Schon gewusst?

Diabetes kostet Lebensjahre: Blutzuckerwerte gut einstellen!

Quelle: apotheken.de | 21.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Auch wenn es manchmal lästig ist ? ein gutes Diabetesmanagement zahlt sich aus.Es lohnt sich, seinen Diabetes streng im Blick zu behalten: Eine schlechte Kontrolle der Blutzuckerwerte kostet Lebensjahre wie aktuelle Daten zeigen.

Diabetes erfordert Disziplin Diabetiker*innen haben es nicht leicht: Sie müssen je nach Typ peinlich auf die Ernährung achten und der Blutzucker ist regelmäßig zu kontrollieren. Wer Insulin spritzt, muss zudem ständig die richtige Dosierung im Blick behalten. Da wundert es nicht, wenn Patient*innen beim Management ihrer Erkrankung manchmal die Lust verlieren und etwas nachlässig werden. Doch das kommt teuer zu stehen wie eine aktuelle Studie zeigt.

Anhand des Sterberegisters und der Daten von mehr als 2 Millionen an Diabetes erkrankten Personen berechneten britische Ärzte sowohl die Lebenserwartung bei Diabetes als auch den Einfluss einer schlechten Blutzuckereinstellung auf die Lebenszeit. Parameter für die schlechte Blutzuckereinstellung war der HbA1c-Wert. Das ist ein Blutwert, der die Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum hinweg widerspiegelt.

Frauen benachteiligt
Nach Analyse der Daten stellte sich (erwartungsgemäß) heraus, dass ein Diabetes die Lebenszeit verkürzt. Beim Typ-1-Diabetes um durchschnittlich 7 bis 8, beim Typ-2-Diabetes um knapp 2 Lebensjahre. Frauen waren besonders stark betroffen: Sie verloren mehr Lebenszeit als männliche Patienten.

Hoher Preis für schlechte Werte
Bei 70% der Typ-1- und 33 % der Typ-2-Diabetiker*innen lagen bei der letzten Kontrolle die HbA1c-Werte im Risikobereich. Der Preis für eine solch schlechte Blutzuckereinstellung war hoch: Im Vergleich mit den Sterbedaten zeigte sich, dass Patienten*innen, die ein Jahr lang erhöhte HbA1c-Werte aufgewiesen hatten, etwa 100 Lebenstage einbüßten.

Andere Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht sind in diese Berechnungen allerdings nicht eingeflossen. Trotzdem sollten die Ergebnisse Diabetiker und Diabetikerinnen motivieren, den Blutzucker mit Medikamenten und Lebensstiländerungen im grünen Bereich zu halten, betonen die Studienautoren.

Quellen: Springer Medizin, Cardiovascular Endocrinology & Metabolism

Erstickungsgefahr: Babys sicher betten: Decken, Eltern, Kuscheltiere

Quelle: apotheken.de | 20.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Zum Schlafen ist für Babys die Rückenlage besser als die Bauchlage.Babys, die im Schlaf ersticken: Ein Albtraum, der immer wieder passiert – und sich in vielen Fällen vermeiden ließe. Doch was birgt die größte Gefahr für schlafende Babys und wie bettet man sie wirklich sicher?

Erstickungstod ist oft vermeidbar
Im Schlaf zu ersticken ist eine häufige Ursache tödlicher Unfälle von Neugeborenen und Säuglingen. Besonders tragisch daran: In vielen Fällen ließe sich der Tod der Kinder mit einfachen Verhaltensregeln vermeiden, berichten amerikanische Forscher. Sie haben die Umstände von 243 kindlichen Erstickungsunfällen untersucht und die tödlichen Ursachen ausfindig gemacht.

Gefahr durch weiches Bettzeug
Im Durchschnitt waren die Kleinen bei ihrem Tod 3 Monate alt. 69% der Kinder erstickten durch weiches Bettzeug, wie Decken, weiche Matratzen oder Kissen. Das geschah in knapp der Hälfte der Fälle im Bett der Eltern, ansonsten im eigenen Kinderbettchen. Ältere und dadurch etwas beweglichere Säuglinge verfingen sich in Decken, jüngere Säuglinge, die den Kopf noch nicht heben konnten, wurden häufig durch Kissen erstickt. 92% der durch weiches Bettzeug erstickten Kinder fand man in Bauchlage.

Von Mama oder Papa im Schlaf erdrückt
19% der Babys erstickten, weil Vater oder Mutter im Bett über dem Kind zu liegen kamen und ihnen damit die Luft nahmen. In diesen tragischen Fällen waren die Eltern oft durch Alkohol oder Drogen berauscht. Bei einigen der erdrückten Kinder waren Mutter oder Vater auch beim Füttern des Babys eingeschlafen.

In manchen Fällen (12%) bekamen die Kinder keine Luft mehr, weil sie zwischen Wand und Matratze eingeklemmt waren. Auch dies passierte häufiger, wenn die Kleinen mit Erwachsenen ein Bett teilten.

So schläft Baby sicher
Wie man Babys sicher bettet, schlussfolgern die Studienautoren ebenfalls: Babys sollen allein in ihrem Gitterbett oder ihrer Wiege im Zimmer ihrer Eltern schlafen. Die beste Schlafposition für Babys ist die Rückenlage. Die Matratze sollte fest und eben sein. Decken, Polster, Tücher, Felle, Kuscheltiere und Kissen gehören nicht ins Babybett. Gegen Kälte schützen Schlafsäcke oder wärmere Schlafkleidung.

Quelle: Pediatrics

Tipps gegen Demenz: Von Bewegen bis Blutdruckkontrolle

Quelle: apotheken.de | 19.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Kraft- und Ausdauertraining schützen vor der Entwicklung einer Demenz.Demenz ist für die meisten Menschen ein Albtraum. Auch für die WHO – sie rechnet in den nächsten Jahrzehnten weltweit mit einer regelrechten Demenz-Epidemie. Mit konkreten Empfehlungen zur Prävention will sie dieser Entwicklung entgegensteuern.

Dreimal mehr Demente als heute
Mit 150 Millionen Dementen weltweit rechnet die WHO für das Jahr 2050 – das sind dreimal so viel Betroffene als heute. Grund für die Demenz-Epidemie ist die wachsende und gleichzeitig alternde Bevölkerung. Das bedeutet eine ganz erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem, zumal es bisher keine wirksamen Medikamente dagegen gibt. Die WHO setzt deshalb auf Prävention und gibt den Menschen konkrete Maßnahmen an die Hand, um das eigene Demenzrisiko zu verringern. 3 Punkte sind dabei ganz besonders wichtig:

Bewegung. Je mehr sich ein Mensch im Laufe seines Lebens bewegt, desto geringer ist sein Demenzrisiko. Dabei fördert körperliche Aktivität offenbar die Hirnstrukturen sowohl direkt als auch über eine verbesserte Durchblutung. Trainiert werden sollen 75 Minuten pro Woche intensiv oder 150 Minuten moderat. Gut geeignet sind Schwimmen oder Radfahren, am besten kombiniert mit Krafttraining. Nikotinverzicht. Beim Rauchen gehen die Experten von einem zweifachen Angriff auf das Gehirn aus. Zum einen schädigen die im Tabakrauch enthaltene Substanzen das Gehirn direkt, zum anderen schadet Rauchen den Gefäßen und damit der (Hirn)-Durchblutung. Wer also noch nicht rauchfrei ist, sollte im Hinblick auf die Hirnleistung die Raucherentwöhnung starten. Blutdruckkontrolle. Vor allem im mittleren Alter scheint ein Bluthochdruck das spätere Risiko für eine Demenz zu erhöhen. Deshalb fordern die WHO-Experten die leitliniengerechte Behandlung von Hochdruckpatienten, sowohl durch Lebensstiländerungen als auch mit den erforderlichen Medikamenten.

Neben dem Kampf gegen Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck empfiehlt die WHO zur Vorbeugung außerdem

gesunde, mediterrane Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Fisch, Nüssen sowie wenig Salz und Zucker. Keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Demenz hat nach WHO die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder Vitaminen Alkoholreduktion kognitives Training mit Gehirnjogging, Rätseln, Gedächtnistraining soziale Aktivitäten Gewichtsabnahme bei Übergewicht leitliniengerechte Behandlung von Hörverlust, Depressionen, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes.



Quelle: Ärztezeitung, WHO

Nahrungsergänzung im Blick: Kürbiskern-Produkte: Sinn oder Unsinn?

Quelle: apotheken.de | 16.10.2020 | Marie Schläfer
 Ganze Kerne, als Öl oder in Pulverform: Wie entfalten Kürbskern-Produkte ihre Wirkung am besten?Früher oder später trifft sie fast jeden Mann: die gutartige Prostatavergrößerung. Nahrungsergänzungsmittel mit Kürbiskernen versprechen Besserung – und das ganz ohne OP. Doch helfen die Kerne tatsächlich?

Traditionelles Heilmittel
Kürbis eignet sich nicht nur als Dekoration oder zum Kochen, sondern hat angeblich auch heilende Wirkung, z. B. bei Blasen- und Prostatabeschwerden. Das könnte vor allem an seinen pflanzlichen Steroiden liegen, etwa dem ?-7-Sterol.

Steroide für das hormonelle Gleichgewicht
Bei der gutartigen Prostatavergrößerung wächst die Prostata im Alter, bis sie schließlich auf die Harnwege drückt. Dadurch entstehen typische Symptome: Häufiger Harndrang, Schwierigkeiten bei Wasserlassen und im fortgeschrittenen Stadium sogar eine Niereninsuffizienz. Über die Ursache der gutartigen Prostatavergrößerung streitet die Wissenschaft noch. Möglich ist jedoch, dass sie durch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone ausgelöst wird. Hier kommen die Steroide der Kürbiskerne ins Spiel. Sie verbessern das hormonelle Gleichgewicht im Körper und wirken den Alterungsprozessen entgegen.

Wirksamkeit bewiesen?
Soweit zur Theorie – doch ist das auch wissenschaftlich bewiesen? Noch ist die Datenlage nicht eindeutig, doch eine große Studie macht Hoffnung. Hier verbesserten sich die Symptome der Prostatavergrößerung deutlich, nachdem die Männer über 12 Monate jeden Tag Kürbiskerne eingenommen hatten. Aber aufgepasst: Am stärksten verbesserten sich die Beschwerden in der Gruppe, die 10 g Kürbiskerne als Ganzes eingenommen hatte. Der Effekt von Kapseln mit Kürbiskernextrakt hingegen war nicht ganz so stark.

Mehr Informationen über Kürbiskerne erhalten Sie in der Kategorie „Nahrungsergänzungsmittel".

Quellen: J. Sökeland, A. Sökeland: Naturheilverfahren in der Urologie, Springer-Verlag 2013; Vahlensieck et al. 2013; Verbraucherzentrale

Kaffee in der Schwangerschaft: Keine, eine, zwei oder mehr Tassen?

Quelle: apotheken.de | 15.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Eine oder zwei Tassen Filterkaffee täglich sind laut DGE auch für Schwangere erlaubt.Ohne Kaffee ist auch für viele Schwangere der Start in den Tag unvorstellbar. Doch Koffein kann dem Ungeborenen schaden. Wie viel Kaffee ist erlaubt für werdende Mütter? Oder sollten sie besser ganz auf den Wachmacher verzichten?

Risiko für Fehlgeburt erhöht
Zuviel Koffein in der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für das Kind haben. So ist das Risiko für Wachstumsstörungen des Fetus erhöht, außerdem wurden negative Effekte auf das Geburtsgewicht berichtet. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE ) ist ab einem Koffeinkonsum von mehr als 300 mg Koffein sogar das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht.

DGE erlaubt zwei Tassen Kaffee täglich
Doch ganz auf Kaffee verzichten muss die werdende Mutter laut den Empfehlungen der DGE nicht. Danach sind 200 mg Koffein täglich sicher und daher erlaubt. Eine Tasse Filterkaffee enthält etwa 90 mg Koffein, 60 ml Espresso 80 und eine Tasse schwarzer Tee (200 ml) 45 mg Koffein. Wer Grünen Tee bevorzugt, darf laut DGE sogar fast 7 Tassen täglich davon trinken ? 200 ml Grüner Tee enthalten etwa 30 mg Koffein. Vom Genuss koffeinhaltige Energydrinks rät die DGE in der Schwangerschaft allerdings ab. Zum einen aufgrund des Koffeingehalts, zum anderen wegen der anderen, noch nicht vollständig bewertbaren Inhaltsstoffe wie Taurin oder Inosit.

Auch bei der WHO wird betont, dass der mütterliche Konsum von mehr als 300 mg Koffein am Tag zu Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung oder einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes führen kann. Eine sichere Grenze für den Kaffeekonsum formulieren die Expert*innen der WHO nicht. Sie raten aber werdenden Müttern, ihren Konsum auf Mengen unter 300 mg Koffein zu reduzieren.

Besser komplett auf Kaffee verzichten?
Eine neue Analyse von 37 Beobachtungsstudien sieht das Kaffeetrinken in der Schwangerschaft noch deutlich kritischer. In 32 der ausgewerteten Untersuchungen ließ sich ein negativer Effekt des Koffeins auf das Kind nachweisen. In einigen Untersuchungen erhöhte sich das Risiko für Fehlgeburt oder niedriges Geburtsgewicht schon beim täglichen Genuss von 100 mg Koffein, berichtet der Studienautor. Er rät Schwangeren dazu, prinzipiell auf Kaffee zu verzichten, da sich seiner Analyse zufolge selbst geringer Kaffeekonsum in der Schwangerschaft nicht als sicher einordnen lässt.

Hauptsache nicht zu viel
Ob sich WHO, DGE und frauenärztliche Fachgesellschaften diesem Rat anschließen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall unterstreicht auch die neue Analyse, dass hohe Dosen Koffein dem Ungeborenen massiv schaden können und Zurückhaltung bei Kaffee, Schwarztee und Cola während der Schwangerschaft sinnvoll ist.

Quelle: DGE, British Medical Journal, WHO

Hunger und Sättigung bei Babys: Sättigungsgefühl respektieren

Quelle: apotheken.de | 13.10.2020 | Susanne Schmid
 Babys wissen am besten, wann sie satt sind - unt teilen dies eindeutig mit.Ein Löffel für Mama, für Papa, für Oma und Opa – doch wann ist Schluss? Babys zeigen genau, wann sie keinen Hunger mehr haben. Wer trotz eindeutiger Signale weiterfüttert, riskiert, dass die Kleinen ihr natürliches Sättigungsgefühl verlieren.

Das Sättigungsgefühl – eine natürliche  Fähigkeit
„Ein Baby reguliert seine Nahrungsaufnahme über Hunger- und Sättigungsgefühle. Wenn es aber überfüttert wird, kann seine Fähigkeit der Selbstregulation verloren gehen und sich längerfristig ein nicht selbst regulierendes Essverhalten entwickeln“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Im schlimmsten Fall wird das Kind übergewichtig.

Wie heißt Hunger in der Babysprache?
Schon wenige Stunden alte Babys geben ihren Eltern unmissverständlich zu verstehen, wann sie hungrig sind. Sie weinen untröstlich, machen schmatzende Geräusche oder suchende Bewegungen. Streichen Sie ihrem Säugling über die Backe. Verfolgt das Kleine den Finger mit dem Schnütchen und saugt daran, hat dies nur eines zu bedeuten – Hunger!

Eindeutige Signale gesättigter Babys
Ein sattes Baby gibt eindeutige Signale: Es hört auf zu trinken und spuckt Sauger oder Brustwarze aus. „Auch wenn es beim Stillen oder Füttern einschläft, zeigt es, dass es satt und zufrieden ist. Ein verlangsamtes Essen und Trinken sind Vorboten für das Ende einer Mahlzeit“, erklärt Dr. Fegeler, Kinder- und Jugendarzt in Berlin. Noch deutlicher wird das Kind im Breialter: Es wendet sich ab oder schlägt den Eltern den vollen Löffel aus der Hand. Dann heißt es: Aufhören! Sonst verliert der kleine Esser eine wichtige Gabe: sein natürliches Sättigungsgefühl.

Quelle: Kinderärzte im Netz

Sozialphobie schränkt das Leben ein: Angst nicht zum Alltag werden lassen

Quelle: apotheken.de | 12.10.2020 | Leonard Olberts
 Begeben sich Sozialphobiker nicht in therapeutische Behandlung, drohen weitere Erkrankungen wie Depression und Suizidalität.Das Leid von Menschen mit sozialer Phobie ist groß, denn in ihrem Alltag sind sie stark eingeschränkt. Die Erkrankung lässt sich allerdings in vielen Fällen erfolgreich behandeln.

Betroffene isolieren sich häufig
„Sozialphobische Ängste zentrieren sich auf zwischenmenschliche Situationen, in denen Betroffene eine subjektiv empfundene Bedrohung des eigenen Selbstwertes verspüren. Die Ängste bestehen darin, vermeintliche Fehler zu machen, sich ungeschickt oder beschämend zu verhalten und negative Aufmerksamkeit bis hin zur Erniedrigung oder auch Kränkung zu erleben“, erklärt Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). „Die Angst wird dabei zwar als unbegründet und übertrieben erkannt, jedoch als so ausgeprägt erlebt, dass sich Betroffene aus eigener Kraft kaum davon lösen können – auch weil Angstgefühle nicht ausreichend reguliert werden können.“

Die negativ verzerrte Einschätzung sozialer Situationen wirkt sich auch körperlich auf die Betroffenen aus – zum Beispiel in Form von Herzrasen, Zittern und Schwitzen, schlimmstenfalls sogar als Panikattacke. Viele Erkrankte entwickeln daher ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten angesichts sozialer Situationen. Die daraus folgende soziale Isolation kann jedoch zu weiteren psychischen Problemen führen wie Depressionen oder Suchterkrankungen bis hin zu Suizidalität.

Therapeutische Maßnahmen oft erfolgreich
Da eine spontane Genesung nicht zu erwarten ist, sollten Betroffene möglichst frühzeitig psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. „Eine kognitive Verhaltenstherapie kann unter anderem dabei helfen, Strategien zur Emotionsregulierung zu entwickeln und die Selbstkontrolle zu normalisieren“, rät Roth-Sackenheim. In Kombination mit solchen therapeutischen Ansätzen wirken häufig auch angstlösende Medikamente unterstützend. In Studien zeigen sich die Maßnahmen erfolgreich: So waren nach einer zehnwöchigen Therapie die Hirnareale, die an der Emotionsverarbeitung beteiligt sind, der Behandelten stärker vernetzt als vor der Behandlung.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

Schluss mit Einnässen: Blasentraining mit Wecksystemen

Quelle: apotheken.de | 09.10.2020 | Marie Schläfer
 Nicht immer ist der Einsatz eines Wecksystems bei nächtlichem Einnässen sinnvoll. Deshalb steht vor jeder Therapie die Untersuchung durch eine Ärzt*in.Wenn das Kind nachts einnässt, ist das für Eltern oft belastend. Ständiges Waschen, Bettwäschewechseln und unruhige Nächte zehren an den Nerven. Wecksysteme versprechen eine Heilung in wenigen Wochen. Doch für wen sind sie geeignet und wie werden sie angewendet?

„Pipi machen“ will gelernt sein
Bis zu einem Alter von 5 Jahren ist Einnässen ganz normal und kein Grund zur Sorge, denn die Kontrolle über die Blase entwickelt sich langsam. Schaffen es ältere Kinder aber öfter als einmal im Monat nicht rechtzeitig zur Toilette und hält der Zustand über ein Viertel Jahr an, sprechen Ärzt*innen von einer „Enuresis nocturna“. Oft helfen dann spezielle Wecksysteme, das Problem in den Griff zu bekommen. Diese wecken das Kind durch einen lauten Ton, sobald die Unterhose nass wird. Mit der Zeit lernt das Kind, die volle Blase selbst – also vor dem Einnässen -  wahrzunehmen.

Erst Diagnose, dann Therapie
Erster Ansprechpartner bei nächtlichem Einnässen ist die Kinderärzt*in. Sie geht durch eine ausführliche Untersuchung der Ursache auf den Grund. Denn nicht immer sind nächtliche Wecksysteme sinnvoll, etwa bei einer fehlgebildeten Blase oder einer gestörten Blasenfunktion. Kindern ohne zugrunde liegende Erkrankung helfen oft auch schon einfache Maßnahmen, wie eine Änderung des Trinkverhaltens oder das Führen eines „Pipi-Tagebuchs“.

Richtige Anwendung der Wecksysteme
Führt das nicht zum Erfolg geführt, sind Wecksysteme das Mittel der Wahl. Diese Tipps helfen bei der richtigen Anwendung:

Das Wecksystem muss jede Nacht angewendet werden. Erst wenn das Kind 14 Nächte hintereinander nicht eingenässt hat, ist die Therapie beendet. Das dauert meistens 10 Wochen.

Falls das Kind von dem Wecksignal nicht aufwacht, springen am besten die Eltern ein und wecken das Kind.

In ungefähr 15 – 30 % der Fälle kommt es innerhalb der ersten 6 Monate zu einem Rückfall. Oft lohnt es sich, das Wecksystem erneut einzusetzen.

 Zeigt sich nach 6 – 8 Wochen keine Veränderung, ist das Wecksystem wahrscheinlich nicht für Ihr Kind geeignet. Hier hilft es, erneut Rücksprache mit der Ärzt*in zu halten.

Quellen: Cochrane bloggt auf deutsch, AWMF Leitlinie

Ab 8000 Schritten lebt man länger: Tägliches Pensum

Quelle: apotheken.de | 08.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Ob mit oder ohne Stock ? mindestens 8000 Schritte am Tag sollten es schon sein. Bewegung hält gesund ? das ist bekannt. Dabei braucht man sich nicht einmal besonders anzustrengen: Bloßes Gehen reicht. Wer dabei mehr als 8000 Schritte am Tag schafft, hat gute Chancen, länger zu leben.

Knapp 5000 Männer und Frauen im Test
Schrittzähler sind modern geworden. Ob am Handy oder als Smartwatch weisen sie genau nach, wie viele Schritte der Träger zurückgelegt hat. Doch hat die Anzahl der Schritte überhaupt eine Auswirkung auf die Gesundheit? Forscher vom US National Institute of Cancer sind dieser Frage mit Hilfe einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung nachgegangen.

4840 Männer und Frauen trugen im Zeitraum 2003 bis 2006 jeweils bis zu einer Woche lang einen Beschleunigungsmesser, der ihre Schrittzahl aufzeichnete. Durchschnittlich wurden 9124 Schritte zurückgelegt. Bis zum Dezember 2015 waren von den Teilnehmern 1165 verstorben, darunter 283 an Krebs und 406 an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Schutz vor Krebstod und Herz-Kreislauf-Tod
Bei Analyse der Daten stellte sich heraus: Je mehr Schritte täglich absolviert wurde, desto niedriger war die Mortalität (Sterblichkeit). Menschen, die es am Tag auf 12 000 Schritte gebracht hatten (das entspricht etwa einem zweistündigen Spaziergang) hatten ein 16-fach niedrigeres Sterberisko als diejenigen mit weniger als 4000 Schritten. Interessanterweise wurde nicht nur dem Herz-Kreislauf-Tod vorgebeugt. Auch vor dem Krebstod schützte vermehrte Bewegung ? allerdings nicht ganz so deutlich.

Doch wurde das Ergebnis nicht verfälscht, weil sich ohnehin gesündere Menschen sowieso schon mehr bewegen? Um diesen Einfluss auszuschließen, berücksichtigten die Forscher bei der Analyse eine Reihe von Faktoren, die das Sterberisiko erhöhen (z. B. Alter, Rauchstatus, Gewicht und Erkrankungen wie Bronchitis, Krebs, Schlaganfall oder Diabetes). Auch danach blieb der Einfluss der Schrittzahl signifikant: Erwachsene mit einer Schrittzahl über 8000 hatten in den zehn folgenden Jahren ein um 51% niedrigeres Sterberisiko als die Lauffaulen mit weniger als 4000 Schritten.

Joggen muss nicht sein
Die Ergebnisse waren unabhängig vom Alter und vom Geschlecht ? Frauen und Männer profitierten gleichermaßen vom fleißigen Marschieren. Auch die Schnelligkeit der Schritte hatte keinen Einfluss, denn der positive Effekt der Schritte zeigte sich, egal ob gejoggt oder gegangen wurde.

Quelle: Ärzteblatt

Hunde erschnüffeln Coronavirus: Erster Einsatz am Flughafen

Quelle: apotheken.de | 07.10.2020 | Dr. med. Sonja Kempinski
 Eine Hundenase hat ein etwa eine Million Mal besseres Riechvermögen als eine Menschennase.Einmal am Menschenschweiß riechen und dabei Coronaviren identifizieren ? das ist kein Problem für feine Hundenasen. Und sogar schon Realität: Am Flughafen Helsinki sind in einem Pilotversuch vier ausgebildete Covid-Schnüffel-Hunde im Einsatz.

Nach 10 Sekunden Virus erschnüffelt
Ob Drogen, Papiergeld, Leichen, ein erniedrigter Blutzuckerspiegel oder eine beginnende Krebserkrankung ? vor einer Hundenase lässt sich kaum etwas verbergen. Kein Wunder, dass Hundetrainer in ganz Europa schon seit einigen Monaten versuchen, die Vierbeiner auch für das Auffinden von Coronaviren zu begeistern.

Mit Erfolg: Dank ihres ausgezeichneten Geruchssinns können trainierte Hunde SARS-CoV-2 schon innerhalb von 10 Sekunden im menschlichen Schweiß erschnüffeln ? mit einer nahezu 100%igen Trefferquote. Und das bei weitaus geringeren Konzentrationen, als sie für die Laboruntersuchung erforderlich sind, und schon Tage, bevor der Infizierte Beschwerden entwickelt. Ein weiterer Pluspunkt für Hunde im Covid-Dienst: Nach derzeitigem Kenntnisstand können sich die Vierbeiner nicht mit SARS-CoV-2 infizieren und die Krankheit deshalb auch nicht auf Menschen übertragen.

Tuch und Hund reichen aus
In Finnland sind jetzt die ersten ausgebildeten Covid-Schnüffler im Einsatz: Vier Monate lang sollen ET, Kossi, Miina und Valo am Flughafen Helsinki Corona-Viren aufspüren. Dazu werden die ankommenden Passagiere nach dem Einsammeln ihres Gepäcks gebeten, ihre Haut mit einem Tuch abzuwischen. Das Tuch wird in einen Becher gesteckt und dieser zwischen anderen Kontrolltüchern platziert. Erschnüffelt der Hund das Virus, bellt er, scharrt er oder legt sich hin. In diesem Fall wird dem Fluggast ein Nasenabstrich entnommen und die Hundediagnose mit PCR überprüft und bestenfalls bestätigt. Zeigt sich die Zuverlässigkeit der Hundenasen, kann später auf eine Laborkontrolle verzichtet werden.

Altenheime und Fußballspiele
Die Studienleiter sind optimistisch, dass der Pilotversuch erfolgreich abgeschlossen wird und die Hunde eine Covid-Infektion zuverlässig erkennen. Ist das der Fall, steht in Zukunft ein einfacher, schneller und kostengünstiger Test zur Verfügung. Denkbar wäre, die Corona-Hunde dort einzusetzen, wo viele Menschen zusammenkommen: Zum Beispiel bei Sportveranstaltungen, kulturellen Events, aber auch in Pflegeheimen oder Krankenhäusern.

Quelle: The Guardian