Kinderkrankheiten

Windpocken

Quelle: apotheken.de | 09.10.2009 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Ihr Apotheker empfiehlt?, ?Ärztliche Behandlung? und ?Prävention?: Dagmar Fernholz
 Der typische Hautausschlag geht meist vom Rumpf aus.5

Windpocken (Varizellen): durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder betrifft und typischerweise in den Wintermonaten oder im Frühjahr ausbricht.

Windpocken sind so ansteckend, dass 90 % aller 10-Jährigen die Erkrankung durchgemacht haben. Sie hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden scheinen zuzunehmen, je älter das Kind bei der Erkrankung ist.

Uncharakteristisches Vorstadium mit Müdigkeit und Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen Fieber (selten über 39 °C) für 3–5 Tage Charakteristischer, unangenehm juckender Hautausschlag von Kopf und Rumpf ausgehend Anfangs hellrote Knötchen, später flüssigkeitsgefüllte Bläschen Nach einigen Tagen und für einige weitere Tage: immer wieder platzen Bläschen, trocknen aus und heilen ab.

Inkubationszeit. 11–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Von 1–2 Tagen vor Ausbruch des Ausschlages bis zum Eintrocknen der letzten Blase.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind Windpocken oder eine andere Krankheit hat. Sie den starken Juckreiz bei Ihrem Kind selbst nicht in den Griff bekommen (siehe "Was Sie als Eltern tun können"). sich die Haut stark entzündet (Sie bemerken dann zunehmende Schwellung, Rötung und Eiterung). Ihr Kind unter 6 Monate alt ist.

Sofort, wenn

Ihr Kind einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt oder teilnahmslos wird, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es wird v. a. durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Husten, Niesen, Sprechen oder Schmusen.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Hauptsächlich verbreiten sich die Viren durch das Aufkratzen der Bläschen, oder wenn diese von selbst aufplatzen und der Gesunde mit der Bläschenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Es ist praktisch fast unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern: Ist ein Familienmitglied an Windpocken erkrankt, stecken sich 80–90 % der anderen Familienmitglieder an, sofern sie durch eine vorherige Infektion noch keine Antikörper gebildet haben.

Verlauf
Normalerweise ist der Verlauf der Windpockenerkrankung bei Kindern milde. Bei Kleinkindern, Erwachsenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem verläuft sie schwerer. Am stärksten sind Fieber und Krankheitsempfinden bei Erwachsenen ausgeprägt.

Der juckende Ausschlag beginnt meist am Rumpf und breitet sich auf den behaarten Kopf, das Gesicht und die Extremitäten aus. Die Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Der Ausschlag besteht zwischen 10 und mehr als 1000 einzelnen Blasen, da die einzelnen Blasen meist nach und nach entstehen. Während manche Blasen schon von Schorf bedeckt sind, sind andere noch mit Flüssigkeit gefüllt (sog. Sternenhimmel).

Diagnosesicherung
Die Diagnose "Windpocken" ist eine Blickdiagnose, d. h. der Arzt erkennt die Erkrankung anhand des typischen Hautausschlages relativ eindeutig.

Da dieser anfangs Mückenstichen ähnelt, sollte man einen Tag warten und prüfen, ob die Anzahl der roten Flecken zugenommen hat. Windpocken unterscheiden sich von anderen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach und Röteln dadurch, dass bei diesen zwar auch rote Hautflecken, aber keine Bläschen zu sehen sind. Ergänzende Untersuchungen sind selten nötig.

Blutuntersuchung. Im Zweifelsfall wird der Arzt spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Erregernachweis. Aus dem Bläschensekret lässt sich das Virus durch PCR (Polymerase Chain Reaction = |Polymerase-Kettenreaktion) schnell nachweisen, allerdings ist diese Methode nur in Einzelfällen notwendig, beispielsweise wenn bei einer werdenden Mutter die Geburt wegen einer Windpockenerkrankung künstlich ein paar Tage hinausgezögert oder eine besondere Therapie eingeleitet werden muss.

Komplikationen
Für sonst gesunde Kleinkinder sind Windpocken nur selten gefährlich. Stecken sich ältere Kinder und Erwachsene mit Windpocken an, verläuft die Erkrankung oft mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und auch starkem Hautbefall.

Auch bei Kindern mit einer Neurodermitis kommen wegen der bereits vorgeschädigten Haut schwere Verläufe vor. Abwehrgeschwächte Kinder, z. B. Kinder mit einer Leukämie, können sogar lebensbedrohlich erkranken.

Narbenbildung. Manchmal entzünden sich die Bläschen, beispielsweise wenn ein Kind die Bläschen aufkratzt. Es bleiben dann kleine Narben zurück.

Lungenentzündung (Pneumonie). Diese ernste Komplikation kommt extrem selten vor und tritt etwa 3–5 Tage nach Krankheitsbeginn auf. Erwachsene sind von einer Lungenentzündung deutlich häufiger betroffen als Kinder.

Herz- und Nierenbeteiligung. Diese Komplikationen sind sehr selten.

Entzündung des Großhirns (|Enzephalitis) oder Kleinhirns (Zerebellitis). Auch diese ernsten Komplikationen kommen extrem selten vor.

Varizellenembryopathie. Gerade Schwangere Frauen sollten kranke Kinder meiden, denn eine Infektion mit Windpocken bedeutet eine Gefahr für das ungeborene Kind. V. a. vor der 20. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko bei 1 %, dass es bei Ungeborenen zu Hirnschäden, Fehlbildungen der Gliedmaßen, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star (Katarakt) kommt. Ebenso besteht die Gefahr eines Schwangerschaftsabbruchs (Abort).

Neugeborenen-Varizellen. Junge Säuglinge erkranken in der Regel nicht an Windpocken, da sie durch die von der Mutter in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe (Antikörper) geschützt sind. Wenn eine bisher nicht an Windpocken erkrankte Mutter aber 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt, fehlt dem Neugeborenen dieser |Nestschutz, und es erkrankt möglicherweise sehr schwer. Aus diesem Grund müssen sie noch vor Ausbruch der Bläschen mit |Antikörpern und virenhemmenden Mitteln (Virostatika) behandelt werden.

Mögliche Folge: Gürtelrose
Wie bei allen Herpes-Viren besteht die Gefahr, dass auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung im Körper bleibt. Im Laufe des Lebens besteht die Möglichkeit, dass es reaktiviert wird und eine |Gürtelrose (Herpes Zoster) verursacht.

Hiervon sind besonders Krebspatienten betroffen. Sie erkranken etwa doppelt bis 8-mal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.

Da beide Erkrankungen – Windpocken und Gürtelrose – vom gleichen Virus ausgelöst werden, ist es möglich, dass z. B. die an Gürtelrose erkrankte Großmutter ihren Enkel mit Windpocken ansteckt.

Ärztliche Behandlung

Bei sonst gesunden Kindern ist keine Therapie erforderlich.

Pharmakotherapie
Eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten (Aciclovir) ist nur notwendig, wenn die erkrankte Person über 20 Jahre alt ist, an einer Immunschwäche leidet, eine schwere Neurodermitis hat oder wenn Komplikationen auftreten.

Stört der Juckreiz sehr, verschreibt der Arzt Lotionen (z. B. Tannosynth® oder Anaesthesin®) oder in schweren Fällen Antihistaminika als Tropfen. Diese helfen gegen den Juckreiz und machen zudem etwas müde und sorgen damit für einen besseren Schlaf. Die Anwendung bietet sich deshalb für den Abend an.

Entzünden sich aufgekratzte Bläschen eitrig, verordnet der Arzt Antibiotika. Lokalanästhetika mit Polidocanol helfen ebenfalls gegen akuten Juckreiz, können aber zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Isolation. Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule solange nicht besuchen, bis sie fieberfrei sind und der Ausschlag trocken ist, d. h., bis die Blasen von Schorf bedeckt sind.

Zinklotionen. Hauptproblem ist bei Windpocken meist der Juckreiz, der mit frei verkäuflichen Lotionen aus der Apotheke (z. B. Lotio alba) gelindert wird. Gleichzeitig trocknet die Lotion die Bläschen aus und verhindert, dass sich die nässenden Stellen entzünden.

Kleidung. Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern.

Kühle Umschläge und Waschungen. Auch kurz aufgelegte kühle Umschläge lindern den Juckreiz. Ebenso wirken kühle Waschungen oder ein kurzes Abbrausen mit kühlem Wasser. Auf Bäder sollte verzichtet werden, da die Bläschen im Bad aufweichen und dann leichter aufgekratzt werden (begünstigt die Narbenbildung).

Kühle Zimmertemperatur. Das Zimmer sollte nicht zu warm temperiert sein, denn Wärme und Schwitzen verstärken den Juckreiz.

Windelwechsel. Säuglinge und Kleinkinder sollten häufiger als sonst gewickelt werden, da das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert.

Hautpflege. Kratzen sollte möglichst vermieden werden, um eine Hautinfektion zu verhindern. Um dies zu vermeiden, schneiden Sie am besten die Fingernägel des Kindes kurz. Evtl. helfen auch Handschuhe, damit sich Ihr Kind nicht kratzt.

Geeignete Medikamente
Bei Fieber empfehlen sich Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin
Homöopathie. Klassische Mittel der Homöopathie bei Windpocken sind bei Fieber Belladonna D4 und Rhus toxicodendron.

Prävention
Aktive Impfung. Die Impfung gegen Windpocken ab einem Alter von 11 Monaten gehört zu den |empfohlenen Regelimpfungen. Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, vorzugsweise als Kombinationsimpfung (4-fach-Impfung) gegen Masern, Mumps und Röteln (MMRV).

Seit Juli 2012 wird empfohlen, die Erstimpfung nicht als 4-fach-Impfung zu verabreichen, sondern den Varizellen-Impfstoff simultan mit dem MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen zu impfen. Damit soll das leicht erhöhte Risiko für Fieberkrämpfe vermieden werden.

Viele Kinderärzte sehen die Impfung gegen Windpocken jedoch kritisch: Zu befürchten ist, dass natürliche Windpockeninfektionen immer seltener auftreten und sich dadurch Kinder, die nicht geimpft werden, erst spät anstecken, evtl. sogar erst im Erwachsenenalter oder in der Schwangerschaft. Der Verlauf der Krankheit ist dann schwerer, und es drohen eher Komplikationen.

Die STIKO gibt folgende Impfempfehlungen gegen Windpocken, aufgeteilt nach Lebensalter:

11.–14. Lebensmonat: Erstimpfung erfolgt zeitgleich mit der 1. Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder frühestens 4 Wochen danach. 15.–23. Lebensmonat: 4–6 Wochen nach der Erstimpfung wird die 2. Impfung durchgeführt, möglich auch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfstoff). Die Impfung wird nur dann verschoben, wenn eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.

Passive Impfung. Neben den Aktivimpfungen, die auf die Ausbildung eines Abwehrgedächtnisses zielen, gibt es noch die Passivimpfungen (Passivimmunisierung). Dabei werden dem Körper direkt die fertigen Antikörper (Immunglobuline) gespritzt, die das Immunsystem des Spenderorganismus (Mensch oder Tier) zur Abwehr des Erregers produziert hat.

Während es bei der Aktivimpfung oft Monate dauert, bis der Impfschutz erreicht ist, greifen Passivimpfungen schon nach wenigen Stunden bis Tagen. Sie werden daher v. a. dann eingesetzt, wenn z. B. ein abwehrgeschwächtes, nicht geimpftes Kind oder eine Schwangere Kontakt zu einem Windpockenkranken hatte und nicht abgewartet werden darf, bis der Körper selbst ausreichend Antikörper gebildet hat.

Der Nachteil der Passivimpfung ist allerdings, dass sich die gespritzten Immunglobuline im Blut auch schnell wieder abbauen und der Impfschutz nicht länger als wenige Wochen anhält.

Großwuchs

Quelle: apotheken.de | 14.09.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Wie groß ein Mensch wird, ist größtenteils erblich bedingt.3

Großwuchs: Körperlänge oberhalb der 97. Perzentil gesunder Kinder. Das heißt, 97 % der Kinder ihrer Altersgruppe sind kleiner.

Symptome und Leitbeschwerden

Ihr Kind gehört zu den größten 3 % seiner Altersgruppe.

Wann zum Kinderarzt

In den nächsten Wochen, wenn
Ihr Kind ungewöhnlich groß ist, insbesondere wenn es früher keinen auffälligen Größenunterschied zu seinen Altersgenossen gab.

In den nächsten Tagen, wenn
Sie bei Ihrem sehr großen Kind noch weitere Auffälligkeiten bemerken, beispielsweise eine ungewöhnlich frühe Pubertät.

Die Erkrankung

Größe ist relativ, und so ist verständlich, dass selbst Ärzte nicht immer klar sagen können, wo genau die Grenze zum Großwuchs (auch Hochwuchs genannt) liegt.

Wie groß ein Mensch wird, ist größtenteils erblich bedingt. Ärzte schätzen die "Zielgröße" eines Kindes entsprechend der Größe der Eltern: Die Körperlänge der Eltern (in cm) wird addiert, durch zwei geteilt, und dann 6 cm hinzugerechnet (bei Jungen) bzw. abgezogen (bei Mädchen). Kleine Eltern haben also in der Regel kleine Kinder, große Eltern haben große Kinder. Dieser familiär bedingte Klein- bzw. Großwuchs zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind spätestens ab dem Kindergartenalter zu den eher Kleinen oder den eher Großen zählt, seine Wachstumsgeschwindigkeit bleibt dabei aber normal (d. h. es folgt auf der |Perzentilenkurve in etwa demselben Korridor).

Eine weitere Wachstumsvariante hat mit dem Körperfett zu tun: Übergewichtige Kinder wachsen schneller als ihre schlanken Altersgenossen, aber das schnellere Wachstum hat keinen Einfluss auf die Endgröße.

Konstitutionelle Frühentwicklung
Der oft familiär bedingte Frühstart in die Pubertät führt zu einem Wachstumsschub, der ein bis mehrere Jahre früher beginnt als in der Altersgruppe üblich.

Ursachen und Risikofaktoren
Wie der Kleinwuchs so kann auch der – seltenere – Großwuchs auf Veränderungen der Chromosomen oder erbliche Erkrankungen zurückzuführen sein (z. B. auf ein Klinefelter-Syndrom oder ein Marfan-Syndrom).

Hormonstörungen. Beim Großwuchs muss ebenfalls an Hormonstörungen gedacht werden, etwa eine Überproduktion des Wachstumshormons in der Hypophyse (möglicherweise auch durch einen Tumor bedingt). Ein |krankhaft früher Pubertätsbeginn lässt Kinder zunächst schneller wachsen als ihre Altersgenossen; da das Wachstum hier jedoch vorzeitig aufhört, sind die Betroffenen als Erwachsene zumeist klein.

Frühe Pubertät. Vor allem bei Mädchen führt ein frühes Einsetzen der Pubertät zu einem frühen Wachstumsschub.

Komplikationen
Zu große Kinder haben Probleme, beispielsweise die passende Kleidung oder ein Fahrrad zu finden. Gerade Mädchen leiden oft unter der Größe bzw. darunter, dass sie die Jungen überragen.

Diagnosesicherung

Anhand von Röntgenaufnahmen der Knochen lässt sich das verbleibende Längenwachstum beurteilen.

Blutuntersuchung. Unter anderem dient die Bestimmung der Geschlechtshormone dem Ausschluss einer hormonellen Ursache.

Behandlung

Bei familiärem Großwuchs kann durch Gabe von Geschlechtshormonen eine Verminderung der Endgröße um etwa 10 cm erzielt werden. Dadurch setzt allerdings auch die Pubertät früher ein, eine Situation, die ein Kind möglicherweise überfordert. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch diese Behandlungen später die Fruchtbarkeit leidet, sodass heute der Hochwuchs nur noch sehr zurückhaltend behandelt wird.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Selbstbewusstsein stärken. Wenn Sie Ihr Kind so annehmen, wie es ist, und sein Selbstbewusstsein stärken, hat es die besten Aussichten, im Leben gut zurechtzukommen.

Sport. Finden Sie die passende Sportart für Ihr Kind. Beispielsweise ist es beim Judo von Vorteil, wenn der Junge (oder auch das Mädchen) kleiner und damit leichter ist. Unter Großwuchs leiden eher Mädchen. Aber auch hier sollten Sie Ihre Tochter (aber auch Ihren Sohn) für die passende Sportart wie Basketball begeistern.

Verzögerte Sprachentwicklung : Was ist normal?

Quelle: apotheken.de | 28.05.2014 | Katrin Stegherr, BVKJ
 Ob vorlesen oder selber lesen - die Beschäftigung mit Texten fördert die Sprachentwicklung.Wauwau für Hund oder Gaga für Giraffe– Lautmalerei ist ein typischer Aspekt der Kindersprache. Kleine „Sprachfehler“ sind bei der Sprachentwicklung normal. Ab wann Eltern sich Sorgen machen müssen, weiß der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Entwicklung der Sprache individuell
Die Sprachentwicklung beginnt schon mit den ersten Lebensmonaten, wenn der Säugling sein Schreien je nach Situation verändert. Mit einem Jahr erkennen Kinder erste Wörter und versuchen, sie nachzusprechen.  Einfache Zwei-Wort-Sätze wie „Papa hoch.“ oder „Mama Ball.“ bildet das Kind etwa ab dem zweiten Lebensjahr. Eine vereinfachte „Babysprache“ oder „Kindersprache“ ist Teil der  normalen Entwicklung. Dazu gehört das Weglassen von bestimmten Lauten,  zum Beispiel bennen statt brennen oder Hun statt Hund. Einige Laute ersetzen die Kinder durch andere, zum Beispiel r durch l in Lad oder glün. Die Geschwindigkeit des Spracherwerbs verläuft bei allen Kindern unterschiedlich. Erst wenn Sprachprobleme im Alter von vier oder fünf Jahren noch immer anhalten, ist das ein Hinweis auf eine mögliche Sprachstörung. Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Satzbau oder ein geringer Wortschatz. Eltern sollten dann mit ihren Kindern einen Kinder- und Jugendarzt aufsuchen.

Kinderarzt  klärt Sprachstörung ab
Die deutsche Sprache hat eine schwierige Grammatik. Daher sind Probleme mit dem Satzbau in Deutschland häufiger als in anderen Ländern und nicht immer Grund zur Sorge. Der Kinder- und Jugendarzt klärt, ob es sich um eine unbedenkliche Verzögerung handelt oder ob die Sprachentwicklung gestört ist. Eine Sprachentwicklungsstörung (Dyslalie) kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind die Auslöser körperlich, beispielsweise bei Schwerhörigkeit. Auch eine Verletzung der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer, Gaumen und Rachen) oder eine Hirnschädigung führen zu Störungen. Ein weiterer möglicher Auslöser sind psychische Faktoren. Erlebt das Kind eine belastende Situation wie einen Umzug oder die Trennung der Eltern kann das zu einem Rückfall in die „Babysprache“ führen. Man spricht dabei von einer „Regression“, einem Rückzug in eine vorhergehende Entwicklungsstufe.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig verordnet der Arzt eine Sprachtherapie durch einen Logopäden.

Röteln

Quelle: apotheken.de | 11.05.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Eine zweimalige Schutzimpfung beugt Röteln effektiv vor.2

Röteln (Rubella, Rubeola): Für Kinder harmlose Infektionskrankheit, die vom Röteln-Virus (Rubellavirus) verursacht wird und durch Hautausschlag, Fieber und Lymphknotenschwellung gekennzeichnet ist.

Röteln sind durch die |für alle Kinder empfohlenen Impfungen selten geworden.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden bei Röteln sind oft leicht und der Hautausschlag diskret und undramatisch.

Kinder:
Erkältungsähnliche Allgemeinbeschwerden, z. B. Abgeschlagenheit, Halsschmerzen, leichtes Fieber Evtl. geschwollene Lymphknoten In 50 % der Fälle hellroter, fleckiger Ausschlag, anfangs (wie bei den Masern) hinter dem Ohr.

Jugendliche und Erwachsene:
Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit Leichte Entzündung der Bindehaut und der Augenlider Verstopfte oder "laufende" Nase Geschwollene (bohnengroße) Lymphknoten am ganzen Körper Geschwollene und schmerzhafte Gelenke bei jungen Frauen.

Inkubationszeit. 14–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Woche vor Auftreten bis 5 Tage nach Erscheinen des Hautausschlages.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie bei Ihrem Kind Röteln vermuten.

Heute noch, wenn

Ihr Kind mit Röteln zusätzlich über Beschwerden wie Ohrenschmerzen klagt.

Sofort, wenn

Ihr Kind starke Kopfschmerzen, einen steifen Nacken oder Krämpfe bekommt und apathisch wirkt; diese Symptome deuten auf eine Hirnhautentzündung hin.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Röteln-Viren werden durch das Rubellavirus ausgelöst und verbreiten sich über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die virenhaltigen Speicheltröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft weitergegeben und dringen in die Schleimhaut der oberen Atemwege ein.

Auch durch den direkten Kontakt mit dem Speichel beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt.

Bei kleinen Kindern, die bereits im Mutterleib von ihrer Mutter angesteckt wurden, besteht bis zu einem Jahr die Gefahr, dass sie das Virus über den Urin oder das Nasen- und Rachensekret verbreiten.

Verlauf
Bevor die ersten Symptome auftreten, bemerkt der Patient oft nichts von seiner Ansteckung.

Röteln zeigen sich zunächst als geringfügige erkältungsähnliche Allgemeinbeschwerden, mit Abgeschlagenheit und leichtem Fieber. Im Anschluss an eine auffällige Rötung des Gesichts entwickelt sich bei 50 % der Kinder ein charakteristischer Hautausschlag – ähnlich dem bei Masern – hinter den Ohren. Der Ausschlag besteht aus hellroten Flecken, die leicht erhaben sind. Im Gegensatz zu den Masern sind die Röteln-Flecken kleiner und laufen nicht zusammen.

Komplikationen
Komplikationen sind sehr selten und verlaufen in aller Regel gutartig.

Gelenkbeschwerden: Entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthritiden) sind äußerst selten, wenn treten sie im Erwachsenenalter auf.

Gehirnentzündung (Enzephalitis): Sehr selten verursachen Röteln eine Entzündung des Gehirns mit Kopf- und Nackenschmerzen, mit Sehstörungen, Erbrechen, Lähmungen sowie Empfindungsstörungen. Dauerschäden gibt es jedoch nicht.

Röteln-Embryopathie: In der Schwangerschaft sind Röteln allerdings eine ernste Bedrohung: Die Viren gelangen vor allem in der Frühschwangerschaft über den Mutterkuchen in den kindlichen Blutstrom. Schwere kindliche Schäden mit geistiger Behinderung, Schwerhörigkeit oder Taubheit, Sehbehinderung und/oder Herzfehlern sind die Folgen (|Röteln-Embryopathie). Immer noch werden hierzulande 50–100 Babys jährlich mit teilweise schweren angeborenen Schäden infolge einer Röteln-Infektion geboren. Wird das Ungeborene im ersten Schwangerschaftsdrittel infiziert, droht in 90 % der Fälle eine Fehlbildung. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel kann immer noch jedes 4. Ungeborene angesteckt werden. Erst in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft reduziert sich die Gefahr von Missbildungen deutlich. Oft weiß die Schwangere gar nichts von ihrer Infektion, da die typischen Krankheitszeichen (wie etwa der Ausschlag) fehlen.

Diagnosesicherung

Häufig wird die Infektion mit Röteln-Viren gar nicht bemerkt.

Wird sie bemerkt, ist sie für den Kinderarzt schwierig zu erkennen, denn andere virale Erkrankungen wie Masern, Scharlach, Ringelröteln oder ein allergischer Hautausschlag rufen ähnliche Krankheitsbilder hervor.

Eine labormedizinische Untersuchung muss deshalb meist die Diagnose sichern.

Blutbild. Typischerweise zeigt das Blutbild bei Röteln eine Leukopenie, das heißt eine gegenüber der Norm verminderte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut. Außerdem lassen sich im Blut Röteln-spezifische Antikörper nachweisen oder direkt die Erbsubstanz (RNA) der Viren.

Erregernachweis. Auch in Speichelproben aus dem Nasen-Rachen-Raum oder aus der Zahntasche lässt sich 3 Tage nach Symptombeginn das Virus nachweisen.

Behandlung

Es gibt keine wirksame Therapie gegen das Virus. Da die Röteln meist einen milden Verlauf haben, besteht die Behandlung aus der Linderung der Symptome.

Pränatale Diagnostik. Während der Schwangerschaft können Röteln zu einer Fehlgeburt oder zu schweren Schädigungen des Ungeborenen führen. Besteht bei Schwangeren der Verdacht auf eine Infektion, ist eine Blutuntersuchung besonders wichtig. Nur so kann der Arzt die Diagnose eindeutig stellen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Röteln sind fast immer harmlos, Bettruhe nur bei Bedarf.

Isolation. Kinder, die eine akute Röteln-Infektion haben oder bei denen der Verdacht besteht, sollten von Schwangeren getrennt werden und deshalb nicht in den Kindergarten, in die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gehen.

Prävention
Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Röteln ist die zweimalige Schutzimpfung. Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, also zu Beginn des 2. Lebensjahres, folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Die zweimalige Schutzimpfung gewährt lebenslange Immunität.

Durch die Impfung wird nicht nur das geimpfte Kind geschützt, sondern vor allem die noch ungeborenen Kinder. Achten Sie darauf, dass Ihre Tochter bis zur Pubertät einen ausreichenden Schutz hat – entweder durch eine selbst durchgemachte Erkrankung oder durch eine zweimalige Impfung. Frauen, die sich nicht sicher sind, ob sie in ihrer Kindheit geimpft wurden, lassen den Schutz beispielsweise durch eine Blutuntersuchung nachweisen.

Impfung während der Schwangerschaft. Zu den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft gehört auch die Bestimmung des Röteln-Titers im Blut. Dieser sollte mindestens einen Wert von 1:32 haben (d. h. noch bei 32-facher Verdünnung einen Schutz gegen die Erkrankung gewährleisten, 1:16 oder 1:8 bedeutet einen noch besseren Schutz, 1:64 wäre nicht mehr ausreichend). Da die Impfung nicht während der Schwangerschaft nachgeholt werden darf, wird empfohlen, dass zwischen der Impfung und einer (geplanten) Schwangerschaft ein zeitlicher Abstand von 1 Monat liegt. Lässt sich eine Schwangere aus Versehen impfen, ist dennoch nach nationalen und internationalen Empfehlungen kein Schwangerschaftsabbruch notwendig.

Mumps

Quelle: apotheken.de | 11.05.2018 | Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen ?Beschreibung?, ?Symptome und Beschwerden?, ?Wann zum Kinderarzt?, ?Die Erkrankung?, ?Diagnosesicherung?, ?Behandlung? und ?Ihr Apotheker empfiehlt?: Dagmar Fernholz
 Zuverlässigen Schutz gegen Mumps bietet eine Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.2

Mumps (Ziegenpeter, Parotitis epidemica): Vom Mumps-Virus verursachte hochansteckende Infektionskrankheit.

Das Virus gehört zu derselben Virenfamilie wie das Masern-Virus und verursacht eine Entzündung der Speicheldrüsen. Normalerweise ist die Ohrspeicheldrüse betroffen, bei einigen Kindern entzünden sich auch die Bauchspeicheldrüse oder die Hoden. Mumps ist durch die |für alle Kinder empfohlenen Impfungen selten geworden; heute sind am ehesten Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Symptome und Leitbeschwerden

Vor allem bei kleinen Kindern sind die Beschwerden gering wie bei einem grippalen Infekt oder fehlen ganz. Ansonsten sind für ältere Kinder und Erwachsene folgende Symptome typisch, bei Erwachsenen zumeist schwerer und ausgeprägter als bei Kindern:

Allgemeines Unwohlsein mit Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen Zunächst einseitige, schmerzhafte Schwellung einer Ohrspeicheldrüse, nach wenigen Tagen Ausdehnung auf die zweite Ohrspeicheldrüse Leichtes Fieber Schmerzen "in der Backe" beim Kauen und Öffnen des Mundes, evtl. auch in Ohren und Hals.

Inkubationszeit. 15–24 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 7 Tage vor Auftreten der schmerzhaften Entzündung der Ohrspeicheldrüse bis 9 Tage danach.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

Sie bei Ihrem Kind die für Mumps typische Schwellung der Ohrspeicheldrüse feststellen.

Heute noch, wenn

die Ohrenschmerzen ganz im Vordergrund stehen oder ein Ohr "läuft".

Sofort, wenn

Ihr Kind auch nach einer Woche immer noch fiebert. das Fieber nach 2–3 Wochen wieder ansteigt. Ihr Kind über starke Kopfschmerzen und eine Nackensteifigkeit klagt; diese Symptome deuten auf eine Hirnhautentzündung hin. Ihr Kind Bauchschmerzen hat oder wenn es erbricht; hier besteht die Gefahr einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ihr Sohn nach der Pubertät über Hodenschmerzen klagt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung
Mumps-Viren verbreiten sich über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs kann man sich anstecken.

Verlauf
Mumps zeigt sich durch eine zuerst einseitige, schmerzhafte Schwellung einer Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Das Fieber ist oft nur leicht. Die Schmerzen "in der Backe" strahlen zum Ohr und in den Hals aus und verstärken sich durch Öffnen des Mundes beim Sprechen, Kauen oder Schlucken, aber auch durch Bewegen des Kopfes.

Besonders anfällig sind die beiden Ohrspeicheldrüsen, die evtl. so stark anschwellen, dass die Ohrläppchen abstehen und die Kieferkante nicht mehr zu erkennen ist. Nach weiteren 1–3 Tagen greift die Schwellung auch auf die andere Ohrspeicheldrüse über.

Bei einer Ansteckung mit dem Mumps-Virus zeigen sich nicht immer alle Krankheitssymptome, auch verläuft die Erkrankung bei jedem Kind bzgl. Schwellung, Dauer und Schwere unterschiedlich. Grundsätzlich nehmen die schweren Verlaufsformen mit steigendem Lebensalter zu.

Hinweis: Rund ein Drittel aller Kinder, die sich mit dem Mumps-Virus anstecken, zeigen keine Krankheitszeichen. Sie machen den Mumps also unbemerkt durch.

Komplikationen
Bei den meisten Kindern bleibt der Mumps ohne Folgen. Dennoch treten vereinzelt folgende Komplikationen auf:

Hirnhautentzündung (|Meningitis): Sie kommt bei bis zu 60 % der Patienten vor. 4–5 Tage nach der Drüsenschwellung klagen die Kinder über Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Erbrechen und/oder Nackensteife. Die Entzündung heilt nach Abklingen der Symptome folgenlos.

Gehirnentzündungen (Mumps-Enzephalitis): Bei dieser Entzündung wird das Gehirn vom Virus befallen. Es treten starke Kopfschmerzen und Erbrechen auf. Als Folge der Mumps-Enzephalitis kommt es bei jedem 10. Erkrankten über 18 Jahren zu bleibenden Hörschäden. Aus diesem Grund ist ein Hörtest nach einer überstandenen Mumps-Erkrankung wichtig.

Hodenentzündung (Mumps-Orchitis): Stecken sich Jungen nach der Pubertät an, entwickelt sich bei jedem 4. eine schmerzhafte, fast immer einseitige Hodenentzündung. Sind beide Seiten betroffen, droht als seltene Komplikation die Unfruchtbarkeit. Bei schwerem Verlauf der Hodenentzündung sind eine Krankenhauseinweisung sowie eventuell entzündungshemmende Medikamente notwendig.

Bauchspeicheldrüsenentzündung (Mumps-Pankreatitis): In 4 % der Fälle entzündet sich die Bauchspeicheldrüse. Der zumeist milde Verlauf zeigt sich durch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden und anhand einer krankhaften Erhöhung des Fettgehalts im Stuhl (sogenannter Fettstuhl).

Eierstockentzündung: Die Mitbeteiligung weiterer Organe wie die Eierstöcke ist sehr selten.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Beschwerden wie die Schwellung der Ohrspeicheldrüse weisen auf Mumps hin und machen bei einem herkömmlichen Verlauf eine Laboruntersuchung überflüssig. Bei untypischen Verläufen oder fehlenden Krankheitszeichen sichert ein Bluttest die Diagnose.

Blutuntersuchung. Ist sich der Arzt nicht sicher, wird er eine Blutuntersuchung anordnen, um spezifische Antikörper gegen das Mumps-Virus im Blut nachzuweisen.

Behandlung

Es gibt keine Therapie gegen Mumps. Die Behandlung beschränkt sich auf der Linderung der Beschwerden. Steigt das Fieber über 40 °C, werden in Absprache mit dem Arzt fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen gegeben.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können
Ruhe. Das kranke Kind braucht gerade während der Fieberphase Ruhe. Ist der Hoden betroffen, muss strenge Bettruhe eingehalten und der Hoden hoch gelagert werden.

Kühlung. Kühle Umschläge auf die geschwollene und schmerzhafte Ohrspeicheldrüse lindern die Beschwerden. Bewährt haben sich Umschläge "pur" oder mit Quark oder essigsaurer Tonerde.

Wärme. Manchen Kindern helfen eher warme Umschläge auf Ohren und Wange. Gute Erfahrungen machen Eltern mit einem Wickel mit warmer Archangelikasalbe, Calendulaöl oder -salbe oder Eukalyptuspaste. Auch eine Wärmflasche lindert die Backenschmerzen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder ausreichend trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte es eine flüssig-breiige Konsistenz haben wie bei Kartoffelpüree, Suppen oder Pudding. Verzichten Sie aber auf saure Getränke, denn dadurch wird der Speichelfluss angeregt, sodass die entzündete Ohrspeicheldrüse "arbeiten" muss, was weitere Schmerzen verursacht.

Prävention
Isolierung. Infizierte Kinder dürfen so lange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, Kinderhort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.

Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Mumps ist die zweimalige Schutzimpfung.

Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, also zu Beginn des 2. Lebensjahres, folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Sind Kinder zweimal geimpft, bleiben sie normalerweise ein Leben lang gegen das Mumps-Virus immun. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer erneuten Erkrankung – trotz zweimaliger Impfung. Versäumte Impfungen sollten im späteren Alter nachgeholt werden, außer in der Schwangerschaft. Während früher überwiegend Kinder im Alter unter 10 Jahren erkrankten, sind heute vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die als Kinder nicht geimpft wurden.

Komplikationen bei Masern-Infektion: Impfung schützt vor Gehirnentzündung

Quelle: apotheken.de | 08.03.2018 | Sandra Göbel
 Die 1. Impfung wird im Alter von 11-14 Monaten verabreicht.Die Masern heilen nicht immer folgenlos ab. Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die Gehirnentzündung. Experten raten deshalb zu einer Masern-Impfung: Sie schützt auch vor möglichen Folgeerkrankungen.

„Eine Masern-Infektion kann sich im zentralen Nervensystem manifestieren und dort verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Dadurch drohen neurologische Schädigungen aber unter Umständen auch tödliche Verläufe“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Um gefährliche Verläufe zu vermeiden, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Kindern und Erwachsenen eine Schutzimpfung. Die Impfung wird in der Regel mit einem kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) verabreicht. Durch ausreichend hohe Durchimpfungsraten könnten Masernfälle vermieden und die Erkrankung sogar ausgerottet werden.

Akute postinfektiöse Enzephalitis
Eine gefürchtete Komplikation der Masern, ist die so genannte akute disseminierte Enzephalitis (ADEM), zu der es in etwa 0,1 Prozent der Erkrankungsfälle kommt. „Hierbei treten etwa 4 bis 7 Tage nach Beginn des Ausschlags Kopfschmerzen, Fieber und neurologische Symptome wie Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma auf“ berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). „Die Erkrankung führt bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen zum Tod und bei bis zu 30 Prozent muss mit Hörverlust oder bleibenden neurologischen Schäden gerechnet werden.“ Kinder sind hierfür besonders gefährdet. Im Laufe der Infektion erkrankt eines von 1.000 Kindern an einer akuten disseminierten Enzephalitis. Demgegenüber wird nur ein ADEM-Erkrankungsfall bei 14,3 Millionen Masern-Impfungen beobachtet, was die Chance des Impfschutzes betont.

Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)
Zu den weiteren neurologischen Komplikationen zählt die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die das Gehirn allmählich zerstört. Sie kann noch bis zu 24 Jahre nach einer natürlichen Masern-Infektion auftreten. Auch hierfür tragen Kinder ein höheres Risiko, betroffen ist etwa eines von 1.000 erkrankten Kindern – am häufigsten die unter fünf Jahren.

Quelle: Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN)


Hüftschnupfen bei Kindern: Ruhe und Schonung sind angesagt

Quelle: apotheken.de | 05.03.2018 | Sandra Göbel/BVKJ
 Kinder mit Hüftschnupfen sollten sich ein paar Tage schonen. Wenn ein Kind hinkt oder nicht mehr laufen will, weil eine Hüfte schmerzt, kann sich dahinter ein sogenannter Hüftschnupfen verbergen. Was es damit auf sich hat und wann Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen sollten.

Erst Schnupfen, dann Hüftschnupfen
Der Hüftschnupfen (Coxitis fugax) ist eine plötzlich beginnende nicht-bakterielle Hüftentzündung, die vor allem bei Klein- und Grundschulkindern auftritt. Die genaue Ursache des Hüftschnupfens ist nicht bekannt. Auffällig ist jedoch, dass der Hüftinfektion meist etwa zwei Wochen zuvor eine Virusinfektion beispielsweise der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts vorausgeht. Flüssigkeit sammelt sich im Hüftkopf, sodass das Bein beim Laufen schmerzt. Betroffene Kinder beginnen ohne erkennbare Ursache zu hinken, weigern sich zu laufen oder klagen plötzlich über Schmerzen in einer Hüft- oder Beinseite. Die Beschwerden können bis ins Knie ausstrahlen.

Fieber als Hinweis auf bakterielle Infektion
„Wenn die Hüftschmerzen mit Fieber verbunden sind, ist das ein Alarmzeichen, bei dem Eltern umgehend ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen sollten, um frühzeitig Schäden am Gelenk verhindern zu können“, rät Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Denn Fieber weist auf eine bakterielle Gelenkentzündung hin und ist untypisch für einen gewöhnlichen Hüftschnupfen. Bei humpelnden Kindern ist ein Arztbesuch sinnvoll, um anderen Erkrankungen wie Borreliose oder Rheuma auszuschließen. Eine Ultraschalluntersuchung schafft Klarheit: Die Flüssigkeitsansammlung im Hüftspalt ist dabei gut zu erkennen. Gegen starke Schmerzen kann der Kinderarzt schmerzlindernde Medikamente verschreiben.

Schonung fördert Heilung
„Damit die schmerzhafte Schwellung in der Gelenkschleimhaut der Hüfte sich zurückbilden kann, braucht das Gelenk Ruhe und Schonung“, erklärt Kahl. Da Kinder bis zu etwa sechs Jahren noch nicht gut mit Gehhilfen umgehen können, sollten sie eventuell einige Tage das Bett hüten. Halten Betroffene die Schonung ein, lassen die Beschwerden in der Regel innerhalb von einer Woche nach. Ein gewöhnlicher Hüftschnupfen heilt folgenlos ab – Rückfälle sind selten.


RSV-Infektion bei Säuglingen: Nicht mit Erkältung verwechseln

Quelle: apotheken.de | 17.01.2018 | Leonard Olberts
 Bei Verdacht auf RS-Viren sollten Eltern unbedingt den Kinderarzt kontaktieren.Von außen betrachtet ähnelt eine RSV-Infektion oft einer harmlosen Erkältung. Doch gerade bei Säuglingen drohen schwerwiegende Komplikationen. Wann Eltern handeln sollten.

Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV, treten zwar auch bei Erwachsenen auf. In den meisten Fällen sind allerdings Kinder unter zwei Jahren betroffen. Die Symptome – Husten, Schnupfen, Fieber – klingen meist innerhalb einer Woche von alleine ab.

Babys droht bei RSV-Infektion Lungenentzündung
Eltern sollten die Lungenerkrankung dennoch unbedingt ernst nehmen: Gerade in den ersten Lebensmonaten droht Babys ein schwerer Krankheitsverlauf mit Bronchiolitis (Entzündung der Bronchiolen) und Lungenentzündung. Eine schwere RSV-Infektion äußert sich unter anderem in einer beschleunigten Atmung und Unlust zu trinken. Eltern sollten bei Verdacht auf RS-Viren den Kinderarzt kontaktieren und eventuell eine Notfallambulanz aufsuchen.

Babys möglichst vor RSV-Infektion beschützen
RS-Viren werden per Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Da Säuglinge nur ein schwach ausgeprägtes Abwehrsystem haben, kommen sie am besten gar nicht erst in Kontakt mit den Erregerviren. Experten empfehlen Eltern und Betreuern daher, häufig die Hände zu waschen und harte Oberflächen im Haushalt regelmäßig zu desinfizieren. Zudem sollten sie das Baby in den ersten Lebensmonaten möglichst nicht großen Menschenmengen aussetzen.

Quelle: Kinderärzte im Netz

Fieber im Kindesalter: Wann sollten Eltern handeln?

Quelle: apotheken.de | 23.11.2017 | Leonard Olberts
 Bei Fieber brauchen Kinder viel Ruhe und Flüssigkeit. Um die exakte Temperatur zu bestimmen, sollte am besten im Po statt im Mund gemessen werden.Erkrankungen gehen bei Kindern besonders häufig mit Fieber einher. Zwar handelt es sich dabei um eine sinnvolle Schutzreaktion des Körpers – in manchen Fällen sollten Eltern jedoch umgehend reagieren.

Das Dreitagefieber ist eine typische Kinderkrankheit, deren Name den fieberhaften Verlauf schon andeutet. Auch andere Krankheiten, zum Beispiel die akute Mittelohrentzündung, sind bei kleineren Kindern oft von Fieber begleitet – schließlich ist ihr Immunsystem noch nicht voll entwickelt.

Fieber senken nicht immer sinnvoll
Die Apothekerin Heidi Günther erklärt: „Fieber ist ein typisches Symptom dafür, dass der Körper gegen Krankheitserreger ankämpft. Es handelt sich also nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern ist ein Zeichen für eine gesunde Körperreaktion, um eingedrungene Viren oder Bakterien zu beseitigen. Ein ansonsten gesunder Körper sollte daher auch mal fiebern dürfen.“ Fiebersenkende Maßnahmen richten sich laut Günther nicht gegen die Ursache der Krankheit und verkürzen auch nicht ihren Verlauf. „Ich rate den Eltern, das Kind lieber sorgfältig zu beobachten und auf seine Bedürfnisse einzugehen.“

Das Immunsystem des Kindes unterstützen
Bei Krankheiten, die von Fieber begleitet werden, helfen Kindern vor allem zwei Maßnahmen: ausreichend trinken und im Bett bleiben. Daneben empfiehlt Günther: „Eltern können ihrem fiebernden Kind helfen, indem sie, je nach Phase, Wärme zuführen, beispielsweise über Decken, Wärmekissen und warmen Tee, oder den Körper bei seinen Bemühungen um Abkühlung unterstützen. Dies kann über eine kühle Raumtemperatur, Wadenwickel oder Waschungen geschehen.“

Wann Eltern einen Arzt aufsuchen sollten
Bei ernsten Symptomen sollten Eltern mit kleinen Kindern umgehend einen Arzt aufsuchen. Dazu gehören:

Durchfall oder Erbrechenstarke Hals- und Ohrenschmerzen, Nackensteife oder trockener HustenFieber über 40 GradFieber, das trotz Antibiotika-Therapie länger als drei Tage anhält.

Quelle: Barmer


Kinderkrankheiten in Deutschland: Verlauf heute zumeist harmlos

Quelle: apotheken.de | 18.10.2017 | Leonard Olberts
 Kinder erkranken besonders häufig an Infekten.In der kalten Jahreszeit verbreiten sich Infekte in Kitas und Kindergärten besonders häufig. Neben Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen treten sogenannte Kinderkrankheiten auf. Was Eltern wissen sollten.

Aufgrund flächendeckender Impfungen treten viele typische Kinderkrankheiten wie Mumps oder Röteln in Deutschland heute kaum noch auf. Doch nicht alle Kinderkrankheiten sind so selten geworden – denn häufig existiert kein Impfstoff. Zwar verlaufen die Erkrankungen meist harmlos, unangenehm werden können sie trotzdem.

Drei-Tage-Fieber ist meist schnell überstanden
Eine der häufigeren Kinderkrankheiten ist das Drei-Tage-Fieber, das bis zum Ende des dritten Lebensjahres auftritt. Wie der Name sagt, leiden betroffene Kinder rund drei Tage an hohem Fieber, bevor es abrupt zurückgeht und einem fleckigen Hautausschlag weicht, der aber schnell verfliegt.

Hand-Mund-Fuß-Krankheit kann wiederkommen
Bei der Hand-Mund-Fuß-Krankheit beschreibt der Name die betroffenen Körperstellen: Es kommt nämlich, nach grippeähnlichen Symptomen, zu einer schmerzhaften Bläschenbildung im Mundraum sowie an den Handflächen und Fußsohlen. In der Regel sind Kinder zwischen zwei und sechs Jahren betroffen. Im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten ist eine erneute Ansteckung möglich.

Ringelröteln treffen auch ältere Kinder
Kinder zwischen fünf und 15 Jahren sind häufig von Ringelröteln betroffen. Bis auf den Namen hat die Krankheit mit Röteln nichts gemeinsam. Häufig verläuft sie symptomlos, es kann aber zu ringelförmigen Ausschlägen kommen. Eine mögliche Gefahr besteht in der Schwangerschaft, da das ungeborene Kind geschädigt werden kann.

Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse