008 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Auch die beste Pflege kann Windelausschlag meist nicht ganz verhindern.5

Windelausschlag (Windeldermatitis): Wunder Po oder Wundsein im Windelbereich.

Der Windelausschlag ist v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 9–12 Monaten eine der häufigsten Hauterkrankungen; es gibt praktisch keinen Säugling, der nicht einmal daran leidet. Rechtzeitig bemerkt, löst sich das Problem durch eine intensivierte Hautpflege binnen weniger Tage von selbst.

Symptome und Leitbeschwerden

Flächenhafte Hautrötung, sie beginnt meist um den Anus herum, dehnt sich auf Innenseiten der Oberschenkel und Bauch aus Ausbildung kleiner Knötchen und Schuppungen Offene, nässende, wunde Stellen Schmerzender und juckender Po Starkes Brennen beim Urinieren Nach Ammoniak riechende Windeln Bei zusätzlicher Pilzinfektion Pusteln und Knötchen, die in die Umgebung streuen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie den wunden Po durch verstärkte Pflegemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") nicht "in den Griff" bekommen. sich der Zustand der Haut nicht innerhalb von 3–4 Tagen bessert, die Haut stark blutet oder andere Zeichen einer Pilzinfektion aufweist. sich viele Knötchen bilden, die sich auch auf die bisher gesunde Haut ausbreiten; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Hefepilze.

Heute noch, wenn

sich Bläschen bzw. gelbe Krusten oder Fieber entwickeln; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Bakterien.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren
Auch wenn die Windel noch so saugfähig ist: Unter dem Windelpaket ist die zarte Kinderhaut durch die Feuchtigkeit immer stark belastet. Das feuchtwarme Milieu und das Reiben oder Scheuern der Windel reizt die empfindliche Hautoberfläche; sie wird anfälliger gegenüber unwillkommenen Keimen.

Kontakt mit Urin und Stuhl. Urin und Stuhl tun ein Übriges, um die Haut zu reizen. Kein Wunder, dass schon Durchfall oder ein versäumter Windelwechsel ausreichen, damit sich die Haut auch sichtbar entzündet, d. h. wund wird.

Ernährung. Auch wenn Gläschen mit neuer Nahrung beigefüttert werden oder wenn das Kind Fruchtsäfte oder Zitrusfrüchte, geriebenes Obst oder scharfes Essen bekommt, ist die Windeldermatitis häufiger. Ist das Wundsein nach einer Nahrungsumstellung aufgetreten, handelt es sich in aller Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine natürliche Reaktion auf die neue Nahrung, die den Stuhlgang eine zeitlang verändert. Durch intensivierte Po-Pflege gewöhnt sich die Haut bald an die neue Nahrung. Auch saure und scharfe Speisen, die von der stillenden Mutter gegessen werden, begünstigen einen Windelausschlag.

Durchfall. Leiden Babys unter dünnflüssigem Stuhl, ist es schwierig, die Windel immer trocken zu halten. Hinzu kommt, dass der Stuhl aggressiv wirkt.

Mangelhafte Reinigung. Stuhl muss sofort entfernt werden, denn wird der Po nicht vollständig gereinigt, reagiert die Haut mit Entzündungen und evtl. auch allergisch.

Falsche Hautpflegemittel. Eine häufige Reinigung mit basischen Seifen (hoher pH-Wert) begünstigt einen Windelausschlag. Auch auf Salben, Cremes und Öle reagiert die empfindliche Haut allergisch, wenn sie Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Stoffwindeln. Diese sind ungünstig, zum einen saugen sie nur wenig Feuchtigkeit auf, zum anderen finden sich immer Waschmittel- oder Weichspülerrückstände darin.

Inhaltsstoffe der Windel. Eltern vermuten oft, dass ihre Säuglinge auf die Windel als solches allergisch reagieren. Studien zufolge sind die Windelmaterialien oder -inhaltsstoffe allerdings sehr selten Auslöser für den wunden Po.

Komplikationen
Oft kommt zum wunden Po noch ein weiteres Problem hinzu: Auf der geschädigten Haut siedeln sich leicht die im Darm bei jedem Kind vorkommenden Hefepilze (|Candida albicans) an und machen aus dem Wundsein einen Windelsoor. Er ist daran zu erkennen, dass die Hautveränderungen nun nicht mehr scharf begrenzt sind, sondern sich Streuherde (einzelne Knötchen und Pusteln) in der Umgebung finden, etwa auf dem Bauch oder den Oberschenkeln. Oft schuppt sich beim Windelsoor auch die Haut am Rand des Ausschlags.

Bakterielle Infektionen. Sehr viel seltener sind die ernstzunehmenden bakteriellen Infektionen. Eine aufgepfropfte bakterielle Infektion, beispielsweise mit Staphylokokken, ist an den einzeln stehenden, von einem deutlichen roten Hof umrandeten Pusteln, Blasen oder Knötchen zu erkennen. Die Pusteln des Windelsoors sind viel kleiner, zahlreicher und haben keinen so ausgeprägten "zornig roten" Hof.

Fieber. Breiten sich die Bakterien im Körper aus, kommt es zu Fieber. Dabei geht es dem Säugling meist ziemlich schlecht.

Diagnosesicherung

Anhand der Hautveränderungen wird der Kinderarzt einen Windelausschlag erkennen.

Abstrich. Besteht der Verdacht auf einen Befall mit Bakterien oder Pilzen, wird der Arzt evtl. einen Hautabstrich für mikrobiologische Untersuchungen vornehmen.

Behandlung

Bei offenen Stellen der Haut verordnet der Arzt desinfizierende oder gerbstoffhaltige Präparate (z. B. Chlorhexidin® oder Tannosynth®) zum Auftragen oder Aufpinseln, seltener auch als Bäder oder feuchte Umschläge. Solche Präparate trocknen die Haut und beugen einer Infektion vor.

Kortison. In schweren Fällen wird der Kinderarzt für kurze Zeit eine Kortisonsalbe zum Auftragen verschreiben, um die Entzündung einzudämmen. Allerdings sollten Sie Kortison nur auf Anweisung des Arztes und nur für die vereinbarte Behandlungsdauer anwenden.

Antimykotikum. Bei einer zusätzlichen Hautinfektion durch Pilze verordnet der Arzt pilztötende Salben oder Cremes (Antimykotika). In ausgeprägten Fällen – oder wenn gleichzeitig ein |Mundsoor besteht – sind Antimykotika zum Schlucken notwendig, damit die Pilze des Darms nicht immer wieder die Windelregion befallen.

Antibiotika. Bei bakteriellen Hautinfektionen sind antibiotische Cremes notwendig. Vor allem kleine Babys müssen manchmal auch Antibiotika einnehmen.

Krankenhausaufnahme. Bei Fieber ist unter Umständen sogar eine intravenöse Antibiotika-Behandlung im Krankenhaus unumgänglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Der Windelausschlag verschwindet meist durch wenige, einfache Maßnahmen:

Licht und Luft an den Po. Nichts geht über frische Luft. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich ein paar Stunden drinnen oder draußen strampeln, denn ein wunder Po heilt besser und schneller, wenn viel Licht und Luft an die Haut gelangt. Aber achten Sie darauf, dass es nicht friert.

Häufiger Windelwechsel. Überprüfen Sie die Windel sooft wie möglich durch Riechen oder Hineinschauen, ob sich Urin oder Stuhl ansammelt. Wenn ja, wechseln Sie sofort die Windel.

Sanftes Reinigen der Haut. Der Baby-Po darf nicht mit aggressiven Seifen gereinigt werden! Wasser oder Baby-Öl sind völlig ausreichend. Geben Sie etwas Wasser oder Öl auf ein Pflegetuch oder eine Stoffwindel und wischen Sie damit den Po sauber. Trocknen Sie ihn danach vorsichtig mit einem weichen Handtuch gut, aber sehr behutsam ab. Wenn auch vorsichtiges Tupfen dem Kind noch sehr wehtut, hilft es, die Haut warm trocken zu föhnen.

Wundschutzpasten, -salbe. Für die Zeit des Wundseins sollten Sie statt der normalen Babycreme besser zinkhaltige Salben wie Desitin® verwenden. Sie schützen die Haut vor allem nachts vor Feuchtigkeit und wirken beispielsweise durch Zink gleichzeitig entzündungshemmend.

Stillen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Stuhl von gestillten Babys u. a. einen niedrigeren pH-Wert hat als der von "Flaschenkindern". Stillen bietet offenbar einen gewissen Schutz vor einem Windelausschlag. Falls Sie also daran denken sollten, Ihr Kind abzustillen: Warten Sie besser noch eine zeitlang mit dem ersten Zufüttern.

Komplementärmedizin
Kamillenbäder. Kamile beschleunigt die Heilung der Haut. Für ein Bad oder Sitzbad mit Kamille gießen Sie 1 l Kamillentee in das Badewasser.

Salben. Zur Basispflege bei Windeldermatitis hat sich Calendula-Heilsalbe bei jedem Windelwechsel bewährt (z. B. Weleda Calendula Babycreme®). In der Apotheke bekommen Sie auch eine Salbe mit Zinkanteil und Pflanzenextrakt. In diesen Salben sind Extrakte z. B. von Calendula, Eichenrinde, Hamamelis oder Kamille enthalten. Babypuder sind ungeeignet, da sie verklumpen und dann die Haut eher aufscheuern als pflegen.

Scharfgarbentee. Die empfindliche Haut kann mit warmem Schafgarbentee gereinigt werden (1 Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen).

Muttermilch. Geben Sie ein paar Tropfen Muttermilch auf die wunde Hautstelle; das soll die Hautreizung lindern.

Holzsplitter sicher entfernen: Wie Sie Infektionen vermeiden

Quelle: apotheken.de | 11.06.2019 | Sandra Göbel
 Beim Spielen und Toben gar nicht so selten: Verletzungen durch Holzsplitter.Beim Spielen und Toben passiert es schnell: Ein Holzsplitter bleibt in der Kinderhand stecken. Wie Eltern den Splitter korrekt entfernen und Infektionen vorbeugen.

Pinzette und Nadel vorher desinfizieren
Bevor sie die Hand des Kindes berühren, sollten Eltern zunächst ihre eigenen Hände gründlich waschen, um keine Keime an die Wunde zu tragen. Anschließend vorsichtig die betroffene Stelle an der Hand des Kindes mit Wasser und Seife säubern. Vor dem Entfernen des Splitters die Stelle trocken tupfen, damit Pinzette und Nadel auf nassem Untergrund nicht wegrutschen. „Wenn Sie eine Pinzette benutzen, sollten Sie deren Spitze auch zur Sicherheit desinfizieren. Dann können Sie den Splitter entgegengesetzt zur Eindringrichtung vorsichtig herausnehmen“, rät Dr. Monika Niehaus, Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Bei einem kleinen Splitter ist eine Lupe hilfreich. Wenn der Splitter nicht aus der Haut herausragt, können Vater oder Mutter mit einer feinen Nadel die Haut freilegen, um den Fremdkörper zu entfernen. Auch die Nadelspitze sollte gereinigt und desinfiziert sein. Nach dem „kleinen Eingriff“ wird die Wunde gesäubert, mit Vaseline eingecremt und mit einem Pflaster versorgt.

Wann zum Arzt?
„Wenn sich die Region um die Eintrittsstelle rötet, die Schmerzen schlimmer werden oder sich Eiter bildet, sollte das Kind in der Praxis vorgestellt werden. Ebenso wenn es nicht gelingt, den kleinen Fremdkörper zu entfernen“, empfiehlt Dr. Niehaus. Größere Teile oder Gegenstände mit Widerhaken, zum Beispiel Angelhaken, Glasscherben oder Metallstücke, sollten Eltern bei ihrem Kind auf keinen Fall selbst entfernen, denn das Herausziehen kann zu einer starken Blutung führen. Sind entsprechende Gegenstände in den Rumpf, Hals oder Kopf eingedrungen, sollten Angehörige rasch den Notarzt rufen.

Quelle: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/kleine-holzsplitter-sicher-entfernen-haende-und-betroffene-region-reinigen/|BVKJ

Nichts für Kinderohren: Lärm: Frühe Hörschäden vermeiden

Quelle: apotheken.de | 07.05.2019 | Susanne Schmid
 Für Spaß brauchen Kinder kein lautes Spielzeug. Knallfrösche, Handys, sprechende Plüschtiere – Kinder lieben lautes Spielzeug. Doch der Lärm schadet ihren empfindlichen Ohren. Wenn es darum geht, frühe Hörschäden zu vermeiden, ist die Hilfe der Eltern gefragt.

Hörschäden betreffen schon Erstklässler
Manche Kinder zeigen schon beim Einschulungstest Hörschäden. Unter Teenagern ist dann jeder Vierte betroffen. Dr. Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), erklärt warum: „Ohren sind immer auf Empfang, man kann sie nicht wie Augen schließen. Sehr laute Geräusche können die Flimmerhärchen in den Ohren dauerhaft zerstören und zu Schwerhörigkeit führen.“

Nur zugelassenes Spielzeug kaufen
Lärmschutz beginnt beim Spielzeugkauf. Für Kinderohren ist geeignet, was in einem Abstand von 50 Zentimetern maximal 125 Dezibel produziert. Doch längst nicht alle Quietscheenten, Spielzeugpistolen oder Trillerpfeifen erfüllen dieses Kriterium. Viele der beliebten Spielereien sind als Scherzartikel zugelassen und unterliegen deshalb weniger strengen Normen. Im Zweifelsfall entscheiden Eltern per Selbsttest. Alles, was ihnen selbst zu laut erscheint, gehört mit Sicherheit nicht in das Kinderzimmer. Doch auch normgerechte Artikel werden zur Gefahr – und zwar immer dann, wenn die Kleinen sie sich beim Spielen direkt ans Ohr halten.

Leisen Lärm meiden
Besonders bedenklich sind Trillerpfeifen oder Pistolen, da sie kurze, intensive Lärmimpulse abgeben. Aber auch leiser Lärm aus Stereoanlagen, Handys und Fernsehern birgt Gefahren. Er erzeugt Stress und stört Schlaf sowie Konzentration. Im Umgang mit diesen versteckten Lärmquellen helfen klare Regeln. Statt die Kinder an eine Dauerberieselung beim Lernen oder Einschlafen zu gewöhnen, führen verantwortungsvolle Eltern geregelte Sendezeiten ein. Beim Gerätekauf achten sie auf eine Lautstärkenbegrenzung.

Quelle: Kinder- und Jugendärzte im Netz