Herz, Gefäße, Kreislauf

Wieviel Ei darfs sein pro Tag?: Ewige Diskussionen ums Cholesterin

Quelle: apotheken.de | 17.09.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Das weiche Frühstücksei ? für viele ein unverzichtbarer Genuss.Ob weichgekocht, im Pfannkuchen oder als Mayonnaise ? vor Eiern wird wegen ihres hohen Cholesteringehalts immer wieder gewarnt. Zu Recht oder zu Unrecht? Eine neue Analyse will endlich Schluss mit der Diskussion rund ums Ei machen.

300 mg Cholesterin im Dotter
Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein für die Zellwände. Doch wenn zuviel davon im Blut kursiert, droht eine Arteriosklerose samt gefährlicher Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weil Cholesterin auch mit der Nahrung aufgenommen wird, liegt der Gedanke nah, bei hohen Cholesterinwerten die Zufuhr zu drosseln. Jahrzehntelang war dabei auch das Ei im Visier: Immerhin stecken im Dotter eines großen Hühnereis etwa 300 mg Cholesterin.

Über 200 000 Probanden
Doch nun geben Wissenschaftler (erneut) Entwarnung: Ein Ei täglich erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht. Für diese Erkenntnis wurden die Daten von mehr als 215 000 Probanden zwischen den Jahren 1980 und 2013 gesichtet. Insgesamt ereigneten sich 9010 Herzinfarkte und 5903 Schlaganfälle, die Mehrzahl der Teilnehmer aß bis zu 5 Eiern pro Woche. Bei der Analyse der Daten zeigte sich, dass der Verzehr von einem Ei täglich keinen Einfluss auf die Entwicklung von Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, wobei das Ergebnis auch bei Berücksichtigung Herz-Kreislauf-bezogener Risikofaktoren wie Rauchen und Bluthochdruck bestehen blieb.

Lieber bei Speck und Wurst sparen
Für Experten ist das keine große Überraschung. Den größten Teil des gefährlichen Cholesterins bildet der Körper aus gesättigten Fetten selbst. Der Einfluss des Cholesterins aus der Nahrung ist daher gering. Auch diese Analyse unterstreicht, dass ein Ei täglich für den Cholesterinspiegel kaum ins Gewicht fällt. In puncto Cholesterinwert bringt es deshalb mehr, sich bei Lebensmitteln mit reichlich gesättigten Fettsäuren zurückzuhalten ? wie etwa bei Speck, fettem Fleisch, Milchprodukten mit hohem Fettgehalt, Fertiggerichten und süßem Gebäck.

Bio-Ei: Gut für Henne und Menschen
Nicht vergessen werden darf bei der Diskussion ums Ei, wie gesund es ist. Dient es doch als Lieferant von wertvollen Proteinen, Eisen, Phospholipiden und Karotinoiden. Dabei sollte man nicht nur das eigene, sondern auch das Wohl der eierlegenden Produzentinnen im Blick behalten und beim Eierkauf ausschließlich zu Bio-Eiern greifen. Denn hier gelten die strengsten Regeln sowohl für die Fütterung als auch für die artgerechte Haltung. Erkennbar ist das am Code, der auf jedes Ei gedruckt ist: Die 0 vor dem Kürzel für das Herstellerland (z. B. DE für Deutschland) steht für Bio, d.h. ökologische Haltung. Hier wohnen die Hennen in offenen Ställen mit Sitzstangen und Auslauf, haben den meisten Platz, bekommen die Schnäbel nicht systematisch gekürzt und werden mit wertvollem, gesundem ökologisch angebautem Futter versorgt.

Quelle: Springer Medizin

Frauen werden schlechter behandelt : pAVK-Therapie in Deutschland

Quelle: apotheken.de | 13.08.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Frauen häufig unterversorgt.Frauen werden auch in Deutschland immer noch in vielen Bereichen benachteiligt ? so etwa bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit erhalten sie seltener eine optimale medikamentöse Therapie als Männer.

Gehtraining und Medikamente
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) gehört mit Herzinfarkt und Schlaganfall zu den häufigsten Folgen einer Arteriosklerose. Dabei kommt es durch die arteriosklerotisch bedingten Verengungen der Beinarterien zu Durchblutungsstörungen der Beine, die sich durch Wundheilungsstörungen und Schmerzen beim Gehen bemerkbar machen.

Behandelt wird die pAVK je nach Stadium mit Lebensstiländerungen, Gehtraining, Gefäßoperationen und Medikamenten. Die Leitlinien empfehlen für die meisten Patienten eine Kombination aus Fettsenker (z. B. Statinen), ACE-Hemmer bzw. Sartan (das sind blutdrucksenkende Mittel) und einem Hemmer der Thrombozytenaggregation.

Beim Fettsenker unterversorgt
Doch viele pAVK-Patienten erhalten diese empfohlene Therapie nicht. Deutlich wurde das bei einer Analyse der Versicherungsdaten von 45436 Männern und 38431 Frauen, die aufgrund einer fortgeschrittenen pAVK in der Klinik behandelt worden waren. Neben einer generellen Unterversorgung der Patienten zeigte sich eine zusätzliche geschlechtsspezifische Lücke: Nur 42,7% der Männer, aber noch weniger Frauen (37%) erhielten die optimale Therapie. Vor allem beim Fettsenker (meist in Form von Statinen) kamen die Frauen schlechter weg als die Männer (52,4 % vs. 59,9%). Auch beim Blutverdünner schnitten die Frauen schlechter ab (10 vs. 12,7%). Nur die Blutdrucksenker wurden bei Frauen etwas häufiger verordnet, was allerdings die geschlechtsspezifische Unterversorgung nicht wieder gut machte. Hinzu kommt: Die Frauen waren durchschnittlich schwerer an pAVK erkrankt als die Männer.

Tablette an falscher Stelle gespart?
Insgesamt hapert es also in Deutschland sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern an einer optimalen medikamentösen Therapie der pAVK. Warum die Ärzte die von den Leitlinien empfohlenen Medikamente bei Frauen noch seltener verordnen als bei Männern, bleibt offen. Eine Ursache könnte sein, dass die Frauen insgesamt auch ohne pAVK-Therapie meist mehr Medikamente erhielten als Männer, die Ärzte also vor einer zusätzlichen „Pille“ zurückschreckten.

Quelle: Ärzteblatt

Mittagsschlaf als Blutdrucksenker?: Ein Hoch aufs Nickerchen!

Quelle: apotheken.de | 01.07.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Mittagsschlaf ist gesund - allerdings darf er nicht zu lang sein.Mittagsschläfchen entspannen nicht nur kurzfristig: Regelmäßige Siestas senken bei Hochdruckkranken offenbar den tagsüber gemessenen systolischen Blutdruck.

Lebensstiländerungen für den Blutdruck
Abnehmen, Rauchverzicht, mehr Bewegung und weniger Alkohol können den Blutdruck von hochdruckkranken Menschen um einige mmHg senken und gehören deshalb zu den empfohlenen Lebensstiländerungen. Womöglich reiht sich auch bald der Mittagsschlaf in diesen Reigen blutdrucksenkender Maßnahmen ein ? vorausgesetzt, die Ergebnisse einer griechischen Studie lassen sich in anderen Untersuchungen bestätigen.

Durchschnittlich niedrigere systolische Werte
In dieser Studie an 212 Hypertonikern konnten Manolis Kallistratos und Kollegen den segensreichen Effekt des Mittagsschlafs nachweisen. 57% der Studienteilnehmer hatten in dem halben Jahr zuvor mindestens drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf von durchschnittlich 49 Minuten gehalten. Der zahlte sich aus: Bei den Mittagsschläfern wurden sowohl in der 24-Stunden-Blutdruckmessung als auch bei den Messungen tagsüber signifikant niedrigere durchschnittliche Werte als bei den Nichtschläfern gemessen (128 vs. 133 mmHg und 129 vs. 135 mmHg). Dabei hatten weder die Anzahl der von Patienten eingenommenen Hochdruckmedikamente noch die Ergebnisse verschiedener, die Herz-Kreislauf-Situation widerspiegelnder Untersuchungen einen Einfluss auf den Effekt.

Schon wenige mmHg senken Infarktrisiko
Die blutdrucksenkende Auswirkung des Mittagsschlafs war mit den Effekten anderer Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und Abnehmen vergleichbar, berichten die Forscher. Auch wenn es dabei nur um wenige mmHg geht, können die schon entscheidend sein. Denn eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg senkt anderen Untersuchungen zufolge das Risiko Herzinfarkt und Schlaganfall um bis zu 10%.

Bloß nicht zu lange schlafen!
Doch nicht jeder Mittagsschlaf scheint gesund zu sein. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine Schlafdauer über eine Stunde das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. Das könnte daran liegen, dass bei längerem Schlaf die REM-Phase erreicht und dadurch vegetatives Nervensystem und Herz-Kreislauf-System aktiviert werden. Den durch die regelmäßigen Siestas hervorgerufenen blutdrucksenkenden Effekt in der griechischen Studie führen die Forscher darauf zurück, dass die Teilnehmer dem Mittagsschlaf nur durchschnittlich 49 Minuten frönten.

Quelle: Ärztezeitung

Umweltzone senkt Arzneikosten: Weil Herz und Lunge aufatmen

Quelle: apotheken.de | 24.06.2020 | Dr. med Sonja Kempinski
 Freie Fahrt ? aber nur für die "Grünen".Umweltzonen verbessern nicht nur die Luft, sie lohnen sich auch für die Gesundheit. Denn neben dem gesteigerten Wohlbefinden der Anwohner zeigen sich die Effekte von Umweltzonen auch ganz nüchtern in Euro und Cent – und zwar in reduzierten Medikamentenkosten.

Einfahrt nur mit passender Plakette
In 58 deutschen Städten gibt es inzwischen Umweltzonen, die für schadstoffintensive PKWs, LKWs und Busse gesperrt sind. In manchen Gebieten ist die Einfahrt nur mit grüner, in anderen mit grüner oder gelber Plakette erlaubt. Das mag die ausgesperrten Fahrer ärgern, doch der Gesundheit der dort lebenden Menschen kommt das Fahrverbot zugute, wie eine Analyse des MCC Klimaforschungsinstituts ergab.

16 Millionen Euro pro Jahr gespart
Die Studie basiert auf den anonymisierten Daten von 2,7 Millionen AOK-Versicherten und Luftqualitätsmessungen des Bundesumweltamtes (bereinigt von möglichen Störeffekten wie Wetterlagen und regionalen Wirtschaftsentwicklungen). Seit Einführung der Umweltzonen 2008 konnten die dortigen Feinstaubbelastungen kontinuierlich gesenkt werden, berichten die Forscher, und zwar im Durchschnitt um 5,9 Prozent.

Gleichzeitig gingen in den Städten mit Umweltzone die Verordnungen von Arzneimitteln für Atemwegs- und Herzerkrankungen kontinuierlich zurück. Insgesamt seien dadurch pro Jahr etwa 16 Millionen Euro an Medikamentenkosten eingespart worden, berechneten die Forscher. Als Ursache für die eingesparten Verordnungen nennen die Wissenschaftler die Verbesserungen der Luftqualität.

Nutzen sogar noch größer
Der Nutzen in Euro und Cent sei sogar noch viel größer, da nur die Kosten der verschreibungspflichtigen Medikamente erfasst worden seien. Noch gar nicht berechnet und zusätzlich zu Buche schlügen die (reduzierten) Kosten für die ärztliche Versorgung und die Effekte einer (vermiedenen) verfrühten Sterblichkeit durch Atemwegs- und Herzerkrankungen.

Quelle: MCC Klimaforschungsinstitut

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Quelle: apotheken.de | 13.08.2008 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Anfangs bessern sich die Schmerzen in den Beinen noch durch Pausen, später treten die Symptome jedoch auch in Ruhe auf.4

[Periphere] arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, AVK, Raucherbein, Schaufensterkrankheit, claudicatio intermittens): Ungenügende Durchblutung der Gliedmaßen – fast immer eines oder beider Beine – aufgrund verengter arterieller Blutgefäße. Zugrunde liegt eine fortschreitende Arteriosklerose; sie tritt am häufigsten bei über 50-Jährigen auf. Etwa 5 % der deutschen Bevölkerung sind betroffen, vor allem Raucher und Diabetiker.

In der Regel verschlimmert sich die pAVK über Jahre und Jahrzehnte. Es gibt jedoch gute Therapiemöglichkeiten, solange die Erkrankung früh entdeckt und behandelt wird und der Patient Risikofaktoren wie das Rauchen vermeidet.

Seltener sind akute Verschlüsse einer Beinarterie (akuter Beinarterienverschluss), die meist durch eine Embolie, also die Verschleppung eines Blutgerinnsels (z. B. bei einer Herzerkrankung), bedingt sind und sofort notfallmäßig behandelt werden müssen. In solchen Fällen ist die Prognose schlechter: Etwa 25 % der Betroffenen versterben.

Symptome und Leitbeschwerden

Belastungsabhängige Schmerzen im Bereich von Gesäß, Hüfte, Ober-, Unterschenkel oder Fuß Nur noch eine begrenzte Wegstrecke kann schmerzfrei zurückgelegt werden; sofortige Besserung der Beschwerden beim Stehenbleiben Fuß- und Wadenschmerzen, die sich bessern, wenn die Beine herabhängen Der betroffene Fuß oder Unterschenkel ist blass, kühl und taub Verletzungen an den Füßen heilen zunehmend schlechter In Spätstadien Ruheschmerzen in den Füßen, Geschwüre, abgestorbene Hautareale (Nekrosen), schwarze Zehen.

Charakteristisch sind Muskelschmerzen beim Gehen, die beim Stehenbleiben nachlassen. Weil Betroffene ihre Beschwerden zu verheimlichen suchen, indem sie mit gespieltem Interesse immer wieder vor einem Schaufenster stehen bleiben, ist der Begriff Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) entstanden. Aus der Weglänge bis zum Auftreten von Beschwerden schließt der Arzt auf das Ausmaß der Durchblutungsstörungen.

Wann zum Arzt

1941_GTV_pAVK_Verschluss_Beckenarterie.jpg|Schwere paVK mit akutem Verschluss der rechten Beckenarterie (in der Angiografie hier links): das schwarze Kontrastmittel reißt an der Verschlussstelle ab (Pfeil), das rechte Bein erhält fast kein Blut mehr. Der weitere Gefäßverlauf wird nicht mehr kontrastiert (gestrichelte Linie).|[GTV 1941]

In der nächsten Woche, wenn
gewohnte Wegstrecken nur noch mit Pausen zurückgelegt werden können, da Muskelschmerzen immer wieder zum Stehenbleiben zwingen.

Am nächsten Tag, wenn
Druckstellen, Verletzungen oder schwarze Stellen an den Füßen oder Zehen auftreten.

Sofort zum Arzt, wenn
akute Beinschmerzen mit Blässe oder Blauverfärbung und Kaltwerden des betroffenen Beins auftreten (akuter Beinarterienverschluss) kein Puls am Fuß mehr zu spüren ist.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Jede Gliedmaße wird durch eine einzelne, von der |Aorta abgehende Arterie mit Blut versorgt, die sich im weiteren Verlauf vielfach aufzweigt. Hochgradige Verengungen oder Verschlüsse dieser Gefäße durch |arteriosklerotische Prozesse führen zum Sauerstoffmangel und zur Anreicherung von Stoffwechselendprodukten. Die Folgen hängen davon ab, wie rasch die Gefäßverengung entsteht und wie groß das dahinter liegende Versorgungsgebiet der betroffenen Arterie ist. Verengt sich eine Arterie allmählich über Jahre, so bleibt dem Körper ausreichend Zeit, Umgehungskreisläufe (Kollateralen) auszubilden. Ein akuter Verschluss dagegen hat schwerwiegende Folgen bis hin zum Absterben der betroffenen Gliedmaßen.

1940_ASM_Koerpereigener_Bypass.png|Bei Verschluss einer Arterie (vergleichbar mit einer großen Baustelle auf der Hauptstraße), wird die Bildung von "Umgehungsstraßen" angeregt. Die führt zur Entwicklung eines körpereigenen Bypass-Systems: Sie wachsen durch den hohen Druck des gestauten Bluts und werden schließlich zur funktionsfähigen Umleitung. |[ASM 1940]

Verlauf
Wenn die in den Beinen noch ankommende Blutmenge den Sauerstoffbedarf nicht mehr deckt, treten zunächst Schmerzen auf. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einem allmählichen Absterben des Gewebes, das an den Zehen beginnt und sich Richtung Knie ausbreitet. Dies ist nicht nur mit Schmerzen und Funktionsverlust des Beins verbunden – das schlecht durchblutete Gewebe infiziert sich auch leichter und überschwemmt den ganzen Körper mit Krankheitserregern. Daher muss in fortgeschrittenen Stadien manchmal ein Teil der Zehen oder des Fußes und/oder Unterschenkels amputiert werden. Eine rechtzeitig eingeleitete Therapie verhindert oder verzögert dies.

Risikofaktoren
Fortschreitende arteriosklerotische Veränderungen der Beinarterien entstehen bei Rauchern etwa dreimal häufiger als bei Nichtrauchern (Raucherbein). Weitere beeinflussbare Risikofaktoren sind Diabetes, Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Notfall: akuter Arterienverschluss
Der plötzliche Verschluss einer größeren Extremitätenarterie ist ein Notfall, weil er die Gliedmaßen gefährdet und einen lebensbedrohlichen Kreislaufschock auslösen kann. Auslöser ist meist ein verschlepptes |Blutgerinnsel aus dem Herzen, das in einer arteriosklerotisch zerklüfteten Arterie hängen bleibt und diese verschließt. Arterien der Arme sind seltener betroffen als die der Beine. Das Bein schmerzt, wird blass, ist im Seitenvergleich deutlich kälter und wird zunehmend bewegungsunfähig. In diesem Fall ist die sofortige Einweisung in eine Klinik erforderlich, in der das Blutgerinnsel mit einem Katheter entfernt oder durch ein Medikament aufgelöst wird.

Diagnosesicherung

Aus der Beschwerdeschilderung und der Untersuchung der Beine (Hautfarbe, Temperatur, Haut- und Gewebeveränderungen) kann der Arzt meist schon die Verdachtsdiagnose pAVK stellen.

Körperliche Untersuchung. Durch Tasten der Pulse in der Leiste, am Knie und am Fuß prüft der Arzt dann, ob die vom Herzen ausgehende Pulswelle die Füße erreicht. Ein schwacher oder fehlender Puls weist auf Engstellen oder auf einen Verschluss in einem darüber liegenden Gefäßabschnitt hin. Strömungsgeräusche beim Abhören der Gefäße mit dem Stethoskop liefern dem Arzt ebenfalls weitere Anhaltspunkte für Engstellen in den Gefäßen.

Funktionstest. Beim |Lagerungsversuch nach Ratschow prüft der Arzt die Durchblutung der Beine, mit dem |Gehtest misst er, welche Strecke der Betroffene noch ohne Schmerzen zurücklegen kann.

1937_GTV-Verschluss-Beinarterie-Beckenarterie-pAVK-Raucherbein.png|Oben in DSA-Technik aufgenommen: Akuter Verschluss der rechten Beinarterie im Bereich des Kniegelenks. Unten in der klassischen Technik aufgenommener Verschluss der linken Beckenarterie (das Kontrastmittel erscheint weiß). |[GTV 1937]

Knöchel-Arm-Index (ankle brachial Index, ABI). Das Ausmaß einer pAVK schätzt der Arzt mithilfe des ABI ab. Der am Bein des liegenden Patienten gemessene systolische Blutdruckwert entspricht üblicherweise dem des Armes oder ist sogar etwas höher. Bei verengten Beinarterien liegt der am Bein gemessene Blutdruck jedoch unter dem des Armes. Der ermittelte Blutdruckwert des Beins wird durch den des Armes geteilt:

Systolischer Blutdruck der Beinarterie / Systolischer Blutdruck der Armarterie = Knöchel-Arm-Index (ABI).

Der Knöchel-Arm-Index ist bei Gefäßgesunden mindestens 1. Bei verengten Beinarterien sinkt er unter 0,9. Bei Werten unter 0,3 ist die Blutversorgung des Beins gefährdet, eine Amputation droht (kritische Ischämie). Bei sehr verkalkten Beinarterien ist diese Untersuchungsmethode wegen fehlerhafter Messwerte allerdings nicht anwendbar.

Bildgebende Verfahren. Eine |Farbduplexsonografie, eine |Magnetresonanz-Angiografie oder eine digitale Subtraktionsangiografie, |DSA, zeigt die genaue Lage der Gefäßverengung. Weil eine fortgeschrittene Arteriosklerose meist alle Arterien des Körpers erfasst, schließen sich weitere Untersuchungen des Herzens und der Hirn versorgenden Arterien an, um über eine gleichzeitig bestehende |koronare Herzkrankheit oder einen drohenden |Schlaganfall Bescheid zu wissen. Dies ist insbesondere dann zwingend notwendig, wenn eine gefäßchirurgische Therapie ansteht, zu der die volle OP-Fähigkeit gegeben sein muss.

Bei abgestorbenen, infizierten Hautarealen prüft der Arzt mit Röntgen, Skelettszintigrafie oder MRT, ob die Infektion schon bis zum Knochen vorgedrungen ist.

Differenzialdiagnosen. Schmerzen in den Beinen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Die wichtigsten sind die Beinvenenthrombose, eine Polyneuropathie, der Bandscheibenvorfall oder auch eine Claudicatio spinalis (belastungsabhängige Beinschmerzen durch Verengung des Wirbelkanals).

Behandlung

Die Behandlungsmaßnahmen der pAVK hängen vom jeweiligen |Fontaine-Stadium ab:

Stadium I: keine Beschwerden, pAVK nur apparativ nachweisbar, Beeinflussung der Risikofaktoren möglich (Rauchentwöhnung, bessere Diabeteseinstellung, Gewichtsnormalisierung, Bewegung) Stadium IIa: belastungsabhängige Muskelschmerzen; schmerzfreie Gehstrecke > 150 m; Therapieoptionen: Gehtraining und Medikamente Stadium IIb: belastungsabhängige Muskelschmerzen; schmerzfreie Gehstrecke < 150 m; Therapieoptionen: Gehtraining, Medikamente und Gefäßchirurgie Stadium III: Muskelschmerzen in Ruhe; Therapieoptionen: Medikamente und Gefäßchirurgie Stadium IV: Gangrän (abgestorbene, schwarz verfärbte Hautareale oder Zehen); Therapieoptionen: Lokale Maßnahmen, Medikamente und Gefäßchirurgie zur Verhinderung der Ausbreitung, eventuell Amputation

Basismaßnahmen/Stadium I
In allen Stadien gilt es, die Risikofaktoren für das Voranschreiten der Arteriosklerose zu verringern. Vor allem die Nikotinabhängigkeit muss der Patient überwinden (mehr dazu unter |Nikotinersatztherapie). Weitere sinnvolle Maßnahmen wie Druckentlastung durch passendes Schuhwerk und Tipps zur Fußpflege finden sich im Abschnitt "Ihr Apotheker empfiehlt".

Die Einnahme von Plättchenhemmern wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel beugt einer Blutgerinnselbildung in geschädigten Arterien vor und wird deshalb in allen Stadien empfohlen, auch schon im beschwerdefreien Stadium I.

Bei pAVK-Patienten, die zusätzlich unter einem Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen leiden, ist außerdem die engmaschige Kontrolle und optimale Einstellung dieser Krankheiten von allergrößter Bedeutung.

Außerdem prüft der Arzt alle Medikamente, die der Patient regelmäßig einnimmt. Für Wirkstoffe, die als Nebenwirkung die Durchblutung der Beinarterien verschlechtern können (z. B. Betablocker), sucht er Alternativen oder setzt sie – wenn möglich – ganz ab.

Stadium II
Zusätzlich zu den Basismaßnahmen gibt es im Stadium II folgende therapeutischen Möglichkeiten:

Gehtraining. Mit einem täglichen einstündigen Gehtraining soll der Patient seine schmerzfreie Gehstrecke verlängern. Dabei geht man solange, bis die Schmerzen beginnen, pausiert kurz, bis die Schmerzen wieder verschwinden und setzt anschließend das Gehen erneut fort. So werden neue Umgehungskreisläufe der Blutgefäße gebildet. Gefäßerweiternde Medikamente. Einen nachgewiesenen Effekt auf die Durchblutung haben die Substanzen Cilostazol (z. B. Pladizol®) und Naftidrofuryl (z. B. Dusodril®). Wenn eine operative Behandlung der pAVK nicht möglich ist, empfehlen die aktuellen Leitlinien eine Therapie mit den beiden oben genannten Substanzen bei erheblich eingeschränkter Lebensqualität schmerzfreier Gehstrecke unter 200 m Patienten, die kein Gehtraining absolvieren können. Kathetereingriff oder Operation. Wenn Basismaßnahmen, Gehtraining und Medikamente keine Wirkung zeigen oder die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigt ist, kommen auch schon im Stadium II sowohl Ballondilatation als auch eine Bypass-Operation in Betracht (siehe Stadium III und IV).

Stadium III und IV
In diesen fortgeschrittenen Stadien der pAVK ist ein Gehtraining in der Regel nicht mehr möglich. Stattdessen versuchen die Ärzte, die Durchblutung durch technische Maßnahmen (Revaskularisation) zu verbessern:

Perkutane transluminale Angioplastie (PTA). Hierbei dehnen die Ärzte die Gefäßengstellen und -verschlüsse mit einem Ballonkatheter auf, bei Bedarf setzen sie auch eine Gefäßstütze (|Stent) ein. Die Gefäßaufdehnung ist vor allem an großen Gefäßen wie den Beckenarterien anhaltend erfolgreich. Im Knie- und Unterschenkelbereich hingegen muss in über 50 % der Fälle mit erneuten Gefäßverschlüssen im Laufe der nächsten Monate und Jahre gerechnet werden. Sind |Blutgerinnsel Ursache der verstopften Arterie, gelingt es häufig, sie in den ersten Tagen und Wochen, solange sie noch weich sind, über einen Katheter abzusaugen oder mit gerinnungshemmenden Medikamenten aufzulösen. Operative Verfahren. Gefäßchirurgen können zudem die arteriosklerotischen Ablagerungen aus den Gefäßen herausschälen (Thrombendarteriektomie) oder die Engstelle mithilfe einer Vene oder Gefäßprothese überbrücken (Bypass). Prostanoide. Falls weder Kathetereingriff noch Operation die Durchblutung verbessern, hat der Arzt noch die Möglichkeit, durch wiederholte Infusionen von Prostanoiden (Verwandte der Prostaglandine) vorübergehend eine bessere Blutversorgung der Extremität zu ermöglichen und so die Stoffwechselsituation vor Ort zeitweise zu verbessern. Hier gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob der Nutzen die Risiken (u. a. Belastung des Herzens) rechtfertigt.

Neben der Förderung der Durchblutung ist bei der pAVK besonders wichtig, für eine optimale Versorgung eventueller Wunden zu sorgen.

Lokale Wundtherapie. Die Wundtherapie muss bei einer pAVK besonders sorgfältig erfolgen, inklusive Entfernung abgestorbener Areale. Besonders geeignet zur Wundtherapie sind feuchte Wundauflagen. Wenn die Wundtherapie sehr schmerzhaft ist, empfiehlt sich etwa 20–30 Minuten vor der Behandlung die Einnahme von Schmerzmitteln. Antibiotika. Bei Infektionen verabreicht der Arzt über 1–2 Wochen intravenös Antibiotika, z. B. Ampicillin und Sulbactam (z. B. Unacid®).

Amputation. Wenn trotz aller Maßnahmen die Schmerzen zunehmen oder Gewebe abstirbt, müssen die Ärzte die betroffene Gliedmaße amputieren.

Prognose

Bei etwa 75 % der pAVK-Patienten im Stadium II bleibt die Gehleistung in den ersten 5 Jahren nach Diagnose stabil, bei 10–20 % nimmt die Gehstrecke ab, 5–10 % gehen in ein Stadium III oder IV mit Ruheschmerzen und Nekrosen über.

Nur bei jedem zweiten pAVK-Patienten im Stadium III oder IV können die Ärzte das betroffene Bein länger als ein Jahr erhalten.

Patienten mit einer pAVK haben ein 3-fach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt und ein 4-fach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention und Selbsthilfe
1939_GTV_Fuesse_Lagerungsversuch_Ratschow.jpg|Lagerungsversuch nach Ratschow: Im Bild links sieht man die Durchblutungssituation beider Beine wenige Sekunden nachdem der Patient die Beine für einige Zeit im Liegen senkrecht nach oben gelagert und mit den Füßen gekreist hatte. Die Asymmetrie fällt sofort ins Auge: Der Rechte Fuß ist weißgefleckt (hier kommt weniger arterielles sauerstoffreiches Blut an). Bild rechts: Erst nach einer halben Minute füllt sich auch das rechte Bein mit Blut.|[GTV 1939]

Wie sich eine pAVK weiterentwickelt, ob eine vernünftige Lebensqualität erhalten bleibt oder der Gang der Dinge Richtung Immobilität, Amputation und schließlich Tod voranschreitet, hängt davon ab, wie Sie Ihre Risikofaktoren, insbesondere das Rauchen, in den Griff bekommen. Die meisten Todesfälle bei pAVK sind nicht auf die Erkrankung selbst zurückzuführen, sondern sind Folge einer gleichzeitig bestehenden Durchblutungsstörung des Herzens oder des Gehirns. Wenn Sie Ihre Risikofaktoren ausschalten, beeinflussen Sie nicht nur die pAVK, sondern verbessern auch Ihre Herz- und Gehirndurchblutung.

Gehtraining. Training und Fußpflege heißen die Schlüsselwörter für Ihr Leben mit der Erkrankung. In frühen Stadien der Erkrankung schaffen es pAVK-Patienten, ihre maximale Gehstrecke durch regelmäßiges Gehtraining und/oder Gymnastik deutlich zu verlängern. Gehen ist für Sie die beste Medizin! Für Schlechtwetterperioden eignen sich Heimtrainer. Bestehen erhebliches Übergewicht oder Gelenkbeschwerden z. B. durch |Hüftgelenksarthrose oder |Kniegelenksarthrose, dann ist Fahrradfahren möglicherweise die bessere Wahl.

Schuhwerk. Perfekt passende Schuhe und Strümpfe sind für Sie kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Ihr Arzt kann Ihnen orthopädische Einlagen oder Spezialschuhe verschreiben, wenn das nötig ist. Ihre üblichen Schuhe sollten so gut passen, dass sie keine Druckstellen verursachen. Bequeme Sportschuhe passen vielen Menschen am besten, eventuell mit Klettverschlüssen, um das An- und Ausziehen zu erleichtern. Und auf modische Zutaten verzichten Sie möglichst. Ein hoher Absatz belastet den Vorfuß zu stark, besser sind flache Schuhe. Achten Sie auf gute Verarbeitung: Schlecht abgedeckte Innennähte können scheuern, scharfkantige Fußbetten können verletzen.

Gehen Sie möglichst viel zu Fuß, aber laufen Sie wegen der Verletzungsgefahr nicht barfuß. Bereits kleinste Verletzungen oder Druckstellen müssen medizinisch behandelt und rasch zur Abheilung gebracht werden.

Fußpflege. Ganz wichtig ist für Sie, Fußverletzungen vorzubeugen, mindestens aber zu bemerken und sorgfältig zu pflegen. Falls Sie nicht gelenkig genug sind, um ihre Füße auch von unten genau inspizieren zu können, helfen Spiegel und Lampe. Ideal ist, wenn Sie einmal wöchentlich zur medizinischen Fußpflege (Podologie), gehen und/oder sich vom Partner oder von Familienangehörigen die Füße nach kleinen Verletzungen, Blasen und Rötungen absuchen lassen – am besten täglich! Wenn Sie eine Verletzung bemerken, gehen Sie unbedingt zum Arzt (insbesondere bei Diabetes)!

Krampfadern und chronisch-venöse Insuffizienz. Wenn Sie gleichzeitig mit der pAVK auch noch ein Venenleiden haben, ist guter Rat teuer, denn Kompressionsstrümpfe und Stützstrumpfhosen verschlechtern die arterielle Beindurchblutung. Hier muss Ihr Arzt abwägen, welche Therapiemaßnahmen für Sie am besten sind.

Rauchen. Für viele ist das Aufhören ein leidiges Thema. Immerhin: Wenn Sie es jetzt schaffen, ist der Lohn ein doppelter. Nicht nur die Kondition und Ihr Raucherhusten werden besser, auch die Beinschmerzen verschwinden. Wenn Sie wirklich aufhören wollen, planen Sie dies am besten über einen längeren Zeitraum, denn Sie haben der Zigarette "Vorzugsplätze" in Ihrem Alltag eingerichtet. All diese liebgewonnenen Gewohnheiten müssen Sie nun aus Ihrem Gedächtnis und Ihrem Leben tilgen. Dies ist ein Kampf – aber einer, den Sie gewinnen können. Am leichtesten gelingt es mit professioneller Hilfe, beispielsweise durch eine Nikotinersatztherapie. Fragen Sie Ihren Hausarzt nach bewährten Anlaufstellen in ihrer Nähe.

Alkohol. Viele Raucher mit pAVK haben die Erfahrung gemacht, dass gleichzeitig konsumierter Alkohol die nikotinbedingten Beinschmerzen mildert oder ganz aufhebt. Und in der Tat wirkt der Alkohol auf Blutgefäße erweiternd, während das Nikotin sie verengt. Leider haben viele Raucherbein-Betroffene deshalb zusätzlich zu ihrer Nikotinabhängigkeit eine handfeste Alkoholabhängigkeit entwickelt. Diese ist natürlich schädlich und therapiebedürftig. Für pAVK-Patienten mit maßvollem Alkoholkonsum gilt jedoch, und das mag für manche eine gute Nachricht sein, dass sie trotz ihrer Erkrankung auf ihr tägliches Bier oder Glas Wein nicht verzichten müssen.

Ernährung. Wenn Sie Ihr Leben ändern wollen, sollten Sie primär Ihr Gewicht normalisieren. Haben Sie einen Typ-2-Diabetes, so profitieren Sie auch hier doppelt: Mit jedem Kilo weniger auf der Waage sinkt auch Ihr Bedarf an Diabetesmedikamenten, und eventuell verschwindet Ihr Diabetes sogar ganz.

Schlafen. pAVK-Patienten ziehen gerne warme Socken an, wenn Sie ins Bett gehen, und manche legen sich auch ein Heizkissen unter die Waden, wenn es ganz kalt wird. Von Letzterem raten die Ärzte jedoch ab, weil durch lokale Wärmezufuhr die Durchblutung von Unterschenkeln und Füßen nicht verbessert wird. Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist, mit erhöhtem Oberkörper und/oder abgesenktem Fußteil zu schlafen, um die Durchblutung der unteren Körperpartien zu verbessern. Der Kauf eines entsprechenden Spezialbetts ist deshalb eine erwägenswerte Investition.

Komplementärmedizin
Gefäßschäden können auch mithilfe der Komplementärmedizin nicht mehr rückgängig gemacht werden. Immerhin versprechen einige Maßnahmen zumindest in den frühen Stadien Linderung, insbesondere dann, wenn sie mit einem konsequenten Gehtraining kombiniert werden.

Sauerstofftherapien. Eine Reihe von Verfahren – z. B. die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne, die Ozontherapie, die hämatogene Oxidationstherapie, die Chelattherapie oder die hyperbare Oxygenation – versprechen Hilfe. Einige Methoden arbeiten auch mit direkten Injektionen von Sauerstoff (mit und ohne Zusatz von Ozon) in die verengte Beinschlagader, und viele Betroffene berichten über eine sofort einsetzende Besserung der Beschwerden. Über den Langzeiteffekt all dieser Maßnahmen sind sich die Experten jedoch nicht einig. Viele Fachärzte weisen darauf hin, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt sei und der zu erwartende Nutzen die Behandlungsrisiken und -kosten nicht rechtfertige.

Pflanzenheilkunde. Sanfte Wege zur Besserung der Beschwerden versprechen einige pflanzliche Präparate, vor allem solche, die Gingkoblätter-Extrakte (z. B. Tebonin®, Rökan®, Craton® oder Kaveri®) enthalten. In mehreren Therapiestudien konnten 120–160 mg Gingkoextrakt die Gehstrecke der Patienten um durchschnittlich 30 bis 60 m verlängern. Wichtig ist jedoch, dass die Pflanzenextrakte zusätzlich zu Gehtraining und Basismaßnahmen eingenommen werden und diese keinesfalls ersetzen können.

Homöopathie. Arnica, Barium carbonicum, Silicea oder Viscum album gehören zu den besonders häufig infrage kommenden Konstitutionsmitteln; verschiedene Komplexmittel, z. B. Aesculus compositum® oder Arteria-cyl®, sollen die Durchblutung fördern.

Krampfadern

Quelle: apotheken.de | 07.11.2019 | Dr. med. Dieter Simon, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Kompressionsstrümpfe unterstützen den Blutfluss in geschwächten Venen und lindern die Symptome5

Krampfadern (Varikosis, Varikose, Varizen): Sichtbare, oberflächlich unter der Haut verlaufende, krankhaft erweiterte Venen, die zum Teil auch geschlängelt sind oder knotigen Aussackungen haben.

Krampfadern treten überwiegend an den Beinen auf und werden meist um das 30. Lebensjahr erstmals bemerkt. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Krampfadern sind eine Volkskrankheit, an der mehr als 30 % der Erwachsenen leiden.

Grund für eine Behandlung ist nicht nur die kosmetische Beeinträchtigung oder das Gefühl der schweren Beine: Schreitet die Varikose voran, droht eine Ausbreitung auf die tiefen Venensysteme mit chronisch-venöser Insuffizienz (CVI). Behandelt werden Krampfadern mit Bewegung, Kompression und je nach Ausmaß auch operativ durch Venen-Stripping oder Verödung.

Symptome und Leitbeschwerden

Kosmetisch störende Besenreiser und Krampfadern Müde, schwere Beine Schwellungsgefühl, Kribbeln, Jucken und Schmerzen in den Beinen Beschwerdezunahme nach langem Stehen oder Sitzen und bei Hitze, Besserung der Beschwerden beim Hochlegen der Beine (genau umgekehrt ist es bei der |pAVK) Abendliche Schwellung der Fußknöchel Nächtliche Wadenkrämpfe.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn
zunehmend schwere Beine, Spannungsgefühl und Knöchelschwellungen nach längerem Stehen auffallen.

Die Erkrankung

Primäre Varikose
Krampfadern bilden sich in den allermeisten Fällen aufgrund einer angeborenen Venenwand- oder Bindegewebsschwäche (primäre Varikose). Auch das Alter spielt eine Rolle: Gefäßwände degenerieren und verlieren mit den Jahren immer mehr an Elastizität. Begünstigt wird die Entwicklung von Krampfadern durch einen erhöhten venösen Druck in den Beinen, ausgelöst durch bekannte Risikofaktoren wie

langem Stehen oder Sitzen Bewegungsmangel Schwangerschaften starkem Übergewicht.

Die Veränderungen in der Gefäßwand und der erhöhte Druck in den Beinvenen führen dazu, dass der venöse Abfluss zum Herzen hin nicht mehr richtig funktioniert und das Blut in den oberflächlichen Venen versackt. Durch den Stau geben die Gefäßwände der Venen, die ohnehin schwächer ausgeprägt sind als die der Arterien, nach, die Venen erweitern sich. Jetzt beginnt ein Teufelskreis: Da sich der Venendurchmesser vergrößert, schließen die Venenklappen nicht mehr, sie werden undicht. Der Weitertransport des Blutes Richtung Herz ist jetzt noch eingeschränkter, es staut sich mehr und mehr Blut, die Venen sacken immer weiter aus - und die nächste Klappe wird undicht.

Während dieser Prozesse können sich die oberflächlichen Venen fingerdick erweitern, netzartig ausbreiten oder sich als Besenreiservarizen spinnwebenartig flächig ausbilden. Bevorzugt treten die Krampfadern an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel sowie an der Rückseite des Unterschenkels auf.

Der erschwerte Blutabfluss, der im Verlauf der Erkrankung das Gefühl gespannter, schwerer, müder Beine verursacht, ist zunächst nur auf das oberflächliche Venensystem beschränkt. Werden auch die Perforansvenen – das sind die Verbindungsvenen zu den tiefen Beinvenen – von den degenerativen Veränderungen erfasst, kann Blut zwischen oberflächlichem und tieferem Venensystem zirkulieren, anstatt Richtung Herz abzufließen. Durch den schlechteren Abtransport von Blut bzw. Flüssigkeiten aus den Beinen entwickeln sich parallel häufig Ödeme.

Sekundäre Varikose
Krampfadern entstehen aber auch, wenn die oberflächlichen Venen durch ein Übermaß an Blutfluss überfordert werden und sich deshalb erweitern. Dies geschieht zum Beispiel bei Abflusshindernissen im tiefen Venensystem: Ist die tiefe Beinvene durch eine tiefe Venenthrombose verstopft, sucht sich das Blut den Weg zum Herzen über das – noch gesunde – oberflächliche Venensystem. Weil diese Venen aber für größere Blutmengen nicht angelegt sind, erweitern sie sich und werden zu Krampfadern. Ein solches Krampfaderleiden, das aufgrund anderer Venenerkrankungen entsteht, nennt der Arzt eine sekundäre Varikose.

Sonderform Speiseröhren-Krampfadern. Eine klinisch bedeutende sekundäre Varikose sind Speiseröhrenkrampfadern (Näheres siehe dort).

Komplikationen
In fortgeschrittenem Stadium führt der gestörte venöse Blutabfluss dazu, dass sich jetzt auch die tiefen Beinvenen erweitern und ihre Klappen undicht werden. Es droht eine |chronisch venöse Insuffizienz, die auch als Endstadium oder Folgeschaden der |tiefen Venenthrombose auftritt.

Krampfadern können auch reißen und zu massiven Blutungen führen. Wiederholte Blutungen aus Bein-Krampfadern entziehen dem Körper durch den Blutverlust nicht nur viel Eisen, sondern werden auch zum Ausgangspunkt schlecht heilender Wunden mit schweren Infektionen.

Weitere Komplikationen sind die Entzündung (Thrombophlebitis) sowie in fortgeschrittenen Stadien auch Wundheilungsstörungen und offene Beine (Beingeschwür, Ulcus cruris).

Diagnosesicherung

Die Untersuchung der Beine im Stehen zeigt dem Arzt, welche oberflächlichen Venenabschnitte erweitert sind. Mit dem Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie) prüft er den Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems. Außerdem sucht er nach Zeichen der fortgeschrittenen chronisch-venösen Insuffizienz wie Ödemen und Hautveränderungen.

Eine Röntgenuntersuchung der Venen mit Kontrastmittel (Phlebografie) ist nur bei Verdacht auf eine zusätzliche tiefe Beinvenenthrombose notwendig.

Behandlung

Bei der Behandlung von Krampfadern gilt es nicht nur, die Beschwerden zu lindern und eventuelle Blutungen und Entzündungen zu behandeln. Wichtig ist auch, die Ausbreitung der Erkrankung auf das tiefe Venensystem zu verhindern.

Eine Heilung der Krampfadern ist jedoch nicht möglich, da keine wirksamen Medikamente zur Verfügung stehen. Somit bleiben lediglich die Möglichkeiten, die Krampfadern durch einen operativen Eingriff zu beseitigen oder den normalen Blutfluss in den Krampfadern durch dauerhaften Druck (Kompression) von außen zu unterstützen. Daneben kann der Patient mit einigen Basismaßnahmen (siehe unten) seine Venen stärken und das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten.

Kompressionsbehandlung
Für die Kompressionsbehandlung gibt es Strümpfe der Kompressionsklassen I (leichte) bis IV (sehr starke Kompression). Stützstrümpfe entsprechen der Kompressionsklasse I, sie sind eine Hilfe bei schweren, müden Beinen und gering ausgebildeten Krampfadern. Bei fortgeschrittenen Krampfadern mit Schwellungsneigung sind Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse II erforderlich, um das Zurückfließen des Bluts durch undichte Venenklappen zu verhindern. Damit wird dem Fortschreiten der Krampfaderbildung sowie Entzündungen, Blutungen und offenen Hautstellen vorgebeugt. Auch nach einer Venenoperation wird der anhaltende Operationserfolg durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen unterstützt. Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklassen III und IV sind nur in Ausnahmefällen bei schwerer chronisch-venöser Insuffizienz nötig.

Behandlung der blutenden Krampfader
Wenn eine Krampfader zu bluten beginnt (Varizenruptur, Venenruptur), droht erheblicher Blutverlust. Der Betroffene muss das Bein hochlegen und die blutende Vene mit einer Wundauflage abdrücken, bis die Blutung zum Stehen kommt. Ein anschließender Druckverband verhindert eine Nachblutung. Er muss bis zum Verheilen der Wunde regelmäßig erneuert werden. Wenn Krampfadern bluten, ist es Zeit, mit dem Arzt zu besprechen, ob eine Operation oder Verödung der Vene zweckmäßig ist.

Operative Behandlung
Operative Maßnahmen können Krampfadern beseitigen oder dauerhaft verschließen. Kleine Krampfadern behandelt der Arzt durch Lasertherapie oder Verödung (Sklerosierung). Hierbei wird durch Hitze oder in die Vene gespritztes Venenverödungsmittel die Gefäßinnenwand zerstört und so eine künstliche Entzündung provoziert. Die Vene verschließt sich dadurch und ein bindegewebiger Umbau folgt. Bei größeren Venen führt diese Methode leider nicht zu einem andauernden Erfolg. Sie ist zudem mit der Gefahr verbunden, dass das Verödungsmittel in das tiefe Venensystem fließt und dort eine Thrombose auslöst. In diesem Fall werden die erweiterten Venen besser teilweise oder vollständig operativ entfernt (|Stripping) und die Perforansvenen unterbunden, sodass kein Blut mehr vom tiefen ins oberflächliche Venensystem gelangen kann.

Stripping
Die am häufigsten vorgenommene Operation zur Entfernung von Krampfadern ist das Stripping, bei dem der Gefäßchirurg die betroffenen Abschnitte der geschädigten Vene herauszieht. Dieser Eingriff wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert 30 Minuten bis 1 Stunde. Sind die Krampfadern nicht nur ein kosmetisches Problem, so übernehmen die Kassen die Kosten für ihre Entfernung.

Zu Beginn des Eingriffs bindet der Chirurg die Vene oberhalb des geschädigten Bereiches nahe der Verbindungsstelle zwischen oberflächlicher und tiefer Beinvene ab. Am Oberschenkel liegt diese Stelle in der Leiste, am Unterschenkel in der Kniekehle. Anschließend durchtrennt er das Gefäß unterhalb der Krampfader.

Um das Gefäß aus dem Bein zu ziehen, schiebt er nun einen Draht mit einer Sonde von unten durch den gelösten Abschnitt. Oben angekommen, befestigt er beim klassischen Stripping am Ende einen Metallknopf und zieht dann die Sonde mitsamt der Vene aus dem Bein. In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl schonenderer Verfahren entwickelt, bei denen meistens kleinere Schnitte und verbesserte Sonden eingesetzt werden. Beim invaginierenden Mini-Stripping beispielsweise wird der obere Venenabschnitt am Sondenkopf festgeschnürt, sodass sich die Vene beim Herausziehen nach innen stülpt, und beim Pin-Stripping wird eine besonders feine Sonde benutzt. Ein sehr schonendes Verfahren ist das Kryo-Stripping. Dabei vereist der Arzt das betroffene Venenstück mithilfe einer Kältesonde.

Gesunde Venensegmente belässt der Operateur, damit für eine möglicherweise später erforderliche Bypassoperation noch Material verfügbar ist. Abschließend verknotet er die nun funktionslosen bzw. ebenfalls betroffenen Perforansvenen (sie werden – medizinisch gesprochen – unterbunden).

Nach der Operation
Trotz aller Vorsicht beschädigt das Stripping immer kleine Seitenäste der Vene, Lymphgefäße und feine Nervenfasern. Oft bilden sich auch große Blutergüsse. Bereits am Tag nach dem Eingriff beginnt die Bewegungstherapie, die einen entscheidenden Beitrag zur Heilung leistet. Die ersten 1–2 Wochen nach der Operation bleibt der Patient noch krankgeschrieben. Um die Heilung zu beschleunigen und Blutungen zu verhindern, muss er zudem für etwa 3 Monate Kompressionsstrümpfe der Klasse II tragen.

Prognose

Nach einem operativen Eingriff bilden sich in ~ 5 % der Fälle erneut Krampfadern. Dies liegt unter anderem daran, dass die angeborene Veranlagung zur Krampfaderbildung fortbesteht.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Schuhwerk. Tragen Sie flache, bequeme Schuhe, die die natürliche Abrollbewegung beim Gehen zulassen und dadurch die Muskelvenenpumpe aktivieren. Tragen Sie bei Senkspreizfüßen Einlagen, |orthopädische Hilfsmittel. Bevorzugen Sie beim Schuhwerk offene Schuhe und Sandalen, die Luft an Ihre Füße lassen. Gefütterte Winterschuhe sollten Sie am Arbeitsplatz wechseln, denn auch sie fördern die abendlichen schweren Beine.

Training. Neben einer Kompressionsbehandlung (Selbsthilfe-Tipps finden Sie bei der |chronisch venösen Insuffizienz) ist viel Bewegung und wenig Sitzen oder Stehen gut für die Venen. Nehmen Sie sich Zeit für eine tägliche Venengymnastik, beispielsweise 10 Minuten die Beine an die Wand hochlegen, Heben, Senken und Krallen der Zehen, Kreisen und Wippen der Fußspitzen, im Stehen abwechselnd Zehen- und Fersenstand. Viele dieser Übungen sind auch tagsüber während der Arbeit oder beim Sitzen am Schreibtisch möglich. Ungünstig sind das Übereinanderschlagen oder Baumelnlassen der Beine sowie große Kraftanstrengungen mit hohem Pressdruck, z. B. beim schweren Heben. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Ihre Beine hochzulegen. Wenn Sie längere Zeit sitzen müssen (Langstreckenflug, weite Autofahrtrecken usw.) benutzen Sie immer wieder die Muskelpumpe (Zehen zur Nase ziehen, auf den Fersen wippen) oder gehen Sie nach Möglichkeit zwischendurch einige Schritte. Günstig sind Aktivitäten wie Laufen, Wandern, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Skilanglauf. Venen sind auf eine gut trainierte Beinmuskulatur angewiesen.

Schlafen. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen wirkt der gezielte Entzug von Wärme oft Wunder. Im Winter reicht manchmal schon das Querlegen der Bettdecken, sodass die Beine offen liegen (frieren die Zehen, so können Socken helfen). Im Hochsommer hilft ein nasses und wieder ausgewrungenes Badetuch, das in Unterschenkelhöhe auf die Matratze gelegt wird. Auch eine kurze kalte Beindusche kann die Wadenkrämpfe stoppen, ebenso wie ein Glas magnesiumhaltiges Mineralwasser.

Komplementärmedizin
Kneipp-Anwendungen: Kneipp-Wassertreten und Wechselduschen der Beine mit kaltem und warmem Wasser vom Fuß bis zur Leiste lindern die Beschwerden, wobei kaltes Wasser den Abschluss bilden muss. Reiben Sie danach Füße und Beine mit einer Hautpflegecreme ein.

Hitze ist Gift für die Venen. Meiden Sie daher Solarien, Sonnenbäder, heiße Vollbäder und tropische Hitze. Auf Saunagänge brauchen Sie nicht zu verzichten, wenn Sie bei den Kaltphasen nach dem Saunagang Ihre Beine nicht vergessen – kalte Güsse tun den Venen gut, und viele Betroffene finden auch minutenlange eiskalte Fußbäder erfrischend. Alternativ können Sie Fußwechselbäder probieren. Füllen Sie einen Bottich mit ganz kaltem und einen mit möglichst heißem Wasser. Stellen Sie die Füße abwechselnd in je einen Bottich. In der Sauna sollten Sie die Füße stets hochlegen.

Pflanzenheilkunde. Von den frei verkäuflichen Venenmittel konnten Rosskastaniensamen-Extrakte in Studien eine gewisse Wirkung auf Beschwerden bei Beinvenenerkrankungen zeigen. Untersucht wurden dabei Tagesdosen von 200 mg Aescin (etwa 300 mg Extrakt in retardierter Form). Wichtig ist jedoch, dass die Pflanzenmedizin nur eine zusätzliche Behandlung darstellt und keinesfalls die Basistherapie mit Bewegung und Kompression ersetzen darf.

Weiterführende Informationen

http://www.venenliga.de|www.venenliga.de – Internetseite der Deutschen Venen-Liga e. V., Bad Bertrich: Umfangreiche Informationen und Hilfen zu Venenleiden. H. Höfer: Gesunde Venen, schöne Beine. Das Gefäßtraining für den Alltag. Empfohlen von der Deutschen Venen-Liga. Schlütersche, 2015. E. Mendoza: Ratgeber Krampfadern, Beinschwellung, Thrombose. Springer, 2016.

Bluthochdruck

Quelle: apotheken.de | 22.10.2009 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Die Hälfte der über 50-Jährigen leidet an Bluthochdruck.5

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte von mindestens 140/90 mmHg. Etwa 25 % der erwachsenen Bevölkerung und die Hälfte der über 50-Jährigen leiden an Bluthochdruck, wobei knapp ein Drittel der Betroffenen nichts davon weiß. Doch auch unbemerkt kann erhöhter Bluthochdruck zu schweren Organschäden führen und muss deshalb behandelt werden. Dabei kommen neben einem gesundheitsbewussteren Lebensstil mit Nikotinverzicht, Gewichtsreduktion und Bewegung vor allem blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz.

Als Blutdruckentgleisung (hypertensiver Notfall) bezeichnet man akute Blutdruckwerte über 230/130 mmHg. Es drohen dann Verwirrtheit, Krampfanfälle oder auch schwerwiegende Komplikationen wie der akute Schlaganfall, die akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem oder die Aortendissektion. Eine sofortige Blutdrucksenkung durch einen (Not-)Arzt und die Einweisung in eine Klinik sind erforderlich!

Symptome und Leitbeschwerden

Häufig symptomlos Kopfschmerzen beim Aufwachen, vor allem im Hinterkopfbereich Herzklopfen, stechende Brustschmerzen Häufiges Nasenbluten Atemnot bei Belastung Schwindelanfälle, Ohrensausen, Sehstörungen, Verwirrtheit.

Bei zugrunde liegenden Hormonstörungen:

Muskelschwäche, auffällig viel Durst und häufiger Harndrang, ungewöhnliches Schwitzen, ausgeprägte Gewichtsveränderungen.

Bei Blutdruckentgleisung:

Möglicherweise Sehstörungen, Schwindel, stärkste Kopfschmerzen, Atemnot, Herzschmerzen oder reißende Schmerzen im Brustkorb oder Bauchbereich, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungserscheinungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
erstmals hohe Blutdruckwerte gemessen werden sich Beschwerden wie grundloses Nasenbluten (außer bei Jugendlichen während der Pubertät), Blut im Urin oder Kopfschmerzen beim Aufwachen häufen sich Körperform, Gewicht, Durst, Wasserlassen, Schwitzen oder die Belastungsfähigkeit auffällig ändern Herzklopfen, Schwindelanfälle oder Sehstörungen auftreten.

Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn die Blutdruckwerte
anhaltend über 200/130 mmHg liegen sich mit den vom Arzt verschriebenen Medikamenten nicht absenken lassen mit Unwohlsein verbunden sind.

Die Erkrankung

Bluthochdruck liegt vor, wenn bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Zeiten in Ruhe Werte von 140/90 mmHg und mehr ermittelt wurden.

Je nach systolischen und diastolischen Blutdruckwerten unterscheiden die Ärzte folgende Blutdruck-Zustände

Optimaler Blutdruck: < 120/80 mmHg Normaler Blutdruck: < 130/85 mHg Hoch-normaler Blutdruck: 130/85–139/89 mmHg Hypertonie Grad I: 140/90–159/99 mmHg Hypertonie Grad II: 160/100–179/109 mmHg Hypertonie Grad III: > 180/110 mmHg Hypertensiver Notfall: > 230/120 mmHg

Daneben gibt es die isolierte systolische Hypertonie mit systolischen Werten > 140 mmHg und diastolischen Werten < 90 mmHg, die vor allem bei älteren Menschen auftritt. Bei dauerhaft > 120 mmHg erhöhten diastolischen Blutdruckwerten spricht man von einer malignen Hypertonie, die zu schweren Netzhautveränderungen und Nierenschäden führt.

Formen und Ursachen
Ein Bluthochdruck kann sich aufgrund verschiedener Ursachen entwickeln, in vielen Fällen kombinieren sich die auslösenden Faktoren, der Arzt spricht dann von einer multifaktoriellen Genese. So führen z. B. versteifte Arterien und ein erhöhtes Blutvolumen zu einem gesteigerten Druck im Gefäßsystem. Auch das ZNS sowie Hormone können zu einer Engstellung der Blutgefäße führen und damit einen Anstieg des Blutdrucks bewirken. Der eigentliche Auslöser dieser Prozesse bleibt häufig unklar.

So ist die auslösende Ursache bei der essenziellen Hypertonie (primäre Hypertonie, idiopathische Hypertonie, über 90 % aller Bluthochdruckpatienten) unbekannt. Die familiäre Häufung zeigt, dass erbliche Faktoren bei der Entstehung von Bluthochdruck eine wichtige Rolle spielen. Daneben begünstigt ein ungesunder Lebensstil die Entwicklung einer essenziellen Hypertonie, z. B.

Rauchen erhöhter Kaffee-, Alkohol- und Salzkonsum Bewegungsmangel Übergewicht (Adipositas) Stress.

Bei Frauen ist Bluthochdruck oft mit den hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren verbunden, ohne dass man die genauen Zusammenhänge kennt. Vor den Wechseljahren leiden Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer.

Die sekundäre Hypertonie ist dagegen ein Bluthochdruck, der in Folge einer anderen Erkrankung entsteht. Dies kommt bei etwa 5–10 % der Hochdruck-Patienten vor. Im Gegensatz zur essenziellen Hypertonie ist die sekundäre Hypertonie heilbar, wenn die auslösende Ursache beseitigt wird.

Vor allem die Niere kann über die Ausschüttung blutdruckwirksamer Substanzen und über die ausgeschiedene Harnmenge den Blutdruck beeinflussen. Viele chronische Nierenerkrankungen sind daher auch mit hohem Blutdruck verbunden, z. B. die |Glomerulonephritis. Daneben täuscht eine Verengung der für die Nierendurchblutung verantwortlichen Arterie (Nierenarterienstenose) einen zu niedrigen Blutdruck vor, was ebenfalls blutdrucksteigernde Reaktionen in Gang setzt (renale Hypertonie). Wenn man zu lange wartet, um die Verengung zu beseitigen, kann es sein, dass der Bluthochdruck "fixiert" wird und trotz einer Operation bestehen bleibt. 50 % der Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom entwickeln einen Bluthochdruck. Hier vermuten die Ärzte, dass der durch den Sauerstoffmangel im Schlaf ausgelöste Dauerstress den Blutdruck in die Höhe treibt. Eine ganze Reihe von Erkrankungen der Hormondrüsen (so z. B. Erkrankungen der Nebenniere, der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse und der Hirnanhangsdrüse) kann neben anderen Beschwerden auch den Blutdruck erhöhen, z. B. bei |Conn-Syndrom |Phäochromozytom |Cushing-Syndrom |Adrenogenitalem Syndrom |Akromegalie |Schilddrüsen-Überfunktion |Nebenschilddrüsen-Überfunktion. Unter der Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. der |"Pille" oder Kortison, kann sich ein Bluthochdruck entwickeln. Außer den Genussmitteln Nikotin und Alkohol führt auch ein regelmäßiger hoher Konsum von Lakritze (> 250 g/Tag) zu einem Bluthochdruck. Gefäßfehlbildungen sind ebenfalls mögliche Ursachen für einen Bluthochdruck. So z. B. bei einer |Aortenisthmusstenose, bei der die erhöhten Blutdruckmesswerte typischerweise nur auf die Arme begrenzt sind.

Verlauf und Komplikationen
Langjährig erhöhter Blutdruck führt zur Verdickung der linken Herzkammermuskulatur, weil die linke Herzkammer gegen den permanent erhöhten Gefäßwiderstand der Körperschlagadern anpumpen muss. Der verdickte Herzmuskel braucht aber entsprechend mehr Sauerstoff für seine Mehrleistung. Dieser Mehrbedarf kann so ausgeprägt sein, dass die Herzkranzgefäße keine ausreichende Durchblutung des Herzmuskels mehr gewährleisten und bei Belastung eine |Angina pectoris auftritt. Im weiteren Verlauf erschöpft der Herzmuskel und es entwickelt sich eine |Herzinsuffizienz sowie eine Neigung zu Herzrhythmusstörungen und |arteriosklerotischen Gefäßveränderungen wie z. B. KHK, pAVK oder Nierenarterienstenose.

Bei vielen Patienten treten essenzielle Hypertonie, Übergewicht sowie ein gestörter Glukose- und Fettstoffwechsel gemeinsam auf. Dieser Symptomkomplex wird als metabolisches Syndrom bezeichnet und geht mit einem besonders hohen Risiko für die oben beschriebenen Herz-Kreislauferkrankungen einher.

Diagnosesicherung

Weil der Blutdruck auch bei Gesunden natürlichen Schwankungen unterliegt und sich von Minute zu Minute ändert, darf einzelnen Messwerten nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. So führt z. B. die innere Anspannung bei Arztbesuchen dazu, dass sich ~ 30 % der dort (meist zu hoch) gemessenen Blutdruckwerte bei Kontrollen nicht bestätigen (Weißkittelhochdruck).

Bei schwankenden Blutdruckwerten ist der Mittelwert aus wenigstens 12 Messungen über eine Woche verteilt als verlässlicher Blutdruckwert anzusehen. Auch eine Langzeit-Blutdruckmessung eignet sich bestens, um den tatsächlichen Blutdruck zu ermitteln. Sie hat den Vorteil, dass sie auch die nächtlichen Blutdruckwerte berücksichtigt.

Bei neu entdecktem Bluthochdruck muss der Arzt zunächst abklären, ob es sich um eine essenzielle oder sekundäre Form handelt und ob bereits Folgeschäden bestehen. Er prüft daher, ob eine familiäre Veranlagung für Bluthochdruck bekannt ist und möglicherweise Risikofaktoren oder Hinweise für Herz- und Gefäßkrankheiten, Nierenerkrankungen oder Hormonstörungen vorliegen.

Meist schließen sich Laboruntersuchungen, EKG, Echokardiografie, Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes und der Nierengegend sowie eine Urinuntersuchung an. Bei Verdacht auf eine Nierenarterienstenose führen Farbduplexsonografie, Digitale Substraktionsangiografie (DAS) oder die MR-Angiografie zur Diagnose.

Am Augenhintergrund sind die Folgen des Bluthochdrucks schon vergleichsweise früh durch Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen sichtbar. Dies kann im Zweifelsfall den Ausschlag zur Behandlung auch bei nur gering erhöhten Bluthochdruckwerten geben. Da die Augen einen Anteil des Gehirns darstellen, ist bei Hypertonikern die Spiegelung der Netzhaut sehr wichtig. Vom Durchblutungszustand des Augenhintergrundes kann der Arzt einen Rückschluss auf den Durchblutungszustand des Gehirns ziehen.

Behandlung

Ob und wie weit der Blutdruck gesenkt werden soll, hängt vom Gesamtrisiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, vom Allgemeinzustand und den Wünschen des Patienten ab. Bei einem sekundären Bluthochdruck muss allerdings die zugrundeliegende Erkrankung bzw. der Auslöser behandelt werden. Das bedeutet beispielsweise die nächtliche Überdruckbeatmung mit CPAP-Maske beim Schlafapnoesyndrom, der Ersatz der "Pille" durch andere Verhütungsmittel, wenn diese zu einem Hochdruck geführt hat oder das Erweitern einer verengten Nierenarterie mit dem Katheter.

Therapiebeginn
Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen bei einer leichten Hypertonie Grad I (Blutdruckwerten ab 140/90 bis 159/99 mmHg) zunächst einen mehrmonatigen Versuch, die Blutdruckwerte mithilfe von Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion und Nikotinverzicht zu senken. Gelingt dies nicht, kommen blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz. Eine Hypertonie Grad II (> 160/100 mmHg) soll unmittelbar medikamentös therapiert werden. Das entbindet den Patienten nicht von der Mitarbeit: Die Hinwendung zu einem gesünderen Lebensstil mit Nikotinverzicht und Bewegung ist ebenfalls unabdingbar. Bei Hoch-normalem Blutdruck bis 139/89 mmHg ist eine medikamentöse Behandlung angezeigt, wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Diabetes, |Fettstoffwechselstörung, Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Übergewicht, körperliche Inaktivität, fortgeschrittenes Alter oder Bluthochdruck bei Blutsverwandten bestehen oder bereits bluthochdruckbedingte Herz- und Nierenschäden oder arteriosklerotische Veränderungen der Blutgefäße nachweisbar sind. Bei der isolierten systolischen Hypertonie beginnt der Arzt erst ab systolischen Werten über 160 mmHg mit der medikamentösen Therapie. Der Neubeginn einer blutdrucksenkenden Therapie sollte bei Menschen über 80 Jahren erst bei systolischen Blutdruckwerten > 160 mmHg erfolgen.

Zielwerte
Hat sich der Patient zu einer blutdrucksenkenden Therapie entschlossen, strebt der Arzt die Absenkung des systolischen Blutdruckwertes auf 140 mmHg und die Absenkung des diastolischen Werts auf 90 mmHg an. Bei Diabetikern sollte ein Zielblutdruck von 140/85 mmHg erreicht werden.

Viel Beachtung erlangte 2015 die SPRINT-Studie. Sie kam zu dem Ergebnis, dass bei Nicht-Diabetikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko die Gesamtsterblichkeit deutlich reduziert werden kann, wenn der systolische Blutdruck auf Werte um 120 mmHg gesenkt wird. Ferner legen die Studienergebnisse auch bei mildem Bluthochdruck eine konsequente Behandlung nahe.

Bei älteren Menschen über 65 Jahre toleriert der Arzt manchmal Blutdruckwerte bis 160/100 mmHg ohne Behandlung, wenn eine Neigung zu Schwindel und Stürzen bekannt ist oder frühere Behandlungsversuche mit Hochdruckmedikamenten zu Schwindel oder anderen schwer zu ertragenden Nebenwirkungen geführt haben.

Basismaßnahmen – Änderung des Lebenstils
Eine Verhaltensänderung hin zu einem gesunden Lebensstil senkt den Blutdruck um etwa 10 mmHg. Dadurch wird nicht nur eine Reduktion der notwendigen Blutdruckmedikamente erreicht, bei nur leicht bis mäßig erhöhten Blutdruckwerten kann eine medikamentöse Therapie sogar überflüssig werden. In der Praxis sind aber leider viel zu wenige Patienten bereit, den anstrengenden Weg einer Änderung des Lebensstils zu gehen, obwohl damit neben dem Bluthochdruck auch andere Risikofaktoren, z. B. die Blutfette und auch die psychische Konstitution, sehr günstig beeinflusst werden – was Tabletten nicht bewirken können. Welche Maßnahmen dabei besonders wirksam sind und Tipps zur Durchführung lesen Sie unter "Ihr Apotheker empfiehlt".

Pharmakotherapie
Zur medikamentösen Therapie des Bluthochdrucks stehen dem behandelnden Arzt sieben Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die er einzeln oder in Kombination verordnen kann. Welches Medikament wann zum Einsatz kommt, wird von medizinischen Fachgesellschaften immer wieder an die Ergebnisse aktueller Studien angepasst (und ist leider auch nicht ganz frei vom Einfluss der Pharmafirmen).

Daneben richtet sich die Medikamentenauswahl nach den individuellen Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit. So ist z. B. ein Betablocker zur Blutdruckbehandlung bei Patienten mit Bronchialasthma ungünstig. ACE-Hemmer führen manchmal zu unangenehmem trockenen Husten und müssen dann mit einem anderen Wirkstoff, zum Beispiel einem Sartan, ersetzt werden.

Folgende Antihypertensiva werden aktuell empfohlen:

ACE-Hemmer senken den Blutdruck über eine Erweiterung der Blutgefäße, eine Beeinflussung der Herztätigkeit und eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung der gesunden Niere. Hierzu gehören z. B. Benazepril, Captopril, Cilazapril, Enalapril, Fosinopril, Lisinopril, Moexipril, Perindopril, Quinapril, Ramipril, Trandolapril, Zofenopril. AT1-Blocker (Sartane) wirken ähnlich wie ACE-Hemmer und können diese bei Unverträglichkeiten (z. B. bei Reizhusten oder Quincke-Ödem) ersetzen. Hierzu gehören z. B. Candesartan, Eprosartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan, Telmisartan, Valsartan. Kalziumantagonisten senken den Blutdruck durch Erweiterung der Blutgefäße, einige bremsen zusätzlich die Herzfrequenz. Hierzu gehören z. B. Amlodipin, Diltiazem, Felodipin, Isradipin, Lercanidipin, Manidipin, Nifedipin, Verapamil. |Diuretika fördern anfänglich die Flüssigkeits- und Kochsalzausscheidung und bewirken dauerhaft eine Erweiterung der Blutgefäße. Sie werden häufig mit anderen Bluthochdruckmitteln kombiniert. Hierzu gehören z. B. Amilorid, Chlortalidon, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Indapamid, Piretanid, Torasemid, Spironolacton, Triamteren, Xipamid. Betablocker senken den Blutdruck, indem sie das Herz entlasten und die Herzfrequenz reduzieren. Hierzu gehören z. B. Acebutolol, Atenolol, Betaxolol, Bisoprolol, Carvedilol, Celiprolol, Esmolol, Metoprolol, Nebivolol, Pindolol, Propranolol.

Als Reservemedikamente werden heute angesehen:

Alpha 1-Blocker (Alpha-Rezeptorenblocker) und Antisympathotonika: Diese Wirkstoffe beeinflussen direkt oder indirekt die Einwirkung des sympathischen Nervensystems auf den Gefäßtonus und erweitern so die Blutgefäße. Sie sind z. B. bei Schwangerschaftshochdruck indiziert. Hierzu gehören z. B. Clonidin, Doxazosin, Prazosin, Terazosin, Urapidil. Renin-Hemmer wie Aliskiren hemmen direkt das blutdrucksteigernde Hormon Renin. Es wird vor allem bei hypertensiven Krisen eingesetzt oder wenn eine Zweier- oder Dreierkombination der empfohlenen Wirkstoffe den Bluthochdruck nicht ausreichend senken kann. Renin-Hemmer dürfen jedoch nicht mit ACE-Hemmern oder Sartanen kombiniert werden. Direkt gefäßerweiternd wirkende Substanzen (Vasodilatanzien), die den Blutdruck durch Senkung des arteriellen Gefäßwiderstands erniedrigen. Hierzu gehören z. B. Dihydralazin, Minoxidil und als kurz wirksame Medikamente die sog. Nitrate wie z. B. Nitroprussid-Natrium.

Monotherapie oder Kombitherapie?
Es gibt verschiedene Empfehlungen, ob der Bluthochdruck zunächst mit einer Monotherapie oder gleich mit einer Kombination verschiedener Wirkstoffe behandelt werden soll. Bei sehr gebrechlichen Patienten, über 80-Jährigen oder Patienten mit einer Hypertonie Grad I und niedrigem kardiovaskulärem Risiko verordnen die Ärzte zunächst nur einen Wirkstoff, z. B. einen ACE-Hemmer, ein Sartan oder ein Diuretikum. Reicht dessen Wirkung nicht aus, kann der Arzt entweder die Dosierung erhöhen oder die Therapie um einen zweiten Wirkstoff ergänzen.

Gleich mit einer Zweier-Kombination beginnen die Ärzte die Therapie einer Hypertonie Grad II oder wenn der Patient ein hohes kardiovaskuläres Risiko aufweist. Ab einer Hypertonie vom Grad II sowie bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen, wird in der Regel sofort mit einer Zweier-Kombination begonnen. Typische Kombinationen sind z. B. ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum oder Kalziumantagonist; bei Patienten mit KHK wird als Kombinationswirkstoff ein Betablocker gewählt. Ist mit der Zweier-Kombination der angestrebte Blutdruck nicht zu erreichen, kommt ein dritter Wirkstoff hinzu (ACE-Hemmer oder Sartan plus Diuretikum plus Kalziumantagonist). Die volle Wirkung von Hochdruckmitteln tritt erst nach 2 bis 6 Wochen ein. Manche Wirkstoffkombinationen werden von der Pharmaindustrie bereits in einer einzelnen Tablette angeboten, sodass sich die Anzahl der täglich einzunehmenden Tabletten reduziert.

Hinweis: Benötigen Patienten, die Kalziumantagonisten erhalten, eine Antibiotika-Behandlung, sollten Ärzte vorsichtig sein. Die Kombination der blutdrucksenkenden Mittel mit den Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin verursacht einen starken Blutdruckabfall. Das Risiko für die Patienten, dadurch einen Schock zu erleiden, erhöht sich unter Erythromycin um das Sechsfache und unter Clarithromycin um das Vierfache. Zur Behandlung von bakteriellen Infektionen bei betroffenen Patienten eignet sich alternativ das Antibiotikum Azithromycin.

Operative Therapie
Wenn sämtliche medikamentösen Versuche, den Blutdruck einzustellen, versagen, spricht der Arzt von einem therapieresistenten Bluthochdruck. Um auch diesen Patienten zu helfen, befinden sich verschiedene Verfahren in der klinischen Erprobung:

Barorezeptoraktivierungstherapie (BAT). Stimulation der in der Halsschlagader (Arteria carotis) befindlichen Druckrezeptoren (Barorezeptoren) mit eingepflanzten Stimulationselektroden. Auf diese Weise wird den Druckrezeptoren ein hoher Druck in den Gefäßen vorgetäuscht, es kommt zu einer Gegenregulation mit Blutdruckabfall. Weltweit wurden bisher mehrere hundert Patienten mit dem Verfahren behandelt. Bei etwa 3/4 der Betroffenen kam es zu Blutdrucksenkungen von 20–30 mmHg. Die klinischen Prüfungen dauern an, endgültige Empfehlungen sind noch nicht möglich. Renale Denervation. Hier versuchen die Ärzte, die Niere vom sympathischen Nervensystem (dem "Stressnervensystem") abzukoppeln, wodurch der Blutdruck dauerhaft sinkt. Dafür schieben sie einen Katheter in die Nierenarterie vor und veröden die autonomen Nervenfasern in dem Blutgefäß mit Strom. Das Verfahren ist ebenfalls noch in der klinischen Erprobung und teilweise umstritten.

Prognose

Je früher ein Bluthochdruck erkannt und behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass sich Folgeschäden entwickeln. Zur Abschätzung des individuellen Herzkreislaufrisikos durch Bluthochdruck und andere Risikofaktoren gibt es verschiedene klinische Punktebewertungssysteme wie z. B. den Procam-Score und den ESC-Score (Links zu den Scores unter Weiterführende Informationen).

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention
Bluthochdruck ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, KHK, Schlaganfall, Nierenfunktionsstörung oder Durchblutungsstörungen von Gliedmaßen, die der Patient selbst beeinflussen kann. Kontrollieren Sie deshalb ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich und ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich den Blutdruck (in mehreren Einzelmessungen), um rechtzeitig auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks aufmerksam zu werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn Bluthochdruck bei Eltern oder Geschwistern bekannt ist. Auch eine gesunde Lebensweise beugt Bluthochdruck nachweislich vor. Forscher fanden sechs Faktoren, die das Erkrankungsrisiko maßgeblich verringerten:

Normalgewicht täglich eine halbe Stunde intensiver Sport Zurückhaltung beim Alkoholkonsum Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten Ernährung mit wenig rotem Fleisch, Wurst und Süßgetränken

Was Sie selbst tun können
Medikamentöse Therapie. Nebenwirkungen der Hochdruckmedikamente (wie Leistungsknick oder Potenzprobleme) sind leider häufig. Hier ist es auf jeden Fall besser, gemeinsam mit dem Arzt über einen Präparatwechsel nachzudenken, als einfach mit der Tabletteneinnahme aufzuhören. Manchmal ist auch nur Geduld erforderlich. Treten z. B. zu Beginn einer Blutdruckbehandlung Müdigkeit oder Schwindel auf, so muss dies keine Medikamentenunverträglichkeit sein, sondern kann eine Folge des ungewohnten normalen Blutdrucks darstellen, an den sich der Körper erst wieder gewöhnen muss.

Nehmen Sie Ihre Blutdruckmedikamente regelmäßig und langfristig ein. Nur so ist die Wirksamkeit der Behandlung gewährleistet. Wenn die Blutdruckwerte nach einiger Zeit zu hoch oder zu niedrig sind, besprechen Sie mögliche Therapieänderungen mit Ihrem Arzt.

Leisten Sie sich als Bluthochdruckpatient ein eigenes Blutdruckmessgerät zur Selbstmessung, das erleichtert die Kontrolle der Blutdruckeinstellung. Die Deutsche Hochdruckliga überprüft regelmäßig Blutdruckmessgeräte und verleiht ein Prüfsiegel für deren Messgenauigkeit. Achten Sie darauf, dass Ihr Messgerät ein solches Prüfsiegel hat. Messen Sie immer zur gleichen Tageszeit und am gleichen Ort, z. B. sonntags früh vor dem Frühstück.

Körpergewicht. Am Anfang steht die Normalisierung des Körpergewichts. Der Abbau von 1 kg Übergewicht lässt den Blutdruck um mindestens 1–2 mmHg absinken.

Ernährung. Verwenden Sie möglichst wenig Kochsalz, denn ein hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen mit Bluthochdruck, die Aufnahme von Kochsalz (Natriumchlorid) mit der Nahrung auf maximal 6 g täglich zu beschränken. 6 g Speisesalz entsprechen in etwa einem gestrichenen Teelöffel voll Salz. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt die Speisesalzzufuhr bei ca. 70 % der Frauen und bei ca. 80 % der Männer derzeit zu hoch. Der größte Teil wird über verarbeitete Lebensmittel und den Verzehr außer Haus zubereiteter Speisen zugeführt. Um den Salzkonsum zu reduzieren, sollte der Verzehr verarbeiteter Lebensmittel reduziert und der Verzehr unverarbeiteter Lebensmittel, wie Gemüse und Obst gesteigert werden. Es empfiehlt sich, bei der Speisenzubereitung weniger Salz und stattdessen mehr Gewürze verwenden. Es fällt leichter, die Salzzufuhr zu verringern, wenn dies in kleinen Schritten passiert, damit man sich an den schwächeren Salzgeschmack gewöhnen kann.

Sondertext: Das Salz in der Suppe

Auch eine kalium- und ballaststoffreiche Ernährung mit vielen Früchten (Bananen sind der Kaliumlieferant schlechthin, auch Trockenfrüchte bieten viel davon), Vollkornprodukten und Gemüse lässt den Blutdruck sinken. Möglicherweise haben auch Tomaten eine blutdrucksenkende Wirkung.

So genannte Entlastungstage, z. B. ein Obst, Saft- oder Reistag pro Woche, können über eine Entwässerung und Entsalzung des Körpers zu einer messbaren Blutdrucksenkung führen.

Alkohol. Reduzieren Sie den Alkoholkonsum. Männer sollten maximal 20–30 g, Frauen 10–12 g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. 20 g Alkohol entsprechen etwa 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein – Mengen, die also keine radikalen Einschnitte erfordern.

Bewegung. Regelmäßiges Ausdauertraining ist für Bluthochdruckpatienten eine wichtige Maßnahme zur natürlichen Blutdruckregulierung. Optimal ist ein Training, das Sie zwei- bis dreimal pro Woche für anfänglich 30, später 45 Minuten ausüben. Wichtig ist, während der körperlichen Aktivität auf eine gleichmäßige Belastungsintensität zu achten, sodass es nicht zu gefährlichen Blutdruckspitzen kommt – "Laufen, ohne zu schnaufen" kann dafür als Motto gelten.

Bevor mit einem Krafttraining begonnen wird, ist eine sportmedizinische Eingangsuntersuchung empfehlenswert. Das Training sollte unter der Aufsicht von geschultem Personal stattfinden. Zusätzlich sollte vor jeder Trainingseinheit der Blutdruck gemessen werden. Liegen die Werte zu hoch, ist es sinnvoller zu pausieren. Vermeiden Sie unbedingt Pressatmung und Wettkampfsituationen, die Sie dazu animieren könnten, Ihre körperliche Belastbarkeit zu überschreiten. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe auch ambulante sportorientierte Hochdruckgruppen, bei denen die Trainingsprogramme unter ärztlicher Überwachung stattfinden.

Sonstige Belastungen. Meiden Sie (anhaltende) Stresssituationen in Beruf und Familie, suchen Sie Möglichkeiten zur Entspannung und achten Sie auf ausreichende Nachtruhe. Sowohl Schichtdienst als auch Fernreisen mit Jetlags können den Blutdruck steigern.

Kältereize wie Schwimmen im kalten Wasser, kalte Güsse oder eine kalte Dusche nach körperlicher Anstrengung oder einem Saunabesuch können den Blutdruck in die Höhe treiben. Dagegen wirken sich regelmäßige (morgendliche) Wechselduschen, ansteigende Armbäder oder Fußbäder mit einem pflanzlichen Badezusatz (z. B. Thymian oder Melisse) am Abend positiv auf mäßig erhöhten Blutdruck aus. Ist der Blutdruck stark erhöht, sollten Sie auf Saunabesuche verzichten.

Komplementärmedizin
Pflanzenheilkunde. Zu den häufig eingesetzten blutdrucksenkenden Phytopharmaka gehören Knoblauchextrakte, denen neben ihren blutdrucksenkenden Eigenschaften eine gefäßschützende Wirkung zugeschrieben wird. Täglich 600–900 mg Trockenpulverextrakt Knoblauch (entspricht einer kleinen Zehe) senken den systolischen Blutdruck um etwa 8 mmHg, den diastolischen um 5 mmHg. Knoblauch gibt es auch als Dragees (z. B. Sapec® Dragees oder Kwai®N Dragees). Um die erforderliche Wirkstoffmenge zuzuführen, müssen allerdings je nach Präparat täglich 3 bis 9 Dragees eingenommen werden.

Stressgeplagte Patienten mit mäßig erhöhtem Blutdruck profitieren oft auch von entspannungsfördernden Heilpflanzen wie Baldrianwurzel, Melisseblättern oder Lavendel als ergänzende Maßnahme etwa zu einer Mind-Body- bzw. Entspannungstherapie.

Wegen möglicher Nebenwirkungen (z. B. depressive Verstimmungen) und teilweise gefährlicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sowie mit Alkohol raten viele Autoren von Zubereitungen mit Rauwolfia (Rauwolfia serpentina) ab.

Homöopathie. Die |Homöopathie kennt verschiedene Konstitutionsmittel, die bei mildem Bluthochdruck in Frage kommen, z. B. Arnica, Belladonna, Kalzium carbonicum, Natrium muriaticum, Nux Vomica und Sulfur. Außerdem sind verschiedene Komplexmittel (z. B. Auro-cyl® Homoeopath. Funkt.-Complex Tropfen, Antihypertonicum-Weliplex®) erhältlich.

Hydrotherapie. Wer gerne badet und unter mäßig erhöhtem Bluthochdruck leidet, kann versuchen, seinen Blutdruck mit Kohlensäurebädern zu regulieren. Hierfür wird Kohlensäure als Badezusatz (in der Apotheke erhältlich) in warmes Wasser (etwa 30 °C) gegeben, das Bad sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Physikalische Therapie. Mit |Massagen kann ein hoher Blutdruck zwar nicht signifikant gesenkt werden, Bluthochdruckpatienten profitieren jedoch vom mentalen und muskelentspannenden Effekt.

Akupunktur. Die Nadelung individueller Punkte kann einen leicht erhöhten Blutdruck regulieren, bei stark erhöhtem Blutdruck kann die Akupunktur aber meist nur wenig ausrichten.

Weiterführende Informationen

http://www.hochdruckliga.de|www.hochdruckliga.de – Internetseite der Deutschen Hochdruckliga e. V., Heidelberg: Informationen über Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Bluthochdruck sowie Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe. Dort gibt ist auch einen Patientenleitfaden als pdf zum Herunterladen. http://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html|www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html : Seite der Deutschen Hochdruckliga mit aufgeführten geprüften Messgeräten. Link zu verschiedenen Scores auf der Seite des BNK (Bundesverband Niedergelassener Kardiologen): http://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html|www.scores.bnk.de/index.html.

Herzrhythmusstörungen

Quelle: apotheken.de | 03.09.2019 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
 Im EKG lassen sich Unregelmäßigkeiten des Herzschlags gut nachvollziehen.5

Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern): Zu schneller, zu langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag aufgrund einer gestörten Erregungsbildung oder -ausbreitung im Herzen, mit oder ohne Beschwerden für den Betroffenen.

Herzrhythmusstörungen können jahrelang unbemerkt bleiben (sehr häufig), mit mäßigen oder an bestimmte Situationen gebundenen Beschwerden einhergehen (häufig) oder aber mit schweren Beeinträchtigungen bis hin zum plötzlichen |Herztod verbunden sein (sehr selten). Sie treten sowohl bei Herzgesunden als auch bei Herzkranken auf. Ursachen sind angeborene oder erworbene Herzerkrankungen, aber auch psychische Erregung, Kaffee-, Nikotin- oder Alkoholgenuss sowie Schilddrüsenfunktionsstörungen und Störungen im Elektrolythaushalt.

Therapeutische Optionen bei Herzrhythmusstörungen sind beispielsweise Medikamente, die Implantation eines Herzschrittmachers oder eine Katheterablation.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen Überblick über die möglichen Beschwerden bei Herzrhythmusstörungen, die elektrischen Phänomene im Herz, die Diagnostik und die prinzipiellen Behandlungsmöglichkeiten. Einzelheiten zu den jeweiligen Herzrhythmusstörungen werden in den dazugehörenden Artikeln behandelt.

Symptome und Leitbeschwerden

Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen Kurze Ohnmachtsanfälle, Schwindelgefühl, Angstgefühl Selten: Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit Sehr selten: Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen auftritt.

Sofort den Notarzt rufen, wenn
das Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen nicht mehr aufhört oder mit Angstgefühl, Schwindelbeschwerden oder Atemnot verbunden ist Bewusstseinsstörungen auftreten, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankungen

Herzrhythmusstörungen gehören zu den kompliziertesten Krankheiten in der gesamten Medizin. Um die Störungen besser zu verstehen, werden hier die wichtigsten Grundlagen der elektrophysiologischen Prinzipien im Herzen besprochen:

Elektrische Phänomene in unserem Herzen: Stromstöße, Taktgeber und Verteilerstrecken
Winzige Stromstöße entlang der Zellmembran einer Herzmuskelzelle ändern die elektrische Spannung zwischen Zellinnerem und -äußerem und geben der Herzmuskelzelle so den Befehl zum Zusammenziehen der Herzmuskelfaser. Ohne diese Stromstöße der Herzmuskelzellen könnte der Herzmuskel sich nicht zusammenziehen (kontrahieren) und damit kein Blut aus dem Herzen pumpen.

Damit eine geordnete Herzaktion entsteht, werden diese Stromstöße von einem zentralen Taktgeber gesendet: dem Sinusknoten. Der Sinusknoten ist ein etwa Olivenkern großes Areal im rechten Herzvorhof, dessen Zellen regelmäßig elektrische Signale erzeugen, die sie an die anderen Herzmuskelzellen weiterleiten. Der Sinusknoten ist der natürliche Schrittmacher des Herzens. Wenn er die Herzaktion bestimmt, spricht man vom Sinusrhythmus. Der Takt der Sinusknotenaktivität lässt sich stark vom vegetativen Nervensystem beeinflussen, daher führen z. B. psychische Erregungen zu schnellerem Herzschlag.

Die im Sinusknoten gebildete Erregung wird im Normalfall entlang von Verteilerstrecken, dem Erregungsleitungssystem aus speziellen Herzzellen, auf stets gleiche Weise über das gesamte Herz verteilt. Zunächst werden beide Vorhöfe zur Muskelkontraktion angeregt. Sodann passiert die Erregungswelle den Atrioventrikular-Knoten (AV-Knoten, Aschoff-Tawara-Knoten), der innerhalb der Vorhofscheidewand am Übergang vom Vorhof zur Kammer liegt. Danach teilt sich das Erregungsleitungssystem in zwei als Tawara-Schenkel bezeichnete Faserstränge, deren kleinste Fasern in die Muskulatur der Herzkammern ziehen und die Erregung dorthin weiterleiten.

Störungen
Sowohl bei der Erregungsbildung als auch bei der Erregungsausbreitung können Störungen auftreten. Eingeteilt werden die zahlreichen Herzrhythmusstörungen oft nach der Herzfrequenz und nach Ursprungsort:

Bradykarde Rhythmusstörungen, zu langsamer Herzschlag (< 60 Herzschläge/min). Zu den wichtigsten bradykarden Rhythmusstörungen gehören

im Vorhof: Sick Sinus Syndrom, Sinus-Atrialer Block (SA-Block) im Reizleitungssystem: AV-Block, Schenkelblock.

Tachykarde Rhythmusstörungen mit zu schneller Herzfrequenz (? 100 Schläge/min bei Erwachsenen). Je nach ihrem Ursprung teilt man diese Arrhythmien in supraventrikuläre (in der Muskulatur der Vorhöfe entstehende) und ventrikuläre (in der Muskulatur der Herzkammern entstehende) Rhythmusstörungen.

Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen. Zu den wichtigsten gehören Vorhofflattern Vorhofflimmern Vorhofextrasystolen (supraventrikuläre Extrasystolen) Paroxysmale Tachykardien Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Ventrikuläre Extrasystolen ventrikuläre Tachykardien Kammerflattern Kammerflimmern.

Beschwerden, Diagnose und Therapie der einzelnen Rhythmusstörungen werden in den jeweiligen Artikeln behandelt.

Ursachen der Störungen
Sind die Strukturen des Herzens z. B. durch Infarkt-Narben oder das Ausleiern von Muskelgewebe bei einem vergrößerten Herzen durch bestehende Kardiomyopathie geschädigt, kommt es leicht zu einer Beeinträchtigung der Erregungsleitung. Aber auch Sauerstoffmangel, also eine Ischämie, kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Die häufigsten Ursachen für das Entstehen von Herzrhythmusstörungen sind deshalb

Erworbene Schädigungen des Herzmuskelgewebes (Fibrosen, Infarktnarben, Entzündungen) bei Kardiomyopathie, Aortenklappenstenose, Mitralklappenstenose, Herzmuskelentzündungen Sauerstoffmangel aufgrund von Durchblutungsstörungen, z. B. bei akutem Koronarsyndrom oder Herzinfarkt Degenerative Veränderungen am Sinusknoten oder im Reizleitungssystem Medikamente (Herzglykoside, Antiarrhythmika, Betablocker, Diuretika) Elektrolytstörungen (z. B. Hyperkaliämie, Hypokaliämie, Veränderungen im Magnesium-Haushalt) Lungenembolie Schäden am Herzmuskelgewebe durch herzchirurgische Eingriffe Angeborene Fehlbildungen (z. B. angeborener AV-Block oder angeborene zusätzliche Leitungsbahnen wie beim WPW-Syndrom) Genetisch bedingte Erkrankungen z. B. mit Mutationen im Bereich der Kalium- und Natriumkanäle wie beim Brugada-Syndrom).

Diagnosesicherung

Neben der genauen Befragung, wann und wie sich die Beschwerden bemerkbar machen, werden die verschiedenen Herzrhythmusstörungen durch Tasten des Pulses, Abhören des Herzens, Bestimmung eines |Pulsdefizits und durch das EKG erkannt. Außer dem Ruhe-EKG benötigt der Arzt häufig auch ein Langzeit-EKG oder einen Ereignisrekorder.

Mit einem solchen Ereignis- oder auch Eventrekorder werden Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die sich in der Praxis oder im Langzeit-EKG nicht erwischen lassen. Der Arzt kann dann anhand der Daten die Art und das Ausmaß solcher Ereignisse bestimmen. Ereignisrekorder sind besonders hilfreich, wenn der Patient immer wieder Beschwerden und Rhythmusstörungen verspürt.

Mehrere Systeme stehen zur Verfügung:

Externe, zeitweilige Überwachung: Hierbei drückt der Patient im Falle eines empfundenen Herzstolperns einen scheckkartengroßen Rekorder auf die Brust, damit das EKG über einige Minuten hinweg aufgezeichnet werden kann. Externe, kontinuierliche Überwachung: Hier werden wie bei einem EKG Klebeelektroden angebracht und diese mit einem kleinen externen Rekorder, der ebenfalls aufgeklebt wird oder den der Patient bei sich trägt, verbunden. Dieser Rekorder zeichnet das EKG kontinuierlich auf, der Patient muss also nicht "aufpassen", ob sein Herz stolpert oder arhythmisch wird. Implantierte, kontinuierliche Überwachung: Vermutet der Arzt schwerwiegende, schwer erfassbare Rhythmusstörungen, rät er häufig zur Implantation eines Eventrekorders unter die Haut. Diese Geräte zeichnen über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren die Herzaktionen auf. Treten Rhythmusstörungen auf, speichert das Gerät diese Ereignisse. Außerdem kann der Patient die Aufzeichnung durch ein Handgerät manuell starten, sobald er ein Herzstolpern bemerkt.

Manchmal treten Herzrhythmusstörungen vor allem bei körperlicher Anstrengung auf. In solchen Fällen kann der Arzt die Rhythmusstörungen mit einem Belastungs-EKG aufdecken. In einigen Fällen ist zur Provokation von Herzrhythmusstörungen auch die Gabe bestimmter Medikamente (z. B. Atropin beim Sick Sinus Syndrom) oder eine Schrittmacherstimulation über einen Rechtsherzkatheter nötig.

In seltenen Ausnahmefällen wird die Diagnose durch eine EKG-Ableitung über spezielle Elektrodenkatheter, |EPU gesichert, teilweise ist damit auch zugleich eine Behandlung, |Katheterablation, möglich. Eine solche Untersuchung kann nur in einem kardiologischen Zentrum erfolgen. Eine weitere aufwendige Möglichkeit sind dreidimensionale Mapping-Systeme in Kombination mit einer dreidimensionalen MRT- oder CT. Hier wird mithilfe der Bildgebung und spezieller Messkatheter eine Art elektrophysiologische Landkarte des Herzens erstellt, mit der eventuelle Rhythmusstörungen noch genauer lokalisiert werden können.

Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Ursache und Ausprägung stehen bei Herzrhythmusstörungen eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören neben Medikamenten, die jeweils bei den verschiedenen Herzrhythmusstörungen besprochen werden, vor allem folgende nicht-medikamentösen Behandlungsverfahren:

Katheterablation (Elektroablation): Bei diesem Verfahren wird ein Katheter in die Oberschenkelvene eingeführt und unter Röntgenkontrolle bis zum Herzen vorgeschoben. Über die Katheterspitze werden dann durch Hitze (Hochfrequenzstrom) oder Kälte (sog. Kryoablation) diejenigen Areale gezielt verödet, die für die Entstehung oder Weiterleitung der Rhythmusstörungen verantwortlich sind.

Defibrillation und Elektrokardioversion. Bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kreisen Erregungswellen chaotisch innerhalb der Herzmuskulatur, wodurch keine geregelten Kontraktionen des Herzens mehr möglich sind und somit kein Blut mehr durch den Körper gepumpt werden kann (sog. funktioneller Herzstillstand). Hier kann ein massiver Stromstoß Abhilfe schaffen. Dieser Stromstoß wird von außen über zwei auf dem Brustkorb aufliegende Plattenelektroden verabreicht. Er erregt für einen kurzen Moment alle Herzmuskelzellen gleichzeitig. Damit sind alle elektrischen und auch alle mechanischen Aktionen im Herzen gestoppt. Als erstes Reizbildungszentrum erholt sich der |Sinusknoten, dessen Erregungswellen sich jetzt über das gesamte Herz ausbreiten und somit wieder einen regelmäßigen, effektiven Herzschlag ermöglichen. Diese Elektroschock-Therapie wird im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung als Defibrillation bezeichnet.

Als Elektrokardioversion kommt sie zum Einsatz, wenn noch wirksame Aktionen der Herzkammern vorhanden sind, z. B. wenn Vorhofflattern oder -flimmern in einen regelmäßigen Sinusrhythmus überführt werden soll. Dann wird der Stromstoß für eine optimale Wirkung sorgfältig geplant und über ein Steuergerät mit den EKG-Ableitungen koordiniert abgegeben. Die Kardioversion wird unter Kurznarkose durchgeführt.

Herzschrittmacher (Pacemaker). Der |Schrittmacher ist bei vielen bradykarden Herzrhythmusstörungen eine Therapieoption. Er wird in der Regel an der rechten Brustseite unterhalb des Schlüsselbeins in einer Hauttasche über dem Brustmuskel implantiert und ist so auch leicht durch die Haut hindurch tastbar. Die Herzschrittmacher-Implantation wird meist in örtlicher Betäubung vorgenommen. An den Herzschrittmacher sind Kabel angeschlossen, die Schrittmacherelektroden. Sie werden bei der Implantation unter der Haut hindurch in eine freigelegte Vene am Schlüsselbein eingebracht und in das rechte Herz vorgeschoben. Diese Elektroden verhaken sich mit ihrer Spitze im Herzmuskel. So erreichen die Impulse des Herzschrittmachers die Herzmuskelzellen und breiten sich von dort über das gesamte Herz aus. Bei ungestörter Überleitung der Erregungswelle vom Vorhof auf die Kammer reicht bei Sinusknotenstillstand eine alleinige Stimulation im Vorhof aus, ein so genanntes Einkammer-Schrittmachersystem. Ist zusätzlich der AV-Knoten in seiner Funktion gestört, wird ein Zweikammer-Schrittmachersystem erforderlich, um neben dem Vorhof über eine zweite Elektrode auch die Herzkammer zu stimulieren. Auch die alleinige Kammererregung durch den Herzschrittmacher ist möglich, wenn die Erregungswellen der Vorhöfe die Kammern nicht erreichen.

Ein Herzschrittmacher muss nicht nur Impulse abgeben, sondern auch erkennen, ob das Herz eine Eigenaktion startet, und auf diese dann richtig reagieren. Denn nur dann, wenn die Kontraktionen von Herzvorhof und Herzkammer im richtigen zeitlichen Abstand erfolgen, gelingt ein wirksamer Herzschlag. Dies gewährleistet ein Mikroprozessor, mit dem heute jeder Schrittmacher ausgestattet ist und der individuell an die Bedürfnisse der Herzerkrankung angepasst wird.

Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD, auch AICD): Für die Dauerbehandlung gefährlicher schneller Rhythmusstörungen kommt ein sogenannter ICD in Betracht. Er erkennt die gefährlichen Herzrhythmusstörungen und beendet sie automatisch durch verschieden starke elektrische Impulse (Antitachykardiefunktion), wodurch wieder eine normale Herzschlagfolge hergestellt wird. Damit ist der ICD eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die einen Herzstillstand wegen Kammerflimmerns überlebt haben oder bei denen trotz medikamentöser Therapie Kammerflimmern droht.

Ein ICD ist zwar etwas größer als ein Herzschrittmacher, wird aber wie dieser im Bereich der Brustmuskulatur implantiert und über eine Schrittmacherelektrode mit dem rechten Herzen verbunden. Neben der lebensrettenden Defibrillator-Funktion verfügen die meisten implantierbaren Defibrillatoren heute über eine Schrittmacherfunktion. Zudem zeichnen sie wie ein EKG-Gerät die Herzaktionen auf und speichern sie ab. Dies ermöglicht dem Kardiologen bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zu überprüfen, ob seit dem letzten Untersuchungstermin Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und ob der ICD richtig reagiert hat.

Schrittmacherkontrollen: Die vielfältigen Programmiermöglichkeiten eines Herzschrittmachers oder ICD erfordern eine individuelle Einstellung, die regelmäßig geprüft wird. Schrittmacher werden von außen durch die Haut unkompliziert abgefragt und neu programmiert. Kontrolluntersuchungen mit Prüfung des Batteriezustands und der Tauglichkeit der Elektroden finden alle 6–12 Monate statt. Alle 3–12 Jahre muss das gesamte Schrittmachergehäuse gewechselt werden, weil sich die Schrittmacherbatterie allmählich entleert. Alle Schrittmacherträger erhalten einen Ausweis, der alle wichtigen Daten enthält.

1926_GTV_Permanenter_Herzschrittmacher.png|Ein Herzschrittmacher wird in der Regel an der rechten Brustseite in einer Hauttasche über dem Brustmuskel implantiert. Das Bild links zeigt die Lage von Schrittmacher und zweier zum Herzen führender Elektroden, das Bild rechts oben das Gleiche im Röntgenbild.| [GTV 1926]

Selbsthilfe für Schrittmacher-Träger
Der Herzschrittmacher soll zu einem normalen, lebenswerten Leben verhelfen; er ist nicht Ausdruck einer Behinderung. Nicht der Herzschrittmacher schränkt die Belastbarkeit ein, sondern vielmehr die körperliche Verfassung, die zugrunde liegende Herzkrankheit oder andere Begleiterkrankungen.

Sie können weiterhin schwimmen, duschen und baden oder ins Solarium gehen, Auto fahren, mit dem Schiff, der Bahn oder dem Flugzeug verreisen. Am Flughafen weisen Sie vor dem Passieren der Kontrollschleuse wegen den Metalldetektoren auf Ihren Schrittmacher hin und zeigen Sie Ihren Schrittmacherausweis vor. Sie werden dann gesondert abgetastet, weil der Metalldetektor Alarm geben würde.

Auch Sport ist möglich – ungeeignet sind lediglich Kampfsportarten, bei denen der Schrittmacher durch Schläge beschädigt werden könnte, und Tauchen, weil der erhöhte Wasserdruck die Schrittmacherfunktion stören kann. Bei Sportarten mit weit ausholenden Armbewegungen sollte vorher mit dem Arzt besprochen werden, ob bei der individuellen Lage der Schrittmacherelektroden Probleme zu befürchten sind.

Gefahren drohen aber am Arbeitsplatz und beim Heimwerken:

Elektrische Ströme von Elektrozäunen oder Steckdosen stören die Herzschrittmachertätigkeit. Auch von (elektro-)magnetischen Feldern größerer Maschinen gehen störende Einflüsse aus. Meiden Sie Umspannungsanlagen und elektrisches Schweißen, Gasschweißen ist unbedenklich. Bohrmaschinen sollten etwa eine Armlänge vom Schrittmacher entfernt gehalten werden. Das gleiche gilt für Kettensägen, Heckenscheren und Rasenmäher. Bei laufendem Motor dürfen sie sich nicht mit dem Oberkörper über die Zündanlage Ihres Autos beugen. Korrekt funktionierende Haushaltsgeräte des täglichen Lebens stören die Schrittmacherfunktion dagegen nicht (z. B. Mikrowelle, Herd, Toaster, Rasierapparat, Fön, Radio, Fernseher, Fernbedienung und schnurloses Telefon). Allerdings sollte der direkte Hautkontakt über dem Schrittmacher auch bei diesen Gerätschaften vermieden werden. Achten Sie beim Kauf neuer elektrischer Geräte auf Angaben des Herstellers zu Sicherheitsabständen bei Schrittmacherträgern. Vergewissern Sie sich bei Induktionsherden, ob die Benutzung des jeweiligen Induktionsherdes für Herzschrittmacher-Träger grundsätzlich gestattet ist bzw. ob vom Hersteller zusätzliche Hinweise für Schrittmacher-Träger gegeben werden. Diebstahlsicherungen an den Ausgängen von Kaufhäusern sollten Sie rasch passieren und dort nicht stehen bleiben. Das eingeschaltete Handy oder Funksprechgerät soll nicht in der Brusttasche über dem Schrittmacher getragen werden, besser sind 20 cm Abstand. Vibrationen, z. B. von Rasenmähern, Heckenscheren, Sägen, Fahren über ein Kopfsteinpflaster oder auch von großen Lautsprecheranlagen, führen mitunter bei Schrittmachern mit automatischer Frequenzanpassung zu schnellerem Herzschlag. Weisen Sie bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen auf Ihren Schrittmacher hin, da einige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen besonders überwacht oder gemieden werden müssen. Das trifft z. B. zu auf Nierensteinzertrümmerer (|extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), Kernspin, Bestrahlungen von Tumoren, Magnet- und |Reizstromtherapie oder die Elektrokoagulation zur Verödung kleiner Blutgefäße. Unbedenklich sind hingegen Röntgen, CT, Szintigrafien oder auch Radaranlagen oder Gewitterblitze. Eine Defibrillation ist im Notfall auch bei Schrittmacherträgern möglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, prüfen Sie, ob Herzrhythmusstörungen als mögliche Nebenwirkung genannt sind. Ansonsten ist eine wirksame Selbsthilfe nur bei zeitweise auftretendem Herzrasen (|paroxysmale Tachykardien) möglich: Bis der Arzt kommt, kann versucht werden, die Herzfrequenz über das unwillkürliche Nervensystem zu beeinflussen: Manchmal beenden tiefes Einatmen und Luft anhalten, |Valsalva-Manöver, das Trinken von kaltem Sprudel, das Abkühlen von Hals und Gesicht mit kaltem Wasser oder eine Massage des |Karotissinus, die Tachykardie.

Bei der Massage des |Karotissinus (Stelle an der Halsschlagader) ist Vorsicht angebracht. Bei empfindlichen Menschen kann ein |Adams-Stokes-Anfall ausgelöst werden. In jedem Fall sollte deshalb ein Angehöriger zugegen sein.

Valsalva-Manöver: Das Valsalva-Manöver kann bei supraventrikulären Tachykardien hilfreich sein: Schlucken Sie und versuchen Sie dann bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase auszuatmen. Dabei sollte es zu einem Druckausgleich über die Ohrtrompete kommen. Da auch der Druck im Brustraum steigt, strömt weniger venöses Blut in die rechte Herzkammer zurück und die Herzaktion verlangsamt sich.

Bewegungstherapie. Leichte sportliche Betätigung ist in den meisten Fällen hilfreich. Vermeiden Sie jedoch Sportarten, die Ihnen körperliche Höchstleistungen abverlangen. Gegebenenfalls bietet sich auch regelmäßiges Training in einer Herzsportgruppe an.

Ernährung. Hinweisen zufolge beeinflusst eine |Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren wie Eicospentaensäure ist, den weiteren Krankheitsverlauf günstig. Da Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen können, sollten Sie auf stark blähende Lebensmittel verzichten, wenn Sie zu |Blähungen neigen.

Komplementärmedizin
Natur- und Komplementärmedizin können die verordneten Herzmedikamente nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen gehört in die Hände von Fachärzten.

Homöopathie. |Homöopathische Konstitutionsmittel mit Bezug zu Herzrhythmusstörungen sind u. a. Argentum nitricum, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Spigelia N® Tropfen Synergon Nr. 161, Arrhythmie-Gastreu® N R66 Tropfen) zur Verfügung.

Entspannungsverfahren. |Enspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong können helfen, begleitende vegetative Beschwerden wie Nervosität oder Anspannung abzubauen bzw. auslösende Faktoren wie psychische Erregung, z. B. durch Stressbelastung, zu mildern.

Pflanzenheilkunde. Phytopharmaka sind nur bei leichteren Herzrhythmusstörungen eine Option. Keinesfalls sind sie eine Alternative zu den verordneten chemischen Medikamenten, in manchen Fällen kann jedoch eine Kombination sinnvoll sein. Je nach Ursache und Beschwerdebild kommen verschiedene Heilpflanzen in Betracht, so z. B. Wolfstrappkraut bei Herzrhythmusstörungen als Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion oder Heilkräuter mit beruhigender Wirkung z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, wenn die Herzrhythmusstörungen mit Unruhe- und Spannungszuständen und/oder Schlaflosigkeit verbunden sind.

Dagegen zeichnet sich der Besenginster (Cytisus scoparius, z. B. Spartiol®) durch seine direkte Wirkung auf das Reizleitungssystem aus. Da es bei der Anwendung als Tee durch falsche Dosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann, werden heute in der Regel Fertigpräparate eingesetzt. Weiter ist Weißdorn für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen geeignet. Die Präparate (z. B. Crataegutt Novo 450®) müssen allerdings hoch dosiert sein, um ihre Wirkung zu entfalten.

Wegen der Gefahr einer Blutdruckkrise dürfen Besenginster und |MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso sind Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie ein AV- Block Kontraindikationen.

Weiterführende Informationen

Patienteninformationen zum Vorhofflimmern inklusive Termine zu Patientenseminaren bietet das Kompetenznetz Vorhofflimmern auf seiner Website https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/patienteninformation-vorhofflimmern Der Bundesverband Defibrillator (ICD) Deutschland ist ein Netzwerk für Menschen mit implantiertem Defi und deren Selbsthilfegruppen. Die Website http://www.defibrillator-deutschland.de/|www.defibrillator-deutschland.de bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen und Hilfe. Außerdem findet sich dort eine Liste der Defi-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Mittelmeerküche bei Nierenkrankheit?: Blutwerte regelmäßig prüfen lassen

Quelle: apotheken.de | 13.08.2019 | Leonard Olberts
 Die Mittelmeerküche ist besonders empfehlenswert für Herzpatienten – gilt das gleiche für Nierenpatienten?Die Mittelmeerküche gilt als besonders ausgewogen und gesund. Doch wie sieht es bei nierenkranken Menschen aus? Was Experten ihnen raten.

Vor- und Nachteile der Mittelmeerküche für Nierenpatienten
Eine mediterrane Ernährung empfiehlt sich insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden – schließlich ist sie fleischarm und dafür reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen und hochwertigen Ölen. Auch gesunde Menschen profitieren von einer solchen Ernährungsweise.

In einer aktuellen Veröffentlichung der Arbeitsgruppe „European Renal Nutrition“ werden die Vor- und Nachteile einer mediterranen Diät für Nierenpatienten diskutiert. Ihr Fazit ist überwiegend positiv: Die Diät reduziert Entzündungen, hält den Blutzuckerspiegel relativ konstant, enthält in etwa die für Nierenpatienten empfohlene Proteinmenge und führt zu einer geringeren Salz- und Phosphat-Aufnahme als viele andere Ernährungsweisen. Potenziell nachteilig sei hingegen die erhöhte Kalium-Zufuhr durch viel Obst und Gemüse: Hier droht eine Überversorgung (Hyperkaliämie). Nierenkranke Patienten sollten daher bei einer entsprechenden Ernährung regelmäßig ihren Serumkaliumwert überprüfen lassen.

Mittelmeerküche bei normalen Kalium-Werten empfehlenswert
„Solange die Kalium-Werte im Normalbereich liegen, spricht vieles dafür, dass Nierenpatienten im Hinblick auf ihr kardiovaskuläres Risiko und auch im Hinblick auf nierenspezifische Problematiken von der mediterranen Diät profitieren“, meint Dr. Jan C. Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Für eine einseitige Ernährung aus Pizza und Pasta gelte das aber natürlich nicht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V.

Lipödem

Quelle: apotheken.de | 25.07.2019 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Typischerweise lagert sich das Fett an Beinen und Hüften ab, während der Rumpf schlank bleibt.1

Lipödem (Fettschwellung, Reiterhosensyndrom, Säulenbein): Erkrankung des Fettgewebes mit symmetrischer, lokaler Fettvermehrung vor allem an den Beinen bei häufig schlankem Rumpf. Durch zusätzliche Einlagerung von Wasser kommt es oft zu schmerzhaften, prallen Schwellungen. Betroffen sind überwiegend junge Frauen, vermutet werden hormonelle Ursachen. Die Krankheit schreitet voran und kann zu stark behindernden Fettwülsten führen.

Behandelt wird das Lipödem mithilfe von Massagen und Kompression (Komplexe physikalische Entstauungstherapie), manchmal auch durch Fettabsaugung (Liposuktion). Eine Reduktionsdiät oder Entwässerungstabletten haben keinen Einfluss auf ein Lipödem.

Symptome und Leitbeschwerden

Symmetrische, druckschmerzhafte Schwellungen an den Beinen, seltener an den Armen Häufig kühle, schlecht durchblutete Haut Später Beulen, Dellen, Fettwülste Verstärkte Neigung zu blauen Flecken (Hämatomen) Gehstörungen bei stark ausgeprägten Fettwülsten an den Oberschenkeln.

Wann zum Arzt

Demnächst, wenn
Fettpolster trotz Sport und Diät nicht weichen wollen es immer wieder zu blauen Flecken kommt die Beine immer dicker werden, der restliche Körper aber nicht.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Das Lipödem beginnt zunächst mit leichten symmetrischen Schwellungen an den Beinen oder Armen. Hintergrund dieser Schwellungen sind Fettzellen, die sich krankhaft vermehren und wachsen. Gleichzeitig werden in diesem Gebiet die kleinen Gefäße (Kapillaren) brüchig. In der Folge wandert Flüssigkeit in das Fettgewebe und verstärkt die Schwellung, was wiederum zu Schmerzen führt. Durch die brüchigen Kapillaren kommt es außerdem schon bei kleinsten Stößen oder Prellungen leicht zu blauen Flecken (Hämatomen).

Ursachen
Als Ursache von Lipödemen werden hormonelle Einflüsse vermutet. So tritt das Lipödem fast ausschließlich bei Frauen auf, und zwar zumeist in Phasen hormoneller Veränderungen wie in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Bei Männern wurden Lipödeme bisher nur im Zusammenhang mit einer Hormontherapie oder Hormonstörungen beschrieben, z. B. bei einer Leberzirrhose oder bei Hypogonadismus.

Warum die Hormone bei manchen Menschen die Entwicklung eines Lipödems anstoßen ist unklar. Offenbar gibt es jedoch eine genetische Veranlagung, da die Erkrankung immer wieder familiär gehäuft auftritt.

Verlauf
Zunächst ist die Haut über den Fettschwellungen glatt und prall, später entwickeln sich Dellen, Beulen und schließlich ganze Fettwülste. Betroffen sind vor allem die Oberschenkel, die Hüfte und das Gesäß (Reithosenphänomen), manchmal auch die Unterschenkel, das komplette Bein oder die Arme.

Die Betroffenen sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Die unproportionierte Fettverteilung mit dicken Beinen, aber normalem Oberkörper oder ein ausgeprägtes Reithosenphänomen belastet die Psyche sehr. Außerdem quälen Spannungs- und Druckschmerzen, oft ist das Gehen erschwert. Die eingeschränkte Beweglichkeit zieht eine Reihe von Folgeproblemen nach sich wie z. B. eine ungesunde passive Lebensführung und mangelhafte Fitness.

Komplikationen
Häufig bilden sich durch die lokalen Veränderungen Lymphabflussstörungen und es entsteht zusätzlich ein Lymphödem. Sind die Fettwülste an den Innenseiten der Oberschenkel und Knie sehr ausgeprägt, fällt den Patienten das Gehen schwer und es kommt zu Gangstörungen bis hin zu Fehlstellungen von Gelenken. Scheuereffekte beim Gehen begünstigen Hautentzündungen, z. B. an den Innenseiten der Oberschenkel. Unter großen Fettwülsten drohen Mazerationen.

Diagnosesicherung

Entscheidend für die Diagnose eines Lipödems ist die körperliche Untersuchung. Besonders auffällig ist das Missverhältnis der Fettverteilung zwischen Rumpf und Armen oder Beinen. Hände und Füße sind typischerweise nicht geschwollen. Durch das Betasten der Schwellungen prüft der Arzt, ob diese druckschmerzhaft sind.

Im Ultraschall erkennt der Arzt die Verbreiterung des Unterhautfettgewebes und mögliche Wassereinlagerungen. Den Umfang der geschwollenen Extremität misst er, um den Verlauf zu dokumentieren und zu erkennen, ob eine Therapie effektiv ist oder die Erkrankung voranschreitet.

Differenzialdiagnosen. Wichtige Differenzialdiagnosen sind Übergewicht, Lymphödem, Lipohypertrophie (eine Fettverteilungsstörungen, bei der es im Gegensatz zum Lipödem nicht zu Wassereinlagerungen kommt) und das Myxödem.

Behandlung

Die Behandlung des Lipödems verfolgt zwei Ziele: Schwellungen und Beschwerden sollen verbessert und Komplikationen verhindert werden. Dazu hat der Arzt folgende Möglichkeiten:

Kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE), die sich aus folgenden Maßnahmen zusammensetzt: Manuelle Lymphdrainage: Mit kreisenden Bewegungen der Finger und bestimmten Handgriffen wird die Gewebsflüssigkeit zu den Lymphknoten transportiert Kompressionstherapie: Spezielle Kompressionsverbände mit Kurzzugbinden und langzeitige Versorgung mit |Kompressionsstrümpfen der Klassen II, III und in Ausnahmefällen IV. Im Krankenhaus steht oft auch die |pneumatische Kompressionstherapie mit mechanischer Auspressung der Gliedmaßen durch wechselnd aufpumpbare Manschetten zur Verfügung Entstauende Bewegungstherapie, z. B. gymnastische Übungen Sorgfältige Haut- und Fußpflege, Vermeidung von Einrissen und Verletzungen zur Vorbeugung von Infektionen Fettabsaugung (Liposuktion). Wenn die Schmerzen trotz konsequent durchgeführter KPE weiter bestehen, sich immer wieder blaue Flecken bilden oder die Schwellungen sogar zunehmen, empfehlen die Ärzte häufig eine Fettabsaugung, um das krankhaft vermehrte Unterhautfettgewebe zu entfernen. Dabei wird das Fett unter lokaler Betäubung (Tumeszens-Lokalanästhesie) mithilfe von stumpfen Mikrosonden abgesaugt

Übergewicht. Etwa die Hälfte der Patienten mit einem Lipödem sind übergewichtig. Hier raten die Ärzte, vor einer eventuellen Fettabsaugung zunächst das Übergewicht zu reduzieren. Die Fettabsaugung selbst dient nicht der Gewichtsreduktion.

Diät und Medikamente
Auch wenn beim Lipödem in den Schwellungen Fett steckt, kann eine Diät die Beulen und Wülste nicht zum Verschwinden bringen. Maßhalten beim Essen ist aber trotzdem ein wichtiges Thema für Lipödem-Patienten – denn zusätzliches Übergewicht verschlimmert die Krankheit. Deshalb ist es sinnvoll, ein Normalgewicht zu halten bzw. etwaiges Übergewicht zu reduzieren.

Medikamente zur Behandlung des Lipödems gibt es nicht. Wirkstoffe, die die Blutfette beeinflussen, haben keinen Einfluss auf die Fetteinlagerungen. Entwässerungstabletten, wie sie der Arzt bei "normalen" Ödemen verschreibt, sind beim Lipödem nicht nur wirkungslos, sondern schädlich.

Prognose

Das Lipödem ist eine chronische, voranschreitende Erkrankung, für die es bis heute noch keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten inklusive konsequenter Mitarbeit des Patienten lassen sich aber zumindest die Komplikationen beherrschen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Sollten Sie unter Fettpolstern an Hüften oder Oberschenkeln leiden und weder Sport noch Diät helfen, suchen Sie einen Arzt auf. Je früher ein Lipödem erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln.

Was Sie selbst tun können
Bewegung. Erörtern Sie mit Ihrem Physiotherapeuten, wie Sie mit eigenen Übungen zur Entstauung beitragen können. Was Sie an Bewegungstherapie täglich zu Hause vollbringen, ist weit wichtiger als das, was 30 Minuten einmal in der Woche in der Krankengymnastik-Praxis passiert.

Sie können durch gymnastische Übungen dazu beitragen, die Ödeme zu reduzieren. Gut sind Übungen mit hochgelegten Beinen (bei morgens geschwollenen Beinen lohnt ein Versuch schon vor dem Aufstehen!). Sehr hilfreich ist auch Gehen mit gleichzeitiger Kompression am Bein, z. B. Nordic Walking. Auch Schwimmen und Aqua-Jogging können sich positiv auswirken.

Kleidung. Tragen Sie möglichst weit geschnittene Kleidung, die nicht an der Kompressionsstrumpfhose festklebt. Auch die Schuhe dürfen etwas weicher und weiter ausfallen.

Kompressionstherapie. Tragen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe regelmäßig, um einen Effekt zu erzielen.

Ernährung und Gewicht. Falls Sie übergewichtig sind, versuchen Sie Ihr Gewicht vorsichtig und langfristig zu reduzieren. Eine spezielle Diät für Lipödem-Patienten gibt es nicht, ernähren Sie sich gesund und ballaststoffreich und halten Sie Maß beim Alkohol und dem Verzehr von Zucker und tierischen Fetten.

Hautverletzungen und Hautpflege. Heilungsverläufe in geschwollenen und schlecht durchbluteten Geweben sind langwierig. Pflegen Sie Ihre Haut deshalb sorgfältig und schützen Sie sie vor Verletzungen und Infektionen.

Benutzen Sie zur Hautpflege keine parfümierten Seifen, Cremes oder Lotionen. Diese reizen die Haut. Besser sind pH-neutrale Produkte. Wenn Sie Bandagen oder Kompressionsstrümpfe tragen, müssen Sie besonders darauf achten, dass Ihre Haut nicht zu sehr austrocknet. Pflegen Sie die Haut in den Falten unter den Fettwülsten sorgfältig. Halten Sie die Hautfalten trocken, damit es nicht zu Mazerationen kommt.

Weiterführende Informationen

http://www.phlebology.de/|www.phlebology.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e. V. (DGP, Freiburg) mit der aktuellen Leitlinie Lipödem der Beine.