Herz, Gefäße, Kreislauf

Gehtraining muss weh tun: Schlendern bringt nichts bei pAVK

Quelle: apotheken.de | 22.07.2021 | SARYMSAKOV ANDREY/Shutterstock.com
 Eine Stunde täglich stramm Marschieren nützt Herz und Gefäßen.Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit schmerzen beim Laufen schnell die Beine. Ein Gehtraining soll den Verlauf der chronischen Gefäßerkrankung bremsen. Das funktioniert aber nur, wenn die Patienten dabei wirklich bis an ihre Schmerzgrenzen gehen.

Gehtraining kann Operation hinausschieben
Die wichtigste nicht-medikamentöse Maßnahme bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist das tägliche Gehtraining. Läuft alles gut, kann man damit sogar eine Gefäßoperation hinausschieben. Empfohlen wird ein täglicher Spaziergang von einer Stunde. Wie intensiv das Training sein soll, ist jedoch bisher umstritten.

Dieser Frage gingen US-Forscher*innen nun an 305 pAVK-Patient*innen nach. 240 von ihnen sollten ein Jahr lang wöchentlich 5 Mal ein Gehtraining absolvieren. Die eine Hälfte spazierte dabei so langsam, dass keine Schmerzen auftraten. Die anderen 120 marschierten bewusst bis an ihre Schmerzgrenze. Um Intensität und Dauer des Trainings zu messen, trugen die Patient*innen dabei einen Beschleunigungssensor. Die restlichen 65 Patienten bildeten die Kontrollgruppe – und spazierten überhaupt nicht.

35 Meter mehr
Vor und nach der einjährigen Trainingsphase absolvierten alle Teilnehmer*innen einen 6-Minuten-Gehtest. Dabei geht man sechs Minuten lang zügig auf ebener Strecke. Wenn nötig, darf man zwischendurch anhalten, sollte aber so schnell und weit laufen wie es der gesundheitliche Zustand erlaubt. Gemessen wird die Strecke, die in den sechs Minuten zurückgelegt werden. Sie ist ein Indikator für die Leistungsfähigkeit von Herz, Gefäßen und Lunge und spiegelt bei pAVK-Patienten den Zustand der Gefäße (gesunde untrainierte Personen schaffen etwa 700 bis 800 Meter).

Bei der Analyse der Ergebnisse stellte sich heraus: Die Gruppe, die bis an ihre Schmerzgrenze ging, steigerte ihre 6-Minuten-Gehstrecke um durchschnittlich 35 m (von 338,1 auf 371,2 Meter). Bei den Patiente*innen mit Schongang kam es zu einer Verschlechterung um 4,6 m (von 332,1 auf 327,5 m). Die 6-Minuten-Gehstrecke der Kontrollgruppe verkürzte sich um durchschnittlich 10,4 m (von 328,1 auf 317,5 m).

Sanftes Gehtraining bringt nichts
Der Unterschied der beiden Trainingsgruppen betrug insgesamt 40,9 Meter und war damit signifikant. Und das, obwohl die Patienten in der Hochintensitätsgruppe – wahrscheinlich aufgrund der Schmerzen ? zu 50% weniger trainiert hatten (2,8 statt 3,5 Tage pro Woche im Vergleich zu den Niedrigintensiv-Trainierenden). Auch interessant: Das „sanfte“ Gehtraining brachte im Vergleich zur Kontrollgruppe keinen Vorteil, die durchschnittlich 5 Meter mehr erwiesen sich statistisch nicht als signifikant.

Das Gehtraining bei pAVK muss weh tun, um zu einer objektiven Verbesserung zu führen, schlussfolgert deshalb die Studienleiterin Mary McDermott. Welche Mechanismen dahinterstecken, bleibt jedoch unklar. Vermutet wurden Gefäßaussprossungen in der Muskulatur – Gewebeproben aus der Wadenmuskulatur der Teilnehmer zeigten diesbezüglich jedoch keine Veränderungen.

Quelle: Ärzteblatt

Koronare Herzkrankheit (KHK) und stabile Angina pectoris

Quelle: apotheken.de | 11.11.2019 | diy13/Shutterstock.com
 Erst nur bei Belastung, dann in Ruhe: Schreitet die Erkrankung weiter fort kommt es immer häufiger zu der typischen Brustenge.5

Koronare Herzkrankheit (KHK, Koronare Herzerkrankung): Verengung oder Verschluss von Herzkranzarterien durch fortschreitende |Arteriosklerose mit Verfettung, Verkalkung und Verdickung der Gefäßwände. Dadurch kommt es im Herzmuskel wegen ungenügender Blutversorgung immer wieder zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie) mit Angina pectoris. Unbehandelt oder unerkannt geht die KHK in das akute Koronarsyndrom mit Herzinfarkt und plötzlichem Herztod über. In allen Industriestaaten ist die KHK die führende Todesursache. In Deutschland erkranken etwa 30 % aller Männer und 15 % aller Frauen im Laufe ihres Lebens daran. Entscheidend für die Verhinderung von Herzinfarkt und Herztod sind Änderungen des Lebensstils und die konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen. Daneben versuchen die Ärzte, die mangelhafte Durchblutung der Herzkranzgefäße mit gefäßerweiternden Medikamenten, Herzkatheter oder Bypass-Operation zu verbessern.

Angina pectoris (wörtlich "Brustenge", korrekter wäre "Herzenge"): Anfälle von Enge und Druckgefühl im Brustkorb, die Angst erzeugen und mit Atemnot und Schmerzen verbunden sind. Das sind die typischen Beschwerden bei KHK, die durch ungenügende Blutversorgung des Herzmuskels zunächst nur unter Belastung entstehen. Treten Angina-pectoris-Anfälle auch in Ruhe auf, spricht man von instabiler Angina pectoris, ihre Therapie wird beim |Herzinfarkt behandelt.

1913_GRAGTV_Koronararterienversorgung_Herz.png|Schematisierte Zeichnung der Koronararterienversorgung des Herzens. Rechts oben eingefügt ist eine Angiografie der linken Herzkranzarterie mit ihren Verzweigungen.|[GRAG 1913]

Häufiger als das rasche Voranschreiten der Angina pectoris zum akuten Koronarsyndrom ist das jahrelange Bestehen der KHK als chronische koronare Herzkrankheit (chronische KHK). Bei dieser kommt es nur bei größeren körperlichen Anstrengungen relativ berechenbar zu Herzschmerzen, die in Ruhe oder nach Medikamentengabe wieder verschwinden. Sie ist nicht unmittelbar lebensbedrohend.

Symptome und Leitbeschwerden

Anfallsartige brennende Schmerzen oder Druck- und Engegefühl hinter dem Brustbein oder im linken Brustkorb Oft Ausstrahlung der Schmerzen in Richtung Hals, Unterkiefer, linke Schulterblätter, Arme oder in den Oberbauch Schmerzauslösung durch körperliche Anstrengung, Aufregung, reichliches Essen oder beim Aufenthalt in großer Kälte In Einzelfällen auch schmerzlos, z. B. bei langjährigen |Diabetikern oder durch Schmerzen an anderer Stelle auffallend.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn
Angina pectoris plötzlich bei geringer Belastung oder nachts auftritt. es immer häufiger zu Angina-pectoris-Anfällen kommt und mehr Nitrospray gebraucht wird. bei körperlicher oder psychischer Belastung oder bei Kälte erstmals kurzzeitig ein Druck- oder Engegefühl in der Herzgegend entsteht.

Sofort den Notarzt rufen, wenn
erstmals minutenlang anhaltende, brennende Schmerzen, Druck- oder Engegefühl im Brustkorb auftreten. bei bekannter koronarer Herzkrankheit eine Ihnen bereits vertraute Angina-pectoris-Symptomatik trotz körperlicher Ruhe (Hinsetzen) länger als 20 Minuten anhält. Nitrate nicht innerhalb von 5 Minuten zu einer deutlichen Besserung führen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Durch den Bewegungsmangel im Alltag und Alterungsvorgänge beginnen sich die Herzkranzarterien meist schon in jungen Jahren langsam zu verändern. Die ursprünglich glatten, elastischen Herzkranzgefäße werden durch zunehmende Fetteinlagerungen und Verkalkungen der Gefäßwände uneben, starr und verletzlich (siehe auch Arteriosklerose). Dadurch sinkt die Sauerstofftransportleistung der Herzkranzarterien. In Ruhe macht sich die Minderdurchblutung zunächst nicht bemerkbar. Beim Treppensteigen, Sport oder anderen Belastungen mit erhöhtem Sauerstoffbedarf kommt es jedoch zum Sauerstoffmangel mit den typischen Angina-pectoris-Beschwerden wie Schmerzen und Luftnot.

1912_ASM_Angina_Pectoris_Schmerzen.png|Ausstrahlung von Angina-pectoris-Schmerzen|[ASM 1912]

Einige wenige Patienten, vor allem Diabetiker, verspüren bei Durchblutungsstörungen des Herzens keine oder nur geringe Angina-pectoris-Zeichen. Dies wird dann als stumme Ischämie bezeichnet.

Risikofaktoren
Einige Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten können wir nicht beeinflussen. So tritt die KHK häufiger bei Menschen auf, deren Eltern oder Geschwister bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben. Dies weist auf eine genetische Mitursache hin. Auch mit zunehmendem Lebensalter steigt das KHK-Risiko. Männer sind gefährdeter als Frauen, sie entwickeln eine KHK durchschnittlich 10–15 Jahre früher. Frauen sind bis zu den Wechseljahren für Arteriosklerose weniger anfällig, wenn nicht andere Risikofaktoren hinzukommen.

Beeinflussbare Faktoren. Mehr als von den Genen hängt die Entwicklung einer KHK vom Lebensstil und den Ernährungsgewohnheiten ab. Diese Faktoren bestimmen zu 80 %, ob eine KHK entsteht. Die gute Nachricht ist also: die KHK ist in einem hohen Maße vermeidbar. Zu den wichtigsten Beschleunigern einer KHK gehören vor allem

Rauchen Geringe körperliche Aktivität Fett- und kalorienreiche, aber ballaststoffarme Ernährung Übergewicht Erhöhter Alkoholkonsum Stress sowie die damit oft verbundenen Folgekrankheiten

Bluthochdruck Diabetes Fettstoffwechselstörung.

Inzwischen ist auch bekannt, dass der in vielen Fertiggerichten versteckte Zucker das Risiko für eine KHK erhöht. Überschüssigen Zucker verwandelt der Körper nämlich gerne in Fette, und zwar in Triglyceride. Menschen, die viele industriell gefertigte Lebensmittel essen, haben deshalb erhöhte Blutfettwerte und in der Folge ein größeres Arteriosklerose-Risiko.

Schweregrade
Erst wenn Fett- und Kalkablagerungen den ursprünglichen Durchmesser eines Herzkranzgefäßes um mindestens 50 % eingeengt haben, spricht der Kardiologe von einer KHK. Ab einer Gefäßverengung (Stenose) von etwa 70 % nimmt der Blutfluss im betroffenen Gefäß stark ab. Dies wird dann als hochgradige oder kritische Herzkranzgefäßverengung (Koronarstenose) bezeichnet.

Die rechte und die linke Koronararterie verzweigen sich mehrfach nach ihrem Abgang aus der Aorta. Abgangsnahe Gefäßeinengungen haben deshalb viel schwerwiegendere Auswirkungen auf die Herzmuskeldurchblutung als Verengungen kleinerer Endgefäße, die durch Nachbargefäße leichter umgangen werden können.

Klinik
Selbst bei hochgradig verengten Herzkranzgefäßen kommt es oft erst unter Belastung zu einer Minderdurchblutung des Herzens, weil erst dann gesunde Nachbargefäße den steigenden Blutbedarf nicht mehr ausgleichen können. Im Herzmuskel entsteht ein Sauerstoffmangel mit charakteristischen Angina-pectoris-Beschwerden wie Schmerzen, Brustenge und Luftnot. Nach Abbruch der Belastung sinkt der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels, sodass die vorhandene Blutversorgung wieder ausreicht und die Angina pectoris abklingt.

Wenn Schmerzen im Brustkorb nur während erhöhter Leistungsanforderungen an das Herz auftreten und nach Einnahme von Nitrospray oder bei körperlicher Schonung immer wieder abklingen, wird dies als stabile Angina pectoris (Belastungsangina) bezeichnet. Die Beschwerden bleiben zunächst oft über Jahre hinweg gleich, ohne dass sich die Durchblutung weiter verschlechtert. Dass sich dieser Zustand einer stabilen Verengung der Herzkranzgefäße nicht zu einem akuten Koronarsyndrom weiterentwickelt, ist Ziel aller im Folgenden beschriebenen medikamentösen, nicht medikamentösen, invasiven oder operativen Maßnahmen.

Die Klassifikation der Canadian Cardiovascular Society (CCS) teilt die Angina pectoris in vier Schweregrade (CCS-Stadien) ein.

CCS I: Keine Angina pectoris unter Alltagsbelastungen wie Laufen oder Treppensteigen, jedoch bei sehr hohen oder längeren Anstrengungen wie Schneeräumen oder Dauerlauf CCS II: Angina pectoris bei stärkeren Anstrengungen wie schnelles Treppensteigen, Bergaufgehen oder bei psychischen Belastungen CCS III: Angina pectoris bei leichter körperlicher Belastung wie An- und Ausziehen, normalem Gehen oder leichter Hausarbeit CCS IV: Angina pectoris nach wenigen Schritten oder bereits in Ruhe.

Sonderformen
Zu den Sonderformen zählt die Vasospastische Angina, nach dem Namen des ersten Beschreibers auch Prinzmetal-Angina genannt. Hier beruht die Angina pectoris auf einer vorübergehenden Verkrampfung der Herzkranzgefäße (Koronarspasmus). Typischerweise treten die Beschwerden hier in Ruhe auf und lassen sich durch körperliche Belastung nicht provozieren. Das Auftreten von Koronarspasmen wird mit der Gabe von Kalziumantagonisten und Nitratpräparaten reduziert.

In seltenen Fällen können bei bestehender KHK auch Erkrankungen wie Blutarmut (Anämie), Schilddrüsenüberfunktion oder eine fieberhafte Infektion die Belastung des Herzens so steigern, dass Angina pectoris auftritt.

Diagnosesicherung

Am Anfang bittet der Arzt den Patienten um detaillierte Angaben zur Art der Beschwerden, zu Vorerkrankungen und einer möglichen familiären Neigung für eine KHK. Dem schließen sich eine körperliche Untersuchung, ein Ruhe-EKG und eine Blutabnahme an. Das Belastungs-EKG deckt höhergradige Herzkranzgefäßverengungen zu etwa 70–80 % auf.

Sind mit diesen Untersuchungen keine zuverlässigen Aussagen möglich und besteht weiter Verdacht auf eine KHK, kommen Stressechokardiografie, |Myokardszintigrafie oder |Stresskernspin in Frage. Die Wahl der Untersuchungsmethode hängt dabei auch von den Möglichkeiten vor Ort ab.

Mit Hilfe der |Koronarangiografie untersuchen die Ärzte die Herzkranzgefäße direkt. Dafür leiten sie über einen Herzkatheter Röntgenkontrastmittel in die Herzkranzgefäße und machen diese mitsamt eventueller Verengungen durch Röntgenstrahlen sichtbar. Dadurch erkennen die Ärzte das Ausmaß der koronaren Herzkrankheit und ob ein interventionelles Verfahren (Erweiterung der Engstelle oder eine Stenteinlage) oder eine Bypass-Operation erforderlich ist. Hochgradige Verengungen der Herzkranzgefäße dehnen die Ärzte bereits während der Untersuchung mit einem Ballon auf. Wenn gleichzeitig mehrere Koronargefäße befallen sind oder die Engstelle ungünstig liegt, raten sie zu einer Bypass-Operation (siehe unten).

Prinzmetal-Angina. Ob eine Neigung zu Koronarspasmen besteht, ermittelt der Arzt mit dem Acetylcholintest (ACh-Test). Dazu spritzt er über einen Infusionskatheter den körpereigenen Neurotransmitter Acetylcholin (ACh) in verschiedenen Dosierungen in das zu untersuchende Herzkranzgefäß. Gesunde Herzkrankgefäße weiten sich dabei zunehmend auf. Bei erkrankten Gefäßen kommt es dagegen nach Einspritzen des Mittels zu einem Koronarspasmus (Gefäßkrampf).

Differenzialdiagnosen. Wichtigste Differenzialdiagnose ist der Herzinfarkt. Aber auch andere Erkrankungen führen zu Schmerzen in der Brust, z. B. die Lungenembolie, das Aortenaneurysma, Lungenentzündung, Rippenfellentzündung und Ulkuskrankheit. Gegen eine zugrunde liegende Durchblutungsstörung des Herzens sprechen Brustschmerzen, die nur für Sekunden anhalten, sich durch Atemmanöver oder eine Änderung der Körperhaltung beeinflussen lassen oder durch Abtasten des Brustkorbes ausgelöst wurden.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern und einem Herzinfarkt vorzubeugen. Wichtigste Voraussetzung dafür ist ein gesunder Lebensstil, vor allem der Verzicht auf das Rauchen und das Verringern anderer vermeidbarer Risikofaktoren (siehe unten, Ihr Apotheker empfiehlt). Hat der Patient einen Diabetes, einen Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung, muss der Arzt diese Erkrankung engmaschig kontrollieren und behandeln. Darüber hinaus therapieren die Ärzte die stabile KHK mit Medikamenten allein oder in Kombination mit interventionellen Verfahren (Ballondilatation, Stenteinlage) bzw. einer Bypass-Operation.

Pharmakotherapie
Eine lebenslange medikamentöse Therapie findet immer statt – sei es als Nachsorge nach Bypass, Ballondilatation oder Stenteinlage oder weil der Patient eine Herzkatheteruntersuchung ablehnt bzw. sein Allgemeinzustand dagegen spricht. Die Behandlung zielt in jedem Fall darauf ab, das Fortschreiten der Koronarerkrankung zu bremsen und Folgekomplikationen wie Herzinfarkt vorzubeugen.

Thrombozytenhemmer (Plättchenhemmer). In krankhaft veränderten Herzkranzarterien ist die Gerinnungsbereitschaft des Bluts erhöht. Um in den Herzkranzgefäßen die Bildung von Blutgerinnseln und damit einen Herzinfarkt zu verhindern, bekommen alle KHK-Patienten im Rahmen der medikamentösen Therapie lebenslang Thrombozytenhemmer. Als Basismedikation eignet sich für alle KHK-Patienten Acetylsalicylsäure (ASS) in einer niedrigen Dosierung von 100 mg/Tag (ab einer Dosierung von 150mg/Tag besteht ein erhöhtes Risiko für innere Blutungen). Der Wirkstoff Clopidogrel reduziert bei Patienten mit atherothrombotischer Gefäßerkrankung (wozu auch die stabile KHK zählt) Folgekomplikationen etwas stärker als ASS. Weitere neue Thrombozytenhemmer sind Prasugrel und Ticagrelor. Betablocker wie z. B. Metoprolol, Atenolol, Bisoprolol oder Carvedilol mildern die Wirkung der Stresshormone und senken so Blutdruck, Herzfrequenz und den Sauerstoffbedarf des Herzens. Betablocker sind Standardmedikation bei KHK. Dass sich Betablocker günstig auf die Prognose auswirken, ist vor allem in der Nachsorge nach Herzinfarkt belegt. Statine (CSE-Hemmer) wie z. B. Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin beeinflussen den Fettstoffwechsel, indem sie den Cholesterinspiegel senken. Bei allen KHK-Patienten liegt der Zielwert des LDL-Cholesterins bei 100 mg/dl. Ist das kardiovaskuläre Risiko sehr hoch, kann es angebracht sein, das LDL-Cholesterin noch stärker auf einen Wert von 70 mg/dl zu senken. Führen Statine nicht zu einer ausreichenden Senkung der Blutfette, verordnen die Ärzte zusätzlich Colestyramin oder Ezetimib. Fibrate wie z. B. Bezafibrat sind eine Option, wenn der Patient Statine nicht verträgt. ACE-Hemmer hemmen das Renin-Angiotensin-System, das u. a. den Blutdruck reguliert. Besonders gut eignen sie sich für KHK-Betroffene, die unter Begleiterkrankungen wie Hypertonie, Herzinsuffizienz, linksventrikulärer Dysfunktion oder Diabetes mellitus leiden. Bei Patienten mit KHK und eingeschränkter systolischer linksventrikulärer Funktion, die einen ACE-Hemmer nicht vertragen, verordnen die Ärzte AT1-Rezeptorantagonisten. Nitrate wie z. B. Glyceroltrinitrat, Isosorbiddinitrat, Isosorbidmononitrat verringern den Sauerstoffbedarf des Herzens, indem sie die Blutgefäße erweitern, damit die Belastung des Herzens reduzieren und gleichzeitig die Durchblutung des Herzens durch Erweiterung der Herzkranzgefäße verbessern. Nitrate gibt es nicht nur als Tabletten und Kapseln, sondern auch als Pflaster und Salbe. Bei regelmäßiger Nitrateinnahme muss das Medikament so dosiert werden, dass der Nitratspiegel im Blut schwankt (z. B. Nitrat-Pause am Abend), weil sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt und die Wirksamkeit nachlässt. Werden Nitrate in Form rasch wirksamer Sprays oder Zerbeißkapseln eingenommen, führen sie innerhalb von 1–5 Minuten zur Beschwerdelinderung, auch bei bereits bestehender Nitratlangzeittherapie. Sie sind daher hervorragend zur Behandlung eines Angina-pectoris-Anfalls geeignet. Hier ist kein Gewöhnungseffekt zu befürchten. Kurz wirksame Nitrate können bei stabiler Angina pectoris auch vorbeugend eingenommen werden, um erwartete Beschwerden bei bestimmten Belastungen zu verhüten. Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker) wie z. B. Nifedipin, Diltiazem oder Verapamil senken den Blutdruck und bewirken eine Weitstellung der Herzkranzgefäße. Ihnen wird eine besondere Wirksamkeit bei der Behandlung der vasospastischen Angina zugesprochen. Einige Wirksubstanzen führen zusätzlich zur Senkung der Herzfrequenz. Ivabradin und Ranolazin gelten als Reservemedikamente zur Weitstellung der Koronargefäße, wenn die Therapie mit Betablockern oder Kalziumantagonisten nicht ausreicht oder die Medikamente nicht vertragen werden. Aldosteronantagonisten wie der Wirkstoff Eplerenon ist angeraten bei Patienten, die unter einer linkventrikulären Dysfunktion und Herzinsuffizienz nach Herzinfarkt leiden.

Interventionelle Verfahren über den Herzkatheter
Der Herzkatheter kommt nicht nur diagnostisch, sondern auch therapeutisch zum Einsatz: Bei der Gefäßaufdehnung (Koronardilatation, Ballondilatation, Ballonangioplastie) führt der Arzt einen speziellen Herzkatheter, an dessen Spitze sich ein zusammengefalteter Ballon (Ballonkatheter) befindet, in die verengte Arterie ein. Wenn er Flüssigkeit in den Ballon spritzt, entfaltet sich dieser und nimmt die Größe des ursprünglichen Gefäßdurchmessers an. Alles Material, das in die Herzkranzarterie ragt und sie verengt, wird dadurch in die Gefäßwand hineingedrückt und verteilt sich dort. Die Verengung ist damit beseitigt. Dieses Verfahren wird beim Herzen als PCI (Perkutane Coronare Intervention) oder auch PTCA (Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie) bezeichnet. Die Gefahr tödlicher Komplikationen während der Behandlung liegt unter 1 % und hängt in erster Linie ab vom Allgemeinzustand, von Begleiterkrankungen und von bereits bestehenden Herzschäden. Die PCI ist die erste Therapieoption bei akuten Herzinfarkten sowie bei weniger komplexen Verengungen von ein oder zwei Herzkranzgefäßen noch ohne akuten Herzinfarkt.

1914_GTV_Gefaessaufdehnung_Stents.png|Hier die Gefäßaufdehnung in einer Schemazeichnung: Die gezeigten Arbeitsschritte bestehen im Auffinden der Engstelle (a) und anschließenden Aufdehnen (b). Das rechte Bild beschreibt die Aufdehnung durch Platzierung und Entfalten eines Stents an der Engstelle. Einerseits wird dadurch der artherosklerotische Plaque in die Gefäßwand hineingedrückt und andererseits durch den entfalteten Stent das Gefäß weiter und damit durchgängiger gemacht.|[GTV 1914]

Stents. Manchmal reißen die oberflächlichen Gefäßschichten bei der Aufdehnung ein und verschließen dann das Gefäß. Dieser Gefahr begegnet der Arzt mit dem Einsetzen von Gefäßstützen, Stents. Ein Stent ist ein feines röhrenförmiges Metallgeflecht, das den zusammengefalteten Ballon an der Spitze des Katheters umgibt. Mit dem Entfalten des Ballons vergrößert sich auch der Stent und wird in die Gefäßwand hineingedrückt. Während der Ballon wieder zusammengefaltet und entfernt wird, behält der Stent seine Größe dauerhaft bei und bleibt im Herzkranzgefäß zurück. So hält er das Gefäß offen und verhindert in den allermeisten Fällen, dass sich ein Riss in der Herzkranzarterie zu einem Gefäßverschluss weiterentwickelt. Treten weitere Komplikationen auf, wird jedoch eine sofortige Bypassoperation notwendig.

Rezidivprophylaxe. Leider ist durch das Aufdehnen mit dem Ballonkatheter die Verengung nicht dauerhaft beseitigt. Bei etwa einem Drittel bilden sich an den behandelten Stellen erneut Verengungen (Rezidivstenosen), meist schon innerhalb des ersten halben Jahres. Auch der Einsatz von Stents senkte die Anzahl von Rezidivstenosen nur wenig. Deshalb wurden spezielle Stents (Cypher-Stents, Drug eluting Stents) entwickelt, die mit einem wachstumshemmenden Medikament, Zytostatikum, beschichtet sind. Diese Medikamente sollen verhindern, dass sich im Bereich der Engstelle neue Zellen bilden, die zu einer erneuten Stenose führen würden.

Bypass-Operation
Die koronare Bypass-Operation ist die empfohlene Behandlungsform bei

Zustand nach Herzinfarkt und weiterbestehender Angina pectoris Eingeschränkter Herzleistung Mehreren und komplex verengten Herzkranzgefäßen.

Dabei leitet der Herzchirurg das Blut durch eine künstlich geschaffene Gefäßverbindung, den Bypass, an der Engstelle vorbei. Diese Umgehungsgefäße werden vorher an anderen Körperstellen entnommen. Als Bypassgefäße bieten sich gesunde oberflächliche Beinvenen an, die ohne großen Aufwand verfügbar sind und zwischen Hauptschlagader und Herzkranzgefäß eingesetzt werden (Aortocoronarer Venenbypass oder ACVB). Aber auch Arterien des Unterarms können als Bypassgefäße verwendet werden, wenn durch vorherige Untersuchungen gesichert ist, dass die Durchblutung der Hand gewährleistet bleibt (Arteria-radialis-Bypass).

1915_GTV_Bypass_Operationsverfahren.png|Die zwei wichtigsten Bypass-Operationsverfahren. Links: Umgehung der Engstelle (blau) durch eine oder mehrere (vom Bein entnommene) Venen. (Aortocoronarer Venenbypass, ACVB, grau). Rechts: Umgehung der Engstelle durch eine Arterie (MCB, hier ein LIMA-Bypass, rot).|[GTV 1915]

Eine weitere Bypassvariante ist eine Verbindung der stenosierten Herzkranzarterie mit Arterien der Brustwand: Mammaria-interna-Bypass (abgekürzt: MCB, Rechter- und Linker-Arteria-mammaria-interna-Bypass, abgekürzt RIMA- und LIMA-Bypass). Diese Brustwandarterien bleiben mit ihrem eigentlichen Blutkreislauf weiter verbunden und geben Blut in die Herzkranzgefäße ab.

Welche Möglichkeiten für den einzelnen Patienten in Frage kommen, entscheidet der Herzchirurg je nach Einzelfall. Nicht bei jedem Menschen sind alle denkbaren Bypassgefäße gleich gut ausgebildet und verwertbar, oft sind auch mehrere verschiedene Bypässe erforderlich.

Der Eingriff. Bei einer Bypass-Operation muss der Brustkorb geöffnet werden. Dazu sägt der Operateur das Brustbein der Länge nach mittig durch. Nur selten sind weniger ausgedehnte, minimal-invasive Operationen möglich. In den meisten Fällen übernimmt während der Operation eine Herz-Lungen-Maschine die Arbeit des Herzens, sodass der Chirurg den erforderlichen Eingriff am ruhenden Herzen vornehmen kann. Nach Abschluss der Operation wird das zersägte Brustbein mit Drahtumschlingungen fixiert, sodass es innerhalb von 6–8 Wochen wieder fest zusammenwächst. Nachdem die Herz-Lungen-Maschine abgeschaltet wurde, schlägt das Herz durch einen Elektroschock wieder selbst.

Risiken. In Deutschland werden jährlich etwa 50 000 Bypass-Operationen durchgeführt. Das Operationsrisiko hängt wesentlich vom Alter, von der aktuellen Pumpleistung des Herzens und von den Begleitumständen (Notoperation, wiederholter Eingriff, zusätzliche Erkrankungen) ab. Bei bis zu 3 % der Operationen muss mit ernsten Komplikationen wie einem Schlaganfall oder Herzinfarkt gerechnet werden, etwa 1–2 % der Patienten überleben die Operation nicht.

Studien ergaben, dass verheiratete Menschen nach einer Bypass-Operation größere Überlebenschancen haben als Alleinstehende, da der Partner die Rolle des Pflegers übernimmt. Besonders bei Rauchern hat sich gezeigt, dass der Partner strikt auf die Einhaltung des ärztlich verordneten Rauchverbots achtet. Patienten, die sich in einer glücklichen Beziehung befinden, sind motivierter, schnell wieder gesund zu werden, und achten deswegen besonders auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung.

Nachsorge. Verläuft eine Bypass-Operation ohne Komplikationen, kann der Operierte nach 3 Tagen mit krankengymnastischer Hilfe auf dem Gang herumgeführt werden und seine Gehstrecke danach täglich steigern. In der zweiten Woche nach der OP wird der Patient meist bereits wieder entlassen. Oft schließt sich ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Hier wird die körperliche Leistungsfähigkeit durch zunehmende Belastungen auf dem Fahrradergometer und durch Spaziergänge gesteigert. Abhängig vom Heilungsprozess des zersägten Brustbeins kann nach 5–6 Wochen auch mit einem Schwimmtraining und umfangreicheren gymnastischen Übungen begonnen werden. 3 Monate nach der Bypass-Operation sind die Operationsfolgen meist überwunden und der Patient kann wieder ins Berufsleben zurückkehren oder Urlaubsreisen planen.

Nach einer Bypass-Operation sollte einmal im Jahr ein Belastungs-EKG durchgeführt werden, um möglicherweise erneut entstandene Durchblutungsstörungen des Herzens rechtzeitig zu entdecken. Die Langzeitergebnisse bei arteriellen Bypässen sind grundsätzlich besser als bei Venen. So ist nach 10 Jahren etwa die Hälfte der Venen-Bypässe nicht mehr funktionstüchtig, während ein Großteil der arteriellen Bypässe weiterhin durchgängig ist. Nicht jeder Bypassverschluss, der sich im Laufe der darauffolgenden Jahre einstellt, muss zwingend mit ernsten gesundheitlichen Problemen einhergehen. Häufig reicht eine Gefäßaufdehnung; eine erneute Operation muss nur selten erfolgen.

Die Haltbarkeit eines Bypasses hängt ganz entscheidend auch davon ab, wie jeder Einzelne seine beeinflussbaren Risikofaktoren anerkennt und verringert. Denn die Ursache der Bypass-Operation, die KHK, ist durch die Operation nicht beseitigt worden.

Prognose

Bei einem Drittel der KHK-Patienten macht sich die koronare Herzkrankheit mit einem Herzinfarkt bemerkbar, der in 30 % der Fälle nicht überlebt wird. 25 % der Patienten mit stabiler Angina pectoris erleiden innerhalb von 5 Jahren einen Herzinfarkt.

Nach einer Bypass-Operation hängt die Prognose auch davon ab, aus welchem Material der Bypass ist: Nach 10 Jahren ist jeder 2. venöse, aber nur jeder 10. arterielle Bypass wieder verengt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Wenn Sie die Diagnose KHK bereits erhalten haben, können Sie mit diesen Einzelmaßnahmen wissenschaftlich gesichert den Weg Richtung Herzinfarkt umkehren:

Rauchen. Das Rauchen aufzugeben ist die wichtigste und wirksamste Einzelmaßnahme. Denn: Raucher haben nicht nur vermehrt Fettablagerungen in den Arterien, ihr Blut neigt auch zur Gerinnselbildung, den sogenannten |Thrombosen. Näheres hierzu siehe bei den Tipps zur Nikotinersatztherapie.

Ernährung. In Ländern, in denen Fette und Öle, überwiegend ungesättigte Fettsäuren, und ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse und Obst konsumiert werden, ist das KHK-Risiko um 50 % niedriger als bei uns. Bevorzugen Sie deshalb eine kalorienarme, fettarme, ballaststoffreiche Ernährung, die reich an Früchten, Gemüse und Kohlenhydraten ist und mehr ungesättigte als gesättigte Fettsäuren enthält. Ideal ist z. B. die |mediterrane Ernährung.

Gewichtsnormalisierung. Vor allem dann, wenn Sie zu einer androiden Fettverteilung, |"Apfeltyp", neigen, ist ihr Herz gefährdet. Am Bauchumfang lässt sich abschätzen, ob eine gefährliche Fettverteilung im Körper vorliegt. Bei Frauen beginnt ein erhöhtes Risiko ab einem Bauchumfang von 80 cm, bei Männern ab 94 cm. Ziel sollte ein BMI (|Body Mass Index) von unter 25 sein. Versuchen Sie diesen Wert langsam in 6–12 Monaten zu erreichen und dann zu halten.

Nahrungsergänzungsmittel. Der vermehrten Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren wird ein günstiger Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf zugesprochen. Omega-3-Fettsäuren, besonders die Eicosapentaensäure, sind reichlich in (Kaltwasser-)Meeresfischen (z. B. Sardinen, Heringen, Sardellen, Lachsen und Makrelen) vorhanden. Empfohlen werden etwa zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Ob sich Omega-3-Fettsäuren in Kapselform günstig auswirken, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Wichtig ist bei einer Prävention mit Fischölkapseln, diese zur Hauptmahlzeit einzunehmen, da die Fettsäuren sonst nicht aufgenommen werden. Alpha-Linolensäure (eine weitere Omega-3-Fettsäure) kommt vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Walnüssen, Mandeln, grünem Blattgemüse (z. B. Spinat, Ruccola, Portula), Bohnen, Linsen, Petersilie, Leinsamen und pflanzlichen Ölen vor, z. B. in Leinöl, Rapsöl, Walnussöl, Sojaöl, Weizenkeimöl oder Senföl.

Die Gabe von Hormonen, z. B. im Rahmen der |Hormonersatztherapie der Frau, hat keinen gesicherten positiven Effekt für die Vermeidung einer koronaren Herzkrankheit.

Alkohol. In Deutschland wird häufig zu viel Alkohol getrunken. Mäßiger Alkoholkonsum (bei Männern unter 20 g, bei Frauen unter 12 g Alkohol täglich) schadet dem Herzen und der Leber nicht. 20 g Alkohol entsprechen etwa 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein. Manche Studien sprechen geringen Alkoholmengen sogar eine Senkung des KHK-Risikos zu. Bei höheren Alkoholmengen steigt das Risiko für eine KHK wieder. Darüber hinaus begünstigt Alkohol die Entstehung des "bayerischen Bierherzen", das erstmals bei den biertrinkenden Bayern beschrieben wurde (= dilatative Kardiomyopathie). Bei höhergradig eingeschränkter Pumpfunktion sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden.

Bewegung. Bewegen Sie sich im Alltag zu wenig, so nehmen Sie sich die Zeit, an jedem Tag mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu sein. Aber auch dreimal pro Woche 30 Minuten sind schon wesentlich besser als nichts.

Ideal sind regelmäßige Ausdauerbelastungen wie zügiges Gehen, Joggen, Wandern, Radfahren, Skilanglauf, Eislaufen, Inline-Skaten, Schwimmen, Tanzen, Fußball, Tennis, Golf und ähnliches – alles in einer mittleren Intensität, erkennbar daran, dass Sie sich dabei noch unterhalten können. Zu Hause bietet sich ein Heimtrainer oder ein Laufband an, so können Sie z. B. auch während des Fernsehens trainieren. Im Alltag können Sie sich Bewegung verschaffen, indem Sie auf die Benutzung von Rolltreppen und Aufzügen verzichten, das Auto 10 Minuten vor dem Ziel parken oder entsprechend früher aus öffentlichen Verkehrsmitteln aussteigen oder überhaupt gleich zu Fuß oder mit dem Fahrrad Besorgungen erledigen oder zur Arbeit kommen.

Begleiterkrankungen. Legen Sie als Diabetiker oder Bluthochdruckpatient großen Wert auf eine normnahe Einstellung von Blutzucker und Blutdruck.

Reisen und Freizeit. Wie stark Sie sich als KHK-Patient belasten dürfen, hängt vom individuellen Herzbefund ab. Besprechen Sie deshalb vorher mit Ihrem Haus- oder Facharzt, ob Sie sich Aufenthalte im Hochgebirge, Schwimmen im kalten Wasser, Winterurlaub mit Minustemperaturen, Skifahren oder Schneeräumen zumuten können. Als Grundregel gilt: Wenn Sie mehr als 100 Watt über längere Zeit beschwerdefrei auf dem Fahrradergometer absolvieren können, dürfte es für Sie kaum Einschränkungen geben.

Die Sauna können Sie in der Regel besuchen, wenn Sie auf dem Ergometer wenigstens 75 Watt beschwerdefrei treten können und nicht unter Herzrhythmusstörungen leiden. Bleiben Sie aber in einem Temperaturbereich um 80 °C und kühlen Sie sich anschließend langsam ab, da das plötzliche Eintauchen in kaltes Wasser das Herz unnötig stark belastet.

Geeignete Medikamente
Cholesterinsenkung. In Ausnahmefällen wird zur Verhinderung einer KHK auch zur vorbeugenden Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten geraten.

Bei fehlenden Risikofaktoren für eine KHK wird Männern ab dem 35. Lebensjahr und Frauen nach den Wechseljahren eine medikamentöse Therapie mit Statinen empfohlen, wenn der LDL-Cholesterinwert trotz nichtmedikamentöser Maßnahmen über 190 mg/dl liegt. Liegen wenigstens 2 der Risikofaktoren vor (Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, HDL-Cholesterin unter 35 mg/dl, erhöhtes Lebensalter: Männer älter als 45 Jahre, Frauen älter als 55 Jahre oder familiäre Neigung für eine KHK) so kann bereits ab einem LDL-Cholesterinwert von 160 mg/dl medikamentös mit Statinen behandelt werden, wenn diätetische Maßnahmen keinen Erfolg bringen.

Nitrospray. Führen Sie stets ein schnell wirksames Nitrat (z. B. als Nitrospray, Nitrolingual®) mit sich und sprühen Sie zwei Hübe unter die Zunge, sobald Angina pectoris auftritt. Wenn Sie Ihre Belastungsgrenzen gut kennen, können Sie Nitrospray auch vorbeugend vor belastenden Tätigkeiten anwenden. Nitrate senken nebenbei auch den Blutdruck. Ist Ihr Blutdruck niedrig, müssen Sie daher mit Schwindel oder Kreislaufschwäche rechnen.

Wenn Sie unter Nitrattherapie Kopfschmerzen bekommen, so wird diese Nebenwirkung bei fortgesetzter Einnahme mit der Zeit oft schwächer. Alternativ kann auf einen Ersatzwirkstoff (Molsidomin) ausgewichen werden.

Verhütung. Die "Pille" als östrogenhaltige Empfängnisverhütung ist bei KHK ungeeignet, weil das Herzinfarktrisiko damit erheblich zunimmt. Erst recht gilt dies für Raucherinnen. Sowohl die Hormone als auch viele Stoffe im Zigarettenrauch führen zu einer Eindickung des Bluts. Siehe Alternativen der |Verhütungsmethoden.

Komplementärmedizin
Der Verlauf einer stabilen KHK lässt sich mit komplementärmedizinischen Therapien oft günstig beeinflussen. Am besten greifen sie, wenn gleichzeitig auf eine gesündere Lebensführung geachtet wird. Zur Behandlung einer akuten Angina pectoris sind sie dagegen nicht geeignet.

Mind-Body-Therapien. |Mind-Body-Therapien zielen darauf ab, über eine neurophysiologische "Umprogrammierung" des Gehirns zu lernen, Stressbelastungen abzubauen und so deren schädliche Einflüsse auf das Herz-Kreislauf-System zu minimieren. Das Spektrum reicht von Einzelverfahren wie |Biofeedback oder der Vermittlung von psychotherapeutisch orientierten |Stressbewältigungsmaßnahmen bis hin zu komplexen Programmen zur Modifikation des Lebensstils, z. B. Ornish-Programm oder SAFE-LIFE-Programm. Im weiteren Sinn gehören auch Entspannungstherapien, z. B. |Meditation, |Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, |Autogenes Training und atemorientierte Entspannungsübungen, z. B. |Yoga, Tuna-Atemübungen, |Qigong dazu. Allen Verfahren wird zur Behandlung und insbesondere zur Vorbeugung aufgrund zahlreicher Studienergebnisse ein wichtiger therapeutischer Stellenwert eingeräumt – vorausgesetzt, sie werden regelmäßig für täglich mindestens 30 Minuten durchgeführt.

Pflanzenheilkunde. KHK-Patienten profitieren vor allem von standardisierten Pflanzenextrakten, die auf eine Verringerung der Ursachen ihrer Krankheit abzielen, so etwa durchblutungsfördernde (z. B. Ginkgo) oder gefäßschützende Phytopharmaka (z. B. Knoblauch). Gegebenenfalls kommt auch hier Weißdorn (Crataegus laevigata, z. B. Crataegus® Stada Dragees, Crataegutt® Filmtabletten), infrage, der hauptsächlich bei moderater |Herzinsuffizienz angewendet wird, doch neuere Studien lassen auch auf eine lindernde Wirkung des Weißdorns bei leichten Angina-pectoris-Beschwerden schließen.

Akupunktur. Je nach Beschwerdebild werden individuelle Punkte genadelt. Ob die |Akupunktur zu einer langfristigen Besserung des Krankheitsverlaufs beiträgt, wird derzeit noch untersucht.

Homöopathie. Die |Homöopathie empfiehlt u. a. Aconitum, Arnika und Cactus in niedrigen Potenzen zur Konstitutionstherapie sowie einige Komplexhomöopathika (z. B. Cralonin®, Diacard®).

Wechselbäder (Kneippsche Anwendungen). |Wechselbäder Wechselwarme Teilbäder, Dampfbäder, Sitzvollbäder und andere Wasseranwendungen sollten am besten im Rahmen einer Kur (Herzbad oder Kneippkur) unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Einige Studien bescheinigen den Verfahren sowohl bei einer stabilen KHK als auch bei leichten Formen der Herzinsuffizienz eine Linderung der Beschwerden.

Manuelle Therapien. |Manuelle Therapien haben eher ergänzenden Charakter. Hilfreich sind Massagen, die auf eine Verbesserung der peripheren Durchblutung abzielen, außerdem profitieren KHK-Patienten von deren entspannendem Effekt.

Prävention
Gesund leben. Ob Sie einmal an einer lebensbedrohlichen KHK leiden werden, liegt weitgehend in Ihrer Hand: Gesunde Ernährungsgewohnheiten und ein gesunder Lebensstil können die Entwicklung und das Voranschreiten einer KHK zu über 80 % verhindern. Wer nicht raucht, halbiert beispielsweise sein KHK-Risiko. Bewegen Sie sich regelmäßig, verringern Sie Ihren Alkoholkonsum und achten Sie auf Ihr Gewicht.

Zurückhaltung bei Fett und Zucker. Meiden Sie fette Fleisch- und Wurstwaren, nicht fettreduzierte Milchprodukte, Fast-Food- und Fertiggerichte, aber auch frittierte bzw. fetthaltige Backwaren und Süßigkeiten. Achten Sie auch auf Ihren Zuckerkonsum, nicht nur wenn Sie Süßes essen. Meiden Sie Fertigprodukte und industrielle Nahrung, in denen häufig große Mengen Zucker versteckt enthalten sind.

Steter Tropfen höhlt den Stein: Nicht das Festessen an besonderen Tagen, sondern der tagtägliche übermäßige Konsum von tierischen Fetten führt langfristig zu Gefäßschäden.

Psychische Faktoren. Auch Lebensumstände, die zu innerer Gelassenheit führen, z. B. Geborgenheit in der Familie oder im Glauben, gute soziale Kontakte und Tagesabläufe ohne viel Hektik, Stress und Termindruck, mindern das Risiko für eine KHK. Prüfen Sie, wie Sie mit Stresssituationen umgehen und suchen Sie regelmäßig Entspannung. Es gibt viele gute |Entspannungsmethoden, entsprechende Kurse werden z. B. an den Volkshochschulen oder durch Krankenkassen angeboten.

Spezielle Programme. Wer sich einem speziell für Herz-Kreislauf-Patienten entwickelten Programm zur Lebensstiländerung und Stressreduktion anschließen möchte, sollte vorab gut überlegen, ob er bereit ist, im Zweifelsfall radikal sein Leben zu ändern, und ob ihm seine täglichen Anforderungen genug zeitlichen Spielraum lassen, um das Gesamtkonzept im Alltag konsequent umzusetzen. So sieht z. B. das Ornish-Programm neben einer strengen fettarmen vegetarischen Kost und einer gruppenunterstützten Umstrukturierung der bisherigen Lebensweise auch Entspannungsübungen, Spaziergänge und andere Bewegungsübungen vor, für die mindestens zwei Stunden pro Tag eingeplant werden müssen.

Orthomolekularmedizin. Studien belegen den positiven Effekt von Magnesium bei der Prävention und Therapie von Angina pectoris.

Antioxidanzien machen die freien Sauerstoffradikale unschädlich, die Arteriosklerose beschleunigen, und verhindern die Entstehung des besonders schädlichen LDL-Cholesterins. Als Antioxidanzien wirken in erster Linie Vitamin E und Vitamin C sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, Coenzym Q10 (Ubichinon) und das Spurenelement Selen. Sie sind z. B. in frischem Obst und Gemüse enthalten. Ihr Wert als Bestandteil der gesunden Ernährung ist unstrittig, ihre isolierte Zufuhr im Rahmen einer Nahrungsergänzung scheint dagegen wenig erfolgreich, möglicherweise sogar schädlich zu sein.

Während die regelmäßige Einnahme von Coenzym Q10 (therapeutischer Dosierungsbereich bis 300 mg pro Tag), Vitamin C (therapeutischer Dosierungsbereich ab 1000 mg pro Tag) und Selen (therapeutischer Dosierungsbereich bis 300 mg pro Tag) noch nicht abschließend beurteilt werden kann, ließ sich eine therapeutische Wirkung von Vitamin E bislang nicht belegen. Abzuraten ist von der Zuführung von Betakarotin – es hat sich gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein kann.

Infektionen. Nutzen Sie die angebotene Grippeschutzimpfung und als Herzkranker besonders auch die Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumovax®). Beide Impfungen werden für Herzkranke kostenlos in jeder Hausarztpraxis angeboten und von allen Krankenkassen erstattet. Kurieren Sie Infektionen jedweder Art immer gründlich aus, bevor Sie sich wieder belasten.

Weiterführende Informationen

Der PROCAM-Score ermöglicht die Einschätzung des Risikos, in den nächsten Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden. Er ist im Internet zu erreichen unter https://www.assmann-stiftung.de/procam-tests/ http://www.versorgungsleitlinien.de|www.versorgungsleitlinien.de (Suchbegriff KHK) – Zusammenstellung von Patientenleitlinien, die von der Bundesärztekammer, medizinischen Fachgesellschaften und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung herausgegeben werden. J. Gehring; G. Klein: Leben mit der koronaren Herzkrankheit. Urban & Vogel, 2015. Umfassende Informationen zur KHK für Patienten und Angehörige.

Plötzlicher Herztod

Quelle: apotheken.de | 13.08.2008 | fizkes/Shutterstock.com
 Keine Angst vor Fehlalarm - oft entscheiden Minuten über Leben und Tod.4

Plötzlicher Herztod (PHT, Sudden Cardiac Death, SCD): Plötzlicher Kreislaufstillstand, dem eine Herzerkrankung zugrunde liegt und der innerhalb 1 Stunde nach Eintreten der ersten Symptome zum Tode führt. In den Minuten zuvor bestanden meist lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen, z. B. |Kammerflimmern.

In Deutschland sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Nur bei 10 % kann der Tod durch rechtzeitige Wiederbelebung abgewendet werden; man spricht dann vom überlebten plötzlichen Herztod. Innerhalb der folgenden Jahre sind die Überlebenden trotzdem stark durch einen erneut möglichen Kreislaufstillstand gefährdet. Um dies zu verhüten, empfehlen die Ärzte häufig das Einpflanzen eines speziellen ICD-Herzschrittmachers.

Symptome und Leitbeschwerden

Herzklopfen, Herzrasen und Unwohlsein Erst Kreislaufschwäche, später Bewusstlosigkeit, dann Kreislaufstillstand.

Keine Scheu vor Fehlalarm! Wenige Minuten können über Leben oder Tod entscheiden. Gleichzeitig muss sofort mit der |Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Falls verfügbar, sollte eine Defibrillation erfolgen, auch durch nicht ausgebildete Laien.

Wann zum Arzt

Sofort den Notarzt rufen, wenn
die genannten Leitbeschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren
In etwa 80 % aller Fälle trifft ein plötzlicher Herztod Patienten, die bereits einen |Herzinfarkt überlebt haben oder an einer koronaren Herzerkrankung (KHK) leiden. Rund 30 % aller Betroffenen wussten jedoch vorher nicht von ihrer Erkrankung, d. h. bei ihnen ist der plötzliche Herztod das erste sichtbare Anzeichen einer KHK und trägt, da er so überraschend kommt, trotz aller medizinischen Fortschritte viel zu der hohen Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten bei. Daneben kommen als Ursache für den plötzlichen Herztod unentdeckte |Herzmuskelentzündung, Aneurysmen, Kardiomyopathien sowie angeborene und erworbene Herzfehler infrage.

Das Risiko eines plötzlichen Herztods steigt mit zunehmendem Alter. In jüngeren Jahren sind Männer häufiger als Frauen betroffen, bei Menschen unter 40 Jahren ist ein plötzlicher Herztod jedoch insgesamt selten.

Durch einige spektakuläre Todesfälle ist der plötzliche Herztod bei Sportlern in den vergangenen Jahren in den Blickpunkt geraten. Er lässt sich zum Großteil auf vorher nicht diagnostizierte Herzfehler und -erkrankungen zurückführen. In Einzelfällen wurde jedoch auch ein Zusammenhang mit Doping vermutet.

Sonderfall: Adam-Stokes-Anfall
Der "kleine Bruder" des plötzlichen Herztods ist der (nach zwei irischen Ärzten benannte) Adams-Stokes-Anfall, ein Zustand kurzer Bewusstlosigkeit, der ebenfalls durch einen anfallsartigen Kreislaufstillstand infolge von Herzrhythmusstörungen hervorgerufen wird, aber ohne ärztliches Eingreifen wieder verschwindet. Falls der Herzschlag zu lange aussetzt, bleiben Gehirnschäden zurück.

Die Betroffenen werden oft aus völligem Wohlbefinden heraus ohne Vorboten bewusstlos und verletzen sich durch Sturz. Nach kurzer Zeit, wenn der Rhythmus wieder "anspringt", wachen sie genau so plötzlich wieder auf und haben nur für den Moment der Bewusstlosigkeit eine Erinnerungslücke. Die Diagnose kann im EKG gestellt werden, nur ist es manchmal sehr mühsam bis unmöglich, solche Zustände im EKG zu erfassen, wenn der Patient nicht gerade im Moment des Anfalles z. B. ein Langzeit-EKG-Speichergerät trägt. Zur Behandlung von Adams-Stokes-Anfällen wird in aller Regel ein Herzschrittmacher eingepflanzt, sofern nicht Medikamente wie eine zu hohe Digitalis- oder Betablocker-Dosierung für das Auftreten verantwortlich sind.

Behandlung

Die erste und dringendste Maßnahme ist die sofortige Wiederbelebung (kardiopulmonale Reanimation) des Patienten. Sobald ein Rettungssanitäter oder Notarzt erscheint, zeichnet er ein EKG auf, um andere plötzliche Todesursachen (z. B. eine Gehirnblutung) auszuschließen. Durch eine notfallmäßige Defibrillation versucht der behandelnde Arzt, wieder eine regelgerechte Herzaktion in Gang zu setzen. Anschließend steht die gezielte medikamentöse Therapie zur Stützung der Herzfunktion im Mittelpunkt.

Diagnosesicherung

Nach einem überlebten plötzlichen Herztod muss der Arzt die zugrundeliegende Ursache herausfinden. Dazu setzt er eine Reihe kardiologischer Verfahren wie z. B. Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Echokardiografie oder auch eine Herzkatheteruntersuchung ein. Kommt dabei eine Herzerkrankung zu Tage, wird diese behandelt.

Oft pflanzen die Ärzte dem Patienten zusätzlich einen speziellen Schrittmacher (|ICD, Implantierbarer Kardio-Defibrillator) zur Verhütung weiterer gefährlicher Herzrhythmusstörungen ein. Ist dies nicht möglich, verordnen sie auch Medikamente, um den Herzrhythmus zu stabilisieren (Antiarrhythmika wie z. B. Amiodaron).

Prognose

Überlebt ein Patient den plötzlichen Herztod, hat er unbehandelt im ersten Jahr danach ein 30%iges und im zweiten Jahr ein 45%iges Risiko, erneut einen Herztod zu erleiden. Ein ICD verbessert die Prognose jedoch deutlich: der eingepflanzte Defibrillator verhindert einen Großteil der lebensgefährlichen, plötzlich auftretenden Episoden von Kammerflimmern.

Ihr Apotheker empfiehlt

Die beste Prävention gegen den plötzlichen Herztod ist ein gesunder Lebensstil und regelmäßiger Sport. Vor allem moderat betriebene Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren sind günstig für das Herz-Kreislauf-System. Seien Sie beim Sport nicht zu ehrgeizig! Fangen Sie langsam an und hören Sie langsam auf – verzichten Sie auf einen Schlussspurt, um sich noch einmal richtig auszupowern. Kein Sport mit Infekt! Machen Sie bei Erkältungen und anderen Infekten immer eine Sportpause und kurieren Sie sich lange genug aus. Für Wiedereinsteiger empfiehlt sich vor Aufnahme der sportlichen Betätigung ein Checkup beim Arzt. Ist in Ihrer Familie ein plötzlicher Herztod in jüngerem Lebensalter aufgetreten, lassen Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen, ob bei Ihnen ein erhöhtes Risiko vorliegt.

Weiterführende Informationen

Informationen zum ICD für Betroffene und Angehörige finden Sie auf http://www.s-icd.de/plotzlicher-herzstillstand/behandlung.html|http://www.s-icd.de/plotzlicher-herzstillstand/behandlung.html. Mehr zur Ersten Hilfe mit dem Defibrillator finden Sie auf http://www.lebensrettung-bei-herztod.de/|http://www.lebensrettung-bei-herztod.de/.

Treppentest fürs Herz: Ist die Pumpe noch fit?

Quelle: apotheken.de | 28.01.2021 | Panthermedia/imago-images.de
 Zügig 60 Stufen raufgehen, aber nicht rennen: So geht der Treppentest. Ist das Herz noch fit genug oder ist ein Herz-Check in der Arztpraxis angebracht? Ein einfacher Selbsttest hilft bei dieser Frage weiter.

Treppe statt Ergometer
Etwa 2 Millionen Deutsche leiden an einer Herzschwäche. Nachgewiesen wird die Erkrankung mit Belastungstests, z. B. auf dem Fahrradergometer oder einem Laufband. Doch vor allem in frühen Stadien ist es hilfreich, ein schwächelndes Herz schon außerhalb der Arztpraxis zu erkennen. Spanische Kardiolog*innen haben sich dafür ein einfaches Verfahren ausgedacht: das Treppensteigen.

Metabolisches Äquivalent zeigt Risiko
Denn auch Treppensteigen bringt das Herz zum Pumpen. Ob es sich zum Test der Herzgesundheit eignet, wurde nun an 165 Patient*innen mit Beschwerden wie Atemnot und/oder Brustschmerzen bei Anstrengung geprüft. Sie mussten bis zur Erschöpfung auf dem Laufband laufen, gleichzeitig wurde das Herz mit einer Echokardiografie (Ultraschall) untersucht. Außerdem bestimmte man für jede Teilnehmer*in das metabolische Äquivalent (MET) als Maß für die körperliche Leistung. 1 MET entspricht dem Sauerstoffverbrauch in vollkommener Ruhe. Beim gesunden Erwachsenen sind dies etwa 3,5 ml pro kg Körpergewicht in der Minute oder 1 Kilokalorie pro kg Körpergewicht pro Stunde. Früheren Studien mit Herzerkrankten zufolge sind MET-Werte über 10 mit einem geringeren Sterberisiko in den nächsten 10 Jahren, MET-Werte unter 8 mit einem um 30 Prozent erhöhten Sterberisiko assoziiert.

Treppenlaufen für die Wissenschaft
Eine Viertelstunde später schickte man die Teilnehmer*innen vier Treppen mit insgesamt 60 Stufen hinauf und stoppte die benötigte Zeit. Dabei sollte zügig gegangen und nicht angehalten oder gerannt werden. Schließlich stellte man für jede Patient*in den erzielten MET-Wert der gestoppten Zeit gegenüber. Wer die 60 Stufen Treppe in weniger als 45 Sekunden schaffte, hatte auch über 9 bis 10 MET auf dem Laufband ? und dadurch ein geringeres Sterberisiko. Teilnehmer*innen, die über 90 Sekunden brauchten, erzielten weniger als 8 MET und wiesen somit ein erhöhtes Risiko auf, in den nächsten 10 Jahren zu versterben.

Über 90 Sekunden zum Herz-Check
Dazu passten auch die Echokardiogramme: Fast 60 % der Patient*innen, die für die 60 Stufen mehr als 90 Sekunden benötigten, hatten eine abnorme Herzfunktion im Echo. Bei den Schnellläufern (unter 60 s/60 Stufen) war das nur bei jeder Dritten der Fall.

Das Fazit der spanischen Forscher*innen: Wer für 60 Treppenstufen mehr als 90 Sekunden braucht, sollte sein Herz in einer Arztpraxis durchchecken lassen.

Quelle: http://Was|Ärztezeitung

Herzschwäche: Notfall erkennen: Neue Patientenleitlinie hilft

Quelle: apotheken.de | 10.12.2020 | Fizkes/Shutterstock.com
 Im Zweifel immer ärztliche Hilfe rufen.Auch wenn eine Herzschwäche therapeutisch gut eingestellt ist, kann sich die Herzleistung plötzlich verschlechtern. Deshalb ist es wichtig, Anzeichen für einen Notfall zu erkennen. Ein neuer Patientenleitfaden hilft dabei.

Akuter Notfall oder schleichende Verschlechterung?
Die Herzschwäche ist eine häufige Erkrankung. Behandelt wird sie mit Medikamenten, z. B. mit Blutdrucksenkern und/oder Entwässerungstabletten, außerdem sind Lebensstiländerungen wichtig. Typisch für die Erkrankung ist ein Wechsel der Beschwerden. Je nachdem, wie gut das Herz pumpt, lagert sich mehr oder weniger Wasser ein, was sich z. B. durch Anschwellen der Beine oder Atemnot zeigt.

Manchmal handelt es sich dabei „nur“ um ein Schwanken in der Krankheitsphase, manchmal aber auch um einen lebensbedrohlichen Notfall. Doch wie unterscheidet man als Betroffene oder Angehörige das eine vom anderen? Ein neuer Patientenleitfaden gibt Rat.

Im Notfall 112 rufen
Verschiedene Beschwerden zeigen deutlich, dass das Herz akut zu kämpfen hat. Sofort ärztliche Hilfe rufen müssen Betroffene (oder ihre Angehörigen) bei

anhaltendem Brustschmerz (Schmerzen oder Brennen für mindestens 5 Minuten)starkem Druckgefühl im Brustbereich, Gefühl der Enge oder des Eingeschnürtseins des Herzenssehr plötzlicher und/oder schwerer anhaltender Atemnotkalter, blasser Haut,und kalterm Schweißplötzlichen extrem starken Schmerzen im Oberbauch mit Übelkeit und/oder Erbrechen.

Herzkontrolle erforderlich
Manchmal verschlechtert sich eine Herzschwäche auch schleichend. Das ist zwar kein Notfall, aber ein Grund, bald die behandelnde Ärzt*in aufzusuchen ? auch vor einem vereinbarten Kontrolltermin. Zu diesen Beschwerden gehören

Gewichtszunahme von mehr als 1 kg über Nacht, 2 kg innerhalb von 3 Tagen oder 2,5 kg innerhalb einer WocheBenommenheit, Schwindel, Übelkeit oder Appetitverlustimmer wieder auftretendes Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlagstark geschwollene Knöchel oder Beineanhaltender nächtlicher HustenAtemnot auch schon bei geringfügiger BelastungSchlafen nur mit mehreren Kopfkissen.

Im Zweifel ist es sinnvoll, möglichst schnell ärztlichen Rat einzuholen. Das geht auch telefonisch bei der Hausärzt*in oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116 117). Dort lässt sich klären, ob die Beschwerden sofort behandelt werden müssen oder ob der Praxisbesuch bis zum nächsten Tag warten kann.

Quellen: Ärzteblatt, www.patienten-information.de

So macht der Weg zur Arbeit fit: Aufs Auto verzichten

Quelle: apotheken.de | 03.12.2020 | NDAB Creativity/Shutterstock.com
 Macht Spaß und hält fit: Den Weg zur Arbeit mit dem Rad zurücklegen.Rauf aufs Rad oder zu Fuß zur Arbeit: Wer das täglich beherzigt, senkt sein Herz-Kreislauf-Risiko ähnlich stark wie mit einem regelmäßigen Training im Fitnessstudio.

Einfach nebenbei trainieren
Mehr bewegen und an der Fitness arbeiten ? wem täte das nicht gut? In der Realität ist der Terminkalender aber oft so vollgepackt, dass die Zeit für den Sport fehlt. Doch offenbar lässt sich auch ohne großen Zeitaufwand etwas für Herz und Kreislauf tun. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Schweizer-Österreichischen Forschergruppe nahe.

Das Prinzip ist ganz einfach: Für den Weg zur Arbeit aufs Auto verzichten und stattdessen mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Was das für die Fitness bringt, hat die Forschergruppe mit Hilfe von über 70 Pendler*innen der Landeskliniken Salzburg untersucht.

Ein Jahr lang fuhr ein Drittel der Teilnehmer*innen mit dem Rad zur Arbeit. Ein weiteres Drittel ging einen Teil der Strecke zu Fuß und nutzte zusätzlich Bahn oder Bus. Auf diese Weise absolvierten die aktiven Pendler*innen pro Woche insgesamt etwa 150 Minuten Training mittlerer Intensität „nebenbei“ auf dem Weg zur Arbeit. Der Rest pendelte wie gewohnt mit dem Auto in die Klinik.

Fitter und mental besser drauf
Vor und 12 Monate nach Beginn der Studie wurde die Fitness aller Teilnehmer*innen auf dem Fahrradergometer gemessen. Bei den Autofahrer*innen hatte sich erwartungsgemäß nichts getan. Im Gegensatz zu denen, die aufs Radfahren oder Zu-Fuß-Gehen umgestiegen waren: Diese beiden Gruppen hatten im Verlauf des Jahres ihre Leistungsfähigkeit deutlich gesteigert, und zwar in einem Maß, das in etwa einem moderaten Fitnesstraining über ein Jahr entspricht.

Je besser die Leistungsfähigkeit auf dem Fahrradergometer, desto geringer das Herz-Kreislauf-Risiko. Deshalb tragen Laufen und Radeln zur Arbeit erheblich zur Herzgesundheit bei, betonen die Forscher*innen. Die Aktiven berichteten auch von weiteren positiven Effekten: Sie fühlten sich vitaler, körperlich funktionsfähiger und mental gesünder als vorher.

Quellen: Ärztezeitung, Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports

Länger leben mit Sex: Nach dem Infarkt

Quelle: apotheken.de | 25.11.2020 | pikselstock/Shutterstock.com
 Sex ist tut gut - das gilt auch für die meisten Patienten nach überstandenem Herzinfarkt.Ein überstandener Herzinfarkt ist kein Grund, auf Sex zu verzichten. Im Gegenteil: Wer frühzeitig nach dem Ereignis wieder sexuell aktiv wird, hat offenbar langfristig bessere Überlebenschancen.

500 Herzinfarkt-Patient*innen nach Sex befragt
Aus Angst vor einem erneuten Infarkt verzichten viele Menschen nach dem einschneidenden Herz-Ereignis auf sexuelle Aktivitäten. Doch ist diese Vorsicht wirklich nötig? Dieser Frage ist eine israelische Forschungsgruppe mit Hilfe der Daten von fast 500 Herzinfarktpatient*innen nachgegangen.

90% der Studienteilnehmer waren Männer, 10 % Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren. Sie wurden befragt, wie oft sie vor und in den drei und sechs Monaten nach dem Infarkt Sex gehabt hatten. Nach diesen Angaben ergaben sich 2 Gruppen: Gruppe 1 (47%) hatte nach dem Ereignis entweder ganz auf Sex verzichtet oder zumindest die Häufigkeit reduziert. Die andere Gruppe (53%) war nach dem Infarkt genauso oder sogar verstärkt sexuell aktiv.

Sterberisiko reduziert
In der durchschnittlich 22 Jahre dauernden Nachbeobachtungszeit verstarben 211 Patient*innen. Bei Analyse der Daten stellte sich heraus, dass diejenigen, die in den ersten sechs Monaten nach Infarkt zu ihrem vorherigen aktiven Sexleben zurückgekehrt waren, ein um 35% geringeres Sterberisiko hatten als diejenigen, die auf Sex verzichtet oder ihn reduziert hatten. Hauptgrund für den Überlebensvorteil der sexuell Aktiven war ihr geringeres Risiko, an nicht-kardiovaskulären Erkrankungen wie beispielsweise Krebs zu versterben.

Über die Ursache dieses Überlebensvorteil lässt sich trefflich spekulieren. Womöglich ist die ausgeübte Sexualität nur eine Art Marker für eine ohnehin bessere Fitness, mutmaßen die Autor*innen. Dem widerspricht allerdings, dass bei Berechnung des Überlebensvorteils wichtige Einflussfaktoren wie Übergewicht, Schwere des Infarkts oder körperliche Bewegung berücksichtigt worden waren. Denkbar wäre aber auch, dass die erlebte Sexualität das Selbstbild als energiegeladene, gesunde Person förderte und dadurch weiter zu einem gesünderen Lebensstil anspornte.

Erst Beratung, dann Sex
Wie dem auch sei ? die israelische Forschungsgruppe empfiehlt Kardiolog*innen, zu (angemessener) sexuellen Aktivität zu ermutigen. Davor ist natürlich individuell abzuklären, welche körperliche Belastung erlaubt ist und wie sich die Belastungsfähigkeit mit weiteren Maßnahmen verbessern lässt. Die amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften unterstützen dies: Sie haben ihren kardiologischen Kolleg*innen einen umfangreichen Leitfaden für die sexuelle Beratung Herzerkrankter an die Hand gegeben.

Quelle: www.kardiologie.org

Wieviel Ei darfs sein pro Tag?: Ewige Diskussionen ums Cholesterin

Quelle: apotheken.de | 17.09.2020 | blickwinkel/imago-images.de
 Das weiche Frühstücksei ? für viele ein unverzichtbarer Genuss.Ob weichgekocht, im Pfannkuchen oder als Mayonnaise ? vor Eiern wird wegen ihres hohen Cholesteringehalts immer wieder gewarnt. Zu Recht oder zu Unrecht? Eine neue Analyse will endlich Schluss mit der Diskussion rund ums Ei machen.

300 mg Cholesterin im Dotter
Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein für die Zellwände. Doch wenn zuviel davon im Blut kursiert, droht eine Arteriosklerose samt gefährlicher Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weil Cholesterin auch mit der Nahrung aufgenommen wird, liegt der Gedanke nah, bei hohen Cholesterinwerten die Zufuhr zu drosseln. Jahrzehntelang war dabei auch das Ei im Visier: Immerhin stecken im Dotter eines großen Hühnereis etwa 300 mg Cholesterin.

Über 200 000 Probanden
Doch nun geben Wissenschaftler (erneut) Entwarnung: Ein Ei täglich erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht. Für diese Erkenntnis wurden die Daten von mehr als 215 000 Probanden zwischen den Jahren 1980 und 2013 gesichtet. Insgesamt ereigneten sich 9010 Herzinfarkte und 5903 Schlaganfälle, die Mehrzahl der Teilnehmer aß bis zu 5 Eiern pro Woche. Bei der Analyse der Daten zeigte sich, dass der Verzehr von einem Ei täglich keinen Einfluss auf die Entwicklung von Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, wobei das Ergebnis auch bei Berücksichtigung Herz-Kreislauf-bezogener Risikofaktoren wie Rauchen und Bluthochdruck bestehen blieb.

Lieber bei Speck und Wurst sparen
Für Experten ist das keine große Überraschung. Den größten Teil des gefährlichen Cholesterins bildet der Körper aus gesättigten Fetten selbst. Der Einfluss des Cholesterins aus der Nahrung ist daher gering. Auch diese Analyse unterstreicht, dass ein Ei täglich für den Cholesterinspiegel kaum ins Gewicht fällt. In puncto Cholesterinwert bringt es deshalb mehr, sich bei Lebensmitteln mit reichlich gesättigten Fettsäuren zurückzuhalten ? wie etwa bei Speck, fettem Fleisch, Milchprodukten mit hohem Fettgehalt, Fertiggerichten und süßem Gebäck.

Bio-Ei: Gut für Henne und Menschen
Nicht vergessen werden darf bei der Diskussion ums Ei, wie gesund es ist. Dient es doch als Lieferant von wertvollen Proteinen, Eisen, Phospholipiden und Karotinoiden. Dabei sollte man nicht nur das eigene, sondern auch das Wohl der eierlegenden Produzentinnen im Blick behalten und beim Eierkauf ausschließlich zu Bio-Eiern greifen. Denn hier gelten die strengsten Regeln sowohl für die Fütterung als auch für die artgerechte Haltung. Erkennbar ist das am Code, der auf jedes Ei gedruckt ist: Die 0 vor dem Kürzel für das Herstellerland (z. B. DE für Deutschland) steht für Bio, d.h. ökologische Haltung. Hier wohnen die Hennen in offenen Ställen mit Sitzstangen und Auslauf, haben den meisten Platz, bekommen die Schnäbel nicht systematisch gekürzt und werden mit wertvollem, gesundem ökologisch angebautem Futter versorgt.

Quelle: Springer Medizin

Frauen werden schlechter behandelt : pAVK-Therapie in Deutschland

Quelle: apotheken.de | 13.08.2020 | Syda Productions/Shutterstock.com
 Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Frauen häufig unterversorgt.Frauen werden auch in Deutschland immer noch in vielen Bereichen benachteiligt ? so etwa bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit erhalten sie seltener eine optimale medikamentöse Therapie als Männer.

Gehtraining und Medikamente
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) gehört mit Herzinfarkt und Schlaganfall zu den häufigsten Folgen einer Arteriosklerose. Dabei kommt es durch die arteriosklerotisch bedingten Verengungen der Beinarterien zu Durchblutungsstörungen der Beine, die sich durch Wundheilungsstörungen und Schmerzen beim Gehen bemerkbar machen.

Behandelt wird die pAVK je nach Stadium mit Lebensstiländerungen, Gehtraining, Gefäßoperationen und Medikamenten. Die Leitlinien empfehlen für die meisten Patienten eine Kombination aus Fettsenker (z. B. Statinen), ACE-Hemmer bzw. Sartan (das sind blutdrucksenkende Mittel) und einem Hemmer der Thrombozytenaggregation.

Beim Fettsenker unterversorgt
Doch viele pAVK-Patienten erhalten diese empfohlene Therapie nicht. Deutlich wurde das bei einer Analyse der Versicherungsdaten von 45436 Männern und 38431 Frauen, die aufgrund einer fortgeschrittenen pAVK in der Klinik behandelt worden waren. Neben einer generellen Unterversorgung der Patienten zeigte sich eine zusätzliche geschlechtsspezifische Lücke: Nur 42,7% der Männer, aber noch weniger Frauen (37%) erhielten die optimale Therapie. Vor allem beim Fettsenker (meist in Form von Statinen) kamen die Frauen schlechter weg als die Männer (52,4 % vs. 59,9%). Auch beim Blutverdünner schnitten die Frauen schlechter ab (10 vs. 12,7%). Nur die Blutdrucksenker wurden bei Frauen etwas häufiger verordnet, was allerdings die geschlechtsspezifische Unterversorgung nicht wieder gut machte. Hinzu kommt: Die Frauen waren durchschnittlich schwerer an pAVK erkrankt als die Männer.

Tablette an falscher Stelle gespart?
Insgesamt hapert es also in Deutschland sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern an einer optimalen medikamentösen Therapie der pAVK. Warum die Ärzte die von den Leitlinien empfohlenen Medikamente bei Frauen noch seltener verordnen als bei Männern, bleibt offen. Eine Ursache könnte sein, dass die Frauen insgesamt auch ohne pAVK-Therapie meist mehr Medikamente erhielten als Männer, die Ärzte also vor einer zusätzlichen „Pille“ zurückschreckten.

Quelle: Ärzteblatt

Mittagsschlaf als Blutdrucksenker?: Ein Hoch aufs Nickerchen!

Quelle: apotheken.de | 01.07.2020 | Olha Povozniuk/Shutterstock.com
 Mittagsschlaf ist gesund - allerdings darf er nicht zu lang sein.Mittagsschläfchen entspannen nicht nur kurzfristig: Regelmäßige Siestas senken bei Hochdruckkranken offenbar den tagsüber gemessenen systolischen Blutdruck.

Lebensstiländerungen für den Blutdruck
Abnehmen, Rauchverzicht, mehr Bewegung und weniger Alkohol können den Blutdruck von hochdruckkranken Menschen um einige mmHg senken und gehören deshalb zu den empfohlenen Lebensstiländerungen. Womöglich reiht sich auch bald der Mittagsschlaf in diesen Reigen blutdrucksenkender Maßnahmen ein ? vorausgesetzt, die Ergebnisse einer griechischen Studie lassen sich in anderen Untersuchungen bestätigen.

Durchschnittlich niedrigere systolische Werte
In dieser Studie an 212 Hypertonikern konnten Manolis Kallistratos und Kollegen den segensreichen Effekt des Mittagsschlafs nachweisen. 57% der Studienteilnehmer hatten in dem halben Jahr zuvor mindestens drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf von durchschnittlich 49 Minuten gehalten. Der zahlte sich aus: Bei den Mittagsschläfern wurden sowohl in der 24-Stunden-Blutdruckmessung als auch bei den Messungen tagsüber signifikant niedrigere durchschnittliche Werte als bei den Nichtschläfern gemessen (128 vs. 133 mmHg und 129 vs. 135 mmHg). Dabei hatten weder die Anzahl der von Patienten eingenommenen Hochdruckmedikamente noch die Ergebnisse verschiedener, die Herz-Kreislauf-Situation widerspiegelnder Untersuchungen einen Einfluss auf den Effekt.

Schon wenige mmHg senken Infarktrisiko
Die blutdrucksenkende Auswirkung des Mittagsschlafs war mit den Effekten anderer Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und Abnehmen vergleichbar, berichten die Forscher. Auch wenn es dabei nur um wenige mmHg geht, können die schon entscheidend sein. Denn eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg senkt anderen Untersuchungen zufolge das Risiko Herzinfarkt und Schlaganfall um bis zu 10%.

Bloß nicht zu lange schlafen!
Doch nicht jeder Mittagsschlaf scheint gesund zu sein. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine Schlafdauer über eine Stunde das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Das könnte daran liegen, dass bei längerem Schlaf die REM-Phase erreicht und dadurch vegetatives Nervensystem und Herz-Kreislauf-System aktiviert werden. Den durch die regelmäßigen Siestas hervorgerufenen blutdrucksenkenden Effekt in der griechischen Studie führen die Forscher darauf zurück, dass die Teilnehmer dem Mittagsschlaf nur durchschnittlich 49 Minuten frönten.

Quelle: Ärztezeitung