Herz, Gefäße, Kreislauf

Mittelmeerküche bei Nierenkrankheit?: Blutwerte regelmäßig prüfen lassen

Quelle: apotheken.de | 13.08.2019 | Leonard Olberts
 Die Mittelmeerküche ist besonders empfehlenswert für Herzpatienten – gilt das gleiche für Nierenpatienten?Die Mittelmeerküche gilt als besonders ausgewogen und gesund. Doch wie sieht es bei nierenkranken Menschen aus? Was Experten ihnen raten.

Vor- und Nachteile der Mittelmeerküche für Nierenpatienten
Eine mediterrane Ernährung empfiehlt sich insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden – schließlich ist sie fleischarm und dafür reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen und hochwertigen Ölen. Auch gesunde Menschen profitieren von einer solchen Ernährungsweise.

In einer aktuellen Veröffentlichung der Arbeitsgruppe „European Renal Nutrition“ werden die Vor- und Nachteile einer mediterranen Diät für Nierenpatienten diskutiert. Ihr Fazit ist überwiegend positiv: Die Diät reduziert Entzündungen, hält den Blutzuckerspiegel relativ konstant, enthält in etwa die für Nierenpatienten empfohlene Proteinmenge und führt zu einer geringeren Salz- und Phosphat-Aufnahme als viele andere Ernährungsweisen. Potenziell nachteilig sei hingegen die erhöhte Kalium-Zufuhr durch viel Obst und Gemüse: Hier droht eine Überversorgung (Hyperkaliämie). Nierenkranke Patienten sollten daher bei einer entsprechenden Ernährung regelmäßig ihren Serumkaliumwert überprüfen lassen.

Mittelmeerküche bei normalen Kalium-Werten empfehlenswert
„Solange die Kalium-Werte im Normalbereich liegen, spricht vieles dafür, dass Nierenpatienten im Hinblick auf ihr kardiovaskuläres Risiko und auch im Hinblick auf nierenspezifische Problematiken von der mediterranen Diät profitieren“, meint Dr. Jan C. Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Für eine einseitige Ernährung aus Pizza und Pasta gelte das aber natürlich nicht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V.

Lipödem

Quelle: apotheken.de | 25.07.2019 | Dr. med. Sonja Kempinski
1

Lipödem (Fettschwellung, Reiterhosensyndrom, Säulenbein): Erkrankung des Fettgewebes mit symmetrischer, lokaler Fettvermehrung vor allem an den Beinen bei häufig schlankem Rumpf. Durch zusätzliche Einlagerung von Wasser kommt es oft zu schmerzhaften, prallen Schwellungen. Betroffen sind überwiegend junge Frauen, vermutet werden hormonelle Ursachen. Die Krankheit schreitet voran und kann zu stark behindernden Fettwülsten führen.

Behandelt wird das Lipödem mithilfe von Massagen und Kompression (Komplexe physikalische Entstauungstherapie), manchmal auch durch Fettabsaugung (Liposuktion). Eine Reduktionsdiät oder Entwässerungstabletten haben keinen Einfluss auf ein Lipödem.

Symptome und Leitbeschwerden

Symmetrische, druckschmerzhafte Schwellungen an den Beinen, seltener an den Armen Häufig kühle, schlecht durchblutete Haut Später Beulen, Dellen, Fettwülste Verstärkte Neigung zu blauen Flecken (Hämatomen) Gehstörungen bei stark ausgeprägten Fettwülsten an den Oberschenkeln.

Wann zum Arzt

Demnächst, wenn
Fettpolster trotz Sport und Diät nicht weichen wollen es immer wieder zu blauen Flecken kommt die Beine immer dicker werden, der restliche Körper aber nicht.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung
Das Lipödem beginnt zunächst mit leichten symmetrischen Schwellungen an den Beinen oder Armen. Hintergrund dieser Schwellungen sind Fettzellen, die sich krankhaft vermehren und wachsen. Gleichzeitig werden in diesem Gebiet die kleinen Gefäße (Kapillaren) brüchig. In der Folge wandert Flüssigkeit in das Fettgewebe und verstärkt die Schwellung, was wiederum zu Schmerzen führt. Durch die brüchigen Kapillaren kommt es außerdem schon bei kleinsten Stößen oder Prellungen leicht zu blauen Flecken (Hämatomen).

Ursachen
Als Ursache von Lipödemen werden hormonelle Einflüsse vermutet. So tritt das Lipödem fast ausschließlich bei Frauen auf, und zwar zumeist in Phasen hormoneller Veränderungen wie in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Bei Männern wurden Lipödeme bisher nur im Zusammenhang mit einer Hormontherapie oder Hormonstörungen beschrieben, z. B. bei einer Leberzirrhose oder bei Hypogonadismus.

Warum die Hormone bei manchen Menschen die Entwicklung eines Lipödems anstoßen ist unklar. Offenbar gibt es jedoch eine genetische Veranlagung, da die Erkrankung immer wieder familiär gehäuft auftritt.

Verlauf
Zunächst ist die Haut über den Fettschwellungen glatt und prall, später entwickeln sich Dellen, Beulen und schließlich ganze Fettwülste. Betroffen sind vor allem die Oberschenkel, die Hüfte und das Gesäß (Reithosenphänomen), manchmal auch die Unterschenkel, das komplette Bein oder die Arme.

Die Betroffenen sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt. Die unproportionierte Fettverteilung mit dicken Beinen, aber normalem Oberkörper oder ein ausgeprägtes Reithosenphänomen belastet die Psyche sehr. Außerdem quälen Spannungs- und Druckschmerzen, oft ist das Gehen erschwert. Die eingeschränkte Beweglichkeit zieht eine Reihe von Folgeproblemen nach sich wie z. B. eine ungesunde passive Lebensführung und mangelhafte Fitness.

Komplikationen
Häufig bilden sich durch die lokalen Veränderungen Lymphabflussstörungen und es entsteht zusätzlich ein Lymphödem. Sind die Fettwülste an den Innenseiten der Oberschenkel und Knie sehr ausgeprägt, fällt den Patienten das Gehen schwer und es kommt zu Gangstörungen bis hin zu Fehlstellungen von Gelenken. Scheuereffekte beim Gehen begünstigen Hautentzündungen, z. B. an den Innenseiten der Oberschenkel. Unter großen Fettwülsten drohen Mazerationen.

Diagnosesicherung

Entscheidend für die Diagnose eines Lipödems ist die körperliche Untersuchung. Besonders auffällig ist das Missverhältnis der Fettverteilung zwischen Rumpf und Armen oder Beinen. Hände und Füße sind typischerweise nicht geschwollen. Durch das Betasten der Schwellungen prüft der Arzt, ob diese druckschmerzhaft sind.

Im Ultraschall erkennt der Arzt die Verbreiterung des Unterhautfettgewebes und mögliche Wassereinlagerungen. Den Umfang der geschwollenen Extremität misst er, um den Verlauf zu dokumentieren und zu erkennen, ob eine Therapie effektiv ist oder die Erkrankung voranschreitet.

Differenzialdiagnosen. Wichtige Differenzialdiagnosen sind Übergewicht, Lymphödem, Lipohypertrophie (eine Fettverteilungsstörungen, bei der es im Gegensatz zum Lipödem nicht zu Wassereinlagerungen kommt) und das Myxödem.

Behandlung

Die Behandlung des Lipödems verfolgt zwei Ziele: Schwellungen und Beschwerden sollen verbessert und Komplikationen verhindert werden. Dazu hat der Arzt folgende Möglichkeiten:

Kombinierte physikalische Entstauungstherapie (KPE), die sich aus folgenden Maßnahmen zusammensetzt: Manuelle Lymphdrainage: Mit kreisenden Bewegungen der Finger und bestimmten Handgriffen wird die Gewebsflüssigkeit zu den Lymphknoten transportiert Kompressionstherapie: Spezielle Kompressionsverbände mit Kurzzugbinden und langzeitige Versorgung mit |Kompressionsstrümpfen der Klassen II, III und in Ausnahmefällen IV. Im Krankenhaus steht oft auch die |pneumatische Kompressionstherapie mit mechanischer Auspressung der Gliedmaßen durch wechselnd aufpumpbare Manschetten zur Verfügung Entstauende Bewegungstherapie, z. B. gymnastische Übungen Sorgfältige Haut- und Fußpflege, Vermeidung von Einrissen und Verletzungen zur Vorbeugung von Infektionen Fettabsaugung (Liposuktion). Wenn die Schmerzen trotz konsequent durchgeführter KPE weiter bestehen, sich immer wieder blaue Flecken bilden oder die Schwellungen sogar zunehmen, empfehlen die Ärzte häufig eine Fettabsaugung, um das krankhaft vermehrte Unterhautfettgewebe zu entfernen. Dabei wird das Fett unter lokaler Betäubung (Tumeszens-Lokalanästhesie) mithilfe von stumpfen Mikrosonden abgesaugt

Übergewicht. Etwa die Hälfte der Patienten mit einem Lipödem sind übergewichtig. Hier raten die Ärzte, vor einer eventuellen Fettabsaugung zunächst das Übergewicht zu reduzieren. Die Fettabsaugung selbst dient nicht der Gewichtsreduktion.

Diät und Medikamente
Auch wenn beim Lipödem in den Schwellungen Fett steckt, kann eine Diät die Beulen und Wülste nicht zum Verschwinden bringen. Maßhalten beim Essen ist aber trotzdem ein wichtiges Thema für Lipödem-Patienten – denn zusätzliches Übergewicht verschlimmert die Krankheit. Deshalb ist es sinnvoll, ein Normalgewicht zu halten bzw. etwaiges Übergewicht zu reduzieren.

Medikamente zur Behandlung des Lipödems gibt es nicht. Wirkstoffe, die die Blutfette beeinflussen, haben keinen Einfluss auf die Fetteinlagerungen. Entwässerungstabletten, wie sie der Arzt bei "normalen" Ödemen verschreibt, sind beim Lipödem nicht nur wirkungslos, sondern schädlich.

Prognose

Das Lipödem ist eine chronische, voranschreitende Erkrankung, für die es bis heute noch keine Heilungsmöglichkeiten gibt. Mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten inklusive konsequenter Mitarbeit des Patienten lassen sich aber zumindest die Komplikationen beherrschen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Sollten Sie unter Fettpolstern an Hüften oder Oberschenkeln leiden und weder Sport noch Diät helfen, suchen Sie einen Arzt auf. Je früher ein Lipödem erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln.

Was Sie selbst tun können
Bewegung. Erörtern Sie mit Ihrem Physiotherapeuten, wie Sie mit eigenen Übungen zur Entstauung beitragen können. Was Sie an Bewegungstherapie täglich zu Hause vollbringen, ist weit wichtiger als das, was 30 Minuten einmal in der Woche in der Krankengymnastik-Praxis passiert.

Sie können durch gymnastische Übungen dazu beitragen, die Ödeme zu reduzieren. Gut sind Übungen mit hochgelegten Beinen (bei morgens geschwollenen Beinen lohnt ein Versuch schon vor dem Aufstehen!). Sehr hilfreich ist auch Gehen mit gleichzeitiger Kompression am Bein, z. B. Nordic Walking. Auch Schwimmen und Aqua-Jogging können sich positiv auswirken.

Kleidung. Tragen Sie möglichst weit geschnittene Kleidung, die nicht an der Kompressionsstrumpfhose festklebt. Auch die Schuhe dürfen etwas weicher und weiter ausfallen.

Kompressionstherapie. Tragen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe regelmäßig, um einen Effekt zu erzielen.

Ernährung und Gewicht. Falls Sie übergewichtig sind, versuchen Sie Ihr Gewicht vorsichtig und langfristig zu reduzieren. Eine spezielle Diät für Lipödem-Patienten gibt es nicht, ernähren Sie sich gesund und ballaststoffreich und halten Sie Maß beim Alkohol und dem Verzehr von Zucker und tierischen Fetten.

Hautverletzungen und Hautpflege. Heilungsverläufe in geschwollenen und schlecht durchbluteten Geweben sind langwierig. Pflegen Sie Ihre Haut deshalb sorgfältig und schützen Sie sie vor Verletzungen und Infektionen.

Benutzen Sie zur Hautpflege keine parfümierten Seifen, Cremes oder Lotionen. Diese reizen die Haut. Besser sind pH-neutrale Produkte. Wenn Sie Bandagen oder Kompressionsstrümpfe tragen, müssen Sie besonders darauf achten, dass Ihre Haut nicht zu sehr austrocknet. Pflegen Sie die Haut in den Falten unter den Fettwülsten sorgfältig. Halten Sie die Hautfalten trocken, damit es nicht zu Mazerationen kommt.

Weiterführende Informationen

http://www.phlebology.de/|www.phlebology.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e. V. (DGP, Freiburg) mit der aktuellen Leitlinie Lipödem der Beine.

Karotissinus-Syndrom

Quelle: apotheken.de | 17.07.2019 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
2

Karotissinus-Syndrom: Akute Minderdurchblutung des Gehirns mit Schwindel und/oder Ohnmacht, ausgelöst durch plötzliche Drehbewegungen des Kopfes, Zuknöpfen eines engen Kragens oder Rasieren. Die Ursache ist ein überempfindlicher (hypersensitiver) Blutdruck-Rezeptor im Karotissinus der Halsschlagader, dem meist eine Arteriosklerose zugrunde liegt. Das Karotissinus-Syndrom kommt vor allem bei älteren Menschen über 50 Jahren vor. Leiden Betroffene wiederholt unter Ohnmachtsanfällen (Synkopen) und ist der vom Arzt durchgeführte Karotisdruckversuch (Näheres unter Diagnosesicherung weiter unten im Text) positiv, wird die Implantation eines Herzschrittmachers empfohlen.

Symptome und Leitbeschwerden

Schwindel, kurze Ohnmachtsanfälle, ausgelöst z. B. durch schnelle Drehbewegungen des Kopfes Sehr selten: Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Schwindel auftritt, z. B. bei lokalem Druck auf die seitliche Halsregion oder Drehbewegungen des Kopfes.

Sofort den Notarzt rufen bei
Bewusstseinsstörungen, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankung

Zur optimalen Durchblutung aller Organe prüfen Sinneszellen an vielen Stellen im Körper den Blutdruck. Sie nehmen die Dehnung der Blutgefäße wahr und melden sie an das vegetative Nervensystem. Dadurch können die Herzfrequenz und der Blutdruck flexibel an die Bedürfnisse angepasst werden. Ein solcher Rezeptor befindet sich auch an den Teilungsstellen der Halsschlagader (Karotissinus) jeweils seitlich am Hals, in Höhe des Kragens.

Dieser Karotissinus-Rezeptor kann von Geburt an besonders empfindlich sein (selten) oder im Alter durch Arteriosklerose der Gefäßwand empfindlich werden. Ein Druck von außen auf diese Region wird dann als zu hoher Blutdruck gedeutet und führt zum Abfall der Herzfrequenz bis hin zum vorübergehenden Herzstillstand oder zum plötzlichen Blutdruckabfall. Daraus folgen Schwindel oder plötzliche Bewusstlosigkeit.

Diagnosesicherung

Wenn der Arzt aufgrund der charakteristischen Beschwerdeschilderung des Patienten den Verdacht auf ein Karotissinus-Syndrom hat, stellt er die Diagnose meist durch einen Karotisdruckversuch. Dabei massiert er den Karotissinus unter gleichzeitiger EKG-Ableitung und Blutdruckmessung über etwa 10 Sekunden und löst damit einen deutlichen Blutdruckabfall oder gar einen vorübergehenden Herzstillstand aus. Das EKG zeigt in diesen Fällen einen Sinusknotenstillstand, einen SA-Block oder einen AV-Block mit Pausen von über 3 Sekunden.

Behandlung

Hat der Patient immer wieder Ohnmachtsanfälle und ist der Karotisdruckversuch positiv, wird ein Herzschrittmacher eingesetzt. Bei beschwerdefreien Patienten wird der Schrittmacher nicht empfohlen. Ausführliche Informationen zu der Therapie mit einem Herzschrittmacher unter Herzschrittmachertherapie.

Prognose

Ohne Herzschrittmacher kommt es bei mehr als 50 % der Patienten mit einem Karotissinus-Syndrom innerhalb von 3 Jahren zu einer erneuten Ohnmacht (Synkope), mit implantiertem Herzschrittmacher nur bei etwa 10 %

Ihr Apotheker empfiehlt

Selbsthilfe für Schrittmacher-Träger
Der Herzschrittmacher soll zu einem normalen, lebenswerten Leben verhelfen; er ist nicht Ausdruck einer Behinderung. Nicht der Herzschrittmacher schränkt die Belastbarkeit ein, sondern vielmehr die körperliche Verfassung, die zugrunde liegende Herzkrankheit oder andere Begleiterkrankungen.

Sie können weiterhin schwimmen, duschen und baden oder ins Solarium gehen, Auto fahren, mit dem Schiff, der Bahn oder dem Flugzeug verreisen. Am Flughafen weisen Sie vor dem Passieren der Kontrollschleuse wegen den Metalldetektoren auf Ihren Schrittmacher hin und zeigen Sie Ihren Schrittmacherausweis vor. Sie werden dann gesondert abgetastet, weil der Metalldetektor Alarm geben würde.

Auch Sport ist möglich – ungeeignet sind lediglich Kampfsportarten, bei denen der Schrittmacher durch Schläge beschädigt werden könnte, und Tauchen, weil der erhöhte Wasserdruck die Schrittmacherfunktion stören kann. Bei Sportarten mit weit ausholenden Armbewegungen sollte vorher mit dem Arzt besprochen werden, ob bei der individuellen Lage der Schrittmacherelektroden Probleme zu befürchten sind.

Gefahren drohen aber am Arbeitsplatz und beim Heimwerken:

Elektrische Ströme von Elektrozäunen oder Steckdosen stören die Herzschrittmachertätigkeit. Auch von (elektro-)magnetischen Feldern größerer Maschinen gehen störende Einflüsse aus. Meiden Sie Umspannungsanlagen und elektrisches Schweißen, Gasschweißen ist unbedenklich. Bohrmaschinen sollten etwa eine Armlänge vom Schrittmacher entfernt gehalten werden. Das gleiche gilt für Kettensägen, Heckenscheren und Rasenmäher. Bei laufendem Motor dürfen sie sich nicht mit dem Oberkörper über die Zündanlage Ihres Autos beugen. Korrekt funktionierende Haushaltsgeräte des täglichen Lebens stören die Schrittmacherfunktion dagegen nicht (z. B. Mikrowelle, Herd, Toaster, Rasierapparat, Fön, Radio, Fernseher, Fernbedienung und schnurloses Telefon). Allerdings sollte der direkte Hautkontakt über dem Schrittmacher auch bei diesen Gerätschaften vermieden werden. Achten Sie beim Kauf neuer elektrischer Geräte auf Angaben des Herstellers zu Sicherheitsabständen bei Schrittmacherträgern. Vergewissern Sie sich bei Induktionsherden, ob die Benutzung des jeweiligen Induktionsherdes für Herzschrittmacher-Träger grundsätzlich gestattet ist bzw. ob vom Hersteller zusätzliche Hinweise für Schrittmacher-Träger gegeben werden. Diebstahlsicherungen an den Ausgängen von Kaufhäusern sollten Sie rasch passieren und dort nicht stehen bleiben. Das eingeschaltete Handy oder Funksprechgerät soll nicht in der Brusttasche über dem Schrittmacher getragen werden, besser sind 20 cm Abstand. Vibrationen, z. B. von Rasenmähern, Heckenscheren, Sägen, Fahren über ein Kopfsteinpflaster oder auch von großen Lautsprecheranlagen, führen mitunter bei Schrittmachern mit automatischer Frequenzanpassung zu schnellerem Herzschlag. Weisen Sie bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen auf Ihren Schrittmacher hin, da einige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen besonders überwacht oder gemieden werden müssen. Das trifft z. B. zu auf Nierensteinzertrümmerer (|extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), Kernspin, Bestrahlungen von Tumoren, Magnet- und |Reizstromtherapie oder die Elektrokoagulation zur Verödung kleiner Blutgefäße. Unbedenklich sind hingegen Röntgen, CT, Szintigrafien oder auch Radaranlagen oder Gewitterblitze. Eine Defibrillation ist im Notfall auch bei Schrittmacherträgern möglich.

Weiterführende Informationen

Selbsthilfegruppen für Schrittmacherträger finden sich zum Beispiel auf der Website der Deutschen Herzstiftung unter http://www.herzstiftung.de/selbsthilfegruppen.html|www.herzstiftung.de/selbsthilfegruppen.html.

Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen – Kammerflimmern, Kammerflattern, ventrikuläre Extrasystolen, Kammertachykardie

Quelle: apotheken.de | 17.07.2019 | Dr. med. Dieter Simon in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski
5

Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen (herzkammerbedingtes Herzstolpern): Zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag aufgrund von Störungen im Bereich der Muskulatur der Herzkammern. Als Ursache kommen strukturelle Schädigungen des Herzmuskels, genetisch bedingte Erkrankung sowie Medikamente oder Genussmittel in Frage. Die Beschwerden reichen vom harmlosen Herzstolpern bis zum Herzstillstand durch Kammerflimmern.

Akutmaßnahmen bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen sind Wiederbelebung und Defibrillation. Zur Langzeittherapie werden Medikamente und ICDs (implantierbare Defibrillatoren, siehe unten) eingesetzt, in manchen Fällen kommt auch die Katheterablation in Frage. Die Prognose hängt eng mit der Ursache der vorliegenden Herzrhythmusstörung zusammen.

Symptome und Leitbeschwerden

Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit Herz-Kreislauf-Stillstand.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn
wiederholt Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen auftritt.

Sofort den Notarzt rufen, wenn
das Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen nicht mehr aufhört oder mit Angstgefühl, Schwindelbeschwerden oder Atemnot verbunden ist Bewusstseinsstörungen auftreten, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten.

Die Erkrankung

Ursachen
Die elektrischen Phänomene, die eine geordnete Herzfunktion ermöglichen, spielen sich im Normalfall im Sinusknoten und in den weiteren Teilen des Erregungsleitungssystems des Herzens ab. (Mehr zu diesen Vorgängen siehe Elektrische Phänomene in unserem Herzen: Stromstöße, Taktgeber und Verteilerstrecken). Ventrikuläre Arrhythmien entstehen, wenn die Ausbreitung der normalen elektrischen Erregung im Herzen gestört ist. Mögliche Ursachen dafür sind:

Erworbene Schädigungen des Herzmuskelgewebes (Fibrosen, Infarktnarben, Entzündungen) bei KHK, Myokardinfarkt, Kardiomyopathie, Aortenklappenstenose, Herzmuskelentzündungen Degenerative Veränderungen Medikamente (Herzglykoside, Antiarrhythmika, Betablocker, Diuretika) Genussmittel (Kaffee, Nikotin, Alkohol, Psychostimulanzien) Elektrolytstörungen (z. B. Hypokaliämie) Gewebeschäden nach Herzoperationen Seltene erbliche Erkrankungen wie beispielsweise das Brugada-Syndrom, das durch eine Gen-Mutation bedingt ist und zu Defekten im Bereich spannungsgesteuerter Natriumkanäle auf den Herzmuskelzellen führt.

Ventrikuläre Extrasystolen
Die Erregungsbildung ist nicht auf den Sinusknoten beschränkt, sondern sie kann ebenso in anderen Muskelzellen des Herzens stattfinden und sich von dort über das ganze Herz ausbreiten. Das ist auch gut so, denn diese Ersatz-Taktgeber springen (fast) immer ein, wenn der Sinusknoten ausfällt, was sonst zum sicheren Tod führen würde. Die so außer der Reihe entstehenden Kontraktionen des Herzens werden Extrasystolen (Extraschläge des Herzens) genannt. Dies wird häufig als Herzstolpern empfunden. Geht die Erregung von den |Herzkammern (Ventrikeln) aus, so spricht man von einer ventrikulären Extrasystole. Ventrikuläre Extrasystolen treten bei Patienten mit und ohne Herzerkrankungen auf. Bei Herzgesunden können sie vernachlässigt werden. Wenn sie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt deutlich zunehmen, besteht jedoch die Gefahr eines plötzlichen Herztods.

Ventrikuläre Extrasystolen, die regelmäßig nach jeder normalen Herzaktion auftreten, heißen Bigeminus, zwei zusammenhängende werden als Couplet bezeichnet. In Gruppen auftretende ventrikuläre Extrasystolen nennt man Salven. Bei gehäuft erscheinenden ventrikulären Extrasystolen muss immer nach einer Ursache gefahndet werden, die dann zu behandeln ist.

1922_GTV_ventrikulaere_Extrasystolen.png|Verschiedene Formen von ventrikulären Extrasystolen im EKG, Erklärung siehe Text. |[GTV 1922]

Kammertachykardie, Kammerflattern und Kammerflimmern
Sind die normalen Ausbreitungswege der elektrischen Erregung im Herzen z. B. durch strukturelle Gewebeschäden gestört, kommt es (ähnlich wie beim Vorhofflattern) zu kreisenden Erregungen in den Muskelzellen der Herzkammern. Diese können unabhängig vom Sinusknoten zu sehr hohen Kammerfrequenzen (ventrikuläre Tachykardien) führen. Im EKG sieht man typische Veränderungen des QRS-Komplexes. Ursache ist meist eine Herzerkrankung, z. B. eine Durchblutungsstörung des Herzens. Anders als bei Vorhoftachykardien, bei denen der AV-Knoten die Kammer vor zu schneller Herzfrequenz schützt, wirkt sich jede Kammertachykardie negativ auf die Durchblutung der Organe aus.

1924_GTV_Tachykardie_Kammerflattern_Kammerflimmern.png|Oben (a): Elektrische Ableitung einer ventrikulären Tachykardie. Im EKG sieht man breite QRS-Komplexe. Diese können übergehen in ein Kammerflattern oder auch ein Kammerflimmen. Das mittlere (b) und das untere (c) Bild entsprechen einem Kreislaufstillstand, weil die elektrische Aktivität ineffektiv ist und das Herz keinen geregelten Blutauswurf mehr bewerkstelligen kann. |[GTV 1924]

Bei Herzfrequenzen bis etwa 200 Schlägen pro Minute verspürt man Herzklopfen, Herzrasen und Unwohlsein. Bei höheren Herzfrequenzen nimmt das gepumpte Blutvolumen ab, weil den Herzkammern keine Zeit mehr zur Blutfüllung bleibt. Folge ist eine zunehmende Kreislaufschwäche bis hin zu Bewusstlosigkeit und |plötzlichem Herztod. Lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien bedürfen einer sofortigen intravenösen Medikamentengabe oder Defibrillation.

Die Übergänge von der Kammertachykardie zum Kammerflattern und -flimmern sind fließend. Ab einer Kammerfrequenz von etwa 250 Schlägen pro Minute spricht man vom Kammerflattern. Beim Kammerflimmern entstehen ähnlich wie beim Vorhofflimmern chaotische, ineffektive Zuckungen der Kammermuskulatur, ohne dass dabei Blut weitertransportiert wird. Für den Körper gleicht dies einem Herzstillstand. Im EKG sind nur noch unregelmäßige Zitterbewegungen mit Kammerfrequenzen von mehr als 350 Schlägen pro Minute zu erkennen.

Diagnosesicherung

Wichtigstes Instrument zur Diagnose akuter ventrikulärer Herzrhythmusstörungen ist das EKG – vor allem in der häufig vorliegenden Notfallsituation bei Kammerflimmern, Kammerflattern oder anhaltender Kammertachykardie.

Nicht-anhaltende Kammertachykardien (das sind Kammertachykardien, deren Episoden kürzer als 30 Sekunden dauern) und Extrasystolen sind häufig schwierig zu diagnostizieren. Um diese Rhythmusstörungen aufzuspüren, benötigt der Arzt meistens ein Langzeit-EKG oder auch einen Eventrekorder.

Mit einem solchen Ereignis- oder auch Eventrekorder werden Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die sich in der Praxis oder im Langzeit-EKG nicht erwischen lassen. Der Arzt kann dann anhand der Daten die Art und das Ausmaß solcher Ereignisse bestimmen. Ereignisrekorder sind besonders hilfreich, wenn der Patient immer wieder Beschwerden und Rhythmusstörungen verspürt.

Mehrere Systeme stehen zur Verfügung:

Externe, zeitweilige Überwachung: Hierbei drückt der Patient im Falle eines empfundenen Herzstolperns einen scheckkartengroßen Rekorder auf die Brust, damit das EKG über einige Minuten hinweg aufgezeichnet werden kann. Externe, kontinuierliche Überwachung: Hier werden wie bei einem EKG Klebeelektroden angebracht und diese mit einem kleinen externen Rekorder, den der Patient bei sich trägt oder der ebenfalls aufgeklebt wird, verbunden. Dieser Rekorder zeichnet das EKG kontinuierlich auf, der Patient muss also nicht "aufpassen", ob sein Herz stolpert oder arhythmisch wird. Implantierte kontinuierliche Überwachung. Vermutet der Arzt schwerwiegende, schwer erfassbare Rhythmusstörungen, rät er häufig zur Implantation eines Eventrekorders unter die Haut. Diese Geräte zeichnen bis zu 3 Jahren die Herzaktionen auf, treten Rhythmusstörungen auf, speichert das Gerät diese Ereignisse. Außerdem kann der Patient die Aufzeichnung durch ein Handgerät manuell starten, sobald er ein Herzstolpern bemerkt.

Behandlung

Ventrikuläre Extrasystolen: Zufällig entdeckte ventrikuläre Extrasystolen bei Herzgesunden sind harmlos und müssen nicht therapiert werden. Sollten sich Betroffene dadurch jedoch in Ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen (beispielsweise durch wiederkehrende Schwindelattacken), verordnet der Arzt meist Betablocker oder andere Antiarrhythmika. Bei herzkranken Patienten mit Beschwerden durch Extrasystolen wird in der Regel eine Therapie mit Amiodaron oder einem Betablocker eingeleitet.

Kammertachykardien: Hier injiziert der Arzt Ajmalin oder Amiodaron unter EKG-Kontrolle. Kann hierdurch die Tachykardie nicht gestoppt werden, muss eine Kardioversion erfolgen.

Kammerflattern und Kammerflimmern: Die Akutmaßnahme bei diesen lebensbedrohlichen, chaotisch kreisenden Erregungswellen ist die sofortige Reanimation, meist inklusive Defibrillation. Bei einer Defibrillation wird ein massiver Stromstoß von außen über zwei auf dem Brustkorb aufliegende Plattenelektroden verabreicht. Er erregt für einen kurzen Moment alle Herzmuskelzellen gleichzeitig, womit alle elektrischen und auch alle mechanischen Aktionen im Herzen gestoppt sind. Als erstes Reizbildungszentrum erholt sich der |Sinusknoten, dessen Erregungswellen sich jetzt über das gesamte Herz ausbreiten können und somit den Herzrhythmus wieder bestimmen.

Nach einem akuten Ereignis
Nach überstandenen Kammertachykardien und Kammerflimmern wird immer die auslösende Ursache gesucht. Lässt sich diese nicht durch Verbesserung der Herzmuskeldurchblutung oder durch Änderungen der Medikamente beseitigen, kommt die Implantation eines ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, auch AICD) in Betracht, der die gefährlichen Herzrhythmusstörungen erkennt und automatisch durch Abgabe von Elektroschocks beendet.

Ein ICD überwacht die Herzschlagabfolge und kann plötzlich auftretende ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern erkennen und beenden (Antitachykardiefunktion), indem er die Herzmuskelerregung über hochfrequente Stromstöße in den normalen (Sinus) Rhythmus zurückzwingt. Damit ist der ICD eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand aufgrund von Kammerflimmern überlebt haben oder bei denen eine medikamentöse Therapie keinen dauerhaften Erfolg zeigt.

Ein ICD ist zwar etwas größer als ein Herzschrittmacher, wird aber wie dieser im Bereich der Brustmuskulatur implantiert und über eine Schrittmacherelektrode mit dem rechten Herzen verbunden. Neben seiner lebensrettenden Defibrillator-Funktion kann er auch wie ein einfacher Schrittmacher agieren und das Herz takten. Zudem zeichnet er wie ein EKG-Computer die Herzaktionen auf und speichert sie. Damit prüft der Kardiologe bei jeder Kontrolluntersuchung, ob seit der letzten Kontrolle Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und ob der ICD richtig reagiert hat.

Ventrikuläre Tachykardien oder Extrasystolen behandelt der Arzt auch mit einer Katheterablation.

Prognose

Die Prognose von ventrikulären Herzrhythmusstörungen hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung und der Schnelligkeit der Behandlung ab.

Unbehandeltes Kammerflimmern ist tödlich. Wird jedoch innerhalb der ersten 3 bis 5 Minuten nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (kardiopulmonale Reanimation) mitsamt Defibrillation – beispielsweise mit einem automatischen externen Defibrillator (AED), der auch von Laien bedient werden kann – durchgeführt, überleben etwa 50–75 %. Die Realität sieht jedoch leider anders aus, meist vergeht zuviel Zeit, bis den Betroffenen geholfen wird (häufig erst durch den Rettungsdienst), wodurch sich die Prognose deutlich verschlechtert und die Überlebensrate auf etwa 10 % sinkt.

Ventrikuläre Tachykardien in den ersten 3 Monaten nach einem Herzinfarkt haben ebenfalls eine schlechte Prognose: 85 % der betroffenen Patienten versterben innerhalb des ersten Jahres nach Infarkt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können
Bewegungstherapie. Leichte sportliche Betätigung ist in den meisten Fällen hilfreich. Vermeiden Sie jedoch Sportarten, die Ihnen körperliche Höchstleistungen abverlangen. Gegebenenfalls bietet sich auch regelmäßiges Training in einer Herzsportgruppe an.

Ernährung. Hinweisen zufolge beeinflusst eine |Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren wie Eicospentaensäure ist, den weiteren Krankheitsverlauf günstig. Da Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen können, sollten Sie auf stark blähende Lebensmittel verzichten, wenn Sie zu |Blähungen neigen.

Komplementärmedizin
Natur- und Komplementärmedizin können die verordneten Herzmedikamente nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen gehört in die Hände von Fachärzten.

Homöopathie. |Homöopathische Konstitutionsmittel zu Herzrhythmusstörungen sind u. a. Argentum nitricum, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Spigelia N® Tropfen Synergon Nr. 161, Arrhythmie-Gastreu® N R66 Tropfen) zur Verfügung.

Entspannungsverfahren. |Enspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong können helfen, begleitende vegetative Beschwerden wie Nervosität oder Anspannung abzubauen bzw. auslösende Faktoren wie psychische Erregung, z. B. durch Stressbelastung, zu mildern.

Pflanzenheilkunde. Phytopharmaka sind nur bei leichteren Herzrhythmusstörungen eine Option. Keinesfalls sind sie eine Alternative zu den verordneten chemischen Medikamenten, in manchen Fällen kann jedoch eine Kombination sinnvoll sein. Je nach Ursache und Beschwerdebild kommen verschiedene Heilpflanzen in Betracht, so z. B. Wolfstrappkraut bei Herzrhythmusstörungen als Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion oder Heilkräuter mit beruhigender Wirkung z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, wenn die Herzrhythmusstörungen mit Unruhe- und Spannungszuständen und/oder Schlaflosigkeit verbunden sind.

Dagegen zeichnet sich der Besenginster (Cytisus scoparius, z. B. Spartiol®) durch seine direkte Wirkung auf das Reizleitungssystem aus. Da es bei der Anwendung als Tee durch falsche Dosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann, werden heute in der Regel Fertigpräparate eingesetzt. Weiter ist Weißdorn für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen geeignet. Die Präparate (z. B. Crataegutt Novo 450®) müssen allerdings hoch dosiert sein, um ihre Wirkung zu entfalten.

Wegen der Gefahr einer Blutdruckkrise dürfen Besenginster und |MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso sind Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie ein AV- Block Kontraindikationen.

Weiterführende Informationen

Der Bundesverband Defibrillator (ICD) Deutschland ist ein Netzwerk für Menschen mit implantiertem Defi und deren Selbsthilfegruppen. Die Website http://www.defibrillator-deutschland.de/|www.defibrillator-deutschland.de bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen und Hilfe. Außerdem findet sich dort eine Liste der Defi-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Flugreise trotz Herzerkrankung: Was müssen Betroffene beachten?

Quelle: apotheken.de | 12.07.2019 | Sandra Göbel
 Trotz Herzerkrankung müssen viele Betroffene auf das Erkunden ferner Länder nicht verzichten.Flugreisen können das Herz-Kreislauf-System belasten. Viele Herzpatienten besitzen dennoch eine  Flugreisetauglichkeit. Was Herzpatienten vor der Buchung einer Flugreise beachten sollten.

Erst zum Arzt, dann ins Reisebüro
Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzkrankheit, etwa einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Viele der Betroffenen planen eine Reise – oft über weitere Strecken. Doch der niedrige Luftdruck und die geringere Sauerstoffsättigung in einem Flugzeug sind eine Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System. So führt etwa der leichte Sauerstoffmangel eines Passagierjets auf Reiseflughöhe zum Anstieg von Herzfrequenz, Blutdruck und zu erhöhtem Sauerstoffverbrauch des Herzens.

„Um Komplikationen über den Wolken zu vermeiden, sollten Betroffene deshalb noch vor der Reiseplanung ihre Flugreisetauglichkeit vom Kardiologen bestimmen lassen“, rät der Herzspezialist Prof. Dr. med. Wolfgang Schöls vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. „Herzpatienten dürfen in der Regel fliegen. Letztlich entscheidend für die Flugreise eines Patienten mit KHK oder Herzschwäche ist die Leistungsfähigkeit des Herzens“, erläutert Prof. Schöls, Leiter des Herzzentrums Duisburg.

Flugreisen nach Herzinfarkt
Nach einem Herzinfarkt hängt die Flugreisetauglichkeit unter anderem von der Infarktgröße ab. Kardiologen unterscheiden zwischen niedrigem, mittlerem und hohem Risiko. Bei niedrigem Risiko können Betroffene häufig schon circa fünf bis acht Tage nach dem Ereignis wieder fliegen. Ein niedriges Risiko ist zum Beispiel durch folgende Faktoren gekennzeichnet: Alter unter 65 Jahren, erster Herzinfarkt, kleiner Infarkt, erfolgreiche Gefäßwiedereröffnung, Auswurffraktion des Herzens über 45 Prozent und keine Komplikationen. Auch bei mittlerem und höherem Risiko ist das Fliegen häufig nach einer symptomfreien Zeitspanne wieder möglich. Der Kardiologe berät über die einzuhaltende Wartezeit individuell. „Auf Langstreckenflüge sollte jedoch auch bei niedrigem Risiko verzichtet werden“, betont Prof. Schöls.

Flugreisende mit Herzschwäche
Betroffene mit Herzschwäche sollten vor Reiseantritt Ursache und Schweregrad der Herzschwäche bestimmen lassen. Der Schweregrad einer Herzschwäche richtet sich nach der sogenannten NYHA-Klassifikation. Bei chronisch stabiler Herzschwäche bis NYHA-Stufe II besteht in der Regel volle Flugreisetauglichkeit. „Jede Verschlechterung der Symptome wie Atemnot, Gewichtszunahme wegen Wassereinlagerung, Erschöpfung, Herzenge oder Rhythmusstörungen in den letzten vier Wochen macht fluguntauglich“, erläutert Prof. Schöls.

Quelle: Deutsche Herzstiftung

Mehr Lebensfreude durch Achtsamkeit: Ruhe in sich selbst finden

Quelle: apotheken.de | 05.07.2019 | Leonard Olberts
 Achtsamkeit hilft dabei, die Umwelt und den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.Der Terminkalender ist voll, der Alltag belastend: Viele Menschen sind heute im Dauerstress. Das Erlernen von Achtsamkeit verspricht Abhilfe. Doch wie funktioniert es?

Dauerstress macht anfälliger für Krankheiten
Der ideale Alltag besteht aus einem ständigen Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Doch bei immer mehr Menschen gerät diese fragile Balance aus dem Gleichgewicht. Die Folgen sind dramatisch: Überwiegt der Stress dauerhaft, erhöht sich der Blutdruck, rote Blutkörperchen und Fette verstopfen die Gefäße. Im schlimmsten Fall drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall. In den seltenen Ruhezuständen wiederum wird der Körper anfälliger für Krankheiten. „Eine lange Phase des Stresses ist nie gut für Körper und Geist. Sie kann beispielsweise Schlafstörungen, psychisch bedingte Magen-Darmprobleme, Konzentrationsstörungen und Dauermüdigkeit hervorrufen“, ergänzt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer.

Mehr Aufmerksamkeit auf das „Hier“
Einen Ausweg aus dem Dauerstress bietet das Praktizieren von Achtsamkeit. Ihr Ziel ist es, dem Wesentlichen, dem „Hier“ mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Manchmal reicht es schon, bei einem kurzen Spaziergang oder dem Blick aus dem Fenster auf die Dinge zu achten, die im Alltag oft übersehen werden, und sich daran zu erfreuen. Das kann die Blume am Wegesrand oder das Lächeln einer vorbeigehenden Person sein. Man versucht, auf seinen eigenen Körper zu hören und ihn bewusst wahrzunehmen, um sich selbst zu entschleunigen“, erklärt Jakob-Pannier.

Achtsamkeit ist immer und überall möglich
Eine andere Form der Achtsamkeit ist es, sich bewusst von der Umwelt abzuschotten und sich stattdessen auf Dinge zu konzentrieren, die einen glücklich machen. Besonders vorteilhaft laut der Expertin: Achtsamkeitsübungen können immer und überall durchgeführt werden. Oft reichen auch schon kleine Momente an Achtsamkeit, um den Alltagsstress zurückzudrängen.

Quelle: Barmer

Rauf aufs Rad: Radeln hält fit und gesund

Quelle: apotheken.de | 21.05.2019 | Julia Schmidt
 Gerade nach einem langen Winter macht Radeln im Frühling richtig Spaß.Mit Beginn des Frühlings schwingen sich wieder mehr Menschen auf ihr Rad, um zur Arbeit zu fahren oder in ihrer Freizeit die Natur zu genießen. Warum das Radeln auf dem Drahtesel so gesund ist und was es beim Kauf zu beachten gibt.

Rat für den Kauf des passenden Rads
Wer nur drei- bis viermal pro Woche 30 bis 45 Minuten in die Pedalen tritt, schafft die besten Voraussetzungen für eine gute Gesundheit. „Bereits verhältnismäßig kurze Strecken wie etwa die Fahrt zum Supermarkt oder ins Büro können beispielsweise den Gang ins Fitness-Studio ersetzen“, informiert Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der Barmer GEK. Doch bevor man sich auf seinen Drahtesel schwingt, sollte man sicher sein, dass das Rad auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Das fängt bei der Wahl des richtigen Modells an.

Holland- oder Cityräder verfügen über eine angenehme Sitzposition und eignen sich deshalb für Fahrten ins Büro oder zum Einkaufen.Trecking-Räder ermöglichen durch die spezielle Bereifung zügiges Fahren sowohl auf Asphalt, als auch auf Feldwegen.Mountainbikes sind leicht und gut gefedert. Sie eignen sich für abenteuerliche Touren wie durch den Wald, in den Bergen oder über Schotterpisten.Mit Rennrädern lassen sich sehr hohe Geschwindigkeiten erzielen. Sie sind allerdings nur für asphaltierte Wege geeignet, da sie sehr dünne Reifen haben. Charakteristisch für Rennräder ist außerdem die weit nach vorn gebeugte Sitzhaltung. Wer sich zum ersten Mal ein Rennrad zulegt, sollte sicher sein, dass er sich an diese Haltung gewöhnen wird.

Faustregel bei der Sattelhöhe einhalten
Für gesundes Radeln sind die Art und Höhe des Sattels entscheidend. „Keine Kompromisse sollten Radfahrer bei der Wahl des Sattels machen. Hier sollte man vor dem Kauf durchaus einige ausprobieren. Denn der ´richtige´ Sattel ist der, der sich richtig anfühlt“, erklärt Möhlendick. Die richtige Sattelhöhe ist hingegen keine Frage des Geschmacks. Als Faustregel gilt: Wenn man auf dem Sattel sitzt und die Ferse mit durchgestrecktem Bein auf die nach unten gestellte Pedale absetzen kann, stimmt die Höhe. Wer unsicher ist, lässt sich am besten von einem Fachhändler beraten.

Radfahren als Allround-Training

Sobald das passende Rad optimal auf den Fahrer abgestimmt ist, kann es losgehen. Wer regelmäßig mit dem Rad fährt, trägt viel zu seiner Gesundheit bei, denn Radfahren ist ein Allround-Training: Es bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und trainiert die Po- und Beinmuskulatur. Darüber hinaus ist Radfahren für Menschen geeignet, die aus orthopädischer Sicht auf andere Sportarten verzichten müssen. „Da man sein Gewicht, anders als etwa beim Laufen, nicht mit sich herumschleppt, ist Fahrrad fahren besonders gelenkschonend. Selbst wer bereits unter Kniebeschwerden leidet, ist auf dem Fahrrad gut aufgehoben. Der Druck auf die Kniegelenke ist aufgrund der entlastenden Wirkung von Sattel und Lenker niedriger und durch den regelmäßigen Tritt gleichmäßiger“, erläutert Möhlendick.

Auf regelmäßiges Radfahren reagiert der Körper wie folgt:

Stresshormone werden abgebautder Ruhepuls sinktdas Herzvolumen steigtder Körper wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgtder Fettstoffwechsel wird angekurbelt.

Quelle: Barmer GEK

Geschlechtsverkehr trotz Herzleiden: Sex führt nicht zu Herzinfarkten

Quelle: apotheken.de | 02.04.2019 | Sandra Göbel
 Das Sexualleben muss nach einem Herzinfarkt nicht dauerhaft eingeschränkt werden.Viele Menschen mit Herzerkrankungen fürchten, dass sie einen Herzinfarkt erleiden, wenn sie Geschlechtsverkehr haben. Ein Forscherteam aus Ulm räumt mit dieser Sorge auf. Menschen mit Herzleiden müssen ihr Sexualleben nicht einschränken. 

Rückfälle bei sexuell aktiven Patienten nicht häufiger
Über einen Zeitraum von zehn Jahren untersuchten die Wissenschaftler mehr als 500 Männer und Frauen im Alter von 30 bis 70 Jahren. Alle Studienteilnehmer hatten einen Herzinfarkt erlitten. Die Wissenschaftler befragten die Teilnehmer, wie häufig sie in den zwölf Monaten vor dem Herzinfarkt Geschlechtsverkehr hatten und wann sie den letzten Geschlechtsverkehr vor dem Herzinfarkt hatten. Als kritisch gilt ein Zeitfenster von zwei Stunden vor dem Infarkt. Doch lediglich 0,7 Prozent der Studienteilnehmer hatten innerhalb dieses Zeitrahmens Geschlechtsverkehr. Bei über 78 Prozent der Teilnehmer trat der Herzinfarkt mindestens 24 Stunden nach dem Sex auf. Während der Langzeitstudie erlitten 100 Patienten einen weiteren Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Rückfälle traten bei sexuell aktiven Teilnehmern nicht häufiger auf.

Sorge vor Herzinfarkten durch Sex ist unbegründet
„Die Daten unserer Langzeitstudie zeigen, dass sexuelle Aktivität kein relevanter Auslöser für einen Herzinfarkt ist und bei Patienten mit stabiler Herzerkrankung auch langfristig keine negativen Auswirkungen hat“, berichtet Professor Dietrich Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm.

Die Studie schließt eine wichtige Informationslücke und räumt mögliche Sorgen und Ängste von Menschen mit Herzerkrankung aus. „Weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, erhalten ausreichende Informationen darüber, ob sie weiterhin sexuell aktiv sein können. Es ist wichtig, dass den Patienten versichert werden kann, dass sie sich nicht sorgen oder ihr gewohntes Sexualleben einschränken müssen“, erklärt Prof. Rothenbacher.

Erektionsstörungen als Nebenwirkung von Herzmedikamenten
Rothenbacher weist außerdem darauf hin, dass einige Herzmedikamente als Nebenwirkung Erektionsstörungen begünstigen. Nehmen Betroffene wegen ihrer Herzbeschwerden Nitrate ein und möchten mit Hilfe von Potenzmitteln den Erektionsstörungen entgegenwirken, droht ein plötzlicher Blutdruckabfall mit Bewusstlosigkeit. Männer mit Herzerkrankungen sollten sich deshalb bei Erektionsstörungen in einem vertraulichen Gespräch an ihren Arzt wenden und von der eigenmächtigen Einnahme von Potenzmitteln absehen.

Quelle: Universität Ulm

Trinkmenge bei Herzleiden: Genügend, aber nicht zu viel

Quelle: apotheken.de | 05.03.2019 | Sandra Göbel/Simone Lang
 Trinken nicht vergessen! Menschen mit Herzleiden sollten die optimale Flüssigkeitsmenge mit ihrem Arzt besprechen.Ältere oder herzkranke Menschen sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, es aber nicht übertreiben, denn das belastet das Herz. Wie tägliches Wiegen hilft, die Trinkmenge festzulegen.

Bei sehr heißem Wetter verliert der Körper 1 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag durch Schwitzen. Trinken ist daher wichtig, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. „Aber bei älteren oder herzkranken Menschen kann das Durstgefühl nicht richtig intakt sein, so dass sie nicht ausreichend trinken und der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen wird“, warnt Prof. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Wenn in einer solchen Situation durch eine zusätzliche Einnahme wassertreibender Medikamente (Diuretika) ein stärkerer Flüssigkeitsverlust entsteht, nimmt das Blutvolumen in den Gefäßen ab: Der Blutdruck sinkt und es kann vor allem beim Aufstehen aus liegender oder sitzender Position zu Kreislaufkollaps mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kommen.“ Da auch die ausgeschwitzten Salze nicht hinreichend ausgeglichen werden, drohen zusätzlich Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelkrämpfen und bisweilen Herzrhythmusstörungen.

Gefahr durch zu starke Flüssigkeitszufuhr
Ältere Menschen und Patienten mit einer Herzschwäche müssen daher an heißen Tagen angehalten werden genügend zu trinken, zusätzlich 1 bis 2 Liter pro Tag. Allerdings betont Andresen: „Genügend heißt auch: Nicht zu viel! Denn eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr kann bei herzkranken Patienten zur Verschlechterung ihrer Herzleistung führen.“ Der Experte rät herzkranken Patienten, ihre Trinkmenge und Medikamenteneinnahme immer mit ihrem betreuenden Arzt abzustimmen.

Tägliches Wiegen schafft Kontrolle
Tägliches Wiegen hilft, die Flüssigkeitsbilanz zu kontrollieren und die notwendige Trinkmenge festzulegen. Herzpatienten, besonders diejenigen mit Herzschwäche, sollten sich morgens vor dem Frühstück und nach dem ersten Gang zur Toilette wiegen. Durch zusätzliches Wiegen am Abend lässt sich die Flüssigkeitsbilanz über den Tag grob einschätzen. Ist das Körpergewicht trotz Flüssigkeitszufuhr um mehr 1 Pfund angestiegen, ist die Trinkmenge zu hoch. Wer als Herzschwächepatient trotz Flüssigkeitszufuhr abgenommen hat, sollte – nur in Abstimmung mit dem Arzt – die Dosierung der Entwässerungsmittel herabsetzen, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung.

Medikamente bei akutem Koronarsyndrom

Quelle: apotheken.de | 06.11.2018 |
Ziel der medikamentösen Behandlung nach einem akuten Koronarsyndrom ist, das Fortschreiten der Herzgefäßverengungen und damit einen (neuen) Herzinfarkt zu verhindern sowie die Leistung des Herzmuskels wieder zu verbessern oder zumindest zu erhalten. Hierzu stehen folgende Medikamente zur Verfügung, die von allen Patienten nach Herzinfarkt eingenommen werden sollten:

Die regelmäßige Einnahme von Plättchenhemmern (Thrombozytenaggregationshemmer) wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel. Beide Wirkstoffe verhindern das schnelle Verklumpen des Bluts in den Blutgefäßen und beugen damit neuen Blutgerinnseln in geschädigten Herzkranzgefäßen vor. Zwischenzeitlich wurde die Einnahme beider Wirkstoffe empfohlen. Diese Kombination ist zwar besonders effektiv, aber wegen möglicher Blutungskomplikationen nicht unumstrittenher. Weil die Blutungsgefahr etwas höher ist, wird die kombinierte Einnahme auf 12 Monate begrenzt, danach wird oft mit Acetylsalicylsäure ohne Clopidogrel weiterbehandelt. Als Alternative zu Chlopidogrel gibt es seit Kurzem den Wirkstoff Ticagrelor. Er erwies sich als wirkungsvoll bei leichterem Herzinfarkt ohne typische EKG-Veränderungen oder bei einer instabilen Angina pectoris. Inzwischen darf Ticagrelor auch gemeinsam mit niedrig dosierter ASS nach Herzinfarkt zur Prävention von arteriellen Thromben eingesetzt werden. Erste Bewertungen durch Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen legen einen leichten Zusatznutzen der Ticagrelor-ASS-Kombination gegenüber einer ASS-Monotherapie nahe. Die gleichen Ziele können auch mit der Einnahme von Marcumar® erreicht werden. Betablocker (z. B. Metoprolol, Atenolol, Bisoprolol oder Carvedilol) schützen das Herz vor zu schnellem Herzschlag und verhindern so gefährliche Herzrhythmusstörungen. Statine (CSE-Hemmer; z. B. Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Simvastatin) senken den Cholesterinspiegel im Blut und hemmen das Fortschreiten der Arteriosklerose. Nach einem Herzinfarkt wird ein LDL-Cholesterin von unter 100 mg/dl angestrebt, was durch eine Ernährungsumstellung allein kaum je erreicht wird. Zusätzlich hemmen die Statine offenbar auch neue Fettansammlungen in den Gefäßwänden (|Plaques). ACE-Hemmer verhindern ungünstige Umbauvorgänge in der infarktgeschädigten Herzmuskulatur und erhalten oder verbessern damit die Pumpfunktion des Herzens (vgl. |chronische Herzinsuffizienz). Zudem wirken sie blutdrucksenkend.