Herz, Gefäße, Kreislauf

Bluthochdruck

Quelle: apotheken.de | 22.10.2009 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Die Hälfte der über 50-Jährigen leidet an Bluthochdruck.5

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte von mindestens 140/90 mmHg. Etwa 25 % der erwachsenen Bevölkerung und die Hälfte der über 50-Jährigen leiden an Bluthochdruck, wobei knapp ein Drittel der Betroffenen nichts davon weiß. Doch auch unbemerkt kann erhöhter Bluthochdruck zu schweren Organschäden führen und muss deshalb behandelt werden. Dabei kommen neben einem gesundheitsbewussteren Lebensstil mit Nikotinverzicht, Gewichtsreduktion und Bewegung vor allem blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz.

Als Blutdruckentgleisung (hypertensiver Notfall) bezeichnet man akute Blutdruckwerte über 230/130 mmHg. Es drohen dann Verwirrtheit, Krampfanfälle oder auch schwerwiegende Komplikationen wie der akute Schlaganfall, die akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem oder die Aortendissektion. Eine sofortige Blutdrucksenkung durch einen (Not-)Arzt und die Einweisung in eine Klinik sind erforderlich!

Symptome und Leitbeschwerden

Häufig symptomlos Kopfschmerzen beim Aufwachen, vor allem im Hinterkopfbereich Herzklopfen, stechende Brustschmerzen Häufiges Nasenbluten Atemnot bei Belastung Schwindelanfälle, Ohrensausen, Sehstörungen, Verwirrtheit.

Bei zugrunde liegenden Hormonstörungen:

Muskelschwäche, auffällig viel Durst und häufiger Harndrang, ungewöhnliches Schwitzen, ausgeprägte Gewichtsveränderungen.

Bei Blutdruckentgleisung:

Möglicherweise Sehstörungen, Schwindel, stärkste Kopfschmerzen, Atemnot, Herzschmerzen oder reißende Schmerzen im Brustkorb oder Bauchbereich, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungserscheinungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
erstmals hohe Blutdruckwerte gemessen werden sich Beschwerden wie grundloses Nasenbluten (außer bei Jugendlichen während der Pubertät), Blut im Urin oder Kopfschmerzen beim Aufwachen häufen sich Körperform, Gewicht, Durst, Wasserlassen, Schwitzen oder die Belastungsfähigkeit auffällig ändern Herzklopfen, Schwindelanfälle oder Sehstörungen auftreten.

Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn die Blutdruckwerte
anhaltend über 200/130 mmHg liegen sich mit den vom Arzt verschriebenen Medikamenten nicht absenken lassen mit Unwohlsein verbunden sind.

Die Erkrankung

Bluthochdruck liegt vor, wenn bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Zeiten in Ruhe Werte von 140/90 mmHg und mehr ermittelt wurden.

Je nach systolischen und diastolischen Blutdruckwerten unterscheiden die Ärzte folgende Blutdruck-Zustände

Optimaler Blutdruck: < 120/80 mmHg Normaler Blutdruck: < 130/85 mHg Hoch-normaler Blutdruck: 130/85–139/89 mmHg Hypertonie Grad I: 140/90–159/99 mmHg Hypertonie Grad II: 160/100–179/109 mmHg Hypertonie Grad III: > 180/110 mmHg Hypertensiver Notfall: > 230/120 mmHg

Daneben gibt es die isolierte systolische Hypertonie mit systolischen Werten > 140 mmHg und diastolischen Werten < 90 mmHg, die vor allem bei älteren Menschen auftritt. Bei dauerhaft > 120 mmHg erhöhten diastolischen Blutdruckwerten spricht man von einer malignen Hypertonie, die zu schweren Netzhautveränderungen und Nierenschäden führt.

Formen und Ursachen
Ein Bluthochdruck kann sich aufgrund verschiedener Ursachen entwickeln, in vielen Fällen kombinieren sich die auslösenden Faktoren, der Arzt spricht dann von einer multifaktoriellen Genese. So führen z. B. versteifte Arterien und ein erhöhtes Blutvolumen zu einem gesteigerten Druck im Gefäßsystem. Auch das ZNS sowie Hormone können zu einer Engstellung der Blutgefäße führen und damit einen Anstieg des Blutdrucks bewirken. Der eigentliche Auslöser dieser Prozesse bleibt häufig unklar.

So ist die auslösende Ursache bei der essenziellen Hypertonie (primäre Hypertonie, idiopathische Hypertonie, über 90 % aller Bluthochdruckpatienten) unbekannt. Die familiäre Häufung zeigt, dass erbliche Faktoren bei der Entstehung von Bluthochdruck eine wichtige Rolle spielen. Daneben begünstigt ein ungesunder Lebensstil die Entwicklung einer essenziellen Hypertonie, z. B.

Rauchen erhöhter Kaffee-, Alkohol- und Salzkonsum Bewegungsmangel Übergewicht (Adipositas) Stress.

Bei Frauen ist Bluthochdruck oft mit den hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren verbunden, ohne dass man die genauen Zusammenhänge kennt. Vor den Wechseljahren leiden Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer.

Die sekundäre Hypertonie ist dagegen ein Bluthochdruck, der in Folge einer anderen Erkrankung entsteht. Dies kommt bei etwa 5–10 % der Hochdruck-Patienten vor. Im Gegensatz zur essenziellen Hypertonie ist die sekundäre Hypertonie heilbar, wenn die auslösende Ursache beseitigt wird.

Vor allem die Niere kann über die Ausschüttung blutdruckwirksamer Substanzen und über die ausgeschiedene Harnmenge den Blutdruck beeinflussen. Viele chronische Nierenerkrankungen sind daher auch mit hohem Blutdruck verbunden, z. B. die |Glomerulonephritis. Daneben täuscht eine Verengung der für die Nierendurchblutung verantwortlichen Arterie (Nierenarterienstenose) einen zu niedrigen Blutdruck vor, was ebenfalls blutdrucksteigernde Reaktionen in Gang setzt (renale Hypertonie). Wenn man zu lange wartet, um die Verengung zu beseitigen, kann es sein, dass der Bluthochdruck "fixiert" wird und trotz einer Operation bestehen bleibt. 50 % der Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom entwickeln einen Bluthochdruck. Hier vermuten die Ärzte, dass der durch den Sauerstoffmangel im Schlaf ausgelöste Dauerstress den Blutdruck in die Höhe treibt. Eine ganze Reihe von Erkrankungen der Hormondrüsen (so z. B. Erkrankungen der Nebenniere, der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse und der Hirnanhangsdrüse) kann neben anderen Beschwerden auch den Blutdruck erhöhen, z. B. bei |Conn-Syndrom |Phäochromozytom |Cushing-Syndrom |Adrenogenitalem Syndrom |Akromegalie |Schilddrüsen-Überfunktion |Nebenschilddrüsen-Überfunktion. Unter der Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. der |"Pille" oder Kortison, kann sich ein Bluthochdruck entwickeln. Außer den Genussmitteln Nikotin und Alkohol führt auch ein regelmäßiger hoher Konsum von Lakritze (> 250 g/Tag) zu einem Bluthochdruck. Gefäßfehlbildungen sind ebenfalls mögliche Ursachen für einen Bluthochdruck. So z. B. bei einer |Aortenisthmusstenose, bei der die erhöhten Blutdruckmesswerte typischerweise nur auf die Arme begrenzt sind.

Verlauf und Komplikationen
Langjährig erhöhter Blutdruck führt zur Verdickung der linken Herzkammermuskulatur, weil die linke Herzkammer gegen den permanent erhöhten Gefäßwiderstand der Körperschlagadern anpumpen muss. Der verdickte Herzmuskel braucht aber entsprechend mehr Sauerstoff für seine Mehrleistung. Dieser Mehrbedarf kann so ausgeprägt sein, dass die Herzkranzgefäße keine ausreichende Durchblutung des Herzmuskels mehr gewährleisten und bei Belastung eine |Angina pectoris auftritt. Im weiteren Verlauf erschöpft der Herzmuskel und es entwickelt sich eine |Herzinsuffizienz sowie eine Neigung zu Herzrhythmusstörungen und |arteriosklerotischen Gefäßveränderungen wie z. B. KHK, pAVK oder Nierenarterienstenose.

Bei vielen Patienten treten essenzielle Hypertonie, Übergewicht sowie ein gestörter Glukose- und Fettstoffwechsel gemeinsam auf. Dieser Symptomkomplex wird als metabolisches Syndrom bezeichnet und geht mit einem besonders hohen Risiko für die oben beschriebenen Herz-Kreislauferkrankungen einher.

Diagnosesicherung

Weil der Blutdruck auch bei Gesunden natürlichen Schwankungen unterliegt und sich von Minute zu Minute ändert, darf einzelnen Messwerten nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. So führt z. B. die innere Anspannung bei Arztbesuchen dazu, dass sich ~ 30 % der dort (meist zu hoch) gemessenen Blutdruckwerte bei Kontrollen nicht bestätigen (Weißkittelhochdruck).

Bei schwankenden Blutdruckwerten ist der Mittelwert aus wenigstens 12 Messungen über eine Woche verteilt als verlässlicher Blutdruckwert anzusehen. Auch eine Langzeit-Blutdruckmessung eignet sich bestens, um den tatsächlichen Blutdruck zu ermitteln. Sie hat den Vorteil, dass sie auch die nächtlichen Blutdruckwerte berücksichtigt.

Bei neu entdecktem Bluthochdruck muss der Arzt zunächst abklären, ob es sich um eine essenzielle oder sekundäre Form handelt und ob bereits Folgeschäden bestehen. Er prüft daher, ob eine familiäre Veranlagung für Bluthochdruck bekannt ist und möglicherweise Risikofaktoren oder Hinweise für Herz- und Gefäßkrankheiten, Nierenerkrankungen oder Hormonstörungen vorliegen.

Meist schließen sich Laboruntersuchungen, EKG, Echokardiografie, Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes und der Nierengegend sowie eine Urinuntersuchung an. Bei Verdacht auf eine Nierenarterienstenose führen Farbduplexsonografie, Digitale Substraktionsangiografie (DAS) oder die MR-Angiografie zur Diagnose.

Am Augenhintergrund sind die Folgen des Bluthochdrucks schon vergleichsweise früh durch Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen sichtbar. Dies kann im Zweifelsfall den Ausschlag zur Behandlung auch bei nur gering erhöhten Bluthochdruckwerten geben. Da die Augen einen Anteil des Gehirns darstellen, ist bei Hypertonikern die Spiegelung der Netzhaut sehr wichtig. Vom Durchblutungszustand des Augenhintergrundes kann der Arzt einen Rückschluss auf den Durchblutungszustand des Gehirns ziehen.

Behandlung

Ob und wie weit der Blutdruck gesenkt werden soll, hängt vom Gesamtrisiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, vom Allgemeinzustand und den Wünschen des Patienten ab. Bei einem sekundären Bluthochdruck muss allerdings die zugrundeliegende Erkrankung bzw. der Auslöser behandelt werden. Das bedeutet beispielsweise die nächtliche Überdruckbeatmung mit CPAP-Maske beim Schlafapnoesyndrom, der Ersatz der "Pille" durch andere Verhütungsmittel, wenn diese zu einem Hochdruck geführt hat oder das Erweitern einer verengten Nierenarterie mit dem Katheter.

Therapiebeginn
Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen bei einer leichten Hypertonie Grad I (Blutdruckwerten ab 140/90 bis 159/99 mmHg) zunächst einen mehrmonatigen Versuch, die Blutdruckwerte mithilfe von Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion und Nikotinverzicht zu senken. Gelingt dies nicht, kommen blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz. Eine Hypertonie Grad II (> 160/100 mmHg) soll unmittelbar medikamentös therapiert werden. Das entbindet den Patienten nicht von der Mitarbeit: Die Hinwendung zu einem gesünderen Lebensstil mit Nikotinverzicht und Bewegung ist ebenfalls unabdingbar. Bei Hoch-normalem Blutdruck bis 139/89 mmHg ist eine medikamentöse Behandlung angezeigt, wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Diabetes, |Fettstoffwechselstörung, Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Übergewicht, körperliche Inaktivität, fortgeschrittenes Alter oder Bluthochdruck bei Blutsverwandten bestehen oder bereits bluthochdruckbedingte Herz- und Nierenschäden oder arteriosklerotische Veränderungen der Blutgefäße nachweisbar sind. Bei der isolierten systolischen Hypertonie beginnt der Arzt erst ab systolischen Werten über 160 mmHg mit der medikamentösen Therapie. Der Neubeginn einer blutdrucksenkenden Therapie sollte bei Menschen über 80 Jahren erst bei systolischen Blutdruckwerten > 160 mmHg erfolgen.

Zielwerte
Hat sich der Patient zu einer blutdrucksenkenden Therapie entschlossen, strebt der Arzt die Absenkung des systolischen Blutdruckwertes auf 140 mmHg und die Absenkung des diastolischen Werts auf 90 mmHg an. Bei Diabetikern sollte ein Zielblutdruck von 140/85 mmHg erreicht werden.

Viel Beachtung erlangte 2015 die SPRINT-Studie. Sie kam zu dem Ergebnis, dass bei Nicht-Diabetikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko die Gesamtsterblichkeit deutlich reduziert werden kann, wenn der systolische Blutdruck auf Werte um 120 mmHg gesenkt wird. Ferner legen die Studienergebnisse auch bei mildem Bluthochdruck eine konsequente Behandlung nahe.

Bei älteren Menschen über 65 Jahre toleriert der Arzt manchmal Blutdruckwerte bis 160/100 mmHg ohne Behandlung, wenn eine Neigung zu Schwindel und Stürzen bekannt ist oder frühere Behandlungsversuche mit Hochdruckmedikamenten zu Schwindel oder anderen schwer zu ertragenden Nebenwirkungen geführt haben.

Basismaßnahmen – Änderung des Lebenstils
Eine Verhaltensänderung hin zu einem gesunden Lebensstil senkt den Blutdruck um etwa 10 mmHg. Dadurch wird nicht nur eine Reduktion der notwendigen Blutdruckmedikamente erreicht, bei nur leicht bis mäßig erhöhten Blutdruckwerten kann eine medikamentöse Therapie sogar überflüssig werden. In der Praxis sind aber leider viel zu wenige Patienten bereit, den anstrengenden Weg einer Änderung des Lebensstils zu gehen, obwohl damit neben dem Bluthochdruck auch andere Risikofaktoren, z. B. die Blutfette und auch die psychische Konstitution, sehr günstig beeinflusst werden – was Tabletten nicht bewirken können. Welche Maßnahmen dabei besonders wirksam sind und Tipps zur Durchführung lesen Sie unter "Ihr Apotheker empfiehlt".

Pharmakotherapie
Zur medikamentösen Therapie des Bluthochdrucks stehen dem behandelnden Arzt sieben Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die er einzeln oder in Kombination verordnen kann. Welches Medikament wann zum Einsatz kommt, wird von medizinischen Fachgesellschaften immer wieder an die Ergebnisse aktueller Studien angepasst (und ist leider auch nicht ganz frei vom Einfluss der Pharmafirmen).

Daneben richtet sich die Medikamentenauswahl nach den individuellen Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit. So ist z. B. ein Betablocker zur Blutdruckbehandlung bei Patienten mit Bronchialasthma ungünstig. ACE-Hemmer führen manchmal zu unangenehmem trockenen Husten und müssen dann mit einem anderen Wirkstoff, zum Beispiel einem Sartan, ersetzt werden.

Folgende Antihypertensiva werden aktuell empfohlen:

ACE-Hemmer senken den Blutdruck über eine Erweiterung der Blutgefäße, eine Beeinflussung der Herztätigkeit und eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung der gesunden Niere. Hierzu gehören z. B. Benazepril, Captopril, Cilazapril, Enalapril, Fosinopril, Lisinopril, Moexipril, Perindopril, Quinapril, Ramipril, Trandolapril, Zofenopril. AT1-Blocker (Sartane) wirken ähnlich wie ACE-Hemmer und können diese bei Unverträglichkeiten (z. B. bei Reizhusten oder Quincke-Ödem) ersetzen. Hierzu gehören z. B. Candesartan, Eprosartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan, Telmisartan, Valsartan. Kalziumantagonisten senken den Blutdruck durch Erweiterung der Blutgefäße, einige bremsen zusätzlich die Herzfrequenz. Hierzu gehören z. B. Amlodipin, Diltiazem, Felodipin, Isradipin, Lercanidipin, Manidipin, Nifedipin, Verapamil. |Diuretika fördern anfänglich die Flüssigkeits- und Kochsalzausscheidung und bewirken dauerhaft eine Erweiterung der Blutgefäße. Sie werden häufig mit anderen Bluthochdruckmitteln kombiniert. Hierzu gehören z. B. Amilorid, Chlortalidon, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Indapamid, Piretanid, Torasemid, Spironolacton, Triamteren, Xipamid. Betablocker senken den Blutdruck, indem sie das Herz entlasten und die Herzfrequenz reduzieren. Hierzu gehören z. B. Acebutolol, Atenolol, Betaxolol, Bisoprolol, Carvedilol, Celiprolol, Esmolol, Metoprolol, Nebivolol, Pindolol, Propranolol.

Als Reservemedikamente werden heute angesehen:

Alpha 1-Blocker (Alpha-Rezeptorenblocker) und Antisympathotonika: Diese Wirkstoffe beeinflussen direkt oder indirekt die Einwirkung des sympathischen Nervensystems auf den Gefäßtonus und erweitern so die Blutgefäße. Sie sind z. B. bei Schwangerschaftshochdruck indiziert. Hierzu gehören z. B. Clonidin, Doxazosin, Prazosin, Terazosin, Urapidil. Renin-Hemmer wie Aliskiren hemmen direkt das blutdrucksteigernde Hormon Renin. Es wird vor allem bei hypertensiven Krisen eingesetzt oder wenn eine Zweier- oder Dreierkombination der empfohlenen Wirkstoffe den Bluthochdruck nicht ausreichend senken kann. Renin-Hemmer dürfen jedoch nicht mit ACE-Hemmern oder Sartanen kombiniert werden. Direkt gefäßerweiternd wirkende Substanzen (Vasodilatanzien), die den Blutdruck durch Senkung des arteriellen Gefäßwiderstands erniedrigen. Hierzu gehören z. B. Dihydralazin, Minoxidil und als kurz wirksame Medikamente die sog. Nitrate wie z. B. Nitroprussid-Natrium.

Monotherapie oder Kombitherapie?
Es gibt verschiedene Empfehlungen, ob der Bluthochdruck zunächst mit einer Monotherapie oder gleich mit einer Kombination verschiedener Wirkstoffe behandelt werden soll. Bei sehr gebrechlichen Patienten, über 80-Jährigen oder Patienten mit einer Hypertonie Grad I und niedrigem kardiovaskulärem Risiko verordnen die Ärzte zunächst nur einen Wirkstoff, z. B. einen ACE-Hemmer, ein Sartan oder ein Diuretikum. Reicht dessen Wirkung nicht aus, kann der Arzt entweder die Dosierung erhöhen oder die Therapie um einen zweiten Wirkstoff ergänzen.

Gleich mit einer Zweier-Kombination beginnen die Ärzte die Therapie einer Hypertonie Grad II oder wenn der Patient ein hohes kardiovaskuläres Risiko aufweist. Ab einer Hypertonie vom Grad II sowie bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen, wird in der Regel sofort mit einer Zweier-Kombination begonnen. Typische Kombinationen sind z. B. ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum oder Kalziumantagonist; bei Patienten mit KHK wird als Kombinationswirkstoff ein Betablocker gewählt. Ist mit der Zweier-Kombination der angestrebte Blutdruck nicht zu erreichen, kommt ein dritter Wirkstoff hinzu (ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum plus Kalziumantagonist). Die volle Wirkung von Hochdruckmitteln tritt erst nach 2 bis 6 Wochen ein. Manche Wirkstoffkombinationen werden von der Pharmaindustrie bereits in einer einzelnen Tablette angeboten, sodass sich die Anzahl der täglich einzunehmenden Tabletten reduziert.

Hinweis: Benötigen Patienten, die Kalziumantagonisten erhalten, eine Antibiotika-Behandlung, sollten Ärzte vorsichtig sein. Die Kombination der blutdrucksenkenden Mittel mit den Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin verursacht einen starken Blutdruckabfall. Das Risiko für die Patienten, dadurch einen Schock zu erleiden, erhöht sich unter Erythromycin um das Sechsfache und unter Clarithromycin um das Vierfache. Zur Behandlung von bakteriellen Infektionen bei betroffenen Patienten eignet sich alternativ das Antibiotikum Azithromycin.

Operative Therapie
Wenn sämtliche medikamentösen Versuche, den Blutdruck einzustellen, versagen, spricht der Arzt von einem therapieresistenten Bluthochdruck. Um auch diesen Patienten zu helfen, befinden sich verschiedene Verfahren in der klinischen Erprobung:

Barorezeptoraktivierungstherapie (BAT). Stimulation der in der Halsschlagader (Arteria carotis) befindlichen Druckrezeptoren (Barorezeptoren) mit eingepflanzten Stimulationselektroden. Auf diese Weise wird den Druckrezeptoren ein hoher Druck in den Gefäßen vorgetäuscht, es kommt zu einer Gegenregulation mit Blutdruckabfall. Weltweit wurden bisher mehrere hundert Patienten mit dem Verfahren behandelt. Bei etwa 3/4 der Betroffenen kam es zu Blutdrucksenkungen von 20–30 mmHg. Die klinischen Prüfungen dauern an, endgültige Empfehlungen sind noch nicht möglich. Renale Denervation. Hier versuchen die Ärzte, die Niere vom sympathischen Nervensystem (dem "Stressnervensystem") abzukoppeln, wodurch der Blutdruck dauerhaft sinkt. Dafür schieben sie einen Katheter in die Nierenarterie vor und veröden die autonomen Nervenfasern in dem Blutgefäß mit Strom. Das Verfahren ist ebenfalls noch in der klinischen Erprobung und teilweise umstritten.

Prognose

Je früher ein Bluthochdruck erkannt und behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass sich Folgeschäden entwickeln. Zur Abschätzung des individuellen Herzkreislaufrisikos durch Bluthochdruck und andere Risikofaktoren gibt es verschiedene klinische Punktebewertungssysteme wie z. B. den Procam-Score und den ESC-Score (Links zu den Scores unter Weiterführende Informationen).

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention
Bluthochdruck ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, KHK, Schlaganfall, Nierenfunktionsstörung oder Durchblutungsstörungen von Gliedmaßen, die der Patient selbst beeinflussen kann. Kontrollieren Sie deshalb ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich und ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich den Blutdruck (in mehreren Einzelmessungen), um rechtzeitig auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks aufmerksam zu werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Bluthochdruck bei Eltern oder Geschwistern bekannt ist. Auch eine gesunde Lebensweise beugt Bluthochdruck nachweislich vor. Forscher fanden sechs Faktoren, die das Erkrankungsrisiko maßgeblich verringerten:

Normalgewicht täglich eine halbe Stunde intensiver Sport Zurückhaltung beim Alkoholkonsum Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten Ernährung mit wenig rotem Fleisch, Wurst und Süßgetränken

Was Sie selbst tun können
Medikamentöse Therapie. Nebenwirkungen der Hochdruckmedikamente (wie Leistungsknick oder Potenzprobleme) sind leider häufig. Hier ist es auf jeden Fall besser, gemeinsam mit dem Arzt über einen Präparatwechsel nachzudenken, als einfach mit der Tabletteneinnahme aufzuhören. Manchmal ist auch nur Geduld erforderlich. Treten z. B. zu Beginn einer Blutdruckbehandlung Müdigkeit oder Schwindel auf, so muss dies keine Medikamentenunverträglichkeit sein, sondern kann eine Folge des ungewohnten normalen Blutdrucks darstellen, an den sich der Körper erst wieder gewöhnen muss.

Nehmen Sie Ihre Blutdruckmedikamente regelmäßig und langfristig ein. Nur so ist die Wirksamkeit der Behandlung gewährleistet. Wenn die Blutdruckwerte nach einiger Zeit zu hoch oder zu niedrig sind, besprechen Sie mögliche Therapieänderungen mit Ihrem Arzt.

Leisten Sie sich als Bluthochdruckpatient ein eigenes Blutdruckmessgerät zur Selbstmessung, das erleichtert die Kontrolle der Blutdruckeinstellung. Die Deutsche Hochdruckliga überprüft regelmäßig Blutdruckmessgeräte und verleiht ein Prüfsiegel für deren Messgenauigkeit. Achten Sie darauf, dass Ihr Messgerät ein solches Prüfsiegel hat. Messen Sie immer zur gleichen Tageszeit und am gleichen Ort, z. B. sonntags früh vor dem Frühstück.

Körpergewicht. Am Anfang steht die Normalisierung des Körpergewichts. Der Abbau von 1 kg Übergewicht lässt den Blutdruck um mindestens 1–2 mmHg absinken.

Ernährung. Verwenden Sie möglichst wenig Kochsalz, denn ein hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen mit Bluthochdruck, die Aufnahme von Kochsalz (Natriumchlorid) mit der Nahrung auf maximal 6 g täglich zu beschränken. 6 g Speisesalz entsprechen in etwa einem gestrichenen Teelöffel voll Salz. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt die Speisesalzzufuhr bei ca. 70 % der Frauen und bei ca. 80 % der Männer derzeit zu hoch. Der größte Teil wird über verarbeitete Lebensmittel und den Verzehr außer Haus zubereiteter Speisen zugeführt. Um den Salzkonsum zu reduzieren, sollte der Verzehr verarbeiteter Lebensmittel reduziert und der Verzehr unverarbeiteter Lebensmittel, wie Gemüse und Obst gesteigert werden. Es empfiehlt sich, bei der Speisenzubereitung weniger Salz und stattdessen mehr Gewürze verwenden. Es fällt leichter, die Salzzufuhr zu verringern, wenn dies in kleinen Schritten passiert, damit man sich an den schwächeren Salzgeschmack gewöhnen kann.

Sondertext: Das Salz in der Suppe

Auch eine kalium- und ballaststoffreiche Ernährung mit vielen Früchten (Bananen sind der Kaliumlieferant schlechthin, auch Trockenfrüchte bieten viel davon), Vollkornprodukten und Gemüse lässt den Blutdruck sinken. Möglicherweise haben auch Tomaten eine blutdrucksenkende Wirkung.

So genannte Entlastungstage, z. B. ein Obst, Saft- oder Reistag pro Woche, können über eine Entwässerung und Entsalzung des Körpers zu einer messbaren Blutdrucksenkung führen.

Alkohol. Reduzieren Sie den Alkoholkonsum. Männer sollten maximal 20–30 g, Frauen 10–12 g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. 20 g Alkohol entsprechen etwa 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein – Mengen, die also keine radikalen Einschnitte erfordern.

Bewegung. Regelmäßiges Ausdauertraining ist für Bluthochdruckpatienten eine wichtige Maßnahme zur natürlichen Blutdruckregulierung. Optimal ist ein Training, das Sie zwei- bis dreimal pro Woche für anfänglich 30, später 45 Minuten ausüben. Wichtig ist, während der körperlichen Aktivität auf eine gleichmäßige Belastungsintensität zu achten, sodass es nicht zu gefährlichen Blutdruckspitzen kommt – "Laufen, ohne zu schnaufen" kann dafür als Motto gelten.

Bevor mit einem Krafttraining begonnen wird, ist eine sportmedizinische Eingangsuntersuchung empfehlenswert. Das Training sollte unter der Aufsicht von geschultem Personal stattfinden. Zusätzlich sollte vor jeder Trainingseinheit der Blutdruck gemessen werden. Liegen die Werte zu hoch, ist es sinnvoller zu pausieren. Vermeiden Sie unbedingt Pressatmung und Wettkampfsituationen, die Sie dazu animieren könnten, Ihre körperliche Belastbarkeit zu überschreiten. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe auch ambulante sportorientierte Hochdruckgruppen, bei denen die Trainingsprogramme unter ärztlicher Überwachung stattfinden.

Sonstige Belastungen. Meiden Sie (anhaltende) Stresssituationen in Beruf und Familie, suchen Sie Möglichkeiten zur Entspannung und achten Sie auf ausreichende Nachtruhe. Sowohl Schichtdienst als auch Fernreisen mit Jetlags können den Blutdruck steigern.

Kältereize wie Schwimmen im kalten Wasser, kalte Güsse oder eine kalte Dusche nach körperlicher Anstrengung oder einem Saunabesuch können den Blutdruck in die Höhe treiben. Dagegen wirken sich regelmäßige (morgendliche) Wechselduschen, ansteigende Armbäder oder Fußbäder mit einem pflanzlichen Badezusatz (z. B. Thymian oder Melisse) am Abend positiv auf mäßig erhöhten Blutdruck aus. Ist der Blutdruck stark erhöht, sollten Sie auf Saunabesuche verzichten.

Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Zu den häufig eingesetzten blutdrucksenkenden Phytopharmaka gehören Knoblauchextrakte, denen neben ihren blutdrucksenkenden Eigenschaften eine gefäßschützende Wirkung zugeschrieben wird. Täglich 600–900 mg Trockenpulverextrakt Knoblauch (entspricht einer kleinen Zehe) senken den systolischen Blutdruck um etwa 8 mmHg, den diastolischen um 5 mmHg. Knoblauch gibt es auch als Dragees (z. B. Sapec® Dragees oder Kwai®N Dragees). Um die erforderliche Wirkstoffmenge zuzuführen, müssen allerdings je nach Präparat täglich 3 bis 9 Dragees eingenommen werden.

Stressgeplagte Patienten mit mäßig erhöhtem Blutdruck profitieren oft auch von entspannungsfördernden Heilpflanzen wie Baldrianwurzel, Melisseblättern oder Lavendel als ergänzende Maßnahme etwa zu einer Mind-Body- bzw. Entspannungstherapie.

Wegen möglicher Nebenwirkungen (z. B. depressive Verstimmungen) und teilweise gefährlicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie mit Alkohol raten viele Autoren von Zubereitungen mit Rauwolfia (Rauwolfia serpentina) ab.

Homöopathie. Die |Homöopathie kennt verschiedene Konstitutionsmittel, die bei mildem Bluthochdruck in Frage kommen, z. B. Arnica, Belladonna, Kalzium carbonicum, Natrium muriaticum, Nux Vomica und Sulfur. Außerdem sind verschiedene Komplexmittel (z. B. Auro-cyl® Homoeopath. Funkt.-Complex Tropfen, Antihypertonicum-Weliplex®) erhältlich.

Hydrotherapie. Wer gerne badet und unter mäßig erhöhtem Bluthochdruck leidet, kann versuchen, seinen Blutdruck mit Kohlensäurebädern zu regulieren. Hierfür wird Kohlensäure als Badezusatz (in der Apotheke erhältlich) in warmes Wasser (etwa 30 °C) gegeben, das Bad sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Physikalische Therapie. Mit |Massagen kann ein hoher Blutdruck zwar nicht signifikant gesenkt werden, Bluthochdruckpatienten profitieren jedoch vom mentalen und muskelentspannenden Effekt.

Akupunktur. Die Nadelung individueller Punkte kann einen leicht erhöhten Blutdruck regulieren, bei stark erhöhtem Blutdruck kann die Akupunktur aber meist nur wenig ausrichten.

Weiterführende Informationen

http://www.hochdruckliga.de|www.hochdruckliga.de – Internetseite der Deutschen Hochdruckliga e. V., Heidelberg: Informationen über Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Bluthochdruck sowie Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe. Dort gibt ist auch einen Patientenleitfaden als pdf zum Herunterladen. http://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html|www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html : Seite der Deutschen Hochdruckliga mit aufgeführten geprüften Messgeräten. Link zu verschiedenen Scores auf der Seite des BNK (Bundesverband Niedergelassener Kardiologen): http://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html|www.scores.bnk.de/index.html.

Herzrhythmusstörungen

Quelle: apotheken.de | 03.09.2019 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Im EKG lassen sich Unregelmäßigkeiten des Herzschlags gut nachvollziehen.5

Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern): Zu schneller, zu langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag aufgrund einer gestörten Erregungsbildung oder -ausbreitung im Herzen, mit oder ohne Beschwerden für den Betroffenen.

Herzrhythmusstörungen können jahrelang unbemerkt bleiben (sehr häufig), mit mäßigen oder an bestimmte Situationen gebundenen Beschwerden einhergehen (häufig) oder aber mit schweren Beeinträchtigungen bis hin zum plötzlichen |Herztod verbunden sein (sehr selten). Sie treten sowohl bei Herzgesunden als auch bei Herzkranken auf. Ursachen sind angeborene oder erworbene Herzerkrankungen, aber auch psychische Erregung, Kaffee-, Nikotin- oder Alkoholgenuss sowie Schilddrüsenfunktionsstörungen und Störungen im Elektrolythaushalt.

Therapeutische Optionen bei Herzrhythmusstörungen sind beispielsweise Medikamente, die Implantation eines Herzschrittmachers oder eine Katheterablation.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen Überblick über die möglichen Beschwerden bei Herzrhythmusstörungen, die elektrischen Phänomene im Herz, die Diagnostik und die prinzipiellen Behandlungsmöglichkeiten. Einzelheiten zu den jeweiligen Herzrhythmusstörungen werden in den dazugehörenden Artikeln behandelt.

Symptome und Leitbeschwerden

Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen Kurze Ohnmachtsanfälle, Schwindelgefühl, Angstgefühl Selten: Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit Sehr selten: Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen auftritt.

Sofort den Notarzt rufen, wenn
das Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen nicht mehr aufhört oder mit Angstgefühl, Schwindelbeschwerden oder Atemnot verbunden ist Bewusstseinsstörungen auftreten, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankungen

Herzrhythmusstörungen gehören zu den kompliziertesten Krankheiten in der gesamten Medizin. Um die Störungen besser zu verstehen, werden hier die wichtigsten Grundlagen der elektrophysiologischen Prinzipien im Herzen besprochen:

Elektrische Phänomene in unserem Herzen: Stromstöße, Taktgeber und Verteilerstrecken
Winzige Stromstöße entlang der Zellmembran einer Herzmuskelzelle ändern die elektrische Spannung zwischen Zellinnerem und -äußerem und geben der Herzmuskelzelle so den Befehl zum Zusammenziehen der Herzmuskelfaser. Ohne diese Stromstöße der Herzmuskelzellen könnte der Herzmuskel sich nicht zusammenziehen (kontrahieren) und damit kein Blut aus dem Herzen pumpen.

Damit eine geordnete Herzaktion entsteht, werden diese Stromstöße von einem zentralen Taktgeber gesendet: dem Sinusknoten. Der Sinusknoten ist ein etwa Olivenkern großes Areal im rechten Herzvorhof, dessen Zellen regelmäßig elektrische Signale erzeugen, die sie an die anderen Herzmuskelzellen weiterleiten. Der Sinusknoten ist der natürliche Schrittmacher des Herzens. Wenn er die Herzaktion bestimmt, spricht man vom Sinusrhythmus. Der Takt der Sinusknotenaktivität lässt sich stark vom vegetativen Nervensystem beeinflussen, daher führen z. B. psychische Erregungen zu schnellerem Herzschlag.

Die im Sinusknoten gebildete Erregung wird im Normalfall entlang von Verteilerstrecken, dem Erregungsleitungssystem aus speziellen Herzzellen, auf stets gleiche Weise über das gesamte Herz verteilt. Zunächst werden beide Vorhöfe zur Muskelkontraktion angeregt. Sodann passiert die Erregungswelle den Atrioventrikular-Knoten (AV-Knoten, Aschoff-Tawara-Knoten), der innerhalb der Vorhofscheidewand am Übergang vom Vorhof zur Kammer liegt. Danach teilt sich das Erregungsleitungssystem in zwei als Tawara-Schenkel bezeichnete Faserstränge, deren kleinste Fasern in die Muskulatur der Herzkammern ziehen und die Erregung dorthin weiterleiten.

Störungen
Sowohl bei der Erregungsbildung als auch bei der Erregungsausbreitung können Störungen auftreten. Eingeteilt werden die zahlreichen Herzrhythmusstörungen oft nach der Herzfrequenz und nach Ursprungsort:

Bradykarde Rhythmusstörungen, zu langsamer Herzschlag (< 60 Herzschläge/min). Zu den wichtigsten bradykarden Rhythmusstörungen gehören

im Vorhof: Sick Sinus Syndrom, Sinus-Atrialer Block (SA-Block) im Reizleitungssystem: AV-Block, Schenkelblock.

Tachykarde Rhythmusstörungen mit zu schneller Herzfrequenz (? 100 Schläge/min bei Erwachsenen). Je nach ihrem Ursprung teilt man diese Arrhythmien in supraventrikuläre (in der Muskulatur der Vorhöfe entstehende) und ventrikuläre (in der Muskulatur der Herzkammern entstehende) Rhythmusstörungen.

Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen. Zu den wichtigsten gehören Vorhofflattern Vorhofflimmern Vorhofextrasystolen (supraventrikuläre Extrasystolen) Paroxysmale Tachykardien Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Ventrikuläre Extrasystolen ventrikuläre Tachykardien Kammerflattern Kammerflimmern.

Beschwerden, Diagnose und Therapie der einzelnen Rhythmusstörungen werden in den jeweiligen Artikeln behandelt.

Ursachen der Störungen
Sind die Strukturen des Herzens z. B. durch Infarkt-Narben oder das Ausleiern von Muskelgewebe bei einem vergrößerten Herzen durch bestehende Kardiomyopathie geschädigt, kommt es leicht zu einer Beeinträchtigung der Erregungsleitung. Aber auch Sauerstoffmangel, also eine Ischämie, kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Die häufigsten Ursachen für das Entstehen von Herzrhythmusstörungen sind deshalb

Erworbene Schädigungen des Herzmuskelgewebes (Fibrosen, Infarktnarben, Entzündungen) bei Kardiomyopathie, Aortenklappenstenose, Mitralklappenstenose, Herzmuskelentzündungen Sauerstoffmangel aufgrund von Durchblutungsstörungen, z. B. bei akutem Koronarsyndrom oder Herzinfarkt Degenerative Veränderungen am Sinusknoten oder im Reizleitungssystem Medikamente (Herzglykoside, Antiarrhythmika, Betablocker, Diuretika) Elektrolytstörungen (z. B. Hyperkaliämie, Hypokaliämie, Veränderungen im Magnesium-Haushalt) Lungenembolie Schäden am Herzmuskelgewebe durch herzchirurgische Eingriffe Angeborene Fehlbildungen (z. B. angeborener AV-Block oder angeborene zusätzliche Leitungsbahnen wie beim WPW-Syndrom) Genetisch bedingte Erkrankungen z. B. mit Mutationen im Bereich der Kalium- und Natriumkanäle wie beim Brugada-Syndrom).

Diagnosesicherung

Neben der genauen Befragung, wann und wie sich die Beschwerden bemerkbar machen, werden die verschiedenen Herzrhythmusstörungen durch Tasten des Pulses, Abhören des Herzens, Bestimmung eines |Pulsdefizits und durch das EKG erkannt. Außer dem Ruhe-EKG benötigt der Arzt häufig auch ein Langzeit-EKG oder einen Ereignisrekorder.

Mit einem solchen Ereignis- oder auch Eventrekorder werden Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die sich in der Praxis oder im Langzeit-EKG nicht erwischen lassen. Der Arzt kann dann anhand der Daten die Art und das Ausmaß solcher Ereignisse bestimmen. Ereignisrekorder sind besonders hilfreich, wenn der Patient immer wieder Beschwerden und Rhythmusstörungen verspürt.

Mehrere Systeme stehen zur Verfügung:

Externe, zeitweilige Überwachung: Hierbei drückt der Patient im Falle eines empfundenen Herzstolperns einen scheckkartengroßen Rekorder auf die Brust, damit das EKG über einige Minuten hinweg aufgezeichnet werden kann. Externe, kontinuierliche Überwachung: Hier werden wie bei einem EKG Klebeelektroden angebracht und diese mit einem kleinen externen Rekorder, der ebenfalls aufgeklebt wird oder den der Patient bei sich trägt, verbunden. Dieser Rekorder zeichnet das EKG kontinuierlich auf, der Patient muss also nicht "aufpassen", ob sein Herz stolpert oder arhythmisch wird. Implantierte, kontinuierliche Überwachung: Vermutet der Arzt schwerwiegende, schwer erfassbare Rhythmusstörungen, rät er häufig zur Implantation eines Eventrekorders unter die Haut. Diese Geräte zeichnen über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren die Herzaktionen auf. Treten Rhythmusstörungen auf, speichert das Gerät diese Ereignisse. Außerdem kann der Patient die Aufzeichnung durch ein Handgerät manuell starten, sobald er ein Herzstolpern bemerkt.

Manchmal treten Herzrhythmusstörungen vor allem bei körperlicher Anstrengung auf. In solchen Fällen kann der Arzt die Rhythmusstörungen mit einem Belastungs-EKG aufdecken. In einigen Fällen ist zur Provokation von Herzrhythmusstörungen auch die Gabe bestimmter Medikamente (z. B. Atropin beim Sick Sinus Syndrom) oder eine Schrittmacherstimulation über einen Rechtsherzkatheter nötig.

In seltenen Ausnahmefällen wird die Diagnose durch eine EKG-Ableitung über spezielle Elektrodenkatheter, |EPU gesichert, teilweise ist damit auch zugleich eine Behandlung, |Katheterablation, möglich. Eine solche Untersuchung kann nur in einem kardiologischen Zentrum erfolgen. Eine weitere aufwendige Möglichkeit sind dreidimensionale Mapping-Systeme in Kombination mit einer dreidimensionalen MRT- oder CT. Hier wird mithilfe der Bildgebung und spezieller Messkatheter eine Art elektrophysiologische Landkarte des Herzens erstellt, mit der eventuelle Rhythmusstörungen noch genauer lokalisiert werden können.

Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Ursache und Ausprägung stehen bei Herzrhythmusstörungen eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören neben Medikamenten, die jeweils bei den verschiedenen Herzrhythmusstörungen besprochen werden, vor allem folgende nicht-medikamentösen Behandlungsverfahren:

Katheterablation (Elektroablation): Bei diesem Verfahren wird ein Katheter in die Oberschenkelvene eingeführt und unter Röntgenkontrolle bis zum Herzen vorgeschoben. Über die Katheterspitze werden dann durch Hitze (Hochfrequenzstrom) oder Kälte (sog. Kryoablation) diejenigen Areale gezielt verödet, die für die Entstehung oder Weiterleitung der Rhythmusstörungen verantwortlich sind.

Defibrillation und Elektrokardioversion. Bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kreisen Erregungswellen chaotisch innerhalb der Herzmuskulatur, wodurch keine geregelten Kontraktionen des Herzens mehr möglich sind und somit kein Blut mehr durch den Körper gepumpt werden kann (sog. funktioneller Herzstillstand). Hier kann ein massiver Stromstoß Abhilfe schaffen. Dieser Stromstoß wird von außen über zwei auf dem Brustkorb aufliegende Plattenelektroden verabreicht. Er erregt für einen kurzen Moment alle Herzmuskelzellen gleichzeitig. Damit sind alle elektrischen und auch alle mechanischen Aktionen im Herzen gestoppt. Als erstes Reizbildungszentrum erholt sich der |Sinusknoten, dessen Erregungswellen sich jetzt über das gesamte Herz ausbreiten und somit wieder einen regelmäßigen, effektiven Herzschlag ermöglichen. Diese Elektroschock-Therapie wird im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung als Defibrillation bezeichnet.

Als Elektrokardioversion kommt sie zum Einsatz, wenn noch wirksame Aktionen der Herzkammern vorhanden sind, z. B. wenn Vorhofflattern oder -flimmern in einen regelmäßigen Sinusrhythmus überführt werden soll. Dann wird der Stromstoß für eine optimale Wirkung sorgfältig geplant und über ein Steuergerät mit den EKG-Ableitungen koordiniert abgegeben. Die Kardioversion wird unter Kurznarkose durchgeführt.

Herzschrittmacher (Pacemaker). Der |Schrittmacher ist bei vielen bradykarden Herzrhythmusstörungen eine Therapieoption. Er wird in der Regel an der rechten Brustseite unterhalb des Schlüsselbeins in einer Hauttasche über dem Brustmuskel implantiert und ist so auch leicht durch die Haut hindurch tastbar. Die Herzschrittmacher-Implantation wird meist in örtlicher Betäubung vorgenommen. An den Herzschrittmacher sind Kabel angeschlossen, die Schrittmacherelektroden. Sie werden bei der Implantation unter der Haut hindurch in eine freigelegte Vene am Schlüsselbein eingebracht und in das rechte Herz vorgeschoben. Diese Elektroden verhaken sich mit ihrer Spitze im Herzmuskel. So erreichen die Impulse des Herzschrittmachers die Herzmuskelzellen und breiten sich von dort über das gesamte Herz aus. Bei ungestörter Überleitung der Erregungswelle vom Vorhof auf die Kammer reicht bei Sinusknotenstillstand eine alleinige Stimulation im Vorhof aus, ein so genanntes Einkammer-Schrittmachersystem. Ist zusätzlich der AV-Knoten in seiner Funktion gestört, wird ein Zweikammer-Schrittmachersystem erforderlich, um neben dem Vorhof über eine zweite Elektrode auch die Herzkammer zu stimulieren. Auch die alleinige Kammererregung durch den Herzschrittmacher ist möglich, wenn die Erregungswellen der Vorhöfe die Kammern nicht erreichen.

Ein Herzschrittmacher muss nicht nur Impulse abgeben, sondern auch erkennen, ob das Herz eine Eigenaktion startet, und auf diese dann richtig reagieren. Denn nur dann, wenn die Kontraktionen von Herzvorhof und Herzkammer im richtigen zeitlichen Abstand erfolgen, gelingt ein wirksamer Herzschlag. Dies gewährleistet ein Mikroprozessor, mit dem heute jeder Schrittmacher ausgestattet ist und der individuell an die Bedürfnisse der Herzerkrankung angepasst wird.

Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD, auch AICD): Für die Dauerbehandlung gefährlicher schneller Rhythmusstörungen kommt ein sogenannter ICD in Betracht. Er erkennt die gefährlichen Herzrhythmusstörungen und beendet sie automatisch durch verschieden starke elektrische Impulse (Antitachykardiefunktion), wodurch wieder eine normale Herzschlagfolge hergestellt wird. Damit ist der ICD eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die einen Herzstillstand wegen Kammerflimmerns überlebt haben oder bei denen trotz medikamentöser Therapie Kammerflimmern droht.

Ein ICD ist zwar etwas größer als ein Herzschrittmacher, wird aber wie dieser im Bereich der Brustmuskulatur implantiert und über eine Schrittmacherelektrode mit dem rechten Herzen verbunden. Neben der lebensrettenden Defibrillator-Funktion verfügen die meisten implantierbaren Defibrillatoren heute über eine Schrittmacherfunktion. Zudem zeichnen sie wie ein EKG-Gerät die Herzaktionen auf und speichern sie ab. Dies ermöglicht dem Kardiologen bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zu überprüfen, ob seit dem letzten Untersuchungstermin Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und ob der ICD richtig reagiert hat.

Schrittmacherkontrollen: Die vielfältigen Programmiermöglichkeiten eines Herzschrittmachers oder ICD erfordern eine individuelle Einstellung, die regelmäßig geprüft wird. Schrittmacher werden von außen durch die Haut unkompliziert abgefragt und neu programmiert. Kontrolluntersuchungen mit Prüfung des Batteriezustands und der Tauglichkeit der Elektroden finden alle 6–12 Monate statt. Alle 3–12 Jahre muss das gesamte Schrittmachergehäuse gewechselt werden, weil sich die Schrittmacherbatterie allmählich entleert. Alle Schrittmacherträger erhalten einen Ausweis, der alle wichtigen Daten enthält.

1926_GTV_Permanenter_Herzschrittmacher.png|Ein Herzschrittmacher wird in der Regel an der rechten Brustseite in einer Hauttasche über dem Brustmuskel implantiert. Das Bild links zeigt die Lage von Schrittmacher und zweier zum Herzen führender Elektroden, das Bild rechts oben das Gleiche im Röntgenbild.| [GTV 1926]

Selbsthilfe für Schrittmacher-Träger
Der Herzschrittmacher soll zu einem normalen, lebenswerten Leben verhelfen; er ist nicht Ausdruck einer Behinderung. Nicht der Herzschrittmacher schränkt die Belastbarkeit ein, sondern vielmehr die körperliche Verfassung, die zugrunde liegende Herzkrankheit oder andere Begleiterkrankungen.

Sie können weiterhin schwimmen, duschen und baden oder ins Solarium gehen, Auto fahren, mit dem Schiff, der Bahn oder dem Flugzeug verreisen. Am Flughafen weisen Sie vor dem Passieren der Kontrollschleuse wegen den Metalldetektoren auf Ihren Schrittmacher hin und zeigen Sie Ihren Schrittmacherausweis vor. Sie werden dann gesondert abgetastet, weil der Metalldetektor Alarm geben würde.

Auch Sport ist möglich – ungeeignet sind lediglich Kampfsportarten, bei denen der Schrittmacher durch Schläge beschädigt werden könnte, und Tauchen, weil der erhöhte Wasserdruck die Schrittmacherfunktion stören kann. Bei Sportarten mit weit ausholenden Armbewegungen sollte vorher mit dem Arzt besprochen werden, ob bei der individuellen Lage der Schrittmacherelektroden Probleme zu befürchten sind.

Gefahren drohen aber am Arbeitsplatz und beim Heimwerken:

Elektrische Ströme von Elektrozäunen oder Steckdosen stören die Herzschrittmachertätigkeit. Auch von (elektro-)magnetischen Feldern größerer Maschinen gehen störende Einflüsse aus. Meiden Sie Umspannungsanlagen und elektrisches Schweißen, Gasschweißen ist unbedenklich. Bohrmaschinen sollten etwa eine Armlänge vom Schrittmacher entfernt gehalten werden. Das gleiche gilt für Kettensägen, Heckenscheren und Rasenmäher. Bei laufendem Motor dürfen sie sich nicht mit dem Oberkörper über die Zündanlage Ihres Autos beugen. Korrekt funktionierende Haushaltsgeräte des täglichen Lebens stören die Schrittmacherfunktion dagegen nicht (z. B. Mikrowelle, Herd, Toaster, Rasierapparat, Fön, Radio, Fernseher, Fernbedienung und schnurloses Telefon). Allerdings sollte der direkte Hautkontakt über dem Schrittmacher auch bei diesen Gerätschaften vermieden werden. Achten Sie beim Kauf neuer elektrischer Geräte auf Angaben des Herstellers zu Sicherheitsabständen bei Schrittmacherträgern. Vergewissern Sie sich bei Induktionsherden, ob die Benutzung des jeweiligen Induktionsherdes für Herzschrittmacher-Träger grundsätzlich gestattet ist bzw. ob vom Hersteller zusätzliche Hinweise für Schrittmacher-Träger gegeben werden. Diebstahlsicherungen an den Ausgängen von Kaufhäusern sollten Sie rasch passieren und dort nicht stehen bleiben. Das eingeschaltete Handy oder Funksprechgerät soll nicht in der Brusttasche über dem Schrittmacher getragen werden, besser sind 20 cm Abstand. Vibrationen, z. B. von Rasenmähern, Heckenscheren, Sägen, Fahren über ein Kopfsteinpflaster oder auch von großen Lautsprecheranlagen, führen mitunter bei Schrittmachern mit automatischer Frequenzanpassung zu schnellerem Herzschlag. Weisen Sie bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen auf Ihren Schrittmacher hin, da einige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen besonders überwacht oder gemieden werden müssen. Das trifft z. B. zu auf Nierensteinzertrümmerer (|extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), Kernspin, Bestrahlungen von Tumoren, Magnet- und |Reizstromtherapie oder die Elektrokoagulation zur Verödung kleiner Blutgefäße. Unbedenklich sind hingegen Röntgen, CT, Szintigrafien oder auch Radaranlagen oder Gewitterblitze. Eine Defibrillation ist im Notfall auch bei Schrittmacherträgern möglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, prüfen Sie, ob Herzrhythmusstörungen als mögliche Nebenwirkung genannt sind. Ansonsten ist eine wirksame Selbsthilfe nur bei zeitweise auftretendem Herzrasen (|paroxysmale Tachykardien) möglich: Bis der Arzt kommt, kann versucht werden, die Herzfrequenz über das unwillkürliche Nervensystem zu beeinflussen: Manchmal beenden tiefes Einatmen und Luft anhalten, |Valsalva-Manöver, das Trinken von kaltem Sprudel, das Abkühlen von Hals und Gesicht mit kaltem Wasser oder eine Massage des |Karotissinus, die Tachykardie.

Bei der Massage des |Karotissinus (Stelle an der Halsschlagader) ist Vorsicht angebracht. Bei empfindlichen Menschen kann ein |Adams-Stokes-Anfall ausgelöst werden. In jedem Fall sollte deshalb ein Angehöriger zugegen sein.

Valsalva-Manöver: Das Valsalva-Manöver kann bei supraventrikulären Tachykardien hilfreich sein: Schlucken Sie und versuchen Sie dann bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase auszuatmen. Dabei sollte es zu einem Druckausgleich über die Ohrtrompete kommen. Da auch der Druck im Brustraum steigt, strömt weniger venöses Blut in die rechte Herzkammer zurück und die Herzaktion verlangsamt sich.

Bewegungstherapie. Leichte sportliche Betätigung ist in den meisten Fällen hilfreich. Vermeiden Sie jedoch Sportarten, die Ihnen körperliche Höchstleistungen abverlangen. Gegebenenfalls bietet sich auch regelmäßiges Training in einer Herzsportgruppe an.

Ernährung. Hinweisen zufolge beeinflusst eine |Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren wie Eicospentaensäure ist, den weiteren Krankheitsverlauf günstig. Da Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen können, sollten Sie auf stark blähende Lebensmittel verzichten, wenn Sie zu |Blähungen neigen.

Komplementärmedizin
Natur- und Komplementärmedizin können die verordneten Herzmedikamente nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen gehört in die Hände von Fachärzten.

Homöopathie. |Homöopathische Konstitutionsmittel mit Bezug zu Herzrhythmusstörungen sind u. a. Argentum nitricum, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Spigelia N® Tropfen Synergon Nr. 161, Arrhythmie-Gastreu® N R66 Tropfen) zur Verfügung.

Entspannungsverfahren. |Enspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong können helfen, begleitende vegetative Beschwerden wie Nervosität oder Anspannung abzubauen bzw. auslösende Faktoren wie psychische Erregung, z. B. durch Stressbelastung, zu mildern.

Pflanzenheilkunde. Phytopharmaka sind nur bei leichteren Herzrhythmusstörungen eine Option. Keinesfalls sind sie eine Alternative zu den verordneten chemischen Medikamenten, in manchen Fällen kann jedoch eine Kombination sinnvoll sein. Je nach Ursache und Beschwerdebild kommen verschiedene Heilpflanzen in Betracht, so z. B. Wolfstrappkraut bei Herzrhythmusstörungen als Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion oder Heilkräuter mit beruhigender Wirkung z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, wenn die Herzrhythmusstörungen mit Unruhe- und Spannungszuständen und/oder Schlaflosigkeit verbunden sind.

Dagegen zeichnet sich der Besenginster (Cytisus scoparius, z. B. Spartiol®) durch seine direkte Wirkung auf das Reizleitungssystem aus. Da es bei der Anwendung als Tee durch falsche Dosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann, werden heute in der Regel Fertigpräparate eingesetzt. Weiter ist Weißdorn für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen geeignet. Die Präparate (z. B. Crataegutt Novo 450®) müssen allerdings hoch dosiert sein, um ihre Wirkung zu entfalten.

Wegen der Gefahr einer Blutdruckkrise dürfen Besenginster und |MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso sind Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie ein AV- Block Kontraindikationen.

Weiterführende Informationen

Patienteninformationen zum Vorhofflimmern inklusive Termine zu Patientenseminaren bietet das Kompetenznetz Vorhofflimmern auf seiner Website https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/patienteninformation-vorhofflimmern Der Bundesverband Defibrillator (ICD) Deutschland ist ein Netzwerk für Menschen mit implantiertem Defi und deren Selbsthilfegruppen. Die Website http://www.defibrillator-deutschland.de/|www.defibrillator-deutschland.de bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen und Hilfe. Außerdem findet sich dort eine Liste der Defi-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Mittelmeerküche bei Nierenkrankheit?: Blutwerte regelmäßig prüfen lassen

Quelle: apotheken.de | 13.08.2019 | Leonard Olberts
 Die Mittelmeerküche ist besonders empfehlenswert für Herzpatienten – gilt das gleiche für Nierenpatienten?Die Mittelmeerküche gilt als besonders ausgewogen und gesund. Doch wie sieht es bei nierenkranken Menschen aus? Was Experten ihnen raten.

Vor- und Nachteile der Mittelmeerküche für Nierenpatienten
Eine mediterrane Ernährung empfiehlt sich insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden – schließlich ist sie fleischarm und dafür reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen und hochwertigen Ölen. Auch gesunde Menschen profitieren von einer solchen Ernährungsweise.

In einer aktuellen Veröffentlichung der Arbeitsgruppe „European Renal Nutrition“ werden die Vor- und Nachteile einer mediterranen Diät für Nierenpatienten diskutiert. Ihr Fazit ist überwiegend positiv: Die Diät reduziert Entzündungen, hält den Blutzuckerspiegel relativ konstant, enthält in etwa die für Nierenpatienten empfohlene Proteinmenge und führt zu einer geringeren Salz- und Phosphat-Aufnahme als viele andere Ernährungsweisen. Potenziell nachteilig sei hingegen die erhöhte Kalium-Zufuhr durch viel Obst und Gemüse: Hier droht eine Überversorgung (Hyperkaliämie). Nierenkranke Patienten sollten daher bei einer entsprechenden Ernährung regelmäßig ihren Serumkaliumwert überprüfen lassen.

Mittelmeerküche bei normalen Kalium-Werten empfehlenswert
„Solange die Kalium-Werte im Normalbereich liegen, spricht vieles dafür, dass Nierenpatienten im Hinblick auf ihr kardiovaskuläres Risiko und auch im Hinblick auf nierenspezifische Problematiken von der mediterranen Diät profitieren“, meint Dr. Jan C. Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Für eine einseitige Ernährung aus Pizza und Pasta gelte das aber natürlich nicht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V.

Lipödem

Quelle: apotheken.de | 25.07.2019 | Dr. med. Sonja Kempinski
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Lipödem (Fettschwellung, Reiterhosensyndrom, Säulenbein): Erkrankung des Fettgewebes mit symmetrischer, lokaler Fettvermehrung vor allem an den Beinen bei häufig schlankem Rumpf. Durch zusätzliche Einlagerung von Wasser kommt es oft zu schmerzhaften, prallen Schwellungen. Betroffen sind überwiegend junge Frauen, vermutet werden hormonelle Ursachen. Die Krankheit schreitet voran und kann zu stark behindernden Fettwülsten führen.

Behandelt wird das Lipödem mithilfe von Massagen und Kompression (Komplexe physikalische Entstauungstherapie), manchmal auch durch Fettabsaugung (Liposuktion). Eine Reduktionsdiät oder Entwässerungstabletten haben keinen Einfluss auf ein Lipödem.

Symptome und Leitbeschwerden

Symmetrische, druckschmerzhafte Schwellungen an den Beinen, seltener an den Armen Häufig kühle, schlecht durchblutete Haut Später Beulen, Dellen, Fettwülste Verstärkte Neigung zu blauen Flecken (Hämatomen) Gehstörungen bei stark ausgeprägten Fettwülsten an den Oberschenkeln.

Wann zum Arzt

Demnächst, wenn
Fettpolster trotz Sport und Diät nicht weichen wollen es immer wieder zu blauen Flecken kommt die Beine immer dicker werden, der restliche Körper aber nicht.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Das Lipödem beginnt zunächst mit leichten symmetrischen Schwellungen an den Beinen oder Armen. Hintergrund dieser Schwellungen sind Fettzellen, die sich krankhaft vermehren und wachsen. Gleichzeitig werden in diesem Gebiet die kleinen Gefäße (Kapillaren) brüchig. In der Folge wandert Flüssigkeit in das Fettgewebe und verstärkt die Schwellung, was wiederum zu Schmerzen führt. Durch die brüchigen Kapillaren kommt es außerdem schon bei kleinsten Stößen oder Prellungen leicht zu blauen Flecken (Hämatomen).

Ursachen
Als Ursache von Lipödemen werden hormonelle Einflüsse vermutet. So tritt das Lipödem fast ausschließlich bei Frauen auf, und zwar zumeist in Phasen hormoneller Veränderungen wie in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Bei Männern wurden Lipödeme bisher nur im Zusammenhang mit einer Hormontherapie oder Hormonstörungen beschrieben, z. B. bei einer Leberzirrhose oder bei Hypogonadismus.

Warum die Hormone bei manchen Menschen die Entwicklung eines Lipödems anstoßen ist unklar. Offenbar gibt es jedoch eine genetische Veranlagung, da die Erkrankung immer wieder familiär gehäuft auftritt.

Verlauf
Zunächst ist die Haut über den Fettschwellungen glatt und prall, später entwickeln sich Dellen, Beulen und schließlich ganze Fettwülste. Betroffen sind vor allem die Oberschenkel, die Hüfte und das Gesäß (Reithosenphänomen), manchmal auch die Unterschenkel, das komplette Bein oder die Arme.

Die Betroffenen sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Die unproportionierte Fettverteilung mit dicken Beinen, aber normalem Oberkörper oder ein ausgeprägtes Reithosenphänomen belastet die Psyche sehr. Außerdem quälen Spannungs- und Druckschmerzen, oft ist das Gehen erschwert. Die eingeschränkte Beweglichkeit zieht eine Reihe von Folgeproblemen nach sich wie z. B. eine ungesunde passive Lebensführung und mangelhafte Fitness.

Komplikationen
Häufig bilden sich durch die lokalen Veränderungen Lymphabflussstörungen und es entsteht zusätzlich ein Lymphödem. Sind die Fettwülste an den Innenseiten der Oberschenkel und Knie sehr ausgeprägt, fällt den Patienten das Gehen schwer und es kommt zu Gangstörungen bis hin zu Fehlstellungen von Gelenken. Scheuereffekte beim Gehen begünstigen Hautentzündungen, z. B. an den Innenseiten der Oberschenkel. Unter großen Fettwülsten drohen Mazerationen.

Diagnosesicherung

Entscheidend für die Diagnose eines Lipödems ist die körperliche Untersuchung. Besonders auffällig ist das Missverhältnis der Fettverteilung zwischen Rumpf und Armen oder Beinen. Hände und Füße sind typischerweise nicht geschwollen. Durch das Betasten der Schwellungen prüft der Arzt, ob diese druckschmerzhaft sind.

Im Ultraschall erkennt der Arzt die Verbreiterung des Unterhautfettgewebes und mögliche Wassereinlagerungen. Den Umfang der geschwollenen Extremität misst er, um den Verlauf zu dokumentieren und zu erkennen, ob eine Therapie effektiv ist oder die Erkrankung voranschreitet.

Differenzialdiagnosen. Wichtige Differenzialdiagnosen sind Übergewicht, Lymphödem, Lipohypertrophie (eine Fettverteilungsstörungen, bei der es im Gegensatz zum Lipödem nicht zu Wassereinlagerungen kommt) und das Myxödem.

Behandlung

Die Behandlung des Lipödems verfolgt zwei Ziele: Schwellungen und Beschwerden sollen verbessert und Komplikationen verhindert werden. Dazu hat der Arzt folgende Möglichkeiten:

Kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE), die sich aus folgenden Maßnahmen zusammensetzt: Manuelle Lymphdrainage: Mit kreisenden Bewegungen der Finger und bestimmten Handgriffen wird die Gewebsflüssigkeit zu den Lymphknoten transportiert Kompressionstherapie: Spezielle Kompressionsverbände mit Kurzzugbinden und langzeitige Versorgung mit |Kompressionsstrümpfen der Klassen II, III und in Ausnahmefällen IV. Im Krankenhaus steht oft auch die |pneumatische Kompressionstherapie mit mechanischer Auspressung der Gliedmaßen durch wechselnd aufpumpbare Manschetten zur Verfügung Entstauende Bewegungstherapie, z. B. gymnastische Übungen Sorgfältige Haut- und Fußpflege, Vermeidung von Einrissen und Verletzungen zur Vorbeugung von Infektionen Fettabsaugung (Liposuktion). Wenn die Schmerzen trotz konsequent durchgeführter KPE weiter bestehen, sich immer wieder blaue Flecken bilden oder die Schwellungen sogar zunehmen, empfehlen die Ärzte häufig eine Fettabsaugung, um das krankhaft vermehrte Unterhautfettgewebe zu entfernen. Dabei wird das Fett unter lokaler Betäubung (Tumeszens-Lokalanästhesie) mithilfe von stumpfen Mikrosonden abgesaugt

Übergewicht. Etwa die Hälfte der Patienten mit einem Lipödem sind übergewichtig. Hier raten die Ärzte, vor einer eventuellen Fettabsaugung zunächst das Übergewicht zu reduzieren. Die Fettabsaugung selbst dient nicht der Gewichtsreduktion.

Diät und Medikamente
Auch wenn beim Lipödem in den Schwellungen Fett steckt, kann eine Diät die Beulen und Wülste nicht zum Verschwinden bringen. Maßhalten beim Essen ist aber trotzdem ein wichtiges Thema für Lipödem-Patienten – denn zusätzliches Übergewicht verschlimmert die Krankheit. Deshalb ist es sinnvoll, ein Normalgewicht zu halten bzw. etwaiges Übergewicht zu reduzieren.

Medikamente zur Behandlung des Lipödems gibt es nicht. Wirkstoffe, die die Blutfette beeinflussen, haben keinen Einfluss auf die Fetteinlagerungen. Entwässerungstabletten, wie sie der Arzt bei "normalen" Ödemen verschreibt, sind beim Lipödem nicht nur wirkungslos, sondern schädlich.

Prognose

Das Lipödem ist eine chronische, voranschreitende Erkrankung, für die es bis heute noch keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten inklusive konsequenter Mitarbeit des Patienten lassen sich aber zumindest die Komplikationen beherrschen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Sollten Sie unter Fettpolstern an Hüften oder Oberschenkeln leiden und weder Sport noch Diät helfen, suchen Sie einen Arzt auf. Je früher ein Lipödem erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln.

Was Sie selbst tun können
Bewegung. Erörtern Sie mit Ihrem Physiotherapeuten, wie Sie mit eigenen Übungen zur Entstauung beitragen können. Was Sie an Bewegungstherapie täglich zu Hause vollbringen, ist weit wichtiger als das, was 30 Minuten einmal in der Woche in der Krankengymnastik-Praxis passiert.

Sie können durch gymnastische Übungen dazu beitragen, die Ödeme zu reduzieren. Gut sind Übungen mit hochgelegten Beinen (bei morgens geschwollenen Beinen lohnt ein Versuch schon vor dem Aufstehen!). Sehr hilfreich ist auch Gehen mit gleichzeitiger Kompression am Bein, z. B. Nordic Walking. Auch Schwimmen und Aqua-Jogging können sich positiv auswirken.

Kleidung. Tragen Sie möglichst weit geschnittene Kleidung, die nicht an der Kompressionsstrumpfhose festklebt. Auch die Schuhe dürfen etwas weicher und weiter ausfallen.

Kompressionstherapie. Tragen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe regelmäßig, um einen Effekt zu erzielen.

Ernährung und Gewicht. Falls Sie übergewichtig sind, versuchen Sie Ihr Gewicht vorsichtig und langfristig zu reduzieren. Eine spezielle Diät für Lipödem-Patienten gibt es nicht, ernähren Sie sich gesund und ballaststoffreich und halten Sie Maß beim Alkohol und dem Verzehr von Zucker und tierischen Fetten.

Hautverletzungen und Hautpflege. Heilungsverläufe in geschwollenen und schlecht durchbluteten Geweben sind langwierig. Pflegen Sie Ihre Haut deshalb sorgfältig und schützen Sie sie vor Verletzungen und Infektionen.

Benutzen Sie zur Hautpflege keine parfümierten Seifen, Cremes oder Lotionen. Diese reizen die Haut. Besser sind pH-neutrale Produkte. Wenn Sie Bandagen oder Kompressionsstrümpfe tragen, müssen Sie besonders darauf achten, dass Ihre Haut nicht zu sehr austrocknet. Pflegen Sie die Haut in den Falten unter den Fettwülsten sorgfältig. Halten Sie die Hautfalten trocken, damit es nicht zu Mazerationen kommt.

Weiterführende Informationen

http://www.phlebology.de/|www.phlebology.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e. V. (DGP, Freiburg) mit der aktuellen Leitlinie Lipödem der Beine.

Karotissinus-Syndrom

Quelle: apotheken.de | 17.07.2019 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Karotissinus-Syndrom: Akute Minderdurchblutung des Gehirns mit Schwindel und/oder Ohnmacht, ausgelöst durch plötzliche Drehbewegungen des Kopfes, Zuknöpfen eines engen Kragens oder Rasieren. Die Ursache ist ein überempfindlicher (hypersensitiver) Blutdruck-Rezeptor im Karotissinus der Halsschlagader, dem meist eine Arteriosklerose zugrunde liegt. Das Karotissinus-Syndrom kommt vor allem bei älteren Menschen über 50 Jahren vor. Leiden Betroffene wiederholt unter Ohnmachtsanfällen (Synkopen) und ist der vom Arzt durchgeführte Karotisdruckversuch (Näheres unter Diagnosesicherung weiter unten im Text) positiv, wird die Implantation eines Herzschrittmachers empfohlen.

Symptome und Leitbeschwerden

Schwindel, kurze Ohnmachtsanfälle, ausgelöst z. B. durch schnelle Drehbewegungen des Kopfes Sehr selten: Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Schwindel auftritt, z. B. bei lokalem Druck auf die seitliche Halsregion oder Drehbewegungen des Kopfes.

Sofort den Notarzt rufen bei
Bewusstseinsstörungen, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankung

Zur optimalen Durchblutung aller Organe prüfen Sinneszellen an vielen Stellen im Körper den Blutdruck. Sie nehmen die Dehnung der Blutgefäße wahr und melden sie an das vegetative Nervensystem. Dadurch können die Herzfrequenz und der Blutdruck flexibel an die Bedürfnisse angepasst werden. Ein solcher Rezeptor befindet sich auch an den Teilungsstellen der Halsschlagader (Karotissinus) jeweils seitlich am Hals, in Höhe des Kragens.

Dieser Karotissinus-Rezeptor kann von Geburt an besonders empfindlich sein (selten) oder im Alter durch Arteriosklerose der Gefäßwand empfindlich werden. Ein Druck von außen auf diese Region wird dann als zu hoher Blutdruck gedeutet und führt zum Abfall der Herzfrequenz bis hin zum vorübergehenden Herzstillstand oder zum plötzlichen Blutdruckabfall. Daraus folgen Schwindel oder plötzliche Bewusstlosigkeit.

Diagnosesicherung

Wenn der Arzt aufgrund der charakteristischen Beschwerdeschilderung des Patienten den Verdacht auf ein Karotissinus-Syndrom hat, stellt er die Diagnose meist durch einen Karotisdruckversuch. Dabei massiert er den Karotissinus unter gleichzeitiger EKG-Ableitung und Blutdruckmessung über etwa 10 Sekunden und löst damit einen deutlichen Blutdruckabfall oder gar einen vorübergehenden Herzstillstand aus. Das EKG zeigt in diesen Fällen einen Sinusknotenstillstand, einen SA-Block oder einen AV-Block mit Pausen von über 3 Sekunden.

Behandlung

Hat der Patient immer wieder Ohnmachtsanfälle und ist der Karotisdruckversuch positiv, wird ein Herzschrittmacher eingesetzt. Bei beschwerdefreien Patienten wird der Schrittmacher nicht empfohlen. Ausführliche Informationen zu der Therapie mit einem Herzschrittmacher unter Herzschrittmachertherapie.

Prognose

Ohne Herzschrittmacher kommt es bei mehr als 50 % der Patienten mit einem Karotissinus-Syndrom innerhalb von 3 Jahren zu einer erneuten Ohnmacht (Synkope), mit implantiertem Herzschrittmacher nur bei etwa 10 %

Ihr Apotheker empfiehlt

Selbsthilfe für Schrittmacher-Träger
Der Herzschrittmacher soll zu einem normalen, lebenswerten Leben verhelfen; er ist nicht Ausdruck einer Behinderung. Nicht der Herzschrittmacher schränkt die Belastbarkeit ein, sondern vielmehr die körperliche Verfassung, die zugrunde liegende Herzkrankheit oder andere Begleiterkrankungen.

Sie können weiterhin schwimmen, duschen und baden oder ins Solarium gehen, Auto fahren, mit dem Schiff, der Bahn oder dem Flugzeug verreisen. Am Flughafen weisen Sie vor dem Passieren der Kontrollschleuse wegen den Metalldetektoren auf Ihren Schrittmacher hin und zeigen Sie Ihren Schrittmacherausweis vor. Sie werden dann gesondert abgetastet, weil der Metalldetektor Alarm geben würde.

Auch Sport ist möglich – ungeeignet sind lediglich Kampfsportarten, bei denen der Schrittmacher durch Schläge beschädigt werden könnte, und Tauchen, weil der erhöhte Wasserdruck die Schrittmacherfunktion stören kann. Bei Sportarten mit weit ausholenden Armbewegungen sollte vorher mit dem Arzt besprochen werden, ob bei der individuellen Lage der Schrittmacherelektroden Probleme zu befürchten sind.

Gefahren drohen aber am Arbeitsplatz und beim Heimwerken:

Elektrische Ströme von Elektrozäunen oder Steckdosen stören die Herzschrittmachertätigkeit. Auch von (elektro-)magnetischen Feldern größerer Maschinen gehen störende Einflüsse aus. Meiden Sie Umspannungsanlagen und elektrisches Schweißen, Gasschweißen ist unbedenklich. Bohrmaschinen sollten etwa eine Armlänge vom Schrittmacher entfernt gehalten werden. Das gleiche gilt für Kettensägen, Heckenscheren und Rasenmäher. Bei laufendem Motor dürfen sie sich nicht mit dem Oberkörper über die Zündanlage Ihres Autos beugen. Korrekt funktionierende Haushaltsgeräte des täglichen Lebens stören die Schrittmacherfunktion dagegen nicht (z. B. Mikrowelle, Herd, Toaster, Rasierapparat, Fön, Radio, Fernseher, Fernbedienung und schnurloses Telefon). Allerdings sollte der direkte Hautkontakt über dem Schrittmacher auch bei diesen Gerätschaften vermieden werden. Achten Sie beim Kauf neuer elektrischer Geräte auf Angaben des Herstellers zu Sicherheitsabständen bei Schrittmacherträgern. Vergewissern Sie sich bei Induktionsherden, ob die Benutzung des jeweiligen Induktionsherdes für Herzschrittmacher-Träger grundsätzlich gestattet ist bzw. ob vom Hersteller zusätzliche Hinweise für Schrittmacher-Träger gegeben werden. Diebstahlsicherungen an den Ausgängen von Kaufhäusern sollten Sie rasch passieren und dort nicht stehen bleiben. Das eingeschaltete Handy oder Funksprechgerät soll nicht in der Brusttasche über dem Schrittmacher getragen werden, besser sind 20 cm Abstand. Vibrationen, z. B. von Rasenmähern, Heckenscheren, Sägen, Fahren über ein Kopfsteinpflaster oder auch von großen Lautsprecheranlagen, führen mitunter bei Schrittmachern mit automatischer Frequenzanpassung zu schnellerem Herzschlag. Weisen Sie bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen auf Ihren Schrittmacher hin, da einige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen besonders überwacht oder gemieden werden müssen. Das trifft z. B. zu auf Nierensteinzertrümmerer (|extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), Kernspin, Bestrahlungen von Tumoren, Magnet- und |Reizstromtherapie oder die Elektrokoagulation zur Verödung kleiner Blutgefäße. Unbedenklich sind hingegen Röntgen, CT, Szintigrafien oder auch Radaranlagen oder Gewitterblitze. Eine Defibrillation ist im Notfall auch bei Schrittmacherträgern möglich.

Weiterführende Informationen

Selbsthilfegruppen für Schrittmacherträger finden sich zum Beispiel auf der Website der Deutschen Herzstiftung unter http://www.herzstiftung.de/selbsthilfegruppen.html|www.herzstiftung.de/selbsthilfegruppen.html.

Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen – Kammerflimmern, Kammerflattern, ventrikuläre Extrasystolen, Kammertachykardie

Quelle: apotheken.de | 17.07.2019 | Dr. med. Dieter Simon, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
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Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen (herzkammerbedingtes Herzstolpern): Zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag aufgrund von Störungen im Bereich der Muskulatur der Herzkammern. Als Ursache kommen strukturelle Schädigungen des Herzmuskels, genetisch bedingte Erkrankung sowie Medikamente oder Genussmittel in Frage. Die Beschwerden reichen vom harmlosen Herzstolpern bis zum Herzstillstand durch Kammerflimmern.

Akutmaßnahmen bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen sind Wiederbelebung und Defibrillation. Zur Langzeittherapie werden Medikamente und ICDs (implantierbare Defibrillatoren, siehe unten) eingesetzt, in manchen Fällen kommt auch die Katheterablation in Frage. Die Prognose hängt eng mit der Ursache der vorliegenden Herzrhythmusstörung zusammen.

Symptome und Leitbeschwerden

Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen auftritt.

Sofort den Notarzt rufen, wenn
das Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen nicht mehr aufhört oder mit Angstgefühl, Schwindelbeschwerden oder Atemnot verbunden ist Bewusstseinsstörungen auftreten, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankung

Ursachen
Die elektrischen Phänomene, die eine geordnete Herzfunktion ermöglichen, spielen sich im Normalfall im Sinusknoten und in den weiteren Teilen des Erregungsleitungssystems des Herzens ab. (Mehr zu diesen Vorgängen siehe Elektrische Phänomene in unserem Herzen: Stromstöße, Taktgeber und Verteilerstrecken). Ventrikuläre Arrhythmien entstehen, wenn die Ausbreitung der normalen elektrischen Erregung im Herzen gestört ist. Mögliche Ursachen dafür sind:

Erworbene Schädigungen des Herzmuskelgewebes (Fibrosen, Infarktnarben, Entzündungen) bei KHK, Myokardinfarkt, Kardiomyopathie, Aortenklappenstenose, Herzmuskelentzündungen Degenerative Veränderungen Medikamente (Herzglykoside, Antiarrhythmika, Betablocker, Diuretika) Genussmittel (Kaffee, Nikotin, Alkohol, Psychostimulanzien) Elektrolytstörungen (z. B. Hypokaliämie) Gewebeschäden nach Herzoperationen Seltene erbliche Erkrankungen wie beispielsweise das Brugada-Syndrom, das durch eine Gen-Mutation bedingt ist und zu Defekten im Bereich spannungsgesteuerter Natriumkanäle auf den Herzmuskelzellen führt.

Ventrikuläre Extrasystolen
Die Erregungsbildung ist nicht auf den Sinusknoten beschränkt, sondern sie kann ebenso in anderen Muskelzellen des Herzens stattfinden und sich von dort über das ganze Herz ausbreiten. Das ist auch gut so, denn diese Ersatz-Taktgeber springen (fast) immer ein, wenn der Sinusknoten ausfällt, was sonst zum sicheren Tod führen würde. Die so außer der Reihe entstehenden Kontraktionen des Herzens werden Extrasystolen (Extraschläge des Herzens) genannt. Dies wird häufig als Herzstolpern empfunden. Geht die Erregung von den |Herzkammern (Ventrikeln) aus, so spricht man von einer ventrikulären Extrasystole. Ventrikuläre Extrasystolen treten bei Patienten mit und ohne Herzerkrankungen auf. Bei Herzgesunden können sie vernachlässigt werden. Wenn sie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt deutlich zunehmen, besteht jedoch die Gefahr eines plötzlichen Herztods.

Ventrikuläre Extrasystolen, die regelmäßig nach jeder normalen Herzaktion auftreten, heißen Bigeminus, zwei zusammenhängende werden als Couplet bezeichnet. In Gruppen auftretende ventrikuläre Extrasystolen nennt man Salven. Bei gehäuft erscheinenden ventrikulären Extrasystolen muss immer nach einer Ursache gefahndet werden, die dann zu behandeln ist.

1922_GTV_ventrikulaere_Extrasystolen.png|Verschiedene Formen von ventrikulären Extrasystolen im EKG, Erklärung siehe Text. |[GTV 1922]

Kammertachykardie, Kammerflattern und Kammerflimmern
Sind die normalen Ausbreitungswege der elektrischen Erregung im Herzen z. B. durch strukturelle Gewebeschäden gestört, kommt es (ähnlich wie beim Vorhofflattern) zu kreisenden Erregungen in den Muskelzellen der Herzkammern. Diese können unabhängig vom Sinusknoten zu sehr hohen Kammerfrequenzen (ventrikuläre Tachykardien) führen. Im EKG sieht man typische Veränderungen des QRS-Komplexes. Ursache ist meist eine Herzerkrankung, z. B. eine Durchblutungsstörung des Herzens. Anders als bei Vorhoftachykardien, bei denen der AV-Knoten die Kammer vor zu schneller Herzfrequenz schützt, wirkt sich jede Kammertachykardie negativ auf die Durchblutung der Organe aus.

1924_GTV_Tachykardie_Kammerflattern_Kammerflimmern.png|Oben (a): Elektrische Ableitung einer ventrikulären Tachykardie. Im EKG sieht man breite QRS-Komplexe. Diese können übergehen in ein Kammerflattern oder auch ein Kammerflimmen. Das mittlere (b) und das untere (c) Bild entsprechen einem Kreislaufstillstand, weil die elektrische Aktivität ineffektiv ist und das Herz keinen geregelten Blutauswurf mehr bewerkstelligen kann. |[GTV 1924]

Bei Herzfrequenzen bis etwa 200 Schlägen pro Minute verspürt man Herzklopfen, Herzrasen und Unwohlsein. Bei höheren Herzfrequenzen nimmt das gepumpte Blutvolumen ab, weil den Herzkammern keine Zeit mehr zur Blutfüllung bleibt. Folge ist eine zunehmende Kreislaufschwäche bis hin zu Bewusstlosigkeit und |plötzlichem Herztod. Lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien bedürfen einer sofortigen intravenösen Medikamentengabe oder Defibrillation.

Die Übergänge von der Kammertachykardie zum Kammerflattern und -flimmern sind fließend. Ab einer Kammerfrequenz von etwa 250 Schlägen pro Minute spricht man vom Kammerflattern. Beim Kammerflimmern entstehen ähnlich wie beim Vorhofflimmern chaotische, ineffektive Zuckungen der Kammermuskulatur, ohne dass dabei Blut weitertransportiert wird. Für den Körper gleicht dies einem Herzstillstand. Im EKG sind nur noch unregelmäßige Zitterbewegungen mit Kammerfrequenzen von mehr als 350 Schlägen pro Minute zu erkennen.

Diagnosesicherung

Wichtigstes Instrument zur Diagnose akuter ventrikulärer Herzrhythmusstörungen ist das EKG – vor allem in der häufig vorliegenden Notfallsituation bei Kammerflimmern, Kammerflattern oder anhaltender Kammertachykardie.

Nicht-anhaltende Kammertachykardien (das sind Kammertachykardien, deren Episoden kürzer als 30 Sekunden dauern) und Extrasystolen sind häufig schwierig zu diagnostizieren. Um diese Rhythmusstörungen aufzuspüren, benötigt der Arzt meistens ein Langzeit-EKG oder auch einen Eventrekorder.

Mit einem solchen Ereignis- oder auch Eventrekorder werden Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die sich in der Praxis oder im Langzeit-EKG nicht erwischen lassen. Der Arzt kann dann anhand der Daten die Art und das Ausmaß solcher Ereignisse bestimmen. Ereignisrekorder sind besonders hilfreich, wenn der Patient immer wieder Beschwerden und Rhythmusstörungen verspürt.

Mehrere Systeme stehen zur Verfügung:

Externe, zeitweilige Überwachung: Hierbei drückt der Patient im Falle eines empfundenen Herzstolperns einen scheckkartengroßen Rekorder auf die Brust, damit das EKG über einige Minuten hinweg aufgezeichnet werden kann. Externe, kontinuierliche Überwachung: Hier werden wie bei einem EKG Klebeelektroden angebracht und diese mit einem kleinen externen Rekorder, den der Patient bei sich trägt oder der ebenfalls aufgeklebt wird, verbunden. Dieser Rekorder zeichnet das EKG kontinuierlich auf, der Patient muss also nicht "aufpassen", ob sein Herz stolpert oder arhythmisch wird. Implantierte kontinuierliche Überwachung. Vermutet der Arzt schwerwiegende, schwer erfassbare Rhythmusstörungen, rät er häufig zur Implantation eines Eventrekorders unter die Haut. Diese Geräte zeichnen bis zu 3 Jahren die Herzaktionen auf, treten Rhythmusstörungen auf, speichert das Gerät diese Ereignisse. Außerdem kann der Patient die Aufzeichnung durch ein Handgerät manuell starten, sobald er ein Herzstolpern bemerkt.

Behandlung

Ventrikuläre Extrasystolen: Zufällig entdeckte ventrikuläre Extrasystolen bei Herzgesunden sind harmlos und müssen nicht therapiert werden. Sollten sich Betroffene dadurch jedoch in Ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen (beispielsweise durch wiederkehrende Schwindelattacken), verordnet der Arzt meist Betablocker oder andere Antiarrhythmika. Bei herzkranken Patienten mit Beschwerden durch Extrasystolen wird in der Regel eine Therapie mit Amiodaron oder einem Betablocker eingeleitet.

Kammertachykardien: Hier injiziert der Arzt Ajmalin oder Amiodaron unter EKG-Kontrolle. Kann hierdurch die Tachykardie nicht gestoppt werden, muss eine Kardioversion erfolgen.

Kammerflattern und Kammerflimmern: Die Akutmaßnahme bei diesen lebensbedrohlichen, chaotisch kreisenden Erregungswellen ist die sofortige Reanimation, meist inklusive Defibrillation. Bei einer Defibrillation wird ein massiver Stromstoß von außen über zwei auf dem Brustkorb aufliegende Plattenelektroden verabreicht. Er erregt für einen kurzen Moment alle Herzmuskelzellen gleichzeitig, womit alle elektrischen und auch alle mechanischen Aktionen im Herzen gestoppt sind. Als erstes Reizbildungszentrum erholt sich der |Sinusknoten, dessen Erregungswellen sich jetzt über das gesamte Herz ausbreiten können und somit den Herzrhythmus wieder bestimmen.

Nach einem akuten Ereignis
Nach überstandenen Kammertachykardien und Kammerflimmern wird immer die auslösende Ursache gesucht. Lässt sich diese nicht durch Verbesserung der Herzmuskeldurchblutung oder durch Änderungen der Medikamente beseitigen, kommt die Implantation eines ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, auch AICD) in Betracht, der die gefährlichen Herzrhythmusstörungen erkennt und automatisch durch Abgabe von Elektroschocks beendet.

Ein ICD überwacht die Herzschlagabfolge und kann plötzlich auftretende ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern erkennen und beenden (Antitachykardiefunktion), indem er die Herzmuskelerregung über hochfrequente Stromstöße in den normalen (Sinus) Rhythmus zurückzwingt. Damit ist der ICD eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand aufgrund von Kammerflimmern überlebt haben oder bei denen eine medikamentöse Therapie keinen dauerhaften Erfolg zeigt.

Ein ICD ist zwar etwas größer als ein Herzschrittmacher, wird aber wie dieser im Bereich der Brustmuskulatur implantiert und über eine Schrittmacherelektrode mit dem rechten Herzen verbunden. Neben seiner lebensrettenden Defibrillator-Funktion kann er auch wie ein einfacher Schrittmacher agieren und das Herz takten. Zudem zeichnet er wie ein EKG-Computer die Herzaktionen auf und speichert sie. Damit prüft der Kardiologe bei jeder Kontrolluntersuchung, ob seit der letzten Kontrolle Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und ob der ICD richtig reagiert hat.

Ventrikuläre Tachykardien oder Extrasystolen behandelt der Arzt auch mit einer Katheterablation.

Prognose

Die Prognose von ventrikulären Herzrhythmusstörungen hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung und der Schnelligkeit der Behandlung ab.

Unbehandeltes Kammerflimmern ist tödlich. Wird jedoch innerhalb der ersten 3 bis 5 Minuten nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (kardiopulmonale Reanimation) mitsamt Defibrillation – beispielsweise mit einem automatischen externen Defibrillator (AED), der auch von Laien bedient werden kann – durchgeführt, überleben etwa 50–75 %. Die Realität sieht jedoch leider anders aus, meist vergeht zuviel Zeit, bis den Betroffenen geholfen wird (häufig erst durch den Rettungsdienst), wodurch sich die Prognose deutlich verschlechtert und die Überlebensrate auf etwa 10 % sinkt.

Ventrikuläre Tachykardien in den ersten 3 Monaten nach einem Herzinfarkt haben ebenfalls eine schlechte Prognose: 85 % der betroffenen Patienten versterben innerhalb des ersten Jahres nach Infarkt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Bewegungstherapie. Leichte sportliche Betätigung ist in den meisten Fällen hilfreich. Vermeiden Sie jedoch Sportarten, die Ihnen körperliche Höchstleistungen abverlangen. Gegebenenfalls bietet sich auch regelmäßiges Training in einer Herzsportgruppe an.

Ernährung. Hinweisen zufolge beeinflusst eine |Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren wie Eicospentaensäure ist, den weiteren Krankheitsverlauf günstig. Da Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen können, sollten Sie auf stark blähende Lebensmittel verzichten, wenn Sie zu |Blähungen neigen.

Komplementärmedizin
Natur- und Komplementärmedizin können die verordneten Herzmedikamente nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen gehört in die Hände von Fachärzten.

Homöopathie. |Homöopathische Konstitutionsmittel zu Herzrhythmusstörungen sind u. a. Argentum nitricum, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Spigelia N® Tropfen Synergon Nr. 161, Arrhythmie-Gastreu® N R66 Tropfen) zur Verfügung.

Entspannungsverfahren. |Enspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong können helfen, begleitende vegetative Beschwerden wie Nervosität oder Anspannung abzubauen bzw. auslösende Faktoren wie psychische Erregung, z. B. durch Stressbelastung, zu mildern.

Pflanzenheilkunde. Phytopharmaka sind nur bei leichteren Herzrhythmusstörungen eine Option. Keinesfalls sind sie eine Alternative zu den verordneten chemischen Medikamenten, in manchen Fällen kann jedoch eine Kombination sinnvoll sein. Je nach Ursache und Beschwerdebild kommen verschiedene Heilpflanzen in Betracht, so z. B. Wolfstrappkraut bei Herzrhythmusstörungen als Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion oder Heilkräuter mit beruhigender Wirkung z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, wenn die Herzrhythmusstörungen mit Unruhe- und Spannungszuständen und/oder Schlaflosigkeit verbunden sind.

Dagegen zeichnet sich der Besenginster (Cytisus scoparius, z. B. Spartiol®) durch seine direkte Wirkung auf das Reizleitungssystem aus. Da es bei der Anwendung als Tee durch falsche Dosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann, werden heute in der Regel Fertigpräparate eingesetzt. Weiter ist Weißdorn für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen geeignet. Die Präparate (z. B. Crataegutt Novo 450®) müssen allerdings hoch dosiert sein, um ihre Wirkung zu entfalten.

Wegen der Gefahr einer Blutdruckkrise dürfen Besenginster und |MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso sind Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie ein AV- Block Kontraindikationen.

Weiterführende Informationen

Der Bundesverband Defibrillator (ICD) Deutschland ist ein Netzwerk für Menschen mit implantiertem Defi und deren Selbsthilfegruppen. Die Website http://www.defibrillator-deutschland.de/|www.defibrillator-deutschland.de bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen und Hilfe. Außerdem findet sich dort eine Liste der Defi-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Flugreise trotz Herzerkrankung: Was müssen Betroffene beachten?

Quelle: apotheken.de | 12.07.2019 | Sandra Göbel
 Trotz Herzerkrankung müssen viele Betroffene auf das Erkunden ferner Länder nicht verzichten.Flugreisen können das Herz-Kreislauf-System belasten. Viele Herzpatienten besitzen dennoch eine  Flugreisetauglichkeit. Was Herzpatienten vor der Buchung einer Flugreise beachten sollten.

Erst zum Arzt, dann ins Reisebüro
Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzkrankheit, etwa einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Viele der Betroffenen planen eine Reise – oft über weitere Strecken. Doch der niedrige Luftdruck und die geringere Sauerstoffsättigung in einem Flugzeug sind eine Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System. So führt etwa der leichte Sauerstoffmangel eines Passagierjets auf Reiseflughöhe zum Anstieg von Herzfrequenz, Blutdruck und zu erhöhtem Sauerstoffverbrauch des Herzens.

„Um Komplikationen über den Wolken zu vermeiden, sollten Betroffene deshalb noch vor der Reiseplanung ihre Flugreisetauglichkeit vom Kardiologen bestimmen lassen“, rät der Herzspezialist Prof. Dr. med. Wolfgang Schöls vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. „Herzpatienten dürfen in der Regel fliegen. Letztlich entscheidend für die Flugreise eines Patienten mit KHK oder Herzschwäche ist die Leistungsfähigkeit des Herzens“, erläutert Prof. Schöls, Leiter des Herzzentrums Duisburg.

Flugreisen nach Herzinfarkt
Nach einem Herzinfarkt hängt die Flugreisetauglichkeit unter anderem von der Infarktgröße ab. Kardiologen unterscheiden zwischen niedrigem, mittlerem und hohem Risiko. Bei niedrigem Risiko können Betroffene häufig schon circa fünf bis acht Tage nach dem Ereignis wieder fliegen. Ein niedriges Risiko ist zum Beispiel durch folgende Faktoren gekennzeichnet: Alter unter 65 Jahren, erster Herzinfarkt, kleiner Infarkt, erfolgreiche Gefäßwiedereröffnung, Auswurffraktion des Herzens über 45 Prozent und keine Komplikationen. Auch bei mittlerem und höherem Risiko ist das Fliegen häufig nach einer symptomfreien Zeitspanne wieder möglich. Der Kardiologe berät über die einzuhaltende Wartezeit individuell. „Auf Langstreckenflüge sollte jedoch auch bei niedrigem Risiko verzichtet werden“, betont Prof. Schöls.

Flugreisende mit Herzschwäche
Betroffene mit Herzschwäche sollten vor Reiseantritt Ursache und Schweregrad der Herzschwäche bestimmen lassen. Der Schweregrad einer Herzschwäche richtet sich nach der sogenannten NYHA-Klassifikation. Bei chronisch stabiler Herzschwäche bis NYHA-Stufe II besteht in der Regel volle Flugreisetauglichkeit. „Jede Verschlechterung der Symptome wie Atemnot, Gewichtszunahme wegen Wassereinlagerung, Erschöpfung, Herzenge oder Rhythmusstörungen in den letzten vier Wochen macht fluguntauglich“, erläutert Prof. Schöls.

Quelle: Deutsche Herzstiftung

Mehr Lebensfreude durch Achtsamkeit: Ruhe in sich selbst finden

Quelle: apotheken.de | 05.07.2019 | Leonard Olberts
 Achtsamkeit hilft dabei, die Umwelt und den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.Der Terminkalender ist voll, der Alltag belastend: Viele Menschen sind heute im Dauerstress. Das Erlernen von Achtsamkeit verspricht Abhilfe. Doch wie funktioniert es?

Dauerstress macht anfälliger für Krankheiten
Der ideale Alltag besteht aus einem ständigen Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Doch bei immer mehr Menschen gerät diese fragile Balance aus dem Gleichgewicht. Die Folgen sind dramatisch: Überwiegt der Stress dauerhaft, erhöht sich der Blutdruck, rote Blutkörperchen und Fette verstopfen die Gefäße. Im schlimmsten Fall drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall. In den seltenen Ruhezuständen wiederum wird der Körper anfälliger für Krankheiten. „Eine lange Phase des Stresses ist nie gut für Körper und Geist. Sie kann beispielsweise Schlafstörungen, psychisch bedingte Magen-Darmprobleme, Konzentrationsstörungen und Dauermüdigkeit hervorrufen“, ergänzt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer.

Mehr Aufmerksamkeit auf das „Hier“
Einen Ausweg aus dem Dauerstress bietet das Praktizieren von Achtsamkeit. Ihr Ziel ist es, dem Wesentlichen, dem „Hier“ mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Manchmal reicht es schon, bei einem kurzen Spaziergang oder dem Blick aus dem Fenster auf die Dinge zu achten, die im Alltag oft übersehen werden, und sich daran zu erfreuen. Das kann die Blume am Wegesrand oder das Lächeln einer vorbeigehenden Person sein. Man versucht, auf seinen eigenen Körper zu hören und ihn bewusst wahrzunehmen, um sich selbst zu entschleunigen“, erklärt Jakob-Pannier.

Achtsamkeit ist immer und überall möglich
Eine andere Form der Achtsamkeit ist es, sich bewusst von der Umwelt abzuschotten und sich stattdessen auf Dinge zu konzentrieren, die einen glücklich machen. Besonders vorteilhaft laut der Expertin: Achtsamkeitsübungen können immer und überall durchgeführt werden. Oft reichen auch schon kleine Momente an Achtsamkeit, um den Alltagsstress zurückzudrängen.

Quelle: Barmer

Rauf aufs Rad: Radeln hält fit und gesund

Quelle: apotheken.de | 21.05.2019 | Julia Schmidt
 Gerade nach einem langen Winter macht Radeln im Frühling richtig Spaß.Mit Beginn des Frühlings schwingen sich wieder mehr Menschen auf ihr Rad, um zur Arbeit zu fahren oder in ihrer Freizeit die Natur zu genießen. Warum das Radeln auf dem Drahtesel so gesund ist und was es beim Kauf zu beachten gibt.

Rat für den Kauf des passenden Rads
Wer nur drei- bis viermal pro Woche 30 bis 45 Minuten in die Pedalen tritt, schafft die besten Voraussetzungen für eine gute Gesundheit. „Bereits verhältnismäßig kurze Strecken wie etwa die Fahrt zum Supermarkt oder ins Büro können beispielsweise den Gang ins Fitness-Studio ersetzen“, informiert Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der Barmer GEK. Doch bevor man sich auf seinen Drahtesel schwingt, sollte man sicher sein, dass das Rad auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Das fängt bei der Wahl des richtigen Modells an.

Holland- oder Cityräder verfügen über eine angenehme Sitzposition und eignen sich deshalb für Fahrten ins Büro oder zum Einkaufen.Trecking-Räder ermöglichen durch die spezielle Bereifung zügiges Fahren sowohl auf Asphalt, als auch auf Feldwegen.Mountainbikes sind leicht und gut gefedert. Sie eignen sich für abenteuerliche Touren wie durch den Wald, in den Bergen oder über Schotterpisten.Mit Rennrädern lassen sich sehr hohe Geschwindigkeiten erzielen. Sie sind allerdings nur für asphaltierte Wege geeignet, da sie sehr dünne Reifen haben. Charakteristisch für Rennräder ist außerdem die weit nach vorn gebeugte Sitzhaltung. Wer sich zum ersten Mal ein Rennrad zulegt, sollte sicher sein, dass er sich an diese Haltung gewöhnen wird.

Faustregel bei der Sattelhöhe einhalten
Für gesundes Radeln sind die Art und Höhe des Sattels entscheidend. „Keine Kompromisse sollten Radfahrer bei der Wahl des Sattels machen. Hier sollte man vor dem Kauf durchaus einige ausprobieren. Denn der ´richtige´ Sattel ist der, der sich richtig anfühlt“, erklärt Möhlendick. Die richtige Sattelhöhe ist hingegen keine Frage des Geschmacks. Als Faustregel gilt: Wenn man auf dem Sattel sitzt und die Ferse mit durchgestrecktem Bein auf die nach unten gestellte Pedale absetzen kann, stimmt die Höhe. Wer unsicher ist, lässt sich am besten von einem Fachhändler beraten.

Radfahren als Allround-Training

Sobald das passende Rad optimal auf den Fahrer abgestimmt ist, kann es losgehen. Wer regelmäßig mit dem Rad fährt, trägt viel zu seiner Gesundheit bei, denn Radfahren ist ein Allround-Training: Es bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und trainiert die Po- und Beinmuskulatur. Darüber hinaus ist Radfahren für Menschen geeignet, die aus orthopädischer Sicht auf andere Sportarten verzichten müssen. „Da man sein Gewicht, anders als etwa beim Laufen, nicht mit sich herumschleppt, ist Fahrrad fahren besonders gelenkschonend. Selbst wer bereits unter Kniebeschwerden leidet, ist auf dem Fahrrad gut aufgehoben. Der Druck auf die Kniegelenke ist aufgrund der entlastenden Wirkung von Sattel und Lenker niedriger und durch den regelmäßigen Tritt gleichmäßiger“, erläutert Möhlendick.

Auf regelmäßiges Radfahren reagiert der Körper wie folgt:

Stresshormone werden abgebautder Ruhepuls sinktdas Herzvolumen steigtder Körper wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgtder Fettstoffwechsel wird angekurbelt.

Quelle: Barmer GEK

Geschlechtsverkehr trotz Herzleiden: Sex führt nicht zu Herzinfarkten

Quelle: apotheken.de | 02.04.2019 | Sandra Göbel
 Das Sexualleben muss nach einem Herzinfarkt nicht dauerhaft eingeschränkt werden.Viele Menschen mit Herzerkrankungen fürchten, dass sie einen Herzinfarkt erleiden, wenn sie Geschlechtsverkehr haben. Ein Forscherteam aus Ulm räumt mit dieser Sorge auf. Menschen mit Herzleiden müssen ihr Sexualleben nicht einschränken. 

Rückfälle bei sexuell aktiven Patienten nicht häufiger
Über einen Zeitraum von zehn Jahren untersuchten die Wissenschaftler mehr als 500 Männer und Frauen im Alter von 30 bis 70 Jahren. Alle Studienteilnehmer hatten einen Herzinfarkt erlitten. Die Wissenschaftler befragten die Teilnehmer, wie häufig sie in den zwölf Monaten vor dem Herzinfarkt Geschlechtsverkehr hatten und wann sie den letzten Geschlechtsverkehr vor dem Herzinfarkt hatten. Als kritisch gilt ein Zeitfenster von zwei Stunden vor dem Infarkt. Doch lediglich 0,7 Prozent der Studienteilnehmer hatten innerhalb dieses Zeitrahmens Geschlechtsverkehr. Bei über 78 Prozent der Teilnehmer trat der Herzinfarkt mindestens 24 Stunden nach dem Sex auf. Während der Langzeitstudie erlitten 100 Patienten einen weiteren Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Rückfälle traten bei sexuell aktiven Teilnehmern nicht häufiger auf.

Sorge vor Herzinfarkten durch Sex ist unbegründet
„Die Daten unserer Langzeitstudie zeigen, dass sexuelle Aktivität kein relevanter Auslöser für einen Herzinfarkt ist und bei Patienten mit stabiler Herzerkrankung auch langfristig keine negativen Auswirkungen hat“, berichtet Professor Dietrich Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm.

Die Studie schließt eine wichtige Informationslücke und räumt mögliche Sorgen und Ängste von Menschen mit Herzerkrankung aus. „Weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, erhalten ausreichende Informationen darüber, ob sie weiterhin sexuell aktiv sein können. Es ist wichtig, dass den Patienten versichert werden kann, dass sie sich nicht sorgen oder ihr gewohntes Sexualleben einschränken müssen“, erklärt Prof. Rothenbacher.

Erektionsstörungen als Nebenwirkung von Herzmedikamenten
Rothenbacher weist außerdem darauf hin, dass einige Herzmedikamente als Nebenwirkung Erektionsstörungen begünstigen. Nehmen Betroffene wegen ihrer Herzbeschwerden Nitrate ein und möchten mit Hilfe von Potenzmitteln den Erektionsstörungen entgegenwirken, droht ein plötzlicher Blutdruckabfall mit Bewusstlosigkeit. Männer mit Herzerkrankungen sollten sich deshalb bei Erektionsstörungen in einem vertraulichen Gespräch an ihren Arzt wenden und von der eigenmächtigen Einnahme von Potenzmitteln absehen.

Quelle: Universität Ulm