Reisemedizin

Tipps gegen Reisedurchfall: Ungetrübte Urlaubsfreuden

Quelle: apotheken.de | 24.08.2022 | Pheelings media/shutterstock.com
 Wohl dem, der auf Reisen immer ausreichend Toilettenpapier dabei hat.Reisedurchfall kann den Urlaub richtig vermiesen. Zum Glück gibt es Möglichkeiten, ihm vorzubeugen. Und hat es einen trotzdem erwischt, kann man sich oft selbst helfen.

Wärme und Hygienemängel
Bei Reisen in ferne Länder kommt es häufig zu Durchfall. Die Ursachen reichen von ungewohntem Essen, Aufregung und scharfen Gewürzen bis hin zu Darminfektionen. Letztere drohen vor allem in Ländern mit warmem Klima und schlechten Hygienestandards. Denn diese Bedingungen machen es Krankheitserregern besonders leicht, sich in Speisen oder Trinkwasser zu vermehren. Damit man den Urlaub nicht auf der Toilette verbringt, gibt´s einige praktische Tipps zur Vorbeugung:

Häufig und gründlich Hände waschen. Durchfallkeime verbreiten sich besonders gerne über Schmierinfektionen, d.h. von der Hand in den Mund. Vor jedem Essen und nach der Toilette ist Händewaschen angesagt, am besten auch immer wieder zwischendurch. Unterwegs sind zum Reinigen der Hände auch Einmal-Desinfektionstücher praktisch.Kein Leitungswasser trinken. In vielen Ländern ist das Kranwasser mit Keimen belastet. Das Gleiche gilt für Brunnen, Quellen, Flüsse und Bäche. Stattdessen sollte man zu abgepacktem Wasser greifen. Das gilt auch fürs Zähneputzen und Mundausspülen. Ebenso tabu sind Eiswürfel.Vorsicht beim Essen. Rohes Gemüse, Obst, Salat und Kräuter sollte man nur essen, wenn sie geschält oder mit abgepacktem Wasser gründlich abgewaschen wurden. Fleisch und Fisch müssen gut durchgebraten sein – auf Sushi und Carpaccio sollte man auf Reisen besser verzichten. Wer einen empfindlichen Magen hat, übt außerdem besser Zurückhaltung bei Speisen mit scharfen oder fremden Gewürzen.Kontakt mit Tieren meiden. Auch wenn herumlaufende Hunde und Katzen noch so niedlich sind – bitte nicht streicheln. Sie können Krankheitserreger übertragen. Außerdem sollte man darauf achten, Fliegen vom Essen fernzuhalten.

Flüssigkeit, Hefe und Gerbstoffe
Hat es einen trotzdem erwischt, muss man viel trinken, um den durchfallbedingten Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Gut geeignet sind dafür fertige Elektrolytlösungen, die man mit (abgepacktem!) Wasser anrührt. Selbst herstellen geht auch: Dazu mischt man z.B. einen Liter Saft mit einem Teelöffel Salz und zwei Teelöffeln Zucker.

Wer sich schont und viel trinkt, hat eine reisebedingte harmlose Darminfektion meist innerhalb von drei Tagen überstanden. Dann sind die Keime ausgeschieden und der Körper erholt sich wieder. Einige Wirkstoffe aus der Apotheke können den Durchfall auch schon früher stoppen.

Hefeprodukte regenerieren den Darm und fördern die Ausscheidung der Krankheitserreger. Dadurch können sie die Durchfallzeit etwas abkürzen.Gerbstoffe wie Tanninalbuminat hemmen die Wassersekretion aus der Darmschleimhaut in den Darm und lindern auf diese Weise den Durchfall.

Loperamid stoppt die übermäßigen Darmbewegungen und damit auch den Durchfall. In der Folge werden allerdings auch die Krankheitserreger schlechter ausgeschieden. Deshalb darf die Einnahme nicht länger als drei Tage erfolgen. Wer trotzdem weiter unter Durchfall leidet, muss zur Ärzt*in.

Wann zur Ärzt*in?
In manchen Fällen steckt eine ernstere Erkrankung oder eine behandlungspflichtige Infektion hinter dem Durchfall. In diesen Fällen muss ärztlicher Rat eingeholt werden. Anzeichen dafür sind:

Fieber über 39 °C Starker Flüssigkeitsverlust, erkennbar an eingefallenen Wangen, schlechtem Allgemeinzustand, starkem Durst, Schwäche und schnellem HerzschlagKrämpfe oder Schmerzen, häufiges ErbrechenBlutiger oder schleimiger Durchfall.

Quelle: pta heute

Reisen mit chronischer Krankheit

Quelle: apotheken.de | 11.08.2008 | Lukasz Pawel Szczepanski/Shutterstock.com
 Den Insulinbedarf im Urlaub richtig einzuschätzen, ist selbst für erfahrene Diabetiker*innen eine Herausforderung.Auch wer dialysepflichtig ist oder täglich dreimal Insulin spritzen muss, sehnt sich nach Urlaub und Tapetenwechsel; bei jeder Erkrankung gibt es jedoch verschiedene Dinge zu beachten.

Mittlerweile haben sich eine ganze Reihe von Reiseveranstaltern auf die besonderen Bedürfnisse von chronisch Kranken eingestellt. Voraussetzung für eine angemessene Betreuung ist allerdings, vor Reiseantritt um die individuellen Bedürfnisse und „Besonderheiten“ des Reisenden zu wissen und sie bei der Planung mit einzubeziehen. Sehr wichtig ist deshalb das Gespräch mit Reiseveranstaltern und Betreuungspersonal an Bord von Flugzeugen und Schiffen und in den Hotels. Entscheidend ist, die Reise sorgfältig zu planen, mit Ruhe anzugehen und ausreichend Zeit für alle Transfers einzuplanen.

Weiterführende Informationen

http://www.die-reisemedizin.de/data/tipps/behinderte.xml|www.die-reisemedizin.de/data/tipps/behinderte.xml – Kommerzielle Website der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik, Bonn: Auf dieser Seite findet sich eine Fülle von Reisetipps für chronisch Kranke und Behinderte. Sehr hilfreich.

Reisen mit Allergien

Patienten mit Pollenallergie reisen am besten antizyklisch, legen also ihren Urlaub in die Zeit der größten Pollenbelastung zu Hause. Geeignete Urlaubsziele sind alle allergenarmen Gebiete an Küsten oder im Gebirge – über 1 500 m existieren praktisch keine Hausstaubmilben und die Pollenbelastung ist auf ein Sechstel reduziert. Achtung: Bei anderen Reisezielen ist aufgrund klimatischer Unterschiede der Zeitraum der Pollenbelastung häufig verschoben. Vielfach empfohlen werden die Länder bzw. Orte rund ums Mittelmeer mit ihrem milden, warmen Klima und der pollenarmen Seeluft.

Patienten mit |Hausstaubmilbenallergie nehmen Matratzenüberzüge mit, Tierhaarallergiker erkundigen sich beim Vermieter oder Hotel genau nach der Zimmerausstattung. Eine |Sonnenallergie kann durch Sonnenverzicht, zumindest zwischen 11 und 15 Uhr, verhindert oder gemildert werden.

Weiterführende Informationen

http://www.urlaub-mit-allergien.de|www.urlaub-mit-allergien.de – Private Website aus Paderborn. Zwar werden auf der Internetseite Produkte beworben, dennoch sind die beschriebenen Unterkünfte, weiterführenden Links und Literaturtipps für Allergiker sehr hilfreich.

Reisen mit Asthma

Asthmatiker, die auftretende Asthmaanfälle mit Sprays selbst behandeln, können ohne Probleme auf Reisen gehen, wenn sie den Urlaubsort günstig auswählen, sich in einer stabilen Phase der Erkrankung befinden und ausreichend Medikamente mitnehmen.

Flugreisen sind tendenziell zu meiden, da

Sowohl der Sauerstoffpartialdruck erniedrigt als auch die Sauerstoffversorgung erschwert ist Anfälle auf Flügen häufig durch Klimaanlagen, Zugluft und die dort herrschende trockene Luft ausgelöst werden.

Viele Asthmakranke gehen davon aus, dass die salzhaltige Luft an Nord- und Ostsee besonders günstig sei; sie ist jedoch auch besonders rau und manche Patienten reagieren darauf mit Erkältungen. Dagegen haben Mittelmeerländer ein sanftes, reizarmes Klima. Vorsicht ist bei chloriertem Wasser in Frei- oder Hallenbädern geboten, sowie in ozonbelasteten Großstädten mit verkehrsreichen Straßen. Hier sollten Wege besser nur in klimatisierten Fahrzeugen zurückgelegt werden. In vielen Hotels gibt es mittlerweile Allergiker- oder zumindest Nichtraucherzimmer.

Reisen mit Bluthochdruck (Hypertonie)

Für Patienten, die an hohem Blutdruck leiden und medikamentös gut eingestellt sind, gibt es eigentlich keine Einschränkungen auf Reisen. Selbstverständlich sollten das Blutdruckmessgerät und ausreichend Medikamente im Reisegepäck mitgeführt werden. Beim Steigen in größere Höhen und Reisen in heiße Klimazonen sinkt der Blutdruck im Allgemeinen etwas, sodass eine häufigere Kontrolle und gegebenenfalls eine Medikamentenanpassung zu erwägen ist (vorher mit dem Arzt besprechen).

Reisen mit Depressionen und anderen schweren psychischen Erkrankungen

Eine Reise sollte nur in einem stabilen Zustand angetreten werden, niemals aber zum Zwecke der Stimmungsaufhellung, da eine ungewohnte Umgebung und die am Zielort fehlenden Familienangehörigen eine |Depression verstärken oder sogar neu auslösen können (Reisedepression). Hilfreich sind sicher der Kontakt zu einer vertrauten Person sowie ein Notfallplan für eine vorzeitige Rückreise. Vor der Reise sollten die Reisepläne auch mit dem Therapeuten besprochen werden; im besten Fall besteht die Möglichkeit, diesen auch während des Urlaubs erreichen zu können.

Zu beachten ist ferner, dass Medikamente zur | Malariaprophylaxe, z. B. Mefloquin, schwere psychische Nebenwirkungen haben. Auch Medikamente gegen |Reiseübelkeit und selbst Antibiotika können ungewohnt müde machen oder die Stimmung verändern. Andererseits kann es aufgrund eines erhöhten Flüssigkeitsverlusts (beispielsweise bei Durchfällen oder Erbrechen) bei der Einnahme von |Antidepressiva zu Problemen durch Wirkungsminderung kommen.

Reisen mit Diabetes-Eine Frage der Einstellung
Diabetiker können trotz ihrer Erkrankung in den Urlaub fahren, wenn sie sich gut darauf vorbereiten. Worauf es zu achten gilt.

Auch Menschen mit Diabetes wollen mal raus und sich im Urlaub erholen. „Gegen eine Reise spricht nichts, wenn der Betroffene einige Besonderheiten beachtet und sich gut informiert“, meint Dr. Utta Petzold, Medizinerin bei der Barmer GEK. „Mittlerweile gibt es auch Reiseveranstalter mit speziellen Angeboten für Diabetiker, die eine dauerhafte medizinische Betreuung benötigen.“

Reise zu Hause vorbereiten
Empfehlenswert vor einer geplanten Reise ist ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Dieser kann beispielsweise Informationen zu Zeitverschiebung und benötigtem Insulin geben. „Der Hausarzt oder Diabetes-Berater ist erster Ansprechpartner, wenn Unsicherheiten bezüglich einer Reise bestehen“, betont Petzold. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die eigenen Diabeteskenntnisse wieder aufzufrischen: Wie viel Insulin benötige ich bei einer veränderten körperlichen Aktivität? Worauf muss ich bei Fieber oder Erbrechen achten? Auch Informationen zur landestypischen Küche sind hilfreich. Wer weiß, aus welchen Lebensmitteln die angebotenen Speisen bestehen, kann den Kohlenhydratanteil leichter einschätzen. Kohlenhydrat-Austauschtabellen können sehr nützlich sein, da Diabetiker unterwegs nur schwer an entsprechende Informationen kommen.

Trotz Diabetes entspannt vor Ort
„Die ungewohnte Ernährung, mehr oder weniger Bewegung als zu Hause und auch die oft hohen Außentemperaturen nehmen Einfluss auf den Bedarf an Medikation. Für entspannte Ferien ohne medizinische Zwischenfälle sollten Diabetiker im Urlaub daher häufiger als sonst, anfänglich etwa alle drei Stunden, ihren Blutzuckerwert messen“, erklärt Petzold. „Damit der ermittelte Wert korrekt ist, müssen Betroffene auch auf die Zuverlässigkeit der Messung achten, also bei Ausflügen beispielsweise immer im Windschatten messen und unterwegs auf den sachgerechten Transport von Messstreifen und Insulin achten.“

Tipps für die Füße
Da die Füße von Diabetikern oft schmerzunempfindlich sind, sollten Menschen mit Diabetes besonders auf diese achten. Wichtig sind bequeme Schuhe und Strümpfe, um Blasen zu vermeiden und Verletzungen oder Verbrennungen durch heißen Sand, spitze Steine oder Muscheln zu verhindern. Am besten ist es, die Füße jeden Abend zu kontrollieren und Druck- oder Scheuerstellen beziehungsweise Verletzungen richtig zu versorgen. Petzold ergänzt: „Das bedeutet zwar etwas Mehraufwand, ermöglicht aber einen erholsamen Urlaub ohne medizinische Probleme.“

Wichtige Dokumente für die Reise
Bei Anreisen mit dem Flugzeug sind ein Internationaler Diabetiker-Ausweis und wegen der mitgeführten Medikamente, Spritzen und Messgeräte eine ärztliche Bescheinigung für Flugreisen und Grenzkontrollen hilfreich. Eine Reise-Checkliste sowie Vordrucke für wichtige Bescheinigungen gibt es beispielsweise bei der http://www.diabetesde.org/gesund_leben/reisen/reise_checkliste/|Deutschen Diabetes Hilfe. Dort finden Sie auch eine http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Ernaehrung/STANDL_Kohlenhydrataustauschtabelle.pdf|Kohlenhydrat-Austauschtabelle.

Reisen als Dialysepatient

Dialysepatienten können trotz Nierenersatztherapie in viele Länder reisen – lediglich von Reisen in Länder mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen oder weit verbreiteten, ansteckenden Krankheiten ist abzuraten. Patienten, die gerade erst mit der Dialyse begonnen haben, sollten warten, bis sie ihren Körper unter den veränderten Verhältnissen besser kennen. Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten, müssen ständig erreichbar sein.

Im Vordergrund der Reiseplanung steht die Kontaktaufnahme mit einem Dialysezentrum am Reiseziel: |Hämodialyse-Patienten können eine Reise innerhalb Deutschlands sehr kurzfristig planen; bei Reisen ins Ausland sollten sie rechtzeitig einen Platz in einem Dialysezentrum reservieren. Da immer mehr Reedereien Schiffe mit Dialysestationen ausrüsten, können sogar Kreuzfahrten unternommen werden.

Patienten, die eine | Peritonealdialyse durchführen, können sich viel ungezwungener bewegen: Bei spontanen Reisen passt das Zubehör ins Reisegepäck, bei Fernreisen empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einer Firma, die die benötigten Hilfsmittel direkt an den Urlaubsort liefert.

Weiterführende Informationen

http://www.kfh-dialyse.de|www.kfh-dialyse.de – Internetseite des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e. V., Neu-Isenburg: Befasst sich unter der Rubrik Leben mit Nierenersatztherapie ausgiebig mit der „Urlaubsdialyse“.

Reisen mit Gehbehinderung
Rollstühle sind zwar fast überall verfügbar – dennoch raten wir von einem Reiseziel wie Venedig, das reich an Treppen und Brücken ist, ab. Die Unterkunft sollte behindertengerecht ausgestattet sein. Die Mitnahme eines Rollstuhls muss bei Flugreisen vorher angegeben werden; ein ausgefülltes Formular für den Zoll (außerhalb der EU) ist ebenfalls notwendig.

Weiterführende Informationen

http://www.natko.de|www.natko.de – Website der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle e. V. (NatKo, Düsseldorf): Gute Ratschläge für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen jeder Art – für Rollstuhlfahrer, aber auch Sehbehinderte, Menschen mit geistigen Behinderungen und ältere Menschen. http://www.behinderten-hotels.de|www.behinderten-hotels.de – Internetseite, betrieben vom FMG-Verlag, Meerbusch: Bietet behindertengerechte Unterkünfte in ganz Deutschland, nach Bundesländern untergliedert.Folgendes Buch ist auf letzterer Internetseite direkt bestellbar: Y. Escales: Handicapped-Reisen Deutschland. FMG-Verlag, 2007. Informiert über behindertengerechte Urlaubsmöglichkeiten in Deutschland

Reisen mit gerinnungshemmenden Medikamenten
Diejenigen, die Heparin spritzen, brauchen keinerlei Vorkehrungen zu treffen (außer ausreichend Heparin-Fertigspritzen einzupacken).

Bei Marcumar®-Patienten sollte vor der Reise der Gerinnungswert konstant eingestellt werden. Im Idealfall wird der Gerinnungswert innerhalb weniger Tage nach Ankunft am Reiseziel von einem Arzt neu bestimmt. Die Blutgerinnung ist nämlich abhängig von Faktoren wie Klima, Ernährung, Alkoholgenuss oder Bewegung. Sollte eine Kontrolle der | INR-Werte durch den Patienten selbst mithilfe eines Systems wie Coaguchek® erfolgen, so muss der Patient in der ersten Urlaubswoche öfter als sonst messen, um gegebenenfalls eine Anpassung der Dosis vornehmen zu können.

Reisen an Orte ohne gesicherte medizinische Versorgung sind nicht empfehlenswert, denn die Gefahr unstillbarer Blutungen ist auch bei optimal eingestellter Marcumar®-Dosierung stark erhöht.

Reisen mit Herzerkrankungen

Die Faustregel für Patienten mit Herzerkrankungen ist ganz einfach: „Wer beschwerdefrei die Gangway hinaufkommt, ist – was die Herzfunktion betrifft – auch flugtauglich.“ Nach überstandenem |Herzinfarkt ist jedoch frühestens sechs Wochen nach Ausheilung und nach einem Gespräch mit dem Arzt an eine weite Reise zu denken. Bei langen Flugreisen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig, der Konsum von Alkohol oder Zigaretten sollte unterlassen werden. Vorsicht bei der Anwendung des Nitrosprays: Im Flugzeug kann die Wirkung schneller einsetzen als gewöhnlich – eine schnelle Zweitanwendung ist also zu unterlassen. Strikt zu meiden sind Aufenthalte in Höhen über 3 000 m aufgrund des Sauerstoffmangels.

Ein Herzschrittmacher stellt in der Regel kein Hindernis für eine Flugreise dar. Zwar entdecken die Metalldetektoren beim Sicherheitscheck den Schrittmacher, doch der mitgeführte Ausweis und die vorab erfolgte Information des Flughafenpersonals klären die Situation.

Reisen mit Krebs
Ob ein an Krebs erkrankter Patient in der Lage ist zu reisen (und wenn ja, welche Reiseziele geeignet sind), hängt vom Zustand des Patienten ab – eine Vielzahl von Ratschlägen sollte berücksichtigt werden, von denen nur ein paar an dieser Stelle genannt werden können:

Wenn Medikamente, etwa gegen Schmerzen oder Übelkeit, die Fahrtüchtigkeit beeinflussen, sollte man nicht selbst Auto fahren – unter Umständen zahlt die Versicherung im Schadensfall nicht. Flugreisen sollten nur in angemessenem Abstand zu Operationen unternommen werden, weshalb die Flugtauglichkeit durch den Arzt überprüft werden sollte. Patienten, deren Lymphknoten entfernt wurden, können durch erhöhte UV-Strahlung ein | Lymphödem entwickeln. Bestrahlte Haut darf nicht der Sonne ausgesetzt werden. Vorsicht bei Thermal- oder Moorbädern: Die Kreislaufbelastung und die allgemeine Umstellung der Körperfunktionen ist nicht zu unterschätzen, die Wirkung auf die Krebserkrankung ist nicht immer abzusehen. Ob Impfungen (die das Immunsystem zusätzlich belasten) verabreicht werden können, muss individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Weiterführende Informationen

http://www.krebsinformationsdienst.de|www.krebsinformationsdienst.de – Website des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg: Liefert nebst obigen viele weitere Hinweise.

Reisen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen

Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist das Reisen in Gebiete mit einem niedrigen Hygienestandard wegen einer wahrscheinlichen Verschlimmerung der Durchfälle ein hohes Risiko. Denn zum einen kommt die fragile Darmflora durch die fremde Kost durcheinander, die Beschwerden verstärken sich. Zum anderen setzen die Basistherapeutika die Immunabwehr herab und machen eine Infektion wahrscheinlicher. Aber auch Patienten mit starker Verstopfungsneigung oder |Divertikulitis kann ein eingeschränktes Nahrungsmittelangebot am Urlaubsort zur Verzweiflung treiben.

So sind für Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen letztlich Luxushotels, die weltweit europäische Essensstandards garantieren, die einzige Möglichkeit, größere Komplikationen zu verhindern. In jedem Fall ist vor der Reisebuchung ein Gespräch mit dem Hausarzt anzuraten.

Reisen mit Rückenproblemen

Probleme bereiten Fahrten im Auto oder Wohnmobil. Auch Nächte in fremden Hotelbetten haben schon so manchem Patienten mit |Rückenproblemen den Urlaub verdorben. Leider nehmen auch die derzeitigen Hotelklassifikationen keinerlei Bezug auf die Bettenqualität, sodass auch in einem teuren Hotel durchgelegene Matratzen die Nachtruhe verderben können. Tipp: Matratze zur Not auf den Boden legen – dann ist man zumindest den Störfaktor Lattenrost los. Wen ein Kilo zusätzliches Gepäck nicht stört, kann sich eventuell mit einer aufblasbaren Reisematratze unabhängig machen, die es heute in hoher Qualität und trotzdem reisetauglichen Packmaßen gibt.

Weiterführende Informationen

http://www.agr-ev.de|www.agr-ev.de – Website der Aktion Gesunder Rücken e. V. (AGR, Selsingen): Mit Tipps zu Autositzen, Liegesystemen und „rückengerechten Hotels“ sowie zu rückenschonendem Verhalten.

Weiterlesen:

Reisen im AlterProbleme bei Flugreisen

Was bei Reiseübelkeit hilft: Das sagt Stiftung Warentest

Quelle: apotheken.de | 31.05.2022 | leungchopan/Shutterstock.com
 Für manche geht es im Flieger nicht ohne Tüte.Ob auf dem Schiff, beim Autofahren oder im Flieger: Kommt auf schwankendem Untergrund das Gleichgewicht aus dem Lot, wird manchen Menschen regelmäßig schwindlig und oft auch zum Erbrechen übel. Doch mit den richtigen Medikamenten und Maßnahmen lässt sich der Reisekrankheit vorbeugen.

Zwei Wirkstoffe empfohlen
Vier Wirkstoffe zur Vorbeugung von Reiseübelkeit hat die Stiftung Warentest unter die Lupe genommen:

Scopolamin gibt es als verschreibungspflichtiges Pflaster. Es ist für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren zugelassen. Das Pflaster soll etwa fünf bis sechs Stunden vor Reiseantritt hinter das Ohr geklebt werden. Wichtig dabei: Die Stelle muss trocken, unbehaart und vor allem unverletzt sein. Auf dem aufgeklebten Pflaster darf nicht herumgedrückt werden – sonst wird zuviel Wirkstoff abgegeben und über die Haut ins Blut aufgenommen. Solche Überdosierungen machen sich mit Unruhe, Verwirrtheit oder sogar Halluzinationen bemerkbar. Bei adäquater Dosierung drohen ebenfalls Nebenwirkungen, z. B. Schläfrigkeit und Schwindel. Wer es nutzt, sollte sich deshalb nicht selbst ans Steuer eines Autos oder Bootes setzen. Vorsicht ist auch beim Abziehen geboten: Kommt der Wirkstoff ins Auge, drohen Akkomodationsstörungen, d.h. die Nah- oder Ferneinstellung des Auges ist erschwert. Deshalb ist nach Anbringen und Entfernen des Pflasters gründliches Händewaschen nötig.Diphenhydramin blockiert die Histaminrezeptoren im Gleichgewichtsorgan und wirkt deshalb gut gegen Reiseübelkeit. Es muss nur 30 Minuten vor Reiseantritt eingenommen werden. Der Wirkstoff macht sehr oft müde und schläfrig. Auch hier sollte man deswegen keine Fahrzeuge selber steuern.. Diphenhydramin ist in der Dosierung von maximal 25 bis 50 mg auch für Kinder ab sechs Jahren zugelassen. Die Stiftung Warentest hält das Präparat jedoch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen für Kinder nur mit Einschränkungen für geeignet (siehe unten).Dimenhydrinat kombiniert in verschiedenen Reisekaugummis Diphenhydramin mit 8-Chlortheophyllin, um die müdemachende Wirkung des Antihistaminikums auszugleichen. Die Arzneiexpert*innen der Stiftung Warentest sehen darin allerdings keinen Vorteil und halten Mittel mit Dimenhydrinat nur eingeschränkt für geeignet.Auch pulverisierte Ingwerwurzeln sind in der Apotheke erhältlich und sollen gegen Reiseübelkeit helfen. Ihre Wirkung ist jedoch schwächer als die der synthetischen Medikamente. Dafür treten jedoch keine wesentlichen Nebenwirkungen auf.

Vorsicht mit Medikamenten bei kleinen Kindern
Kinder von zwei bis zwölf Jahren leiden oft ganz besonders unter Reiseübelkeit. Allerdings reagieren sie empfindlicher auf die oben genannten Wirkstoffe. Neben der Müdigkeit drohen Unruhe, Verstopfung, Fieberkrämpfe und eine erhöhte Sonnenempfindlichkeit. Deshalb sollten Medikamente bei Kindern erst dann zum Einsatz kommen, wenn allgemeine Maßnahmen versagt haben.

Was kann man sonst noch tun?
Empfohlen werden Kindern wie Erwachsenen gegen Reiseübelkeit:

Vor Fahrtantritt nur etwas Leichtes essen, das den Magen nicht belastet. Während der Fahrt auf Alkohol und Nikotin verzichten.Den stabilsten Sitzplatz wählen. Im Auto ist dies der Beifahrersitz, im Bus der Bereich hinter der Vorderachse, im Schiff die Mitte, im Flugzeug an den Tragflächen.Beim Fahren nicht lesen oder spielen, sondern aus dem Fenster schauen, am besten nach vorne.Auf einem Schiff an die frische Luft aufs Deck und den Horizont fixieren.

Quellen: Stiftung Warentest, ptaheute

Reisetipps für Zuckerkranke: Diabetes gut im Griff

Quelle: apotheken.de | 27.04.2022 | goffkein.pro/shutterstock.com
 Auf Reisen sollte der Blutzucker besonders häufig gemessen werden.Blutzucker messen, Insulin spritzen, auf die Kohlenhydratzufuhr achten – ein Diabetes macht das Reisen umständlicher, aber keinesfalls unmöglich. Hauptsache, man bereitet sich gründlich auf den Urlaub vor.

Arztbrief in der Landessprache
Schon vier bis sechs Wochen vor der Abfahrt ist für Diabetiker*innen ein ärztlicher Gesundheitscheck anzuraten. Dabei lässt man sich auch einen Arztbrief und eine Bescheinigung für Spritzen, Medikamente und andere Hilfsmittel ausstellen – am besten gleich auf Englisch oder sogar in der Sprache des Urlaubslandes. Auf diese Weise ist man auf Arztbesuche im Ausland vorbereitet und kommt ohne Probleme über die Grenze. Sinnvoll ist auch, eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransport abzuschließen, rät der Diabetologe Andreas Leischker.

Insulin darf nicht schwitzen und nicht frieren
Bei der Mitnahme der Medikamente ist vor allem das Insulin ein Knackpunkt. Unter 30° C ist es drei Wochen haltbar, über 30° C nur wenige Tage und über 40° C sogar nur Stunden. Deshalb darf Insulin keinesfalls in einem geparkten Auto liegen bleiben oder ungeschützt im Strandkorb liegen. Hier rät der Fachmann zu einer Kühltasche, kurzfristig kann man das Insulin auch in ein feuchtes Handtuch wickeln.

Aber auch zu kalte Temperaturen machen Insulin unwirksam: Im Flugzeug gehört es deshalb ins Handgepäck und nicht in den Gepäckraum, wo Minusgrade herrschen. Beim Skifahren oder bei Winterwanderungen sollte es frostsicher in einem Brustbeutel unter der Kleidung mitgeführt werden.

Knackpunkt Unterzuckerung
Eine typische Gefahr beim Diabetes ist die Unterzuckerung. Deshalb sollten Diabetiker*innen auf Reisen ihren Blutzucker wiederholt messen und immer Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk dabeihaben. Erhöht wird das Unterzuckerrisiko durch Hitze und Alkohol. Wer gerne einen Sundowner genießt, nimmt dabei am besten immer einen Snack zu sich. Angelsächsisch nennt man diese Kombi auch Cocktail and Carb.

Vor allem nach Alkoholgenuss sollte man vor dem Zu-Bett-Gehen immer den Blutzucker messen. Liegt er unter 120 mg/dl, empfiehlt Leischker ein Betthupferl. Sicherheitshalber stellt man sich bei solch niedrigen Werten den Wecker, um nachts den Blutzucker noch einmal zu kontrollieren. Denn viele Unterzuckerungen treten zwischen 3 und 5 Uhr morgens auf.

Quelle: Ärztezeitung

Fernreisen mit Diabetes: Medikamente & Co. richtig aufbewahren

Quelle: apotheken.de | 09.08.2021 | xMaskotx/imago-images.de
 Auf Reisen sollten Diabetiker*innen ihren Blutzucker am besten alle zwei Stunden kontrollieren.Nicht wenige Menschen mit Diabetes mellitus verzichten aus Sorge vor Komplikationen auf eine Urlaubsreise ins Ausland. Doch bei guter Planung sind die Sorgen unbegründet. Was Patient*innen beachten müssen.

Blutzucker alle zwei Stunden kontrollieren
„Exotische Fernreisen stellen für Menschen mit Diabetes heutzutage kein Problem mehr da“, beruhigt die Diabetesberaterin Aline Didas. „Der Planungsaufwand einer Reise bei einer chronischen Erkrankung wie Diabetes ist höher als bei stoffwechselgesunden Menschen. Aber wenn sie gut geplant ist, steht der Reise nichts mehr im Weg.“

Besonders bei entfernten Zielen gibt es einiges zu beachten. Erst einmal muss der Rhythmus der Insulinzufuhr der neuen Zeitzone angepasst werden. Vorab dabei helfen können eine entsprechend geschulte Ärzt*in oder eine Diabetesberater*in. Die ungewohnte Umgebung und ein möglicher Jetlag sorgen häufig für Stress, der sich auf den Blutzuckerspiegel auswirkt – ebenso wie das Klima und die Essensgewohnheiten im Urlaubsland. „Reisende sollten ihren Blutzucker alle zwei Stunden kontrollieren, um einer Stoffwechselentgleisung rechtzeitig vorzubeugen“, rät Didas.

Bescheinigung für Beförderung im Handgepäck nötig
Wichtig sind auch richtiger Transport und Lagerung der benötigten Utensilien. Bei Flugreisen benötigen Diabetes-Patient*innen eine Bescheinigung zum Mitführen von Spritzen, Pens, Ampullen und Insulin im Handgepäck. Achtung: Im Frachtraum gefriert das Insulin und wird unbrauchbar. Am Urlaubsort müssen Teststreifen, Blutzuckermessgeräte und Medikamente vor starker Sonneneinstrahlung geschützt und daher am besten in einem Kühlschrank (zum Beispiel in der Minibar) oder in einer speziellen Kühltasche oder Styroporbox gelagert werden.

Notfall-Dokumente in der Landessprache mitführen
Für den Notfall empfiehlt es sich, stets einen internationalen Diabetes-Pass oder ein Dokument in der jeweiligen Landessprache, das über die bestehende Erkrankung Auskunft gibt, bei sich zu tragen.

Einen Diabetikerausweis in mehreren Sprachen finden Sie hier.

Eine ärztliche Bescheinigung für Flugreisen oder Grenzkontrollen finden Sie hier.

Quelle: Deutsche Diabeteshilfe

Periode in den Herbst verschieben?: Für ungestörten Strandurlaub

Quelle: apotheken.de | 21.07.2021 | Skumer/Shutterstock.com
 Ohne Regelblutung ist das Strandleben entspannter.Im Sommerurlaub kann die Periode ganz schön stören. Manche Frauen nehmen dann ihre Antibabypille durchgehend und lassen die Blutung so ausfallen. Doch wie riskant ist solch eine Zyklusverschiebung?

Mehrmonatiger Langzeitzyklus möglich
Die Antibabypille unterdrückt den Eisprung und verhindert dadurch eine Schwangerschaft. Klassischerweise wird sie 21 Tage lang eingenommen, in der siebentätigen Pause kommt es zu einer Abbruchblutung. Wann die Periode beginnt, lässt sich prinzipiell also gut steuern. Fällt die Blutung auf einen ungünstigen Zeitpunkt, nehmen einige Frauen die Hormone länger ein und verschieben die Abbruchblutung auf einen späteren Zeitpunkt.

Mit Einphasenpillen ist ein mehrmonatiger Langzeitzyklus möglich. Einphasenpillen sind die Antibabypillen, die Estrogen und Gestagen in konstanten Konzentrationen enthalten. Es gibt sogar Präparate, die speziell für die Einnahme von drei Monaten ausgelegt sind. Denn ob die Abbruchblutung nach 21,28, 32 Tagen oder einige Wochen später einsetzt, ist egal, sagt die Hamburger Frauenärztin Anneliese Schwenkhagen. Die Pillenerfinder*innen haben in den sechziger Jahren die Einnahmezeit an den natürlichen Zyklus angepasst, medizinisch ist dies aber nicht zwingend nötig.

Medizinische Gründe für Dauereinnahme
Es gibt sogar medizinische Gründe für eine Langzeiteinnahme. Viele Frauenärzt*innen raten dies bei Endometriose, starken Regelschmerzen oder Migräne. Auch eine Dauereinnahme aus Lifestyle-Gründen hält die Hamburger Frauenärztin für problemlos. Allerdings sollte die Patientin vor der Langzeiteinnahme gründlich über Vor- und Nachteile der Pille aufgeklärt werden. Zudem gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse über mögliche Folgen einer dauerhaften Langzeiteinnahme.

Schlechte Idee: Pilleneinstieg mit Dauereinnahme
Die Pille nur im Sommer einzunehmen, um dann blutungsfrei zu sein, hält Frauenärztin Dorothee Struck für keine gute Idee. „Gerade zu Beginn der Einnahmezeit hormoneller Verhütungsmittel ist das Risiko für Thrombosen, Embolien und Schlaganfälle am höchsten“. Verstärkt wird die Thrombosegefahr noch dadurch, dass im Urlaub häufig langes und beengtes Sitzen angesagt ist, z.B. auf Flugreisen oder bei langen Autofahrten.

Zudem ist die Pille kein homöopathisches Arzneimittel. Durch ihren Einfluss auf den Hormonhaushalt hat sie neben der erhöhten Thrombosegefahr auch noch andere Risiken: Sie verändert die Libido, kann zu Gewichtszunahme, Depressionen und Blutdruckanstieg führen und das Risiko für Brustkrebs und suizidales Verhalten erhöhen.

Quelle: http://|ptaheute

Reiseimpfung für kleine Kinder: Fernreise geplant?

Quelle: apotheken.de | 16.06.2021 | Blickwinkel/imago-images.de
 Richtig vorbereitet kann man auch mit kleinen Kindern in die Ferne reisen.Ob Gelbfieber oder Hepatitis, bei Fernreisen ist ein guter Impfschutz das A und O. Das gilt natürlich auch für Kleinkinder. Aktuelle Empfehlungen für Kinder unter 5 Jahren hat kürzlich das Robert Koch-Institut herausgegeben.

Grundimmunisierung muss sein
Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren sind bei Infektionen generell stärker gefährdet als Erwachsene und Jugendliche, warnt das Robert Koch-Institut (RKI). Deshalb sollte jedes in Deutschland lebende Kind gemäß den STIKO-Empfehlungen durchgeimpft sein. Diese Grundimmunisierung schützt auch gegen Erkrankungen, die einem auf Auslandsreisen begegnen können – wie etwa Poliomyelitis, Tetanus oder Hepatitis B. Für Reisen in Risikogebiete, in denen Gelbfieber und Tollwut drohen, sollten sich Eltern frühzeitig um den passenden Impfschutz für ihren Nachwuchs bemühen.

Gelbfieber: Kinder über neun Monaten dürfen gegen Gelbfieber geimpft werden. Damit die Impfreaktion nicht abgeschwächt wird, ist allerdings zu anderen Lebendimpfungen (Impfungen mit abgeschwächten Erregern, wie beispielsweise die Masernimpfung oder die Grippeimpfung) ein Abstand von vier Wochen einzuhalten. Sechs- bis neunmonatige Kinder dürfen nur in Ausnahmefällen wie etwa einem Gelbfieberausbruch geimpft werden. Für Kinder unter sechs Monaten ist sie verboten, weil bei ihnen die Gelbfieberimpfung das Risiko für eine impfbedingte Gehirnentzündung und andere neurologische Komplikationen erhöht. Hepatitis A. Ob Ägypten oder die Tropen, für viele Reiseziele wird die Impfung gegen Hepatitis A empfohlen. Ab dem vollendeten 1. Lebensjahr ist das auch bei kleinen Kindern möglich. Und sinnvoll, wie das RKI betont. Zwar erkranken die Kleinen meist nicht schwer an der Hepatitis A. Sie scheiden aber die Viren besonders lange aus und können daher nach ihrer Rückkehr Ausbrüche in ihrer Umgebung verursachen. Mit einer Impfung lassen sich Infektion und Ausscheidung vermeiden. Meningokokken. Laut STIKO sollen in Deutschland lebende Kinder gegen Meningokokken der Serogruppe C geimpft sein. Sind Reisen in den Meningitisgürtel (Gebiet in Afrika vom Senegal quer über den Kontinent bis nach Äthiopien) geplant, empfiehlt das RKI die Meningokokkenimpfung mit einem Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y. Tollwut. Ein hohes Tollwutrisiko besteht in Afrika, Mittel- und Südostasien. Häufige Quelle sind an Stränden herumstreunende Hunde. Kinder sind aufgrund ihres Spielverhaltens und ihrer Körpergröße besonders gefährdet, gebissen zu werden. Die hoch wirksame und gut verträgliche Tollwutimpfung schützt vor der Infektion und darf in jeder Altersklasse verabreicht werden. Das RKI rät deshalb bei Reisen in Tollwutgebiete dringend zur Impfung. Typhus. Kinder erkranken auch leichter an Typhus als Erwachsene. Bei Reisen in Endemiegebiete (Afrika, Südostasien) ist für sie eine Impfung sinnvoll. Der Impfstoff zum Schlucken ist allerdings erst für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Für kleinere Kinder ab zwei Jahren gibt es jedoch einen Typhusimpfstoff, der gespritzt werden kann.

Quelle: Epidemiologisches Bulletin

Erst planen, dann genießen: Urlaub vom Heuschnupfen

Quelle: apotheken.de | 17.08.2020 | Skumer/Shutterstock.com
 Die salzige Luft am Meer lindert nicht nur die Symptome, je nach Windrichtung enthält sie auch nur wenige Pollen.Dem Heuschnupfen wenigstens im Urlaub zu entfliehen - für viele Allergiker die Voraussetzung für ungetrübten Ferienspaß. Das bedarf zwar etwas Vorwissen bei der Reiseplanung, ist aber durchaus möglich.

Wer seine Allergie kennt, wählt gezielter
Wer schnupfenfrei verreisen will, sollte wissen, welche Pollenart die Symptome verursacht. Das lässt sich mit einem speziellen Test beim Facharzt leicht herausfinden. Ist der Auslöser bekannt, hilft ein internationaler Pollenflugkalender und ein wenig Wissen über die Urlaubsregion bei der Auswahl des Reisezieles. So gibt es z. B. in Skandinavien sehr viele Birkenpollen, im Mittelmeerraum dagegen fast keine. Außerdem blühen im Süden Gräser und Bäume früher als im Norden.

Wo es weniger Pollen gibt
Allgemein gilt: Wer unter Pollenallergien leidet, fährt lieber ans Meer oder ins Hochgebirge, da dort die Pollenbelastung geringer ist.

In Deutschland bietet sich dafür die Nord- oder Ostsee besonders gut an. Die salzige, magnesium- und jodhaltige Luft beruhigt zudem die Atemwege und lindert die Symptome.Auch die Atlantikküste in Frankreich, Spanien oder Portugal oder die Mittelmeerregion sind geeignete Reiseziele. Aber Achtung: weht der Wind doch mal aus dem Landesinneren, steigt auch am Meer die Pollenbelastung an. Deshalb sollten Allergiker trotz sorgfältig ausgewähltem Reiseziel ihre Medikamente immer dabeihaben.Optimale Bedingungen bietet zudem das Tote Meer. Dieses liegt zwar im Landesinneren, doch rundherum gibt es nur Wüste – daher ist die Luft hier komplett frei von Pollen.Wer auf Festland verzichtet, findet pollenfreie Luft auch auf einem Segeltörn auf hoher See.Wanderfreudige erholen sich gut in den Bergen. Dieses Reiseziel ist auch für Hausstauballergiker gut geeignet: Ab etwa 1500 bis 2000 Metern fliegen nicht nur weniger Pollen, auch Hausstaubmilben finden hier nicht die richtigen Bedingungen, um zu überleben.

Quellen: DAAB, Deutscher Allergie- und Asthmabund und http://www.allergiezentrum.org/de/allergien/allergiker-auf-reisen|Zentrum für Rhinologie und Allergologie

Wahrheit oder Mythos: Wie Stechmücken ihre Opfer wählen

Quelle: apotheken.de | 10.08.2020 | mycteria/Shutterstock.com
 Weibliche Mücken benötigen Blut für die Entwicklung ihrer Eier.Steigende Temperaturen wecken nicht nur bei uns Menschen die Lebensgeister. Ab etwa 10 Grad werden auch Stechmücken wieder aktiv und können so manchen lauen Sommerabend verleiden. Doch wie finden Stechmücken eigentlich ihre Opfer und wie hält man sie sich wirksam vom Leib?

Stechmücken brauchen Blut für die Entwicklung ihrer Eier
Nicht alle Mücken stechen: Nur die weiblichen Mücken benötigen Blut für die Entwicklung ihrer Eier. Ihren eigenen Nährstoffbedarf decken sowohl weibliche als auch männliche Mücken über Blütennektar und andere zuckerhaltige Pflanzensäfte. Da Mückenstiche unangenehm sind, nützt es durchaus, sich etwas Hintergrundwissen anzueignen, um den ein oder anderen Stich zu vermeiden.

Über Mythen und Fakten
Mythos Nummer 1:

„Ein übermäßiger Knoblauchverzehr oder das Aufhängen von Knoblauch in der Wohnung hält Stechmücken fern.“

Dieser Mythos hält sich schon lange, ist aber nicht richtig. Es stimmt, dass Mücken einen äußerst guten Geruchssinn haben, sie orientieren sich aber am Kohlendioxid aus der Atemluft, das sie bereits aus einer Entfernung von etwa 50 Metern riechen. Zusätzlich nehmen sie Ammoniak, Milchsäure, Fettsäuren und Harnstoff wahr. Damit ist Körperschweiß das zweit wichtigste Lockmittel.

Statt Knoblauch hilft z. B. das Auftragen von Insektenschutz auf die Haut. Dies stört die Wahrnehmung der Stechmücken, die Menschen werden dadurch für Mücken uninteressant.Mythos Nummer 2:

„Licht zieht Stechmücken an.“

Viele Insekten werden vom Licht angezogen, Stechmücken aber nicht. Sie haben einen sehr schlechten Sehsinn und landen bevorzugt auf Flächen mit dunklen, kontrastreichen Farbtönen. Damit man also nicht als Landeplatz für Stechmücken wahrgenommen wird, empfiehlt sich das Tragen von heller Kleidung. Ist die Kleidung zusätzlich weit geschnitten und liegt nur locker auf der Haut, haben Stechmücken eine geringere Chance mit ihrem Stechapparat durchzudringen.Mythos Nummer 3:

„Mücken meiden Ultraschallwellen.“

Dies ist ebenfalls nur ein Mythos – das Aufstellen von Ultraschallgeräten in der Wohnung bleibt also wirkungslos. Mücken reagieren aber sehr sensibel auf die Körpertemperatur. Sie bevorzugen Wärme, weshalb vermutlich Schwangere häufiger gestochen werden.

Sind sehr viele Mücken vor Ort, hilft nur noch das Befestigen von feinen Netzen an Fenstern und Türen sowie das Anbringen von Moskitonetzen über dem Bett.

Quelle: PTA heute, Praxiswissen für die Apotheke, Ausgabe 9/2019

Wolken, Sonnenhut oder Creme: Was schützt am besten vor der Sonne?

Quelle: apotheken.de | 18.07.2020 | Max Topchii/Shutterstock.com
 Bei ausreichend Sonnenschutz hat die Haut auch in vielen Jahren noch gut lachen.Dass zu viel Sonne Hautkrebs verursacht, ist inzwischen wohl jedermann bekannt. Zu sommerlichen Sonnenfreuden ? egal ob im Schwimmbad, beim Wandern oder beim Sonnenbad auf dem Balkon ? gehört deshalb immer ein ausreichender Sonnenschutz. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie Sie die Intensität von UV-Strahlen besser beurteilen können, welche Textilien schützen, was Sie in puncto Lichtschutzfaktor beachten müssen und was vom Sonnenschutz von innen zu halten ist.

Sonnenlicht und Haut
Sonnenstrahlen haben es in sich: Etwa die Hälfte des Strahlenbündels ist sichtbares Licht, 44% davon sind Wärme und ungefähr 4% bestehen aus ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen). Schädliches Potenzial für die menschliche Haut haben vor allem das langwellige UV-A-Licht und das kurzwelliges UV-B-Licht , diskutiert wird zudem der Einfluss von Infrarotstrahlung und hochenergetischem Licht im Bereich von 400 bis 780 nm.

Dringen UV-Strahlen in die Zellkerne der Hautzellen vor, lösen sie dort spezifische Veränderungen (Mutationen) an der Erbsubstanz, der DNA, aus. Die langfristigen Folgen dieser Erbgutveränderungen sind eine beschleunigte Hautalterung sowie die Bildung von Krebsvorstufen (Präkanzerosen) und Hautkrebs (Malignes Melanom, Basaliom).

In geringen Maßen kann sich die Haut selbst vor der schädlichen Strahlung schützen. So ist der Kontakt mit UV-Strahlen Auslöser dafür, dass sich den oberen Hautschichten Zellen vermehren und eine Lichtschwiele entsteht - die Haut wird also dicker und unempfindlicher. Dringen die UV-Strahlen in tiefere Hautschichten ein, bildet sich dort vermehrt das Pigment Melanin. Das dunkle Melanin legt sich wie ein Schutzschild über den Zellkern und fängt UV-Strahlung ab. In der Folge erreichen weniger schädigende UV-Strahlen das Erbgut der Hautzellen, als Nebeneffekt wird die Haut gebräunt.

Diese natürlichen Schutzmechanismen sind die Grundlage für die „Eigenschutzzeit“. Abhängig von Hauttyp und Intensität der UV-Strahlung gibt sie an, wie lange man sich ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen in der Sonne aufhalten kann (in der Regel zwischen 5 Minuten beim hellsten Hauttyp und 60 Minuten beim Hauttyp 5). Wie man sieht, ist der Eigenschutz bei heller Haut sehr schnell überfordert. Um länger die Sonne genießen zu können, benötigen vor allem hellhäutige Menschen einen ausreichenden Lichtschutz.

Hinweis: Hautkrebs entsteht durch Veranlagung, aber auch durch äußere Ursachen, die sich beeinflussen lassen. Als bedeutsamster Risikofaktor gilt das UV-Licht, daneben erhöht aber auch das Rauchen das Hautkrebsrisiko.

Lichtschutz muss sein
Strenggenommen ist Sonnenschutz ganz einfach: So soll starke Sonneneinstrahlung, wann immer möglich, gemieden werden. Zum Glück für Outdoorfreunde und Sonnenanbeter gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, sich vor den Schädigungen durch UV-Licht zu schützen. In einer Rangfolge nach Nutzen geordnet sind dies:

Sonnenexposition und UV-Strahlung beurteilen und sich danach verhaltentextilen Lichtschutz tragenSonnenschutzpräparate verwenden.

Hinweis: Viele Menschen setzten sich lange ungeschützt der Sonne aus, weil sie glauben, so einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Dabei genügen schon täglich 10 Minuten Sonne auf der Haut, um die Vitamin-D-Bildung anzukurbeln. Das restliche Sonnenbad sollte zum Schutz vor Hautkrebs mit ausreichend Lichtschutz verbracht werden.

Strahlengefahr einschätzen
Bei der Entscheidung welcher und wie viel Lichtschutz erforderlich ist, helfen zur Beurteilung der UV-Intensität schon ein paar einfache Tipps:

Um die Mittagszeit ist die UV-Strahlung am intensivsten, da sie senkrecht vom Himmel kommt und ihre Wegstrecke durch die strahlenabsorbierende Atmosphäre bis zur Erdoberfläche am kürzesten ist.Wolken schützen nicht vor UV-Strahlung, ein Großteil des UV-Lichts passiert die Wolkenschicht.Für Aufenthalte im Gebirge gilt: Pro 1000 Höhenmeter nimmt die Energie der UV-Strahlen um 15 bis 20% zu.Ein Sonnenschirm allein reicht häufig nicht, da die UV-Strahlen nicht nur von oben kommen. So reflektiert Schnee etwa 100% der Strahlung, weißer Sand 80% und bewegtes Wasser etwa 50% der Strahlung.Wasser schützt nicht vor UV-Strahlen: Etwa 50% der UV-B-Strahlen und 75% der UV-A-Strahlen dringen bis zu 1 m tief ins Wasser ein.

Wer Genaueres zur aktuellen Strahlungsintensität wissen möchte, zieht den UV-Index (UV-I) zu Rate. Hierbei handelt es sich um einen wissenschaftlichen Wert, der Auskunft über die sonnenbrandwirksame Bestrahlungsstärke gibt. Dieser Wert wird mit Hilfe von Sonnenstand, Bewölkung, Ozonschicht und Höhenmeter berechnet und wie die Wetterdaten regelmäßig aktualisiert. Er umfasst eine Skala von 1 bis 11+. Jedem Skalenabschnitt sind bestimmte Vorkehrungsmaßnahmen zugeordnet. Beispielsweise erfordern UVI-Werte von 1–2 keinen UV-Schutz, ab einem UVI-Wert von 3 werden T-Shirt, Sonnenschutzmittel und Kopfbedeckung erforderlich und bei UVI-Werten über 8 ist es besser, mittags nicht nach draußen zu gehen. In Deutschland beträgt der UVI beispielsweise in den Monaten Mai bis August mittags um 13:00 Uhr etwa 5 bis 8, nähert sich damit also der hohen gesundheitlichen Gefährdung. Morgens um 10 Uhr und nachmittags um 16 Uhr beträgt er dagegen nur die Hälfte.

Hinweis: Der UV-Index wird regelmäßig vom Deutschen Wetterdienst veröffentlicht und ist online unter www.uv-index.de zu finden.

Lichtschutz einfach anziehen
In der hautärztlichen Lichtschutz-Hitparade rangieren Kleidungsstücke und Hüte noch vor den Sonnencremes an dritter Stelle. Das liegt daran, dass mit geeigneten Textilien ein deutlich stärkerer Sonnenschutz erzielt werden kann. Der Lichtschutz durch T-Shirt & Co. hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Je dichter der Stoff gewebt und je dunkler er ist, desto besser ist der UV-Schutz. Dazu kommt noch der Zustand des Gewebes: Ein helles Baumwoll-T-Shirt lässt etwa 10 bis 20% der UV-Strahlen durch. Ist es nass (z. B. nach dem Aufenthalt im Wasser), erhöht sich die Durchlässigkeit um 50% und mehr.

Der UV-Schutz wird bei Textilien mit verschiedenen Normen gekennzeichnet, in Deutschland gibt es die Prüfmethode UV-Standard-801. Dabei wird die UV-Durchlässigkeit des Stoffs unter ungünstigsten Trage- bzw. Nutzungsbedingungen geprüft, z. B. bei Dehnung, Feuchtigkeit oder gealtertem Gewebe. Der danach ermittelte Schutzfaktor heißt UPF (Ultraviolett Protection Factor) und reicht von 10 bis 80. Er gibt an, um wieviel länger sich der Nutzer mit der UV-Schutzbekleidung in der Sonne aufhalten kann. Inzwischen gibt es zahlreiche Hersteller, die UV-Schutzkleidung für die verschiedensten Bereiche von Sport und Freizeit bis hin zu Arbeit anbieten.

Hinweis: Noch wird die UV-Schutzwirkung nicht generell auf Kleidungsstücken angegeben. Einen Hinweis ibt das Halten des Kleidungsstücks gegen die Sonne: Je weniger Licht der Stoff durchlässt, desto größer ist der UV-Schutz.

Sonnencreme ? worauf muss man achten?
Sonnenöle, -milch und -cremes werden seit Jahrzehnten als Schutz vor UV-Strahlung eingesetzt. Ihr Maß ist der Lichtschutzfaktor (LSF). Multipliziert mit der Eigenschutzzeit gibt er an, wie viele Minuten man nach dem Auftragen vor einem Sonnenbrand geschützt ist. Der niedrigste LSF ist 6, der höchste 50+.

Ein Rechenbeispiel: Menschen mit Hauttyp 1 (sehr helle Haut, hellblonde Haare, blaue Augen, werden nicht braun in der Sonne) können ohne Lichtschutz etwa 5 Minuten in der Sonne bleiben. Mit einer Creme LSF 30 verlängert sich diese Zeit auf ca. 150 Minuten, also 2,5 Stunden. Nachcremen verlängert die Schutzzeit nicht, sorgt aber dafür, dass durch Schwitzen oder Abrieb auf das Badehandtuch verloren gegangene Creme ersetzt und der Lichtschutz aufrechterhalten wird.

Der LSF macht allerdings nur eine Aussage über den Schutz vor UV-B-Strahlen. Ob ein UV-A-Schutzfaktor (genannt UV-A-PF) vorliegt, lässt sich an einem auf der Packung aufgedruckten Symbol erkennen. Dieses kreisförmige Siegel sagt aus, dass der UV-A-PF mindestens ein Drittel des LSF beträgt. Ein Präparat mit LSF 30 muss also einen UV-A-PF von mindestens 10 aufweisen.

Doch ob LSF oder UV-A-PF, ein Lichtschutz kann nur wirken, wenn er richtig aufgetragen wird ? und genau hier befindet sich die Achillesferse der Sonnencremes. Um ausreichend zu wirken, sind etwa 2 mg pro cm2 Haut aufzutragen. Ein 1,80 m großer, 80 kg schwerer Mann mit einer Körperoberfläche von 2 m2 braucht dementsprechend etwa 40 g Sonnenschutzmittel pro Anwendung. Das bedeutet, dass bei korrekter Verwendung ein Gebinde mit normaler Größe von 100 bis 200 ml nach 3 bis 5 Anwendungen leer ist. Feldversuche haben aber gezeigt, dass meist viel zu wenig Creme aufgetragen wird, um einen Schutz zu erzielen.

Tipp: Nicht nur die Menge der Sonnencreme zählt. Viele Sonnenfreunde schmieren zwar Brust und Rücken eifrig ein, vergessen aber die „Sonnenterrassen“ ihres Körpers. Denken Sie deshalb beim Eincremen immer auch an Kopfhaut (bei Glatzenträgern), Stirn, Ohren, Nasenrücken, Schultern und Fußrücken.

Sonnenschutz unter der Umwelt-Lupe
In Zeiten des Umweltschutzes haben Sonnencremes jedoch ein Manko. Experten schätzen, dass jährlich tausende Tonnen Sonnenschutzmittel in den Weltmeeren landen. Doch viele chemische UV-Filter sind biologisch nicht abbaubar und schädigen die Natur, vor allem die Meere und ihre Bewohner. Manche Experten plädieren deshalb dafür, Sonnenschutzmittel mit physikalischen UV-Filtern wie beispielsweise Zinkoxid oder Titanoxid zu verwenden (Beispiele für solche mineralischen Sonnencremes sind die Sensitiv Sonnencreme von Lavera, die Edelweiss Sonnenmilch von Weleda oder die Mineralische Sonnenmilch von Avène). Diese Wirkstoffe sind biologisch abbaubar und sollen z. B. den Korallen nicht schaden. Allerdings landen durch Sonnencremes mit Titanoxid vermehrt Aluminium, Siliciumdioxid und Phosphor in den Küstengewässern, wie spanische Wissenschaftler herausgefunden haben. Welche Auswirkungen das auf das maritime Ökosystem hat ist allerdings noch unbekannt.

Aktuell diskutieren Experten auch über die Auswirkungen chemischer UV-Filter auf den menschlichen Organismus. Vor allem die Frage, in wieweit die Wirkstoffe über die Haut in den Blutkreislauf gelangen, interessiert die Verbraucher. In der Europäischen Union müssen UV-Filter jedoch intensiv untersucht und geprüft werden. Laut Bundesamt für Risikobewertung „sind nach derzeitigem Wissenstand gesundheitliche Beeinträchtigungen bei den auf dem europäischen Markt erhältlichen Sonnenschutzmitteln nicht zu erwarten“.

Hinweis: Um seine Korallenriffe zu schützen, hat der pazifische Inselstaat Palau seit 1.1.2020 Produkte mit Oxybenzon oder Octinoxat verboten. Weitere Inselstaaten wollen diesem Vorbild folgen, in Hawaii tritt ein entsprechendes Gesetz ab 1. Januar 2021 in Kraft.

Sonnenschutz zum Schlucken?
Wie schön wäre es, wenn Verhüllen oder Einschmieren gar nicht nötig wären und man den Sonnenschutz einfach schlucken könnte. Immerhin wurde schon eine ganze Reihe von Substanzen auf einen möglichen Lichtschutzeffekt von innen geprüft. Durchgefallen sind die Kandidaten Selen, Vitamin E und Lykopin. Bei Beta-Carotin ist die Sache nicht so einfach. In einigen Studien konnte ein gewisser Schutzeffekt nachgewiesen werden, allerdings nur bei sehr hohen Dosierungen. Da die normale Versorgung der Bundesbürger mit Beta-Carotin aber ohnehin schon sehr hoch ist, wird eine weitere Einnahme nicht empfohlen.

Quellen: Renz Mang u.a., hautnah dermatologie,  www.uv-index.de, www.euromelanoma.de